Archiv der Kategorie: Allgemein

Strom auf der Tapete

 

 

 

 

Andrea Badey, Claudia Kühn, Strom auf der Tapete, Beltz & Gelberg 2017, ISBN 978-3-407-82211-6

 

Wer ist mein Vater? Mit dieser Frage entwickelt sich Ron Robert Rankes 16. Geburtstag zu einer Beinah-Katastrophe. Ron Robert Ranke ist der jugendliche Ich-Erzähler des vorliegenden mit dem Peter Härtling Preis ausgezeichneten Jugendbuches des Autorinnenduos Andrea Badey und Claudia Kühn. Seit er ein altes Foto seines Vaters in der Küchenschublade gefunden hat, steht für ihn fest, dass er seinen Vater finden möchte, koste es was es wolle.

Völlig planlos begibt er sich zusammen mit seiner Mitschülerin Clara, der zweiten Hauptfigur dieses „rasanten, gegenwartstrunkenen und überraschend zärtlichen Jugendromans“ (Jurybegründung) und einem geliehenen Cabriolet auf die Suche nach dem Unbekannten und durchlebt einige abenteuerliche Turbulenzen, Prügeleien und seinen ersten Absturz mit Alkohol, aber auch sehr intensive und nachdenkliche Momente.

 

„Strom auf der Tapete“  ist eine Art skurilles Roadmovie. Verschrobene Figuren, die dann doch ein Stück weit zu sich selbst finden und ein ausgefallener Erzählstil machen das Buch zu einer unterhaltsamen Lektüre. Abwechslungsreiche Handlungsstränge und viel Situationskomik erheitern den Leser, der vom Schluss überrascht wird, wie durch einen kalten Eimer Wasser.

 

 

Die Wiederentdeckung der Kindheit

 

 

 

 

 

Michael Winterhoff, Die Wiederentdeckung der Kindheit, Gütersloher Verlagshaus 2017, ISBN 978-3-579-08662-0

 

Der Untertitel des neuen Buches des bekannten und erfolgreichen Psychotherapeuten Michel Winterhoff zeigt schon das Defizit an, das in diesem Buch beschrieben wird: „ Wie wir unsere Kinder glücklich und lebenstüchtig machen“. Offenbar ist da sin den letzten Jahrzehnten in der Kindheit unserer Kinder und im Leben ihrer Eltern etwas verändernd geschehen, das dringend einer Korrektur bedarf. Denn während sich die Welt immer schneller zu drehen scheint, sind die Bedürfnisse von Kindern in ihren verschiedenen Entwicklungsstufen gleich geblieben.

Winterhoff führt zwei Kinder ein, deren Leben und Alltag er beschreibt, um plausibel zu machen, was er meint. An Alltagssituationen des 1995 geborenen Alexander sowie von Luis, der 2016 geboren ist, zeigt Winterhoff, wie unsere Kinder fast unbemerkt ihre Kindheit verloren und sich dadurch stark verändert haben – nicht immer zum Guten. Erwachsene und Eltern, aber auch Erziehende in den Kindertagesstätten und Schulen bemerken das sehr wohl und sie machen sich Sorgen. Gerade auch darüber, wie und wo sie selbst an solchen für die Kinder nachteiligen Veränderungen oft gegen ihren Willen mitwirken.

„Alle Eltern wollen für ihr Kind das Beste. Es soll eine glückliche, unbelastete Kindheit haben, in der es Freiräume erobern und eigene Erfahrungen machen darf. Niemand will sein Kind so fest an sich binden, dass es ein Leben lang unselbständig bleibt. Niemand will zum Juristen seines Kindes mutieren, der sofort mit Klage droht, sobald in der Schule mal ein Problem auftaucht. Und niemand will sein Kind durch Förderwahn ganz rappelig machen. Trotzdem ist genau das die Welt, in der Kinder heute groß werden.“

 

 

 

Winterhoff macht all diesen erwachsenen Menschen, die Verantwortung tragen für Kinder Mut. Er zeigt ihnen Wege auf, wie sie ihren Kindern in einer digitalen Welt Rückzugsorte schaffen können, die für ihre Persönlichkeitsentwicklung wichtig und unverzichtbar sind.  Seine spezielle und fundierte Kritik an bestimmten Auswüchsen des Bildungswesens soll Lehrern und Erziehern Mut machen, an ihrem Ideal von einem beziehungsorientierten Miteinander festzuhalten und es gegen gegenteiligen Tendenzen zu verteidigen.

