Wo unser Wetter entsteht

 

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Rolf Schlenker, Sven Plöger, Wo unser Wetter entsteht. Eine meteorologische Reise, Belser 2016, ISBN 978-3-7630-2709-5

 

Im Dezember 2015 erschienen, geht dieses Buch des ARD-Meteorologen Sven Plöger und des SWR-Wissenschaftsjournalisten Rolf Schlenker nun schon in die dritte Auflage. Das ist ungewöhnlich selbst für ein populäres Sachbuch und zeigt, wie sehr das Thema Wetter die Gemüter der Menschen beschäftigt.

Jeder Sender im Radio hat seit Jahren einen speziellen Wettermoderator, der oft mehrmals pro Stunde zu den Wetteraussichten des Tages und der kommenden Tage befragt wird. Die Wetterfrösche in den verschiedenen Fernsehkanälen sind in diesen Zeiten oft bekannter als die Nachrichtensprecher.

Zu ihnen gehört seit langem für die ARD auch Sven Plöger, der sich in seinen Moderationen, vor allem aber in seinen Veröffentlichungen dadurch auszeichnet, dass er nicht unbedingt gleich in den Chor derjenigen einfällt, die permanent von der Klimakatastrophe sprechen.

Er plädiert immer wieder, auch in diesem Buch, dafür, die „natürliche“ von der „menschengemachten“ Erwärmung zu trennen.

Für dieses Buch, das seine Leser mitnimmt auf einen Weg, in fünf Schritten das Wetter zu verstehen, haben Rolf Schlenker und Sven Plöger in mehreren Reisen die Schauplätze aufgesucht, die unser Mitteleuropäisches Wetter bestimmen. Sie waren auf den Azoren, in Island und am Golf von Genua und erklären insbesondere die Bedeutung des Atlantiks und des Golfstroms.

Mit zahlreichen Bildern und Fotografien und vor allen Digen mit ihren sehr verständlichen Texten, schaffen es die beiden Autoren, hochkomplexe Zusammenhänge herunter zu brechen und dem normalen Menschen zu erklären.

Nachdem sie in fünf Schritten sehr nachvollziehbar für mehr Verstehen der Zusammenhänge gesorgt haben, widmen sie sich in einem abschließenden Kapitel sehr differenziert dem Klimawandel. Ihre conclusio: Reduzierung der CO 2 Konzentration in der Atmosphäre durch den Verzicht auf Kohle, Gas und Öl. Und das halten sie für machbar.

Wie man die Entstehung von Wetter, wie man Wetterphänomen der Vergangenheit wie den Sturm „Lothar“ oder das Elbhochwasser 2002 anschaulich erklären und dabei noch packend erzählen kann –Rolf Schlenker und Sven Plöger haben es hier vorgemacht.

Alles würd ich für dich tun

 

 

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Helmut Walch, Angela Holzmann, Alles würd ich für dich tun, Patmos 2015, ISBN 978-3-8436-0584-7

 

Paul ist ein großer brauner Bär und bei allen anderen Tieren, die er kennt, sehr beliebt. Nun aber hat er sich gestern an der Pfote verletzt und liegt mit großen Schmerzen im Bett. Als seine Freude davon hören komm en sie alle und wollen ihn besuchen. Der Igel, der Rabe, das Kamel, der Elefant, der Löwe und das Pferd, aber auch das schüchterne Schaf machen sich auf den Weg zu ihm.

Einer nach dem anderen möchte ihn mit den unterschiedlichsten Dingen aufheitern. „Alles würd ich für dich tun“, sagt der Löwe und spricht damit allen anderen Tieren aus dem Herzen. Doch all ihre gut gemeinten Vorschläge sind nichts für einen Bären, der krank im Bett legt und dem alles weh tut.

Als sie alle schon ganz ratlos wieder gehen wollen, hat das kleine Schaf, das sich bisher nicht gemeldet hat, eine Idee. Es legt seine wollige Hufe auf die mächtige Pranke des Bären und sagt: „Du sollst fühlen, wie leid du uns tust. Und wie sehr wir uns alle wünschen, dass du schnell wieder gesund wirst!“

Die Wärme dieser liebevollen Berührung steigt im Arm des Bären hoch und gleichzeitig sein Vertrauen, dass seine Wunde bald wieder heilen wird.

Ein schönes Bilderbuch darüber, was kranke Wesen wirklich brauchen.

 

 

 

 

Herr Wondrak rettet die Welt, juchhe

 

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Janosch, Herr Wondrak rettet die Welt, juchhe, Droemer 2016, ISBN 978-3-426-27693-8

 

Die Leser der ZEIT kennen Janoschs Herrn Wondrak, der einem manchmal wie ein Alter Ago des berühmten Zeichners vorkommt, seit langem aus dem der liberalen Wochenzeitung beiliegenden ZEIT-Magazin.

