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Die Liebe in diesen Zeiten

 

 

 

 

 

Chris Cleave, Die Liebe in diesen Zeiten, DTV 2017, ISBN 978-3-423-26140-1

 

Der Londoner Journalist und Autor Chris Cleave wurde für seinen ersten Roman „Liebe Osama“ mit Preise überhäuft und auch seine folgenden Romane „Little Bee“ und „Gold“ kamen bei der Kritik gut an.

 

Auch sein neuer Roman „Liebe in diesen Zeiten“ (im englischen Original „Everyone Brave Is Forgiven“), der in einer deutschen Erstausgabe bei DTV premium erschienen ist, erzählt er eine bewegende und erschütternde Geschichte aus den ersten Jahren des Zweiten Weltkriegs, als die Deutschen über lange Zeit nicht nur London bombardierten und die englische Bevölkerung nicht nur an den Folgen dieser Angriffe litt, sondern auch daran, dass es kaum Hoffnung auf Besserung gab.

 

Die im September 1939 beginnende Romanhandlung erzählt von zwei Hauptfiguren und deren Schicksal. Zum einen ist da die sehr junge Londoner Lehrerin Mary North, die aus gutem Hause stammt und deren Vater als Mitglied des Unterhauses versucht, in die Regierung zu kommen. Mary löst sich im  Laufe der Handlung von der strengen Ordnung ihrer Familie und versucht, oft in freundschaftlicher Auseinandersetzung mit ihrer Freundin Hilda, sich als Hilfslehrerin für benachteiligte Kinder einzusetzen. Unter anderen für einen schwarzen Jungen namens Zachary. Sie will ihm Schreiben und Lesen beibringen, aber er lehrt sie etwas nicht weniger Wichtiges.

 

Und da ist der Restaurator Alistair Heath, der sich gleich zu Beginn  des Kriegs freiwillig zur Armee meldet und im Laufe der Jahre, die Cleave chronologisch verfolgt,  fürchterliche Erfahrungen macht, schließlich aber unter dem Verlust seines rechten Armes überlebt.

 

Doch nicht nur er erleidet in diesem Krieg schwere körperliche und seelische Verletzungen. Chris Cleave beschreibt auf dem Hintergrund einer bewegten und immer wieder vom krieg bedrohten Lebensgeschichte, wie der Krieg Zerstörungen und Verwüstungen anrichtet im Herzen und der Seele von Menschen und wie er fast verhindert, dass sie noch lieben können.

 

Ich habe durch die Lektüre des Buches viel gelernt über den Bombenterror der Nazis auf England und erinnerte mich beschämt daran, die ich als Schüler schon Ende der sechziger Jahre von englischen Familien aufgenommen wurde wie ein eigener Sohn. Da war kein Ressentiment mehr spürbar.

 

Cleave hat für seinen Roman Erinnerungen seines Großvaters verwendet, der auf Malta lebte und ebenso wie Alistair Heath die lange Belagerung der Insel durch die Nazis und ihre Verbündeten erlebte.

 

„Liebe in diesen Zeiten“ ist ein engagierter, über lange Strecken melancholischer Roman, der die Schrecken des Krieges und seine Folgen für die Seelen der Menschen beschreibt und dennoch eine Hymne auf die große Kraft der Liebe singt.

 

Ein großer Roman über Liebe, Freundschaft, Mut und Verlust in Zeiten des Krieges.

 

 

 

 

Im Zimmer meines Vaters

 

 

 

 

 

Friedrich Ani, Im Zimmer meines Vaters, Suhrkamp 2017, ISBN 978-3-51846799-2

 

Die Einladung, bei Anti-Pediga-Demonstrationen zu sprechen, hat den Schriftsteller Friedrich Ani, einem großen anspruchsvollen Krimipublikum als Schöpfer von Figuren wie Tabor Süden, Polonius Fischer, Jonas Vogel oder Jakob Franck bekannt, wieder in einen engen Kontakt mit seinem verstorbenen Vater gebracht, der als Arzt aus Syrien flüchtete und nie darüber sprach „ … schobst du ihr dumpfes Geraune unters Gerümpel im Abteil deiner Seele, das nie ein Mensch betrat, so nah er dir auch kam“.

 

Bei aller Distanz kommt er ihm in einem 19-teiligen Gedichtzyklus in der Mitte des Buches, der dem Band seinen Titel gab, so nah wie nie zuvor und wünscht sich seine Nähe („so bleib doch noch“).

