Alle Beiträge von Winfried Stanzick

Die verrückte Weltreise

 

 

 

 

Anna Fuchser, Igor Lange, Die verrückte Weltreise, Ravensburger Verlag 2018, ISBN 978-3-473-55417-1

 

Vor vielen Jahren hatte der Ravensburger Verlag 2010 mit seinem TipToi Stift und den entsprechenden Büchern eine vollkommen neue  Weise ermöglicht, wie Kinder interaktiv mit Büchern und neuem Wissen umgehen können. Tip Toi ist ein audiovisuelles Lernsystem für Bücher und Spiele, mit dem die Kinder die Welt spielerisch entdecken. Tippt das Kind mit dem Stift auf ein Bild oder einen Text oder ein entsprechendes Symbol, erklingen passende Geräusche, Sprache oder auch Musik. Eine intelligente Elektronik ermöglicht Kindern, Bücher und Spiele völlig eigenständig immer wieder neu zu erleben.

 

Nun hat der Verlag einen neuen Stuft produziert, „TiptoiCreate“, und wird wohl alle neuen Bücher nach diesem System ausrichten. Zusätzlich zum alten Stift ist im neuen ein Mikrofon integriert, das es Kindern ermöglicht, Geräusche und Sprache selbst aufzunehmen. Nach wie vor ist der Stift leicht zu bedienen und passt in jede Kinderhand.

 

In dem vorliegenden neuen Buch von Anna Fuchser mit Illustrationen von Igor Langewerden die beiden Kinder Lily und Leo auf eine verrückte Weltreise entführt, die sie mittels eines Teleporters unternehmen, den ihr Hund Balu bei einem Stadtfest in einem geheimnisvollen Päckchen gefunden hat. Ihre erste Station ist die Wüste, dann werden sie auf ein Musikfest nach London gebeamt, danach in die Antartkis. Es folgen die Chinesische Mauer, der Central Park in New York, die Mayaruinen, bevor sie an einem australischen Strand von ihrer Reise ausruhen können.

 

 

 

Auch auf dieser verrückten Weltreise ist die Mithilfe der das Buch betrachtenden Kinder zwischen sechs und 9 Jahren nötig. Es gilt Geschichten zu erfinden, Logbuch zu führen oder Witze zu erzählen. Ganz spielerisch trainiert tiptoi® CREATE so die Kreativität und Sprachkompetenz kleiner Entdecker.

 

Hat man den Stift einmal angeschafft, kann er sicher für viel Jahre und viele weitere Bücher nach diesem System genutzt werden.

 

 

 

 

 

 

Frohe Weihnacht. Das Hausbuch der schönsten Geschichten, Lieder Gedichte

 

 

 

Marjolein Bastin, Frohe Weihnacht. Das Hausbuch der schönsten Geschichten, Lieder  Gedichte, Coppenrath Verlag 2018, ISBN 978-3-649-63097-5

 

Selten habe ich schöneres Hausbuch zur Weihnachtszeit in meinen Händen gehabt, als diese wunderbare Auswahl an klassischen und modernen Geschichten, Liedern und Gedichten, geeignet für große und keine Menschenkindern, die sich in der Adventszeit neben einer brennenden Kerze etwa die Zeit nehmen, sich miteinander an diesen Texten und Liedern zu freuen, sie sich vorlesen oder vorlesen lassen und so, ob sie nun  sehr religiös sind oder nicht, den zunehmenden Zauber dieser Zeit der Erwartung auf das Fest der Liebe spüren und in sich aufnehmen.  Die einzelnen Geschichten erzählen vom Winter, Advent und dem Fest der Liebe, von Vorfreude und Weihnachtsgefühlen.

 

Ein zauberhaftes Cover und ein lange bei einem Buch nicht mehr gesehener goldener Schnitt sowie insgesamt drei Lesebändchen für den Vorleser, der sich vorher etwas ausgesucht hat, machen es zum einem wahren Schmuckstück.

 

Inga Hagemann hat eine hervorragende Auswahl getroffen und Marjolein Bastin hat mit ihren zauberhaften Illustrationen Texte und Lieder eingerahmt.

 

Ein bibliophiles Prachtstück, das gut behandelt, über Jahrzehnte immer wieder im Advent herausgeholt werden wird.

