Archiv der Kategorie: Allgemein

Kühn hat zu tun

 

 

 

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Jan Weiler, Kühn hat zu tun, Rowohlt 2016, ISBN 978-3-499-26682-9

 

Dieser Roman von Jan Weiler erzählt von einem ganz normalen Polizisten namens Kühn. Er lebt mit seiner Frau Susanne, seinem Son Niko und seiner Tochter Alina in einem kleinen Haus mit großer Hypothek auf der Weberhöhe. Die Weberhöhe ist eine Neubausiedlung nahe München, die auf einem Gelände gebaut wurde, auf dem vor und während des Zweiten Weltkrieges eine Munitionsfabrik stand.

 

Über deren Geschichte und über ihren Eigentümer Rupert Baptist Weber, und den zweifelhaften Ruf, der ihm nach dem Krieg zu Teil wurde, informiert Jan Weiler seine Leser ganz zu Anfang des Buches. Es ist so etwas wie eine Rahmenhandlung, die aber nicht bis zum Ende fortgeführt wird.

 

Kühn hat auf seiner Dienststelle nette Kollegen, vor allem Steierer, mit dem ihn so etwas wie eine gute Männerfreundschaft verbindet. Was ihn täglich umtreibt, sind die Sorgen um das Geld, denn nach Abzug aller Kosten bleibt ihm nur ein sehr kleiner Restbetrag zum Leben, der hinten und vorne nicht reicht, um die Bedürfnisse und Wünsche seiner Familie  zu befriedigen.

 

Seine Tochter Alina will ein Pferd, sein Sohn redet nicht mit ihm und auch seine Frau verschließt sich ihm immer mehr.  Weiler gelingt es zu Beginn und auch im späteren, immer spannender werdenden Verlauf des Buches ganz hervorragend, die Kultur und das nachbarschaftliche Klima in einer solchen Neubausiedlung, in der alle in schönen Häusern, aber auf erdrückenden Schuldenbergen sitzen, einzufangen und zu beschreiben.

 

Als eines Tages ein alter Mann erstochen auf einem Weg gleich hinter Kühns Garten aufgefunden wird, muss Kühn für eine schwierige Zeit der Ermittlungen versuchen, seine Alltagssorgen zu vergessen, doch auf eine sympathische Weise schleppt er sie andauernd mit in seinem Kopf.

 

Der alte Mann weist ganz eigenartige Schnittwunden auf, die der Täter ihm mit einem scharfen Gegenstand zugefügt hat, nachdem er ihn getötet hatte.   Weiler hat wieder eine Figur erfunden, die dem Leser menschlich ganz nahe kommt, er hat seine Geschichte eingebunden in den normalen Alltag von Kleinbürgern in einer Münchener Vorstadt und seinen ermittelnden Kommissar mit einer Täterstruktur konfrontiert, die Kühn alle ihm zu Verfügung stehende Intuition abfordert und ihn dennoch an die Grenze bringt. Eine Grenze, an der nicht nur den Fall löst mit einem total überraschende Ende, sondern an der er auch Energie gewinnt und Neuanfänge entdeckt in seinen privaten Krisen. Bis zu nächsten ….

 

Sind wir bald da?

 

 

 

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Guido van Genechten, Sind wir bald da. Frosch und Igel auf großer Reise, Annette Betz 2016, ISBN 978-3-219-11693-9

 

Dieses wunderschöne Bilderbuch des belgischen Kinderbuchautors Guido van Genechten hat sein österreichischer Kollege Heinz Janisch ins Deutsche übertragen. Es erzählt von  den beiden Freunden Frosch und Igel, die sehr unterschiedlich sind. Während Frosch sein kleines Dorf noch nie verlassen hat, ist der Igel ein unternehmungslustiger Geselle, der mit seinem roten Auto gerne die Welt erkundet.

 

Eines Tages kommt Igel bei Frosch vorbei und nimmt ihn auf eine Reise mit. Gleich nachdem sie losgefahren sind, weist der Idel auf einen bedeutenden Unterschied hin. Als der Frosch fröhlich sagt: „Wir machen eine Reise“, erwidert der Igel richtigstellend: „Wir sind auf einer Reise.“

 

Sie fahren durch wunderschöne Landschaften und über hohe Berge, durch einen langen Tunnel und eine hohe Brücke bis an das Meer. Immer wieder fragt der Frosch, wann sie denn endlich ankommen, obwohl er sichtlich die Reise mit jeder weiteren Station immer mehr genießt. Und immer wieder antwortet der Igel. „Wir sind auf einer Reise“.

