Schlagwort-Archive: Naturfotografie

Das (de)konstruierte Glück

 

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Barbara Köppe, Das (de)konstruierte Glück. Fotografien DDR 1964-1990, Nicolai Verlag 2015, ISBN 978-3-89479-953-3

Herausgegeben und mit einem instruktiven einleitenden Essay von Ursula Röper versehen, stellt dieser Fotoband bislang nahezu unbekannte Fotografien aus der Zeit zwischen 1964 und 1990 vor. Barbara Köppe hat sie gemacht und verschafft dem Betrachter ganz einzigartige Innenansichten der DDR.

Das besondere Interesse dieser Fotografin galt den Lebensbedingungen und –situationen von Frauen in der DDR. Sie machen deshalb auch den Großteil der in diesem Band versammelten Bilder aus. Weder dem Feminismus noch der offiziellen Ideologie verpflichtet schafft sie es, mit ihren Bildern einen unbestechlichen Blick auf die Brüche einer Gesellschaft zu werfen, die sich immer und in jedem Segment den Versprechungen sozialistischen Glücks verpflichtet wusste.

Es sind faszinierende Bilder, die auch dem Betrachter, der die DDR nicht von innen kannte, einen tiefen Eindruck vermitteln von einem Alltag, der für die Frauen gekennzeichnet war von Arbeit, Kindern und kleinen Nischen gehüteten Glücks.

Arctica. The Vanishing North

 

 

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Sebastian Copeland, Arctica. The Vanishing North, Te Neues 2015, ISBN 978-3-8327-3281-3

 

Der Fotograf Sebastian Copeland spricht schon im Titel seines neuen Buches an, worum es ihm geht. Er will mit seinen Aufnahmen aufmerksam machen auf die Verletzlichkeit einer einzigartig schönen Region dieser Erde. 1964 geboren, macht sich Sebastian Copeland immer wieder auf zu langen Expeditionen in eine traumhaft schöne Landschaft, die durch die Erderwärmung schon jetzt jedes Jahr in ihrer Größe abnimmt und in einigen Jahrzehnten ganz verschwunden sein wird.

Über seinen ersten Besuch in der Arktis im Jahr 2005 sagt er in einem Interview:

„Die Arktis hat mich vom ersten Moment an gefesselt. Ich kannte Kälte, aber nicht solche Kälte. Aus der praktischen Perspektive finde ich es super, dass das Eis grenzenlose Wassermengen bereithält und ich es einfach nur schmelzen muss. So brauche ich keine Wasservorräte tragen. Das ist der Vorteil gegenüber anderen Wüsten.

Künstlerisch gesehen gefällt mir sehr, wie sauber die Landschaft ist, visuell vollkommen frei von menschlichen Einflüssen und vom Chaos, das organisches Leben mit sich bringt. Das Eis ist leer – wie eine weiße Leinwand. Optisch und philosophisch lädt mich solch eine weiße Leinwand zum Interpretieren und Reflektieren ein.“

Seine faszinierende Bilder sind ein Aufruf zum Handeln, doch er schätzt die Bereitschaft der Regierung dazu pessimistisch ein: „Gewählte Politiker sollten Anführer sein. Viele kümmern sich nur um wählerfreundliche Themen und setzen den Klimawandel ganz unten auf die Tagesordnung, weil diese Problematik über einzelne Legislaturperioden hinausgeht. Es ärgert mich auch, dass Wissenschaftlern, die den Klimawandel leugnen, eine so laute Stimme gegeben wird. Wie fortschrittlich eine Zivilisation ist, zeigt sich nicht zuletzt an ihrem Wissen. Wenn uns die vermeintlichen Experten aber nicht lehren, im Einklang mit der Natur zu leben, bringt uns das Wissen gar nichts. Warum sollte man die Forschung solcher Wissenschaftler dann überhaupt finanzieren?“

Es macht traurig und nachdenklich zu wissen, dass es irgendwann Bücher wie das hier vorliegende von Sebastian Copeland sein werden, die unsere Enkel anschauen werden, um zu verstehen, was die Arktis einmal war.

 

 

 

Küstenbären

 

 

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Ingo Arndt, Küstenbären, Knesebeck 2014, ISBN 978-3-86873-654-0

 

Es wird in den kurzen, gut geschriebenen Texten deutlich: wenn ein ausgewachsener, männlicher Bär das Feld betritt, sollten alle anderen lieber verschwinden! Diese Tiere sind eben nicht nur niedlich, sondern auch mit großer Kraft ausgestattet. Und so findet sich dann zwischen sehr vielen, sehr niedlichen Fotos auch mal ein Bär mit böser Augenverletzung.

Die Fotos im Buch sind nie seitenfüllend, es bleibt immer mehr oder weniger weisser Rand, in dem dann die Bildunterschriften und die weiteren Texte untergebracht sind.

Bilder ohne Bären gibt es auch, etwa das Watt im Lake Clark National Park, Möwen und andere Vögel, aber zum Großteil eben Bären. Nahezu auf jeder Seite mindestens ein farbiges Foto.

Ein Klimadiagramm zu Beginn wäre nützlich, um einschätzen zu können wie warm es in dieser Region Alaskas ist: auf einigen Bilder sieht es sommerlich warm aus, während gut ein Drittel von Schnee und Kälte zeugt. Wie unwirtlich diese Gegend ist wird gleich zu Anfang in Ingo Arndts lebhafter Beschreibung seines Anflugs in einer kleinen Cessna deutlich. Wackelig und unbehaglich, besonders bei ungünstigem Wetter. Es folgt eine Karte von Alaska: der Nationalpark befindet sich im Süden des US-Bundesstaates.

Der Fotograf Ingo Arndt wurde 1968 in Frankfurt am Main geboren und veröffentlicht regelmäßig für die Zeitschrift Geo. Bisher sind 15 Bücher von ihm erschienen. Im Anhang verrät er auf einer Seite, welche Kameras er verwendet hat und verweist auf die „ständig wechselnden Wetterbedingungen“ in Alaska. Eines der Fotos thematisiert diese vier Jahreszeiten an nur einem einzigen Tag.

Bären beim Spielen, zwei Bärenjunge, die neugierig den Fotografen beobachten oder Bären, die sich mit der Pfote die Augen reiben – viele der Fotos sind herzerwärmend. Nicht zu verwechseln mit kitschig! Bären beim Jagen und Bären, die dem offenbar eisigen Wind trotzen vermitteln eine andere Stimmung.

Ein sehr informatives, gut geschriebenes Buch mit zahlreichen, beeindruckenden Fotos der Küstenbären von Alaska!