Alle Beiträge von Winfried Stanzick

Und damit fing es an

 

 

 

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Rose Tremain, Und damit fing es an, Insel Verlag 2016, ISBN 978-3 458-17684-8

 

Der neue Roman der englischen Schriftstellerin Rose Tremain erzählt die Geschichte von Gustav Perle, seiner Mutter Emilie und seinem lebenslangen jüdischen Freund Anton Zwiebel. Es ist eine bewegende Geschichte, eingebettet in das Leben in einem Schweizer Dorf von den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts bis zu seinem Ende 2002. Eine Geschichte, die davon erzählt, „dass es manchmal fast ein ganzes Leben dauert, bis man das Glück findet – in dem einen Menschen, den man zum Leben braucht.“ (Rückseite des Buchumschlags)

 

Das Buch beginnt mit der Geschichte des kleinen Gustav Perle, der mit seiner Mutter Emilie in dem Schweizer Städtchen Matzlingen wohnt. An seinen Vater, den stellvertretenden Leiter der örtlichen Polizeistation, hat er kaum Erinnerungen. Seine Mutter, der es ein Leben lang sehr schwer fällt ihren Sohn zu lieben, nennt den Vater eine Helden. Er habe während des Krieges vielen Menschen geholfen. Worin diese Hilfe bestand, wird dem Leser bald deutlich, als Gustavs neuer Freund Anton Zwiebel, um den er sich zunächst im Kindergarten und dann in der Schule fürsorglich kümmert, zum ersten Mal nach langem Hin und Her Gustav zu Hause besuchen darf, nachdem dieser schon oft in der Familie des jüdischen Bankiers eingeladen war.

Emilie Perle reagiert schon fast unfreundlich zurückhaltend auf Anton, und deutet ihrem Sohn an, das sein Vater wegen Menschen wie ihnen ins Unglück geraten ist. (was damals genau geschehen ist, erzählt Rose Tremain genau wie die Kennenlerngeschichte von Gustavs Eltern in einem zweiten Teil, der in die Zeit vor dem Kriegsende zurückgeht).

 

Gustav spürt die Abwehr seiner Mutter, lässt sich aber nicht beirren. Er hat Anton Zwiebel liebgewonnen und darf schon bald zusammen mit dessen Familien zunächst tageweise Zeit verbringen später dann ganze Urlaube.

 

Gustav entbehrt die mütterliche Liebe, während Anton von seinen Eltern so sehr damit überhäuft wird, dass er dem Erwartungsdruck seiner Eltern aus ihm einem berühmten Konzertpianisten zu machen, nicht stand hält und ein von vielen Brüchen geprägtes Leben führt. Gustav jedoch verliert seinen Freund nie aus den Augen. Da sie verschiedene Lebensentwürfe haben, verbringen sie lange Phasen getrennt voneinander.

 

In einem dritten Teil springt Rose Tremain ins Matzlingen der neunziger Jahre. Gustav Perle, der nie mit einer Frau zusammengelebt hat, während Anton unzählige unbefriedigende Affären hat, hat vor langer Zeit schon mit dem Erbe der Mutter des Vaters jenes alte Gasthaus gekauft und in ein Hotel umgebaut, in dem seine Mutter früher ihr karges Brot verdiente. Er findet seinen Lebensinhalt darin, es für seine Gäste schön zu machen und ihnen einen angenehmen Aufenthalt zu bieten.

 

Nach einer großen Lebenskrise die Anton und Gustav unabhängig voneinander erleben, scheint es, also ob sie sich nie wieder begegnen würde. Doch der Schluss des bewegenden Buches, der 2002 in Davos spielt, dort wo Gustavs Mutter ihre glücklichsten Lebenstage verbrachte, nachdem sie ihren Mann kennenlernte, wird der Leser eines Besseren belehrt und er begreift auch, warum im englischen Original das Buch „The Gustav Sonata“ heißt.

 

Ein wunderbarer Roman über Freundschaft, Liebe und Toleranz, der mich vom Anfang bis zu dem etwas knappen Ende nicht mehr losgelassen hat.

