Alle Beiträge von Winfried Stanzick

Tapsi geht baden

 

 

 

 

 

 

Sean Julian, Tapsi geht baden, Nord Süd Verlag 2018, ISBN 978-3-314-10425-1

 

Dieses schöne von Anna Schaub aus dem Englischen übersetzte Bilderbuch von Sean Julian, der für sein Leben gerne  haarige Gorillas, Bären und Dinosaurier zeichnet. Erzählt von Tapsi, dem Walddrachen und seiner zarten Begegnung mit Elfe Pünktchen, der er sehr zugewandt ist.

 

Sie aber weigert sich, mit ihm zu kuscheln, denn Tapsi wälzt sich, so wie alle Waldrachen am liebsten im  Schlamm. „Schlammig zu sein gehört bei uns einfach dazu“, sagt er zu Tapsi, die aber standhaft bleibt und vor das Kuscheln ein richtiges Bad setzt.

 

Zögernd und wenig überzeigt, lässt sich Tapsi darauf ein, so groß ist seine Zuneigung zu Elfe Pünktchen. Nach allerlei Ausreden und Befürchtungen (Haie im Waldteich, oder doch ein Krokodil?) traut er sich ins Wasser. Danach fühlt er sich so richtig frisch und kuschelig. Und dann gibt er Elfe Pünktchen  mit seiner großen Zungen ein Schmatzer, die jene ausrufen lässt:; „Ich glaube, jetzt brauche ich ein Bad!“

 

Und weil das Baden so schön war mit Pünktchen, macht sich Tapsi erst noch mal in der matschigen Pfütze so richtig schmutzig.

 

Ein lustiges Bilderbuch über Schmutz und Sauberkeit als zwei Seiten einer Medaille.

 

 

Der Wind in den Weiden

 

 

Kenneth Grahame, Sebastian Menschenmoser, Der Wind in den Weiden, NordSüd Verlag 2017, ISBN 978-3-314-10403-9

 

Etwa einhundert Jahre als ist dieses Kinderbuch aus England.
Nachdem es Elke Heidenreich vor vielen Jahren in ihrer leider dann abgesetzten Sendung „Lesen!“ empfohlen hatte, war es auch bei uns wieder zu einiger Bekanntheit gelangt. Auch Doris Lessing hat in ihrem autobiographischen Buch „Alfred und Emily“ in begeisterten Worten über die Prägung berichtet, die sie durch dieses Buch erfahren habe.

„Der Wind in den Weiden“ ist so wie etwa „Pu der Bär“ ein Klassiker der englischen Kinderliteratur. Seine Hauptpersonen, vier liebenswerte vierfüßige Gentlemen, haben schon Generationen von jungen und älteren Leserinnen und Lesern zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken gebracht – denn das, was Ratte, Maulwurf, Kröterich und Dachs so alles widerfährt, trägt oft sehr menschliche Züge. Und dennoch, auch wenn Dachs und Maulwurf in Höhlen hausen, die mit Mini-Menschenmöbeln ausgestattet sind, entspricht ihr Leben der Natur der Tiere. Sie leben in Freiheit, folgen dem Lauf des Jahres, vernehmen den Ruf der Heimat und sind glücklich, wenn sie beides haben: die Sicherheit des angestammten Baus und die unerschütterliche Treue ihrer Freunde.
Es ist ein Buch über die tragende Kraft der Freundschaft, die vieles aushalten kann und schwierige Charaktere, hier ist es der autonarrische und selbstverliebte Kröterich, mit Geduld und Ausdauer zum Guten verändern kann.

 

Die hier bei NordSüd in Zürich verlegte Ausgabe besticht nicht nur ihr schönes Schriftbild, sondern auch durch die klassische Übersetzung von Sybil Gräfin Schönfeldt und sehr ansprechenden und erfrischenden Illustrationen von Sebastian Meschenmoser.

 

Für die erwachsene Lektüre ebenso geeignet wie zum Vorlesen für Kinder ab etwa 5 Jahren.

 

Filme, Bücher und andere Medien

 

 

 

Andrea Schwendemann, Filme, Bücher und andere Medien ,Ravensburger Verlag 2018, ISBN 978-3-473-32928-1

 

Andrea Schwendemann legt mit ihrem von Jochen Windecker intelligent und verständlich illustrierten Sachbuch ein Buch vor, das nach Angaben des Verlags für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren geeignet ist.

In der Reihe „Wieso? Weshalb? Warum? Profiwissen“ erschienen schafft es dieses Sachbuch, Kindern, die in diesem Alter durchaus schon mit vielen verschiedenen Medien Erfahrung gesammelt haben und sie auch nutzen ein solides Grundwissen.

