Archiv der Kategorie: Allgemein

Montreal privat

 

 

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Uwe Karte, Montreal privat, Verlag Die Werkstatt 2016, ISBN 978-3-7307-0301-4

 

Im Jahr 1976, als die damalige Fußballmannschaft der DDR in Montreal ihren überraschenden und überzeugenden Olympiasieg errang, da blieb die Resonanz im Westen schwach. Dennoch war dieser Sieg für die DRR nicht weniger bedeutend als der Gewinn der Weltmeisterschaft der bundesdeutschen Nationalmannschaft zwei Jahre zuvor.

 

Wie das junge Fußballes in der damaligen DDR erlebten und wie sie diese Ausnahmemannschaft feierten, beschreibt Matthias Sammer in dem Vorwort zu diesem Band, der die Geschichte dieser Mannschaft und ihres Trainers erzählt. Matthias hat wenige Jahre später in Dresden noch mit vielen dieser alten Kämpen zusammen gespielt und war für beide Teams im Osten und im Westen nach der Wende erfolgreich.

 

Der Titel erklärt sich aus der Tatsache, dass die Spieler dem Autor des Buches viele Fotos aus ihrer Privatsammlung zur Verfügung stellten und ihm auch etliche Anekdoten und Episoden schilderten, mit denen Uwe Karte sein Buch gewürzt hat.

 

Insbesondere für ältere Fußballfans in den östlichen Bundesländern ist dies Buch wichtig, und sie sollten es in ihrem Regal stehen haben.

Zehn kleine Burggespenster gingen auf die Reise

 

 

 

 

 

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Susanne Göhlich, Zehn kleine Burggespenster, Orell Füssli 2016, ISBN 978-3-280-03518-4

 

In vielen Fassungen begegnet der klassische Zähl- und Reimspaß von „zehn kleinen….“  seit Jahrzehnten Kindern als erste Begegnung mit den Zahlen von 1 bis 10.

 

Susanne Göhlich hat passend zum Herbst und der Zeit von Halloween und Novembernebeln zehn kleine Burggespenster gewählt und lustig gezeichnet, die sich von der Scheune ihrer Burg, in der sie schlafen, nach dem Weckerklingen auf den Weg machen.

 

Sie machen Sachen und unternehmen Dinge, die Kinder auch kennen, und jedes Mal bleibt eines zurück. Doch es endet gut:

„1 kleines Burggespenst blieb nicht lang allein. Kurz vor Sonnenuntergang trafen alle wieder ein.“

 

Ein lustiger Spaß mit Gespenstern, die sympathisch sind und einem keine Angst machen.

 

Zeit für mich, Zeit für Gott

 

 

 

 

 

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Christoph Kreitmeier, Zeit für mich, Zeit für Gott, Gütersloher Verlagshaus 2016, ISBN 978-3-579-08535-7

 

Dass die Adventszeit in früheren Zeiten eine Zeit der Stille und des Fastens war, ist heutzutage völlig vergessen gegangen. Tatsächlich ist die Zeit des Wartens auf die Ankunft des Christus eine Zeit, die die meisten Menschen als die hektischste im Jahresablauf bezeichnen würden.

Nicht nur dass einem in den Städten schon ab Mitte November der Kauf von Geschenken regelrecht aufgedrückt wird, auch in den Firmen stellt sich im Dezember eine seltsame, in den meisten Fällen völlig unbegründete Hektik ein, die von oben nach unten alle Mitarbeiter erfasst. Was da alles noch vor Jahresende fertig sein muss!

 

Viele Menschen übernehmen dieses Verhalten in ihr privates Leben, hetzen von einem Termin zum anderen, den sie sich meist selbst gesetzt haben, weil sie dies oder das noch unbedingt im alten Jahr glauben erledigen zu müssen. Eine Weihnachtsfeier, die im Übrigen sich in nichts von anderen Feiern mehr unterscheiden, jagt die andere. Sich mit einem Freund oder einer Freundin im Advent einfach mal so zu treffen, ist ein Ding der Unmöglichkeit.