Mit der Genehmigung des Zeitverlags hat der Droemer Verlag nun eine Auswahl der bisher seit 2013 erschienen Folgen in einem Buch zusammengefasst. Die Aphorismen über Herrn Wondrak sind deshalb etwas Besonderes, weil Janosch vorher über zehn Jahre keine einzige Zeile und kein einziges Bild mehr veröffentlicht hatte.

Immer Kontakt zur Tigerente haltend macht Wondrak, ein wahrer Philosoph, eigentlich alles falsch, doch sein Leben läuft genau richtig. Er besitzt fast nichts und ist doch auf seine Weise reich. Nie hat er was zu tun, und doch ist er ständig mit wichtigen Dingen des Lebens beschäftigt. Zum Beispiel mit der Weltrettung. Er kennt keine Grenzen, nur Möglichkeiten.

Tillmann Prüfer, Redakteur des Zeit-Magazins schreibt in seinem Nachwort: „Was können wir von Wondrak lernen? Vielleicht, die Freiheit des Geistes, mehr schätzen zu lernen. Man kann einem alles nehmen, aber nicht den inneren Reichtum. Es ist ganz egal, wie trist das Dasein ist, wenn die Dinge, die man sich vorstellt, schön sind. In der Phantasie, zeigt uns Wondrak, können wir unsere eigenen Helden sein. Vielleicht ist es der einzige Weg, ein Held zu sein. Den Rest, die Realität und so, gilt es mit Gleichmut zu ertragen.“

 

Bilder mit viel Hintersinn.

Und du bist nicht zurückgekommen

 

 

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Marceline Loridan-Ivens, Und du bist nicht zurückgekommen, Insel 2015, ISBN 978-3-458-17660-2

 

Fünfzehn Jahre alt ist Marceline Rozenberg, als sie 1944 zusammenmit ihrem Vater von den Nazis festgenommen wird und deportiert wird. Sie kommt nach Birkenau und überlebt dort wie durch ein Wunder, der Vater kommt in Auschwitz ums Leben. Kurz vor seinem Tod gelingt es dem Vater auf einem kleinen Zettel eine Botschaft an seine Tochter aus dem Lager zu schmuggeln. Doch Marceline kann sich nur noch an die Anrede („Mein liebes kleines Mädchen“) und an die Unterschrift des Vaters. Den Rest hat sie vergessen, worunter sie ein Leben lang leidet.

Siebzig Jahre nach ihrer Befreiung aus Auschwitz schreibt sie mit Hilfe von Judith Perrignon ihrem Vater einen langen Brief. Der Brief ist eine Liebeserklärung an den Vater und gleichzeitig ein letzter Versuch, die furchtbaren Geschehnisse aus der Vergangenheit zu verarbeiten. Grauenvolle und unmenschliche Ereignisse, die das normale Vorstellungsvermögen übersteigen, und die Marceline für ihr ganzes Leben prägen sollten.

Doch sie erzählt auch von dem Leben danach, als niemand hören wollte von „dort“ und als sie unter einem stummen Vorwurf gelitten hat: warum bist du zurückgekommen und nicht der Vater, den die Familie nötiger gebraucht hätte.

Das kleine Buch ist ein bewegendes Zeugnis einer Überlebenden, die wie vieler andere, die ein ähnliche Schicksal hatten, ihr ganzes Leben lang damit hadern, überlebt zu haben und das Lager nie ehr aus ihrer Seele bekommen:

„Die Wörter hatten uns verlassen. Wir hatten Hunger. Das Massaker war in vollem Gange. Ich hatte sogar Mamas Gesicht vergessen. Und da war deine Botschaft vielleicht plötzlich zu viel Wärme, zu viel Liebe, ich habe sie nach dem Lesen sofort geschluckt, wie eine Maschine, die Hunger und Durst hat. Und dann habe ich sie ausgelöscht. Zu viel daran denken hieß, den Mangel zuzulassen, es macht verwundbar, es weckt die Erinnerungen, es schwächt und es tötet. Im Leben, dem richtigen, vergisst man auch, man geht darüber hinweg, man verlässt sich auf die Gefühle. Dort ist es das Gegenteil, zuerst verliert man die Bezugspunkte der Liebe und der Sensibilität. Man erfriert von innen her, um nicht zu sterben.“

 

 

 

 

 

Die Bremer Stadtmusikanten

 

 

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Gerda Muller, Die Bremer Stadtmusikanten, Moritz 2016, ISBN 978-3-89565-320-9

Alle haben sie an ihrem jeweiligen Ort für die Menschen, denen sie dienten über viele Jahre ausgedient und sollen getötet werden: zuerst der Esel, der beschließt, zu fliehen und in Bremen Stadtmusikant zu werden. Dann nacheinander die Katze, der Hund und der Hahn, die sich dem Esel anschließen, weil sie es für eine gute Idee halten, ein besseres Ziel als den Tod zu haben.

