Alle Beiträge von Winfried Stanzick

Robinson

 

 

 

Peter Sis, Robinson, Gerstenberg 2019, ISBN 978-3-8369-5697-0

 

Peter und seine Freunde spielen gerne in ihrer Freizeit, sie wären Piraten und das macht ihnen großen Spaß.  Als auf einem Plakat in der Schule ein Kostümfest angekündigt wird, ist ihnen sofort klar: da gehen sie hin und verkleiden sich als Piraten.

 

Als er zu Hause seiner Mutter davon erzählt, überzeugt sie ihn davon, sich doch als Robinson Crusoe zu verkleiden, dem Held seiner Lieblingsgeschichte. Denn der war wirklich ein großer Abenteurer und mutiger als alle Piraten.

 

Seine Mutter näht ihm ein wunderbares Kostüm und er kann  es kaum erwarten auf dem Kostümfest zu erleben, was seine Freunde dazu sagen. Doch die lachen ihn aus. Peter wird es ganz heiß, er fühlt sich gar nicht mehr stark und er will nur noch weg.

 

Seine Mutter steckt ihn ins Bett, weil er tatsächlich fiebert. Peter fühlt sich verloren. Doch dann schwebt er davon. Und er landet auf einer einsamen Insel, so wie sein Idol Robinson Crusoe. Tiere werden zu seinen Freunden und er hält täglich Ausschau nach Piraten.

 

Als dann welche vor ihm stehen, sind es seine Freunde, die ihre Meinung geändert haben und nun von Peter etwas erfahren wollen über Robinson Crusoe.

 

Der englische Autor hat mit diesem Buch eine eigene Kindheitserinnerung verarbeitet. Es soll Kinder ermutigen, sich einmal mit dem Original von Daniel Defoe zu befassen.

Die kleine Hummel Bommel entdeckt die Wiese

 

Britta Sabag, Die kleine Hummel Bommel entdeckt die Wiese, arsedition 2019, ISBN 978-3-8458-3013-1

 

Nach den bisherigen sehr erfolgreichen Bilderbüchern über die Abenteuer der kleinen Hummel Bommel hat die „Familie Bommel“, bestehend aus Britta Sabag, Maite Kelly und Joelle Tourlonias ein wunderbares Natur-Sachbilderbuch geschaffen, in dem die den Kindern bekannte Hummel Bommel die Kinder auf eine Erkundungsreise über ihre geliebte Wiese einlädt.

 

Die Kinder erfahren in Bildern, Zeichnungen und Texten, welche Tiere auf einer Wiese leben, welche Blumen und Pflanzen dort wachsen und vor allen Dingen wie alle mit allem dort zusammenhängt.

 

Die Kinder ab etwas dem Grundschulalter begreifen mit diesem Buch, warum es unbedingt wichtig ist, den Lebensraum Wiese und ihre Artenvielfalt zu schützen.

 

Ein vorbildlich gemachtes Sachbilderbuch.

Rheinblick

 

 

Brigitte Glaser, Rheinblick, List Verlag 2019, ISBN 978-3-471-35180-2

 

In ihrem Roman „Bühlerhöhe“ entführte Brigitte Glaser ihre Leser 2016 in das Deutschland der frühen fünfziger Jahre, in die Zeit der Debatten über die Wiederbewaffnung und der Wiedergutmachungszahlungen an Israel. Dem gelungenen Roman gelang eine sehr gute Mischung aus dem Porträt zweier starker Frauen und ihren Lebensgeschichten und – träumen und einer spannenden Handlung auf dem Hintergrund der innenpolitischen Debatten der frühen fünfziger Jahre in der BRD, die die meisten der heutigen Leser nicht selbst miterlebt haben.

 

Wohl auch durch den Erfolg dieses Buches ermutigt, hat Brigitte Glaser für ihr neues Buch einen ähnlichen Plot gewählt. Und wieder sind zwei starke Frauen die Hauptfiguren. Es ist das Jahr 1972. Nachdem Rainer Barzel mit einem Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Willy Brandt gescheitert ist, wobei ein später aufgeklärter Bestechungsskandal eine wichtige Rolle spielte, hat Willy Brandt am 19.11. 1972 nach einem fulminanten und kräftezehrenden Wahlkampf („Willy muss Kanzler bleiben“) mit einem sensationellen Ergebnis für die SPD die Wahl gewonnen. Koalitionsgespräche mit der FDP stehen an.