 

Die Zeit der Stille hat sich in eine Zeit der Hektik verwandelt. Dem will sich dieses kleine Büchlein des Paters Christoph Kreitmeier entgegenstellen. Wer es kauft, geschenkt bekommt oder es vielleicht auch selbst verschenkt, erhält oder vergibt so etwas wie „Seelennahrung für Advent und Weihnachten“.

 

Aufgebaut wie ein klassischer Adventskalender, enthält das Buch für jeden Tag dieser bedeutenden Zeit Texte, Gebete, Gedichte, Übungen und Fragen zum Nachdenken.

 

Nach den Texten jeden Tages gibt der Autor Hinweise zum Weiterlesen, Musikbeispiele und Linktipps aus dem Internet. Ich bin sicher, wer sich in der kommenden Adventszeit für dieses Buch jeweils 30- 60 Minuten Zeit am Tag gönnt und schenkt, wird diese Zeit entschleunigen und das Fest der Geburt Christi anders erleben als bisher.

 

Ein wunderschönes Geschenk, das Sie bitte noch im November machen sollten.

Denkweg

 

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Bertram Weisshaar, Denkweg, Ookom 2016, ISBN 978-3-86581-827-0

 

Unsere Welt wird immer schneller, und die Menschen sind in ihr auch immer schneller unterwegs. Unter den Stichworten „Entschleunigung“ und „Achtsamkeit“ hat in den letzten  Jahren das Gehen, das Wandern und das Pilgern eine Renaissance erfahren. Viele Menschen sind unterwegs auf ihren eigenen Füßen, werden wachsam für das, was sie umgibt und deshalb auch immer mehr für das, was sie in ihrem Inneren mit auf den Weg nehmen. Nicht immer lassen sie es dort, aber beim Gehen wird es ihnen klarer und so kommen sie oft „mit leichtem Gepäck“ wieder zurück.

 

In dieser Tradition hat der Spaziergangsforscher (er nennt sich wirklich so) einen neuartigen Wanderweg entworfen, den er „Denkweg“ nennt und den er als (um)weltlichen Pilgerweg konzipiert hat. In dem vorliegenden Buch beschreibt er ausführlich dieses Konzept und nimmt den Leser mit auf einen solchen Weg, der ihn von Aachen bis nach Zittau geführt hat.

 

Es geht ihm darum, die Fülle an Schönheit und Widersprüchlichkeit, die ihm begegnen, zu erfassen und sie als ein Ganzes zu denken.

 

Ein interessanter säkularer Ansatz des traditionellen Pilgerns.

Wir leben alle unter demselben Himmel

 

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Manfred Mai, Wir leben alle unter demselben Himmel. Die 5 Weltreligionen für Kinder, Der Hörverlag 2016, ISBN 978-3-8445-2359-1

 

Das vorliegende Buch des bekannten Kinder- und Jugendbuchautors Manfred Mai will Kindern im Alter ab etwa 10 Jahren einen leicht verständlichen ersten Überblick über die fünf großen Weltreligionen geben. Nicht erst seit im letzten Jahr über eine Million meist arabisch-moslemische Flüchtlinge in unser Land gekommen sind, darunter sehr viele Kinder und Jugendliche, wird die Notwendigkeit offenbar, mehr voneinander zu wissen, kennenzulernen und zu verstehen.

 

Anders als für viele heutigen deutschen Kinder ist für die moslemischen Kinder und ihre Eltern ihre Religion das entscheidende Merkmal ihrer Identität und für sie von immenser Bedeutung. Deshalb ist gerade das Kapitel über den Islam in diesem Buch so wichtig. Aber auch die Kenntnisse über die eigene Religion, das Christentum und seine Wurzeln im Judentum  sind heute so schwach vorhanden, das auch diese Kapitel wichtig sind nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene, denen man dieses Buch genauso empfehlen kann.

 

Es erzählt von der Entstehung und der Geschichte der verschiedenen Konfessionen, von ihren zentralen Glaubensinhalten, ihren Ritualen, Festen und Symbolen. Immer wieder wird auf Gemeinsamkeiten hingewiesen, aber auch die Unterschiede werden festgehalten.

Ziel ist es zu erkennen, dass die großen Religionen viel mehr gemeinsam haben, als man denkt. Wenn Schüler das im Hinblick auf ihren andersgläubigen Mitschüler oder Nachbarn erkennen, sind die ersten Schritte zu einer gegenseitigen Achtung schon gemacht.