 

 

 

Die Nervensäge, meine Mutter, Sir Tiffy, der Nerd und ich

 

 

Michael Gerard Bauer, Die Nervensäge, meine Mutter, Sir Tiffy, der Nerd und ich, Hanser 2018, ISBN 978-3-446-25862-4

 

Michael Gerard Bauer ist eine großen Zahl von Schülern durch seine Ismael – Trilogie bekannt geworden, deren einzelnen  Teile in vielen Ländern zum Schulkanon Deutsch der Mittelstufe zählen. Sein neues Buch ist eine Art literarische Sitcom, in der zunächst einmal alles durcheinander geht und sich nach langem Wirbel am Ende in einem geradezu karthartischen Prozess alles zum Besten kehrt.

 

Die ich-erzählende Maggie Butt lebt mit ihrer Mutter alleine, seit ihr Vater sie beide verlassen hat. Sie hält ihr eigenes Leben für relativ unperfekt und nimmt sich deshalb in ihrer neuen Schule drei Dinge vor, die sie unbedingt erreichen will. Sie will eine beste Freundin finden, eine Eins in Englisch und sie braucht eine männliche Begleitung für ihren Abschlussball, mit der sie sich sehen lassen kann.

 

Doch als das Buch beginnt und das Schuljahr nur noch zwei Monate dauert, ist sie keinem dieser drei Ziele auch nur einen Schritt näher gekommen. Und als ob das alles nicht dramatisch genug wäre, hat ihre Mutter einen neuen Lover kennengelernt. Maggie nennt ihn die Nervensäge, weil sie befürchtet, dass er sich zwischen sie und ihre geliebte Mutter stellen wird. Danny, so heißt der Mann, arbeitet als Pfleger im Krankenhaus, und hat Maggie und so auch ihre Mutter kennengelernt, als sie vor etlicher Zeit volltrunken dort eingeliefert wurde.

Er kommt immer öfter zu Besuch, gibt zu allem seinen Senf dazu und bringt irgendwann den verlotterten Perserkater Sir Tiffy einer sterbenden Patientin von ihm vorbei. Maggie, die gerade unter einer absolut verkorksten Frisur leidet. Von ihrer Englischlehrerin Schwester Evangelista, einer alten durchaus sympathischen Nonne immer wieder liebevoll in den sprachlichen Senkel gestellt und eine hoffnungsvolle Chance auf einen Tanzpartner vergeigend, scheint bei Maggie alles schief zu laufen.

Mit viel Wortwitz und Komik erzählt Bauer über lange Strecken des Buches  vom ganz normalen Wahnsinn im Leben dieses jungen Mädchens, das an sich selbst und ihrer Welt zu verzweifeln scheint.

 

Doch als sie bei den Sozialstunden im Altersheim dem scheuen Nerd Jeremy langsam näher kommt, und auch Sir Tiffy sich zunehmend als Schmusekatze entwickelt, kommt langsam Licht ins Lebensdunkel von Maggie.

 

Und auch die ungeliebte Nervensäge Danny wird noch eine positive Rolle spielen bei einem fulminanten Finale bis hin zu einem versöhnlichen Schluss.

 

Ein lustiges Buch, das auch sprachlich in die besondere Welt von Jugendlichen eintaucht und es perfekt versteht, sie auf eine Weise zu beschreiben, die voller Situationskomik ist.

 

 

 

 

Liccle Bit. Der Kleine aus Crongton

 

 

 

 

 

Alex Wheatle, Liccle Bit. Der Kleine aus Crongton, Kunstmann 2018, ISBN 978-3-95614-255-0

 

Mit dem vorliegenden Jugendroman lässt der Kunstmann Verlag den englischen Autor Alex Wheatle in Deutschland debütieren. Weitere Bücher von ihm sind kurz danach erschienen bzw. angekündigt.

Seien Bücher handeln von Jugendlichen in einem Problemvorort einer englischen Stadt und ihrem Alltagsleben mitten in einem Konglomerat aus Armut, Kriminalität und Verzweiflung.

Lemar Jackson (14), genannt „Little Bit“, ist die Hauptperson im vorliegenden ersten von wahrscheinloch drei Bücher über die Jugendlichen  aus Crongton. Seine Freunde Jonah und McKay ziehen ihn ständig damit auf, dass er noch keine Freundin hat. Als Venetia King, das schönste Mädchen der Schule, ihn bittet, ein Porträt von ihr zu zeichnen, können er und seine Freunde das kaum glauben. Fakt ist aber, dass etwa gleichzeitig Manjaro, der berüchtigte Anführer der Gang von South Crongton, sich für ihn zu interessieren beginnt. Schon bald erledigt  Lemar kleine Aufträge für ihn. Als der erste Tote im Viertel auftaucht, erkennt Lemar, dass er schon viel zu tief in dem eskalierenden Bandenkrieg steckt und so auf keinen Fall weitermachen kann. Aber wie soll er seinen Kopf aus der Schlinge ziehen, die sich immer weiter zuschnürt?