„Sohn des Sandes“ nennt Ani seinen Vater und erinnert sich an eine Szene, als der zu ihm, den Atlas vor sich, über seine geliebte und verlorene Heimat sprach: „ … und / zeigtest mit dem Finger auf den Fluss und einen / klein gedruckten Namen, er krönte deine Stimme / wie ein Diadem. // So sprechen hörte ich dich selten, der eine / Name, Mayadin, er klang wie ein Gebet aus einem / Wort …“

 

Es ist, als ob Ani mit diesem Zyklus endgültig Abschied nehme von einem Vater, der ihm lieb und dennoch fremd war.

 

Auch viele der anderen Gelegenheitsgedichte atmen eine leise Melancholie und oszillieren zwischen Resignation und Trotz.

 

Für die Freunde der anspruchsvollen Krimis von Friedrich Ani zeigen diese Gedichte eine andere Seite eines Autors, der wie kaum ein anderen in der Lage ist, die Tiefe menschlichen Seelenlebens auszuloten.

Ani lässt seine Ermittler regelmäßig auf Menschen treffen, die auf irgendeine Weise sich selbst verloren gegangen sind. Unsichtbar geworden, leben sie mitten unter uns und Ani gibt ihnen durch seine Kommissare und ihre absolut ungewöhnliche Art, Kriminalfälle zu lösen, ihr Gesicht, ihre Geschichte und ihre Menschenwürde zurück.

 

Die vorliegenden Gedichte erinnern an vielen Stellen an dieses leidenschaftliche Eintreten für den Menschen und das Menschsein in all seiner Brüchigkeit.

 

Bretonisches Leuchten. Kommissar Dupins sechster Fall

 

 

 

 

 

Jean-Luc Bannalec, Bretonisches Leuchten. Kommissar Dupins sechster Fall, Kiepenheuer & Witsch 2017, ISBN 978-3-462-05056-1

 

Eine neue literarische Stimme macht sich seit einigen Jahren erfolgreich auf dem hart umkämpften deutschen Krimimarkt bemerkbar. Während viele Jahre lang erfolgreiche Serien wie etwa Donna Leons Romane um den Commissario Brunetti aus Venedig schon seit langem an Langeweile und immer mehr von dem Gleichen nicht zu überbieten sind, hat der in Deutschland und in Frankreich lebende Autor unter dem Pseudonym Jean Luc Bannalec sich mit seinem ersten Roman, seinem ersten Fall für Kommissar Dupin 2012 mit einem sogar von der etablierten Literaturkritik beachteten Paukenschlag zu Wort gemeldet.

„Bretonische Verhältnisse“ und auch der zweite Band „Bretonische Brandung“ waren Kriminalromane, die uns nicht nur einen kantigen, menschlich authentischen Kommissar mit einer eigenen, kritischen Meinung präsentierten, sondern auch eine überaus spannende und anspruchsvolle Handlung. Daneben glänzten beide Bücher mit ganz wunderbaren Beschreibungen der einzigartigen Natur des Finistere und des Atlantiks und mit jedem Buch mehr mit langen Ausführungen über bretonische und keltische Kultur und  Mythen.

 

Während der dritte Band „Bretonisches Gold“  viele Schwächen und Längen hatte, kehrte Bannalec mit seinem vierten Band „Bretonischer Stolz“ nicht nur zur Qualität der ersten Bücher zurück, sondern übertraf sie sogar.

 

Der im letzten Jahr erschienene fünfte Fall „Bretonische Flut“ lieferte eine gelungene und lehrreiche Verknüpfung einer durchaus spannenden Handlung mit zahlreichen Hinweisen auf die Ökologie des Atlantiks vor der Bretagne und des Finistere und ihren bedrohten Zustand.

 

Waren schon in den vergangenen Jahren alle Bände trotz aller Unterschiede absolut lesenswert und unterhaltsam, hat man auch bei dem neuen Band „Bretonisches Leuchten“ sofort das wieder das Gefühl man befände sich, wie dieses Mal auch der Kommissar und seine Partnerin Claire, im Urlaub.

 

Dieser Urlaub an der Cote de Granit Rose im Norden der Bretagne wurde Dupin in Gemeinschaftsarbeit zwischen seinem Arzt, seiner Assistentin Nolwenn und seiner Partnerin Claire sozusagen aufgedrückt. Immer nur am Strand auf dem Handtuch zu liegen, wie es Claire vorschwebt, ist ein Horro für Dupin und so verlässt er den Strand mit Ausreden sooft er nur kann. Bei diesen Ausflügen ist er natürlich wie immer mit offenen Augen unterwegs und auch sein Hotelier und die Inhaberin des maison de presse sprechen ihn permanent an wegen ungewöhnlicher Dinge, die da in der Ortschaft Tregastel vor sich gehen. Zuerst verschwindet eine Heiligenstatue aus der örtlichen Kirche, dann eine Touristin nach einem heftigen von Dupin auf der Hotelterrasse beim Abendessen beobachteten Streit mit ihrem Mann.

