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Waves 2019

 

 

 

Ray Collins, Waves 2019, Delius Klasing 2018, ISBN 978-3-667-11149-4

 

Für seinen Waves Kalender 2018, ebenfalls bei Delius Klasing erschienen ist, wurde der Fotograf und Wellenreiter Ray Collins mit dem Gregor Calendar Award in Silber ausgezeichnet, nachdem er in früheren Jahren zahlreiche weitere internationale Auszeichnungen erhalten hatte.

 

Wellen, besonders hohe Wellen zu fotografieren, den flüchtigen Moment zu erwischen, in dem sich eine Welle zu einem kunstvollen Gebilde aus dem Meer erhebt, um Sekundenbruchteile danach wieder in sich zusammenzufallen, das ist eine Kunst, die Ray Collins mit großer Leidenschaft beherrscht. Die Kunst, genau in dem kurzen Augenblick auf den Auslöser zu drücken, in dem sich Licht und Meereswellen zu atemberaubenden Kunstwerken verbinden, hat er perfektioniert.,

 

In dem hier vorliegenden Kalender „Waves 2019“ zeigt er zwölf beeindruckende Beispiele. Jedem seiner Wellenkunstwerke hat er einen Namen gegeben. Sie laden zum täglichen Staunen über die Kraft der Natur ein.

 

 

 

 

Ein Bild vom Paradies

 

 

 

Vanessa Remington, Ein Bild vom Paradies, Gerstenberg Verlag 2018, ISBN 978-3-8369-2128-2

 

Wirklich beeindruckend ist  dieses monumentale Werk, das im Gerstenberg Verlag erschienen ist. Allein die optische Aufbereitung des Buches von Vanessa Remington und der vielsagende Titel „Ein Bild vom Paradies“ versprechen Eindrucksvolles und herausragende Impressionen. Denn im Garten treffen Mensch und Natur aufeinander und die Sehnsucht nach dem Paradies spiegelt sich an keinem Ort besser wider als in einer sorgfältig angelegten Grünanlage.

 

Der Band zeigt großformatig und mit wunderbaren Bildern, wie sich Naturoasen wie Gärten in der Zeit zwischen 1500 bis heute verändert, gewandelt und weiterentwickelt haben.

 

Für kulturgeschichtliche interessierte Zeitgenossen und Kunstliebhaber ein wertvolles und zu empfehlendes Buch.

 

 

 

Mittagsstunde

 

 

Dörte Hansen, Mittagsstunde, Penguin 2018, ISBN 978-3-328-60003-9

 

Dörte Hansens Debüt „Altes Land“ war 2015 ein Riesenerfolg, hielt sich monatelang auf allen Bestsellerlisten und wird bis heute gut verkauft. Nun, drei Jahre später, schon lange erwartet, legt sie einen Nachfolgeroman vor, der das Debüt, das schon sensationell gut war, noch einmal sprachlich und inhaltlich übertrifft.

 

Das Buch erzählt die Geschichte des in der Gegenwartsebene 47- jährigen Ingwer Feddersen, der nach Abitur, Studium der Archäologie und Promotion seit 25 Jahren an der Universität in Kiel als Hochschullehrer arbeitet. Genauso lang schon lebt er in einer Dreier WG zusammen mit Ragnhild und Claudius und schafft es diese ganze Zeit nicht, erwachsen zu werden: „Zwei Männer, eine Frau, nichts Halbes und nichts Ganzes.“

Eigentlich fühlt sich Ingwer in seinem bequemen und einfachen Leben wohl, doch ganz tief innen spürt er, wie unzufrieden und frustriert er ist. Da kommt ihm die Möglichkeit eines Sabbatjahres an der Uni sehr gelegen. Obwohl er nicht damit gerechnet hat, wird es genehmigt und er kehrt in sein Heimatdorf in Nordfriesland zurück, nach Brinkebüll, einem Geestdorf. Er glaubt, er hat dort etwas gutzumachen.

Seine Großeltern leben noch dort und betreiben mehr schlecht als recht noch den alten Dorfkrug. Ingwers Großmutter Ella ist schon hochgradig dement und Sönke, der Großvater hält tapfer die Stellung. Beide haben, genauso wie das gesamte Dorf ihre Hochzeiten hinter sich. Wann, so fragen sich Dörte Hansen und ihre Hauptfigur, wann hat der Wandel des Dorfes begonnen?

