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Thomas Müntzer

 

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Hans- Jürgen Goertz, Thomas Müntzer, C.H. Beck 2015, ISBN 978-3-406-68163-9

 

Im Jahr 2017 feiert insbesondere die Ev. Kirche in Deutschland die 500. Wiederkehr der Reformation, die maßgeblich durch Martin Luther beeinflusst wurde.

Dass es aber während der langen und turbulenten Geschichte der Reformation im 16. Jahrhundert auch andere reformatorischen Lesarten des Evangeliums gab, das haben die „Sieger“ bald vergessen und die Kirchen haben das lange totgeschwiegen.

Thomas Müntzer vor allem, von Ernst Bloch als „Theologe der Revolution“ verehrt und beschrieben und von Heinrich Heine der „heldenmütigste und unglücklichste Spohn des deutschen Vaterlandes“ genannt, wurde lange nur in einer Nische der Reformations- und Kirchengeschichte gewürdigt. Der Autor des vorliegenden Biographie, Hans-Jürgen Goertz gilt seit Jahrzehnten als einer der ausgewiesensten Kenner der Theologie Müntzers, auf dessen Texte ich als Theologiestudent schon in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts angewiesen war, wollte ich auch die andere Seite kennenlernen.

Thomas Müntzer wollte zeit seines Lebens die Grundeinsichten der Reformation, dass Gott gerecht und die Christen frei seien, auch politisch verwirklicht sehen, während Luther sich mit seiner Zwei-Reiche-Lehre aus der Affäre zog. Deshalb schloss sich Müntzer dem Aufstand den Bauern an, den Luther mit scharfen Worte denunzierte. Dafür wurde er später, nach der Niederlage der Bauern 1525, gefoltert und hingerichtet.

In dieser gut lesbaren Biographie erzählt Goertz vom Leben eines Revolutionärs, der sich auf die Naherwartung des NT bezog und das Reich Gottes quasi vor der Tür stehen sah.

Damit erinnert er, kurz vor dem groß angelegten Gedenken an die 500. Wiederkehr der Reformation an eine unterdrückte Bewegung dieser Reformation, die bis heute immer wieder aufbricht und immer noch aktuell ist.

Goertz erzählt das Leben und Wirken Müntzers immer eingebettet in die Geschichte der anderen Flügel der Reformation, widmet sich ausführlich der Rezeption Müntzers und den Verzerrungen seiner Theologie in der Neuzeit und legt mit seine letzten Kapitel mit dem Titel „Thomas Müntzer und die Theologie heute“ sieben bedenkenswerte Ansätze der Inklusion von Müntzers Anliegen in kontemporärer reformatorische Theologie.

Ob seine Stimme aber in dem Hype der nächsten beiden Jahre inklusive Papstbesuch gehört wird, wage ich zu bezweifeln.