Archiv der Kategorie: Allgemein

Die Kinderbibel zum Vorlesen

 

 

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Sabine Rahn, Die Kinderbibel zum Vorlesen, Ellermann 2015, ISBN 978-3-7707-2121-4

 

Diese hier in einer Neuauflage vorliegende Kinderbibel von Sabine Rahn mit wunderbaren Illustrationen von Britta Gotha zeichnet sich vor allem  durch ihre Verständlichkeit aus.

Sabine Rahn möchte Kinder die Welt und die Geschichten der Bibel nahebringen und vor allen Dingen von der Botschaft von Jesus Christus erzählen.

Ihre Übertragung ist lebendig, kindgerecht und dort, wo sie es nötig fand, in kursivem Druckbild mit eigenen Erläuterungen ergänzt. Ich halte das für absolut legitim, weil Bibellektüre und  -nacherzählung immer schon Interpretation ist. Natürlich kann sie nicht alles erzählen, deshalb beschreibt sie immer wieder in eigenen Worten und kursiv gedruckt „wie es weiterging“, bevor sie zu einem nächsten Abschnitt in der Bibel kommt.

Sabine Rahns Interpretationen sind natürlich theologisch anfechtbar. Sie sind geprägt von einer modernen zeitgenössischen Auslegung und mögen sehr konservativen Christen für ihre Kinder als ungeeignet erscheinen.

 

Ich hingegen finde diese Kinderbibelausgabe hervorragend gelungen.

Alles im Griff

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Martin Suter, Alles im Griff, Diogenes 2016, ISBN 978-3-257-24342-0

 

Martin Suter ist ein Meister kurzer Texte, mit denen er schon seit über zehn Jahren aus der „business class“ berichtet. Dass er nebenbei auch wunderbare lange Romane mit hoher literarischer Qualität schreibt und mit der Allmen-Reihe eine bemerkenswerte Krimifigur erfunden hat, sei hier nur erwähnt.

Die hier unter dem Titel „Alles im Griff“ publizierte „business soap“ ist in ihren einzelnen Kapiteln schon vor über zehn Jahren erschienen. Sie wurden 2004 zwischen März und Dezember im Magazin des „Tages-Anzeigers in Zürich zuerst veröffentlicht. Böse, bissig und zynisch mit viel schwarzem Humor verschafft Martin Suter seinen Leser wieder Einblicke in die seltsame Welt des Managements und der business class.

Tobler heißt der Held des neuen Buches. Sehr bewusst und mit konkreten Karriereabsichten und  -plänen hat er neu bei der Firma CRONSA angefangen. In seiner alten Firma waren alle „Beförderungskanäle verstopft“. Er denkt, die neue Firma sei dagegen dynamisch und kein Ort für Sesselkleber.

Doch schon bald wird klar – dem Leser noch früher als dem tragischen Held – dass auch in der neuen Firma er mit dem alten Problem konfrontiert ist. Sehr gekonnt und stilistisch scharf beschreibt Suter die tägliche Anstrengung, das Buckeln und Treten, den Kampf um Anerkennung und Aufstieg, die Beziehungen unter den Kollegen und deren familiäres Umfeld.

Von Geschichte zu Geschichte (jeweils etwa zwei Seiten) spitzt sich die Lage zu und endet in einem überraschenden Schluss.

Doch, so heißt es am Ende des Epilogs?

„Von Tobler wird man noch hören.“

In einem nächsten Buch? Köstliche Lektüre für nebenbei.

 

 

Glauben im Zweifel

 

 

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Norbert Scholl, Glauben im Zweifel. Der moderne Mensch und Gott, Lambert Schneider 2016, ISBN 978-3-650-40145-8

 

Der emeritierte katholische Theologieprofessor Norbert Scholl versucht in diesem vorliegenden Buch all jene Menschen anzusprechen, die die Erkenntnisse moderner Naturwissenschaften und einen persönlichen Glauben an Gott vielleicht schon seit langem nicht mehr zusammen bringen können.

Da gleichzeitig immer mehr Menschen sich auf die Suche nach dem „Anderen“, etwas Höheren, nach Transzendenz ihres begrenzten Lebens machen und sich danach sehnen, entsteht eine schmerzhafte Lücke, die Norbert Scholl sehr verständlich und materialreich zu schließen sucht.