Wie sie dann mit ihrer „Musik“ die Räuber in einem Haus im Wald vertreiben und schlussendlich darauf verzichten, nach Bremen zu gehen, sondern in ihrem neuen Haus glücklich miteinander leben – all das hat Gerda Muller mit zarten und farbenfrohen Bildern für ein in der Form fast quadratisches Bilderbuch in Szene gesetzt und illustriert.

Gerda Muller ist 1926 in den Niederlanden geboren, lebt in Paris und hat im Moritz Verlag in den letzten Jahren zwei schöne Spuren-Bilderbücher veröffentlicht.

 

Das Mädchen mit dem Fingerhut

 

 

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Michael Köhlmeier,  Das Mädchen mit dem Fingerhut,  Der Hörverlag 2016, ISBN  978-3-8445-2107-8

Die Orte und Städte, in denen der neue schmale  Roman  von Michael  Köhlmeier  spielt, können in jedem Land Westeuropas liegen. Ein Europa, das in diesen Tagen zu zerbrechen droht an einer Herausforderung, die sich die meisten Regierungen weigern, gemeinsam zu meistern und zu lösen. Ob dies überhaupt möglich ist, ohne wesentliche Werte aufzugeben und für unantastbar gehaltene Rechte auszusetzen, das werden die nächsten Wochen und Monate zeigen.

Michael Köhlmeier Roman handelt von Kindern. Drei von Hunderttausenden,  die sich mit Eltern oder alleine auf den Weg in eine vermeintlich bessere  Zukunft gemacht  haben und versuchen, in einem fremden Land ohne  Sprachkenntnisse  zu überleben.

Das sechsjährige Mädchen,  dessen Geschichte  Michael Köhlmeier sensibel und mit einer schlichten, poetischen Sprache verfolgt,  ist mit einem „Onkel“, der nicht näher beschrieben wird,  ins Land  gekommen. Der setzt sie auf dem Marktplatz einer  größeren Stadt  vor dem Laden von Bogdan ab,  einem freundlichen Händler, der dem stummen Mädchen zu essen gibt. Sein Freund, der Fischhändler, unterstützt ihn dabei, rät jedoch, die Polizei zu rufen, um sich nicht in Schwierigkeiten zu bringen. Als das Mädchen das Wort „Polizei“ hört , beginnt es zu schreien wie am Spieß.

Abends holt sie der Onkel an einer verabredeten Stelle wieder ab und setzt sie am nächsten Tag wieder bei Bogdan ab. Als nach einigen Tagen  der Onkel  nicht da ist, irrt das Mädchen durch die Stadt und wird irgendwann von einer freundlichen Polizeibeamtin in ein Heim gebracht. Dort trifft sie auf einen älteren Jungen namens Schamhan und den kleinen  Arian. Schamhan kennt sowohl die Sprache des Mädchens als auch die des kleinen Jungen.

Sie fliehen aus dem Heim und versuchen sich durchzuschlagen. Schamhan redet von einem Haus, das er finden will, wo sie über den Winter  bleiben können,  weil seine  Bewohner im Süden in der Sonne sind.

Niemand weiß,  wo die Kinder herkommen. Das Mädchen wird Yiza  genannt, weil es auf eine entsprechende nicht verstandene Frage dieses Wort gesagt hat.  Irgendwann ist auch der große
Junge  verschwunden, und auch Arian kommt nicht wieder, als eine alte Frau das Mädchen bei sich aufnimmt, offenbar ohne die Behörden zu informieren.  Doch Arian findet sie Monate später, schlägt die alte Frau brutal nieder, und sie fliehen erneut.
„Arian ist  der Kapitän.  Er geleitet  das Schiff zu den Freunden und in den Sommer. Die Freunde, das sind  eine Horde  von Zerlumpten, die bereits zu alt sind für Mitleid und Rührung. “

Mit diesen Worten lässt Michael Köhlmeier seinen nachdenklichen Roman enden. Einen Roman, der erzählt  von Menschen ohne Herkunft. Ein Roman, der sich Sentimentalitäten verweigert und dennoch mit kräftigen Worten und lebendigen Bildern erzählt  von der kindlichen Kraft  des Überlebens.

