Alle Beiträge von Winfried Stanzick

Kater Kamillo geht zum Arzt

 

 

 

Rob Scotton, Kater Kamillo geht zum Arzt, Esslinger 2018, ISBN 978-3-480-23438-7

Rob Scotton absolvierte sein Studium am Leicester Polytechnikum und schloss dieses mit Auszeichnung ab. In England schon bald mit Bildern in seinem unverwechselbaren Stil für Grußkarten, Drucke, Schreibwaren und Keramiken bekannt geworden, überraschte er den Buchmarkt 2006 mit dem Bilderbuch „Russell the Sheep“, (dt. bei Esslinger 2015 unter dem Titel „Russel, das Schaf“ erschienen), welches sofort auch international erfolgreich war. Es folgten weitere Bilderbücher mit Schaf Russell als Protagonist, zuletzt konnte Scotton mit seiner Bilderbuchreihe „Splat the Cat“ ein breites Bilderbuchpublikum begeistern.

 

Während von Russel noch keine weiteren Bilderbücher erschienen sind, bringt Esslinger nun nach „Kater Kamillo geht zum Arzt“ nun schon das dritte Bilderbuch mit dieser felligsten und schwärzesten Katze der Welt auf den Markt.

 

Konnte er im ersten Buch mit Hilfe seiner Eltern und Freunde seine Ängste und Bedenken vor seinem ersten Schultag überwinden, ging es im zweiten um Kamillos Angst vor dem Wasser. Und wie sein Mäusefreund Hugo, der Schwimmflügel und ein Schwimmring ihm dabei helfen.

 

Im nun hier vorliegenden Bilderbuch steht Kater Kamillo erneut ein angstbesetztes Abenteuer bevor, vor dem auch viele Kinder sich fürchten. Dabei hat sich Kamillo noch in der Schule sehr darauf gefreut, auch weil  er heute wegen dem Arztbesuch früher nach Hause darf. Doch seine Schulkameraden haben da ihre eigenen Erfahrungen gemacht und erzählen, jeder schlimmer als der andere, Kamillo davon. Der wird durch diese Schauermärchen so ängstlich, dass ihn  seine Mama kurze Zeit später regelrecht zu Dr. Hasenpfeffer ziehen muss.

 

Doch dort sieht es ganz anders aus, als erwartet. Andere Katzenkinder spielen ausgelassen mit dem bereitgestellten Spielzeug und auch Dr. Hasenpfeffer stellt sich als sympathisches Wesen heraus. Und bald schon hat Kamillo seine Untersuchungen mit Auszeichnung überstanden.

 

Eine witzige Geschichte, die Kindern die Angst vor dem ersten Kinderarztbesuch nehmen kann.

 

Rob Scottons Illustrationen sind für Erwachsene möglicherweise gewöhnungsbedürftig. Doch ich bin sicher, Kinder werden sie lieben mit  ihrem Witz und ihrer Ausgefallenheit.

 

Die Weisheit der Alten. Sieben Schätze für die Zukunft

 

 

 

Reimer Gronemeyer, Die Weisheit der Alten. Sieben Schätze für die Zukunft, Herder 2018, ISBN 978-3-451-60043-2

 

Unter dem Stichwort „demographische Entwicklung“ wird seit vielen Jahren unserem Land das Thema Alter und Altwerden abgehandelt. Da geht es um den steigenden Bedarf an Heim-und Pflegekräften, um die Kosten dafür und das alles generationengerecht finanziert werden kann, ohne die Jungen unverhältnismäßig zu belasten. Dabei wird mit Methode die alte Generation ausgegrenzt und an den Rand gedrängt, um sich nur schnell anderen Problemen der Gesellschaft widmen zu können.

 

Dabei sind die Alten schon immer Hüter längst vergessener Schätze, deren permanente Missachtung die Gesellschaft teuer zu stehen kommen wird. Der Theologe und Soziologe Reimer Gronemeyer, Jahrgang 1939, und damit selbst zu jener Gruppe der Alten zählend, „die Ausgesonderten einer neuen Apartheit, die in kostspieligen Homelands untergebracht sind“ (S.18) begibt sich in dem vorliegenden Buch auf die Suche nach jenen Schätzen. Auf faszinierende Weise stößt er auf das widerständige Potenzial, die Kunst des Andersseins, den kostbaren Starrsinn der Alten, auf ihre Fähigkeit zum Staunen und ihr produktives Abweichlertum. Auf Qualitäten also, die unsere Gesellschaft mehr denn je benötigt.