Auf der einen Seite untersucht er die Ansätze bei den Naturwissenschaften du  konstatiert: „Trotz oder wegen aller unbestreitbar großen Erfolge in der Erforschung des Universum, seiner Rätsel und Geheimnisse zeigt sich, dass jede gewonnene Antwort und jede neue Erkenntnis wieder neue Fragen aufwerfen“.  Die Leugnung der Existenz einer transzendenten Kraft sei wissenschaftlich unhaltbar.

Und er sucht auf der anderen Seite Ansätze bei der Theologie und zeigt, „dass eine ‚nachmetaphysische‘ Gottesvorstellung und das sich daraus ergebende ‚neue Denken von Gott‘ sich durchaus mit den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaften vertragen.“

In diesem Zusammenhang bekomme auch das Beten einen neuen Sinn.

Ein lehrreiches, kluges Buch für Naturwissenschaftler und Theologen und für alle Menschen, die das kritische Fragen lieben und sich sehnen nach der transzendenten Kraft, die sie ins Leben gerufen hat und trägt.

 

 

 

Finsternis in Deutschland

 

 

 

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Ernestine Amy Buller, Finsternis in Deutschland, Elisabeth Sandmann 2016, ISBN 978-3-945543-09-2

 

Siebzig Jahre hat es gedauert, bis das vorliegende Buch auf Deutsch erschienen ist. Vielleicht deshalb, weil niemals zuvor in der Nachkriegsgeschichte Deutschlands eine die Wiedergeburt rassistischer und völkischer Vorstellungen und Haltungen so stark gewesen ist wie heute, wo ein quer durch Europa grassierender Rechtspopulismus (das Wort beschreibt es bei weitem nicht zutreffend, was gerade in Europa geschieht) auch in Deutschland nicht haltmacht und weitaus mehr Menschen anzieht als es sich in Wahlergebnissen der AfD ausdrückt.

Wie gerät ein ganzes Volk in die Fänge des Extremismus und was denken ganz normale Menschen darüber? Diese Frage hat auch in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts die Engländerin Ernestine Amy Buller beschäftigt, die zwischen 1934 und 1938 mehrfach nach Deutschland reiste, und eine Vielzahl von Gesprächen  mit Menschen aller Gesellschaftsschichten führte.

„Dieses Buch beruht ausschließlich auf tatsächlich von mir Erlebtem. Manche der geschilderten Begebenheiten stimmen bis ins kleinste Detail, bei anderen habe ich aus Gründen der Verschleierung Kleinigkeiten verändert. Weshalb das nötig war, dürfte der Leserschaft unmittelbar einleuchten.“

Obwohl viele ihrer Gesprächspartner mit Verfolgung rechnen mussten, sollten ihre Äußerungen publik werden, redeten sie erstaunlich offen. Viel differenzierter als man heute annehmen würde, sind die Stimmen vieler dieser Zeitzeugen ein Beleg dafür, wie auf der einen Seite sehr viel vor allem innerer Widerstand gegen die herrschende Ideologie der Nazis  vorhanden war, auf der anderen Seite aber auch dafür, wie stark das Regime schon in seinen Anfängen kritische Menschen brach und zur Anpassung zwang.

Als ich dieses hochaktuelle Buch las, erinnerte ich an einen Besuch der Darmstädter Inszenierung des Musicals Cabaret und eine Stelle, die ich früher immer übersehen und überhört hatte und die mir dieses Mal so unter die Haut ging, dass ich im Theater zu frieren begann.

Nachdem der Nazi Ernst Ludwig der Zimmervermieterin Fräulein Schneider, die einen Heiratsantrag des jüdischen Kaufmanns Herrn Schulz annehmen will, unverhohlen droht und sie ihr amerikanischen Gast Clifford Bradshaw für die Lösung der Verlobung tadelt, singt sie eine bewegende und berührende Arie, in dem sie ihren jungen Gegenüber immer wieder fragt: „Was würdest du tun?“

Und ich saß in meinem Sessel, fühlte mich angesprochen und wusste keine Antwort.

Für das, was spätestens nach den sechziger Jahren undenkbar war, und das nun im Gewand des Rechtspopulismus wieder aufersteht, hat niemand unter den Intellektuellen, niemand unter den Politikern, niemand in der Zivilgesellschaft eine wirkliche Antwort.

Und das macht mir Angst. Was das für unsere Kinder bedeutet, hat Heinrich Wefing in der ZEIT vom 30.6.2016 eindrücklich beschrieben.