 

 

 

 

Der Kreis

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Andreas Maier, Der Kreis, Suhrkamp 2016, ISBN 978-3-518-42547-3

 

Mit dem vorliegenden fünften Band seines autobiographischen Romanprojekts „Ortsumgehung“ ist der in Friedberg in der Wetteraus geborene und aufgewachsene Schriftsteller Andreas Maier nicht nur fast in der Hälfte des auf angeblich elf Bände angelegten Werkes angekommen, sondern in dem Roman „Der Kreis“ vollzieht sich auch eine Art Wende, die Geburt eines Künstlers und einer Idee von der Welt und seiner Aufgabe in ihr.

 

Inspiriert von Thomas Bernhard, über den er auch promovierte, entwickelte Andreas Maier schon in den Bänden „Das Zimmer“, „Das Haus“, „Die Straße“, „Der Ort“ seit 2010 von Buch zu Buch das autobiographische Erzählen als Kunstform und erweitere sukzessive sein Beobachtungsspektrum. Quasi wie in konzentrischen Kreise erzählt er immer wieder von seiner Kindheit und Jugend und setzt mit jedem Buch immer wieder neu an, bezieht sich auf Bekanntes, fügt Neues hinzu und begleitet als erwachsener Intellektueller mit großem Einfühlungsvermögen sich selbst als Kind und Jugendlicher auf dem Weg in die Welt und ins künstlerische, ästhetische und politische Bewusstsein.

 

In „Der Kreis“, folgerichtige Erweiterung des Lebensradiusses nach dem Ort, fängt Maier wie noch einmal von vorne an und gibt dem Titel neben der geographischen Einordnung der Handlung noch eine weitere Bedeutung: „Ein Kreis ist ein Kreis, weil das Ende in den Anfang mündet und damit verschwindet. Der Kreis hat kein Vorne und kein Hinten, und wenn man ihn als Band zur Möbiusschleife bindet auch kein Innen und Außen.“

 

Unterteilt in die Kapitel: Grundschule, Unterstufe, Mittelstufe, Oberstufe geht er zunächst noch einmal weit zurück in die Kindheit und erzählt neben schon Bekanntem vorzugsweise von der Wahrnehmung und der Anziehung des Kindes, die das Bücherzimmer der Mutter, ihr rastloses Schreiben und die vielen Bücher ausübten.

 

Die vier Teile entsprechen nicht nur verschiedenen Altersstufen, sondern sie beschreiben auch verschiedene Kunstbereiche, denen sich der Heranwachsende nähert: Philosophie, Musik, Theater, Literatur.

 

Aus dem Blick des Erwachsenen beschreibt er, was dem kindlichen Ich damals noch unverständlich war und kann sich umso tiefer darin versenken. In der Lektüre der Mutter (neben den Werken des Friedbergers Fritz Usinger auch Hans Küng und Hoimar von Ditfurth), in ihren Versuchen am Klavier (Bach) „umwehen“ schon das Kind Sphären, die es anziehen.

Als er als Dreizehnjähriger sein erstes großes Konzert erlebt, erfährt er, was diese laute Musik bewirkt. Die Beschreibung eines Konzertes 1980 in der Frankfurter Festhalle ist große sprachliche Kunst, genauso wie die Schilderung einer Theateraufführung an seiner Schule, bei der drei ältere Friedberger Schüler (Thomas Heinze, Rene Pollesch und Matthias Herrmann) ihm einen Eindruck davon geben, was künstlerische Identität sein könnte. Hier an dieser Stelle, das ist spürbar, wird der spätere Künstler Andreas Maier geboren, als der er, da bin ich sicher, die zweite Hälfte seiner „Ortsumgehung“ erzählen wird.

 

Andreas Maiers Zyklus ist ein beeindruckendes Erinnerungsprojekt und bis jetzt ein wertvolles literarisches Zeugnis dessen, was Kindheit und Erwachsenwerden bedeuten können.

