Alle Beiträge von Winfried Stanzick

Mein ungezähmter Garten

 

 

 

 

Norbert Griebl, Mein ungezähmter Garten, Haupt 2017, ISBN 978-3-258-08001-7

 

Man könnte das Buch leichtfertig als einen Ratgeber für faule Gärtner bezeichnen. Denn die hier vorliegenden 100 besten heimischen Pflanzen zum Verwildern die in diesem Buch vorgestellt werden, brauchen zwar viel Geduld, aber recht wenig Pflege.

 

Man kann auch einen schönen Garten haben, ohne sich abzurackern. Für denjenigen, der damit leben kann, dass Blumen aus der Reihe tanzen, und der es erträgt, wenn sich Wildpflanzen ausbreiten, ist dieser Ratgeber geschrieben.

 

Vier wesentliche Dinge gilt es zu beachten:

  • Je magerer der Boden, desto artenreicher ist der Garten.
  • Ausmagern lässt sich der Boden am einfachsten, indem man viel Sand oder feinen Kies in den Boden einbringt.
  • Bei Blütenpflanzen sollte man darauf achten, dass sie offene Blüten haben. Das erkennt man, wenn man die Staubblätter gut sieht. Solche Blüten bieten Insekten viel Nahrung.
  • Heimische Pflanzen und heimische Tierwelt sind optimal aufeinander abgestimmt. Wer heimische Wildpflanzen in seinen Garten holt, lockt auch Schmetterlinge, Wildbienen, Vögel und andere Tiere an. Es gibt in einem Wildgarten also sehr viel mehr Leben zu beobachten als in einem herkömmlichen Garten.

 

Spannendes Wissen für experimentierfreudige Gärtner.

 

Die 500 besten Wohnmobil-Stellplätze

 

 

 

 

Die 500 besten Wohnmobil-Stellplätze, Delius Klasing 2017, ISBN 978-3-667-10916-3

 

Dieser zum ersten Mal veröffentlichte Führer richtet sich weniger an Menschen oder Familien, die mit ihrem Wohnmobil in Deutschland und angrenzenden Ländern Urlaub machen wollen, sondern an solche, die das Wohnmobil nutzen , um bei den unterschiedlichsten mehrtägigen Freizeitaktivitäten die Übernachtungskosten zu sparen

 

Jeweils 50 Stellplätze werden vorgestellt mit Adresse, Telefonnummer und Preisen (Achtung: keine detaillierte Bewertung wird gegeben) für locations und events, die nach folgenden Gebieten geordnet sind:

  • Autofans
  • Burgherren
  • Volksfeste
  • Freizeitparks
  • Fußballfans
  • Am Strand
  • Tierfreunde
  • Weinkenner
  • Schnäppchenjäger
  • Wintersportler

 

Preiswert in der Anschaffung gehört dieser Führer als Grundausstattung in jedes Wohnmobil.

Das geheime Leben des Monsieur Pick (Hörbuch)

 

 

 

 

 

David Foekinos, Das geheime Leben des Monsieur Pick (Hörbuch), Der Hörverlag 2017, ISBN 978-3-8445-2541-0

 

In seinem neuen wunderbaren und spannenden Roman entführt der französische Bestsellerautor David Foenkinos seiner Leser hinein in die Welt der Bücher, in das Verlagswesen und seine Mythen und Geheimnisse.

 

Die in Paris lebende französische Lektorin Delphine Despero macht zusammen mit ihrem Partner, dem eher erfolglosen Schriftsteller Frederic Urlaub im Finstere. Sie kehrt zurück zu ihren Eltern in das kleine Dorf Crozon. In der dortigen Bibliothek hat der ehemalige, inzwischen  verstorbene Bibliothekar Jean-Pierre Gourvec, einem amerikanischen Vorbild folgend eine ganz besondere Bibliothek erstellt. Über eine lange Zeit hat er Romane gesammelt, die von einem oder mehreren Verlagen abgelehnt und von ihren Autoren bei ihm sozusagen endgelagert wurden.