 

Der Frosch lernt immer mehr, das gemeinsame Unterwegssein als solches zu genießen und als nach der Rückkehr im Dorf der Igel dem Frisch eine Muschel schenkt, in der er das Meer hören kann, formulieren beide je eiregenwichtige Erkenntnis. Der Igel sagt, der Frosch habe sich verändert auf dieser Reise und der Frosch hat erkannt, dass er immer auf einer Reise ist.

 

Guido van Genechten hat ein wunderschönes Bilderbuch geschrieben und illustriert über das Unterwegssein mit anderen, das Teilen von neuen Erfahrungen und das Staunen darüber, welche Wunder diese Welt für uns bereithält.

Das Ende der Lebensversicherung

 

 

 

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Michael Grandt, Das Ende der Lebensversicherung, Finanzbuch Verlag 2016, ISBN 978-3-89879-991-1

 

Die Folgen der Finanzkrise, die 2008 begann und deren Auswirkungen noch lange zu spüren sein werden – Rückschläge (siehe Italien) nicht ausgeschlossen – haben die Altersvorsorge und die Lebenssparpläne von Millionen Bürgern über den Haufen geworfen.

 

Die seit Jahren anhaltende und sich wohl auch nicht so bald ändernde Niedrigzinspolitik haben nicht nur das normale Sparen ad absurdum geführt, sondern auch die Renditen von langfristigen Lebensversicherungen so nach unten getrieben, dass es mir manchmal, wenn ich meine jährlichen Berichte der Versicherung anschaue, so vorkommt, als erlebe ich so etwas ähnliches, was meine Großeltern zweimal erleben mussten: die Vernichtung ihres hart erarbeiteten Vermögens.

 

Zwar befeuert die Nullzinspolitik der EZB seit Jahren den privaten Konsum und rettet damit immer wieder ein beachtliches Wachstum und führt zu niedrigen Arbeitslosenzahlen, doch irgendwann sind die Rücklagen, mit denen viele Verbraucher nun Investitionen und Käufe vornehmen, aufgebraucht.

 

Der vorliegende Ratgeber von Michael Grandt, einem überaus erfolgreichen Journalisten und  Autor greift diese Situation  auf und gibt wertvolle Tipps über krisensichere Alternativen zur Lebensversicherung.

In einer von ihm entwickelte 6- Schritte- Strategie erläutert er überzeugend und verständlich, wie man auch mit wenig Geld sich individuelle eine eigene die Rente ergänzenden Altersvorsorge aufbauen kann.

 

Für alle Menschen, die sich Sorgen um ihre Altersvorsorge machen  und die bei der Anlage ihres Geldes (auch wenn es nur wenig sein sollte) kein Risiko eingehen, wollen, ist dieser Ratgeber ein geeigneter Helfer.

 

 

Überall & Nirgends

 

 

 

 

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Bette Westera, Sylvia Weve, Überall und Nirgends, Susanne Rieder Verlag 2016, ISBN 978-3-946100-09-6

 

Ein wirklich außergewöhnliches Buch ist hier anzuzeigen, das der kleine Susanne Rieder Verlag für das deutsche Publikum zugänglich gemacht hat. Es ist gedacht für Kinder ab etwa acht Jahren und beschäftigt sich mit dem Thema Sterben und Tod, mit Begräbnis-und Trauerritualen, aber es erzählt auch immer wieder vom Leben, das jeweils einzigartige Lebern, das mit dem Tod zu Ende geht und das Leben, das die Zurückgebliebenen weiter leben müssen und auch können.

 

Das Besondere an den Texten von Bette Westera ist, dass sie in Gedichtform verfasst sind. Für den Übersetzer Rolf Erdorf, der sie aus dem Niederländischen übertragen hat, sicher eine große Herausforderung, die er aber mit Bravour gemeistert hat. Viele Facetten hat der Tod und zahlrieche davon werden mit Gedichten angesprochen. Der Tod wird in seiner Alltäglichkeit begreifbar.

Es sind Gedichte zu ganz verschiedenen Anlässen und Situationen, denen Kinder und Erwachsene begegnen können, Gedichte, die langsam erst wirken, mehrmals gelesen oder vorgelesen werden sollten.

 

Auch die Illustrationen von Sylvia Weve sind nicht sofort eingängig, auch sie wollen „gelesen“ und verstanden werden.