 

Es bietet grundlegende Einführungen in die Welt der Nachrichten, des Fernsehen, problematisiert das Phänomen der sogenannten „Fake News“, die Problematik der sozialen Medien und geht kritisch auf die bei Kinder und Jugendlichen (aber auch bei ihren Eltern) so beliebten Messengerdienste und die „sozialen“ Netzwerke ein, in denen sich so oft immer mehr Asoziales bewegt.

 

Kapitel über Computerspiele und künstliche Intelligenz finden sich genauso wie ein Ausblick in die digitale Zukunft und Ratschläge für schulische Recherchen im Internet, die schon ab dem 5. Schuljahr durchaus verlangt werden.

 

Wegen seines grundlegenden Aufbaus eignet sich das Buch durchaus auch für Eltern oder Großeltern, die die veränderte Medienlandschaft mit ihrem Smartphone oder PC teilen, aber oft wenig darüber wissen.

Ein sehr gut gemachtes Sachbuch für Kinder ab 8 Jahren.

 

Niemals (Hörbuch)

 

 

 

Andreas Pflüger, Niemals, Random House Audio 2017, ISBN 978-3-8371-3574-9

 

Normalerweise bin ich kein Liebhaber von Thrillern. Doch seit dem ersten Band der Trilogie von Andreas Pflüger über Jenny Aaron, eine blinde BKA-Beamtin „Endgültig“, der 2016 erschien, bin ich angefixt. Dieses über 450 Seitenüberaus spannende Buch Pflügers, der als Drehbuchschreiber schon für über dreißig Filme, darunter viele Tatorte verantwortlich zeichnete, hat mich im vergangenen Jahr sofort angesprochen, auch deshalb, weil er bei Suhrkamp erschienen ist, dessen Lektorat für Qualität und literarischen Anspruch steht.

 

Auch den hier vorliegenden ebenfalls 470 Seiten starken weiten Bandes mit dem Titel „Niemals“ habe fast ohne Unterbrechung gelesen. Genial konstruiert, arbeitet Pflüger mit zahlreichen Rückblenden, die dem Leser nach und nach die zunächst noch sehr rätselhaften Zusammenhänge erklären. Vor allen werden etliche im ersten Band noch im Dunkel gebliebene Vorgänge aus der Vergangenheit von Jenny Aaron und etlichen ihrer Kollegen geklärt, neue kommen aber dazu, die sicher im abschließenden dritten Band in diesem oder im nächsten Jahr aufgeklärt und zu einem Ende geführt werden.

 

Seine Hauptfigur heißt Jenny Aaron. Sie ist die Tochter eines ehemaligen GSG 9 Beamten, der bei dem Einsatz in Mogadischu 1977 sich große Verdiente erwarb, und der seine Tochter ein Leben lang unterstützte und aufbaute. Jenny Aaron wurde schon in jungen Jahren nicht nur, aber auch wegen ihres Namens, das erste weibliche Mitglied einer Eliteeinheit der Polizei, die auch außerhalb Deutschlands undercover operierte.

 

Ein solcher Einsatz vor 5 Jahren in Barcelona geht schief und sie erblindet durch einen Schuss. Ihren Kollegen lässt sie in einer Tiefgarage schwer verletzt zurück, eine Hypothek, die sie seitdem belastet. Sie ruht im neuen band nicht, bis sie denjenigen stellen kann, der ihr damals das Augenlicht nahm und auch jenen mysteriösen „Broker“ den sie für den Tod ihres geliebten Vaters verantwortlich macht. Jenny Aaron ist tough. Sie erlernt nicht nur die Blindensprache, sondern bald schon bewegt sie sich durch ihr Leben wie eine Sehende. Sie benutzt dafür unterschiedliche Laute und kann aus deren Echo genau ermessen, was da vor ihr liegt und in welcher Entfernung. Bald schon ist sie wieder im Dienst, nun als gefragte Vernehmungsspezialistin beim BKA in Wiesbaden, wo sie auch wohnt.

 

Zu Beginn  des zweiten Bandes hält sich Jenny Aaron in Schweden auf, wo sie darüber nachdenkt, ob sie Angebot annehmen soll, zu jenem Berliner Spezialkommando des BKA zurückzukehren, dem sie als Sehende sechs Jahre angehörte. Der Leser erfährt in etlichen Rückblenden viel Aufhellendes über jene Zeit.

