Alle Beiträge von Winfried Stanzick

Im Vertrauen weitergehen

 

 

 

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Ellen Nieswodiak-Martin (Hg.), Im Vertrauen weitergehen. Wahre Geschichten, die Mut machen, Lydia Verlag 2016,ISBN 978-3-95734-143-3

 

Ellen Nieswodiak-Martin, die Herausgeberin dieses ermutigenden Buches, hat über die christliche Zeitschrift Lydia, in der Frauen offen darüber erzählen, wie sie Schwierigkeiten und Ängste überwinden, wie sie Gott begegnen und dabei Erstaunliches erleben, Hunderte von Zuschriften erhalten in der Vergangenheit.

 

Unter folgenden thematischen Überschriften hat sie insgesamt 36 davon in einem Buch zusammengefasst mit „wahren Geschichten, die Mut machen“:

  • Wenn ich Angst und Sorgen habe
  • Wenn es anders läuft als geplant
  • Wenn Gott mich überrascht
  • Wenn alles aussichtslos erscheint
  • Wenn ich Schritte ins Ungewisse gehe
  • Wenn ich krank bin
  • Wenn ich mich einsam fühle
  • Wenn ich Angst vor der Zukunft habe
  • Wenn das Leben schwer zu ertragen ist

 

So unterschiedlich die Frauen sind, die da über ihre Erfahrungen mit Gott in ihren Lebenskrisen  berichten, so unterschiedlich ist auch ihre Sprache. Dies zeigt auf eine berührende Weise, wie reich und vielfältig das Leben ist und wie unterschiedlich und einzigartig jeder Mensch geschaffen ist.

 

Es sind Geschichten, wie sie das Leben schreibt, das Leben, das manchmal hart ist und schwer. Die Frauen, die sie erzählen, brechen ihr Schweigen darüber und helfen anderen, es ihnen nachzutun und den Spuren Gottes mitten im Leid, der Einsamkeit, Krankheit und Dunkelheit der Seele zu folgen.

 

Hier wird bis auf Ausnahmen nicht erzählt von spektakulären Wundern, sondern von der erschütternden Erkenntnis, das uns Gott gerade da begegnet, wo ihn nicht vermuten. Vertrauen auf seine Gegenwart und Hilfe  mitten im „finsteren Tal“ (Psalm 23) verheißt auch der Segenswunsch von Ruth Heil, der auf Seite 95 abgedruckt ist, der auf wunderbare Weise beschreibt, wie Gottes Beistand und Segen unsere Kraft für Veränderung und Wandel ermächtigt und uns hilft, neue Lebenswege zu gehen:

 

„Möge Gott dir Weisheit schenken

bei allen Entscheidungen.


Möge er dir Entschlusskraft schenken,

neue Wege einzuschlagen.


Möge er dir das Vertrauen geben,

dass er einen Weg für dich schaffen kann.“

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Kind der Anderen

 

 

 

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Bethan Roberts, Das Kind der anderen, Kunstmann 2016, ISBN 978-3-95614-121-8

 

Bethan Roberts erzählt in ihren zutiefst verstörenden Romanen meist von einfachen Menschen und ihren Wünschen und Träumen, vor allem aber von ihrer Angst, das zu verlieren, was sie haben.

 

Genau wie in „Stille Wasser“, obwohl sie auch dort das Ende ganz am Anfang erzählt, wird auch ihr neuer Roman „Das Kind der Anderen“ zu einem wahren Psychothriller, spannend bis zur letzten Seite mit einem Psychogramm einer ganz normalen Familie in einem ganz normalen Leben, das, ohne eine entsprechende Sprache dafür zu finden, von Anfang bis zum bitteren Ende erfüllt ist von einer tiefen und weitreichenden Sehnsucht nach eben diesem Leben.

 

In ihrem  neuen Buch erzählt sie von der jungen, aber einsamen Maggie Wichelo. Sie arbeitet als Nanny bei ihrer Kusine Nula, die nachdem ihr Sohn Samuel zwei Jahre alt geworden ist, wieder arbeiten geht und die Betreuung ihrer Kusine anvertraut hat. Nula und ihr Mann hätten keine bessere Betreuung für ihr Kind finden können.