 

Ein wichtiges und ermutigendes Buch für Eltern und alle , die mit Kindern arbeiten.

 

 

Das Land, in dem wir leben wollen

 

 

 

 

 

Jutta Allmendinger, Das Land, in dem wir leben wollen, Pantheon 2017, ISBN 978-3-570-55347-3

 

„Wie die Deutschen sich ihre Zukunft vorstellen.“ Darüber mehr zu erfahren, als es in herkömmlichen Befragungen möglich ist, war das Ziel einer von der ZEIT unterstützten Befragung von insgesamt 3100 Menschen im Alter zwischen 14 und 80 Jahren in ganz Deutschland. 2015 zum ersten Mal befragt, wurden sie ein Jahr später erneut kontaktiert und interviewt.

 

Durch eine neue und ungewohnte Fragetechnik ging es nicht nur um aktuelle Einstellungen und  Befindlichkeiten wie bei vielen anderen Umfragen, sondern um Vorstellungen  und Visionen von Menschen aller Alters- und Bildungsstufen von ihrer eigenen Zukunft, der ihrer Kinder und auch der des ganzen Landes.

 

Sehr überraschende Erkenntnisse kamen so heraus, die Jutta Allmendinger in diesem Buch beschreibt, das aufgebaut ist wie ein Lesebuch, weil es auf alle demoskopisch-theoretischen Einlassungen verzichtet und nur sehr wenige Anmerkungen im Anhang listet.

 

Sie fasst zusammen: „Die Menschen in Deutschland bewegen sich. Die meisten sind optimistisch, blicken zu ersichtlich nach vorn und helfen den neu Angekommenen beim Einstieg ins neue Leben. Vielen jedoch rauben Unsicherheit und Angst vor der Zukunft die Kraft zur Veränderung. Sie brauchen Respekt, Rat, Orientierung und helfende Hände.“

 

Diese Hände, so sagt sie, müssten vor allem die austrecken, „ die in den Ressorts die Weichen stellen und die bei genügend großem Handlungsspielraum wirklich helfen.“

 

Eine große Aufgabe nicht nur für die neue Regierung nach der Wahl im September, sondern für alle nachgeordneten Stellen und Verwaltungen, und für die mit den konkreten Menschen in ihren Sorgen und Nöten befassten Menschen.

Heute leben wir

 

 

 

 

 

Emmanuelle Pirotte, Heute leben wir, S. Fischer 2017, ISBN 978-3-10-397211-5

 

„Heute leben wir“ ist der bewegende und überzeugende Debütroman der Belgierin Emmanuelle Pirotte. Der Titel wird verständlich ganz am Ende des Buches, und will ausdrücken, dass nur die Gegenwart zählt im Leben von Menschen, unabhängig davon, welche Entscheidungen und Taten die Vergangenheit prägten.

 

Schon viele Bücher und Romane haben Geschichten von jüdischen Kindern erzählt, die während des Zweiten Weltkrieges in Frankreich vor den Nazis sich verstecken mussten und mit viel Glück und durch die Hilfe anderer Menschen überlebten. Doch die Geschichte der etwa sechs- bis siebenjährigen Renee, die Emmanuelle Pirotte hier erfindet, ist besonders, weil ihr Retter und Beschützer ein SS-Offizier ist.

 

Es ist Winter 1944. Das jüdische Mädchen Renee, dessen Eltern schon lange spurlos verschwunden sind und für deren Überleben sie keine Hoffnung mehr hat, versucht irgendwie zu überleben. Sie wird versteckt von Nonnen, dem Dorfpfarrer und schließlich von einer großen Bauernfamilie in den Ardennen. Von den Deutschen besetzt, warten die verzweifelten Einheimischen auf die Truppen der vorrückenden Alliierten und müssen sich doch mit der sogenannten Ardennenoffensive der Nazis rechnen.