 

Doch Willy Brandt hat seine Stimme verloren und wird in einer Bonner Klinik an den Stimmbändern operiert. Für die nächsten beiden Wochen muss er in der Klinik bleiben und darf nicht sprechen. Die Logopädin Sonja Engel soll sich neben dem medizinischen Personal um seine Genesung kümmern.

 

Gleichzeitig ist in der Bonner Traditionsgaststätte „Rheinblick“ der Teufel los. Seit vielen Jahren schon ist die Wirtin Hilde Kessel dort der Mittelpunkt einer bunten Gästeschar aus Abgeordneten und Regierungsmitarbeitern. Sie kennt sie alle, und bewahrt über all das, was ihr zu Ohren kommt, Stillschweigen. Seit ihr Mann Arnold vor drei Jahren gestorben ist, führt sie die Gaststätte mit einem treuen Mitarbeiter alleine.

 

Sonja, die stundenlang im Vorraum zu Brandts Zimmer auf ihre knapp bemessenen Übungszeiten mit dem Kanzler wartet, bekommt zwangsläufig mit, wie bei Brandt nicht nur sein Kanzleramtsminister Ehmke und sein Vertrauter Egon Bahr hektisch ein und aus gehen, weil sie ihn, letztlich vergeblich, versuchen, in die Koalitionsverhandlungen und in die Postenvergabe einzubinden.  Hier hat sich Helmut Schmidt schon längst Vorteile verschafft, die den Anfang von Ende der Kanzlerschaft Brandts einläuten werden. Er wird sich von seinem Klinikaufenthalt politisch jedenfalls nie mehr wirklich erholen und bald schon Helmut Schmidt Platz machen müssen.

 

In dem Roman gibt es neben der Klinik, in der Sonja arbeitet, zwei Zentren: zum einen den „Rheinblick“ und Hilde Kessel mit ihrer verwickelten Geschichte und eine Wohngemeinschaft, in der Sonja mit anderen zusammenwohnt.

 

Sonja ist mit einem SPD- Abgeordneten verwandt, der zusammen mit seinen Genossen nicht nur Stammgast bei Hilde Kessel ist, sondern auch in den politischen Auseinandersetzung  nach der gewonnenen Wahl eine wichtige Rolle spielt.

 

Auch der Taxifahrer und Student Max Dorando, Mitbewohner der WG, wird eine wichtige Rolle spielen, bekommt er doch in seinem Taxi Vorgänge mit, die zu tun haben mit dem Verschwinden eines Mädchens aus der Provinz, mit dem sich die in der WG vorübergehend untergekommene junge Journalistin Lotti aus Baden-Württemberg befasst. Sie wird während ihres Aufenthaltes in Bonn Wolfgang Schäuble interviewen, sich in Max verlieben und Wesentliches zur Aufklärung eines Verbrechens beitragen, das zunächst mit dem politischen Bonn in Verbindung gebracht wird und auch in Hilde Kessels Rheinblick Unruhe  auslöst.

 

Wer hat damit zu tun und wer war vor dem Misstrauensvotum in die Bestechungen verwickelt? Auch Hildes mühsam geheim gehaltene Vergangenheit kommt durch einen Abgeordneten wieder ans Tageslicht und gefährdet ihre Zukunft.

 

Brigitte Glaser hat auf eine geniale Weise die Lebensgeschichten der handelnden Personen miteinander verwoben und daraus einen nicht nur spannenden Roman gemacht, sondern sie ermöglicht dem jüngeren Leser, der diese Zeit nicht persönlich erlebt hat, einen wichtigen Einblick in eine Zeit, die zentral war für die Geschichte der Bundesrepublik.

 

Die gesamte Handlung umfasst nur den Zeitraum zwischen dem 18.11.1972 und dem 4.12.1972, eine Zeit, in dem politisch die Weichen für ein ganzes Jahrzehnt gestellt wurden.

 

Brigitte Glaser zeigt sich erneut als eine großartige Erzählerin. Sie ist sehr geschickt darin, die einzelnen Geschichten zu verweben und ihre Charaktere beinahe beiläufig in die anderen Handlungsstränge treten zu lassen.

 

Ein großer Roman.