 

Es sind immer mehr Leser, die jedes Jahr auf den nächsten schmalen Band warten von dem ich nicht weiß, ob er vielleicht nicht schon längst geschrieben ist. An einer Stelle in „Der Kreis“ bezeichnet sich der 1967 geborene Maier als Vierzigjährig. Das würde ja bedeuten, dass das Buch schon seit zehn Jahren fertig ist.

 

Wie dem auch sei, dieser fünfte Band hat auch dem letzten Skeptiker gezeigt, dass Andreas Maier ein großer Künstler und Schriftsteller ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Flugschule

 

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Lita Judge, Flugschule, Ravensburger Verlag 2016, ISBN 978-3-473-44679-7

 

Eines Tages kommt  der kleine  Pinguin mit seinem Boot zur Flugschule gefahren und erkundigt sich nach der nächsten Flugstunde. Auf den Hinweis des Lehrers, Pinguine seien nicht zum Fliegen geschaffen, erklärt er selbstbewusst: „Das stimmt. Aber ich habe das Herz eines Adlers!“

 

Skeptisch, aber wohlwollend, lassen der Lehrer und der Flamingo den kleinen  Pinguin mitmachen. Und er übt jeden Tag. Doch als es zum ersten Fliegen geht, fällt er ins Wasser.

 

Traurig macht sich der Pinguin auf den Heimweg und seine Lehrer bleiben ratlos zurück. Dabei ist er doch im Herzen ein Meisterflieger…

Doch der Flamingo, der sich des Pinguins besonders angenommen hat, hat eine Idee und ruft den Pinguin zurück. Mit Schnüren und Federn bauen sie eine Art Vorrichtung, mit der der Flamingo den Pinguin sozusagen im Schlepptau mit in die Lüfte nehmen kann. Der Pinguin ist glücklich, auch wenn er bald erneut abstürzt. Er hat das Glück der Lüfte erlebt! Alle sind zufrieden und glücklich fährt der Pinguin mit seinem Boot nach Hause.

 

Das Buch endet lustig, denn den Pinguin kehrt zurück, einen Strauß in seinem Boot. Er sei sein Freund und habe das Herz einer Schwalbe,  erklärt er den verdutzten Fluglehrern…

 

Ein schönes, witziges Bilderbuch darüber, wie man mit etwas Phantasie so manchen unmöglichen Traum verwirklichen kann.

Die fabelhafte Reise des Gaspard Amundsen

 

 

 

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Laura Fuchs, Martin Gülich, Die fabelhafte Reise des Gaspard Amundsen, Thienemann 2016, ISBN 978-3-522-45824-5

 

Ein fulminantes und überzeugendes Debüt ist das vorliegende Bilderbuch der 1991 geborenen Studentin Laura Fuchs, die seit langem in ihrer Liebe zur Natur und Tieren ihre größte Inspiration für ihre Bilder findet.

Der Schriftsteller Martin Gülich hat möglicherweise in Anlehnung an den norwegischen Polarforscher Roald Amundsen eine witzig-nachdenkliche Geschichte geschrieben über ein schon in die Jahre gekommenes Großstadtkrokodil, das irgendwann aufbricht um die Welt zu erkunden.

Schon 107 Jahre lang lebt Gaspard Amundsen in seiner Wohnung in einer Großstadt. Es geht ihm gut, er ist mit seinem Leben zufrieden, wenn er nur Bücher und Brennnesseltee hat. Und seine Ruhe…

 

Doch dann, eines Tages, schmeckt sein Tee bitter, und der philosophisch angehauchte Gaspard nimmt das als ein Zeichen dafür, er sei nun alt genug, um endlich einmal herauszufinden, wie die Welt jenseits seiner Heimatstadt aussah.

 

Fünf Koffer hat er für seine große Reise gepackt, doch eine am Bahnhof ihr Unwesen treibende Waschbärenbande stiehlt ihm alles. Ihm bleibt nur das Allernötigste in seinem Rucksack. Und so steigt er mit leichtem Gepäck am Bahnhof, noch voller Zweifel, ob er nicht lieber nach Hause zurückkehren sollte, in einen Zug.

 

Dort trifft er einen halbblinden Maulwurf, der ihm die Idee vom Fliegen in den Kopf setzt. Doch beim Pirouettendrehen stürzt der kleine Flieger ab und Gaspard landet an einem Strand.

