Alle Beiträge von Winfried Stanzick

Das wahre Leben

 

 

 

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Milena Moser, Das wahre Leben, DTV 2016, ISBN 978-3-42321624-1

Der neue, packende und bewegende Roman von Milena Moser erzählt von zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Bevor sie sich kennenlernen, stecken sie aber beide mit Mitte Vierzig in einer veritablen Lebenskrise. Nevada hat gerade die erschütternde Diagnose bekommen, dass sie unter Multipler Sklerose leidet und sieht sich von einem auf den anderen Tag aus ihrem bisherigen Leben vertrieben. Dennoch gibt sie weiter ihren Yoga-Unterricht in einer einfachen Wohnblocksiedlung.

Dorthin ist Erika, die zweite Frau, mit ihrer schwergewichtigen Tochter Suleika gezogen. Mitten heraus aus einem privilegierten Leben in einer gehobenen Gesellschaft mit gut verdienendem Mann. Bei einem Fest für ihre angeblichen Freunde hat sie gemerkt, wie kaputt ihre Familie ist und wie elend ihr eigenes Leben. Sie beschließt etwas zu wagen, was Milena Moser im Buchtitel „Das wahre Leben“ nennt und zieht in eine Siedlung, die in Zürich als sozialer Brennpunkt bekannt ist. Immer die Sätze ihrer Bekannten Gerda im Ohr, einer erfolgreichen Architektin: „Eine Frau, die hierzulande zu wenig verdient, ist einfach selber schuld. Eine Frau, die verlassen wird, auch. Ich hab die Nase voll von den Weibern, die zu faul sind, um wirklich etwas zu leisten, und die sich dann beklagen, sie seien nicht wichtig!“

In einem Yogakurs von Suleika, den Nevada leitet, kommen sich die beiden unterschiedlichen Frauen näher. Sie erleben zum ersten Mal in ihrem Leben so etwas wie Freiheit, fühlen sich von der jeweils anderen verstanden. Und indem Erika zu sich findet, kann sie auch zu ihrer Tochter einen anderen Zugang finden.

Derweil hat Nevada den jungen Dante kennengelernt und sich ihn verliebt. Er leidet an einem Hirntumor. Doch als er erfährt, dass er vielleicht geheilt werden kann, hat sie Angst, ein gesunder Dante werde eine kranke Nevada nicht mehr lieben können. Doch es kommt alles
anders…

Milena Moser hat eine schöne, vielleicht an manchen Stellen zu schöne Geschichte geschrieben über zwei Frauen, die auf jeweils unterschiedliche Weise und mit gegenseitiger Hilfe aus ihrer schweren Lebenskrise herausfinden, einen neuen Sinn für ihr eigenes Leben entdecken und ihn mit Mut und Zuversicht verfolgen.

Neben einer guten Unterhaltung kann die Lektüre des Buches vielleicht auch die eine oder den anderen ermutigen, eigene Lebenskrisen nicht mehr wegzudrücken, sondern sich mutig und aufrecht an ihre Lösungen zu wagen.

Dieux du stade

 

 

 

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Fred Goudon, Dieux du stade, Te Neues 2015, ISBN 978-3-8327-3286-8

 

Seit 15 Jahren wird der Kalender „Dieux du stade“ (Götter des Stadions) veröffentlicht. Hauptsächlich die Rugbyspieler des legendären französischen Klub Stade Francais sind dort in ihrer ganzen körperlichen und unbekleideten Pracht abgebildet.

 

Die Bilder der Ausgabe 14 und 15 dieses mittlerweile in der ganzen Welt berühmten Kalenders für männliche Aktfotografie hat der französische Fotograf Fred Goudon gemacht. Sie werden hier in einem Bildband gezeigt, der eine fotografische Hommage an die Schönheit und die Ästhetik männlicher Körper ist. Sie erinnern an die Abbildungen antiker griechischer Götter und sind nicht nur für Frauen oder Homophile ein wahrer ästhetischer Genuss.

 

 

Fußball

 

 

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Andrea Schwendemann, Fußball, Ravensburger Verlag 2016, ISBN 978-3-47332650-1

 

Pünktlich zum nächsten Fußball-Großereignis, der Europameisterschaft in Frankreich im Sommer 2016, bei der sich die deutsche Mannschaft gute Siegchancen ausrechnet, veröffentlicht der Ravensburger Verlag in seiner für Kinder von 8-12 Jahren gedachten Sachbuchreihe Profiwissen ein Sachbilderbuch mit umfangreichem Sachwissen zum Thema Fußball.