 

Doch heute, und mit dieser Entscheidung beginnt das Buch, wird Maggie Samuel entführen. Sie wird ihn mitnehmen in ein altes Bootshaus auf der walisischen Insel Anglesey. Dort, so erzählt der Roman in vielen Rückblicken, ist es, wo Maggies lange Geschichte beginnt. Eine Geschichte, in der auch ihre Kusine Nula eine wichtige Rolle spielt, eine dramatische Geschichte, die erzählt von Liebe und Verlust, dem verzweifelten Versuch einer jungen Frau ihr in tausend Stücke zerbrochenes Leben wieder zusammenzuführen.

 

Bethan Roberts verwebt im Wechsel Vergangenheit und Gegenwart zu einer spannenden Handlung. Langsam wird deutlich, warum Maggie den kleinen Samuel entführt und welchen Plan sie eigentlich verfolgt.

 

Aber sie beschreibt nicht nur Maggies Erleben, sondern sie versetzt sich auch einfühlsam in die Gefühlswelt einer jungen Mutter, die unter postnatalen Depressionen leidet und ihr Kind manchmal als eine Belastung erlebt.

 

In einem wie ein Thriller geschriebenen Drama entfaltet sie die Psychodynamik einer Familie mit ihren unterdrückten Gefühlen, Eifersucht, Verletzungen, Unterlassungen und Taten.

 

Man kann kaum aufhören mit dem Lesen, denn immer wieder neue Wendungen, die Bethan Roberts dem Leser offenbart, erzählen von einer Vergangenheit, in der all die gegenwärtigen Konflikte ihren Ursprung haben.

 

Leider wird Bethan Roberts, deren Romane bei Kunstmann in München erscheinen, von der Kritik und von den Lesern noch nicht so wahrgenommen, wie es ihrer literarischen Leistung gebühren würde.

Meine Geschichte der deutschen Literatur

 

 

 

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Marcel Reich-Ranicki, Meine Geschichte der deutschen Literatur, Pantheon 2016, ISBN 978-3-570-55312-1

 

Drei Jahre ist es nun schon her, dass die klare und deutliche Stimme Marcel Reich-Ranickis nicht mehr zu hören ist in den deutschen Feuilletons. Unter den anderen großen Literaturkritikern ist auch keiner in Sicht, der jemals in seine Fußstapfen treten könnte. Aber vielleicht geht das auch gar nicht.

 

Wenn man das von dem Marburger Literaturwissenschaftler Thomas Anz herausgegebene Buch „Meine Geschichte der deutschen Literatur. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart“ , dass nun in einer preiswerten Taschenbuchausgabe vorliegt, zur Hand nimmt und beginnt darin zu lesen, dann bekommt man auch einen Eindruck, warum das so ist.

 

Die Auswahl von Thomas Anz ist genau nach dem Vorsatz Reich-Ranickis entstanden, „der Verzicht auf einen Kanon würde den Rückfall in die Barbarei bedeuten“. Die vorliegende Sammlung ist die bisher umfassendste Ausgabe von Essays eines Menschen, der sein ganzes Leben lang seine leidenschaftliche Begeisterung für die deutsche Literatur zeigte, wo immer er einen geeigneten Platz dafür fand. In großen deutschen Feuilletons, dann auch in der unvergessenen Fernsehsendung „Das Literarische Quartett“ und immer wieder in eigenen Büchern hat er immer für eine eigenwillige Auswahl an Literatur gestanden und dabei nicht selten anderen Autoren Unrecht getan.

 

Auf jeden Fall hat Reich-Ranicki immer „Kante“ gezeigt, wie die jungen Leute heute sagen würden. Die vorliegende Auswahl von Essays zeigt das deutlich. Thomas Anz, ein ganz besonderer Kenner des Werks von Reich-Ranickis hat sie in 5 Teile gegliedert.

In einem ersten einführenden Teil sind drei Essays wieder zugänglich gemacht, die sich allgemein mit deutscher Literatur befassen:

„Das Herz – der Joker in der deutschen Dichtung“ (1982)

„Die verkehrte Krone oder Juden in der deutschen Literatur“ (1995)

„Frauen dichten anders“ (1998)

 

Es folgen die Kapitel.