 

 

Das gut aufgebaute und mit Illustrationen von Marine Ludin bebilderte Buch eignet sich auch hervorragend zum Einsatz im Religions- oder Ethikunterricht in der Sekundarstufe I.

 

Die hier anzuzeigende Hörbuchfassung kann Kinder und Jugendliche ansprechen, die nicht so gerne lesen, eignet sich aber auch hervorragend zum gemeinsamen Hören in der Familie und in ausgewählten Abschnitten sicher auch in der Schule.

 

Der Nussknacker

 

 

 

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E.T.A. Hoffmann, Lisbeth Zwerger, Der Nussknacker, NordSüd 2016, ISBN 978-3-314-10354-4

 

Über 35 Jahre, nachdem die Künstlerin Lisbeth Zwerger 1980 am Anfang ihrer Karriere zum ersten Mal das hier vorliegende Märchen von E.T.A. Hoffmann illustriert hatte, versucht sie es mit dieser gekürzten, in seinem Humor, seiner Fantastik und Lautmalerei aber so gut es ging erhaltenen Form, noch ein zweites Mal.

 

Die Künstlerin tritt sozusagen mit sich selbst in Konkurrenz. Da die alten Ausgaben alle noch erhältlich sind, kann man vergleichen und feststellen: Lisbeth Zwerger hat sich – wieder einmal- selbst übertroffen.

 

Ein wunderschönes und faszinierendes Buch für kleine und große Märchenfreunde.

Der Garten von Hermann Hesse

 

 

 

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Eva Eberwein, Der Garten von Hermann Hesse, DVA 2015, ISBN 978-3-421-04034-3

 

Wenig bekannt ist vielen Liebhabern der Bücher von Hermann Hesse, dass er ab 1907, nachdem er ein Haus mit Grundstück in Gaienhofen am Bodensee gekauft hatte und dessen Grundfläche durch weitere Grundstückskäufe vergrößerte in den folgenden Jahren, sich dort einen Garten anlegte mit Obstbäumen, Sträuchern, Gemüsebeeten und Blumen.

Bis 1912, als die Familie Hesse nach Bern zog und Haus und Garten in Gaienhofen verkaufte, investierte der Schriftsteller viel Zeit in die Gestaltung dieses Gartens. An späteren Wohnorten übernahm er jeweils Gärten zu den Häusern, die er bewohnte, und gestaltete sie lediglich um.

 

Dennoch hat Hermann Hesse fast die Hälfe seine Lebens in einem eigenen Garten sich von seiner schriftstellerischen Arbeit erholt.

 

Nach mehrfachen Besitzerwechseln zwischen 1912 (am Ende des Buches gut dokumentiert) kaufte die Autorin des vorliegenden Bandes, Eva Eberwein zusammen mit ihrem Mann das Anwesen mit dem Ziel, den ehemaligen Garten von Hermann Hesse wiederherzustellen.

 

Seit 2009 ist der Garten für die Öffentlichkeit geöffnet und Führungen durch Eva Eberwein können gebucht werden.

 

Die Fotografien von Ferdinand Graf von  Luckner geben ein eindrucksvolles Zeugnis von diesem wunderbaren Kleinod der Natur.

 

Für Freunde der Bücher von Hermann Hesse ist dieser auch mit historischen Fotos versehen Band eine weitere Ergänzung seiner Biographie.

 

 

Was ich noch weiß

 

 

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Diane Broeckhoven, Was ich noch weiß, C.H. Beck 2016, ISBN 978-3-406-69678-7

 

Ihre Bücher „Ein Tag mit Herrn Jules“ (2006), „Eine Reise mit Alice“ (2008), Herrn Sylvains verschlungener Weg zum Glück“ (2008) und insbesondere das theologisch schwergewichtige Buch „Kreuzweg“ (2012) habe ich jeweils mit großer innerer Anteilnahme gelesen. Diane Broeckhovens kurze, aber mit viel Herzenswärme und Einfühlungsvermögen geschriebene Romane machen mit einer nüchternen und einfachen Sprache die verschlungene und reiche Innenwelt ihrer jeweiligen Protagonisten auf eine selten gelesene Weise lebendig.