 

Als die Deutschen mit letzten brutalen Offensiven wieder in der Gegend einfallen, kann der Dorfpfarrer, bei dem Renee untergebracht war, sie nicht mehr bei sich behalten und übergibt sie einem amerikanischen Jeep, der mit zwei Soldaten an seinem Pfarrhaus vorbeifährt. Doch schon nach wenigen Minuten erkennt Renee an der Sprache, in der sich die beiden Soldaten unterhalten, dass es Deutsche sind, die sich als Amerikaner getarnt haben, eine Strategie innerhalb der sogenannten Operation Greif, die Verwirrung unter den Amerikanern stiften soll, damit die Ardennenoffensive der Deutschen gelingt. Der eine Offizier, er heißt Matthias, spürt sofort sich zu dem jüdischen Mädchen hingezogen und als sein Kamerad Verdacht schöpft, erschießt er ihn und rettet Renee zum ersten Mal.  In zahlreichen Einschüben blendet die Autorin zurück in die Lebensgeschichte von Matthias, der bis nach Beginn des Krieges als Deutscher in den Wäldern Kanadas bei Indianern gelebt hat.

 

Auf ihrer Flucht vor den eigenen Truppen, die im Anmarsch sind, kommen Matthias und Renee auf einen Bauernhof, wo sich sehr viele Menschen einer großen Familie versteckt halten.  Wie Emmanuelle Pirotte die Dynamik und die Charaktere in diesem Haus schildert, besonders als ein Trupp Nazis es besetzt, ist große Kunst.  Auch der immer wieder eingesetzte Gegensatz zwischen brutaler Gewalt und großer Mitmenschlichkeit insbesondere in der schillernden Person des Matthias ist beeindruckend.

 

Das Buch ist spannend, lange bleibt offen, ob dieses so ungleiche Paar aus jüdischem Kind und SS-Offizier überleben wird. Die Lektüre ist aufwühlend, sie geht unter die Haut. Berührend und nachhaltig ist seine Botschaft: es ist möglich, sich in jeder noch so bösen Situation für das Gute zu entscheiden. Wenn ein Mensch den Mut hat, einfach als ein Mensch zu handeln.

 

In Frankreich war dieses Buch ein sensationeller Erfolg und Anfang 2017 haben die Dreharbeiten für seine hoffentlich erfolgreiche Verfilmung begonnen.

 

Ein wirklich beeindruckendes Buch, das lange in mir nachgewirkt hat.

 

 

Greta, Lotti und Bauer Hansen

 

 

 

 

Carsten Eichler, Greta, Lotti und Bauer Hansen, Knesebeck 2017, ISBN 978-3-95728-022-0

 

Bauer Hansen hat Sehnsucht. Sehnsucht nach dem Meer. Nach Füßen im Sand, Brandung, Möwenschreien und Wind um die Nase.  Auch seien beiden Kühe Greta und Lotti teilen seinen Traum und sie machen sich sofort daran, ihm diesen Traum zu erfüllen, damit er wieder glücklich ist.

Und nach einigem Werkeln und Hämmern ist es soweit:
„Wir haben vollgetankt, den Rucksack voller Brote, es ist später Mittag und wir tragen Fliegerbrillen.“
„Tritt drauf“, sagt Greta und Lotti gibt Gas.

Und schon geht es los ans Meer und an den Strand, den Ort ihrer Sehnsucht.

Eine wunderschöne Geschichte mit einer außergewöhnlichen und detailverliebten Illustration, die aus Knetfiguren und vom Autor gebastelten Gegenständen besteht.

 

Die Lawine

 

 

 

 

 

John Branch, Die Lawine. Dumont Reiseverlag 2017, ISBN 978-3-7701-6974-0

 

Eine neue Reihe mit dem Titel „True Tales“ , wahre Geschichten, bietet der Dumont Reiseverlag in diesem Sommer all jenen an, die gerne Abenteuer- und Reisegeschichten lesen, dabei aber keine großen Wälzer mögen sondern Spaß haben an einer kurzen, spannenden und vor allen Dingen  wahren Geschichte, die sie mitnimmt in die große weite Welt.

 

In dem vorliegenden Band, wie alle anderen etwa 80 Seiten mit vielen Bilder und Fotografien umfassend, erzählt der Sportreporter der New York Times, John Branch, über ein dramatisches Skiunglück, bei dem am 19. Februar 20912 am Tunnel Creek eine riesige Lawine eine Gruppe von erfahrenen Skifahrern verschüttete. Nach sechs Monaten Recherchearbeit und zahllosen Gesprächen rekonstruierte John Branch  diesen Freeski-Albtraum und wurde für seinen in den USA 3,5 Millionen Mal verkauften Bericht darüber mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet.