 

Sie zögert lange, doch dann holt sie ihre Vergangenheit wieder ein. Sie wird nach Marrakesch fahren, wo der gefährlichsten Mann der Welt, den viele nur für einen Mythos hakten, auf sie wartet. Und Jenny Aaron erfährt, was er ihr angetan hat. Und sie beschließt, alles zu opfern, was ihr je etwas bedeutete, um diesen Mann zu töten. Sie ist sogar zunächst dazu bereit, deutliche Anzeichen einer geringen Wiederkehr ihres Hell/Dunkel – Empfindens zu ignorieren, die ihr möglicherweise, bei entsprechenden Adrenalinarmen Verhaltens das Augenblicht wiederschenken könnte.

 

Insbesondere die Blindenthematik ist exzellent recherchiert (Andreas Pflüger gibt darüber in einem Nachwort Auskunft) .Die gleich zu Beginn implementierte Spannung wird bis zur letzten Seite aufrechterhalten und lässt dem Leser keine andere Wahl, als atemlos immer weiter zu lesen.

Ein auch literarisch sehr gelungenes Buch, dessen hier anzuzeigende Hörbuchfassung so gut eingelesen ist, dass man es vor spannendem Kitzel kaum aushält.

Den Abschluss der Trilogie werde ich auf jeden Fall lesen. Und hören.

 

 

 

 

 

…weil ihr absurde Kriege führt. Dichter und Philosophen über den Frieden

 

Olaf Daecke (Hg.) , …weil ihr absurde Kriege führt. Dichter und Philosophen über den Frieden, Urachhaus 2017, ISBN 978-3-8251-5124-9

 

 

Olaf Daecke, der 2016 in einem Band mit dem Titel „Aller Tod ist nur Geburt. Dichter und Philosophen über Tod und Trauer“ eine beeindruckende Sammlung von Gedichten und kurzen Texten vorgelegt hat, hat nun ein Jahr später in der gleichen Aufmachung und Ausstattung einen nicht weniger ausdrucksvollen Band mit Worten von Dichtern und Philosophie über den Frieden veröffentlicht.

 

Diejenigen Menschen, die beruflich oder auch aus privatem Interesse über den Frieden und seine Voraussetzungen nachdenken, werden in diesem Büchlein eine Fülle von Anregungen und Weisheiten finden. Besonders beeindruckend fand ich die Texte über den Wunsch nach Frieden in alter Zeit, mit denen das Buch beginnt.

Texte über den Frieden in den Religionen, Stimmen gegen den Krieg, Perspektiven des Friedens und Segenssprüche aus Irland folgen in einem Bändchen, das sich sehr gut als kleines Präsent zu vielen Gelegenheiten eignet.

 

 

Die Häschenschule. Der große Sammelband

 

 

 

Albert Sixtus; Die Häschenschule. Der große Sammelband, Esslinger 2018, ISBN 978-3-480-40133-8

 

Im Jahr 1924 erstmals erschienen, haben diese wunderschönen, in Reime abgefassten Bilderbücher über die Häschenschule ihren Weg durch die Bücherregale vieler Generationen gemacht. Auch wenn die Bilder mit dem heutigen Schulalltag der Kinder nichts mehr gemein haben, und auch die darin vertretene Schulpädagogik nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand ist, begeistert es Kinder in der Zeit vor Ostern immer wieder aufs Neue.

Als mein Sohn im Kindergraten war,  war er von den Bildern und den Reimen in der Zeit vor Ostern nicht mehr wegzubekommen. Ich hoffe, mit dem vorliegenden preisgünstigen Sammelband der Häschenbücher geht es vielen heutigen Kindern ähnlich. Auch die Erwachsenen werden ihre Freude beim Vorlesen haben

Es ist schön und gut zu wissen, dass es Bücher gibt, die auch noch in einigen Jahrzehnten die Kinder unserer Kinder begeistern werden.

Eleanor & Park (Hörbuch)

 

 

 

 

 

Rainbow Rowell, Eleanor & Park (Hörbuch), Hörcompany 2015, ISBN 978-3-94570-906-1

Es ist selten, dass ein Jugendbuchdebüt einer vorher wenig bekannten Schriftstellerin nicht nur in deren Heimatland zum Bestseller wird, sondern gleich in über 30 Sprachen übersetzt wird und es in weiteren 12 Ländern unter die TOP 10 schafft. Mit „Eleanor & Park“ ist dies der in Nebraska lebenden Rainbow Rowell gelungen.

 

Das muss daran liegen, dass es der Autorin auf eine ganz besondere Weise gelingt, Lebenswelten und Gefühle von Heranwachsenden einzufangen und zu beschreiben, ihnen eine Gestalt und einen Ausdruck zu geben, der jugendliche Leser anspricht, weil sie sozusagen in ihre Seele schaut.