 

 

 

 

Zukunft ist ein guter Ort. Utopie für eine ungewisse Zeit

 

 

 

Sina Trinkwalder, Zukunft ist ein guter Ort. Utopie für eine ungewisse Zeit, Droemer 2019, ISBN 978-3-426-27784-3

 

Die schlechten Nachrichten, die pessimistischen Einschätzungen von Fachleuten haben, so sieht es aus, wenn man als kritischer Zeitgenosse das Geschehen in der Welt beobachtet, in den letzten Jahren hohe Konjunktur.

 

Und tatsächlich sind nicht nur der Zustand unserer Umwelt, die jetzt schon spürbaren Folgen des Klimawandels und die prognostizierten Folgen der Digitalisierung und Automatisierung für weite Teile der Arbeitswelt etwas, was einem Angst machen kann für die Zukunft. Insbesondere wenn man wie der Rezensent als Vater eines Jugendlichen an dessen Zukunft denkt. Es ist ja nicht nur die Tatsache, dass die wirtschaftlichen Grundlagen unserer Gesellschaft wegzubrechen drohen, sondern vielleicht mehr noch, dass nicht nur weit weg an irgendeinem anderen Ende der Welt, sondern hier, mitten in Europa, die Freiheit, die Demokratie und unser Wohlergehen in einem nie für möglich gehaltenen Maß bedroht sind.

 

Der Wandel scheint ein Tempo erreicht zu haben, dem viele Menschen nicht gewachsen sind. Sie haben aus den unterschiedlichsten Gründen Angst vor der Zukunft. Bei einer Aussicht auf eine Rente, die selbst für ehemalige gute Verdiener nur hart über dem Existenzminimum liegen wird, scheint das auch mehr als berechtigt.

 

Doch Sina Trinkwalder weigert sich in diese dystopischen Überlegungen einzustimmen. In ihrem neuen Buch „Zukunft ist ein guter Ort“ zeigt sie, dass der viele beängstigende Wandel unserer Welt auch neue große Chancen bereit hält für das Miteinander der Menschen und für eine Stärkung unserer Gesellschaft.

 

Denn die Digitalisierung etwa ermöglicht eine deutlich effizientere Ressourcenverteilung einerseits und einen zielgenauen und sinnvollen Einsatz der Arbeitskraft andererseits. So können wir unsere Arbeitszeit auf 30 Stunden und weniger pro Woche senken, Berufsbilder werden sich verändern und gesellschaftlich relevante Arbeit wird zusätzlich honoriert werden.

 

An vielen weiteren Beispielen erklärt sie ihre Visionen, erläutert die großen Chancen in vielen  Bereichen der Gesellschaft. Und vor allem: sie zeigt immer wieder, wie wir alle an dieser Vision mitarbeiten können. Wie viele Menschen, da wo sie leben und arbeiten, mithelfen können, Zukunft sinnvoll und lebenswert zu gestalten.

„Wenn wir das Sein gestalten, statt zu konsumieren, wenn nicht Wachstum, sondern der Mensch an erster Stelle steht, wird Zukunft zu einem guten Ort.“

 

Ein Mut machendes, motivierendes Buch. Es bringt Farbe in eine Debatte, die nur allzu oft  von dunklen Visionen beherrscht scheint.

 

So bunt wie sein einladender Umschlag sind die Ideen dieses wichtigen Buches. Mehr davon.

 

 

 

Begeisterung. Die Energie der Kindheit wiederentdecken

 

 

 

 

 

Andre Stern, Begeisterung. Die Energie der Kindheit wiederentdecken, Elisabeth Sandmann Verlag 2019, ISBN 978-3-945543-59-7

 

Andre Stern hat sich schon mit seinen letzten beiden Büchern als ein Autor und Zeitgenosse erwiesen, der quer zum Mainstream gängiger aber auch alternativer Bildungskonzepte argumentiert.

In seinem letzten 2016 ebenfalls bei Elisabeth Sandmann erschienenen Buch „Spielen, um zu fühlen, zu lernen und zu leben“  lässt er immer wieder durchblicken, dass er sich eine Kindheit ohne Schule, wie er sie selbst erlebt und in seinem ersten Buch „Ich war nie in der Schule“ beschrieben hat, für alle Kinder wünscht. Und tatsächlich sprechen seine Bücher viele Menschen an, die ähnlich denken und ihre Kinder lieber selbst unterrichten würden, gäbe es die ihnen leidige Schulpflicht nicht. Doch Andre Stern geht es schwerpunktmäßig darum, dafür zu werben, in die emotionalen, sozialen und kognitiven Potenziale der Menschen zu vertrauen und das beim Aufwachsen der Kinder in den Mittelpunkt zu stellen. Ob in der Familie, im Kindergarten  oder in der Schule:

