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Der Metzger

 

 

 

 

 

Thomas Raab, Der Metzger, TB, Droemer 2017, ISBN 978-3-426-304969

 

Das vorliegende neue Buch von Thomas Raab schließt sich nahtlos an die bisherigen durchweg lesenswerten Fälle des Restaurators Willibald Adrian Metzger an, der als Hobbydetektiv immer wieder in mysteriöse Fälle schlittert und sie mit seiner eigenwilligen Art der Durchdringung der Materie und immer wieder mit tatkräftiger Unterstützung seiner Frau löst.

 

 

Mit seinem Restaurator Willibald Adrian Metzger und dessen Lebenspartnerin Danjela Djurkovic aus Kroatien hat Thomas Raab literarische Figuren erschaffen, die nun nach sechs Bänden nicht nur zu den originellsten der deutschsprachigen Krimiszene gezählt werden müssen, sondern auch zu den erfolgreichsten. Mit seinem speziellen Spürsinn und in einer wie selbstverständlichen, oft völlig sprachlosen Kooperation mit seiner Herzensdame Danjela nimmt Willibald Adrian Metzger, auch kurz nur „der Metzger“ genannt, randständige Phänomene seines Alltags wahr und spürt sensibel ihre Unstimmigkeit.
Dann verfolgt er zielstrebig die zunächst noch lockeren und unzusammenhängenden Fäden und stößt mit großer Regelmäßigkeit ziemlich bald in die Mitte eines kriminellen Geschehens vor, das für Thomas Raab immer auch ein Stück seiner österreichischen Heimat und Kultur ist, die er dann mit scharfem und bissigem Humor beschreibt.
Thomas Raab hat einen Stil, in den man sich verliebt, er spielt mit den Worten, hat einfach Freude an ungewöhnlichen Formulierungen und Sprachspielen, mit denen er nicht selten seine Kritik ummantelt.

Thomas Raabs Sprache ist wie immer zunächst gewöhnungsbedürftig. Mit vielen Bilder, seltsamen Satzkonstruktionen fordert er dem Leser zunächst einiges ab, bis der sich an diese Form der Poesie gewöhnt hat und dann richtig Freude daran findet.

 

In seinem neuen Buch geht es gleich hoch her. Da gibt es einen Angriff auf eine Würstchenbude. Nicht nur die Bude ist hin, sondern auch ein sehr bekannter und von vielen gehasster Literaturkritiker kommt zu Schaden.

 

Da gibt es den Hansi Woplatek, Kinderfreund von Willibald Adrian Metzger und Sohn seiner Stammfleischerei. Dieser Hansi will nicht die Nachfolge des Vaters antreten, sondern lieber Schriftsteller sein.

 

Und kurz darauf zwischen den Schweinehälften in der Metzgerei ein menschlicher Kadaver.

 

Und wer ist der Autor jener Manuskriptauszüge, die Thomas Raab immer wieder in kursiver Schrift einstreut und die voller Gewaltphantasien sind?

 

Wie immer dauert es wieder ziemlich lange bis dem Hobbydetektiv eine zündende Idee kommt, nachdem er all die viele Fäden, die Raab auslegt, sortiert hat und die Lösung auf einmal klar auf dem Tisch liegt …

 

Absolut lesenswert und köstliche Unterhaltung.

 

 

 

 

 

 

 

Wenn wir groß sind

 

 

 

 

 

Jean Leroy, Matthieu Maudet, Wenn wir groß sind, Moritz Verlag 2016, ISBN 978-3-89565-317-9

 

Eine lustige und hintersinnige Märchenparodie haben die beiden französischen Kinderbuchautoren Jean Leroy und Matthieu Maudet hier in einem kleinen Buch im Moritz Verlag vorgelegt.

 

Das sitzt das Rotkäppchen zusammen mit drei kleine Schweinchen im Sandkasten. Sie denken nach darüber, was sie tun werden, wenn sie einmal groß sind. Dabei sind sie sich einig: der Wolf wird sich wundern.