 

Der Roman, der in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts spielt, erzählt die zarte und poetische Liebesgeschichte von Eleanor und Park. Außenseiter alle beide, begegnen sie sich zum ersten Mal im Schulbus, nachdem Eleanor mit ihrer Mutter, ihren Geschwistern und dem neuen Partner der Mutter in die Stadt gezogen ist. Eleanor ist pummelig, sie trägt gerne Männerkleidung und außergewöhnliche Accessoires und sie hat feuerrote Haare. Ihre Lebensumstände sind dramatisch. Mit ihren vier Geschwistern muss sie ich ein kleines Schlafzimmer teilen und immer Angst haben vor dem neuen Partner ihrer etwas haltlosen Mutter, der sie betrunken oft schlägt. Nie ist Geld da, selten etwas Richtiges zu essen, sie haben kein Telefon, es fehlt an allem. Vor allem an Zuwendung. Eleanor hat über die Jahre gelernt, sich anzupassen, nicht aufzufallen, sich unscheinbar zu machen und in der Familie keine Ansprüche zu stellen.

 

Park hingegen kommt aus recht stabilen Verhältnissen. Sein Vater stammt aus Irland, hat als Soldat der USA in Korea seine Frau kennengelernt und mit in die Staaten genommen. Als Halb-Koreaner ist Park in der Schule nicht voll integriert, wird aber meistens in Ruhe gelassen.

 

Ganz im Gegensatz zu Eleanor, die mit ihrem ersten Schultag in der neue Schule mit einem fürchterlichen Mobbing konfrontiert ist. Die Zustände an den Schulen und die Unmenschlichkeit, mit der sich dort Schüler gegenseitig das Leben schwer machen, ist neben der zauberhaften und ungewöhnlichen Liebesgeschichte zwischen Eleanor und Park ein Unterthema dieses Romans.

 

Dabei sieht es zunächst gar nicht so aus, dass die beiden sich näher kommen, als sich Eleanor zum ersten Mal im Schulbus neben ihn setzt. Park hört seine Musik und achtet gar nicht auf die Versuche des Mädchens, mit ihm in Kontakt zu kommen. Doch mit jedem Tag öffnen sich die beiden mehr füreinander und finden Gefallen aneinander.

 

In abwechselnden Kapiteln erzählt,  erfahren wir, wie Eleanor und Park die jeweilige Situation erleben, und wir lesen auch viel über das bisherige Leben und die familiären Verhältnisse der beiden. So wie sich beide langsam immer besser kennenlernen – schon bald gestehen sie sich ihre Liebe – überwinden sie ein Hindernis nach dem anderen, die am Anfang wie eine hohe Mauer vor ihnen standen. So gibt etwa die Liebe zu Eleanor Park eine zuvor nie gekannte Kraft, aus sich herauszugehen, mutig sich für andere einzusetzen und sogar die Anerkennung seines Vaters zu gewinnen. Eleanor ihrerseits lernt erst durch Parks Liebe und Komplimente,  so etwas wie ein Selbstbewusstsein zu entwickeln und findet ganz langsam zu sich selbst.

 

Doch es geht in diesem wunderbaren Buch nicht nur um jugendliche Liebe, sondern auch um zerrüttete Familienverhältnisse, unglaubliche Zustände an den Schulen, wo auch die Vertrauenslehrer nur noch wegsehen und immer wieder um den mutigen Widerstand dagegen.

 

Werden die beiden ehemaligen Außenseiter miteinander eine Chance, eine Zukunft haben? Das bleibt offen bis zur letzten Seite.

 

Das vorliegende von Franziska Hartmann und Julian Greis eingespielte ungekürzte Hörbuch beeindruckt durch eine authentische Interpretation der beiden Hauptfiguren und ihrer ungewöhnlichen Beziehung. Eine anrührende Geschichte einer ersten Liebe.

 

 

 

 

 

 

Gute Vorsätze. Beim nächsten Mal wird alles anders

 

 

 

 

 

Notker Wolf, Gute Vorsätze. Beim nächsten Mal wird alles anders, Gütersloher Verlagshaus 2017, ISBN 978-3-579-08545-6

 

Besonders zum Beginn eines neuen Jahres sind sie bei unzähligen Menschen ganz aktuell – die guten Vorsätze. Obwohl sie jeder sie sich immer mal wieder vornimmt, haben sie keinen guten Ruf, werden belächelt und nicht ernst genommen. Denn obwohl sie uns wie stabile Säulen durhc unser Leben tragen könnten, scheitern wir immer wieder an ihnen. Nun kann man fragen  liegt das an den – vielleicht überzogenen Vorsätzen, oder liegt es an uns selbst und unserer Schwäche und mangelndem Willen? Sind wir nicht stark genug und verdammt dazu, immer wieder bei den einfachsten Dingen, die wir ändern wollen, zu versagen?