Mit vielen Fotos auch von berühmten Fußballern und Interviews, unter anderem mit den Trainern Jürgen Klopp und Joachim Löw, geht es um ein tieferes und besseres Verständnis des Phänomens Fußball. Da geht es um seine Geschichte, um Regeln und Taktik und um die vielen Menschen, die nicht auf dem Platz stehen und dennoch nötig sind, um eine Fußballliga am Laufen zu halten.

Natürlich gibt es auch Informationen zum Jugend- und Kinderfußball. Mit vielen aufklappbaren Entdeckerseiten zum Staunen und Verstehen lädt das Buch seine Nutzer ein, es regelrecht zu erforschen.

Für Jungen und Mädchen, die sich für Fußball interessieren gleichermaßen gut geeignet und im gewohnten Standard der „Wieso? Weshalb? Warum?“ – Bände.

 

 

Wo unser Wetter entsteht

 

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Rolf Schlenker, Sven Plöger, Wo unser Wetter entsteht. Eine meteorologische Reise, Belser 2016, ISBN 978-3-7630-2709-5

 

Im Dezember 2015 erschienen, geht dieses Buch des ARD-Meteorologen Sven Plöger und des SWR-Wissenschaftsjournalisten Rolf Schlenker nun schon in die dritte Auflage. Das ist ungewöhnlich selbst für ein populäres Sachbuch und zeigt, wie sehr das Thema Wetter die Gemüter der Menschen beschäftigt.

Jeder Sender im Radio hat seit Jahren einen speziellen Wettermoderator, der oft mehrmals pro Stunde zu den Wetteraussichten des Tages und der kommenden Tage befragt wird. Die Wetterfrösche in den verschiedenen Fernsehkanälen sind in diesen Zeiten oft bekannter als die Nachrichtensprecher.

Zu ihnen gehört seit langem für die ARD auch Sven Plöger, der sich in seinen Moderationen, vor allem aber in seinen Veröffentlichungen dadurch auszeichnet, dass er nicht unbedingt gleich in den Chor derjenigen einfällt, die permanent von der Klimakatastrophe sprechen.

Er plädiert immer wieder, auch in diesem Buch, dafür, die „natürliche“ von der „menschengemachten“ Erwärmung zu trennen.

Für dieses Buch, das seine Leser mitnimmt auf einen Weg, in fünf Schritten das Wetter zu verstehen, haben Rolf Schlenker und Sven Plöger in mehreren Reisen die Schauplätze aufgesucht, die unser Mitteleuropäisches Wetter bestimmen. Sie waren auf den Azoren, in Island und am Golf von Genua und erklären insbesondere die Bedeutung des Atlantiks und des Golfstroms.

Mit zahlreichen Bildern und Fotografien und vor allen Digen mit ihren sehr verständlichen Texten, schaffen es die beiden Autoren, hochkomplexe Zusammenhänge herunter zu brechen und dem normalen Menschen zu erklären.

Nachdem sie in fünf Schritten sehr nachvollziehbar für mehr Verstehen der Zusammenhänge gesorgt haben, widmen sie sich in einem abschließenden Kapitel sehr differenziert dem Klimawandel. Ihre conclusio: Reduzierung der CO 2 Konzentration in der Atmosphäre durch den Verzicht auf Kohle, Gas und Öl. Und das halten sie für machbar.

Wie man die Entstehung von Wetter, wie man Wetterphänomen der Vergangenheit wie den Sturm „Lothar“ oder das Elbhochwasser 2002 anschaulich erklären und dabei noch packend erzählen kann –Rolf Schlenker und Sven Plöger haben es hier vorgemacht.

Alles würd ich für dich tun

 

 

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Helmut Walch, Angela Holzmann, Alles würd ich für dich tun, Patmos 2015, ISBN 978-3-8436-0584-7

 

Paul ist ein großer brauner Bär und bei allen anderen Tieren, die er kennt, sehr beliebt. Nun aber hat er sich gestern an der Pfote verletzt und liegt mit großen Schmerzen im Bett. Als seine Freude davon hören komm en sie alle und wollen ihn besuchen. Der Igel, der Rabe, das Kamel, der Elefant, der Löwe und das Pferd, aber auch das schüchterne Schaf machen sich auf den Weg zu ihm.

