Archiv der Kategorie: Allgemein

Graustufen. Leben in der DDR in Fotografien und Texten

 

 

 

 

 

Jürgen Hohmuth, Graustufen. Leben in der DDR in Fotografien und Texten, ISBN 978-386228-168-8

 

Sein Selbstverständnis ist das eines „fotografischen Stadtethnologen“.  Dieses Buch hat Fotografien aus den achtziger Jahren über das Leben in der DDR festgehalten, einer Zeit also, in der das baldige Ende oft schon spürbar war und sich in vielfältigen auch kulturellen und alltagsspezifischen Veränderungen und neuen Lebensformen zeigte.

 

Jeder der auf den linken Buchseiten abgebildeten schwarz-weiß Fotografien ist ein literarischer Text von bekannten Autoren wie Marion Brasch, Christoph Dieckmann, Flake oder Ingo Schulze, aber vielen bisher unbekannten Autoren gegenübergestellt. Bild und erzählte Geschichte korrespondieren jeweils miteinander. Oft ist dieser Dialog geradezu perfekt gelungen.

 

Ein künstlerisch und kulturgeschichtlich sehr aussagekräftiges Buch.

Krümel und Fussel allein unter Schafen

 

 

 

 

Judith Albert, Joelle Tourlonias, Krümel und Fussel allein unter Schafen, Ravensburger Verlag 2017, ISBN 978-3-473-44697-1

 

Die Autorin des vorliegenden Bilderbuchs Judith Allerts und ihre Lieblingsillustratorin Joelle Tourlanias haben nach dem Erfolg ihres ersten Bilderbuchs über Krümel und Fussel nun einen Nachfolgeband vor.

 

Die beiden frechen Wollschweine Krümel und Fussel, von denen die lustige Geschichte auch dieses Buches handelt, wohnen auf Allerts kleinem Bauernhof in Oberfranken.

 

Das Leben dieser beiden Schweine besteht aus folgenden Höhepunkten neben dem Fressen: in der Erde wühlen, sich im Schlamm suhlen und Nickerchen halten.

 

Beide haben dieses Mal ein eines Nickerchen gehalten. Nachdem sie aufgewacht sind, stellen sie erschrocken fest, dass sie inmitten einer großen Herde wolliger Tiere. Krümel und Fussel haben noch nie Schafe gesehen, hakten sie für gefährlich und versuchen, nicht als Schweine aufzufallen. Doch als sie mit der Herde an eine matschige Schlammsuhle kommen, können sie ihrem Trieb nicht widerstehen. Und als sogar die Schafe den Schlamm als etwas Angenehmes entdecken, entstehen dicke Freundschaften.

Diese beiden lustigen Schweine haben das Potential zu weiteren Büchern. Seien wir mal gespannt, ob die Autorinnen die Reihe fortsetzen werden.

 

 

 

 

Mein erstes Buch der Baustelle

 

 

 

 

Guido Wandrey, Mein erstes Buch der Baustelle, Coppenrath 2017, ISBN 978-3-649-67087-2

 

Es müssen hunderte von Stunden gewesen sein, die ich zwischen 2006 und 2010 mit meinem Sohn, nachdem er in den Kindergarten gekommen war, nachmittags von zu Hause aus an großen örtlichen Baustellen verbrachte. Der größte Arbeitgeber am Ort, der Farbhersteller Caparol, erweiterte über zwei Jahre sein Ladeterminal, wobei erhebliche Erdbewegungen nötig waren und kurz danach wurde ein etwa 10 Hektar umfassendes ehemaliges amerikanisches Militärgelände zu einem Neubaugebiet umgewandelt, was sich ebenfalls über mehrere Jahre hinzog. Hier waren besonders die vorbereitenden Erdarbeiten von großem Interesse.

Nach einiger  Zeit wurden wir von den Arbeitern und Baggerfahrern jeweils schon freudig begrüßt, wenn wir nachmittags stundenlang auf der Baustelle waren.