Oder sind Vorsätze prinzipiell unerreichbar?

 

Nein, sagt Notker Wolf in seinem neuen Buch und Ratgeber. Gute Vorsätze sind wichtig, weil sie uns dazu auffordern, über unsere Leben und unsere Rolle in der Welt nachzudenken. Aus guten Vorsätzen kann man lernen, das Wichtige vom weniger Wichten zu unterscheiden. Sie helfen uns, Sinnfragen zu stellen und uns selbst ehrlich zu betrachten. Sie ermöglichen uns, unsere wahren Talente zu erkennen und sie dann auch zu entfalten.

 

Deshalb: aus guten Vorsätzen können wir etwas lernen über uns selbst, auch dann, wenn sie meist nicht in Erfüllung gehen.  Diese Erkenntnis in eigene Leben zu übersetzen, dazu hilft diese benediktinisch-spirituelle Lebenserfahrung und Philosophie Wolfs.

 

 

 

Die Preise lügen. Warum uns billige Lebensmittel teuer zu stehen kommen

 

 

 

 

Volkert Engelsman, Bernward Geier (Hg.), Die Preise lügen. Warum uns billige Lebensmittel teuer zu stehen kommen, Oekom 2018, ISBN 978-3-962380-006-9

 

Der vorliegende Sammelband, der zusammen mit dem band „Die Pestizid-Lüge“ in einer neuen Reihe des Münchner Oekom Verlags erscheint, entlarvt die Mär von den Lebensmittelpreisen, deren Anteil an unseren Gesamtausgaben in den letzten Jahren und Jahrzehnten deutlich gesunken sei, als eine Illusion. Während der Verbraucher wähnt,  nur noch einen Bruchteil seines Einkommens bei Aldi, Edeka, REWE und Co. ausgeben zu müssen, ist die Wahrheit eine andere. Billige Lebensmittel kommen schlussendlich jeden einzelnen Verbraucher teuer zu stehen, weil die entstehenden Kosten abgewälzt werden. Auf andere  Länder, wo die Nahrungsmittel unter bei uns nicht erlaubten Bedingungen produziert werden, mit verheerenden Folgen für die Umwelt und die dort arbeitenden Menschen. Mit Folgen für die Umwelt dort und bei uns (Abfall) und letztlich mit noch nicht klar zu beziffernden Folgen für die kommenden Generationen, denen durch die dien gegenwärtigen Produktions-und Vermarktungsbedingungen die Zukunft genommen wird.

 

Auch die indirekten Kosten durch höhere Ausgaben für Gesundheit oder Wasseraufbereitungen werden in einzelne Beiträge beleuchtet. Mehrere weitere Artikel versuchen Auswege aufzuzeigen und entwerfen Modelle für die Zukunft. Sie würden steigende Preise bedeuten, aber auch gesündere Lebensmittel und einen besseren Schutz für die Umwelt bei und in den meist im Süden liegenden Anbauländern.

 

Lesenswertes Buch, das sehr nachdenklich macht.

 

 

 

 

 

 

 

Elio Guerriero, Benedikt XVI. Die Biografie, Herder 2018, ISBN 978-3-451-37832-4

 

Die hier vorliegende Biografie des italienischen Bestsellerautors Elio Guerriero über Benedikt XVI. ist nicht die erste ihrer Art, aber in ihrer Art einzig. Aus einer klaren italienischen Perspektiven heraus geschrieben, vermag sie vielen von mannigfaltigen Vorurteilen dem Theologen Ratzinger gegenüber geprägten deutschen Leser eine völlig neue Perspektive auf sein Leben und vor allen Dingen seine kaum hoch genug einzuschätzende theologische Kompetenz und Leistung nahezubringen.

 

Die umfangreiche Biografie, die von der Jugend bis zu seiner vorzeitigen Emeritierung im Jahr 2013 alle wesentliche Stationen und theologischen Entwicklungen Josef Ratzingers umfasst, erzählt nicht nur von den Höhen und Tiefen seines jeweiligen beruflichen Wirkens als theologischer Lehrer und als  Erzbischof von München und Freising, sondern auch von seinem Alltag, seinen Vorlieben. Schlicht, sie stellt immer wieder den Menschen Ratzinger in den Vordergrund und bringt dem eine besonders bei kritischen Zeitgenossen und Gläubigen umstrittene Amtsperson auf eine Weise nahe, wie man sie bisher vielleicht nur in den Bücher und Gesprächen von Peter Seewald gelesen hat.