In einem langen inneren Kampf, in dem ihm seine Freunde beistehen, findet er heraus, worin die Kraft von Freundschaft und die Stärke von Familie liegen.

 

Beides ist für die Jugendlichen aus Crongton für ihr Überleben in dieser unwirtlichen  Umgebung notwendig und ihre einzige Chance, wollen sie nicht in die Kriminalität abrutschen.

 

Mit einer großen Liebe für diese Kids und einer warmherzigen Solidarität erzählt Wheatle von Jugendlichen, die eigentlich keine echte Chance haben für ihr Leben und dennoch leidenschaftlich für ihre menschliche Zukunft kämpfen.

 

 

 

 

Das Verschwinden des Josef Mengele

 

 

 

Olivier Guez, Das Verschwinden des Josef Mengele, Aufbau-Verlag 2018, ISBN 978-3351-03728-4

 

„Immer nach zwei oder drei Generationen, wenn das Gedächtnis verkümmert und die letzten Zeugen der vorherigen Massaker sterben, erlöscht die Vernunft, und Menschen säen wieder das Böse.“

 

Diesen mahnenden Satz schreibt der französische Autor und Journalist Olivier Guez am Ende seines Romans über den grausamen und unmenschlichen Lagerarzt des Konzentrationslagers Auschwitz. In Frankreich war dieses Buch ein Bestseller von der Kritik begeistert aufgenommen wurde. Frederic Beigbeder schrieb im Figaro: „Olivier Guez schuf mit diesem bekannten Verfahren eine phantastische neue Romanform.“

 

Es gibt zwei Perspektiven in diesem Tatsachenroman, der sich liest wie ein Politthriller und doch immer ein aus Distanz geschriebenes Charakterporträt eines hunderttausendfachen Mörders bleibt.

 

Im Vordergrund erzählt Olivier Guez nach wohl sehr ausführlichen Recherchen die Fluchtgeschichte des Josef Mengele, Lagerarzt aus Auschwitz, der wie so viele Nazitäter nach dem Kriegsende zunächst in Deutschland untertauchte. Im Jahr 1948 gelingt ihm dann, wie vielen anderen hohen Nazischergen die Flucht nach Argentinien. Seine Unternehmerfamilie in Günzburg, die schon im Dritten Reich hervorragenden Geschäfte mit den Nazis gemacht haben, und nun sehr schnell in der neuen Bundesrepublik wieder reüssieren, unterstützt den unter dem Namen Helmut Gregor mit neuen Papieren ausgestatteten Mengele bei dieser Flucht. Sie wird ihm über Mittelsmänner auch die nächsten Jahrzehnte bis zu seinem Tod 1979 immer wieder mit nicht unerheblichen Geldsummen unter die Arme greifen.

 

In Buenos Aires taucht Mengele in ein dichtes Netzwerk aus Unterstützern ein, ehemalige Nazis und Anhänger des naziaffinen Diktators Peron. Stück für Stück baut er sich mit dieser Unterstützung ein neues Leben und eine neue Existenz auf. Doch diese angenehmen ersten Jahre haben keine Konstanz. Immer öfter muss er in der Folge nicht nur seinen Aufenthaltsort wechseln, sondern auch seine Identität. Immer wieder findet er Menschen bzw. wird mit ihnen in Kontakt gebracht durch seine Helfer, die ihn aufnehmen, weil sie seine Gesinnung teilen. Irgendwann trifft er auch Adolf Eichmann, doch der kennt ihn gar nicht, hat nie von dem Lagerarzt Mengele gehört. Das enttäuscht ihn tief.