 

Alle Kinder, insbesondere die Jungen, lieben Baustellen jeder Art, große und kleine. Für sie hat Guido Wandrey, aus dessen Feder schon mein Sohn zwischen 2004 und 2010 viele ähnliche Bilderbücher hatte und jeden Tag vorgelesen haben wollte, das vorliegende bezaubernde mit zahlreichen Klappen versehene Bilderbuch gemacht, das der Coppenrath-Verlag in seiner Reihe „Sprechen und Entdecken 18-24 Monate“ veröffentlicht.

 

Ich kann mir kaum ein Kind in diesem Alter vorstellen, dem Sie mit diesem Buch nicht eine große Freude machen würden.

 

 

Bullshit Busters

 

 

 

Christoph Wirl, Axel Ebert, Bullshit Busters, Goldegg Verlag 2017, ISBN 978-3-99060-035-1

 

Irrtümern und Mythen aus Vorträgen, Fernsehen und Büchern sind über eine lange Recherchezeit die beiden Autoren des vorliegenden überaus erhellenden Buches nachgegangen. In Zeiten wie der unseren, in denen Menschen, das glauben und für wahr halten, was sie glauben wollen, in Zeiten , in denen postfaktische Aussagen wirksamer sind als Tatsachen und nur die gefühlte Wahrheit noch etwas zu zählen scheint im Wettstreit der Nachrichten und Botschaften blüht der Populismus und treibt sein gefährliches politisches Geschäft., Deshalb tut Aufklärung not. Christoph Wirl und Axel Ebert haben unzählige häufig gehörte und immer wieder weiter erzählte Fakten und Narrative geprüft, sind ihnen auf den Grund gegangen und haben ihren Wahrheitsgehalt gecheckt.

 

Dabei decken sie das volle Spektrum zwischen Täuschung, unzulässigen Verallgemeinerungen, verdrehten Halbwahrheiten, Falschinterpretationen bis hin zu vollkommen erfundenen Experimenten auf und erklären die Zusammenhänge.

 

So kann man einen Haufen „Bullshit“ mit diesem Buch schnell erkennen und seinen eigenen wissenschaftlich skeptischen Blick auf die Welt vertiefen.

 

 

Gut gebrüllt und schon gewonnen

 

 

 

 

Pamela Obermaier, Petra Falk, Gut gebrüllt und schon gewonnen, Goldegg 2017, ISBN 978-3-903090-96-5

 

Die Stimme verrät viel über uns: wie wir gelaunt sind, ob wir in einer Situation unsicher oder von dem überzeugt sind, was wir sagen. Es ist die Stimme, die verrät, wie es uns geht, ob wir uns sicher oder unsicher fühlen in einer bestimmten Situation und ob wir wirklich von dem überzeugt sind, was wir gerade sagen.

 

Wie bereits in der Kindheit unsere Stimmstrategien angelegt sind, kann man in diesem lehrreich und überaus unterhaltsamen Buch genauso erfahren, wie genau die Stimme und die Psyche zusammenhängen.

 

Ein Programm, das den Leser durch drei Schritte führt, zeigt ihm, wie er sich von seine gewohnten Mustern befreien und seine wahre Stimme zum Vorschein bringen kann.

 

Nicht nur im Beruf und in Situationen, in denen überzeugendes Reden gefragt ist, sondern auch im privaten Alltag wird eine authentische, „stimmige“ Stimme nicht nur Ihren Gegenüber überzeugen sondern auch Ihnen selbst das wohltuende Gefühl geben, ganz bei sich selbst zu sein.

 

 

Philosophie. Die 101 wichtigsten Fragen

 

 

 

 

Thomas Vasek, Philosophie. Die 101 wichtigsten Fragen, Theiss Verlag 2017, ISBN 978-38062-3631-6

 

101 philosophische Stichworte und jeweils eine der damit verbundenen oft gestellten Fragen werden in diesem reich bebilderten Lehrbuch über Philosophie auf jeweils 1 bis maximal drei Seiten beschrieben.