Ein Buch ohne gutes Ende, obwohl sich im seinem Verlauf an mehreren  Stellen ein solches anbot. Aber die Wirklichkeit  sieht oft anders aus. Dunkler,  trauriger, ohne wirkliche Hoffnung. Der Autor selbst hat dieses Hörbuch eingelesen und seine intensive Stimme verstärkt den dunklen, hoffnungslosen und dennoch empathischen Ton dieses Buches. Ein Buch über Kinder, von denen wir diese Tage hören, dass über 10 000 von ihnen mittlerweile verschwunden sind. Namenlos werden sie versuchen sich durchzuschlagen, potentielle Opfer für vielfache Ausbeutung.

Nur ein Tag

 

 

 

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Martin Baltscheit, Nur ein Tag, Dressler 2016, ISBN 978-3-7915-2702-4

Nachdem „Nur ein Tag“ mehrfach als Theaterstück aufgeführt wurde und auch als Hörbuch großen mit Preisen ausgezeichneten Erfolg hatte, erscheint es nun endlich mit wunderbaren Illustrationen von Wiebke Rauers bereichert im Dressler Verlag als Buch. Es ist ein Buch für Erwachsene und Kinder zugleich und es erzählt von Freundschaft, dem Reichtum und dem Glück des Lebens und seiner unbändigen Kraft.

Voller Poesie und mit unvergesslichen Formulierungen (Beispiel: „Der Stundenplan des Lebens füllt sich von selbst.“) erzählt der erfolgreiche Kinder- und Bilderbuchautor Martin Baltscheit die Geschichte von einem Fuchs und einem Wildschwein, die einer Eintagsfliege beim Schlüpfen zusehen. Sie ist von so großer Anmut und Schönheit, dass sich beide sofort in sie verlieben. Sie wissen, dass sie nur einen Tag zu leben hat, aber sie trauen sich nicht der Fliege das zu sagen. Stattdessen behauptet das Wildschein, es sei der Fuchs, der nur einen Tag zu leben hat.

Wie die Eintagsfliege dann mit all ihrer Kraft, Liebe und Phantasie versucht, den Tag für den Fuchs zu seinem allerschönsten Tag zu machen, ist berührend und treibt einem beim Lesen abwechselnd die Tränen in die Augen und ein Lächeln ins Gesicht. Sie gibt alles, denn „wer nur einen Tag, der braucht das ganze Glück in 24 Stunden.“

Ein wunderbares, absolut preisverdächtiges Buch, eine Ode an das Leben, an jedes Leben, und sei es auch noch so kurz. Beim Lesen sind mir Menschen präsent gewesen, die ich in der Vergangenheit oder ganz aktuell in ihrem Sterben begleite. Und es hat mir so viel Kraft gegeben.

 

 

Drüber & Drunter. In der Natur

 

 

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Anne-Sophie Baumann, Drüber Drunter. In der Natur, Gerstenberg 2016, ISBN 978-3-8369-5889-9

Was gibt es alle sin der Natur zu beobachten? Was lebt und wächst am Teich, am Meer, im Wald, in den Bergen und im eigenen Garten?  Welche Tiere leben dort oder finden ihren Unterschlupf, welche seltsamen Dinge sind zu sehen und zu entdecken und welche Bedeutung haben sie?

Mit einem Bilderbuch in ungewöhnlichem Format (32×15) laden Anne-Sophie Baumann und Clotilde Perrin kleine Kinder ab etwa 4 Jahren zu einer Entdeckungsreise in die reiche und vielfältige Welt unserer Natur ein. Erstaunlich, was sich unter Wiese am Rande der großen Berge alles verbirgt!

Viele große und kleine Klappen müssen geöffnet werden, damit die Geheimnisse und Überraschungen des Untergrunds gelüftet werden können. Das Buch bietet viele Informationen, spart aber auch nicht mit lustigen Einwürfen.

Sehr zu empfehlen.

Henriettes Heim für schüchterne udn ängstliche Katzen

 

 

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Alicia Potter, Brigitte Sif, Henriettes Heim für schüchterne und ängstliche Katzen, Gestenberg 2016, ISBN 978-3-8369-5888-2

 

Henriette ist eine gute Frau. Und sie liebt Katzen. Eines Tages hat sie eine Idee, und sie eröffnet ein Heim für schüchterne und ängstliche Katzen. Zunächst zweifelt sie stark daran, ob ihr Angebot überhaupt angenommen wird, doch schon bald bringen die Menschen ihre Tiere zu ihr. Katzen, die vor Mäusen wegrennen, Angst haben vor Vögeln, nicht springen oder schnurren können. Lauter nutzlose und hoffnungslose Fälle in den Augen ihrer Besitzer. Doch auch viele streunende Katzen finden den Weg in Henriettes Heim und zu guter Letzt auch Krümel, die allerängstlichste Katze von allen.