 

 

Porsche 928

 

 

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Brian Long, Porsche 928. Alle Modelle von 1977 bis 1995, Delius Klasing 2016, ISBN 978-3-667-10465-6

 

Das Auto, das Brian Long in diesem repräsentativen Band aus dem Delius Klasing Verlag mit seiner ganze Entwicklungs-, Entstehungs-, Produktions- und Verkaufsgeschichte darstellt, sollte ursprünglich ein anderes sehr erfolgreiches ablösen. Der Porsche 928, um den es hier geht, und der von 1977 bis 1995 produziert wurde, sollte den legendären  Porsche 911 langfristig ersetzen.

 

Doch obwohl der 928 viel komfortabler war und tauglicher im Alltag, konnte er sich fast 20 Jahre lang nicht gegen den 911 durchsetzen, der seinerseits, als klar war, dass der 928 nicht so einschlagen würde wie gedacht, weiterentwickelt wurde und schlussendlich den 928 überlebte.

 

Erst viel später wurde vielen Autofreunden und -fachleuten klar, dass sie sich in der Bewertung des 928 getäuscht hatten. Seine Vorzüge traten erst hervor, als es ihn nicht mehr neu zu kaufen gab.

 

Brian Longs zuerst 2009 in England erschienenes Buch rehabilitiert dieses verkannte Auto und beschreibt es unter folgenden Schwerpunkten:

 

  • Einführung und kurze Porsche-Firmenhistorie
  • Entwicklung des Porsche 928
  • Verkaufsstart, Weiterentwicklung und Unterschiede im Export

 

  • Technische Daten, Ausstattungen und Fahrgestellnummern in Tabellen

 

Für alle, die sich mit dem Gedanken tragen, eines der wertvollen auf dem Markt erhältlichen Exemplare dieses Autos zu kaufen, ist das Buch ein unverzichtbarer Ratgeber. Und für alle anderen Autofans sind insbesondere die Bilder eine wahre Freude.

 

 

Kathedralen der Arbeit

 

 

 

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Matthias Barth, Kathedralen der Arbeit. Industriekultur in Berlin, Nicolai 2016, ISBN 978-3-89479-715-7

 

Berlin durchlief als Hauptstadt eines wirtschaftlich und militärisch prosperierenden und auch ausweitenden Kaiserreichs eine enorme auch industrielle Entwicklung und galt bis zum Zweiten Weltkrieg als das größte industrielle Zentrum Europas. Diese Zeit ist unter anderem verbunden mit Namen wie AEG, Borsig, Agfa und vielen anderen.

Zusammen mit dieser industriellen Entwicklung boomte der Wohnungsbausektor, sodass Berlin mit vier Millionen Einwohnern nach London zur zweitgrößten europäischen Stadt sich entwickelte.

Der vorliegende Band gibt einen sehr aufschlussreichen Überblick über die Industriekultur Berlins, indem er nicht nur Fabrikgebäude innen und außen abbildet und beschreibt, sondern auch die Mietskasernen und Wohnsiedlungen der Arbeiter, ebenso wie die prächtigen Villen der Eigentümer und Manager der Firmen.

Manche dieser Gebäude sind noch genutzt, andere wurden in ihrer Nutzung umgewidmet. Viele vorher so noch nie veröffentlichte Fotografien geben einen hervorragenden Eindruck von der Vielfalt Berliner Industriekultur und ihrer Geschichte.

Sehr informative und verständliche Texte des Autors machen das Buch nicht nur für Liebhaber der Architektur, sondern auch für sozialgeschichtlich interessierte Leser zu einer lohnenden Lektüre.

 

 

 

 

Die wahren Märchen meines Lebens

 

 

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Barbara Fiorio, Die wahren Märchen meines Lebens, Thiele 2016, ISBN 978-3-85179-318-5

 

Guilia, die Hauptperson dieses ungewöhnlich schönen und unterhaltsamen Romans ist Werbetexterin. In der Welt der Worte bewegt sie sich geschickt und mit viel Leidenschaft – sie ist erfolgreich. Ob vegane Gummibärchen oder Gleitmittel – Guilia findet für jedes Produkt Worte und Ideen, die die Menschen zum Kaufen bringen.

Außerhalb ihrer Arbeit, für die sie viel Zeit investiert, lebt sie ein eher ruhigeres Leben. Sie geht schon mal auf eine Party, hat auch die eine oder andere kurze Beziehung, aber das alles bringt sie nicht aus ihren gewohnten Lebensrhythmus.

