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Das nachtblaue Kleid

 

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Karen Foxlee, Das nachtblaue Kleid , Beltz & Gelberg 2014, ISBN 978-3-407-81181-3

 

Rose Lovell ist ein einsames Mädchen. Niemals hat sie irgendwo dazugehört, niemals einen Freund oder eine Freundin gehabt. Als sie mit ihrem unsteten Vater, der ihr auch kein rechter Halt ist, in einem abgelegenen Ort an der Pazifikküste in der Nähe des Regenwaldes auf einem heruntergekommenen Campingplatz landet, lernt sie dort bald Pearl Kelly kennen. Ein Mädchen mit enormer Ausstrahlung, die ihrem Vornamen alle Ehre macht.

Nach langen Gesprächen, in denen Rose langsam Vertrauen fasst, lässt sie sich von Pearl dazu überreden, an dem jährlichen Ball zur Zuckerrohrernte teilzunehmen, ein Ereignis, dem alle Mädchen mit großer Spannung entgegenfiebern.

Als Rose die alte Edith Baker kennenlernt, bietet die ihr an, mit ihr zusammen ein Kleid für diesen Ball zu nähen. An vielen langen Abenden entwerfen und nähen sie ein wunderbares nachtblaues Kleid, in dem Rose sicher die Schönste auf dem Ball sein wird. Und Edith erzählt aus ihrem Leben und von ihren verborgenen Geheimnissen.

Doch dann passiert etwas ganz Schreckliches. Ein Mädchen verschwindet in einer schwülen Nacht. Es trug das magische nachtblaue Kleid. Doch niemand weiß: ist es Rose oder ist es Kelly?

In zwei Erzählsträngen baut Karen Foxlee ein Jugendbuch auf, das die Geschichte eines Mädchens erzählt, das seinen Platz in der Welt sucht und in dem es um Freundschaft geht, um Liebe und um Verrat. Im ersten Strang, der Gegenwart, ist zu Beginn des Buches das Unglück bereits geschehen, und in einem zweiten Strang wird in Rückblicken erzählt, was von der Ankunft von Rose Lovell in dem Ort am Regenwald bis zum Verschwinden des Mädchens geschieht.

Obwohl man das Ende schon am Anfang weiß, ist das Buch überaus spannend zu lesen und die Geschichte der beiden so grundverschiedenen Freundinnen bewegt und berührt doch sehr.

Sprachlich absolut gelungen, kann ich das Buch für Jugendliche sehr empfehlen, doch auch Erwachsene werden, wie bei jedem wirklich guten Jugendbuch, ihre Freude daran haben.

 

 

 

 

Ex

 

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Helen Fitzgerald, Ex  , Galiani 2015, ISBN 978-3-86971-081-5

 

Sie hat eine bipolare Störung und auch ihre Kindheit war offenbar nicht die beste. Die Rede ist von der Hauptperson des hier vorliegenden Thrillers, die den größten Teil der Geschichte selbst erzählt. Catriona Marsden aus Schottland hat immer wieder Blackouts, die ihre Erinnerung trüben und verwischen.

Zu Beginn des Buches findet sie sich im Gefängnis, weil sie im Verdacht steht, drei ihrer Ex-Freunde umgebracht und schrecklich verstümmelt zu haben. Zuvor war sie nach Lucca in der Toskana gefahren, wo sie zusammen mit ihrem Traummann, dem Arzt Joe, ihre Hochzeit vorbereitet hatte. In einer seltsamen Entscheidung geben die beiden sich in der Woche vor ihrer Hochzeit noch einmal völlige, vor allem sexuelle Freiheit.

Cats Mutter ist der Überzeugung, man müsse seine Vergangenheit richtig abschließen. Catriona legt das so aus, dass sie mit allen ihren vier bisherigen Partnern noch einmal ins Bett geht.
Sie schläft mit Johnny, Rory und mit Achmed und kann sich nicht erklären, wieso diese jeweils kurz danach mit abgeschnittenem Penis tot aufgefunden werden. Die Geschlechtsteile selbst findet man an anderen Orten, Orten, die für Catriona eine wichtige Bedeutung haben und die nur sie offenbar kennt. Schwache Fetzen an eine Handtasche und deren Inhalt geistern im Gefängnis durch ihre Erinnerung und auch der Leser spürt die Ungereimtheiten, ohne ihnen allerdings auf die Spur kommen zu können.

Eine Schriftstellerin, zunächst Cat sehr zugewandt, schreibt ein Buch darüber, über das Cat sehr schockiert ist, weil sie ganz anders dargestellt wird, als sie sich selbst sehen möchte.
Nur Cats Mutter und ihre beste Freundin schon seit den gemeinsamen Schulzeiten, Anna (sie begehrt Cat seit langem) halten bedingungslos zu ihr. Eine sehr verzwickte Lage wird da von Helen Fitzgerald aufgebaut. Sie wird sich in immer wieder neuen überraschenden Wendungen ändern. Rückblicke auf Cats Vergangenheit und ihre Geschichte mit den Männern wechseln sich ab mit spannenden Geschehnissen und Aktionen in der Gegenwart und führen zu für den Leser lange undurchschaubaren Verwicklungen. Was ist mit Joes Großmutter, die er so verehrt. Wo ist die Tatwaffe, eine Gartenschere abgeblieben? Ist Cat verrückt, und gestört, oder sagt sie die Wahrheit?

Lange Zeit gelingt es Helen Fitzgerald, den Leser im absoluten Dunkel zu lassen bis zu einem sehr überraschenden Ende. Er hat sich in der Zwischenzeit gut unterhalten und ein spannendes Buch gelesen, das in Sprache und Aufbau über dem Durchschnitt liegt, von einem großen Buch aber doch etwas entfernt ist.