„Das Spiel ist für das Kind die direkte Art, sich mit dem Alltag, mit sich und der Welt zu verbinden. Für Kinder ist das freie Spiel ein Bedürfnis. Eine Veranlagung, ein Hang, oft ein Drang. Es ist für das Kind eine tiefe Erfüllung.“

 

Auch in seinem neuen Buch verfolgt er diesen Weg weiter und widmet sich der Begeisterung als einer dem Menschen angeborenen Fähigkeit. Jedes Kind, so schreibt er, sei von Natur aus neugierig, an seiner Umwelt und den Dingen interessiert und voller potentieller Begeisterung. Die muss weder trainiert noch entwickelt werden, sagt er, sie sei „wie ein innerer See. Doch ist sie meistens überdeckt von Wolken und Vorhängen, die es zu entfernen genügen würde.“

 

Die Kindheit als wertvollste Ressource des Menschen anerkennen und wertzuschätzen, sie zu schützen, zu achten und zu fördern, darum geht es in der Familie, in den Kindertagesstätten und in den Schulen. Nicht die Leistung um jeden Preis in der Vordergrund der Erziehung stellen, sondern die kindliche Begeisterung und Leidenschaft.

 

Erwachsene, egal ob Eltern, Erziehrinnen oder Lehrer, die darauf achten, werden sich auch ihrer eigenen Begeisterungsfähigkeit bewusst und für ihr eigenes Leben profitieren.

Wieder zeigt sich Andre Stern als eine Art Vorbote einer neuen Lebensweise. Sein Vertrauen in die Potentiale des Menschen ist groß.

Diese emotionalen, sozialen und kognitiven Potentiale zu erkennen und zu fördern, sie zum Leben kommen lassen – eine große und spannende Aufgabe für alle, die an der Erziehung von kleinen Menschenkindern teilhaben.

 

 

Wieso.Weshalb,. Warum. Wir entdecken Feste und Bräuche

 

 

 

Andrea Erne, Susanne Szesny, Wieso.Weshalb,. Warum. Wir entdecken Feste und Bräuche, Ravensburger Verlag 2019, ISBN 978-3-473-32946-5

 

Dieses Buch aus der durchweg empfehlenswerten Sachbuchreihe Wieso? Weshalb? Warum? für Kinder von vier bis sieben Jahren aus dem Ravensburger Verlag gibt auf insgesamt acht Doppelseiten mit vielen Klappen, die Einblicke ermöglichen und  Bewegungen und Abläufe veranschaulichen, eine Einführung in ein Thema, das Kinder in etwas einführt, was in unserer schnelle modernen Zeit verloren zu gehen droht. Es geht um Feste und Bräuche bei uns in anderen Ländern.

 

Zunächst wird beschrieben, warum Menschen überhaupt Feste feiern, bevor dann dem Lauf des Jahres entlang verschiedene feste beschrieben werden. Die Begrüßung des neuen Jahres, die verschiedenen Formen des Faschings, Traditionen anlässlich des Frühlingsanfangs, besondere Kinderfeste, der Sinn von Ostern, Maifeste, Sommerfeste.

 

Auch Feste in anderen Ländern, Nationalfeiertag werden beschrieben, bevor es zu den Festen am Ende des Jahres geht. Laternenfest, Nikolaus und Weihnachten bilden den Abschluß eines Sachbilderbuchs für Kinder zwischen vier und sieben Jahren, dem es sehr gut gelungen ist, die Vielfalt des Themas altersgerecht darzustellen, das mit vielen Klappen zum Entdecken und Weiterfragen einlädt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Tiefsee

 

 

 

 

Annette Neubauer, Nikolai Renger, Tiefsee, Ravensburger Verlag 2019, ISBN 978-473-41813-8

 