Anfang der sechziger Jahre intensivieren der israelische Mossad, der Nazi-Jäger Simon Wiesenthal (er wird von Olivier Guez als jemand geschildert, der es mit der Wahrheit seiner Informationen, die er der Welt über seine Tätigkeit gibt, nicht so genau nimmt) und auch der Frankfurter Staatsanwalt Fritz Bauer (er wird in den Auschwitzprozessen in Frankfurt viel Täter zur Verurteilung bringen) nehmen auch die Spur von Josef Mengele auf. Als Adolf Eichmann entführt und nach einem Prozess in Jerusalem hingerichtet wird, reagiert Mengele panisch, fühlt sich nicht mehr sicher und verliert dieses Gefühl auch nicht mehr, als der Mossad aus innenpolitischen Gründen von der Suche nach ihm ablässt. Bis zu seinem Tod 1979, als man seine Leiche an einem brasilianischen Strand findet, wird Mengele diese Panik vor seiner Entdeckung nicht mehr verlassen.

 

Im Hintergrund dieser Fluchtgeschichte erzählt Olivier Guez immer wieder von den Überzeugungen dieses eingefleischten Nazi, der bis in sein Alter den Führer verehrt und an seiner Ideologie festhält. Er beschreibt Mengeles unfassbare Verbrechen und medizinischen Versuche in Auschwitz. An keiner Stelle erfasst ihn auch nur der Hauch eines Bedauerns über seine Taten und er kann bis zu seinem Tod nicht verstehen, warum ein Mann wie er, der seinem Führer und seinem Vaterland so ergeben war, verfolgt wird, weil man auch ihm den Prozess machen will.

 

Die gelungene Mischung zwischen vordergründiger Fluchtgeschichte und hintergründiger Information über die Taten Mengeles und die Ideologie der Nazis führt dazu, dass man an keiner Stelle als Leser versucht ist, mit diesem Mensch und seinem Schicksal auch nur irgendeine Form von Mitgefühl zu entwickeln. Diese Struktur seines Erzählens klärt den vielleicht jungen Leser, der möglicherweise noch nie über die Grausamkeiten der Lager und der in ihnen wütenden Nazis etwas erfahren hat, besser auf, als so manches Sachbuch.

 

Eine weitere Stärke des Buches ist, dass Guez immer wieder beschreibt, wie im Nachkriegsdeutschland und auch bei seinen ausländischen Nachbarn die Nazivergangenheit bis Anfang der sechziger Jahre verdrängt wurde und wie schwer es Menschen wie etwa Fritz Bauer, der unter nach wie vor ungeklärten Umständen ums Leben kam, hatten, Licht in das Dunkel dieser Verdrängung zu bringen.

Hier darf erwähnt werden, dass Olivier Guez das mit dem deutschen Filmpreis ausgezeichnete Drehbuch von „Der Staat gegen Fritz Bauer“ geschrieben hat, der 2015 in die Kinos kam und den man bei Netflix streamen kann.

 

Über die Verbrechen der Nazis auch die heutige Generation zu informieren und über den Kampf gegen ist gleich ob in einem Film oder in einem Roman nach wie vor wichtig. Denn:

„Immer nach zwei oder drei Generationen, wenn das Gedächtnis verkümmert und die letzten Zeugen der vorherigen Massaker sterben, erlöscht die Vernunft, und Menschen säen wieder das Böse.“

 

Man kann das in Europa und in vielen anderen Teilen der Welt seit Jahren beobachten.

 

 

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Slow Horses. Ein Fall für Jackson Lamb

 

 

Mick Herron, Slow Horses. Ein Fall für Jackson Lamb, Diogenes 2018, ISBN 978-3-257-07018-7

 

 

Wieder haben die Mitarbeiter des Diogenes Verlags einen Autor und eine Reihe ausgegraben, die in ihrem Herkunftsland seit 2010 große Erfolge feiert und nun auch in lockerer Folge dem deutschsprachigen Publikum präsentiert werden soll.

 

Die Rede ist von dem englischen Schriftsteller Mick Herron, der mit seiner Jackson Lamb Serie seit 2010 erfolgreich ist.  Nun ist in der Übersetzung von Stefanie Schäfer der erste Band erschienen.

 

In ihm wird eine ungewöhnliche Truppe von Geheimagenten vorgestellt. Sie residieren im sogenannten „Slough House“ und werden innerhalb des MI 5 die „Slow Horses“ genannt. Unter der Führung von Jackson Lamb, der selbst dorthin strafversetzt worden ist, beschäftigen sich ehemalige Topagenten, die bei irgendeiner Sache versagt haben oder unverzeihliche Fehler begangen haben, mit relativ nutzlosen Schreibtischarbeiten. Die Führung des MI 5 hofft sie dadurch loszuwerden, dass die slow horses vor lauter Langeweile und Frust ihren Job kündigen.