 

In sieben Kapoiteln beschriebt er jene Qualitäten der Alten:

  1. Mut
  2. Liebe
  3. Erinnerung
  4. Früchte
  5. Gelassenheit
  6. Tradition
  7. Wíssen und Nichtwissen

 

Zusammenfassend schreibt er:
„Die Schätze der Alten sind nicht wie eines dieser bunten Ostereier, die als ‚Kinder-Überraschung‘ angepriesen werden. Auch nicht wie eine Wundertüte. Die Schätze der Alten konzentrieren sich in ihren Erfahrungen – und die sind manchmal bitter und sogar fürchterlich. Wenn man nach diesen Schätzen der Alten sucht, stößt man nicht unbedingt auf eine Kiste mit Goldbarren, sondern womöglich auf Erfahrungen, die Schuld, Unglück, Leid und Hass offenbaren. Keine süße Schokolade, keine blauen Plastik-Schlümpfe, sondern Abgründe. Verstörendes. Aber gerade darin kann dann mehr Weisheit, mehr Erfahrung und mehr Tiefe zu finden sein als in platter Positivität. Die Schätze der Alten sind nicht eine Ressource, die sich zur Ausbeutung anbietet. Sondern im besten Fall ein ‚Lebensmittel’ ein Mittel, das den Jüngeren Lebensanlässe bietet. Die Erinnerungen der Alten sind kein Kitschparadies, sondern harte Wirklichkeiten. Die im Leben der Alten gesammelten Erfahrungen können den Nachkommen als Wegweisung dienen, als Trost, als Ermutigung.“

 

Seine zornige Sprachgewalt, die nicht nur in jenem oben angeführten Zitat von den „Ausgesonderten einer neuen Apartheid“ deutlich wird, zeigt auf eine für mich schmerzlich Weise, wie wenig er letztlich selbst daran glaubt, dass seine „Schätze der Alten“ von den nachfolgenden Generationen wirklich angenommen und beherzigt werden.

 

Wenn ich mit Menschen meines Alters (Jg. 1954) spreche, gehen die meisten ganz nüchtern davon aus, irgendwann in einem Altenheim zu verkümmern. Und mir fällt wenig dazu ein, was ihnen für eine andere Zukunft Hoffnung machen könnte.

 

 

 

Schnorchelnde Schafe und andere Tierhobbys

 

 

Anne Marie Braune, Schnorchelnde Schafe und andere Tierhobbys, Kunstanstifter Verlag 2018, ISBN 978-3-942795-62-3

 

Was machen eigentlich Tiere in ihrer Freizeit? Kann man sich vorstellen, dass Hamster gerne Schach spielen, oder Schafe schnorcheln?

 

In diesem außergewöhnlichen Bilderbuch des ambitionierten Kunstanstifter Verlags aus Mannheim, wartet eine kunterbunte Welt fantastischer Tierhobbys darauf, von seinen kleinen Lesern entdeckt zu werden.

Da gibt es seiltanzende Insekten, achterbahnfahrende Vögel, briefmarkensammelnde Faultiere und schachspielende Hamster beim Kaltgetränk. Die  kunstvollen Illustrationen sind randlos doppelseitig und in satten Farben gestaltet

 

Die Detailfülle lässt nicht nur immer wieder neue Einzelheiten entdecken, sondern versteckt auch die Protagonisten der jeweils anderen Seiten erneut. Auf der letzten Doppelseite sind schließlich alle vereint zum gemeinsamen Eisessen und es kommt im Betrachter das Gefühl auf, man säße direkt mit dabei.

 

Ein fantasieanregendes Bilderbuch, das Lebensfreude vermittelt und zum weiteren Fantasieren einlädt.

 

 

Lucie und die Vier

 

 

 

Marianne Dubuc, Lucie und die Vier, Beltz & Gelberg 2018, ISBN 978-3-407-82342-7

 

Marianne Dubuc, die zuletzt 2015 ebenfalls bei Beltz & Gelberg in Weinheim unter dem Titel „Bus fahren“ ein zart und poetisch illustriertes Bilderbuch über den Mut von Eltern loszulassen veröffentliche, in dem sie am Beispiel der kleine Clara das große Abenteuer beschrieb, dass es für Kinder bedeutet, das erste Mal allein eine kleine Reise zu unternehmen, ein erster selbständiger Schritt in die Welt, in der es so viel zu sehen und wahrzunehmen gibt, hat nun mit „Lucie und die Vier“ ein wieder zauberhaft illustriertes Bilderbuch vorgelegt, dieses Mal für kleine Kinder ab etwa zwei Jahren.