 

So ist es auch in ihrem neuen Buch. In „Was ich noch weiß“ erzählt Diane Broeckhoven von einem komplizierten Mutter-Sohn-Verhältnis, von Liebe und Abwendung, von Vertrauen und Verrat und von der Möglichkeit der Versöhnung mit dem, was gewesen ist.

 

Als die Hausfrau und Mutter von drei Kindern Manon eines Tages von ihrem Mann verlassen wird, der eine jüngere Frau kennengelernt und mit ihr noch ein Kind gezeugt hat, ist sie über Nacht auf sich allein gestellt. Von 1987 bis zum Jahr 2009 erzählen Manon und ihr Sohn Peter die lange und schwierige Geschichte ihrer Beziehung. Als Peter mit seinem Opa, der nur PP genannt wird, bei einem Urlaub in der Toskana, zu dem ihn sein Großvater eingeladen hat, das Verhalten des alten Mannes auffällig findet, offenbart sich ihm kurz nach der Heimkehr die Aufklärung: seine Mutter Manon hatte mit PP nach dem Tod der Schwiegermutter einer kurze Affäre.

Voller Entrüstung zieht der junge Peter aus und geht zu seinem Vater, ohne dass er seiner Mutter die Möglichkeit gegeben hätte, ihr Verhalten zu erklären.

 

Lange Jahre später, Peter will gerade mit seiner Frau nach Japan gehen, erleidet Manon einen Schlaganfall und Peter legt seine Auslandspläne zunächst auf Eis, um seiner Mutter beizustehen. Die wiederum kann mit der Pflege und dem Beistand ihrer Kinder und ihres früheren Ehemanns, den seine junge Frau verlassen hat, langsam genesen und beginnt „was ich noch weiß“ aufzuschreiben. Und schlussendlich findet sie auch ihren roten Ohrensessel wieder, den Peter nach ihrem Schlaganfall verkauft hatte, als er Manons Haushalt auflöste.

 

Sehr warmherzig erzählt, ist Diane Broeckhovens neues Buch ein erneutes Zeugnis von der Fähigkeit von Menschen, zu lieben und immer wieder neu miteinander anzufangen.

 

 

Wir leben alle unter demselben Himmel

 

 

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Manfred Mai, Wir leben alle unter demselben Himmel. Die 5 Weltreligionen für Kinder, Hanser 2016, ISBN 978-3-446-25300-1

 

Das vorliegende Buch des bekannten Kinder- und Jugendbuchautors Manfred Mai will Kindern im Alter ab etwa 10 Jahren einen leicht verständlichen ersten Überblick über die fünf großen Weltreligionen geben. Nicht erst seit im letzten Jahr über eine Million meist arabisch-moslemische Flüchtlinge in unser Land gekommen sind, darunter sehr viele Kinder und Jugendliche, wird die Notwendigkeit offenbar, mehr voneinander zu wissen, kennenzulernen und zu verstehen.

 

Anders als für viele heutigen deutschen Kinder ist für die moslemischen Kinder und ihre Eltern ihre Religion das entscheidende Merkmal ihrer Identität und für sie von immenser Bedeutung. Deshalb ist gerade das Kapitel über den Islam in diesem Buch so wichtig. Aber auch die Kenntnisse über die eigene Religion, das Christentum und seine Wurzeln im Judentum  sind heute so schwach vorhanden, das auch diese Kapitel wichtig sind nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene, denen man dieses Buch genauso empfehlen kann.

 

Es erzählt von der Entstehung und der Geschichte der verschiedenen Konfessionen, von ihren zentralen Glaubensinhalten, ihren Ritualen, Festen und Symbolen. Immer wieder wird auf Gemeinsamkeiten hingewiesen, aber auch die Unterschiede werden festgehalten.

Ziel ist es zu erkennen, dass die großen Religionen viel mehr gemeinsam haben, als man denkt. Wenn Schüler das im Hinblick auf ihren andersgläubigen Mitschüler oder Nachbarn erkennen, sind die ersten Schritte zu einer gegenseitigen Achtung schon gemacht.