 

In den Niederlanden hatte dieses Buch einen großen Erfolg und wurde mit dem Preis des besten Kinder- und Jugendbuchs ausgezeichnet. Vielleicht hat es ja in Deutschland einen ähnlichen Erfolg. Dem kleinen Susanne Rieder Verlag wäre es zu wünschen.

 

 

 

Das Cafe der kleinen Wunder

 

 

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Nicolas Barreau, Das Cafe der kleinen Wunder, Thiele Verlag 2016, ISBN 978-3-85179-368-0

 

Der neue Roman von Nicolas Barreau ( mir ist es gleich, ob das ein Pseudonym ist oder nicht) erzählt wieder einmal von einer jungen Frau, die durch viele Widrigkeiten hindurch ihre Angst und Zurückhaltung überwindet und nicht nur zu sich selbst, sondern auch zu ihrer großen Liebe findet. Barreaus Romane sind für Leser großer „wertvoller“ Literatur sicher wenig geeignet. Aber wer sich, wie der Rezensent, zwischendurch gerne einmal von einem durchaus anspruchsvollen Liebesroman entführen und unterhalten lassen will, findet immer wieder großen Gefallen an ihnen.

 

Der neue Roman mit dem Titel „ Das Cafe der kleinen Wunder“ hat es mir schon von Anfang an angetan, weil Barreau seine Protagonistin, die Philosophiestudentin Nelly, sich mit den Theorien des Franzosen Paul Virilio beschäftigen lässt und sie dem Leser auch auf eine verständliche Weise nahe bringt.

In ihren Professor, ein Virilio-Spezialist, ist sie schon lange heimlich verliebt. Als sie ihre Masterarbeit über Virilio, seine Wissenschaft von der Dromologie und seine Theorie vom Rasenden Stillstand abgibt, will sie ihm seine Liebe gestehen. Doch noch bevor sie einen langen Brief übergibt, erzählt der ihr, dass er ihr die versprochene Stelle nicht geben könne, das er sich in eine italienische Kollegin verliebt habe und nach Italien gehe.

 

Nelly ist am Boden zerstört, kauft sich spontan die begehrte rote Handtasche, an der sie schon tausend Mal vorbeigelaufen ist und flieht in ihre Wohnung. Dort findet sie eine Kiste mit zahlreichen Büchern ihrer verstorbenen Großmutter. In einem der Bücher und auf einem Granatring, den ihr die Großmutter überlassen hat, findet sie eine Gravur, die sie berührt: Amor vincit omnia.  Überzeugt davon, dass ihre Flugangst Schuld daran ist, das ihr Professor mit eben dieser italienischen Wissenschaftlerin nach New York geflogen ist, statt mit ihr, die zunächst eingeladen war,  hebt sie ihr Erspartes ab, mietet sich über das Internet eine Wohnung in Venedig und begibt sich auf sie Suche nach den Spuren dieser Widmung.

Dort trifft sie durch Zufall den Italiener Valentino, der ihr mehrfach aus der Patsche hilft und sich sofort in Nelly verliebt. Doch die zögert und halt ihn für einen Gigolo.

 

Dennoch kommen sie sich näher, erst recht, als Nelly im Cafe von Valentinos Vater sich den Spuren ihrer Großmutter nähert und deren Liebesgeschichte.

 

Als sich Valentino fast zwei Wochen für Nelly ziemlich rar macht, um mit Hilfe von Freunden an einer Riesenüberraschung zu arbeiten, mit der er ihr seine Liebe gestehen will, glaubt Nelly schon das auch bei ihr keimende zarte Pflänzchen verloren. Doch dann muss sie sich ihrer größten Angst stellen…

 

Mit vielen Wendungen, die immer wieder neue Geheimnisse hervorbringen, die dem Leser erst allmählich deutlich werden, erzählt Barreau eine romantische Liebesgeschichte voller wunderbarer Reminiszenzen an die beiden Städte, die immer wieder mit der Liebe in Verbindung gebracht werden: Paris und Venedig.

 

 

 

 

Bühlerhöhe

 

 

 

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Der neue Roman von Brigitte Glaser führt den Leser zurück in das Jahr 1952 in ein heute leerstehendes und seiner exklusiven Wiedereröffnung harrendes Luxushotel auf der Bühlerhöhe im Schwarzwald. Die Bühlerhöhe war in den fünfziger Jahren die Sommerresidenz des damaligen deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer. Auch in dem in  der Nähe befindlichen, nicht ganz so luxuriösen Hotel Hundseck wurde er regelmäßig zu einem zünftigen Frühschoppen empfangen.