 

In drei Geschichten erzählt sie von dem Mädchen Lucie und ihren vier Freunden Hase, Maus, Schildkröte und Schneckchen. Lucie liebt die Natur und erkundet sie immer wieder auf Streifzügen. Dabei passieren ihr und ihren Freunden Geschichten, die Marianne Dubuc in kurzen Worten und kleine Szenen erzählt. Geschichten und Abenteuer von Suchen und Finden, vom Teilen und vom einander Helfen.

 

Ein sehr empfehlenswertes Bilderbuch für die kleinsten Bücherfreunde.

 

 

 

Zwei für mich, einer für dich

 

Jörg Mühle, Zwei für mich, einer für dich, Moritz Verlag 2018, ISBN 978-3-89565-357-5

 

Der große Bär und das kleine Wiesel leben in einer Wohngemeinschaft gut und freundschaftlich zusammen. Doch manchmal gibt es Streit.  So, als eines Tages der Bär auf seinem Heimweg drei Pilze findet und sie mit nach Hause nimmt. Das Wiesle freut sich sehr, und bereitet die Pilze auf eine leckere Weise in der Pfanne vor, während der Bär schon am gedeckten Tisch sitzt.

 

Als der Bär die leckere Speise austeilen will, kommt es zum Streit, denn er reklamiert zwei der drei Pilze für sich. Begründung: er sei groß und müsse deshalb viel essen. Das Wiesel widerspricht und sagt, es habe selbst Anspruch auf zwei Pilze, denn es sei klein und müsse noch wachsen.

 

Weitere Argumente werden in einem heftigen Streitgespräch ausgetauscht, als  der schlaue Fuchs von hinten einen Pilz stibitzt, den das Weisel auf einer Gabel gerade hochhält.

 

In der Empörung über den Fuchs einig, verspeisen die beiden nun jeder einen Pilz. Doch als es zum Nachtisch kommt (drei Walderdbeeren auf einem Teller), teilt das Wiesel aus …

Ob sie dieses Mal eine Lösung finden?

 

Ein pfiffiges Bilderbuch über gerechte Verteilung.

 

 

 

 

Miniaturgärten. Indoor und Outdoor

 

 

Holly Farrell, Miniaturgärten. Indoor und Outdoor, Haupt Verlag 2018; ISBN 978-3-258-08053-6

 

Viele Mieter oder Besitzer von großen oder auch kleinen Wohnungen haben außerhalb ihrer Wohnung keine Möglichkeit auf einem freien Gelände oder Gartenteil etwas zu pflanzen oder zu gestalten. Selbst für Besitzer neuer Eigenheime bleibt außen nur wenig Platz in Zeiten hoher Grundstückspreise. Das macht nichts sagt Holly Farrell in ihrem hier vorliegenden Buch, denn für Miniaturgärten braucht es keinen Garten.

 

Eine Gartenlandschaft kann in einem einzelnen Gefäß und ein kleines Ökosystem sogar in einem Marmeladenglas geschaffen werden. Dieses Buch zeigt, wie man zu einem Miniaturgarten kommt ob für drinnen oder für draußen. Eine Sommerwiese oder eine Sukkulententerrasse kann im Topf angelegt werden, und in Terrarien entstehen ganze Miniökosysteme. Besonders platzsparend sind vertikale Miniaturgärten seien es dekorative Kokedamas oder kleine Wandgärten für Kräuter und Gemüse. Ergänzt werden die vielen Gartenideen mit einem Kapitel zu den gärtnerischen Grundlagen und der richtigen Pflege damit der Miniaturgarten wunderbar gedeiht.

 

Autorin Holly Farrell präsentiert auf charmante Art und Weise verschiedene, mit einfachen Mitteln umzusetzende Vorschläge.

 

 

 

Alles fließt. Der Rhein. Eine Reise, Bilder, Geschichten

 

 

Elke Heidenreich, Tom Krausz, Alles fließt. Der Rhein. Eine Reise, Bilder, Geschichten, Corso 2018, ISB N 978-3-7374-0744-1

 

»Der Rhein ist der Fluss, von dem alle Welt redet und den niemand studiert, den alle Welt besucht und niemand kennt.“ (Victor Hugo, 1854)

