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Pakete an Frau Blech

 

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Rolf Bauerdick, Pakete an Frau Blech, DVA 2015, ISBN 978-3-421-04645-1

 

In einem so noch nie dagewesenen Trauerzug wird der Sarg des großen Zirkusdirektors Alberto Bellmonti durch Berlin getragen und auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin auf einem Friedhof für hochrangige DDR-Funktionäre bestattet. Auch der Protagonist des neuen Romans von Rolf Bauerdick, Maik Kleine, ist bei diesem Trauerzug für seinen väterlichen Freund dabei, genau wie alles, was in der glitzernden Zirkuswelt Rang und Namen hat.

Kaum ist Alberto unter der Erde, da tauchen Meldungen und Gerüchte auf, der Tote habe eine unrühmliche Stasivergangenheit. Maik will das nicht glauben und macht sich zusammen mit dem Kapellmeister Szymbo und der schwebenden Jungfrau Albina auf eine Spurensuche, die ihn schon bald nicht nur mit der deutschen Geschichte, sondern auch mit der seiner eigenen Familie konfrontiert. Er erfährt die erschütternde Wahrheit über jene Tragödie, die seinen beiden Brüdern das Leben kostete und seiner Mutter die Freiheit nahm.

„Nur wer eine Geschichte hat, kann seien Vergangenheit hinter sich lassen“. Das ist sozusagen das Motto und die Leitidee von Rolf Bauerdick, der mit großer Erzählkunst seine Leser vor dem Hintergrund der deutsch-deutschen Vergangenheit in sehr seltsame Welten entführt.

Das Buch besteht aus zwei Zeitebenen. Zum einem die Gegenwart, in der Maik und seine Freunde sich auf eine spannende Spurensuche begeben und zum anderen die Zeit, als Maik ein Jugendlicher war. Spannend konstruiert und in einer wunderbaren Sprache erzählt, öffnet Bauerdick dem Leser immer mehr Zusammenhänge. Und irgendwann wird auch klar, was die Pakete, die Maiks Tante, Frau Blech aus dem Westen schickte, mit den tragischen Ereignissen zu tun haben, die den Brüdern das Leben und der Mutter die Freiheit kostete.

Ein Buch geschrieben mit der Leidenschaft eines großen Erzählers.