 

Und mitten während der Gegenwartshandlung, in der sich Ingwer um seine beiden Großeltern kümmert, wird die Geschichte des Dorfes erzählt. Dörte Hansen macht die Veränderung fest an der Flurbereinigung in den 1970 er Jahren. In dieser Zeit hat sich Merret, Ellas und Sönkes Tochter, in einen Feldvermesser, der im Gasthof untergebracht war, verliebt und wird von ihm schwanger.  Ella und Sönke ziehen Ingwer, Merrets Sohn, mit dem sie selbst nichts anfangen kann groß. Ziemlich verwirrt in ihrem Geist, wird sie ihr Leben lang immer wieder verschwinden und vom drohenden Weltuntergang warnen.

 

Doch auch Ingwer wird nicht in die Fußstapfen seines Großvaters treten. Gefördert vom Dorflehrer Steensen, der über die Jahrzehnte alle Kinder des Dorfes unter seinen Fittichen hat, wird Ingwer ins Gymnasium gehen und dann studieren. Zurück kommt er zu Beginn nur an den Wochenenden, dann aber immer seltener.

 

Nun, zum Sabbatical zu seinen Ursprüngen zurückgekehrt, beginnt er für sein Leben und seine Familie eine Bilanz zu ziehen. An vieles erinnert er sich selbst, bei manchem hilft die Autorin als auktoriale Erzählerin nach.

 

Und so entfaltet sich eine Geschichte eines alten Bauerndorfs im Wandel der letzten sechs Jahrzehnte. Eine Unzahl von Menschen werden dem Leser vorgestellt, Dorfbewohner und ihre unverwechselbaren und sympathischen Charaktere. Menschen mit Sehnsüchten und noch mehr Geheimnissen, von denen Ella ein großes und lebenslanges besitzt. Im Gegensatz zu den Geheimnissen vieler anderer, die sie als Wirtin über die Jahrzehnte mitbekommen hat, wird ihres niemand anderes jemals erfahren.

 

Dörte Hansen wechselt ständig die Zeitebenen und lässt während des Jahres, in dem Ingwer, die Großeltern pflegend, sein eigenes Leben reflektiert und seine große Sehnsucht nach einer echten Partnerin entdeckt, die Geschichte des Dorfes und seiner vielen Bewohner vorbeiziehen. Im Rezensenten, Jahrgang 1954, evozierte der Roman zahllose eigene Erinnerungen und Bilder an sein mittlerweile auch nicht mehr wiederzuerkennendes Heimatdorf und viele schon vergessen geglaubte Menschen, deren Namen aber meist verborgen blieben. Nicht verborgen blieb jedoch ein Gefühl von leiser Trauer und Verlust auf der einen, aber auch Dankbarkeit auf der anderen Seite.

 

Ingwer Feddersen hat seit Jahrzehnten eine CD in seinem Auto, „Harvest“ von Neill Young, in deren Songs er sich immer wieder verliert. Vielleicht hängt es auch mit dieser auch von mir geliebten LP zusammen, dass dieses Buch und seine Geschichten regelrecht in mich hineingekrochen sind.

 

Ein Roman mit starken und sehr ungewöhnlichen Charakteren, die man lieb gewinnt und die man nicht vergessen kann, wenn man das Buch nach einem wahren Lesemarathon wieder aus der Hand gelegt hat.

Romane wie „Altes Land“ und „Mittagsstunde“ von Dörte Hansen, oder etwa das so erfolgreiche „Unterleuten“ von Juli Zeh oder das schwer einzuordnende „Das Feld“ von Robert Seethaler reflektieren auf der Ebene der Literatur jenes unklare Verlustgefühl vieler zeitgenössischer Menschen, das in den letzten Jahren meist unbefriedigend unter dem Stichwort „Heimat“ verhandelt wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zähl mal

 

Yusuke Yonezu, Zähl mal, Minedition 2018, ISBN 978-3-86566-295-8

 

Sobald Kinder angefangen  haben zu sprechen, wollen sie auch bald zählen lernen, zumindest die Zahlen von 1 bis 10. Das vorliegende kleine und originelle Bilderbuch des Japaners Yusuke Yonezu will kleine Kinder ab etwa zwei Jahren beim Zählenlernen unterstützen.

 

Der Aufbau jeder Doppelseite ist gleich. Links steht die Zahl, darunter wie sein geschrieben wird. Auf der rechten Seiten können die Kinder kann eine Halbseitenklappe nach rechts drehen und sehen dann bunte Tiere oder Gegenstände. Es sind immer genau so viele, wie die linke Zahl angibt.

