Schlagwort-Archive: Verlust

Das Buch der Trauer

 

 

42678231z

 

Jorge Bucay, Das Buch  der Trauer, Fischer Taschenbuch Verlag 2015, ISBN  978-3-596-19795-8

 

Unser ganzes Leben besteht, wenn man es genau nimmt, aus einem ständigen Prozess des Aufgebens  und  Loslassen.  Kleine und kurze Abschnitte, die oft plötzlich zu  Ende  gehen, Menschen,  die aus dem eigenen Leben wieder verschwinden und  dennoch ihre  Spuren hinterlassen, prägende und liebevolle Beziehungen, die an ihr oft schmerzhaftes Ende kommen.

Und nicht zuletzt der Tod, der oft wie ein Dieb in der Nacht sich in unser Leben schleicht und uns das nimmt,  was uns das Liebste war.

Mit  einer  Vielzahl von  Beispielen  aus seiner  langen  therapeutischen Praxis erzählt Jorge  Bucay sehr feinfühlig und kompetent von diesen unterschiedlichen Verlusten,  die uns treffen können, und versucht immer wieder sehr konkret einen Weg zu weisen, auf dem wir lernend gehen können. Lernend, dass alles, was wir verlieren, uns genauso ausmacht und prägt, wie das, was wir als Glück oder Erfolg erfahren haben. Es kommt darauf an,  sich bei diesen Verlusten dem Schmerz zu stellen, ihn anzunehmen und die Trauer nicht wegzudrücken.

Diese Form der Trauerbewältigung ist nicht nur der beste, sondern auch der einzige Weg, nach einem schweren  Verlust  in das Leben und seinen vollen Beziehungsreichtum  zurückzufinden.

Angemessen  wahrgenommen  und ausreichend  betrauert und  verarbeitet sind Verluste etwas Notwendiges. Sie bereichern unser Leben am Ende und lassen uns wachsen.

Ein Buch, das mir auch schon lange zurückliegende Verluste in einem neuen Licht gezeigt hat.

 

Oma trinkt im Himmel Tee

 

 

41691958z

 

Fang Suzhen, Sonja Danowski, Oma trinkt im Himmel Tee, Nord Süd 2015, ISBN 978-3-314-10275-2

 

Dem kleinen Xiao Le in diesem wunderbaren Bilderbuch der taiwanesischen Bilderbuchautorin Fang Shen, die dort schon über 200 Bücher für Kinder veröffentlicht hat, geht es genauso wie vielen anderen Kindern überall auf der Welt. Sie wohnen mit ihren Eltern weit weg von den Großeltern und können sie nur selten sehen.

Xiao Les Oma wohnt im weit entfernten Dorf der duftenden Blumen. Lange ist es her, dass er sie zum letzten Mal gesehen hat. Da entschließt sich seine Mama plötzlich zusammen mit ihrem Sohn ihre Mutter zu besuchen. Als die dort nach einer langen Zugfahrt ankommen, wird deutlich, warum die Mutter diesen Reise mit ihrem Sohn unternimmt. Die Oma ist krank und sie will auf eine einfühlsame Weise, dass Xiao Le seine Oma noch einmal sieht.

Sie spielen und essen zusammen, die Oma erzählt ihm von der Kindheit seiner Mutter, zeigt ihm Bilder. Sie verbringen eine schöne Zeit, bei der der kleine Junge aber deutlich spürt (und natürlich auch die Kinder, denen dieses schöne Buch vorgelesen wird), dass irgendetwas bei den Erwachsenen vor sich geht. Sie alle haben ernste und traurige Gesichter und sie weinen oft.

Abends fahren Xiao Le und seine Mama mit dem letzten Zug nach Hause. Danach hat der Junge seine Oma nicht mehr gesehen. Die Mutter sagt: „Oma hat das Dorf der duftenden Blumen verlassen und bist in den Himmel gezogen.“ Der Junge sieht seine Mama oft in den Himmel schauen und weinen und spürt, dass seine Mama ihre Mama vermisst. Und mit vielen rührenden Sätzen versucht er sie zu trösten. Als er sagt:

„Nicht weinen! Deine Mama ist mit ihrer Mama im Himmel Tee trinken gegangen“, da umarmt sie ihren Sohn und weint noch mehr. Doch der kleine etwa fünfjährige Junge (so hat ihn jedenfalls Sonja Danowski in ihren zauberhaften Illustrationen gemalt) schafft es mit seinem kindlichen Trost immer wieder, seiner Mutter Kraft zu geben, die sie braucht für ihn.

Ein sehr einfühlsames und am Ende dann gar nicht mehr so trauriges Buch über Verlust und Erinnerung aus der Wahrnehmung eines Kindes.