 

Unterteilt ist das gut verständliche und praxisnahe Buch in die Kapitel:

  • Geist und Erkenntnis
  • Mensch und Beziehung
  • Ethik und Moral
  • Gesellschaft und Politik

 

Kurzbiografien der erwähnten Philosophen und Literaturangaben zur persönlichen Vertiefung schließen ein Buch ab, das in keiner öffentlichen Bibliothek und keine Oberstufenbibliothek fehlen sollte.

 

Hervorragend geeignet für eine kurzen Überblick über ein philosophisches Stichwort oder Problem und guter und motivierender Einstieg für Anfänger.

Atlas der ungezähmten Welt

 

 

Chris Fitch, Atlas der ungezähmten Welt, Brandstätter Verlag 2017, ISBN 978-3-7106-0151-4

 

Verschiedene Orte ungezähmter Wildnis stellt der Atlas von Chris Fitch vor, zum Beispiel verwilderte, ehemals von Menschen bewohnte Dörfer und Städte, etwa die Region um Tschernobyl .

Grenzgebiete wie die UN-Pufferzone zwischen dem griechischen und türkischen Teil Zyperns werden zu ungeplanten Grünstreifen mit reichhaltigem Tierleben, ebenso die 4 km breite Pufferzone zwischen Nord- und Südkorea.

Auch Orte extremer Hitze und extremer Kälte werden in  einigen Kapiteln, beschrieben, die Kristallhöhle mit 11 Meter langen Eiskristallen in Mexiko etwa oder das Death Valley mit Temperaturen über 50 °Celsius.

Jeder Ort wird mit Karte, 2- bis 3-seitigem Text und einem Schwarzweiß-Foto vorgestellt.

Der Atlas der ungezähmten Wildnis bietet viele Impulse, sich mit unbekannten und rätselhaften Orten rund um den Globus genauer zu befassen. Für Abenteurer und Hobbybiologen auch als Geschenk für unterschiedliche Anlässe geeignet.

 

Auf das Leben! Witz und Weisheit eines Oberrabbiners

 

 

 

 

Paul Chaim Eisenberg, Auf das Leben! Witz und Weisheit eines Oberrabbiners, Brandstätter 2017, ISBN 978-3-7106-0162-0

 

Paul Chaim Eisenberg war von 1983 bis 2016  Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien. Als gerade einmal 33 – jähriger Rabbiner trat er nach Tätigkeiten und Ausbildungen in Jerusalem die Nachfolge seines Vaters an und ging im vergangenen Jahr in den Ruhestand. Vor über zehn Jahren schon hatte er in seinem Buch  „Erlebnisse eines Rabbiners. Geschichte und Geschichten“ von seiner Arbeit erzählt und dabei ein Erlebnis geschildert, das mit all die Jahre in eindrücklicher Erinnerung geblieben ist und das sich seitdem auf schreckliche Weise immer wiederholt.

1996 diskutiert er mit einem Moslem und einem katholischen Theologen über das Thema „Abrahams Erben. Absoluter Wahrheitsanspruch versus interreligiösem Dialog – die drei monotheistischen Religionen im Gespräch“. Als er in den Saal kommt, denkt er, die an Kleidung und Kopfbedeckung erkennbaren moslemischen Fundamentalisten würden vielleicht ihm gegenüber aggressiv werden. Aber sie „unterbrachen häufig nicht mich, sondern den moslemischen Sprecher, der die gemäßigte Linie des Islam vertreten hat. Sie unterbrachen ihn besonders dann, wenn er Stellen aus dem Koran zitierte, die liberal klangen. Bei dieser Gelegenheit zitierten sie aggressivere, gegen Nichtmoslems eher unfreundliche Koranstellen. Ich habe daraus den Schluss gezogen, dass die gemäßigten Vertreter verschiedener Religionen einander manchmal besser verstehen als Menschen gleicher Religion, wenn es sich einerseits um gemäßigte und andererseits um fundamentalistische Vertreter dieses Glaubens handelt.