 

Von einem Wal aufs Nordmeer gelockt, wartet das nächste Abenteuer, aus dem ihn nach drei Tagen auf dem Wasser ein Albatros rettet und ihn wieder an Land setzt. Und immer wieder zwischendurch sehnt sich Gaspard nach seinem geliebten Brennnesseltee. Die Aussicht auf ein Tässchen lässt ihn durchhalten. Ein Bär und ein Wolf philosophieren mit ihm am Strand im Schnee über Bedürfnisse und wie schön es ist in den weiten Himmel zu blicken.

 

Da erinnert sich Gaspard an den Himmel über seinem Haus und an die Wälder um seine Stadt und spürt, es ist Zeit nach Hause zurückzukehren.

 

Und später, auf dem Dach seines Hauses seinen Brennnesseltee trinkend, denkt er nach, dass man von der Welt nur etwas erfährt, wenn man sich in sie hinauswagt. Es steht eben nicht alles in den Büchern.

 

Laura Fuchs hat die schöne Geschichte von Martin Gülich mit zauberhaften Bildern in Szene gesetzt, oder war es umgekehrt ?  Ein neuer Stern am Bilderbuchhimmel, von dem man viel hören und sehen wird.

Ein neuer Freund

 

 

 

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Moni Port, Ein neuer Freund, Klett Kinderbuch Verlag 2015, ISBN 978-3-95470-118-6

 

Nach ihren beiden Bilderbüchern „Das mutige Buch“ (2013) und „Es gibt keine Kinder“ (2014) schließt die originelle Kinderbuchautorin und –Illustratorin Moni Port eine witzige und ungewöhnliche Trilogie von tröstenden Einschlafbüchern für Kinder ab zwei Jahren ab.

 

Auch in „Ein neuer Freund“ tauchen angsterregende Monster bzw. Monsterchen auf, die nachts im Kinderzimmer ihr Unwesen treiben. Sie tun das aber auf eine solch witzige Weise, dass jedem Kind mit Sicherheit nach dem Vorlesen die Angst vor seltsamen Geräuschen und Schatten im Zimmer vergeht und es lernt mit ihnen zu leben. Denn es weiß ja: es sind ungefährliche und freundliche Wesen, die da rumoren. Während die Erwachsenen dabei bleiben: „Es gibt keine Monster!“

 

Ein schönes Freundschaftsbuch für alle kleinen Monster ab 2 Jahren.

 

Auf Leben und Tod

 

 

 

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Martin Sonntag, Auf Leben und Tod. Cartoons und Karikaturen, Lappan 2016, ISBN 978-3-8303-3453-8

 

Mit dem Tod sei nicht zu spaßen, so heißt es seit Urzeiten im Volksmund. Tatsächlich ist er eine traurige und ernste Sache, für die, die davon betroffen sind, entweder, weil sie gegangen oder hinterblieben sind.

 

Und was wäre eine so angeblich ernste Sache eine bessere Gelegenheit, als ihr mit Cartoons und Karikaturen ein wenig auf den ach so ernsthaften Leib zu rücken und dem Tod mit Mitteln des Humors seine vielfach behauptete Macht zu nehmen.

 

Die über dreißig Künstler, deren Werke Martin Sonntag hier in diesem Lappan-Band zusammengestellt hat, weilen zum Teil schon lange nicht unter den Lebenden. Mit ihren hier wieder abgedruckten Zeichnungen zeigen sie dem Tod auch heute noch eine lange Nase, die sich auch beim Lachen nicht verbiegt.

 

Köstlicher Humor. Typisch Lappan  eben.

Das Labyrinth der Spiegel

 

 

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Andrea Camilleri, Das Labyrinth der Spiegel. Commissario Montalbano wagt sich in gefährliche Gefilde, Lübbe 2016, ISBN 978-3-7857-2564-1

 

Der vorliegende Roman mit Commissario Montalbano aus Vigata in Sizilien ist der nunmehr 18. ins Deutsche übersetzte einer Reihe, die ihr Schöpfer Andrea Camilleri, mittlerweile 91 Jahre alt, in Italien schon auf 23 Bände ausgeweitet hat.