Doch der Wolf, selbst noch klein und unscheinbar, hat sie dabei belauscht und ist außer sich. Die vier seien gemein, ruft er aus und kündigt an, sie alle aufzufressen – wenn er einmal groß ist.

Ein Bilderbuch, das neben dem Spaß, den es macht, auch eine Moral vermittelt: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.

 

Zusammen unter einem Himmel

 

 

 

 

Britta Teckentrup, Zusammen unter einem Himmel, arsedition 2017, ISBN 978-3-8458-1973-0

 

Auch das neue Bilderbuch von Britta Teckentrup zeugt, wie viele andere ihrer früheren Bücher für Kinder von einer großen Liebe zu der Natur und ihren Wundern.  Dieses Mal lädt sie die Kleinsten mit großen besonderen Gucklöchern auf eine Entdeckungsreise in eine Welt ein, in der alle „zusammen unter einen Himmel“ leben.

 

Sie macht es für Kinder sehr verständlich mit Tierfamilien. Eine Katzenfamilie, eine Löwenpaar mit drei Kleinen, ein Pinguinpaar in Schnee und Eis, Tiere hoch in den Bergen, in tiefen grünen Tälern, im Meer, hoch über den Wolken und in dunklen Wäldern.

 

Allen leben sie zusammen unter einem Himmel: „Wir träumen dieselben Träume und wir träumen sie zusammen…“

 

Mit entsprechender sensible Anleitung von Erwachsenen, werden sie zuhörenden und die das Buch betrachtenden Kinder, sehr schnell den Zusammenhang herstellen zu den vielen verschiedenen Kindern aus allen Herren Länder, die ihnen heutzutage in unseren Kindertagesstätten begegnen.

 

Das poetische Bilderbuch zeigt, dass uns alle mehr verbindet, als uns trennt.

Wir haben die Zeit. Denkanstöße für ein gutes Leben

 

 

 

 

 

Christian Schüle, Wir haben die Zeit. Denkanstöße für ein gutes Leben, edition Körber-Stiftung 20917, ISBN 978-3-89684-197-1

 

Der Philosoph Christian Schüle, der zuletzt mit seinem Buch „Heimat“ (Droemer) ein Szenario für ein neues Heimatverständnis entworfen hat, mit dem sich die großen Migrations-Bewegungen unserer Zeit möglicherweise fassen und bewältigen lassen. und dabei unserer Sehnsucht nach Vertrautem und dem Mangel an Vertrauen nachgespürt hat, ist auch in seinem neuen Werk „Wir haben Zeit“ dem aktuellen Lebensgefühl der Menschen auf der Spur. Wie leben sie und wie arbeiten sie, was bewegt sie, welchen Sinn und welches Ziel wollen sie ihren Leben geben?

 

Da die Menschen heute eine erhebliche höhere Lebenserwartung haben als frühere Generationen, hätten sie, so Schüle, eigentlich allen Grund, sich Zeit zu lassen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Stress, Hektik, Druck von außen, der dann nach innen wandert und krank macht, überwiegen im Leben der meisten Menschen. Sie fühlen sich wie gejagt von widersprüchlichen und sie überfordernden Anforderungen und mehr noch von den unzähligen Angeboten. So wird man nicht glücklich.

 

In seinem Buch beschreibt Schüle, wie er sich die „Organisation des guten Lebens“ vorstellt. Was kann der einzelne Mensch, Frau oder Mann, tun bzw. lassen, um seine Arbeit, seine Familie und seine Freizeit in einen harmonischen und sinnerfüllten Einklang zu bringen? Doch seine Fragen gehen über das hinaus, was das Individuum für sich selbst tun kann. Er nimmt in seinem Buch auch immer wieder die gesamte Gesellschaft in den Blick und fordert eine Neudefinition von Lebensarbeitszeit, die sich an den in den verschiedenen Lebensabschnitten vorherrschenden Bedürfnissen der Menschen orientiert.