Im Frühsommer 2016 schon haben Tom Schulz und Björn Kuhligk auf einem Schiff den Rhein bereist, seine Landschaften, Städte und Menschen erkundet: Von Düsseldorf, Köln und dem Siebengebirge bis nach Basel. Vorbei an Bonn, Koblenz, der Loreley. Entlang zauberhafter Orte am Mittelrhein wie Bacharach und Bingen. Schließlich nach Mainz, Worms, Mannheim, Speyer und Rüdesheim sowie nach Straßburg und den Kaiserstuhl. Und dann haben sie es unter dem Titel „Rheinfahrt. Ein Fluss, seine Menschen, seine Geschichten“ 2017 bei Orell Füssli in Zürich veröffentlicht. Geleitet hat sie ein Bonmot von Victor Hugo, das sie ihrem Buch damals vorangestellt haben: „Der Rhein ist der Fluss, von dem alle Welt redet und den niemand studiert, den alle Welt besucht und niemand kennt.“ (Victor Hugo, 1854)

 

Diese Worte Hugos haben auch Elke Heidenreich und den Fotografen Tom Krausz geleitet haben, als sie, ausgehend von der Frage „Warum ist es am Rhein so schön?“ zu einer Reise aufbrechen, die sie zu Fuß, per Schiff und mit dem Auto eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt entlangführt, von der Quelle bis zur Mündung. Sie haben außer ihrem schmalen Gepäck nur etwas Literatur über den Rhein, ihre Notizbücher und den Fotoapparat dabei, denn: wir wollten  selber sehen, riechen, fühlen, hören, nachdenken, erfahren.“

 

Die Antworten, die sie finden, sind Geschichten, Ahnungen und sehr persönliche Eindrücke, manchmal schön, manchmal unbequem und immer faszinierend. Mit ihren Betrachtungen machen Elke Heidenreich und Tom Krausz die Geschichte des über 1200 km langen und sechs Länder durchfließenden Stroms für den Leser sehr lebendig.

 

Für mich persönlich, der ich am Ufer des Rheins auf der Höhe von Mainz geboren bin, mein ganzes Leben in seiner Nähe wohne, ihn auch jetzt nach über sechs Lebensjahrzehnten immer wieder besuche, war dieses Buch natürlich ein ganz besonderes Erlebnis. Die Strecke von der Quelle bis nach Koblenz weckten in mir ganz besondere Erinnerungen, denn sie bin ich im Rahmen von Jugendfreizeiten, die ich in den achtziger Jahren organisierte, mehrmals mit dem Fahrrad gefahren.

 

 

Unter Dampf

 

Boris von Brauchitsch (HG.), Unter Dampf, Edition Braus 2018, ISBN 978-3-86228-175-6

 

Wer die schönen bisherigen Bildbände der Edition Braus mit historischen Aufnahmen und schlauen Begleittexten von Boris von Brauchitsch kennt, dem kann man  bedenkenlos auch diesen schönen Bildband „mit historischen Fotografien von Berlin Fern- und Regionalbahnhöfen“ empfehlen – er wird seine wahre Freude an diesem schönen Buch haben.

 

Zum Hintergrund dieser wunderbaren Reihe, die nicht nur für Berliner von Interesse ist: Boris von Brauchitsch ist Kunsthistoriker und er hat es sich zur Aufgabe gemacht, im Verlag der Edition Braus historische Bildbände über das alte Berlin zusammenzustellen. Vorzüglich aus dem unermesslichen Bildbestand der bpk-Bildagentur stammend, welche eine Einrichtung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist, bildet dieser Fotoband (im wahrsten Sinne) das ganze Spektrum der Berliner Bahnhofs-Architektur und ihrer wechselvollen Geschichte von den 1860er Jahren bis in die Nachkriegszeit, mitunter auch bis in die 1980er Jahre ab.

Dieser Bildband erzählt anhand historischer Fotografien die Geschichte der Berliner Fern- und Regionalbahnhöfe – und damit ein Stück Stadtgeschichte, denn der Weg Berlins zur Weltstadt und von der Weltstadt zum urbanen Provisorium lässt sich nirgendwo besser ablesen als an der Geschichte seiner Bahnhöfe.

„Unter Dampf“ ist ein schönes Buch von ausgezeichneter Druckqualität und Verarbeitung, mit wunderbaren Bilder und intelligenten  Texten.

 

 

 

 

 

 

Meine sanfte Medizin für einen guten Schlaf

 

 

 

Franziska Rubin, Meine sanfte Medizin für einen guten Schlaf, ZS Verlag 2018, ISBN 978-3-89883-729-3

 

Viele Umfragen zeigen, dass die Menschen in unserem Land immer schlechter und vor allen Dingen immer weniger schlafen. Die Krankenkassen und Ärzte warnen schon langem davor, dass zu wenig Schlaf auf lange Sicht zu schlimmen Folgen für die Gesundheit und auch die Lebenserwartung führt. Berufliche Belastung, die durch die Digitalisierung nicht leichter zu werden scheint, sondern offenbar zunimmt, durchgetaktete „Freizeit“, die längst keine freie Zeit mehr ist, der Anspruch einer permanenten Erreichbarkeit per Smartphone, auch im privaten Bereich, weil man ja sonst vielleicht etwas verpasst und dann „draußen“ ist.

