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Das Volk der Bäume

Fremd, unheilvoll, unaufhaltsam und brillant – ich stecke mitten in der Lektüre von Hanya Yanagiharas „Das Volk der Bäume“, und alle paar Seiten läuft mir ein Schauder über den Rücken. Weil es so spannend ist? Nicht so sehr. Eher weil mich das Buch fesselt, obwohl ich die schlimmsten Vorahnungen hege.

Wenn man Yanagiharas Erfolgsroman „Ein wenig Leben“ gelesen hat, dieses grausige Meisterwerk, weiß man, was die Amerikanerin ihren Figuren zustoßen lassen kann. Und auch bei dieser Geschichte ahnt man es ab Seite eins.

Trotzdem folgt man dem jungen Wissenschaftler Norton Perina im Jahr 1950 auf eine faszinierende Reise zu der fiktiven Pazifikinsel Ivu´ivu. Im dichten Dschungel der Insel – Paradies und Hölle zugleich – sucht Norton das Abenteuer und findet etwas Unglaubliches: ein Volk, das die Unsterblichkeit entdeckt hat. Damit setzt er Ereignisse in Gang, die er nicht aufhalten kann, vielleicht gar nicht aufhalten will. Nortons Reise hat nicht nur zur Folge, dass die bis dato isolierten Inselbewohner mit den Übeln der westlichen „Zivilisation“ in Berührung kommen, sondern sie bringt auch ihn selbst an den Rand seiner Abgründe – und vermutlich darüber hinaus.

Kaum eine Autorin fordert ihre Leser emotional so sehr heraus wie Hanya Yanagihara. In diesem Roman lauert das Grauen zwischen den Zeilen und im Zwielicht des ivu´ivuianischen Dschungels. Noch kenne ich das Ende nicht, aber ich bin mir sicher: Ich werde erschüttert und um viele Gedanken reicher sein.

Das schafft nicht jedes Buch.