 

Bevor die Kinder die Klappe umdrehen, können sie raten, was sich unter ihr wohl verbirgt. So hält jede Seite eine Überraschung bereit und lädt kleine Kinder ein zum Entdecken und zum Zählen.

 

Ein schönes und originelles Bilderbuch, so wie man sie von Yonezu gewohnt ist.

Das Meer 2019

 

 

Dumont Kalenderverlag, Das Meer 2019, ISBN 978-3-8320-3902-8

 

Schon immer hat das Meer die Menschen begeistert und angezogen. Die Menschen, die in seiner direkten Nähe wohnen, haben Respekt vor ihm und über die Generationen gelernt, mit ihm zu leben. Für die anderen ist das Meer ein Ort von Sehnsucht und Anziehung zugleich.

 

Der vorliegende Kalender mit Fotografien verschiedener Fotografen und Agenturen spricht besonders diejenigen an, die das Meer nur während ihrer Urlaubszeiten besuchen können. Aus ihnen strhlt die ungeheure Kraft und Faszination des Meeres. Einsame Strände und sanfte Wellen, schroffe Küsten und tosende Brandung – die stimmungsvollen Fotografien in diesem hochwertigen Wandkalender zeigen das Meer zu allen Jahreszeiten und in all seinen Facetten – mal kraftvoll und als Urgewalt, mal still und voller Romantik.

 

Die Bilder der verschiedenen Monate zeigen Motive aus allen Teilen Europas aber auch von fernen Stränden.

 

 

Polarlicht 2019

 

 

 

Polarlicht 2019, Delius Klasing Verlag 2018, ISBN 978-3-667-11139-5

 

Seit Menschengedenken sind die Menschen, die sie beobachten konnten. von den Polarlichtern fasziniert. Schon in der Antike beschrieben, galten diese Lichtphänomene  früher als mystischer Zauber oder Vorboten drohenden Unheils.

Heute weiß man, dass sie durch Eruptionen auf der Sonne entstehen. Dabei werden geladene Partikel – Elektronen aber auch Protonen – erzeugt und ins All geschleudert: der sogenannte Sonnenwind. Treffen diese Teilchen auf das Magnetfeld der Erde, bringen sie in den oberen Schichten der Erdatmosphäre die Luftmoleküle zum Leuchten. Polarlicht tritt hauptsächlich in den Polarregionen auf, weil die Sonnenwindteilchen vom Magnetfeld der Erde zu den magnetischen Polen gelenkt werden.

 

Der vorliegende Kalender spürt mit 12 beeindruckenden Fotografien verschiedener Fotografen diesem Phänomen Aurela Borealis nach und zeigt Polarlichter in ganz unterschiedlichen Farben, je nach Beschaffenheit der Atmosphäre.

 

Für alle Freunde der Orte und Länder nördlich des Polarkreises, die vielleicht wie der Rezensent bei seinem Aufenthalt dort vergeblich auf ein Polarlicht gewartet haben, ein schöner Kalender zum täglichen Staunen über das mystische Polarlicht in all seinen faszinierenden Erscheinungsformen.

 

Das Baby ist da. Was nun?

 

 

Catherine Leblanc, Eve Tharlet, Das Baby ist da. Was nun, minedition 2018, ISBN 978-3-86566-358-0

 

Der kleine Bär ist eine bei Kindern beliebte Bilderbuchfigur der Französin Catherine Leblanc, von der bei minedition schon einige Bücher erschienen sind.

 

In dem hier vorliegenden neuen Bilderbuch, das Eve Tharlet wieder warmherzig illustriert hat, freut sich der kleine Bär darauf, dass sein Geschwisterchen bald geboren wird. Weil Mamas Bauch schon rund ist, spielt er mit seinem Papa. Als er eines Morgens aufwacht und nach seiner Mama ruft, antwortet ihm die Oma, die ihm sagt, dass Mama und Papa in der Klinik sind, wo seine kleine Schwester heute Nacht geboren wurde.

 

Er freut sich, doch als Mama mit der Kleinen wieder zu Hause ist, muss er mit einigen Veränderungen klar kommen, die ihm zunächst schwer zu schaffen machen. Anna, so heißt die Schwester, will nur bei Mama sein, und nicht mit ihm spielen.

Und immer, wenn er in der nächsten Zeit mit seiner Mama spielen will, so wie früher, ist sie mit Anna beschäftigt und hat keine Zeit. Auch Papa steht zum Spielen sehr viel weniger zur Verfügung als früher, weil er Mama helfen will.