Einer nach dem anderen möchte ihn mit den unterschiedlichsten Dingen aufheitern. „Alles würd ich für dich tun“, sagt der Löwe und spricht damit allen anderen Tieren aus dem Herzen. Doch all ihre gut gemeinten Vorschläge sind nichts für einen Bären, der krank im Bett legt und dem alles weh tut.

Als sie alle schon ganz ratlos wieder gehen wollen, hat das kleine Schaf, das sich bisher nicht gemeldet hat, eine Idee. Es legt seine wollige Hufe auf die mächtige Pranke des Bären und sagt: „Du sollst fühlen, wie leid du uns tust. Und wie sehr wir uns alle wünschen, dass du schnell wieder gesund wirst!“

Die Wärme dieser liebevollen Berührung steigt im Arm des Bären hoch und gleichzeitig sein Vertrauen, dass seine Wunde bald wieder heilen wird.

Ein schönes Bilderbuch darüber, was kranke Wesen wirklich brauchen.

 

 

 

 

Herr Wondrak rettet die Welt, juchhe

 

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Janosch, Herr Wondrak rettet die Welt, juchhe, Droemer 2016, ISBN 978-3-426-27693-8

 

Die Leser der ZEIT kennen Janoschs Herrn Wondrak, der einem manchmal wie ein Alter Ago des berühmten Zeichners vorkommt, seit langem aus dem der liberalen Wochenzeitung beiliegenden ZEIT-Magazin.

Mit der Genehmigung des Zeitverlags hat der Droemer Verlag nun eine Auswahl der bisher seit 2013 erschienen Folgen in einem Buch zusammengefasst. Die Aphorismen über Herrn Wondrak sind deshalb etwas Besonderes, weil Janosch vorher über zehn Jahre keine einzige Zeile und kein einziges Bild mehr veröffentlicht hatte.

Immer Kontakt zur Tigerente haltend macht Wondrak, ein wahrer Philosoph, eigentlich alles falsch, doch sein Leben läuft genau richtig. Er besitzt fast nichts und ist doch auf seine Weise reich. Nie hat er was zu tun, und doch ist er ständig mit wichtigen Dingen des Lebens beschäftigt. Zum Beispiel mit der Weltrettung. Er kennt keine Grenzen, nur Möglichkeiten.

Tillmann Prüfer, Redakteur des Zeit-Magazins schreibt in seinem Nachwort: „Was können wir von Wondrak lernen? Vielleicht, die Freiheit des Geistes, mehr schätzen zu lernen. Man kann einem alles nehmen, aber nicht den inneren Reichtum. Es ist ganz egal, wie trist das Dasein ist, wenn die Dinge, die man sich vorstellt, schön sind. In der Phantasie, zeigt uns Wondrak, können wir unsere eigenen Helden sein. Vielleicht ist es der einzige Weg, ein Held zu sein. Den Rest, die Realität und so, gilt es mit Gleichmut zu ertragen.“

 

Bilder mit viel Hintersinn.

Und du bist nicht zurückgekommen

 

 

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Marceline Loridan-Ivens, Und du bist nicht zurückgekommen, Insel 2015, ISBN 978-3-458-17660-2

 

Fünfzehn Jahre alt ist Marceline Rozenberg, als sie 1944 zusammenmit ihrem Vater von den Nazis festgenommen wird und deportiert wird. Sie kommt nach Birkenau und überlebt dort wie durch ein Wunder, der Vater kommt in Auschwitz ums Leben. Kurz vor seinem Tod gelingt es dem Vater auf einem kleinen Zettel eine Botschaft an seine Tochter aus dem Lager zu schmuggeln. Doch Marceline kann sich nur noch an die Anrede („Mein liebes kleines Mädchen“) und an die Unterschrift des Vaters. Den Rest hat sie vergessen, worunter sie ein Leben lang leidet.

Siebzig Jahre nach ihrer Befreiung aus Auschwitz schreibt sie mit Hilfe von Judith Perrignon ihrem Vater einen langen Brief. Der Brief ist eine Liebeserklärung an den Vater und gleichzeitig ein letzter Versuch, die furchtbaren Geschehnisse aus der Vergangenheit zu verarbeiten. Grauenvolle und unmenschliche Ereignisse, die das normale Vorstellungsvermögen übersteigen, und die Marceline für ihr ganzes Leben prägen sollten.

