Alle Beiträge von Winfried Stanzick

Edison. Das Rätsel des verschollenen Mäuseschatzes

 

Torben Kuhlmann, Edison. Das Rätsel des verschollenen Mäuseschatzes, NordSüd Verlag 2018, ISBN 978-3-314-10447-3

 

Nach „Armstrong“ und „Lindbergh“ legt der Kinderbuchautor und Illustrator Torben Kuhlmann mit „Edison“ nun den dritten Band seiner Mäuseabenteuer vor. Auch dieses Buch wird kleine Wissenschaftler und ihre vorlesenden Eltern oder Großeltern wieder begeistern. So wie schon in den beiden ersten Büchern, verfolgen kluge und studierte Mäuse die Erfindungen der Menschen.

 

Als der junge und wissbegierige Mäuserich Pete durch eine alte schon vergilbte Tagebuchnotiz eines Urahns von ihm von einem verschollenen Schatz erfährt, der irgendwo auf dem Meeresgrund liegen soll, da gibt es kein Halten für ihn.

 

Sein Mäuseprofessor (wie gesagt, Mäuse haben ihre eigenen Unis) wird ihm nun im Laufe des spannenden und wunderbar und fantasievoll illustrierten Buches dabei helfen, den in der Notiz des Ahnen erwähnten Schatz zu finden und ihn auch zu bergen.

 

Und ihre abenteuerliche Suche unter dem Meeresspiegel wird sie zu Edison führen, dem Erfinder der Glühlampe. Fast auf jeder Seite kann man den Texten und Zeichnungen von Torben Kuhlmann dessen große Begeisterung für Science-Fiction und spannende Abenteuergeschichte abspüren.

 

Seine Bilder zeichnen sich durch Sorgfalt und große Begeisterung für das Detail aus.  Es sind wunderbare Bilder, die Kinder faszinieren werden, wie schon in den beiden ersten  Büchern, die hier noch einmal empfohlen sein sollen.

Torben Kuhlmanns ausdrucksstark illustrierte Bilderbücher bilden eine eigene Kategorie,  in der er eine Tiergeschichte verbindet mit der kindgerechten Darstellung von Technik- und Wissenschaftsgeschichte.

Torben Kuhlmann erzählt mit wunderbaren und eindrucksvollen Bildern eine spannende Geschichte zweier  sympathischen Mäuse und wie nebenbei vermittelt er wichtige Daten der Wissenschaftsgeschichte. Wie er das miteinander verbindet ist genial.

 

 

 

 

Opa Rainer weiß nicht mehr

 

 

Kirsten Jahn, Katja Gehrmann, Opa Rainer weiß nicht mehr, Knesebeck 2018, ISBN 978-3-95728-064-0

 

Das vorliegende Bilderbuch von Kirsten Jahn, das Katja Gehrmann sehr warmherzig illustriert hat, erzählt davon, wie die Grundschülerin Mia und ihr kleiner Bruder Paul erleben, wie ihr geliebter Opa immer vergesslicher wird und sich verändert.

 

Früher hat Mia mit ihm Wettläufe gemacht, wenn er sie in die Schule gebracht hat. Aber seit einiger Zeit ist der Opa komisch geworden, er weiß die einfachsten Sachen nicht mehr, wo seine Schuhe sind, warum der Wasserkocher einen Stecker hat, oder wie man ein Unterhemd anziehen soll. Und schließlich erkennt er Mia und Paul nicht mehr…

 

In diesem sehr gut gemachten Buch lernt Mia schrittweise mit der Krankheit des Großvaters umzugehen. Sie lernt ihn zu unterstützen und auch etwas darüber, was die Krankheit für den Opa selbst bedeutet.

 

Auf eine einfühlsame Weise schafft es das Buch in Wort und Bild, Kindern dieses aktuelle und sensible Thema nahezubringen.

 

Sehr empfehlenswert.

