Archiv der Kategorie: Allgemein

Greta und die magischen Steine

 

 

 

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Paul Maar, Helga Bansch, Greta und die magischen Steine, Annette Betz 2016, ISBN 978-3-219-11695-3

 

Paul Maars märchenhafte Geschichte von Greta steckt voller Symbole. Sie spielt in einer Zeit, „als magische Wesen sich den Menschen noch zeigten“ und erzählt mit einer schönen und poetischen Sprache von der großen Sehnsucht eines Kindes nach seinem abwesenden Vater.

 

Helga Bansch, die österreichische Künstlerin hat mit ihrem unverwechselbaren Stil diese symbolhafte Geschichte mit Bildern illustriert, die ihren eigenen Zauber verströmen und die Geschichte erst rund machen.

 

Sie berichtet von einem kleinen Mädchen namens Greta, das mit seiner Mutter und ihrem Hund Karo in einem Dorf in der Nähe des Meeres lebt. Der Vater ist schon seit vielen Jahren weg von zu Hause. Im sagenhaften Goldland sucht er sein Glück. Mutter und Tochter fristen indessen daheim ein kärgliches Dasein.

 

Eines Tages steht eine seltsame alte Frau vor der Tür und bittet um ein Glas Milch. Freundlich erfüllt Greta ihr Bedürfnis und erhält von ihr dafür einen ersten Zauberstein und den Hinweis, am Meer zwei weitere Steine zu finden und damit ihren Vater.

 

Greta macht sich mit ihrem Hund auf den Weg zum Strand. Und dort findet sie nicht nur die versprochenen Steine…

 

Ein ganz zauberhaftes Bilderbuch mit einer ganz eigenen Magie.

 

 

99 automobile Rennklassiker und ihre Spitznamen

 

 

 

 

 

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Helge Jepsen, Michael Köckritz, 99 Automobile Rennklassiker und ihre Spitznamen, Te Neues 2016, ISBN 978-3-8327-3467-1

 

Von dem deutschen Autorennfahrer Walter Röhrl ist das Bonmot überliefert:  “Man kann ein Auto nicht wie ein menschliches Wesen behandeln – ein Auto braucht Liebe!“

Für Menschen (vorzugsweise Männer), die diesen Satz nicht von vornherein als totalen Machoquatsch abtun, ist dieses Buch von Helge Jepsen und Michael Köckritz gedacht.

Ähnlich wie in ihrem etwa zeitgleich ebenfalls bei Te Neues erschienenen Buch 99 automobile Klassiker und ihre Spitznamen“ werden in diesem Band 99 Rennwagen aus allen Bereichen des Automobilsports gezeigt und unter ihren zum Teil volkstümlichen Bezeichnungen beschrieben.

 

Treffliche Zeichnungen geben die Autos sehr detailliert wieder.  Die kurzen Texte erläutern technische Details, die Entstehungsgeschichte des jeweiligen Fahrzeugs und seine Einsätze.

 

Wussten Sie, dass die DDR einen Rennwagen entwickelt hat? In diesem Buch können sie ihn bestaunen.

 

Was Sie da vorhaben, wäre ja eine Revolution

 

 

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Erhard Eppler, Niko Paech, Was Sie da vorhaben, wäre ja eine Revolution..,  Oekom 2016, ISBN n978-3-86581-835-5

 

Dieses von Christiane Graefe moderierte Streitgespräch dreht sich um die Frage, wie das wirtschaftliche Wachstum, das bereits zur Übernutzung des Planeten geführt hat und dessen Dynamik zur Bedrohung für das Überleben der Menschheit wird, gebremst bzw. gestoppt werden kann. Über die Dringlichkeit der Frage sind sich die Kontrahenten einig. Strittig ist primär die Strategie. Es handelt sich um einen Beitrag zum Degrowth-Diskurs, der in der letzten Zeit innerhalb der Ökologie immer stärker geführt wird.