Man könnte noch schärfer formulieren: Die gemäßigten Vertreter sind sich darin einig, dass sie an einem Tisch sitzen könnten. Die extremen Kräfte sind sich einig darin, dass die anderen zu bekämpfen seien.“

 

Dass dabei für Eisenberg auch immer schon Witz, Selbstironie und Gelassenheit dazu gehören, zeigt er in dem nun bei Brandstätter erschienenen Buch „Auf das Leben!“, in dem er nicht nur von seinen reichen Lebenserfahrungen und vielen Begegnungen mit Menschen auch anderer Religionen erzählt, sondern viele jüdische Weisheiten diskutiert, die er mit ragen des Lebens und der Lgik des Talmud zusammenbringt.

 

Das Buch ist ein sehr persönlich gehaltenes, vom starken Glauben an das Kommen des Messias geprägtes Zeugnis, das gleichzeitig ein humorvoller Kompass für viele Fragen des Alltags darstellt – auch für Nichtjuden.

 

 

Zu Gast in Highclere Castle

 

 

 

 

Fiona Countess of Carnarvon, Zu Gast in Highclere Castle, Callwey 2017, ISBN 978-3-7667-2292-8

 

Ich habe im vergangenen Jahr nach einem Tipp von Freunden alle erhältlichen Staffeln und Filme der englischen Serie „Downton Abbey“ mit Begeisterung angeschaut. Nicht nur für die Fans dieser Serie ist das vorliegende, großzügig ausgestattete Buch der 8. Countess von Carnarvon aus dem Callwey Verlag zu empfehlen.

 

Sie führt in die bewegte Geschichte von Highclere Castle ein, wo die Serie gedreht wurde. Highclere Castle ist über die Jahrhunderte ein überaus bekanntes Haus gewesen, in dem Royals, Staatsmänner und Technikpioniere ebenso wie bekannte Persönlichkeiten aus Musik, Kunst und Literatur empfangen wurden.

 

An fünf Beispielen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die heutigen Tage stellt die Autorin berühmte Besucher vor, und erzählt die historischen Umstanden und Zusammenhänge der jeweiligen Aufenthalte in Highclere Castle.

 

Sie lässt den Leser teilhaben an den Anekdoten des Hauses und seiner Gäste, erlaubt den Blick durchs Schlüsselloch und lässt Mitarbeiter und Persönlichkeiten zu Wort kommen. Sie führt den Leser durchs Schloss, teilt die Kunst des Gastgebens im Wandel der Jahrhunderte und verrät rund 100 köstliche Rezepte und Menüs, die zu allen Gelegenheiten die Besucher erfreuten.

 

Für alle Freunde von „Downton Abbey“ ist dies ein Buch mit hohem Wiedererkennungswert, interessanten historischen Informationen und einer Fülle von Rezepten, die nachgekocht werden wollen. Besonders positiv sind die vielen Bilder zu werten, oft über eine ganze Doppelseite gehend.

 

Sie bereichern das Buch ungemein.

 

 

Wer schreit hat Unrecht. 300 Tipps für Power-Rhetorik

 

 

 

 

 

Bernhard Ahammer, Wolf Hagen, Wer schreit hat Unrecht. 300 Tipps für Power-Rhetorik, Goldegg Verlag 2017, ISBN 978-3-99060-051-1

 

Dieses Buch ragt unter den zahlreichen Ratgebern zur Verbesserung der eigenen Rhetorik und Körpersprache ganz besonders hervor. Es ist klar strukturiert und langweilt den Leser nicht mit Theorien und Philosophien. Es enthält nur Fallen, bei denen man sich gleich selbst erkennt und konkrete Tipps. Die jedoch sind gut zu verstehen und sehr praxisorientiert. Sie fassen auf vielen Gebieten (Ausdrucksweise, Gesprächsführung, Telefonieren, E-Mailverkehr, Reden, Konfliktmanagement, Argumentation, Verhandeln) zusammen, was bei professionellen Coaches „state of the art“ ist.

 

Gleich auf welchem Feld man beginnt, die Tipps sind leicht anwendbar und überprüfbar.  Am Ende des Buches sind alle 300 Tipps auf einen Blick noch einmal aufgelistet und können so wie weiland die Vokabeln im Englischbuch immer wieder memoriert und beherzigt werden.