 

Bald schon ist der detektivische Spürsinn von Dupin geweckt. Er hat aber nur das Problem, dass er seine geheimen Ermittlungen vor Claire verstecken muss, und auch Nolwenn und Riwal im Büro in Concarneau verweigern jede Unterstützung mit dem Verweis auf Dupins dringend notwendige Erholung.

 

Schon am dritten Tag des gemeinsamen Urlaubs fällt Dupin auf, dass offenbar auch Claire hinter seinem Rücken mit ihrer Klinik Kontakt hat.  Sich viele Kontakt zunutze machend und in aller Schnelle ein lokales Informationsnetzwerk aufbauend, sammelt Dupin innerhalb weniger Tage viele Informationen zu zunächst völlig unzusammenhängenden Phänomenen, bis ihm am Ende der ersten Urlaubswoche ein Licht aufgeht und aller klar wird.

 

Ich habe dieses Buch, wie die anderen fünf Bände auch, wieder mit viel Freude gelesen, sehr viel gelernt über die Gegend, die Menschen und ihre Kultur und der Wunsch, endlich bald einmal selbst das Finistere zu besuchen ist beim Lesen immer stärker geworden.

 

Vielleicht legt ja Bannalec, so wie es Martin Walker für seinen Bruno getan hat, bald einmal eine Art Reiseführer vor, mit dem sich Leser auf Spuren Dupins an die wunderbaren Orte und Restaurants begeben können, die er in seinen Büchern beschreibt.

 

Eddy. Der Elefant, der lieber klein bleiben wollte

 

 

 

 

 

Hans Traxler, Eddy. Der Elefant, der lieber klein bleiben wollte, Hanser 2017, ISBN 978-3-446-25491-6

 

Nach seinen wunderbaren Bilderbüchern über Franz, den Jungen, der rein Murmeltier sein wollte, Will, den Kater, der immer größer wurde und Sofie mit dem großen Horn, hat Hans Traxler nun ein weiteres warmherzig geschriebenes und illustriertes Bilderbuch vorgelegt. Es erzählt die Geschichte von Eddy, einem kleinen Elefanten, der zu Beginn des Buches gerade mal drei Wochenalt ist. Er fühlt sich in seiner Herde beschützt und behütet. Tagsüber tollt er herum und hat Spaß, in der Nacht schläft er sicher und geborgen, umringt von den großen Tieren. Doch seine unbeschwerte Fröhlichkeit ist wie weggeblasen, nachdem er eines Tages eine alte Elefantenkuh unter einem Baum legen sieht, deren Stoßzähne von Wilderen abgeschnitten wurden. Er kann  dieses Bild nicht mehr vergessen und beschließt, niemals erwachsen zu werden. Er läuft weg und landet schließlich in einer Aufzuchtstation für Elefanten.

 

Hier macht er eine abenteuerliche Erfahrung, die ihm hilft, neuen Mut zu finden und vielleicht doch ein Großer zu werden.

 

Traxler erzählt den Kindern, die das Buch anschauen, von dem Mut den man braucht, um erwachsen zu werden. Doch man muss diesen Mut finden und behalten durch so manches Abenteuer hindurch. Abenteuer die einen klein werden lassen und Abenteuer, die einen wieder groß werden lassen. Kinder werden diesen Eddy  ganz schnell in ihr Herz schließen und sich zusammen mit ihren vorlesenden Eltern von seiner Geschichte berühren lassen.

 

 

 

 

Das grosse Wimmel-Liederbuch für alle Jahreszeiten

 

 

 

 

 

Rotraut Susanne Berner, Das grosse Wimmel-Liederbuch für alle Jahreszeiten, Gerstenberg 2016, ISBN 978-3-8369-5923-0

 

Unzählige Kinder haben in den vergangenen Jahren unendlich profitiert von den Wimmelbüchern von Rotraut Susanne Berner, in der sie im Frühling, im Sommer, im Herbst und im Winter, sowie in einem Buch in der Nacht, Szenen aus Wimmlingen darstellte ohne Text, dafür aber mit wiederkehrenden Figuren, über die sie im Laufe des Jahres schöne Geschichten erzählt, bei deren Entdeckung und Entschlüsselung unser Sohn zwischen seinem zweiten und seinem fünften Lebensjahr große Freude hatte.