 

Ich habe alle bisher erschienenen Bände vom ersten Band „Die Form des Wassers“ bis zum dem aktuellen vorliegenden in Italien zuerst 2011 erschienenen gelesen, und ich muss sagen, dass ich selten in einer Krimireihe (die meisten mit deutlich weniger Bänden) so wenig qualitative Unterschiede gesehen habe wie bei Camilleri.

 

Obwohl die Besetzung bis auf unwesentliche Veränderungen in seinem Ermittlerteam immer gleich bleibt, ist es jedes Mal ein Genuss zu lesen, wie Montalbano etwa seinen Vorgesetzten mit dessen eigenen Mitteln austrickst oder wie sein tolpatschiger Assistent Catarella jeden Namen verwechselt, der ihm unter die Nase kommt.

 

In den letzten Bänden spielt Camilleri immer wieder mit dem Thema Alter. Montalbanos Zwiegespräche mit seinem Alter Ego deren sich immer mehr um seine Vergesslichkeit und seine abnehmende Energie.

Doch dann zeigt sich der auf sie sechzig zugehende Commissario wieder wie im vorliegende Band von seiner besten Seite, lässt sich von ermittlungstechnischen Sackgassen nicht entmutigen und stellt wieder einmal fest, dass seine Libido noch nicht erloschen ist.

 

Doch die Annäherungen seiner schönen und gut gebauten Nachbarin Liliana, denen er auf den ersten Blick nachzugeben scheint, führen ihn im vorliegenden Buch wieder einmal in große Lebensgefahr, denn er gerät mitten in mafiöse Machenschaften.

 

Wie er mit Hilfe seiner Kollegen, hauptsächlich aber durch seine Kombinationsgabe, mit List und mit gut eingesetzter Hilfe seines Journalistenfreuden Nicolo den Fall so löst, dass die Schuldigen die Sache unter sich selbst ausmachen, ist wunderbar spannend und witzig beschrieben. Warum Montalbano allerdings immer noch jeden Abend mit seiner Freundin Livia telefoniert, obwohl er jedes Mal mit ihr in einen  Streit gerät, weiß wahrscheinlich nur Camillieri selbst. Montalbano scheint sie durch die Zeiten aufrichtig zu lieben, obwohl sie sich in diesem Buch gar nicht sehen.

 

Ich habe das Buch im Urlaub an einem schönen Nachmittag auf der Liege in einem Zug ausgelesen. Eine bessere Erholung und Unterhaltung hätte ich mir nicht wünschen können.

 

Auf insgesamt sechs in Italien schon erschienene, aber noch nicht ins  Deutsche übersetzte Bände können sich alle Freunde dieses Commissarios, der nach wie gutes Essen und guten  Wein goutiert, in den nächsten Jahren freuen.

Rock your idea

 

 

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Martin Gaedt, Rock your idea, Murmann 2016, ISBN  978-3-86774-541-3

 

„Mit Ideen fängt alles an. Unsere ganze Geschichte besteht aus Ideen, für die sich Menschen eingesetzt, für die sie gekämpft haben und die schließlich umgesetzt wurden. Ideen bereichern unser Leben.“

Mit diesen Worten beginnt der „Unternehmer, Provotainer und Ideen-Rocker“ Martin Gaedt (geb. 1968) ein Buch , das Menschen ansprechen will unterschiedlicher Altersstufen, wohl aber vornehmlich jüngeren Geburtsdatums, Menschen, die es lieben, Ideen nicht zur haben in ihrem Kopf, sondern sie auszusprechen, umzusetzen und ggf. mit Partnern ihnen zum auch wirtschaftlichen Erfolg zu verhelfen.

 

Mit großer persönlicher Begeisterung und angereichert mit viel selbst gemachten Erfahrungen erzählt Gaedt davon, welche Energien frei werden, wenn jemand ernsthaft daran geht, eine eigene Idee nicht nur für sich zu behalten, sondern etwas daraus zu machen, sie „zu rocken“.