 

Das gut aufgebaute und mit Illustrationen von Marine Ludin bebilderte Buch eignet sich auch hervorragend zum Einsatz im Religions- oder Ethikunterricht in der Sekundarstufe I.

Montecristo

 

 

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Martin Suter, Montecristo, Diogenes 2016, ISBN 978-3-257-24366-6

 

Jonas Brand, der junge Protagonist von Martin Suters neuem Roman, ist ein mäßig erfolgreicher freischaffender Videojournalist. Er träumt davon, irgendwann richtige Filme zu machen und sein schon jahrelang in ihm reifendes Projekt „Montecristo“ hat, wie er findet, das Zeug zu einem Blockbuster.

 

Seiner neuen Freundin Marina Ruiz erklärt er den Plot so: „Ein junger Mann hat eine Dotcom-Firma gegründet, mit der er Millionen macht. Während seiner Ferien in Thailand wird ihm eine große Menge Heroin ins Gepäck geschmuggelt. Er wird erwischt und kommt als Dealer ins Gefängnis. Der Fall erregt Aufsehen in seiner Heimat, aber als seine drei Geschäftspartner, die sein Anwalt als Zeugen bestellt hat, ihn überraschend belasten, verliert die Öffentlichkeit das Interesse. Der Mann bekommt lebenslänglich und verschwindet in einem der berüchtigten Gefängnisse Thailands. Seine Geschäftspartner  erhalten die Kontrolle über die Firma und verkaufen sie für ein Vermögen.“

Doch wie dem literarischen Vorbild von Dumas gelingt Montecristo nach einigen Jahren die Flucht. Er sinnt auf Rache, unterzieht sich mit dem Geld, das er von früher auf der Seite hat, etlichen kosmetischen Operationen. Er kehrt zurück und treibt, als Investor getarnt, seine ehemaligen Partner in den Ruin.

 

Zu diesem Zeitpunkt ahnt er nicht, dass schon bald ein Vorfall zweieinhalb Monate vorher nicht nur sein Leben verändern, sondern ihn selbst  seiner filmischen Hauptfigur so nahe bringen sollte, wie er es nicht für möglich gehalten hätte.

 

Auf dem Weg nach Basel, wo er für die Zeitschrift „Highlife“ über einen Fundraisingball berichten soll, hält sein Zug auf offener Strecke. Ein Mann ist offenbar aus dem Zug gestürzt und ums Leben gekommen. Jonas Brand hält geistesgegenwärtig die Szene und Gespräche im Speisewagen fest, auch die Frage eines Mannes an einen anderen, ob er Paolo gesehen habe.

 

Doch schon bald nach seiner Rückkehr nach Zürich vergisst Jonas diesen Vorfall. Das Video allerdings behält er in seiner Wohnung. Erst als nach etwa drei Monaten Jonas der Zufall zwei Hundertfrankenscheine mit identischer Seriennummer in die Hand fallen, und seine Bank ihm die Echtheit beider Scheine bestätigt, taucht der Vorfall im IC nach Basel wieder auf. Zwischen den Scheinen und dem Tod im Zug scheint es Zusammenhänge zu geben. Jonas Brands Wohnung wird durchwühlt und er selbst wird zusammengeschlagen und beraubt.

 

Da will jemand Spuren beseitigen, Ungereimtheiten aus der Welt schaffen und gleichzeitig die Reputation  staatstragender Persönlichkeiten schützen. Paolo, das Unfallopfer im IC, so stellt sich heraus, war ein Banker, der risikoreiche Investments tätigte und sich verzockte.

 

Jonas Brand gerät immer mehr in einen Strudel von politischen Intrigen und bald ist ihm sein Filmplot näher, als er es für möglich gehalten hätte.

 

Martin Suter führt auch in seinem neuen Roman die Leser wieder in „high places“, dieses Mal in die Welt der Banker, Börsenhändler, Spekulanten, Journalisten und Politiker. Er entwirft ein abgründiges Szenario, das der Leser aber nach dem, was der Öffentlichkeit während der letzten Jahre der Finanzkrise präsentiert wurde, für absolut realistisch und möglich hält.

 

Spannender Lesespaß in gewohnter Suter`scher Qualität.