 

Die Stiefmutter der Autorin, Hildegard Glaser, hat als junge Frau in diesem mittlerweile angerissenen Hotel Hundseck gearbeitet und mit ihren ausführlichen Erzählungen Brigitte Glaser zu der Idee zu diesem Roman gebracht.

 

Es geht in „Bühlerhöhe“ um die Debatte um die Wiedergutmachung an Israel, um den Widerstand radikaler jüdischer Gruppen dagegen und im Hintergrund um die Themen der Alija und der Remigration. Und es geht um zwei erfundene Frauenfiguren.

Die eine heißt Rosa Silbermann, ist rechtzeitig vor dem Holocaust nach Israel emigriert und lebt dort mit einem kleinen Sohn in einem Kibbuz. Der Rest ihrer Familie ist ausgelöscht. Der Vater des Sohnes, ein Musiker, der nicht geschaffen war für das Leben in einem Kibbuz, hat Israel wieder verlassen und ist nach Deutschland zurückgekehrt.

 

Ihm wird Rosa Silbermann wieder begegnen, als sie einen Auftrag ausführt, den sie vom israelischen Mossad erhält, der sie zunächst gegen ihren Widerstand, für eine Mission gewinnt. Wegen der in Israel sehr umstrittenen Wiedergutmachung, hat der Mossad Informationen, dass die Irgun während der Sommerfrische Konrad Adenauers auf der Bühlerhöhe ein Attentat auf ihn plant.

 

Rosa soll nun mit einem Mossadkollegen Adenauer in Absprache mit dessen Sicherheitschef beschützen. In Tanger bereitet sie sich auf ihren Auftrag und erregt, auf der Bühlerhöhe angekommen, sogleich den Verdacht der zweiten großen Frauenfigur in diesem Roman. Sie heißt Sophie Reisacher, ist die allwissende und intrigante Hausdame des Hotels Bühlerhöhe. Sie spürt sofort, dass irgendetwas an dem jüdischen gast nicht stimmt. Auch ihrem vorm und nach dem Krieg wechselhaften Schicksal und ihren Träumen von einem Eheleben mit einem reichen und einflussreichen Mann gibt Brigitte Glaser Raum. Und auch der jungen Hotelangestellten Agnes, einem einfachen Mädchen aus einem der Nachbardörfer, die gegen ihren Willen im Verlauf einer wie in einem Thriller erzählten Handlung. Alle diese Frauen haben im Krieg furchtbare Traumata erlitten und versuchen, jede auf ihre Weise damit zurecht zu kommen. Weiter treten auf die ganze Entourage des Kanzlers und ein Haufen von Waffenlobbyisten, die in der aufkommenden Wiederbewaffungsdebatte und Adenauers Politik der eindeutigen Westbindung der jungen Bundesrepublik ihre neue Chance wittern.

 

Dem gelungene Roman gelingt eine sehr gute Mischung aus dem Porträt zweier starker Frauen und ihren Lebensgeschichten und – träumen und einer spannenden Handlung auf dem Hintergrund der innenpolitischen Debatten der frühen fünfziger Jahre in der BRD, die die meisten der heutigen Leser nicht selbst miterlebt haben.

 

Ein Glossar im Anhang mit der Erläuterungen von vielen Begriffen aus der deutschen und israelischen Geschichte hilft bei der Orientierung in einem Roman, den ich gerne weiterempfehle. Er informiert über eine wichtige und den meisten Lesern unbekannte Zeit und ist sehr unterhaltend und spannend zugleich.

 

 

 

 

Ich bin nicht müde, Mama Bär

 

 

 

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Amy Hest, Lauren Tobia, Ich bin nicht müde, Mama Bär, Annette Betz 2016, ISBN 978-3-219-11709-7

 

Es ist Winter und es schneit seit vielen Stunden. Doch als Zeit ist am Abend zu Bett zu gehen, kann die kleine Mia Bär nicht einschlafen. Sie steht am Fenster und schaut den Schneeflocken zu. Ihre Mama Bär ist sehr verständnisvoll. Sie macht schnell noch ein paar Toasts mit Zimt und geht nach oben in das Zimmer ihrer Tochter. Sie setzt sich neben sie in einen Sessel und versucht ihr zu erklären, dass Bären im Winter schlafen müssen. Die Bärenkinder ebenso wie die Bärenmütter.