 

Sein Buch ist nicht nur eine überzeugende Gesellschaftsutopie mit vielen sinnvollen Hinweisen auf das, was der Einzelne für sich in seinem Leben ändern kann, sondern auch eine kluge und aufschlussreiche Beschreibung unserer gegenwärtigen Gesellschaft und der in ihr vorherrschenden Werte.

 

 

 

Muss ich was abgeben?

 

 

 

 

Mo Willems, Muss ich was abgeben, Klett Kinderbuch 2017, ISBN 978-3-95470-154-4

 

Von Monika Osberghaus hervorragend aus dem Englischen übersetzt beschäftigt sich das neue Buch der englischen Kinderbuchautorin Mo Willems wieder ihrem lustigen kleinen Elefanten Gerald und seinem Freund Schweinchen. Dieses Mal geht es um das Teilen und wie kompliziert sich das manchmal gestaltet.

Als Gerald sich an einem Eiswagen ein Bällchen von dem leckeren grünen Eis (Waldmeister?) gekauft hat und schon genussvoll losschlecken will, da fällt ihm ein, dass sein Freund, das Schweinchen auch für sein Leben gerne Eis mag.

 

Und dann ist er hin und her gerissen zwischen der Lust, sein Eis allein  zu essen und dem schlechten Gewissen, es teilen zu sollen. Mo Willems hat diese Gefühlsaufwallungen wunderbar und lustig in Szene gesetzt. Während Gerald überlegt und nachdenkt, sich quält mit seinem Gewissen, schmilzt sein Eis langsam dahin.

 

Niedergeschlagen auf dem Boden sitzend, das geschmolzene grüne Eis auf der Erde vor sich sagt er: „Ich hab`s vermasselt.“  Doch da kommt das Schweinchen um die Ecke. Und ratet mal, was es in der Hand hat?

 

Ein schönes neues Buch von Gerald und Schweinchen über die Schwierigkeit des Teilens.

 

Tu was du liebst und lebe selbstbestimmt und frei

 

 

 

Beth Kempton, Tu was du liebst und lebe selbstbestimmt und frei, Allegria 2017, ISBN 978-3-7934-2313-3

 

„Du liest dieses Buch, weil du im Grunde deines Herzens weißt, dass da draußen eine größere Version deines Lebens auf dich wartet.“ Doch viele Menschen, vor allen Dingen Frauen, an die sich dieses Buch hauptsächlich richtet, hören nicht auf diesen Ruf. „Freiheit ist eine Entscheidung“ sagt Beth Kempton und ihr hier vorliegendes Buch will zu dieser Entscheidung nicht nur ermutigen sondern auch befähigen. Hier lernen Frauen, die Tür zur Freiheit zu öffnen und nachhaltig für eine Veränderung in ihrem Leben zu sorgen. Doch auch Männern die dieses Buch lesen, öffnen sich Türen nicht nur für ihr eigenes Leben, sondern vor allem für ein tieferes Verständnis ihrer Partnerin.

 

Es ist hauptsächlich Angst, die Menschen, besonders Frauen, davon abhält, ihr Leben so zu führen, wie sie es sich wünschen. Beth Kempton zeigt mit vielen Übungen und Fragebögen, die sie in acht Schritten entwickelt, dass es möglich ist, die Zweifel abzulegen und scheinbar unbeeinflussbare Umstände zu verbessern.

 

Es geht vielleicht nicht immer gleich darum, zu einer „Himmelstürmerin“ zu werden. Nicht jede kann ihr Leben, ihren Beruf und ihren Alltag so vollständig umkrempeln, wie sie sich es vielleicht erträumt. Aber wer im Kleinen beginnt, sich Schritt für Schritt seine Lebensfreude und Freiheit erobert, der wird selbst ohne revolutionäre Wechsel sein eigenes Leben in Beruf und Alltag so neu gestalten, dass die Fremdbestimmung reduziert wird und immer mehr persönliche Kreativität und Eigengestaltung wachsen können.