Erhard Eppler ist ein prominenter Politiker, der schon sehr früh einen Blick für die Umweltbewegung hatte und schon Anfang der 1970er Jahre die Dringlichkeit des Degrowing erkannte. Mit seinem Buch „Ende oder Wende“ versuchte er 1975 als Publizist erfolgreich ein entsprechendes Problembewusstsein zu wecken. Ich erinnere mich noch sehr gut daran wie dieses Buch in der oft auch kirchlich geprägten neuen Bürgerinitiativbewegung rezipiert wurde.

Niko Paech hat sich im deutschsprachigen Raum unter anderem mit dem Buch „Befreiung vom Überfluss“ (2012) als Wachstumskritiker einen Namen gemacht. Er vertritt die Idee der Postwachstumsgesellschaft.

 

Die Konfrontation der beiden Positionen in dem schmalen Bändchen ist sehr aufschlussreich, weil sie zur Orientierung in dem noch relativ jungen Diskurs über Degrowing oder Postwachstum verhilft.

 

Paech wirbt für eine utopische Rückkehr zur Subsistenzwirtschaft Über Konsumverzicht und eine neue Moral spricht er den Einzelnen an, ohne Interesse an der Machtfrage. Ökologie wird damit zum missionarischen Auftrag.

 

Erhard Eppler hingegen will demgegenüber einen maßvollen Rückbau, während dem er die Machtverhältnisse und die sozialen Ungleichheiten und bisher vernachlässigter Bedürfnisse berücksichtigen will. Sein Ziel und seine Strategie sind im Gegensatz zu Paech pragmatisch, wobei er auf dem Primat der Politik insistiert.

Wer sich über den  noch relativ jungen Diskurs über Degrowing oder Postwachstum informieren möchte, für den ist das Buch geeignet. Sowohl für Einsteiger als auch  für  Gesellschaftskritiker, die sich schon länger mit solchen Fragen auseinandersetzen.

 

 

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Ein Loch gegen den Regen?

 

 

 

 

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Daniel Fehr, Francesca Sanna, Ein Loch gegen den Regen, Atlantis 2016, ISBN 978-3-7152-0719-3

 

Das erste von vielen weiteren ausdrucksstarken Bildern von Francesca Sanna in diesem von Daniel Fehr getexteten Bilderbuch zeigt einen Hasen, der sich gerade ein Loch gräbt.  Dann fragt ihn ein großer Bär, was er da mache. „Ich grabe ein Loch gegen den Regen“, sagt der Hase und wird sofort vom Bär belehrt. Gegen den Regen brauche man eine Höhle, behauptet er, auf seiner Welterfahrung beharrend. Genauso machen das auch im Verlauf des Buches noch viele andere Tiere. Jeder empfiehlt dem Hasen die Lösung gegen den Regen, die er kennt und praktiziert.

 

Doch der Hase lässt sich nur vorübergehend verwirren, vertraut auf die eigene Stärke und Weisheit, und lässt sich nicht durch das Gerede der anderen von seinem Weg abbringen. Er weiß sicher, was für ihn gut ist. Und als es kurz darauf zu schütten beginnt, stehen die anderen Tiere im Regen und der Hase sitzt trocken in seinem Loch.

 

Ein witziges Bilderbuch mit Hintersinn, den man nach dem Vorlesen mit den Kindern besprechen sollte.

 

 

 

 

 

In der großen Stadt

 

 

 

 

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Richard Scarry, In der großen Stadt, Diogenes 2016, ISBN 978-3-257-01190-6

 

Dieses wunderschöne Bilderbuch ist ein  Klassiker, der in vielen Ländern erschienen ist und nun dankenswerterweise von Diogenes in Zürich wieder aufgelegt wird.