Doch das ändert sich, als sie eine neue Nachbarin bekommt. In eine frei gewordene  Wohnung auf ihrem Stock zieht eine Frau mit einer neunjährigen Tochter ein. Da die Mutter immer nachts arbeitet, begegnen sich Guilia und die kleine Rebecca irgendwann auf dem Gang. Rebecca hat sich ausgesperrt und außerdem kann sein nicht schlafen. Sie hat den Kontakt mit Guilia bewusst gesucht. Die nimmt sie mit in ihre Wohnung und beginnt ihr Märchen der Brüder Grimm vorzulesen. Die wahren. Denn in den Märchen kennt sich Guilia aus, hat sie doch für eine Parfum-Kampagne unlängst viele Märchen „geplündert“.

Diese Märchenstunde wird bald zum täglichen Einschlafritual für die kleine Rebecca und ist für den Leser Stoff für köstliche Märcheninterpretationen (das Original unbedingt zur Hand haben!)

Doch irgendwann erfährt Rebeccas Mutter davon und ist erbost über die „Gute-Nacht-Frau“. Es kommt zum Streit. Doch Guilia gibt nicht auf und findet heraus, dass das Problem ganz woanders liegt.

Der Roman ist eine köstliche Lektüre. Warmherzig und sensibel sind die unterschiedlichen Personen beschrieben und charakterisiert. Für Liebhaber romantischer Romane und für Märchenfreunde sehr zu empfehlen.

 

 

 

Suchen und Finden mit Kasimir

 

 

 

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Lars Klinting, Suchen und Finden mit Kasimir, Oetinger 2016, ISBN 978-3-78912452-5

 

Lars Klinting hat mit dem kleinen Biber Kasimir eine Bilderbuchfigur erschaffen, die nun schon in insgesamt sieben Bilderbüchern immer wieder seine erstaunlich vielfältigen Talente zeugt. Er kann tischlern, malen, versucht sich als Gärtner, backt Kuchen, näht und  repariert Fahrräder. Immer hat er seinen Freund Frippe dabei, der ihm hilft bei all diesen Tätigkeiten.

 

Nun hat der Verlag  ein Wimmelbuch für kleine Bastler herausgegeben, in dem aus den bisher erschienenen Bänden jeweils eine Seite wieder abgebildet ist, und die Kinder jeweils acht in einem kleinen Kreis am unteren Bildrand abgebildete Gegenstände oder Sache auf dem großen Bild wiederfinden und benennen sollen.

 

Für die Freunde von Kasimir ein schönes Wiedersehen und gleichzeitig ein guter Einstieg in Kasimir – Reihe für die Kinder und Eltern, die ihn erst mit diesem neuen Buch kennenlernen.

Männer mit Erfahrung

 

 

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Castle Freeman, Männer mit Erfahrung, Parlando 2016, ISBN 978-3-941004-78-8

 

Castle Freeman ist ein in Vermont lebender amerikanischer Schriftsteller, der bis dato in Deutschland wenig bekannt ist. Das liegt daran, dass seine bisherigen vier Romane keine deutschen Verleger gefunden haben.

Nagel & Kimche in der Schweiz, eine Hanser-Tochter mit anspruchsvollen literarischen Programm hat es mit Castle Freemans fünftem Roman nun auf den deutschsprachigen Markt gewagt und mit Dirk van Gunsteren einen ausgesprochen gefragten Übersetzer gewonnen, der schon viele Bücher berühmter amerikanischer Autoren für das deutschsprachigen Publikum aufbereitet hat.

Der Roman mit einer gekonnt und spannend erzählten Geschichte spielt in einem kleinen Dorf  in Vermont, ein ehedem durch seine Holzindustrie wohlhabendes und prosperierender Ort,  wo es aber nun nach dem Zusammenbrechen dieser Industrie bergab geht und die Menschen kaum noch Arbeit finden.

Das Buch erzählt die Geschichte der jungen Lilian. Sie wohnt seit einiger Zeit in dem Dorf, wo Fremde auch noch nach Generationen als fremd gelten. Doch das macht ihr wenig aus. Schwer allerdings macht ihr zu schaffen, dass sie seit einiger Zeit von einem schwer durchschaubaren Typen namens Blackway, einem ehemaligen Hilfssheriff regelrecht gestalkt wird. Alle im Dorf kuschen vor Blackway, doch Lilian stellt sich ihm. Als Lilian Blackways Angriffe auf ihre Katze, ihr Auto und sich selbst beim Sheriff zur Anzeige bringt, rät der ihr, die Männer um Hilfe zu bitten, die jeden Tag in einer ehemaligen Fabrikhalle zusammen mit ihrem damaligen Chef sich die Zeit totschlagen.