Müll. Alles über die lästigste Sache der Welt

 

Gerda Raidt, Müll. Alles über die lästigste Sache der Welt, Beltz & Gelberg 2019, ISBN 978-3-407-81215-5

 

So wie ich als 1954 geborener Mensch in meiner Kindheit und Jugend mit den unsichtbaren Bedrohungen des Kalten Krieges aufwuchs (ich erinnere mich noch geradezu körperlich dran, wie ich die Angst meiner Familie während der Kubakrise gespürt habe), so sehen sich heute schon viel kleinere Kinder aber erst recht die Jugendlichen mit zahllosen Umweltproblemen konfrontiert, von denen der Klimawandel durch die unkontrollierte Erderwärmung nur eines von vielen ist.

 

Die schwedische Schülerin Greta Thunberg ist für zahllose Schüler in aller Welt zum Vorbild geworden, wenn sie freitags für das Klima demonstrieren.

 

Doch nicht nur das steigende Klima droht der Menschheit die Lebensgrundlagen zu nehmen, sondern auch der wachsende Berg von Müll, bei dem die riesigen Menschen von Plastik in den Weltmeeren nur eines von zahllosen Problemen ist.

 

Doch was ist eigentlich Müll, wo fällt er überall an, wie wird er entsorgt und behandelt und welche Möglichkeiten des müllvermeidenden Handelns gibt es?

 

Das vorliegende Buch von Gerda Raidt, das sie auch sehr ansprechend selbst illustriert hat, gibt Kindern ab der 3. Klasse etwa und Jugendlichen alle wichtigen Informationen über „die lästigste Sache der Welt.“

 

Ein wichtiges und hervorragend gemachtes Sachbilderbuch.

Die ewigen Toten

 

 

 

Simon Beckett, Die ewigen Toten, Wunderlich Verlag 2019, ISBN 978-3-8052-5002-3

 

Das vorliegende Buch ist der mittlerweile sechste Band der Thrillerreihe um den forensischen Anthropologen David Hunter. Man kann das Buch und die Geschichte seines Protagonisten ohne weiteres gut verstehen, auch wenn man, wie der Rezensent, die ersten Bände nicht gelesen hat, was ich im Nachhinein sehr bedaure.

 

Immer wieder vermittelt Simon Beckett in kleinen Rückblicken und einzelnen Hinweisen etwas von der Vergangenheit von Simon Hunter. Wie er seine Frau und seine kleine Tochter bei einem Verkehrsunfall verloren hat, wie er selbst mehrfach bei seinen Einsätzen nur knapp dem Tod entkommen ist und vor allen Dingen, wie eine psychisch gestörte wunderschöne Frau namens Grace Strachan ihn  beinahe mit einem Messer getötet hätte.

Hunter wohnt deshalb im neuen Buch nicht mehr in seiner alten Londoner Wohnung, sondern in einem exklusiven neuen Wohnblock, wo ihm ein Bekannter vorübergehend eine möblierte Wohnung vermittelt hat. Bei ihm wohnt seine neue Partnerin Rachel, eine Meeresbiologin. Mit ihr hofft er auf eine neue private Zukunft, die ihn die traumatische Vergangenheit vergessen lässt.

 

Nur so viel sei verraten: beide Frauen  werden in dem neuen Buch für Hunter nicht unwichtige Rollen spielen. Hunter arbeitet in seinem neuen Fall wieder mit den aus den früheren Büchern bekannten Polizisten zusammen und es wird sich herausstellen, dass die Lösung des neuen Falles nicht nur für alle eine lebensgefährliche Aufgabe wird, sondern auch für den Forensiker David Hunter eine echte professionelle Herausforderung darstellt.

 

In dem seit Jahren stillgelegten Krankenhaus St. Jude im Londoner Norden, das in Kürze abgerissen werden soll um dann wohl Luxuswohnungen zu weichen, wird auf dem zugestaubten Dachboden eine in eine Plastikfolie gewickelte mumifizierte Leiche gefunden.  Beim Versuch, diese wohl schon lange in St. Jude liegende Leiche zu bergen, bricht der Dachboden an einer Stelle ein, ein Kollege von Hunter stürzt ab und verletzt sich schwer. Bei der Rettung des Kollegen entdecken die Ermittler in einem rundum verschlossenen, weil zugemauerten Raum ohne Fenster zwei weitere Leichen.