 

1994 zum ersten Mal in New York in den USA veröffentlicht, legt der Diogenes Verlag in Zürich dieses Bilderbuch neu auf. Auf verschiedenen Themenseiten können die Kinder an Tierfiguren nachvollziehen, was es in der Stadt so alles zu sehen und zu erleben gibt. Das Buch erscheint zeitgleich mit einem anderen Klassiker von Richard Scarry, einem Wörterbuch in dem unzählige Dinge und Sachen zweisprachig in Englisch und Deutsch benannt sind.

 

Insbesondere für Kinder, die zweisprachig mit Deutsch und Englisch aufwachsen ist das Buch geeignet. Aber auch für die anderen schadet es sicher nicht, schon vor der Grundschule manche Dinge auch mit einen englischen Wort benennen zu können.

 

Ich hoffe, dass Diogenes noch viele der über 300 Bücher (sie wurden oft in Zeichentrickserien umgesetzt) des 1994 verstorbenen Richard Scarry wieder auflegt.

 

Mit diesen beiden Bilderbüchern jedenfalls werden Ihre Kleinen einen großen Spaß haben. Man kann sich wie in einem Wimmelbuch stundenlang damit beschäftigen.

 

Das Cafe der kleinen Wunder

 

 

 

 

 

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Nicolas Barreau, Das Cafe der kleinen Wunder, Hörbuch Hamburg 2016, ISBN 978-3-86952-336-1

 

Der neue Roman von Nicolas Barreau ( mir ist es gleich, ob das ein Pseudonym ist oder nicht) erzählt wieder einmal von einer jungen Frau, die durch viele Widrigkeiten hindurch ihre Angst und Zurückhaltung überwindet und nicht nur zu sich selbst, sondern auch zu ihrer großen Liebe findet. Barreaus Romane sind für Leser großer „wertvoller“ Literatur sicher wenig geeignet. Aber wer sich, wie der Rezensent, zwischendurch gerne einmal von einem durchaus anspruchsvollen Liebesroman entführen und unterhalten lassen will, findet immer wieder großen Gefallen an ihnen.

 

Der neue Roman mit dem Titel „ Das Cafe der kleinen Wunder“ hat es mir schon von Anfang an angetan, weil Barreau seine Protagonistin, die Philosophiestudentin Nelly, sich mit den Theorien des Franzosen Paul Virilio beschäftigen lässt und sie dem Leser auch auf eine verständliche Weise nahe bringt.

In ihren Professor, ein Virilio-Spezialist, ist sie schon lange heimlich verliebt. Als sie ihre Masterarbeit über Virilio, seine Wissenschaft von der Dromologie und seine Theorie vom Rasenden Stillstand abgibt, will sie ihm seine Liebe gestehen. Doch noch bevor sie einen langen Brief übergibt, erzählt der ihr, dass er ihr die versprochene Stelle nicht geben könne, das er sich in eine italienische Kollegin verliebt habe und nach Italien gehe.

 

Nelly ist am Boden zerstört, kauft sich spontan die begehrte rote Handtasche, an der sie schon tausend Mal vorbeigelaufen ist und flieht in ihre Wohnung. Dort findet sie eine Kiste mit zahlreichen Büchern ihrer verstorbenen Großmutter. In einem der Bücher und auf einem Granatring, den ihr die Großmutter überlassen hat, findet sie eine Gravur, die sie berührt: Amor vincit omnia.  Überzeugt davon, dass ihre Flugangst Schuld daran ist, das ihr Professor mit eben dieser italienischen Wissenschaftlerin nach New York geflogen ist, statt mit ihr, die zunächst eingeladen war,  hebt sie ihr Erspartes ab, mietet sich über das Internet eine Wohnung in Venedig und begibt sich auf sie Suche nach den Spuren dieser Widmung.

Dort trifft sie durch Zufall den Italiener Valentino, der ihr mehrfach aus der Patsche hilft und sich sofort in Nelly verliebt. Doch die zögert und halt ihn für einen Gigolo.