 

Und dann, wenn dann die Menschen nach der wirklich allerletzten Whatsapp das Licht ausmachen und sich zum Schlafen legen, dann können sie nicht , oder sie wachen nach kurzer Zeit oder sehr früh am Morgen wieder auf und reduzieren so noch ihre eh kurze Schlafzeit.

 

Die bekannte TV-Ärztin Franziska Rubin geht in ihrem hier vorliegenden Buch auf diese digitalen Zeit- und Schlaffresser eher wenig ein. Dafür beschreibt sie ihren Lesern  ihre besten und langjährig erprobten Informationen und Tipps für einen erholsamen und gesunden Schlaf. Mit der richtigen Strategie, Entspannungsübungen, wertvollen Hausmitteln und der richtigen Ernährung gehören Schlafprobleme schon bald der Vergangenheit an.

 

Man lernt bei der Lektüre nicht nur viel über das Phänomen des Schlafs, sondern erfährt auch wirklich Interessantes über den menschlichen Körper und wie er funktioniert und was er wann braucht.

 

 

 

Der Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums

 

 

 

Manfred Lütz, Der Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums, Herder 2018, ISBN 978-3-451-37915-4

 

Im Jahr 2007 hatte der Münsteraner Religionshistoriker und Priester Arnold Angenendt in einem monumentalen Werk mit dem Titel „Toleranz und Gewalt“ (ist jetzt auch als Taschenbuch lieferbar) letztlich die Grundlage dafür geschaffen, was der Psychotherapeut Manfred Lütz nun in seinem hier vorliegenden Buch „Skandal der Skandale“ als geheime Geschichte des Christentums erzählt.

 

Hauptsächlich geht es um die Tatsache, dass die drei Schwert-Worte im Neuen Testament immer wieder in ihrer wahren Bedeutung beachtet werden müssen, um ihrem neuerlichen Missbrauch entgegenzuwirken:
Einmal das beim ersten Hinhören erschreckende Wort: ‚Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert‘ (Mt.10,34). Gemeint ist das geistige Schwert der Abtrennung von der blutsverwandten Eigenwelt, also ein metaphorischer Gebrauch zur Bezeichnung schmerzhaft – notwendiger Lebensentscheidungen. Dem zweiten Schwert-Wort zufolge ist das Wort Gottes ’schärfer als jedes zweischneidige Schwert…; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens.‘ Das physische Schwert jedoch wird abgelehnt. Als Jesu Jünger ihn bei seiner Verhaftung mit einen realen Schwert verteidigen wollen, gebietet er: ‚Steck dein Schwert in die Scheide; denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen.'(Mt. 26,52)

Das sind die theologischen Grundlagen des Christentums und beiden Autoren gebührt Dank dafür, mit ihren nun auch für einen breiten Kreis von Lesern zugänglich gemachten Erkenntnissen erneut darauf hingewiesen zu haben. Ich kann es nur empfehlen für alle die Menschen, die die platte Kritik meiden und es lieber mit der wirklichen Aufklärung halten, eben auch im Diskurs um das strittige Thema Religion.

 

Sich über die positiven Wurzeln der eigenen Religion bewusst zu werden, ohne die dunklen Zeiten zu verdrängen oder sich ihrer zu schämen und sie für die eigentliche Essenz des Christentums zu halten, sondern selbstbewusst und mit Überzeugung die wahre Essenz zu leben und sie auch im Dialog und Streitgespräch mit dem Islam etwa zu vertreten, darum geht es den beiden Autoren.

Das Christentum ist, wie Lütz und Angenendt schreiben, „die Geschichte der Heiligen, der spirituellen Aufbrüche, aber auch der großen und vor allem der stillen Leidenden.“

Das Buch ist ein Weckruf zur „Hoffnung auf den barmherzigen Gott, an den die Christen glauben und dem sie es zuschreiben, diese 2000-jährige Geschichte trotz aller schrecklichen menschlichen Schwächen auch der Christen tatsächlich zur Heilsgeschichte gemacht zu haben.“

 

Es ist eine große Leistung, die wissenschaftliche Erkenntnis von „Toleranz und Gewalt“ nun auf knapp 300 Seiten ohne Fußnoten einem breiten Publikum zugänglich gemacht zu haben.