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Die freie Liebe

 

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Volker Hage, Die freie Liebe, Luchterhand 2015, ISBN 978-3-630-87468-5

 

Nun hat sich auch Volker Hage, der ehemalige Kultur-Chef des „Spiegel“ unter die Romanautoren gewagt, In „Die freie Liebe“ erzählt er die Geschichte einer Dreiecksbeziehung in den 70ern. Zwischen Umsturz und Revolution probieren eine junge Frau und zwei Männer in Sachen Erotik alles Mögliche aus.

In einer Rahmenhandlung treffen sich nach 40 Jahren zwei Männer wieder. Sie lebten in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in München zusammen mit einer Frau in einer WG. Sie tauschen die eine oder andere Erinnerung aus, wollen sich auch wiedersehen, doch zu sagen haben sie sich nicht viel.

Kurze Zeit später findet der Ich-Erzähler in der Wohnung seiner verstorbenen Mutter sein altes Tagebuch aus dieser Zeit. Dieses Tagebuch macht den größten Teil des Romans aus.

Es handelt von einer Zeit, in der alles Mögliche ausprobiert wurde, freie Sexualität, Umsturz, Revolution – doch viel merkt man davon nicht. Die Zeitumstände werden nur kurz angerissen, hauptsächlich geht es im Stile eines Softpornos („So etwas Schönes hatte ich noch nie gesehen, ihre dunkle Haut, ihr schmaler Körper, große Brüste, pechschwarzes Schamhaar. Alles im Kerzenlicht.“) um eine Dreiecksbeziehung.

Vergleiche des jungen Tagebuchschreibers mit Goethes Stella, mit Max Frisch, aber auch Philip Roth und John Updike werden erwähnt, zeigen meiner Meinung nach, in welcher literarischen Klasse sich Volker Hage selbst ansiedelt. Ob er da hingehört? Reich-Ranicki wusste schon genau, warum er keine Romane schrieb.

 

 

 

Liebe und Sex in Zeiten der Untreue

Dirk Revenstorf, Liebe und Sex in Zeiten der Untreue,
Pattloch 2015, ISBN 978-3-629-13064-8

„Wege aus der Verunsicherung“ bietet der Paartherapeut Dirk Revenstorf in seinem neuen Buch Menschen an, die sich nach nichts mehr sehnen, als in einer Paarbeziehung glücklich zu werden und zu bleiben.

Eine Verunsicherung, die flächendeckend geworden ist in einer Zeit, in der nicht nur Partnervermittlungen übers Internet die meisten ihrer Nutzer enttäuschen, weil dort gelogen wird, dass sich die Balken biegen, sondern auch zunehmend von Menschen aktiv genutzt werden, um sich Seitensprünge zu organisieren. Die meisten Menschen, die jemand kennenlernen wollen für ein feste und treue Beziehung sehen sich mit einer Vielzahl von Möglichkeiten konfrontiert, bei denen alles möglich ist und bei denen – scheinbar – der Einzelne selbst darüber entscheidet, was er will. Kaum noch geben traditionelle Werte und Normen Orientierung.

„Wir leben in Zeiten, in denen fast alles erlaubt ist, und trotzdem sind wenige glücklich“. Mit diesen Worten beschreibt Revenstorf aus seiner Forschung und Praxis als Paartherapeut heraus den Ist-Zustand. Ein Schwerpunkt seiner mit vielen Beispielen aus seiner Praxis angereicherten Darlegungen, ist der Umstand, dass die Untreue mittlerweile gesellschaftsfähig und zum Normalfall geworden ist, über den sich kaum noch jemand echauffiert, der aber unzählige Beziehungen vergiftet und zerstört.

Dennoch rät Revenstorf seinen Lesern, ihre gängigen Bilder, die gesellschaftlichen Erwartungen und Vorstellungen über Liebe und Sex hinter sich zu lassen und gemeinsam mit ihrem Partner in einem Reifeprozess miteinander zu wachsen. Doch vor einem warnt er: „Die Liebe aufzugeben wäre von allen Abstrichen, die in der postmodernen Welt von der Geborgenheit gemacht werden müssen, allerdings der größte Verlust“. Ein Verlust, der vermieden werden kann, so glaubt er.

Ein Buch, das sich sehr nah am Menschen und seinen Problemen bewegt. Ein Buch, das die Gegenwart der Liebe in Beziehungen von allen Seiten her realistisch betrachtet. Ein Buch, das Gefährdungen, aber auch Chancen aufzeigt und Wege beschreibt, wie Paare diese Chancen für sich fruchtbar machen können.