Ich bin 1954 geboren und kann mich gut daran erinnern, welchen Reiz in meiner Kindheit Geschichten und vor allen Dingen Bilder der Forschungsarbeiten und Expeditionen der beiden Tiefseeforscher Auguste und besonders Jacques Picard auf mich ausgeübt haben. Als Grundschüler dann habe ich alle entsprechenden Bücher, die in der Gemeindebibliothek unseres Dorfes vorhanden waren, ausgeliehen, mir die Bilder angeschaut und auch einiges dazu gelesen. Noch mehr Interesse fand ich später an ersten schwarz-weiß Sendungen in unserem neuen TV. Doch nie hatte ich die Informationen parat, die durch die neue Tiptoi- Technik den Kindern heute ganz neue Dimensionen erschließen zu dem jeweiligen Thema.
Denn dieses Produkt ist eine sensationelle Neuheit, die das Lernen für Kinder mit Büchern revolutionieren wird. Einmal angeschafft, passt der Stift zu immer mehr Produkten aus dem Ravensburger Verlag, wie zum Beispiel zu dem hier anzuzeigenden Buch für Leseanfänger

Tip Toi ist ein audiovisuelles Lernsystem für Bücher und Spiele, mit dem die Kinder die Welt spielerisch entdecken. Tippt das Kind mit dem Stift auf ein Bild oder einen Text oder ein entsprechendes Symbol, erklingen passende Geräusche, Sprache oder auch Musik. Eine intelligente Elektronik ermöglicht Kindern, Bücher und Spiele völlig eigenständig immer wieder neu zu erleben.

Ich kann das System nur empfehlen. Die TipToi Büchern sind etwa ein Drittel teurer als die herkömmlichen Wissensbücher bei Ravensburger, aber diese Investition in das Lernen und vor allem die Lernfreude ihres Kindes lohnt sich.

 

Hier im vorliegenden Buch „Tiefsee“ erhalten die Kinder auf neun Doppelseiten mit wunderbaren Illustrationen von Nikolai Renger nicht nur eine Fülle von wichtigen Informationen über die Tiere der Tiefsee und ihre Lebensgewohnheiten, sondern mit über  1000 Geräuschen und Texten wird eine fremde und für den Normalsterblichen unerreichbare Welt ganz lebendig.

Ich kann dieses Buch für alle Kinder ab etwa 7 Jahren nur empfehlen, die sich für das Meer und seine Erforschung interessieren.

 

 

 

Der Wolf und die Fliege

 

 

Antje Damm, Der Wolf und die Fliege, Moritz Verlag 2019, ISBB 978-3-89565-367-4

 

Insgesamt 8 Sachen hat Antje Damm auf den jeweils rechten Seiten  ihres neuen kleinen Bilderbuchs auf ein Regal gepackt. Eine gelbe Badeente, einen grünen Apfel, einen Fisch, eine Kaktus, ein kleines Auto, eine Fliege, einen Vogel und eine Katze.

 

Auf der jeweils linken Seite des Buches ist ein hungriger Wolf zu sehen. Mit jeder neuen Seite verschluckt er eines der Sachen und er fängt mit der Katze an. Weil er immer noch Hunger hat, verschluckt er bis zu vorletzten Seite alles außer dem Kaktus, weil Wölfe kein Grünzeug mögen. Aber die Fliege verspeist er noch. Doch das stellt sich als Fehler heraus. Denn die Fliege wehrt sich und kitzelt den Wolf so lange im Bauch, bis er alle wieder ausspuckt.

Und wenn am Schluss alles, was verschluckt wurde, wieder ans Tageslicht kommt, kann das Spiel von neuem beginnen.

 

Ein lustiges kleines Pappbilderbuch, das keine Kinder mit Sicherheit immer wieder anschauen mögen.

 

 

 

 

Hinter Glas

 

 

Julya Rabinovich, Hinter Glas, Hanser 2019, ISBN 978-3-446-26218-8

 

Als Alice, die jugendliche Ich-Erzählerin des vorliegenden Jugendromans (aber für Erwachsene geeignet!) der Schriftstellerin Julya Rabinovich zu Beginn des Romans auf einem Flohmarkt ihren einstigen Freund Niko wiedersieht und ihr vor lauter Schreck ein vorher gekaufter Spiegel aus der Hand fällt und in Scherben zerfällt, da ist die Geschichte von Alice` Befreiung schon zu Ende.

 

Die einzelnen Spiegelscherben langsam wieder zusammensetzend erinnert sie sich an ihre Emanzipation. Und so sind die einzelnen Kapitel auch überschrieben: Erste Spiegelscherbe, zweite Spiegelscherbe usw.

