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Sagt uns die Wahrheit!

 

 

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Bernd Ulrich, Sagt uns die Wahrheit, Kiepenheuer & Witsch 2015, ISBN 978-3-462-04857-5

 

Der Autor dieser kleinen Streitschrift, der stellvertretende Chefredakteur der Wochenzeitung DIE ZEIT Bernd Ulrich, gehört seit den siebziger Jahren zu den profiliertesten journalistischen Begleitern der Bundesrepublik Deutschland. Seit vielen Jahren werden seine Leitartikel und Kommentare, vor allen Dingen zur Innenpolitik, weit über die Grenzen des Landes hinaus beachtet und diskutiert. Über die Parteigrenzen hinweg gehört er in Deutschland bei den Politikern zu den gefragten und geschätzten kritischen Gesprächspartnern.

Weil auch Bernd Ulrich deren Arbeit ernst nimmt, sieht er sich mit diesem Büchlein gezwungen, ihnen kräftig ins Gewissen zu reden. „Sagt uns die Wahrheit!“ ruft er ihnen zu, und versucht dem interessierten Bürger zu erklären „was die Politiker verschweigen und warum.“

Als Ulrich diese Streitschrift schrieb, war noch nicht annähernd erkennbar, wie dramatisch und verzweifelt sich die Situation der Flüchtlinge verändern würde, die, von anderen europäischen Staaten einfach weiter gewunken, zu Hunderttausenden in unser Land kommen und sich dort eine Zukunft erhoffen, die ihnen unser Land nicht geben können wird, jedenfalls nicht in dem Tempo und der Weise, wie sie sich das offenbar erhoffen.

Das permanente Wiederholen des Satzes „Wir schaffen das!“, ohne auf die immensen Probleme der Kommunen und Landkreise einzugehen und vor allen Dingen auf die Ängste der Menschen, ist ein ganz aktuelles Beispiel dafür, wie die Politiker den Menschen im Land einfach nicht die Wahrheit sagen. Ulrich macht das in seinem Buch an dem Handling der Griechenlandkrise deutlich und nimmt auch die Rolle der Medien, auch die seiner eigenen Zeitung und seiner eigenen Rolle dabei, kritisch in den Blick.

Seine Hauptthese ist: Deutschlands Politiker haben Angst, dass das Volk, erführe es die Wahrheit, in alte, überwunden geglaubte Muster zurück fallen könnte. (vgl.Pegida u.ä.) . Ulrich sagt hingegen: das Volk ist reif, die Wahrheit zu erfahren und mit ihr auch umzugehen. Die Politik muss ihre Scheu vor einer nicht gewünschten Reaktion der Bürger aufgeben und sie mit ins Boot nehmen. Offenheit und Ehrlichkeit statt alter Beschwichtigungspolitik. Die nämlich zerstört die Aussicht auf bessere Lösungen.

Ein engagiertes und auch selbstkritisches Plädoyer für eine neue politische Kultur der Aufrichtigkeit. Ein Aufruf zu einem neuen Dialog zwischen Bürgern und Politik.