 

Doch Mia Bär will nicht. Viele Dinge, die sie ihrer Mutter nacheinander benennt, werden ihr fehlen. Die Mutter betrachtet sie alle mit ihr. Den Mond, die Sterne, ja sie geht sogar noch einmal mit raus in den Schnee, wo sie miteinander vom allerhöchsten Hügel hinunterpurzeln.

 

Langsam wird Mia wirklich müde. Und als die Mama Bär ihr versichert, alles was sie so liebt, auch sie selbst, werde im Frühling noch da sein, da kann Mia in den Armen ihrer Mutter gut einschlafen.

 

Alles wird beim Aufwachen so sein, wie vorher. Genau wie bei dem kleinen Kind, dem man dieses schöne Gute-Nacht-Buch vorliest, und das vielleicht Angst davor hat, einzuschlafen.

Mein allerschönstes Wörterbuch

 

 

 

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Richard Scarry, Mein allerschönstes Wörterbuch, Diogenes 2016, ISBN 978-3-257-01190-6

 

Dieses wunderschöne Bilderbuch ist ein  Klassiker, der in vielen Ländern erschienen ist und nun dankenswerterweise von Diogenes in Zürich wieder aufgelegt wird.

 

1963 zum ersten Mal in Wisconsin in den USA veröffentlicht, erschienen in verschiedenen Verlagen in den Siebzigern und Achtzigern des vergangenen Jahrhunderts deutsche Ausgaben. Deshalb werden nicht nur die Kinder, die in den letzten Jahren geboren sind, sich über dieses zweisprachige Wörterbuch freuen, sondern auch ihre Eltern, die vielleicht selbst als Kind mit diesen tollen Zeichnungen ihren Wortschatz auf Deutsch und Englisch erweitert haben.

 

Die Kinder können einen kleinen Bär begleiten, der zu Hause und auf vielen Ausflügen viele Dingen erlebt und sieht. Die Sachen und Gegenstände sehen natürlich alle so aus, wie sie vor über 60 Jahren aussahen, aber das gibt dem Buch heute einen ganz besonderen Charme.

 

Insbesondere für Kinder, die zweisprachig mit Deutsch und Englisch aufwachsen ist das Buch geeignet. Aber auch für die anderen schadet es sicher nicht, schon vor der Grundschule manche Dinge auch mit einen englischen Wort benennen zu können.

 

Ich hoffe, dass Diogenes noch viele der über 300 Bücher (sie wurden oft in Zeichentrickserien umgesetzt) des 1994 verstorbenen Richard Scarry wieder auflegt.

 

Mit diesem Wörterbuch jedenfalls werden Ihre Kleinen einen großen Spaß haben. Man kann sich wie in einem Wimmelbuch stundenlang damit beschäftigen.

Im Vertrauen weitergehen

 

 

 

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Ellen Nieswodiak-Martin (Hg.), Im Vertrauen weitergehen. Wahre Geschichten, die Mut machen, Lydia Verlag 2016,ISBN 978-3-95734-143-3

 

Ellen Nieswodiak-Martin, die Herausgeberin dieses ermutigenden Buches, hat über die christliche Zeitschrift Lydia, in der Frauen offen darüber erzählen, wie sie Schwierigkeiten und Ängste überwinden, wie sie Gott begegnen und dabei Erstaunliches erleben, Hunderte von Zuschriften erhalten in der Vergangenheit.

 

Unter folgenden thematischen Überschriften hat sie insgesamt 36 davon in einem Buch zusammengefasst mit „wahren Geschichten, die Mut machen“:

  • Wenn ich Angst und Sorgen habe
  • Wenn es anders läuft als geplant
  • Wenn Gott mich überrascht
  • Wenn alles aussichtslos erscheint
  • Wenn ich Schritte ins Ungewisse gehe
  • Wenn ich krank bin
  • Wenn ich mich einsam fühle
  • Wenn ich Angst vor der Zukunft habe
  • Wenn das Leben schwer zu ertragen ist

 

So unterschiedlich die Frauen sind, die da über ihre Erfahrungen mit Gott in ihren Lebenskrisen  berichten, so unterschiedlich ist auch ihre Sprache. Dies zeigt auf eine berührende Weise, wie reich und vielfältig das Leben ist und wie unterschiedlich und einzigartig jeder Mensch geschaffen ist.