 

Ganz langsam gelingt es dem zwischendurch immer wieder zornigen und frustrierten kleinen Bär, mit seiner Schwester in Kontakt zu kommen, und als er sie zum ersten Mal in seiner Armen halten darf, ist er selig und gibt seinem Papa zum Spielen einen Korb.

 

Bis er mit Anna so richtig spielen und herumtollen kann, wie er es sich vorgestellt hatte, wird es zwar noch etwas dauern, aber er hat herausgefunden, wie er in der Zwischenzeit mit ihr zusammen sein kann, dass es auch ihm Freude macht.

 

Ein zauberhaftes Bilderbuch mit wunderschönen und zarten Illustrationen für alle Kinder mit sehr kleinen Geschwistern.

 

Lästige Liebe (Hörbuch)

 

 

 

Elena Ferrante, Lästige Liebe (Hörbuch), der Hörverlag 2018, ISBN 978-3-8445-3106-0

Ihr vierbändiges Epos „Neapolitanische Saga“ hat sie nicht nur in Deutschland mit einem Schlag bekannt gemacht und einen unvergleichliche Hype um die italienische  Schriftstellerin Elena Ferrante ausgelöst. Vom Ferrante-Fieber werbetextete der Suhrkamp-Verlag, der nun beginnend mit ihrem literarischen Debüt aus dem Jahr 1992 wohl alle bisherigen Werke der ungewöhnlichen Autorin verlegen und dem deutschen Publikum zugänglich machen will.

 

Schon bei der Veröffentlichung von „Lästige Liebe“ (L`amore molesto) im Jahr 1992 in Italien hat sich Elena Ferrante dazu entschlossen unter einem Pseudonym zu schreiben und hat das auch nach dem überwältigenden Erfolg der Saga so beibehalten.

 

„Lästige Liebe“ spielt wie die Saga in Neapel. Wer die vier Bände der Saga gelesen hat, entdeckt in dem nun auf Deutsch vorliegenden Debüt Ferrantes schon die Umrisse von Figuren, Schauplätzen und Motiven, die später in der Tetralogie eine Rolle spielen werden. Als „Lästige Liebe“ 1994 in Deutschland erschien, wurde der Roman nicht wahrgenommen und ging hier eher unter, während Elena Ferrante in Italien schon eine breite Resonanz erfuhr und von der Literaturkritik intensiv gewürdigt wurde.

 

Delia, die Hauptperson des Romans, 45 Jahre alt und als Comiczeichnerin arbeitend, kehrt nach dem plötzlichen und unerklärlichen Tod ihrer Mutter nach Neapel zurück, in die ihr verhasste Heimatstadt. Ihre Mutter ist wenige Tage zuvor im Meer ertrunken. War es ein Unfall oder hat sich die Mutter selbst umgebracht? Oder hatte beim Tod der Mutter jemand anderes seine Hände im Spiel?

 

In vielen Rückblenden erinnert sich Delia an ihre Mutter und ihre Kindheit mit einem gewalttätigen Vater. Es geht um viele Geheimnisse und um einen Verrat, als die fünfjährige Delia ihrer Mutter eine Affäre mit einem Geschäftspartner des Vaters angehängt hat.  Doch es steckte etwas ganz anderes dahinter, dunkler Ursprung aller weiteren Verwicklungen, denen die ich-erzählende Delia nun nachspürt. Sie muss dafür tief in ihre Vergangenheit hinabsteigen, ein schmerzhafter Prozess, dessen Psychodynamik Ferrante brillant darstellt. Immer wieder kommen Bilder und Erlebnisse in Rückblenden in Delia hoch, während sie geradezu getrieben versucht, die letzten Stunden ihrer Mutter Amalia, mit der sie mehr verbindet , als sie zunächst zulassen kann, zu rekonstruieren. Warum hat sie wenige Tage vor ihrem Tod so überdreht und verstört geklungen, als sie am Telefon das letzte Mal mit Delia sprach?

 

Und welche Rolle spielt Caserta, ein ehemaliger Freund ihres gewalttätigen Vaters, der plötzlich wieder auftaucht? Offenbar war er der letzte Mensch, der die Mutter lebend gesehen hat. Und während Delia verzweifelt durch die Gassen der Stadt läuft und Erinnerungen entwirrt, die sie lange unterdrückt hatte,  ahnt sie nicht, wie schutzlos sie sein wird gegen das schreckliche Geheimnis ihrer eigenen Kindheit, das in einem schmerzhaften Prozess ans Tageslicht kommen wird, sodass sie am Ende sagen wird: „Amalia war einmal. Ich war Amalia.“

 

„Lästige Liebe“ ist ein starker Roman, der die literarische Kraft der späteren Saga schon in sich trägt.