Beginnen aber muss es immer mit einer eigenen Entscheidung, etwas zu verändern und damit, diese Entscheidung mit denen zu kommunizieren, mit denen man sein Leben teilt. Tut frau das, wird sie vielleicht mehr männliche Unterstützung und Solidarität erfahren, als sie für möglich gehalten hat.

Birth of an Icon. Revolver 50

Klaus Voormann, Birth of an Icon. Revolver 50, Delius Klasing 2017, ISBN 978-3-667-10962-0

Das siebte Album der legendären Beatles, das vor über fünfzig Jahren veröffentlicht wurde, zählt nicht nur wegen seinen musikalischen Kunstwerken sondern auch wegen seinem Cover zu den von der amerikanischen Musikzeitschrift „Rolling Stone“ in der Liste „500 Greatest Albums of All Time“ aufgeführten Alben. Auf Platz 3 ist es dort notiert. Birth of an Icon. Revolver 50 weiterlesen

Das Ziel ist im Weg

Ina Schmidt, Das Ziel ist im Weg, Lübbe 2017, ISBN 978-3-7857-2583-2

„Eine philosophische Suche nach dem Glück“ unternimmt die Philosophin Ina Schmidt in dem vorliegenden Buch. Sie kritisiert  die immer weiter verbreitete Manie, sich permanent Ziele zu setzen, Maßstäbe und Messlatten zu formulieren, um das zu erreichen, was man sich als Glückszustand vorstellt. Beim Streben nach Optimierung, Verbesserung und Erkenntnis lassen immer mehr Menschen nichts unversucht, damit ihnen das „Glück“ nicht entwischt. Das Ziel ist im Weg weiterlesen

Das Vaterunser. Verstehen, was wir beten

Okko Herlyn, Das Vaterunser. Verstehen, was wir beten, Neukirchner Verlag 2017, ISBN 978-3-7615-6446-2

Nach seinem 2015 erschienen Buch „Was ist eigentlich evangelisch?“ und seinem Lutherbuch „Hier stehe ich, ich kann auch anders“ (2017) legt der ehemalige Gemeindepfarrer, Hochschullehrer, Liedermacher und Kabarettist Okko Herlyn mit dem vorliegenden Buch erneut ein verständliches theologisches Werk vor, mit dem er Christen helfen will, die eigenen Traditionen und Quellen besser zu verstehen und sie für ihren Alltag aufzuschließen. Das Vaterunser. Verstehen, was wir beten weiterlesen

Mein erstes Buch von der Kinderkrippe

 

 

 

 

 

Nathalie Choux, Mein erstes Buch von der Kinderkrippe, ArsEdition 2017, ISBN 978-3-8458-2277-8

 

In der sehr erfolgreichen Kinderbuchreihe „Mein erstes Buch“ für kleine Kinder ab etwa 18 Monaten legt die Ars Edition in München hier ein neues Buch der Französin Nathalie Choux vor, in dem sie Erfahrungen von kleinen Kinder reflektiert, die schon in frühem Alter eine Kinderkrippe besuchen, was in Frankreich, wo das Buch zuerst erschien, viel mehr zum Alltag von Kindern und ihren Eltern gehört als bei uns.

 

Mit mehreren Schiebern und einem Drehrad ausgestattet, lernen die Kinder erste Sachen und Gegenstände zu erkennen und zu benennen, die ihnen dort begegnen, aber auch gemeinsame Erfahrungen mit anderen Kindern und Erziehrinnen, wie zum Beispiel spielen, essen, malen und schlafen werden thematisiert.

 

Genau wie die anderen Bücher aus dieser Reihe kann ich dieses Buch sehr empfehlen.