 

Das Buch macht Menschen, die ähnlich ticken, Lust, eigene Ideen zu entwickeln, freizusetzen und will zum Querdenken verführen.

 

Martin Gaedt beschreibt, wie Ideen entstehen, weitergedacht, verbessert und verworfen werden müssen, um schlussendlich die eine erfolgreiche Idee zu finden.  „Persönliches Wachstum findet statt, wenn man etwas versucht, das scheinbar nicht geht.“ Und: „Viele Ideen scheitern außerdem daran, dass sie nie umgesetzt werden. Häufig fehlt es an Mut und Ausdauer, den Ideengipfel zu erklimmen. Ohne Risiko und Regelbruch kann es aber keine Innovation geben.“

 

An vielen persönlichen Beispielen, aber auch an Bespielen aus Gesellschaft und Wirtschaft zeigt er überzeugend auf, wie so etwas funktioniert. „Das Neue braucht Menschen, die lachend Grenzen überschreiten, fest an ihre Vision glauben und Ideen gegen alle Widerstände durchboxen“, heißt es auf der Rückseite des Buches.

 

Eine Gesellschaft, die in den nächsten Jahrzehnten viele bislang unbekannte Probleme wird lösen müssen, braucht wohl Hunderttausende solcher Ideenrocker im  Kleinen wie im Großen.

 

 

 

 

Fitte Bilder

 

 

 

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Dieter Schwalm (Hg.), Fitte Bilder – Cartoons zum Wohlfühlen, Lappan 2016, ISBN 978-3-8303-3413-2

 

Im Jahr 1991 haben elf Karikaturisten und zwei Journalisten den Verein Cartoonfabrik gegründet, um mit Ausstellungen auch an ungewöhnlichen Orten Cartoons und Karikaturen zu fördern. Bislang haben sie über 200 Ausstellungen organisiert.

 

Seit 2008 veranstalten sie das Cartoonair am Meer im Ostseebad Prerow – ein deutschlandweit einzigartiges Karikaturen-Freiluftfestival mit thematischen Ausstellungen der besten Cartoonisten Deutschlands umrahmt von satirischen Abendveranstaltungen. In diesem Jahr findet vom 18.6. – 18.9. das 9. Cartoonair am Meer statt.
Das Motto lautet in diesem Sommer FITTE BILDER – Cartoons zum Wohlfühlen.

 

Das vorliegende Buch aus dem Lappan Verlag dokumentiert die besten Bilder und gibt einen repräsentativen Einblick in die deutschen Cartoonistenszene. Witzig, originell, schräg und unkorrekt nehmen die Künstler den Fitnesswahn Körperkult und andere angeblich gesunde Dinge aufs zeichnerische Korn.

Die schöne Stille

 

 

 

 

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Elke Heidenreich, Die schöne Stille. Venedig, Stadt der Musik, Corso 2016, ISBN 978-3-7374-0706-9

 

Venedig ist seit Menschengedenken eine Stadt, die viele Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen angezogen, begeistert und verzaubert hat. Sei es die Malerei, die Architektur oder die Literatur – ihre Schönheit hat die Sehnsucht vieler Schriftsteller geweckt und genährt, die sie mit ihren Worten beschrieben haben.

Elke Heidenreich beschreibt in ihrem hier vorliegenden mit melancholischen Fotos von Tom Krausz versehenen Buch Venedig als eine Stadt der Musik. Eine wahre Liebeserklärung ist ihr Stadtrundgang, auf den sie den Leser mitnimmt mit vielen Reminiszenzen an Komponisten, deren Werke und Leben sie beschreibt. Aber auch viele Zitate von anderen Schriftstellern und Intellektuellen, die von Venedig bezaubert waren, von Goethe über Mark Twain bis Sartre, hat sie in ihr Buch eingebaut.

 

Es kann den eigenen Besuch dieser Lagunenstadt nie ersetzen, doch ist dieses wunderschöne, auch als Geschenke perfekt eignende Buch, eine schöne Einstimmung in einen Besuch bzw. Nachklang.