 

Dennoch kommen sie sich näher, erst recht, als Nelly im Cafe von Valentinos Vater sich den Spuren ihrer Großmutter nähert und deren Liebesgeschichte.

 

Als sich Valentino fast zwei Wochen für Nelly ziemlich rar macht, um mit Hilfe von Freunden an einer Riesenüberraschung zu arbeiten, mit der er ihr seine Liebe gestehen will, glaubt Nelly schon das auch bei ihr keimende zarte Pflänzchen verloren. Doch dann muss sie sich ihrer größten Angst stellen…

 

Mit vielen Wendungen, die immer wieder neue Geheimnisse hervorbringen, die dem Leser erst allmählich deutlich werden, erzählt Barreau eine romantische Liebesgeschichte voller wunderbarer Reminiszenzen an die beiden Städte, die immer wieder mit der Liebe in Verbindung gebracht werden: Paris und Venedig.

 

Das von Steffen Groth eingespielte Hörbuch mit seiner ungekürzten Lesung besticht durch ein sehr sensibles Gespür für die einzelnen Personen dieses Buches. Mit einer ganzen Palette voller phantasievoller Stimmakzentuierung macht er dieses schöne Buch zu einem ganz besonderen und seltenes Hörerlebnis.

 

 

 

 

 

Wir

 

 

 

 

 

 

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Dietrich Grönemeyer, Wir. Vom Mut zum Miteinander. Ein Manifest, Ecowin 2016, ISBN 978-3-7110-0109-2

 

Armut, Kriege, Hungersnöte und Terror- man hat den Eindruck, diese Themen beherrschen die Medien in der letzten Zeit mehr als jemals zuvor. Und die Umfragen zeigen, dass auch immer mehr Menschen diese Entwicklungen als eine Bedrohung ansehen für sich und ihre Kinder und Enkel.

 

Der bekannte Arzt und Autor Dietrich Grönemeyer plädiert in dem vorliegenden kleinen Manifest mit dem Titel „Wir. Vom Mut zum Miteinander“ dafür, sich in schwieriger werdenden Zeiten wieder auf das zu besinnen, was alle Menschen verbindet und dabei Herkunft , Hautfarbe, ihre religiösen, philosophischen und kulturellen Vorstellungen außen vor zu lassen.

 

Er fordert das Recht eines jeden Menschen, als einmalige Persönlichkeit respektiert und mit Würde behandelt zu werden. War lange die Zeit die Gesundheit der Menschen sein Hauptthema, geht es ihm nun um das Zusammenleben verschiedener Kulturen, dem Respekt vor der Natur und vor allen Dingen um eine neue Lebenshaltung, mit der jeder Einzelne Eigenverantwortung übernimmt für sein Leben und seine Umgebung. Er schreibt: „Wenn sieben Milliarden Menschen gleichberechtigt und in Würde auf diesem Planeten leben wollen, geht das nur mit Achtung und Respekt voreinander.“

 

Für eine Kultur des Herzens und der Herzlichkeit untereinander wirbt er in einem flammenden Appell, den er mit den Worten schließt:
„Ganz oben auf der Agenda der Menschheit muss stehen: WIR wollen diese EINE WELT, JETZT!“

 

Die Forderung und Aufforderung, den Verstand mit dem Herzen und den wissenschaftlich-technischen Fortschritt mit dem fühlenden Geist zu verbinden, hat mir eingeleuchtet. Ich habe das Buch kurz vor Weihnachten, mitten in Gedanken über die Aktualität der Botschaft der Krippe, gelesen und habe viel Jesuanisches und Neutestamentliches darin gefunden. Ja, es mag naiv sein, aber die Christen aller Zeiten haben dem herrschenden Wahnsinn schon immer nur die Liebe Gottes zu allen Menschen entgegengehalten. Dass so wenige die Botschaft hören wollen, spricht nicht gegen ihre Wahrheit.