 

Nun haben Ebi Naumann mit lustigen Texten und Wolfgang von Henko mit einer abwechslungsreichen und Kinder sehr ansprechenden Musik Lieder gemacht zu den Figuren aus Wimmlingen und dem Geschehen dort. Rotraut Susanne Berner hat neben einigen Bildern aus den bekannten Wimmelbüchern auch einige neue Illustrationen beigesteuert.

 

In insgesamt 15 Liedern geht es mit vielen Geschichten durch alle Jahreszeiten. Eine CD mit allen Liedern des Buches ist separat erhältlich.

„Und er wird es wieder tun“. Gewalt in der Partnerschaft

 

 

 

 

Simone Schmollack, „Und er wird es wieder tun“. Gewalt in der Partnerschaft, Westend Verlag 2017, ISBN 978-3-86489-163-2

 

Dieses Buch der Journalistin und Taz-Redakteurin Simone Schmollack hat ein Buch geschrieben über Gewalt in der Partnerschaft, das in seiner Grundlegung und Fundierung seinesgleichen sucht.

 

Sie hat nicht nur alle bekannten Fakten verständlich zusammengefasst, sondern sie hat auch viele Gespräche geführt mit betroffenen Frauen, was ihren Ausführungen Authentizität verleiht. Nicht nur dadurch wird deutlich und verständlich, wie mitten unter und neben uns Gewalt zwischen Partnern entsteht und wie sich solche Beziehungen entwickeln.

 

Ihre Botschaft an betroffene Leserinnen ist: ihr seid nicht allein. Ihr könnt den Mut entwickeln, euer Schweigen zu brechen und euch Hilfe zu suchen. Doch nicht nur Betroffene sind es, an die sich dieses grundlegende Buch richtet. Auch nicht betroffene Menschen, Anwälte, Politiker, Richter und Berater können ein besseres Verständnis der Zusammenhänge bekommen durch die Lektüre und besser mit Opfern sprechen.

 

Das Buch, das alle mögliche Facetten von Partnerschaftsgewalt (auch die gegen Männer) beleuchtet, ist ein wichtiger Meilenstein für eine umfassende Aufklärung.

 

 

Der Draghi-Crash

 

 

 

 

 

Markus Krall, Der Draghi-Crash, Finanzbuchverlag 2017, ISBN 978-3-95972-072-4

 

Der Autor dieses Buches, Markus Krall, ist ein erfahrener Insider, der bei Firmen wie McKinsey, Oliver Wyman oder BCG Jahre lang als Berater in leitender Funktion tätig war. Er weiß also, wovon er schreibt, weil er sich in der Sache bestens auskennt. Er hat die Auswirkungen der Nullzinspolitik der EZB und von Mario Draghi, um die es in diesem Buch geht, dort beobachtet, wo sie die größten Auswirkungen hat und wo sie auch die schwersten Schäden sorgen wird: bei den Finanzmarktakteuren.

 

Doch, wie Markus Krall immer wieder betont, werden sich die Schäden nicht nur   auf die Banken oder Versicherer beschränken. Die Schäden, die die Gesellschaft und dort insbesondere der Mittelstand jetzt schon beklagt, sind immens. Lediglich eine kleine Minderheit von Superreichen profitiert.

 

Er selbst glaubt nicht an ein Umsteuern der EZB. Auch die vielen am Anfang des Buches und auf der hinteren Umschlagsseite zitierten zustimmenden Stimmen von Fachleuten offenbaren eine große Skepsis in dieser Richtung.

 

Und so dient das Buch dazu, dem Leser einmal mehr verdeutlicht zu haben, wohin diese EZB-Politik führt und wie aussichtlos eigentlich die Hoffnung auf eine schnelle Veränderung ist.

 

 

Schwerelos. Mit Leichtigkeit durchs Leben

 

 

 

 

 

Deborah Rosenkranz, Schwerelos. Mit Leichtigkeit durchs Leben, Gerth Medien 2017, ISBN 978-3-95734-215-7

 

Die Bibel und ihre Verheißungen und Weisheiten als Orientierung nutzen für jede neue Woche meines Lebens – dies hat die Singer-Songwriterin Deborah Rosenkranz in ihrem eigenen Leben erfahren. Ein Leben, das nicht nur durch die Musik bereichert wird, die sie gerne überall auf der Welt in Konzerten weitergibt, sondern auch durch ihr soziales Engagement für Mädchen mit Essstörungen und für junge Menschen, die auf der Suche sind nach ihrer eigenen Identität.