 

Es sind Geschichten, wie sie das Leben schreibt, das Leben, das manchmal hart ist und schwer. Die Frauen, die sie erzählen, brechen ihr Schweigen darüber und helfen anderen, es ihnen nachzutun und den Spuren Gottes mitten im Leid, der Einsamkeit, Krankheit und Dunkelheit der Seele zu folgen.

 

Hier wird bis auf Ausnahmen nicht erzählt von spektakulären Wundern, sondern von der erschütternden Erkenntnis, das uns Gott gerade da begegnet, wo ihn nicht vermuten. Vertrauen auf seine Gegenwart und Hilfe  mitten im „finsteren Tal“ (Psalm 23) verheißt auch der Segenswunsch von Ruth Heil, der auf Seite 95 abgedruckt ist, der auf wunderbare Weise beschreibt, wie Gottes Beistand und Segen unsere Kraft für Veränderung und Wandel ermächtigt und uns hilft, neue Lebenswege zu gehen:

 

„Möge Gott dir Weisheit schenken

bei allen Entscheidungen.


Möge er dir Entschlusskraft schenken,

neue Wege einzuschlagen.


Möge er dir das Vertrauen geben,

dass er einen Weg für dich schaffen kann.“

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Kind der Anderen

 

 

 

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Bethan Roberts, Das Kind der anderen, Kunstmann 2016, ISBN 978-3-95614-121-8

 

Bethan Roberts erzählt in ihren zutiefst verstörenden Romanen meist von einfachen Menschen und ihren Wünschen und Träumen, vor allem aber von ihrer Angst, das zu verlieren, was sie haben.

 

Genau wie in „Stille Wasser“, obwohl sie auch dort das Ende ganz am Anfang erzählt, wird auch ihr neuer Roman „Das Kind der Anderen“ zu einem wahren Psychothriller, spannend bis zur letzten Seite mit einem Psychogramm einer ganz normalen Familie in einem ganz normalen Leben, das, ohne eine entsprechende Sprache dafür zu finden, von Anfang bis zum bitteren Ende erfüllt ist von einer tiefen und weitreichenden Sehnsucht nach eben diesem Leben.

 

In ihrem  neuen Buch erzählt sie von der jungen, aber einsamen Maggie Wichelo. Sie arbeitet als Nanny bei ihrer Kusine Nula, die nachdem ihr Sohn Samuel zwei Jahre alt geworden ist, wieder arbeiten geht und die Betreuung ihrer Kusine anvertraut hat. Nula und ihr Mann hätten keine bessere Betreuung für ihr Kind finden können.

 

Doch heute, und mit dieser Entscheidung beginnt das Buch, wird Maggie Samuel entführen. Sie wird ihn mitnehmen in ein altes Bootshaus auf der walisischen Insel Anglesey. Dort, so erzählt der Roman in vielen Rückblicken, ist es, wo Maggies lange Geschichte beginnt. Eine Geschichte, in der auch ihre Kusine Nula eine wichtige Rolle spielt, eine dramatische Geschichte, die erzählt von Liebe und Verlust, dem verzweifelten Versuch einer jungen Frau ihr in tausend Stücke zerbrochenes Leben wieder zusammenzuführen.

 

Bethan Roberts verwebt im Wechsel Vergangenheit und Gegenwart zu einer spannenden Handlung. Langsam wird deutlich, warum Maggie den kleinen Samuel entführt und welchen Plan sie eigentlich verfolgt.

 

Aber sie beschreibt nicht nur Maggies Erleben, sondern sie versetzt sich auch einfühlsam in die Gefühlswelt einer jungen Mutter, die unter postnatalen Depressionen leidet und ihr Kind manchmal als eine Belastung erlebt.

 

In einem wie ein Thriller geschriebenen Drama entfaltet sie die Psychodynamik einer Familie mit ihren unterdrückten Gefühlen, Eifersucht, Verletzungen, Unterlassungen und Taten.

 

Man kann kaum aufhören mit dem Lesen, denn immer wieder neue Wendungen, die Bethan Roberts dem Leser offenbart, erzählen von einer Vergangenheit, in der all die gegenwärtigen Konflikte ihren Ursprung haben.

 

Leider wird Bethan Roberts, deren Romane bei Kunstmann in München erscheinen, von der Kritik und von den Lesern noch nicht so wahrgenommen, wie es ihrer literarischen Leistung gebühren würde.