 

Als Delphine und Frederic diese Bibliothek besuchen, finden sie ein Manuskript mit dem Titel „Die letzten Stunden einer großen Liebe“ von einem Autor namens Henri Pick. Delphine erkennt als erfahrene Lektorin sofort dessen literarische Qualität und wittert auch einen großen Erfolg für sie. Große Rätsel aber gibt ihr auf, wie Henri Pick, bis vor seinem Tod zwei Jahre zuvor, jahrzehntelang Pizzabäcker in Crozon, den niemand auch nur eine Zeile hat schreiben sehen, so etwas geschrieben haben könnte.

 

Delphine ficht das nicht an. Sie bringt das Buch beinihrem Verlag unter, erntet massig Lob und Anerkennung und das Buch verkauft sich phantastisch. Schon bald deutet Foenkinos immer wieder zart an, dass der Rolle von Delphine etwas Mysteriöses anhaftet, ohne näher darauf einzugehen. Ein Journalist, der sich von einer Hintergrundstory neuen Erfolg erhofft, will Licht in die Widersprüche bringen, die nur der sensationelle Erfolg des Buches immer wieder übertüncht.

 

Wer war es nun wirklich, der dieses Buch schrieb? Wie David Foenkinos diese Frage subtil vorantreibt, ist meisterhaft erzählt, spannend zumal. Und so ganz nebenbei betreibt er eine glänzende und ironisierende Parodie auf den zeitgenössischen Literaturbetrieb und seine Hypes.

 

So viel kann man verraten, weil der Leser schon nach etwa 100 Seiten den immer bohrenderen Verdacht bekommt: nichts ist so, wie es scheint.

 

Der Schauspieler Axel Milberg, der die hier vorliegende ungekürzte Hörbuchfassung für den Hörverlag eingelesen hat, ist bekannt für seine Fähigkeit, sich auch in dunkle Charaktere hineinzuversetzen und ihnen Leben einzuhauchen.  Auch bei dieser Lesung ist ihm das hervorragend gelungen. Den französischen Hintergrund der ganzen Geschichte bringt er beeindruckend zu Gehör.

 

 

Der karierte Uhu. Gute-Nacht-Geschichten

 

 

 

 

 

Erwin Moser, Der karierte Uhu. Gute-Nacht-Geschichten, Beltz & Gelberg 2017, ISBN 978-3-407-822076-9

 

Dieser Gute-Nacht-Klassiker von Erwin Moser erscheint nach 1992, 2000, 2004 nun 2017 in einer neuen Auflage für eine neue Generation von Kindern und vorlesenden Eltern.

 

Es sind durchweg phantasievolle Geschichten mit entsprechenden Welten und Wesen, in die Erwin Moser Kinder ab 4 Jahren hier mitnimmt.

 

Einfach zum Davonträumen.

Die Prinzessin auf dem Kürbis

 

 

 

 

Heinz Janisch, Linda Wolfsgruber, Die Prinzessin auf dem Kürbis, Jungbrunnen 2016, ISBN 978-3-7026-5901-1

 

Im Jahr 1998 zum ersten Mal erschienen, legt der Jungbrunnen Verlag dieses schöne Bilderbuch von Heinz Janisch und Linda Wolfsgruber noch einmal auf. Viele Male haben die beiden seither zusammengearbeitet bei zahlreichern Buchproduktionen.

 

In Anlehnung an das Märchen von der Prinzessin auf der Erbse wird in dieser Bildergeschichte nicht das Bild eines eher verweichlichten Mädchen gezeichnet, sondern ein selbstbewusstes Mädchen wird beschrieben, das weiß, was es will, und bei der Auswahl ihres zukünftigen Ehemannes ein kräftiges Wort mitspricht. Sie weiß genau, wie ihr Mann auszusehen hat und welche Qualitäten er mitbringen muss.