Henriette unterrichtet ihre Katzen und hat Verständnis für die, die erst einmal nur zuschauen wollen. Den kleinen Krümel schließt sie ganz besonders in ihr großes Herz. Sie gesteht ihm, dass auch sie Angst hat, besonders vor Pilzen und Eulen. Und Krümel saugt jedes ihrer Worte auf. „Eines Tages so hoffte er, würde er den Mut finden, ihr zu danken.“ Doch könnte er je mutig sein?

Schon bald ergibt sich die Gelegenheit dazu. Als im Haus die Milch ausgeht, muss Henriette noch am Abend das Haus verlassen, um neue Milch zu holen und sagt zu Krümel, sie sei gleich zurück. Doch unterwegs stürzt sie in einen Graben. Voller Angst sieht sie einen Haufen Pilze um sich herum und auf den Bäumen sitzen Eulen über ihr.

Die Katzen im Haus machen sich Gedanken. Doch sie wissen nicht, was man tut, wenn der Mensch, den man lieb hat, plötzlich verschwunden ist.

Da allein Krümel weiß, wo Henriette hingegangen ist, fasst er sich ein Herz, macht einen Buckel, krümmt den Schwanz, und dann führt er eine lange Reihe von Katzen durch den Wald. Und sie finden und retten Henriette in einer beispiellosen Aktion.

Und Krümel ist überglücklich…

Ein schönes Bilderbuch, das schüchternen und ängstlichen Kindern zeigen kann, dass in jedem genug Mut steckt für Ungewöhnliches.

Jessicas Box

 

 

 

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Peter Carnavas, Jessicas Box, Carl Auer 2014, ISBN 978-3-8497-0028-7

Die kleine Jessica soll in die Schule kommen. Mit großen Erwartungen blickt sie ihren ersten Schultag entgegen, hat aber auch Ängste und  Befürchtungen. Das, was fast allen Kindern (und Eltern!) vor dem ersten Schultag durch den Kopf geht, Fragen, ob man eine Freund finden wird, ob man von den anderen Kindern gemocht werden wird, so wie man eben ist, all das beschäftigt auch die kleine Jessica.

Um nichts dem Zufall zu überlassen, packt sie ihren Teddy in eine Box und zeigt ihn in der Schule den anderen Kindern. Die halten sich schon für groß und unterdrücken nur mühsam ein abschätziges Lachen.

Am nächsten Tag nimmt sie Doris mit, ihren Hund. Der findet natürlich sofort die Aufmerksamkeit aller Kinder und Jessica sonnt sich darin. Doch da der Hausmeister etwas gegen Tiere in der Schule hat, ist ihr für die Zukunft auch diese Möglichkeit versperrt.

Jessica ist traurig und verkriecht sich in ihre Kiste. Da findet sie ein  Junge, ruft: „Hab dich gefunden!“ und im Nu sind sie beide in einem schönes Versteckspiel engagiert. Und sie hat einen neuen Freund!
Als sie nach Hause kommt, sagt der Großvater: „Da musst du ja heute etwas ganz Besonderes in deiner Box gehabt haben.“ Und ob.

Mit einfühlsamen Texten und ansprechenden Illustrationen beschreibt Peter Carnavas, warum man nicht gemocht wird wegen der Dinge, die man besitzt, sondern um seiner selbst willen.

„Menschen denken in Geschichten. Das gilt für Erwachsene wie für Kinder. Geschichten ermöglichen, unterschiedliche Menschen und ihre Verhaltensweisen, die Beziehungen zwischen ihnen und deren Veränderung im Laufe der Zeit darzustellen und zu erfassen, erlebbar zu machen – Liebe und Streit, Glück und Unglück. Ein Mensch, der eine Geschichte hört oder liest, identifiziert sich – bewusst oder unbewusst – mit den Personen in dieser Geschichte. Die psychische Entwicklung des Einzelnen wird unter anderem davon bestimmt, in welchen Geschichten er sich selbst sieht oder erlebt. Wer sich als Akteur in einer Geschichte mit einem unglücklichen Ausgang sieht, wird anders handeln als derjenige, der sich in einer Geschichte mit einem glücklichen Ausgang sieht.“
Das ist das Credo der Reihe, in der auch das hier angezeigte Buch erschienen ist und die bisher ausnahmslos sehr wertvolle Bilderbücher aufgenommen hat.