 

Wie schon die vier Bände der „Neapolitanischen Saga“ hat Eva Mattes auch „Lästige Liebe“ in einer ungekürzten Fassung für den Hörverlag in einer überzeugenden Weise eingelesen. Mit ihrer Stimme und ihrer Interpretation verschmilzt sie regelrecht mit der Ich-Erzählerin Delia.

Ein beeindruckendes Hörerlebnis.

 

 

 

 

 

 

Die jüdische Souffleuse

 

 

Adriana Altaras, Die jüdische Souffleuse, Kiepenheuer & Witsch 2018, ISBN 978-3-462-05199-5

 

Adriana Altaras gehört seit ihrem Roman „Titos Brille“ über ihren Vater und ihre Familie zu den bekannten deutschen Schriftstellern. Mit viel jüdischem Witz und großer Schlagfertigkeit hat sie seither etliche Romane veröffentlicht, die sich alle um ihre Familie drehen und wie deutsche Juden in diesen Zeiten ihr Leben im Land erleben.

Adriana Altaras arbeitet nicht nur als Schriftstellerin, sondern auch als Schauspielerin und Regisseurin. Im Rahmen dieser Tätigkeit soll sie eines Tages in einem deutschen Provinztheater eine Mozartoper einstudieren. Normaler Alltag für die wieder ich-erzählenden Adriana, wäre da nicht Sissele, die jüdische Souffleuse, die es aus einem bestimmten Grund auf Adriana abgesehen hat. Sie hat alle Bücher von ihr gelesen, und als sie ihr nun begegnet, erhofft sie sich von Adriana Hilfe bei der Suche nach ihren Verwandten. Schon Jahrzehnte hat sie selbst vergeblich nach ihnen gesucht, nachdem sie nach dem Zweiten Weltkrieg in alle Winde zerstreut wurden.

Sissele wurde nach dem Krieg in Israel geboren, und ist als sie etwa ein Jahr alt war mit ihren Eltern nach Deutschland gekommen. Nach dem frühen Tod der Mutter führt sie mit dem unzuverlässigen Vater ein unstetes Leben und landet schließlich in einem katholischen Kloster, wo der Vater sie den Nonnen übergibt.

 

Nach einigen Widerstanden lässt sich Adriana auf eine gemeinsame Suche ein. Sie rollt Sisseles Leben auf, erzählt von jüdischem Leben, von Verfolgung  und den nationalsozialistischen Vernichtungslagern.

Mit hinreißender Tragikomik erzählt Adriana Altaras von den Absurditäten des Theateralltags und ihrer abenteuerlichen Reise mit Sissele, der jüdischen Souffleuse. Sie erzählt mit viel Witz und etlichen Nebenhandlungen von einer unverhofften Familienzusammenführung und davon, wie sich unvergessliche Geschichten des 20. Jahrhunderts mit jenen der Nachgeborenen verbinden.

 

Ich habe das Buch mit großem Vergnügen gelesen.

 

Die Schneiderin des Nebels

 

 

 

Agnes de Lestrade, Valeria Docampo, Die Schneiderin des Nebels, Mixtvision 2018, ISBN 978-3-95854-130-6

 

Mit „Die Schneiderin des Nebels“ legen Agnes de Lestrade und die Illustratorin Valeria Docampo ein weiteres Beispiel einer sehr erfolgreichen Zusammenarbeit vor.

 

Es erzählt mit warmherziger Sprache und zarten Bildern von dem Mädchen Rosa. Rosa hat eine ganz besondere Gabe. Sie kann aus Nebel Stoffe weben, die im ganzen Land sehr begehrt sind. Denn mit diesen Stoffen können die Menschen im Land unbeliebte Dinge und ungewollte Gefühle unter einem dicken Schleier verhüllen und verstecken. Auch ihr eigenes Leben ist seltsam verhüllt.

 

Doch dann erhält sie einen Brief von ihrem Vater, den sie nach seiner Trennung von der Familie lange nicht mehr gesehen hat, was Teil ihrer großen Traurigkeit ist. Er kündigt sein Kommen an und das bringt plötzlich wieder neues Licht in ihr Leben.

 

„Die Schneiderin des Nebels“ ist ein wunderbares, zart poetisches Bilderbuch mit einer warmherzigen und leisen Geschichte über den flüchtigen Nebel, der uns so oft umgibt und den Blick auf das Wesentliche versperrt.