Du hättest gehen sollen

 

 

 

 

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Daniel Kehlmann, Du hättest gehen sollen, Rowohlt 2016, ISBN 978-3-498-03573-0

 

Über Daniel Kehlmanns letzte größere literarische Veröffentlichung, den 2013 erschienenen Roman „F“ schrieb ich kurz nach dessen Erscheinen in einer Rezension:

„So weit, so gut. Aus diesem Stoff hätte man vor zwei drei Jahren ein gutes Buch machen können. Aber die Handlungsstränge sind wenig durchdacht, die Zusammenhänge zwischen den jeweiligen Geschichten der drei Brüder, die sich am Ende des Buches auftun, bleiben banal. Auch hier hätte man mehr damit machen können. Niemand entwickelt sich wirklich in diesem Buch. Es herrscht ein immer langweilig werdender Stillstand in einer Umgebung, die doch in permanenter Veränderung ist.

 

Für mich ein erneuter Hinweis darauf, dass dieses Manuskript schon vor langer Zeit begonnen wurde, dann liegen geblieben ist, und nun auf eine auch handwerklich schlechte Weise zu einem unbefriedigenden Abschluss gebracht worden ist.

 

Ich wünsche Daniel Kehlmann von Herzen, dass er dieses Buch schnell hinter sich lassen kann und sich an einen neuen Roman setzt. Vielleicht gibt das Leben als Familienvater und der tägliche Kontakt mit einem Kind neuen Stoff.“

 

Als ich nun sah, dass Daniel Kehlmann ein neues Buch veröffentlicht hat, freute ich mich darauf, war aber schon im ersten Augenblick, als ich es in Händen hielt, enttäuscht. Eine kurze, mit gerade einmal neunzig mit wenig Text beschrieben Seiten dann auch nicht abgeschlossenen Erzählung las ich da, die mich, wenn ich ehrlich bin, erschütterte. Denn der ich-erzählende Schriftsteller, der sich mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter in ein einsam gelegenes Ferienhaus in  den Bergen zurückgezogen hat, gibt ein bemitleidenswertes Zeugnis seiner Unfähigkeit ab, in der Gegenwart auch nur irgendetwas zu schreiben, was einen Sinn machen könnte und legt dem Leser schon bald nahe, in dieser Figur den Autor selbst gespiegelt zu sehen.

 

Es ist mir vollkommen unverständlich, warum die offizielle Literaturkritik in diesen sprachlichen Versatzstücken mit schwachen Reminiszenzen an Stephen King und anderen Autoren große Literatur sieht.  Am ehesten trifft es noch das zurückhaltend höfliche, aber interpretationsfähige Zitat von Sandra Kegel aus der FAZ:

„Die subtil gewirkte Selbstauskunft eines Schriftstellers, dem seine Sache ernst ist.“

 

Ich kann mir Folgendes vorstellen: wenn sich Daniel Kehlmann für zwei Jahre einmal vollständig aus dem offiziellen und internationalen Literaturbetrieb zurückziehen würde, und sich ganz auf einen neuen Roman konzentrieren würde, dann würde er mit Sicherheit an seine früheren literarischen Qualitäten anknüpfen können. Mit dieser Erzählung, die mitten drin abbricht, jedenfalls, hat er sich noch weiter als in „F“ davon entfernt.

 

Das ist sehr schade.

 

 

Die Spionin

 

 

 

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Paulo Coelho, Die Spionin, Diogenes 2016, ISBN 978-3-257-06977-8

 

Mit seinem neuen Roman „Die Spionin“ betritt der Erfolgsautor Paulo Coelho ein vollkommenes Neuland. Er nähert sich in einer teilweise fiktiven Erzählung der Person und dem Leben und Schicksal der Mata Hari, um die sich bis heute ein seltsamer Mythos rankt.