  • Vom Mittelalter bis zur Romantik
  • Vormärz und Realismus
  • Literarische Moderne bis 1945
  • Von der Nachkriegsliteratur bis zur Gegenwart

Es macht Sinn, die drei Essays zur Einführung zuerst zu lesen, bevor man dann, sicher in  einer subjektiven Auswahl sich andere Texte des Buches vornimmt. Schon hier wird deutlich, wie enthusiastisch, aber auch provozierend und zornig, der große Mann der Literatur an sein Sujet heranging. Beeindruckend immer wieder sein fast enzyklopädisches Wissen nicht nur über die deutsche Literatur.

 

In einen umfangreichen Anhang findet der Leser nicht nur eine Übersicht der gesammelten Schriften Marcel Reich-Ranickis +über deutsche Literatur von 1963 bis 2012, sondern auch ein Personenregister und ein Nachweis über die Erstveröffentlichungen und Wiederabdrucke der hier versammelten Essays.

 

Eine beeindruckende editorische Leistung.

 

 

Aller Tod ist nur Geburt

 

 

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Olaf Daecke (Hg.), Aller Tod ist nur Geburt. Dichter und Philosophen über Tod und Trauer, Urachhaus 2016, ISBN 978-3-8251-5101-0

 

Nicht nur die Anthroposophie, sie aber ganz besonders,  geht davon aus,  dass unser menschliches Leben von der Geburt bis zum Tod verschiedene Entwicklungsstufen durchläuft. Während viele Menschen durch immer größer gewordenen  Druck gar keine Muße mehr finden, über ihr Leben nachzudenken um es gegebenenfalls auch in eine andere Richtung zu lenken, haben die Dichter zu allen Zeiten diese Poesie besessen, indem sie die Verschiedenartigkeiten der menschlichen Lebens- und der Entwicklungsstufen  beschrieben und charakterisiert haben.

 

Olaf Daecke hat 2014 in seinem Buch „Und mancher ist noch auf dem Weg“ insgesamt acht dieser Lebensstufen identifiziert  und zu jeder eine Anzahl von Gedichten und auch Prosatexten  von Dichtern verschiedener Epochen ausgewählt. Wertvolle Texte hatte er damit zur Verfügung gestellt, die bei Wendepunkten im Leben und in Krisen helfen können, zu neuen orientierenden Einsichten  und Vertiefungen zu kommen.

 

 

Nun setzt er diese Arbeit mit einem ähnlich aufgemachten Büchlein führt, in dem er Dichter und Philosophen zu dem letzten Wendepunkt im Leben, dem Tod befragt und auch nachspürt, was sie zum Thema Trauer zu sagen haben. Sie sollen helfen, „den Tod als eine  Übergang, als eine Schwelle auf dem Weg von einem Dasein in ein anderes und in eine geistige Welt verstehen zu lernen.“

Endspurt

 

 

 

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Wolfgang Bosbach, Endspurt, Quadriga 2016, ISBN 978-3-86995-092-1

 

In diesem langen Gespräch mit dem ebenfalls aufrecht konservativen Journalisten Hugo Müller-Vogg bilanziert der bekannte CDU-Politiker Wolfgang Bosbach nicht nur sein politisches Leben.

Es ist die Geschichte eines aufrechten Konservativen, der auch innerhalb seiner Partei oft gegen den Strom schwamm, wenn es darum ging, seine Meinung und Haltung zu vertreten und sich billigen, oft nur dem Machterhalt dienenden Kompromissen zu verweigern.

 

Allenthalben wird davon geredet und geschrieben, dass durch die Sozialdemokratisierung der CDU unter Angela Merkel die bürgerlichen Konservativen dort ihre Heimat verloren haben und die rechten Ränder mit der AfD unnötig gestärkt wurden. Diesem Heimatverlust und nicht nur seiner Prostatakrebserkrankung ist auch geschuldet, das Wolfgang Bosbach nach dem Ende der laufenden Legislaturperiode sein Mandat aufgibt.