 

Dieses Bilderbuch zeigt beispielhaft, wie man auch schon in Bilderbüchern ein geschlechtergerechtes Rollenverständnis von Mann und Frau vermitteln kann. 1998 wegweisend, und heute noch aktuell.

 

 

 

Heiligenlegenden

 

 

 

 

 

Siegwart Knijpenga, Heiligenlegenden, Urachhaus 2017, ISBN 978-3-8251-5107-2

 

Vom Advent bis zum Ende des Kirchenjahres gegliedert, hat Siegwart Knijpenga in diesem von Christianen Lesch einfühlsam illustrierten Buch für Kinder ab etwa 7 Jahre die Legenden der wichtigsten Heiligen der Katholischen  Kirche nacherzählt.

Das Leben aller dieser Heiligen hat nicht nur in der verfassten Kirche, sondern auch in den Traditionen der Völkertiefe Spuren hinterlassen. In den hier vorliegenden Legenden kommt immer wieder mit einer anschaulichen und märchenhaften Sprache  die Kraft zum Ausdruck, aus der heraus diese Menschen wirkten.

 

Eine Kraft, die normal Menschliches übersteigt. Im Handeln dieser Heiligen werden Werte vermittelt, die vielleicht noch nie so nötig waren wie heute.

Regen

 

 

 

Sam Usher, Regen, Annette Betz 2017, ISBN 978-3-219-11727-1

 

Von Meike Blatnik aus dem Englischen übersetzt, erzählt dieses Bilderbuch von Sam Usher in der Ich-Form von einem kleinen Jungen. Als er eines Morgens aufwacht, regnet es draußen und er möchte gerne raus spielen. Er erklärt es auch seinem Opa, doch der muss einen Brief schreiben und  rät, lieber zu warten, bis es aufgehört hat zu regnen. Doch es regnet immer weiter, der Junge schaut sehnsüchtig aus dem Fenster und denkt sich immer neue Phantasiespiele aus, die er machen würde, könnte er raus.

 

Endlich, Stunden später, ist der Brief fertig und es hat aufgehört zu regnen.  Der Junge geht, Gummistiefel an den Füßen und Regenschirm in der Hand, mit dem Opa zum Briefkasten.

 

Da beginnt es erneut zu regnen und eine phantastische Reise in  Gondeln mit Drachen, Seeungeheuern, Clowns und  anderen wunderbaren Gestalten beginnt.

 

Ein zauberhaft illustriertes Bilderbuch über den Regen und wieviel Spaß es machen kann, mit der nötigen Ausrüstung auch im Regen draußen zu sein.

Großer kleiner Tiger

 

 

 

 

 

Jan Birck, Großer kleiner Tiger, Ravensburger Verlag 2017, ISBN 978-3-473-43629-3

 

Mitten im Ozean auf einer kleinen Insel lebt ein sehr kleiner Tiger. Er sitzt einsam auf einem Bambusrohr, während auf den nächsten Seiten von 1 Dinosaurier, 2 Elefanten, 3 Giraffen bis hin zu 10 Flamingos (ideal zum Zählen lernen!) seine Mitbewohner vorgestellt werden.

 

Doch obwohl der sehr kleine Tiger auf seinem Bambusrohr mit allen Kräften versucht sich bemerkbar zu machen, beachtet ihn niemand der insgesamt 10 verschiedenen Tierarten. Er ist einfach zu leise. Missmutig versteckt er sich im Bambusrohr und hofft, dass es auffällt, wenn er weg ist. Er wartet und wartet – nichts geschieht.

 

Vor lauter Wut brüllt er erneut, dieses Mal enorm verstärkt. Und der Effekt ist phänomenal. Und die Tiere haben von nun an großen Respekt.

 

Was wohl die kleinen Lesetiger sich für Verstärker ausdenken, nachdem Ihnen dieses Buch vorgelesen wurde?