Lester und Nat sind bereit, Lilian zu helfen und diese „Männer mit Erfahrung“ ziehen nun zusammen mit ihr los. Obwohl Lilian sehr skeptisch ist, lassen die beiden ungleichen Männer sich nicht abwimmeln. Gemeinsam machen sie sich, permanent im Gespräch über Vergangenheit und Gegenwart, auf die Suche nach Blackway.

Witzige Dialoge machen das Buch zu einer absolut unterhaltsamen Lektüre, bei der bis kurz vor dem Ende unklar bleibt, wer nun  die Oberhand behält – das Gute oder das Böse.

Ein schräger Humor und skurrile Protagonisten – meisterhaft in Szene gesetzt.

Man möchte gern auch die bisherigen Bücher dieses 1944 geborenen Schriftstellers auf Deutsch lesen.

Der hier vorliegenden ungekürzten Lesung von Christian Brückner gelingt es ganz hervorragend, diese schwarze Komödie mit seiner einzigartigen Spannung lebendig werden zu lassen. Sie wird hoffentlich mit dazu beitragen, dass entweder einige der bisherigen Romanen von Castle Freeman oder sein hoffentlich nächster wieder einen deutschsprachigen Verleger finden. Verdient hätte es dieser Autor. Man sollte dann auch bei einer evtll. Hörbuchproduktion Christian Brückner nicht vergessen, dessen stimmliches und interpretatorisches Gespür für schräge Helden unverkennbar ist.

 

 

 

 

Der Wurm in unserem Herzen

 

 

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Sheldon Solomon, Der Wurm in unserem Herzen, DVA 2016, ISBN 978-3-421-04725-0

„Wie das Wissen um die Sterblichkeit unser Leben beeinflusst“ – darüber haben die drei amerikanischen Psychologen Sheldon Solomon, Jeff Greenberg und Tom Pyszczynski in mehr als dreißigjähriger intensiver Zusammenarbeit geforscht und mit ihren schon mehrfach  ausgezeichneten Arbeiten die moderne Psychologie nicht unerheblich beeinflusst.

 

Nun legen sie in der deutschen Übersetzung von Susanne Kuhlmann-Krieg ihre gesammelten Forschungserkenntnisse in einem Buch vor, dem sie den Titel „Der Wurm in unserem Herzen“ gegeben haben. Mit dieser Formulierung bezeichnete der amerikanische Psychologe und Philosoph William James in seinem Hauptwerk „Die Vielfalt der religiösen Erfahrung“ das Wissen um unsere Vergänglichkeit.

 

Schon Sigmund Freud hatte in seinem Werk neben der Sexualität die Angst vor dem Tod als den wesentlichen Antrieb menschlichen Lebens bezeichnet und identifiziert. In ihrer „„Terror Management Theorie“ genannten und in diesem Buch auch sehr ausführlich und vor allen verständlich beschriebenen Theorie legen die Autoren dar, dass die wesentlichen Antriebe des Menschen, jede Entscheidung, jede Haltung, jede Reaktionsweise, vom individuellen bis zum kulturellen und politischen Bereich verständlich gemacht werden können durch das Wissen um die eigene Sterblichkeit und die Angst davor.

 

Der Wunsch, dass aus unserem Leben irgendetwas übrigbleibe, nachdem schon der Körper vergeht, bringt Menschen zu den erstaunlichsten Leistungen und Verhaltensweisen zu ihren Lebzeiten.

 

Die Lektüre des Buch ist, obwohl es verständlich geschrieben ist, für jeden Leser starker Tobak, denn es konfrontiert ihn sozusagen auf jeder Seite mit dem Hinweis, dass auch er sterblich ist und sein Leben jeden Augenblick zu Ende gehen kann. Der Autoren Schlussfolgerung ist so einfach wie schwer für die meisten: mit dem Tod leben.

 

„Finden Sie sich mit dem Tod ab. Verinnerlichen Sie, dass Sterblich-Sein zwar beängstigend ist, unser Leben aber auch grandios bereichern kann, weil es uns mit Mut und Mitgefühl erfüllt und an künftige Generationen denken lässt. Suchen Sie nachhaltigen Lebenssinn durch Ihre ganz eigene, höchstpersönliche Kombination aus Werten, sozialen Bindungen, Spiritualität, ihren persönlichen Fähigkeiten, im Einssein mit der Natur und Augenblicken transzendentaler Erfahrungen.“

 

Ich bin mir aus eigener Erfahrung sicher, dass sich das eigene Leben tatsächlich verändert, wenn man diesen Weg beschreitet.