 

Auf keinen  Plänen ist dieser Raum zu finden und die Identifizierung der Toten verläuft zunächst schleppend. In einem angrenzenden Wald trifft Hunter auf eine Frau, die ihn auf seltsame Weise anzieht, obwohl sie mit dem ganzen Fall nichts zu tun haben scheint.

 

Es ist für Hunter eine schwierige Ermittlung, zumal seine Partnerin Rachel für drei Monaten  in die Ägais zu einem Projekt geflogen ist und sie auf dem Boot, auf sie mit anderen  Wissenschaftlern arbeitet, kein WLAN hat. Und auch die Angst, dass Grace Strachan zurückkehren könnte, hat seine einsamen Träume im Griff.

 

Hunter sagt über sich: „Die meisten Menschen finden meinen Beruf vermutlich seltsam, geradezu makaber. Ich verbringen mehr Zeit mit den Toten als mit den Lebenden und untersuche Verwesung und Zerfall, um menschliche Überreste zu identifizieren.“

 

Mit einer großen Sachkenntnis und vielen Fachbegriffen beschreibt Simon Beckett  auch in seinem neuen Roman die nicht immer geruchsfreie Arbeit seiner Hauptperson. Doch er macht das so, dass der Leser keinen Abscheu oder Ekel empfindet, sondern zunehmendes Interesse gepaart mit einer ungewöhnlichen Spannung.

 

David Hunter ist ein ungewöhnlicher, vom Schicksal erheblich gebeutelter Forensiker, der mir schnell sehr sympathisch wurde und es bis zum Ende blieb. Das nächste Buch werde ich sicher nicht verpassen.

 

 

 

 

Frau im Dunkeln

 

 

 

 

 

 

Elena Ferrante, Frau im Dunkeln, Suhrkamp 2019, ISBN 978-3-518-42870-2

 

Nach dem großen Erfolg der „Neapolitanischen Saga“ veröffentlicht der Suhrkamp Verlag nun auch die früheren Romane der von Anfang unter dem Alias Elena Ferrante schreibenden italienischen Schriftstellerin.

 

Ihr 2006 in Italien erschienener Roman „La figlia obscura“ wurde schon 2007 unter dem Titel „Frau im Dunkel“ von DVA einem deutschen Publikum vorgestellt, mit wenig Resonanz. Dies wird nun nach der Saga anders sein, wenn Suhrkamp nach „Lästige Liebe“ auch „Frau im Dunkeln“ präsentiert.

 

Wieder erzählt eine Frau im mittleren Alter aus ihrem Leben. Leda ist 49 Jahre alt, ist geschieden und unterrichtet Englisch an der Universität in Florenz. Ihre schon erwachsenen Töchter leben seit etlicher Zeit beim Vater in Kanada, wo er seit langem arbeitet und lebt.

 

Schon kurz nachdem sie zum Vater und zum Studieren nach Kanada gingen und  sich von der Mutter trennten, spürte diese nicht die erwartete Sehnsucht nach ihren Töchtern, sondern hauptsächlich und vor allem große Erleichterung, etwas Schweres endlich losgeworden zu sein.

 

Die ich-erzählende Leda verbringt ihre Sommerferien in einem süditalienischen Küstenort und freut sich auf Sonne, Meer und viel Erholung mit ihren Büchern.

