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Iron Curtain Trail

 

 

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Joachim Franz, Matthias Huthmacher, Iron Curtain Trail. Mit dem E-Bike von Norwegen bis zum Schwarzen Meer, Delius Klasing 2016, ISBN 978-3-667-10450-2

 

Der Eiserne Vorhang teilte Europa für nahezu ein halbes Jahrhundert von der Barentssee bis zum Schwarzen Meer in Ost und West. Entlang des ehemaligen Grenzstreifens entstand auf Initiative des Europa-Abgeordneten Michael Cramer an der Westgrenze der ehemaligen Warschauer Pakt-Staaten der ca. 10.000 km lange Europa-Radweg Eiserner Vorhang (Iron Curtain Trail), der europäische Geschichte, Politik, Natur und Kultur erlebbar macht.

Entlang des ehemaligen Grenzstreifens wurde auf circa 10.000 km ein Radweg geschaffen, der europäische Geschichte mit nachhaltigen Tourismus verbindet und so einen Beitrag zum Zusammenwachsen Europas leistet. Bereits im Jahr 2005 hat das Europäische Parlament auf Initiative des Berliner Europa-Abgeordneten Michael Cramer mit großer Mehrheit beschlossen, den Iron Curtain Trail als beispielhaftes europäisches Projekt für nachhaltigen Tourismus zu unterstützen.

 

Mittlerweile gibt es dafür zahlreiche GPS-Programme und auch zahlreiche Reiseveranstalter laden zu organisierten Fahrten auf dieser Strecke ein. Einen Vorgeschmack dafür kann man sich mit dem bei Delius Klasing erschienenen Buch holen, in dem Joachim Franz und Matthias Huthmacher ihre insgesamt vierwöchige Tour auf dem Iron Curtain Trail in Wort und Bild dokumentieren.

 

Bei Tagesstrecken von mehr als 300 Kilometern (sie haben auch lange und ausgiebig vorher trainiert) und mit entsprechender Unterstützung durch Begleitfahrzuge können sie nicht nur zeigen, zu welchen Leistungen moderne E-Bikes mittlerweile bei entsprechender unterstützender Technik in der Lage sind, sondern ihr Buch und seine begeisterten Beschreibungen sind auch ein Hohelied der Freiheit der Grenzen im Europa nach 1989.

 

Martin Schulz, der Präsident des Europäischen Parlaments hat am 24.März 2014 zu diesem Buch und Projekt ein Vorwort geschrieben, als er und andere noch nicht ahnen konnten und wohl auch niemals für möglich hielten, dass nur zwei Jahre später in Europa wieder Grenzzäune errichtet werden, um Menschen an der freien Fortbewegung zu hindern. Ob Martin Schulz in diesen Tagen an sein Vorwort denkt?

 

Das Buch ist nicht nur für Freunde des Fahrradsports eine interessante Lektüre, sondern auch eine Hommage an ein friedliches Europa, das in diesen Zeiten zu vergessen droht, aus welcher Geschichte es kommt und welchen Entwicklungen es seine Freiheit zu verdanken hat. Dass das Vergessen gerade in jenen Ländern besonders groß ist, die unter der Unfreiheit am meisten zu leiden hatten, macht nachdenklich und ist schwer zu verstehen.