Doch sie erzählt auch von dem Leben danach, als niemand hören wollte von „dort“ und als sie unter einem stummen Vorwurf gelitten hat: warum bist du zurückgekommen und nicht der Vater, den die Familie nötiger gebraucht hätte.

Das kleine Buch ist ein bewegendes Zeugnis einer Überlebenden, die wie vieler andere, die ein ähnliche Schicksal hatten, ihr ganzes Leben lang damit hadern, überlebt zu haben und das Lager nie ehr aus ihrer Seele bekommen:

„Die Wörter hatten uns verlassen. Wir hatten Hunger. Das Massaker war in vollem Gange. Ich hatte sogar Mamas Gesicht vergessen. Und da war deine Botschaft vielleicht plötzlich zu viel Wärme, zu viel Liebe, ich habe sie nach dem Lesen sofort geschluckt, wie eine Maschine, die Hunger und Durst hat. Und dann habe ich sie ausgelöscht. Zu viel daran denken hieß, den Mangel zuzulassen, es macht verwundbar, es weckt die Erinnerungen, es schwächt und es tötet. Im Leben, dem richtigen, vergisst man auch, man geht darüber hinweg, man verlässt sich auf die Gefühle. Dort ist es das Gegenteil, zuerst verliert man die Bezugspunkte der Liebe und der Sensibilität. Man erfriert von innen her, um nicht zu sterben.“

 

 

 

 

 

Die Bremer Stadtmusikanten

 

 

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Gerda Muller, Die Bremer Stadtmusikanten, Moritz 2016, ISBN 978-3-89565-320-9

Alle haben sie an ihrem jeweiligen Ort für die Menschen, denen sie dienten über viele Jahre ausgedient und sollen getötet werden: zuerst der Esel, der beschließt, zu fliehen und in Bremen Stadtmusikant zu werden. Dann nacheinander die Katze, der Hund und der Hahn, die sich dem Esel anschließen, weil sie es für eine gute Idee halten, ein besseres Ziel als den Tod zu haben.

Wie sie dann mit ihrer „Musik“ die Räuber in einem Haus im Wald vertreiben und schlussendlich darauf verzichten, nach Bremen zu gehen, sondern in ihrem neuen Haus glücklich miteinander leben – all das hat Gerda Muller mit zarten und farbenfrohen Bildern für ein in der Form fast quadratisches Bilderbuch in Szene gesetzt und illustriert.

Gerda Muller ist 1926 in den Niederlanden geboren, lebt in Paris und hat im Moritz Verlag in den letzten Jahren zwei schöne Spuren-Bilderbücher veröffentlicht.

 

Das Mädchen mit dem Fingerhut

 

 

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Michael Köhlmeier,  Das Mädchen mit dem Fingerhut,  Der Hörverlag 2016, ISBN  978-3-8445-2107-8

Die Orte und Städte, in denen der neue schmale  Roman  von Michael  Köhlmeier  spielt, können in jedem Land Westeuropas liegen. Ein Europa, das in diesen Tagen zu zerbrechen droht an einer Herausforderung, die sich die meisten Regierungen weigern, gemeinsam zu meistern und zu lösen. Ob dies überhaupt möglich ist, ohne wesentliche Werte aufzugeben und für unantastbar gehaltene Rechte auszusetzen, das werden die nächsten Wochen und Monate zeigen.

Michael Köhlmeier Roman handelt von Kindern. Drei von Hunderttausenden,  die sich mit Eltern oder alleine auf den Weg in eine vermeintlich bessere  Zukunft gemacht  haben und versuchen, in einem fremden Land ohne  Sprachkenntnisse  zu überleben.

Das sechsjährige Mädchen,  dessen Geschichte  Michael Köhlmeier sensibel und mit einer schlichten, poetischen Sprache verfolgt,  ist mit einem „Onkel“, der nicht näher beschrieben wird,  ins Land  gekommen. Der setzt sie auf dem Marktplatz einer  größeren Stadt  vor dem Laden von Bogdan ab,  einem freundlichen Händler, der dem stummen Mädchen zu essen gibt. Sein Freund, der Fischhändler, unterstützt ihn dabei, rät jedoch, die Polizei zu rufen, um sich nicht in Schwierigkeiten zu bringen. Als das Mädchen das Wort „Polizei“ hört , beginnt es zu schreien wie am Spieß.