 

Doch schon bald macht sich am Strand ganz in ihrer Nähe eine aus Neapel (!) stammende Großfamilie breit, mit all den Geräuschen und dem Lärm, den das mit sich bringt. Teil dieser Großfamilie sind eine junge Mutter und deren kleine Tochter. Tagelang nun wird Leda tagsüber am Strand diese beiden beobachten und sich ihre Gedanken dazu machen. Zunächst sind diese wohlwollend, stellenweise sogar fasziniert von der innigen Beziehung zwischen Mutter und Tochter, etwas was Leda, sich immer wieder an ihre Vergangenheit erinnernd, so nicht kannte in ihrer Kindheit und dann in ihrem eigenen Mutterdasein. Nach einigen Tagen jedoch spürt sie, wie ihre Stimmung umschlägt, wie sich eine Mischung aus Neid, Zorn und Enttäuschung Bahn bricht und einem unverständlichen Impuls folgend tut Leda dem kleinen Mädchen und mit ihm der ganzen Familie etwas an. Unbegreiflich für sie selbst und erst recht den Leser, wächst sich ein zunächst wie eine Lappalie aussehender Vorgang zu einer regelrechten Katastrophe aus.

 

Wie ist es dazu gekommen? Die schöne junge Mutter Nina ist für Leda ein Sinnbild für ihre eigene, nie erlebte Mutter. Und deren kleine Tochter Elena, die Nina über alles liebt, ist quasi Ledas Alter Ego. Und die Puppe Elenas, die Leda verschwinden lässt und Tochter und Mutter damit unendlichen Kummer zufügt, ist sozusagen das entscheidende Bindeglied.

Elena Ferrante spielt in ihrem neuen Roman mit dem aus der Psychologie bekannten mehrgenerationalen Konflikt. Überzeugend zeigt sie am Beispiel Ledas, wie negative Verhaltensmuster aus der Vergangenheit sich zwanghaft wiederholen können und dabei das eigene Glücksempfinden verhindern und Beziehungen zerstören.

 

Zirkulär erzählend, den Anfang des Buches als Fortsetzung des Endes beschreibend, lässt Elena Ferrante mit einer unglaublichen emotionalen Kraft ihre Protagonistin die Erlebnisse ihrer Vergangenheit berichten, die die junge Mutter und ihre Tochter in ihr auslösen. Es ist nicht leicht für sie, wie sie am Anfang sagt: „Die Dinge, die wir selbst nicht verstehen, sind  am schwierigsten zu erzählen.“

 

Und was zu Beginn ihres Urlaubs voller Zuversicht begonnen hat, endet dramatisch: Elena Ferrante beschreibt Leda, die doch so vernünftige scheinende intellektuelle Frau, als eine psychisch zutiefst gestörte Persönlichkeit.

 

Der bewegende, ja erschütternde Roman stellt ohne Rücksichtnahme die Frage, was es eigentlich bedeutet, eine Frau und Mutter zu sein. Mit großer Ehrlichkeit geht Ferrante in die Tiefe und ergründet die widersprüchlichen Gefühle, die eine Mutter an ihre Kinder binden können.

 

Von Leda und ihre literarischen Schöpferin unkommentiert, denkt der Leser/die Leserin lange über den letzten Satz des Buches nach, als Leda sagt: „Ich bin tot, aber es geht mir gut.“
Ein eindringlicher Roman und eine nachdenkliche Parabel über das Leben moderner Frauen.

 

 

 

 

Ida und der fliegende Wal

 

 

Rebecca Gugger, Simon Röthlisberger, Ida und der fliegende Wal, NordSüd Verlag 2018, ISBN 978-3-314-10446-6

 

Ida, die Hauptfigur des vorliegenden wunderschönen Bilderbuchs von Rebecca Gugger mit Illustrationen von Simon Röthlisberger, ist ein kleines rothaariges Mädchen. Wie die meisten Kinder im Kindergartenalter ist sie neugierig und hat unendlich viele Fragen.

 

Und so sitzt sie auf der ersten Doppelseite in ihrem niedlichen Baumhaus mitten im Wald (welches Kind möchte so etwas nicht haben?) und fragt sich, was wohl hinter der Sonne, dem Mond und den Sternen sein mag.