 

Unter ihnen ist auch River Cartwright aus einer im MI 5 wohlbekannten Agentenfamilie (sein Großvater war ein hohes Tier und hat immer noch großen Einfluss). Nach einem Übungseinsatz in einer Londoner U-Bahn-Station, bei dem Rivers einen mit einem Sprengstoffgürtel bewaffneten Terroristen stoppen soll und kläglich versagt, weil er die Farben der Oberbekleidung des Attentäters verwechselt hat, entgeht er nur durch die Fürsprache seines Großvaters der Entlassung und wird ein lahmer Gaul. Er ist davon überzeugt, dass ihm ein nicht wohlgesonnener Kollege hier absichtlich falsche Angaben übermittelt hat, um ihn kaltzustellen.

 

Misstrauen dieser Art ist der Kitt, der diese Gurkentruppe zusammenhält. Keiner traut dem anderen so recht über den Weg und jeder trägt zunächst sein Geheimnis, warum er in Slough House gelandet ist, alleine mit sich herum.

 

Als ein pakistanischer Jugendlicher entführt wird, wittert River Cartwright seine Chance und beginnt zusammen mit anderen lahmen Gäulen auf eigene Faust zunächst hinter dem Rücken seines Chefs Jackson Lamb zu ermitteln. Der wiederum hat mit der Vizechefin des MI 5, Diana Taverner, genannt Lady Di, einige alte Hühnchen zu rupfen. Ein großer Misthaufen aus Misstrauen und  Korruption wird sich im Laufe der Handlung auftun

 

Die slow horses, die sich im Laufe einer spannenden und auch sehr verwickelten Handlung immer näher kommen, werden zunächst von Mick Herron ausführlich und nacheinander vorgestellt. Auch die Gründe, warum sie strafversetzt wurden kommen zur Sprache. Das dauert, aber im ersten Band einer Serie ist dies sicher sinnvoll, auch wenn in den nächsten Bänden mit Sicherheit wieder neue Leute dazukommen werden, denn im Laufe der Handlung werden zwei Mitarbeiter von Jackson Lamb ihr Leben verlieren.

 

Es wird sich herausstellen, dass der Fall des entführten pakistanischen Jungen alles andere ist als das, wonach er zunächst ausgesehen hat. Die angebliche Gurkentruppe schlägt sich recht gut und auch Jackson Lamb bringt so manches Schäfchen bei Lady Di ins Trockene.

 

Eine verwickelte Handlung mit vielen Personen und Figuren und mit vielen Detailinformationen aus dem Inneren des MI 5 fordert die große Aufmerksamkeit des Lesers, der sich aber dennoch kaum von diesem Thriller losreißen kann und atemlos dem Ende entgegenliest.

 

Man wartet schon jetzt gespannt auf den zweiten Band aus der Reihe, der in England 2013 unter dem Titel „Dead Lions“ erschienen ist. Ich erwarte ihn im Herbstprogramm 2019 bei Diogenes.

 

 

 

 

 

 

 

Einfach Windsurfen lernen

 

 

 

 

Manuel Vogel, Einfach Windsurfen lernen, Delius Klasing 2018, ISBN 978-3-667-11207-1

 

Überall an den Meeresstränden dieser Welt kann man sie seit langem in immer weiter zunehmender Zahl beobachten, die Frauen und Männer auf ihren Windsurfbrettern. Vom Strand aus sieht das für den Beobachter leicht und locker aus, wie sich sie sich, ihr Segel immer in den Wind stellen, oft mit großer Geschwindigkeit auf dem Wasser vorwärts bewegen. Doch jeder, der es selbst schon einmal probiert hat, weiß, dass dieser Sport nicht so leicht auszuüben ist, wie er von außen aussieht.

Neben dem entsprechenden Material braucht jeder Surfer solides Wissen, Erfahrung und Kenntnisse über die richtigen Handgriffe.
Welches Board passt für mich und welches Segel ist für Anfänger geeignet? Was muss ich über das Wetter wissen und wie gelingt mir eine Wende und eine Basis-Halse?

Wer dann irgendwann sicher auf dem Brett steht, möchte dann auch bald seine Fahrtechnik verbessern.

 

Für alle, die mit diesem Sport anfangen oder sich als Anfänger verbessern wollen, hat der Redakteur der Zeitschrift SURF, Manuel Vogel, dieses Buch bei Delius Klasing veröffentlicht.