 

Ob er dann all das, was er nach eigenen Angaben in seiner Familie und in seinem Privatleben versäumt hat, noch nachholen kann, wage ich zu bezweifeln. Denn bei allem Respekt vor den bürgerlich-konservativen Überzeugungen dieses gradlinigen Mannes, glaube ich, dass man auch nach der Aufgabe seines Mandats viel von ihm hören und lesen wird, solange es eine Krankheit zulässt. Wolfgang Bosbach ist ein Mensch, der gar nicht mehr anders kann, der die Öffentlichkeit braucht. Er hat nie wirklich Nein sagen können zu Anfragen an ihn.

 

Wenn man das von Hugo Müller-Vogg geführte Gespräch liest, wird die Achtung vor Bosbachs wohlbegründeten Überzeugungen ähnlich groß wie das Gefühl, dass da einer durchaus auch mit seiner Rolle, seiner Bekanntheit und seiner Haltung kokettiert. Aber das machen die meisten anderen Politiker auch, quer durch die Parteien.

 

Mein Fazit: dieser Mann und Politiker wird dem Bundestag fehlen, die Positionen, die er vertritt, dürfen aber nicht auswandern aus der CDU, weil sie sonst viele bürgerlich konservativ denkende Menschen (und es gibt davon mehr, als man denkt und als diese zugeben) heimatlos machen würden. Und: Politik ist ein Geschäft, das sich eigentlich nicht verträgt mit dem Leben in einer Familie und der Verantwortung für Kinder. Was das für Politikerkarrieren in der Zukunft bedeutet, wage ich mir nicht vorzustellen.

 

 

Das grosse Buch vom kleinen Nick

 

 

 

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Goscinny und Sempe, Das grosse Buch vom kleinen Nick, Diogenes 2016, ISBN 978-3-257-01188-3

 

In diesem schönen und repräsentativen Geschenkband sind die 50 besten Abenteuer vom kleinen Nick versammelt, einem der erfolgreichsten Kinderbuchhelden aller Zeiten. Sie bestechen allesamt durch einen unwiderstehlichen Alltagshumor, der Erwachsene wie Kinder begeistert.

Rene Goscinny fesselt durch exzellente, treffgenaue Erzählungen von Allerweltsbegebenheiten aus Kindersicht. Sempé wiederum versteht es diesen Band durch Karikaturen zu bereichern, bei deren Betrachtung immer wieder neue, witzige Kleinigkeiten zum Vorschein kommen.
 

Diese Geschichten versetzen den Leser in die eigene Kindheit mit all ihren Streichen, die man selbst erlebt oder ausgeheckt hat. Obwohl sie bereits über 50 Jahre alt sind, haben sie weder an Aktualität noch an Attraktivität verloren und werden auch in vielen Jahren noch aktuell sein und Generationen von Lesern verzaubern.

Reich gedeckt

 

 

 

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Nora Steen, Reich gedeckt. 52 Herzensstärkungen, Neukirchener Verlag 2016, ISBN 978-3-7615-6358-8

 

Nora Steen, die Autorin des vorliegenden Andachtsbuches, ist Pfarrerin in der deutschen Gemeinden in Lissabon und einer größeren Öffentlichkeit bekannt geworden als Sprecherin des Wortes zum Sonntag in der ARD.

 

Die 52 HerzensStärkungen versteht sie als Tischgeschichten in der Tradition Martin Luthers. Dabei hat sie für jede Woche bzw. einzelne Festtage eine Andacht verfasst. Angelehnt an eine biblische Geschichte oder auch nur ein einzelnes Bibelwort, erzählt sie eine selbst erlebte oder gehörte Geschichte, die sie mit einem Gebet oder einem Gedicht abschließt.

 

Sie möchte mit ihren Geschichten einen Gesprächsraum eröffnen, „in den ich meine Spur eintrage. Und wenn es gut läuft, dann kommen viele weitere Spuren dazu.“

Geschichten, die Körper und Geist gut tun und einen frisch gestärkt weitergehen lassen.

 

Das Buch ist hervorragend geeignet für den Einsatz in kirchlichen Gruppen oder vor Gremiensitzungen und lädt ein zum Gespräch.

 

 

In einer weißen Winternacht

 

 

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Jean E. Pendziwol, Isabelle Arsenault, In einer weißen Winternacht, Verlag Freies Geistesleben 2016, ISBN 978-3-7725-2682-4

 

 

Was geschieht alles draußen in einer weißen Winternacht, während  der kleine Junge im Haus in seinem warmen Bett liegt und versucht einzuschlafen?