 
Eines Nachts wacht Ida von einem ungewöhnlichen Geräusch auf.  Die Wände ihres kleinen Holzhauses wackeln besorgniserregend. Ein fliegender Wal hat sich in den Bäumen verlaufen und hat die  Bretterwände ihres Baumhauses gerammt.

 

Ida fällt durch die Erschütterung  aus dem Bett. Noch sehr verschlafen, fast im Traum, lässt sich Ida auf die Einladung des Wals zu einer fantastischen Reise ein. Auf dem Rücken des Wals fliegt Ida zu den Sternen.

Ida lernt bei dieser Reise viel ihr bisher Unbekanntes kennen. Doch neben den Reiseerlebnissen sind die Gespräche des Mädchens mit dem Wal das Herzstücks dieses Bilderbuchs, bei denen es um Bekanntes und Fremdes geht. Eine ungleiche, wenn auch tiefe Freundschaft entsteht zwischen den beiden und sie nennt den Wal liebevoll „,mein fliegender Koloss“.

 

Der Flug durch die Wolken führt Ida an den Ort, wo die Erde auf dem Kopf steht. Was ist oben, was ist unten? Was ist verkehrt, was ist normal? Der Wal schlägt vor, dafür einen Perspektivwechsel vorzunehmen, einfach mal selber auf dem Kopf zu stehen, um dies herauszubekommen.

Am Ende der ihrer Reise erklärt der lächelnde Wal Ida, was Freundschaft ist: „Manchmal, da schweigt man zusammen. Manchmal, da verliert man sich aus den Augen. Aber trotzdem ist man nah ‒ die ganze Zeit schon!“

Eine wunderbare und fantasievolle Geschichte über eine ungleiche Freundschaft.

 

Alte Herren

 

 

Franziska Kalch, Alte Herren, minedition 2018, ISBN 978-3-86566-333-7

 

Schon im Jahr 2007 hat Franziska Kalch im Michael Neugebauer Verlag ein Bilderbuch mit dem Titel „Alte Damen“ vorgestellt, das damals ihre Diplomarbeit gewesen ist.

 

Nun hat sie sich an die alten Damen erinnert und ihnen in ihrem neuen Bilderbuch fünf sympathische alte Herren zur Seite gestellt. Auf der Umschlagsseite des liebevollen Bilderbuchs lädt sie ihre kleinen Leser (und auch die großen Vorleser) mit folgenden Worten ein, ihr Bild von alten Männern in Frage zu stellen:

Falls ihr denkt, alte Herren
wären auch nur alte Männer,
dann denkt lieber noch einmal nach.
Denn zwischen alten Männern
und alten Herren da liegen Welten.
Längst schon sitzen alte Herren nicht mehr
nur auf Parkbänken und füttern Tauben.

 

Das Buch ist eine überzeugende Hommage an liebevolle und wohlverdiente Großväter, Pensionäre und unbelehrbare alte Herren.

Wer hat die Haselnuss geklaut. Eine Räubergeschichte

 

 

 

 

Marcus Pfister, Wer hat die Haselnuss geklaut. Eine Räubergeschichte, NordSüd 2019, ISBN 978-3-314-10485-5

 

Der Wald und die angrenzenden Wiesen liegen still und ruhig da, als ein schriller Schrei die Natur und alle Tiere durch Mark und Bein erschrickt:

„Wer kann das bloß gewesen sein!“ schreit das Eichhörnchen unüberhörbar. Seine Nüsse, die es doch so sorgsam versteckt hatte, liegen nicht mehr im ihrem Versteck. Ihm ist sofort klar: jemand hat sie gestohlen. Nur welches der Tiere es war, kann es noch nicht sagen.

Sie verdächtigt den Maulwurf, die Maus, den Hasen, den Hamster und den Fuchs, aber alle, erstaunlich wenig erzürnt über den unerhörten Verdacht, antworten unisono:  „Ich hab die Nüsse nicht geklaut!“

 

Als ihm der Fuchs sagt, es solle schnell verschwinden, zieht das Eichhörnchen deprimiert ab. Doch da entdeckt es etwas:

„Doch halt! Was liegt denn da im Laub?