 

Der zerbrochene Spiegel ist ein Symbol für ihr in tausend Scherben zerbrochenes Leben. Ein tyrannischer Großvater hat nicht nur ihr Leben, sondern auch das ihrer Eltern voll im Griff. Alice lebt in wohlhabenden Verhältnissen, dennoch hält sie die Enge und die Stille im großen Haus nicht mehr aus. Sie weiß nicht mehr aus und ein, fühlt sich wie ein in einem Glas gefangenes Insekt. Dieses Leben voller Gewalterfahrung nimmt ihr die Luft.

 

Bis sie eines Tages in der Schule Niko kennenlernt, der ihre große Liebe wird. Bei ihm und von ihm erhofft sie sich die Sicherheit und Geborgenheit, die sie zu Hause nie erfahren hat. Sie flüchtet sich zu ihm und gemeinsam verbringen sie einen wunderbaren Sommer voller Ausgelassenheit und Freiheit. Die Eltern und auch der Großvater kümmern sich nicht um ihr Verschwinden, was einen zunächst ziemlich irritiert.

 

Zwischendrin meldet sich, in einer anderen Schrift gedruckt, immer wieder eine Stimme zu Wort, eine Stimme, die alles genau beobachtet, Alice sehr genau zu kennen scheint und auch schon weiß, wie alles ausgehen wird, aber nichts verrät. Schließlich wird sich herausstellen, wer oder was sich hinter dieser allwissenden Stimme verbirgt.

 

Doch bald schon mischen sich in die sommerliche Ausgelassenheit der beiden jungen Liebenden erste Misstöne. Niko zeigt zunehmend Charakterzüge und Verhaltensweisen, denen Alice doch entfliehen wollte. Sein aggressives und unbeherrschtes Verhalten stürzen Alice in einen Strudel widerstrebender Gefühle. Ihre alte Vorsicht kehrt zurück.

 

Doch dann schafft sie es (mithilfe der schon erwähnten Stimme, so viel sei verraten) sich aus dem Sog der Gewalt zu befreien, der sie wieder hinabzuziehen droht.

 

Ein eindringlich und mit großer poetischer Kraft erzählter Jugendroman, ähnlich beeindruckend wie Julya Rabinovichs erstes Jugendbuch „Dazwischen: Ich“, in dem sie 2016 die Geschichte eines Flüchtlingsmädchens erzählte.

 

 

 

 

 

 

Die Natur. Entdecke die Wildnis vor deiner Haustür

 

 

 

 

Maria Ana Peixe Dias, Die Natur. Entdecke die Wildnis vor deiner Haustür, Beltz & Gelberg 2019, ISBN 978-3-407-81214-8

 

Dieses außergewöhnliche Natursachbuch für Kinder wurde in Spanien, wo es zuerst erschien, mit dem Bologna Ragazzi Award ausgezeichnet. In einfachen, nur in den Farben Schwarz, Grau und Blau gehaltenen Zeichnungen des vielfach ausgezeichneten Illustrators Bernardo P. Carvalho werden ein Mädchen und ein Junge stellvertretend für alle jungen Nutzer dieses Sachbuchs eingeladen, sich auf die Suche nach der „Wildnis vor deiner Haustür“ zu machen.

 

Nicht nur die Erwachsenen, auch die Kinder sind in ihrem Alltag oft so abgelenkt, dass sie die sie umgebenden Phänomen der Natur gar nicht bemerken. Dieses schöne und lehrreiche Buch will Abhilfe schaffen und lenkt den Blick auf viele Details, die man mit dem bloßen Auge erkennen kann, wirft aber auch immer einen Blick auf die Phänomene dahinter und erklärt sie. Zum Beispiel, wie Ameisen sich mit ihren Antennen verständigen und warum wir die Sterne tagsüber nicht sehen können.

„Die Natur“ ist ein Buch für die ganze Familie, randvoll mit Wissen zu Bäumen und Blumen, Insekten, Amphibien, Vögeln, Reptilien und Säugetieren, Gesteinen, Gewässern, Wolken und Sternen.

 

Es will aber nicht nur zu Hause auf der Couch der am Schreibtisch gelesen werden, sondern es hält vielfache Anregungen und Tipps für Streifzüge und Erkundungen in der näheren Umgebung bereit, lädt ein die Natur im Großen und im Kleinen selbst zu entdecken und zu erforschen.

 

Die sparsame Farbgebung mag nicht unbedingt jedermanns Sache sein, doch ihr Vorteil ist, dass sie vom Wesentlichen nicht ablenkt.