Eine spannende und wahre Geschichte.

 

 

 

 

 

 

 

Der weiteste Weg. Mit dem Campingbus bis Australien

 

 

 

 

 

 

Bruno Blum, Der weiteste Weg. Mit dem Campingbus bis Australien, Delius Klasing 2017, ISBN 978-3-667-10914-9

 

Der Schweizer Weltenbummler Bruno Blum ist auf seiner letzten Weltreise vom Motorrad auf den Campingbus gewechselt und hat  seine Freundin mitgenommen auf den „weitesten Weg“, der die beiden über Russland und Kasachstan und Indien bis nach Australien geführt hat. Von dort sind sie über Japan und die Mongolei quer durch Russland wieder zurück nach Europa gefahren.

 

Mit vielen traumhaften Fotografien bebildert und erzählt er von einer abenteuerlichen Reise und vielen Menschen, denen die beiden begegnet sind und zahllosen zum Teil grotesken Situationen, die sie in dieser Zeit bewältigen mussten.

 

Ein Buch über ein Abenteuer, das beim  Lesen und Betrachten selbst zum Abenteuer wird.

Ruhige Zeiten

 

 

 

 

Lizzie Doron, Ruhige Zeiten, DTV 2017, ISBN 978-3-423-14574-9

 

Dies ist die Geschichte von Leale, genannt Lea, einer Überlebenden der Shoah, die von Mordechai, einem Mitarbeiter der Jewish Agency nach dem Krieg in einem polnischen Waisenhaus entdeckt und nach Israel gebracht wird.

Nach dem Tod von Srulik, den sie als junges Mädchen heiratet und mit dem sie einen Sohn hat, wird sie Maniküre im Friseursalon von Sajtschik. Auch Sajtschik kommt „von dort“ und lebt mit Mordechai in einer versteckten homosexuellen Beziehung, die Lea aber nicht wahrhaben will.

Sie liebt Sajtschik über all die langen Jahre, die sie bei ihm arbeitet, und als auch er stirbt, erinnert sich Lea in einer langen Zeit der Trauer an „Menschen, an die sich niemand erinnern wird“ ( Widmung der Autorin).

 

Schon in ihrem ersten Buch „Warum bist du nicht vor dem Krieg gekommen?“ ist es Lizzie Doron gelungen, das Unaussprechliche in eine eigene Sprache zu fassen, das Schweigen hörbar zu machen und den Überlebenden der Shoah eine ganz eigene Würde zu geben.

 

In ihrem neuen Buch „Ruhige Zeiten“ lässt sie Lea in genau demselben Tel Aviver Viertel leben, in dem auch ihre Mutter Helena aus dem ersten Buch ihr Leben verbracht hat. Die Rabbinerfrau Guta taucht wieder auf und auch „Frau Helena“ wird in einer kurzen Sequenz erwähnt.

 

Und sie lässt die Menschen sprechen, erzählen von ihrem Leben im neuen Land, von ihrem Kampf mit einem Gott, an den sie nicht mehr glauben können und dessen Rituale sie dennoch befolgen, von ihrem täglichen Kampf der Entscheidung zwischen Leben und Tod. Sie tut das mit einer wundervollen Sprache, die von Mirjam Pressler wie auch beim ersten Buch sehr sensibel ins Deutsche übertragen wurde.

 

In Sajtschiks Friseursalon passieren seltsame Dinge mit den Menschen.

„Im Friseursalon, hatte Sajtschik einmal zu mir gesagt, können die Tauben hören, die Blinden sehen und die Stummen sprechen.“

 

Mit einer tiefen menschlichen Wärme und einem ganz eigenen  Witz schildert Lizzie Doron den schwierigen Balanceakt von Überlebenden, trotz aller unaussprechlichen Erfahrungen sich den Herausforderungen und Zumutungen des Lebens und Weiterlebens zu stellen, und sich dabei gegenseitig zu stützen.