Abends holt sie der Onkel an einer verabredeten Stelle wieder ab und setzt sie am nächsten Tag wieder bei Bogdan ab. Als nach einigen Tagen  der Onkel  nicht da ist, irrt das Mädchen durch die Stadt und wird irgendwann von einer freundlichen Polizeibeamtin in ein Heim gebracht. Dort trifft sie auf einen älteren Jungen namens Schamhan und den kleinen  Arian. Schamhan kennt sowohl die Sprache des Mädchens als auch die des kleinen Jungen.

Sie fliehen aus dem Heim und versuchen sich durchzuschlagen. Schamhan redet von einem Haus, das er finden will, wo sie über den Winter  bleiben können,  weil seine  Bewohner im Süden in der Sonne sind.

Niemand weiß,  wo die Kinder herkommen. Das Mädchen wird Yiza  genannt, weil es auf eine entsprechende nicht verstandene Frage dieses Wort gesagt hat.  Irgendwann ist auch der große
Junge  verschwunden, und auch Arian kommt nicht wieder, als eine alte Frau das Mädchen bei sich aufnimmt, offenbar ohne die Behörden zu informieren.  Doch Arian findet sie Monate später, schlägt die alte Frau brutal nieder, und sie fliehen erneut.
„Arian ist  der Kapitän.  Er geleitet  das Schiff zu den Freunden und in den Sommer. Die Freunde, das sind  eine Horde  von Zerlumpten, die bereits zu alt sind für Mitleid und Rührung. “

Mit diesen Worten lässt Michael Köhlmeier seinen nachdenklichen Roman enden. Einen Roman, der erzählt  von Menschen ohne Herkunft. Ein Roman, der sich Sentimentalitäten verweigert und dennoch mit kräftigen Worten und lebendigen Bildern erzählt  von der kindlichen Kraft  des Überlebens.

Ein Buch ohne gutes Ende, obwohl sich im seinem Verlauf an mehreren  Stellen ein solches anbot. Aber die Wirklichkeit  sieht oft anders aus. Dunkler,  trauriger, ohne wirkliche Hoffnung. Der Autor selbst hat dieses Hörbuch eingelesen und seine intensive Stimme verstärkt den dunklen, hoffnungslosen und dennoch empathischen Ton dieses Buches. Ein Buch über Kinder, von denen wir diese Tage hören, dass über 10 000 von ihnen mittlerweile verschwunden sind. Namenlos werden sie versuchen sich durchzuschlagen, potentielle Opfer für vielfache Ausbeutung.

Nur ein Tag

 

 

 

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Martin Baltscheit, Nur ein Tag, Dressler 2016, ISBN 978-3-7915-2702-4

Nachdem „Nur ein Tag“ mehrfach als Theaterstück aufgeführt wurde und auch als Hörbuch großen mit Preisen ausgezeichneten Erfolg hatte, erscheint es nun endlich mit wunderbaren Illustrationen von Wiebke Rauers bereichert im Dressler Verlag als Buch. Es ist ein Buch für Erwachsene und Kinder zugleich und es erzählt von Freundschaft, dem Reichtum und dem Glück des Lebens und seiner unbändigen Kraft.

Voller Poesie und mit unvergesslichen Formulierungen (Beispiel: „Der Stundenplan des Lebens füllt sich von selbst.“) erzählt der erfolgreiche Kinder- und Bilderbuchautor Martin Baltscheit die Geschichte von einem Fuchs und einem Wildschwein, die einer Eintagsfliege beim Schlüpfen zusehen. Sie ist von so großer Anmut und Schönheit, dass sich beide sofort in sie verlieben. Sie wissen, dass sie nur einen Tag zu leben hat, aber sie trauen sich nicht der Fliege das zu sagen. Stattdessen behauptet das Wildschein, es sei der Fuchs, der nur einen Tag zu leben hat.

Wie die Eintagsfliege dann mit all ihrer Kraft, Liebe und Phantasie versucht, den Tag für den Fuchs zu seinem allerschönsten Tag zu machen, ist berührend und treibt einem beim Lesen abwechselnd die Tränen in die Augen und ein Lächeln ins Gesicht. Sie gibt alles, denn „wer nur einen Tag, der braucht das ganze Glück in 24 Stunden.“

Ein wunderbares, absolut preisverdächtiges Buch, eine Ode an das Leben, an jedes Leben, und sei es auch noch so kurz. Beim Lesen sind mir Menschen präsent gewesen, die ich in der Vergangenheit oder ganz aktuell in ihrem Sterben begleite. Und es hat mir so viel Kraft gegeben.