 

Für jede Woche des Jahres hat sie einen Spruch aus der Bibel, Altes und Neues Testament, ausgewählt und auf jeweils drei Seiten eine einladende, verständliche und ermutigende Auslegung geschrieben, die sie jedes Mal anreichert mit sehr persönlichen Erfahrungen aus ihrem Leben und Alltag.

 

Ein Gebet schließt den jeweiligen Text ab, das die wesentlichen Gedanken der kurzen Auslegung aufgreift und zuspitzt. Diese 52 Impulse wollen zeigen, dass auch schwere Tage zum Besten dienen können. Dass auch aus einer schlechten Erfahrung etwas Gutes wachsen kann. Und dass jeder Mensch wertvoll ist in den Augen Gottes.

 

Es kann insbesondere junge Menschen ermutigen, mit Leichtigkeit durch sein eigenes Leben zu gehen.

Der kleine Groll und das große Magische

 

 

 

 

 

Miriam Cordes, Der kleine Groll und das große Magische, Oetinger 2017, ISBN 978-3-7891-7188-8

 

Lange hat sie davon geträumt, dieses Buch zu machen, die bekannte Bilderbuchautorin und Illustratorin Miriam Cordes. Nun legt sie es vor und es ist in seiner Magie und traumhaften Kunst ein Werk, das nicht nur Kinder vor dem Einschlafen lieben werden, sondern auch die es vorlesenden Erwachsenen bezaubern wird mit seiner einzigartigen Schönheit.

 

Es erzählt die Geschichte der Familie Groll, die im Wald leben. Als der kleine Gren eines Nachts nicht schlafen kann, weckt er seinen Bruder Gran, weil er ihm etwas Magisches zeigen will. Durch den Lärm, den die beiden veranstalten, sind auch die Eltern Groll und die anderen Geschwister bald auf den Beinen. Mitten in der Nacht. Und was die versammelte Familie da findet – das ist einfach magisch.

 

Eine warmherzig geschriebene Geschichte hat Miriam Cordes mit wunderschönen Bildern illustriert, die eine besondere Magie ausstrahlen. Wunderbar zum Einschlafen!

 

 

Die Meinung der Anderen

 

 

 

 

 

Tali Sharot, Die Meinung der Anderen, Siedler 2017, ISBN 978-3-8275-0081-6

 

Wir beeinflussen andere Menschen in unserem Sinne an den unterschiedlichsten Stellen und Orten unseres Lebens und Alltags. Noch mehr aber werden wir beeinflusst, nicht nur von der unsäglichen Werbung, gegen die sich so viele gewappnet wähnen, sondern auch von Trends, Kollegen und so manchem „on dit“ von Freunden und Bekannten.

 

Wie sich die immer weiter sich ausdehnende Nutzung sogenannter „sozialer“ Medien auswirkt auf die Meinungsbildung und deren Beeinflussung von außen, ist noch gar nicht recht in den Blick gekommen.

 

Wenn man das sehr informative und verständlich geschriebene Buch der Londoner Psychologieprofessorin Tali Sharot liest, merkt man schnell, dass die Unabhängigkeit von der Meinung anderer, auf die nicht Wenige von uns stolz sind, eine Chimäre ist.

 

Sie weist nach, dass schon seit Urzeiten der Mensch in seinen Instinkten als Herdentier geprägt wurde und seit diesen Zeiten eine seiner größten Ängste ist, aus dem sozialen Verbund seiner jeweiligen Gruppe herauszufallen. Zu dieser jeweiligen Gruppe dazuzugehören, wird von Tali Sharot als das wesentliche Movens identifiziert, das sein jeweiliges Verhalten bestimmt.

 

Diese uralte Disposition ist unserem Verstand, auf den wir so stolz sind, wenn es um unsere Unabhängigkeit vom Denken anderer geht, kaum zugänglich und von ihm daher schwer zu kontrollieren.

 

An vielen Beispielen macht sie nachvollziehbar, wie das funktioniert und sorgt so beim oft erstaunten Leser für so manche selbstkritische Erkenntnis und eine Art neue Bescheidenheit, was die eigene Beinflussbarkeit angeht auf der einen Seite, und das eigene Mitwirken an „Meinungsmache“ in Richtung anderer.

 

Eine informative und unterhaltsame Lektüre gleichermaßen.