 

Was ihn an dieser Frau so fasziniert hat, dass er ihr ein Buch widmete, das so ganz anders als seine früheren fast völlig auf die spirituelle Dimension verzichtet, ist mir auch durch sein Nachwort nicht ganz ersichtlich geworden.

 

Er lässt Mata Hari, geboren als Margarethe Zelle 1876 in den Niederlanden, kurz vor ihrer Hinrichtung am 15. Oktober 1917 in Vincennes bei Paris einen fiktiven Brief schreiben, den sie an ihren Anwalt richtet und in dem sie relativ sachlich und fast völlig frei von Emotionen versucht, die Wahrheit über ihr Leben und über das, wessen man sie angeklagt hat, zu Wort kommen zu lassen.  Der Anwalt soll diesen Brief dann ihrer Tochter zukommen lassen, wenn sie alt genug dafür ist.

 

Dieser Verteidiger seinerseits kommt am Ende des Buches zu Wort, als er schildert, was er unternommen hat, um sie zu retten.

 

Ohne selbst sich zu positionieren, wird aus der nüchternen Beschreibung Paulo Coelhos deutlich, wie schwer es bis auf den heutigen Tag ist, beim Leben von Mata Hari den Mythos von der Wahrheit zu trennen.

 

Quellennachweise am Ende des Buches dokumentieren, wo sich Coelho informiert hat. Mir persönlich jedoch ist weder klar geworden, was Coelho an dieser historischen Figur so angesprochen hat außer vielleicht ihrem Freiheitsdrang und ihrer selbstbestimmten Sexualität, noch hat mich ihre teilweise fiktive Geschichte wirklich angesprochen.

 

Das Buch bietet eine unterhaltsame Lektüre, aber es fordert nicht zum Nachspüren oder zur Innenschau heraus wie so viele andere eher spirituelle Texte von Paulo Coelho, außer vielleicht bei einem Satz, den Coelho Mata Hari auf Seite 165 in den Mund legt:

„Es musste viel Wasser unter der Brücke meines Lebens hindurchfließen, bis ich begriff, dass die Liebe ein Akt des Vertrauens in einen anderen Menschen ist und ihr Antlitz verhüllt bleiben muss. Die Liebe muss jeden Augenblick gelebt und genossen werden, aber immer, wenn  wir versuchen, sie zu begreifen, verliert sie ihren Zauber.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Weihnachtskarpfen

 

 

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Marit Törnquist, Der Weihnachtskarpfen, Urachhaus 2016, ISBN 978-3-8251-7986-1

 

Der kleine Thomas verbringt in diesem Jahr Weihnachten bei seinem Großvater in Prag. Der ist seit kurzem Witwer und immer noch traurig. Er hofft, dass mit dem Enkel das Fest fröhlicher wird. Die Vorbereitungen nehmen viel Raum ein und so teilen sich Thomas und der Großvater die Einkäufe auf. Der Großvater schleppt den großen Weihnachtsbaum und Thomas kümmert sich ganz allein um den Kauf des traditionellen Karpfens. Aus Angst vor dem scharfen Messer des Fischhändlers trägt Thomas den Karpfen lieber lebendig in der Plastiktüte nach Hause, und passt dabei gut auf ihn auf. Zuhause kippt er den Karpfen ruhig in die volle Badewanne. Er weiß zu dieser Stunde nicht, dass der Fisch Teil eines Menüs werden soll.

 

Der kluge Großvater spürt Thomas Zuneigung zu dem Fisch. Sie verzichten darauf, ihn zu essen entlassen ihn irgendwann in die Moldau und essen stattdessen Plätzchen in Fischform.

 

„Der Weihnachtskarpfen“ ist eine moderne Weihnachtsgeschichte. Hier wird „eine alte Welt und eine neue Einstellung stimmungsvoll lebendig“ nacherzählt und liebevoll illustriert von einem der bekanntesten Mutter-Tochter-Gespanne der Kinder- und Jugendliteratur.