Drei Nüsse? Was, das war kein Raub?

Das ist jetzt aber etwas peinlich,

denn es ja doch sehr wahrscheinlich,

dass es sie selbst verloren hat – und gar ein andrer Schuld dran hat…“

 

Die verdächtigten Tiere sind ziemlich empört und auch die Entschuldigung des Hörnchens bleibt etwas blass. Doch die Kinder, denen man dieses wunderbare beschwingt erzählte und toll illustrierte Bilderbuch von Marcus Pfister vorliest (ab etwa 3 Jahren) werden das anders sehen.

 

 

 

 

 

Lange Liebe. Vom Glück des Zusammenbleibens

 

 

Antonia Meiners, Lange Liebe. Vom Glück des Zusammenbleibens, Elisabeth Sandmann Verlag 2018, ISBN 978-3-945543-45-0

 

In einer Zeit, in der einmal geschlossene Ehen im Durchschnitt nur etwa 10-15 Jahre halten ,bevor sie wieder geschieden werden, scheinen lebenslange Beziehungen, wie sie in diesem Buch geschildert werden, anachronistisch und überholt.

 

Dennoch könnte den in dem Buch beschriebenen Liebesbeziehungen, die ein Leben gehalten haben, ein Geheimnis, eine Weisheit innewohnen, deren Erkenntnis es heutigen Menschen leichter machen würde, „vom Glück des Zusammenbleibens“ zu kosten.

 

In fünf Kapiteln werden jeweils drei Paare beschrieben, berühmte allesamt:

* Gekrönte Liebe

* An der Seite der Macht

* Gemeinsam im Geiste

* Eins sein in der Profession

* Seelenverwandte

 

Aufregend, schillernd und interessant sind diese durchweg berühmten Menschen. Einige Geschichten von ganz normalen, wenn auch unbekannten Menschen, die ein Leben lang zusammengeblieben sind, hätten mir gefallen. Sie hätten vielleicht auch einige Weisheiten beizutragen gehabt.

 

 

 

Grönland Coast to Coast

 

 

Stefan Glowacz, Grönland Coast to Coast, Delius Klasing 2018, ISBN 978-3-667-11422-8

 

Stefan Glowcz ist einer von Deutschlands bekanntesteten Bergsteigern und war 2018 wieder unterwegs: Nach seiner erfolgreichen  Erstbegehung des Moby Dick 1994 macht sich Stefan Glowacz ein zweites Mal nach Grönland auf, um die größte Insel der Welt von Küste zu Küste zu erkunden. Sein Ziel und seine Challenge dieses Mal: er will reisen mit einem möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck. Statt großem technischen Equipment verlässt er sich nur auf seine eigene Körperkraft.

 

Das vorliegende Buch mit faszinierenden und einzigartigen Fotografien von Thomas Ulrich, beschreibt eine Reise, die er 2018 zusammen mit seiner Frau Tanja unternommen hat. Zunächst sind sie mit einem Elektroauto von München bis Schottland gefahren und von dort aus mit einem Segelschiff über die Faroerinseln und Island bis an die Küste Grönland bis zum Attasund an Grönlands Westküste gesegelt.

 

Von dort aus nehmen die beiden ihre Leser dann mit auf eine abenteuerliche Reise zu Fuß quer durch Grönland bis zum Scorebysund an der Westküste, von wo sie wieder mit Segelschiff  nach Schottland zurückkehren.

Eigens für seine Tour durch Grönland hat er gemeinsam mit seinem Sponsor BMW eine Karbonschale entwickelt, die Kanu, Pulka und Portaledge ersetzt und auf ein Autodach passt. In diesem faszinierenden Buch kann man verfolgen wie sich diese innovative Entwicklung im Härtetest behauptet.

 

Für Menschen, die Lust haben an ungewöhnlichen Abenteuern.