 

Ich habe auch dieses zweite Buch von Lizzie Doron mit großer innerer Erregung gelesen. Die Erschütterung, die es ausgelöst hat, wird lange anhalten. Bleiben wird aber auch eine genuine Form von Hoffnung, die diese beiden Bücher ausstrahlen, Hoffnung darauf, dass nichts und niemand den Kern der menschlichen Seele wirklich auslöschen kann.

 

 

 

Haltung ist Stärke

 

 

 

 

 

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Haltung ist Stärke, Kösel 2017, ISBN 978-3-466-37185-3

 

Nicht erst seit den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen vor einigen Wochen ist die FDP wieder in aller Munde. Man traut ihr zu, im September bei den Bundestagswahlen ein respektables Ergebnis zu erzielen und auch eine Regierungsbeteiligung scheint möglich.

 

Die FDP war in ihrer langen Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg schon immer eine Partei, die durch starke und beeindruckende Frauen und Männer aufgefallen ist. Menschen, die in ganz besonderer Weise das Liberale, die Idee der Freiheit und individuellen Selbstbestimmung vertraten und konsequent dafür eintraten.

 

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die Autorin des vorliegenden Buch ist eine von ihnen. Es ist gut, dass ihr Buch mit ihrer politischen Biographie in diesen Tagen erscheint, weil es deutlich machen kann, wodurch sich Liberale unterscheiden von anderen Wettbewerbern um die Mandate in Berlin.

 

Zweimal war sie Justizministerin, zuerst im Kabinett Kohl, dann von 2009 bis 2013 im Kabinett Angela Merkels.  Ihr politisches Leben zeigt, dass eine konsequente Haltung (sie trat 1996 wegen dem Großen Lauschangriff zurück) nicht bedeuten muss, dass man für immer aus dem öffentlichen Leben verschwindet, im Gegenteil.

 

Ihr Buch gibt dem interessierten Leser in nüchternem, ja fast bescheidenem Stil Einblick in ihr politisches und privates Leben.

Sie schließt ihr Buch mit den Worten:

„Es geht um unser Leben, um  unsere Lebensqualität und um Verantwortung. Mit Haltung, mit Überzeugung, mit Kompetenz und eine klaren Wertekompass werde ich für die Freiheitsrechte kämpfen. Und darum, dass viele mitmachen.“

 

Auch in einem vierten Kabinett Merkel nach der Wahl im September?

Unfair. Für eine gerechte Globalisierung

 

 

 

 

Gerd Müller, Unfair. Für eine gerechte Globalisierung, Murmann 2017, ISBN 978-3-86774-579-6

 

Der seit 2013 als Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung amtierende CSU-Politiker Gerd Müller ist vielleicht das am meisten unterschätzte und am wenigsten in seiner politischen Arbeit anerkannte und wertgeschätzte Mitglied der dritten Regierung Merkel.

 

Ähnlich wie schon der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler, der zu diesem Buch eine positive Widmung geschrieben hat, ist Gerd Müller auf eine erfrischende Weise unideologisch an seine Aufgabe herangegangen und hat sich von ihr gefangen nehmen lassen.

 

Gerd Müller ist davon überzeugt, dass es möglich ist, insbesondere in Afrika politisch so zu wirken, dass es eine Zukunft gibt für diesen Kontinent und seine Menschen, eine Zukunft vor Ort, ohne sich in die Hände von Schleppern zu begeben und auf den gefährlichen Weg nach Europa zu machen.

 

Denn all diese meist jungen  Menschen, die da gehen in Scharen, werden den afrikanischen Staaten fehlen beim dringenden Aufbau des Landes.

 

Auf fast jeder Seite dieses engagierten Buches macht er deutlich: wir haben das Wissen, die Technologie und das Geld, um endlich zu mehr Fairness gegenüber den sich entwickelnden Ländern zu kommen. Die Herausforderungen sind groß, aber wie Müller nicht müde wird zu betonen, sie sind lösbar. Sein Buch ist voller Beschreibungen von Wegen dorthin.

 

Horst Köhler sagt dazu: „In diesen unruhigen Zeiten werden wir nur weiterkommen, wenn wir an Lösungen arbeiten, die sowohl langfristig als ach global sind. Wer verstehen will, vor welchen gigantischen Herausforderungen die Menschheit steht und was zu tun ist, sollte dieses Buch lesen.“