Truggestalten

 

 

 

 

 

Rudolph Herzog, Truggestalten, Galiani 2017, ISBN 978-3-86971-148-5

Nichts ist in den hier vorliegenden sieben Geschichten, dem literarischen  Debüt des bekannten Filmregisseurs Rudolph Herzog, so wie zu zunächst zu sein scheint.  Den Protagonisten der sieben Episoden, die sich gegenseitig kommentieren und vervollständigen, begegnen in ihrem Berliner Alltag Phänomenen und „Truggestalten“, die sie sich nicht erklären können. Diese unterschiedlichen Menschen, die alle im modernen Berlin der Gegenwart leben und arbeiten, werden, für sie zunächst unverständlich und von Herzog dem Leser sukzessive offen gelegt, mit Phänomen und Geschehnissen aus der Vergangenheit konfrontiert.

Da sieht eine amerikanische Künstlerin Blutflecken am Boden. Ei n Manager hat einen Fiebertraum, der sich gespenstisch mit vergangenen Begebenheiten deckt. Und wir erfahren in einer Episode, warum der neue Berliner Flughafen immer noch nicht eröffnet wurde.

 

Es sind Geschichten voller Absurditäten und Überraschungen, die mich immer wieder an die Forschungen von Lloyd de Mause und Ludwig Janus zur Psychohistorie erinnert haben, Aspekte, die man auch in den Büchern von Alice Miller findet.

 

Wie die Vergangenheit weiter wirkt, in Menschen, in Wohnungen, an Plätzen, wie sich die Geschichte Bahn bricht und manifestiert in zunächst unerklärlichen Phänomenen, das hat der Filmregisseur Rudolph Herzog in seinem Debüt auf eine weniger gruselige als unterhaltsam – nachdenkliche Weise erzählt. Man kann sich diese Geschichte ausnahmslos als Kurzfilme vorstellen.

 

 

 

„Was ist los mit dir, Europa?“

 

 

 

 

Friedhelm Hengsbach, „Was ist los mit dir, Europa“, Westend 2017, ISBN 978-3-86489-166-3

 

Die Frage, die Papst Franziskus 2016 bei der Verleihung des Karlspreises den anwesenden Vertretern der EU gestellt hat, ist der Titel des neuesten politischen Hoffnungsbuchs  des katholischen Sozialethikers Friedhelm Hengsbach, in dem er für ein sich neu erfindendes Europa plädiert, in dem mehr Gerechtigkeit, Frieden und Solidarität einfordert.

 

Er traut Europa und seinen Völkern viel zu, auch wenn er konzediert, dass für ein Wandel hin zu einem gerechteren und solidarischen Europa als Teil einer Weltgemeinschaft Zeit von Nöten ist. Doch er ist auf eine Weise optimistisch, wie sie einem aufrechten Christen ansteht, optimistisch und deshalb radikal. Er schreibt in seinem Buch:

„In einer globalisierten Welt wächst die Solidarität über nationale und kontinentale Grenzen hinaus. Innerhalb einer Nation braucht es Zeit, bis sich ein Bewusstsein aufgrund erlebter Geschichte oder gemeinsamer Interessen gebildet hat. Erst recht fremdeln Menschen, wenn supranationale oder internationale Solidarität eingefordert wird. Dass die gesamte Menschheit zunehmend in eine Solidargemeinschaft hineinwächst, ist dem wachsenden ökologischen Bewusstsein und der Einsicht geschuldet, dass alle Menschen relativ unterschiedslos Bewohner eines gemeinsamen Hauses, des blauen Planeten Erde sind, der ihnen den Raum zu leben bietet.“

 

Das sich diese Einsicht weiter verbreitet, hat aktuell wenig günstige Bedingungen. Doch wenn es keine visionären Menschen gäbe wie Hengsbach, müsste man das ganze Projekt Europa schon von vornherein verloren geben.

 

Und das kann keine christlich-politische Option sein.