 

In einem wunderschönen zart und einfühlsam illustrierten Gute-Nacht-Buch haben Jean Pendziwol und Isabelle Arsenault mit Worten und Bildern das leise Leben in einer Winternacht eingefangen.

 

Beides hat es mit angetan und mich berührt: die poetischen Texte von Jean Pendziwol, die vorgelesen werden wollen wie Gedichte, langsam und mit Ausdruck und die warmen Zeichnungen von Isabelle Arsenault, die in dem kleinen Betrachter eine ganz tiefen und friedlichen Eindruck hinterlassen.

 

Eine Geschichte, die so wunderbar ist wie ein Traum.

Geld, Gesellschaft und Gewalt. Kapital und Christentum 1

 

 

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Eugen Drewermann, Geld, Gesellschaft und Gewalt. Kapital und Christentum 1, Patmos 2016, ISBN 978-3-8436-0817-6

 

Wie man es von Eugen Drewermann gewohnt ist, geht er auch in dieser neuen Veröffentlichungsreihe mit dem Untertitel „Kapital & Christentum“ sein Thema grundsätzlich an, mit unendlich viel von ihm bearbeiteten Material, historischem und noch mehr zeitgenössischem, Verweisen auf die Literatur und unzähligen Anmerkungen und Verweisen.

 

Was in seinen früheren Büchern schon immer durchleuchtete, wird hier grundsätzlich und grundlegend behandelt: seine Kritik an der zerstörerischen Kraft des Kapitalismus. Hatte der Theologe und Psychoanalytiker früher oft auf die Folgen dieser Wirtschafts“ordnung“ und Produktionsweise für die einzelnen Menschen und ihr Zusammenleben hingewiesen, so legt er in diesem ersten Band seiner neuen Reihe den Fokus auf die Zerstörung der Umwelt und der hemmungslosen Ausbeutung  aller natürlichen Ressourcen durch den Menschen. Doch nicht nur die Natur und ihre Grundlagen werden mit einer großen Aggressivität zerstört, sondern der Kapitalismus in seiner neoliberalen Form mit seinem Wachstumswahn und seinem ihm immanenten Konkurrenzzwang zerstört langsam und immer mehr die Grundlagen und die Strukturen unserer Demokratie.  Politiker werden beschrieben, die nur noch als Getriebene handeln können. Man kann sie regelmäßigen Abstanden in den Medien beobachten.

 

In drei großen Kapiteln

  • Faire Preise
  • Faire Löhne
  • Fairer Handel

 

erklärt Drewermann sehr verständlich, aber wie immer mit vielen Details, die Bedeutung der wirtschaftlichen Strukturen. Immer wieder betont er die historischen Zusammenhänge der gegenwärtigen Lage und formuliert Lösungswege, die einleuchtend und tatsächlich realisierbar scheinen.

 

Er plädiert für eine nachhaltige und nicht länger wachstumsorientierte Wirtschaftsform. Interessant und aufschlussreich fand ich, dass Drewermann immer wieder sein tiefenpsychologisches Fachwissen einbringt, um damit gegenwärtige globale Phänomene zu beschreiben und zu erklären.

 

Was das alles mit der christlichen Tradition zu tun hat, wird, so nehme ich an, in den nächsten Bänden der Reihe erläutert.

 

 

 

 

Das Kamasutra der Frösche

 

 

 

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Tomi Ungerer, Das Kamasutra der Frösche, Diogenes 2016, ISBN 978-3-257-02138-7

 

In seinem 1982 zum ersten Mal veröffentlichten Karikaturenband „Das Kamasutra der Frösche“ nimmt der Schweizer Künstler Tomi Ungerer das vermeintlich freie Liebesleben und die Sexwelle der 60er und 70er Jahre aufs Korn. Komisch und mit großer Lust an der Provokation illustriert Ungerer das Kamasutra auf seine erotomane Art. Er setzt die ehrwürdigen Kamasutra-Weisheiten und erotischen Ratschläge auf seine Art um – durch respektlose Frösche.

 

Ein Klassiker des erotischen Komik.