Verständlich und gut aufbereitet bietet es wichtige Tipps für:

  • Materialkunde: von der Kaufberatung bis zum Aufbau und Trimm
    • Basics für Anfänger und Fahrtechnik für Fortgeschrittene
    • Illustriert mit tollen Schritt-für-Schritt-Fotosequenzen
    • Fundiertes und verständlich aufbereitetes Fachwissen vom Experten
    • Sicher Windsurfen: Materialcheck & Reparaturen, Vorfahrtsregeln, Verhalten im Notfall

 

Hinweisen muss man neben diesem Buch auch auf die vielen Tutorials, die Manuel Vogel auf Youtube veröffentlicht hat und die einen anschaulichen Eindruck vermitteln, von dem was er im  Buch beschreibt.

 

 

Bis die Sterne zittern

 

 

 

 

Johannes Herwig, Bis die Sterne zittern, Gerstenberg 2017, ISBN 978-3-8369-5955-1

 

Mit diesem historischen Jugendroman gelingt es Johannes Herwig in seinem literarischen Debüt auf eine ganz besondere Weise, das Erwachsenwerden in einer Diktatur zu thematisieren und heutigen Jugendlichen die gesellschaftliche und politische Situation am Beginn der Nazidiktatur nahe zu bringen.

 

Der Roman spielt im Jahr 1936 und erzählt davon wie in diesem Sommer der 16-jähruge Harro am ersten Tag seiner Sommerferien in eine Prügelei mit Hitlerjungs verwickelt wird. Er bekommt unverhofft Hilfe und Unterstützung von anderen Jungs, die ebenso wie er selbst nichts mit der Nazi-Ideologie zu tun haben wollen. Sie freunden sich an, und im darauf folgenden Jahr wird sich alles für Harro verändern.

Er hat Reibereien mit seinen Eltern und immer wieder Ärger in der Schule. Mit seinen neuen Freunden verbringt er Nächte am Lagerfeuer, nimmt teil an politischen Aktionen und er fährt seine erste Liebe. Und über allem  hängt jeden Tag die bange Ahnung, dass sein wildes Treiben gefährliche Konsequenzen haben kann.

 

Kraftvoll, mitreißend und emotional erzählt Herwig in einem Roman, der sehr geschickt Fiktion und geschichtliche Tatsache verbindet vom schwierigen Erwachsenwerden in der Unfreiheit. Die Fragen, die er dabei stellt, sind heute so aktuell wie damals: Mitmachen, sich still anpassen oder Kontra geben?

 

Ein hervorragender Jugendroman.

 

 

Billie, wer sonst

 

 

 

 

 

Sara Kadefors, Billie, wer sonst, Urachhaus 2018, ISBN 978-3-8151-5136-2

„Eine Pippi Langstrumpf des 21. Jahrhunderts“, so hat Manuela Kalbermatten in einer Rezension in der Neuen Züricher Zeitung die Hauptfigur des vorliegenden Kinderromans aus Schweden bezeichnet und sie liegt mit ihrer Einschätzung nahe dran.

 

Denn die nun schon in einem zweiten Band vorgestellte Billie ist ein  wirklich ungewöhnliches Mädchen. Seit einiger Zeit schon lebt sie bei einer Pflegefamilie auf dem Land, bei den ziemlich perfekten Perssons in Bokarp. Die von Natur aus chaotische Billie erlebt deren Pünktlichkeit und Perfektion als große Herausforderung. Es ist einfach nicht ihr Ding.

 

Doch ihr unerschütterlicher Optimismus und ihre große Neugier helfen ihr über vieles hinweg. Als die gegen ihren Willen von ihrer Schulklasse zur Vertrauensschülerin gewählt wird lasten plötzlich nicht mehr nur ihre eigenen Probleme auf. Aber warum wollen sich einige Schüler sogar nicht helfen lassen? Und warum hasst Alvar seinen Cousin Douglas, dem sich Billie wiederum seltsam nahe fühlt?

 

Auf warmherzige Weise und für einen Erwachsenen erstaunlich aufmerksam schildert Sara Kadefors das Alltagsleben und die Verfassung von Jugendlichen. Einen besonderen Schwerpunkt legt sie dabei immer wieder auf die zwischenmenschlichen  Beziehungen der Jugendlichen.

 

Auch dieser zweite Roman über die chaotische und selbstbewusste Billie ist angenehme Unterhaltung mit einer erheblichen Tiefe. Sehr empfehlenswert.