Riesengross und klitzeklein

 

 

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Anita Ganerie, Riesengroß und klitzeklein, Ravensburger Verlag  2015, ISBN 978-3-473-55394-5

 

Mit diesem für den Ravensburger Verlag typischen Sachbilderbuch können Kinder auf eine ganz besondere und einzigartige Weise eintauchen und sich bezaubern lassen von der geheimnisvollen Lebenswelt der Ozeane. Da gibt es winzige Ruderfußkrebse und riesige Blauwale. Hochwertige 3-D-Illustrationen zeigen die Meeresbewohner in Originalgröße und machen sie aus nächster Nähe erlebbar.

Indem sie etwa ihre Hände neben die Abbildung halten, bekommen die Kinder einen sehr realistischen Eindruck von der Größe der verschiedenen Meeresbewohner.  Kurze, aber sehr informative Texte vermitteln Sachwissen und Hinweise zur ökologischen Gefährdung der Meere und ihrer Lebenw2esen fehlen ebenso wenig.

Für alle, die etwas wissen und lernen wollen. In gleicher Aufmachung ist auch ein Band über die Lebewesen des Regenwaldes erschienen.

 

Einer von uns

 

 

 

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Asne Seierstad, Einer von uns. Die Geschichte eines Massenmörders, Kein & Aber 2016, ISBN 978-3-0369-5740-1

 

Als am 22. Juli 2011 Anders Behring Breivik in der Hauptstadt Oslo im Regierungsviertel und kurz danach auf der Insel Utoya insgesamt 77 meist junge Menschen tötete, da stand ein ganzes Land unter Schock. Ein friedliches, ein wohlhabendes Land, das stolz darauf war, alle seine Probleme, insbesondere die Integration so vieler Flüchtlinge bisher gut gemeistert zu haben.

In einer sehr umfangreichen und von der New York Times als eines der besten zehn Bücher des Jahres bezeichneten Reportage verfolgt die norwegische Journalistin Asne Seierstadt nicht nur die Lebensgeschichte des Attentäters bis zu seiner Tat, sondern in vielen Erzählsträngen folgt sie der Lebensgeschichte der Opfer und ihrer Familien, ihrer Träume und Hoffnungen und wie sie, nicht selten mit Migrationshintergrund, versuchen ihren Platz und ihre Heimat in der norwegischen Gesellschaft zu finden. Über viele Hundert Seiten und viel Jahre folgt sie deren Geschichten und gibt den Opfern und ihren Familien ein Gesicht.

Doch auch in der hervorragend recherchierten Beschreibung des Lebenswegs von Anders Behring Breivik hütet sie sich vor Pathologisierung und Dämonisierung. Immer wieder sucht sie nach den sozialen und psychologischen Hintergründen seiner Tat, die dadurch aber keinen Deut verständlicher wird. Im Gegenteil. Dass die ganze Gesellschaft für eine solche Entwicklung ein Stück mit Verantwortung trägt, steht für Asne Seierstadt außer Frage.  Bei der Beschreibung der Quellen, die Breivik nutzte, um sein abstruses Weltbild zu formen, war ich mehr als einmal an die jüngsten Nachrichten aus unserem Land erinnert, besonders durch unabhängige Medien wie etwa die Huffington Post, die nachweisen, in welchem Dunstkreis rechtsradikaler und faschistischer Ideen und Haltungen sich die AfD bewegt.

Wie gerade gestern das Massaker in Orlando gezeigt hat, ist die Tat von Breivik kein Einzelfall geblieben. Umso wertvoller scheint mir das vorliegende Buch, ein Meisterstück der literarischen Reportage. Ein Buch, das wegen der Grausamkeit, das es beschreibt, nur sehr schwer zu verdauen ist. Das Land Norwegen hat sich längst davon erholt, wie man am Ende erfährt, aber die betroffenen Familien werden das niemals können. Die Wunden bleiben.

 

 

 

 

Wer war`s wo?

 

 

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Olivier Tallec, Wer wars wo, Gerstenberg 2016, ISBN 978-3-8369-5887-5

 

Auf insgesamt zwölf im ungewohnten Querformat anzuschauenden Seiten hat der französische Kinderbuchautor Olivier Tallec jeweils fünf Figuren abgebildet. Mit viel Fantasie gezeichnet und witzig und originell verkleidet, tun Tiere und Kinder so, als wären sie es nicht gewesen.

Doch zu jeder der zwölf Fragen gibt es eine Lösung. Eine von ihnen war es gewesen.

• Wer hat seien Jacke an der Garderobe vergessen?
• Wer schaut sich im Spiegel an?
• Wer ist in den Farbeimer getreten?
• Wer spukt als Gespenst herum?

Das sind nur ein Drittel der Suchfragen, mit denen Olivier Tallec seine kleinen Leser auf die Spur setzt. Die Lösung jeweils herauszubekommen ist auf den ersten Blick gar nicht so einfach. Es erfordert genaues Hinschauen und Spürsinn.

Auf der letzten Seite eines ungewöhnlich originellen Bilderbuchs sind die jeweiligen Lösungen abgebildet, sodass beim nächsten Versuch die Identifikation des „Täters“ besser gelingt.

Eine schöne Idee.

Der Jargon der Betroffenheit

 

 

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Erik Flügge, Der Jargon der Betroffenheit. Wie die Kirche an ihrer Sprache verreckt, Kösel 2016, ISBN 978-3-466-37155-6

 

Ein dreißigjähriger Berater für Kommunikations-und Beteiligungsprozesse setzt sich hin und schreibt eine Streitschrift über die Sprache, die er in der Kirche vorherrschen sieht. Solch eine Mühe macht sich entweder einer, der mit dem Objekt seines Themas vollständig abgeschlossen hat, oder einer, der sich ihm derart verbunden fühlt, dass er leidenschaftlich auf Veränderung drängt.

Erik Flügge gehört zu denen, denen die Kirche und ihre Botschaft derart wichtig sind (er beschreibt am Ende des Buches, wie sie ihm durch das Schreiben wieder sehr nahe gekommen ist). Deshalb ärgert ihn die Sprache, die ihm in den allermeisten Predigten und Verlautbarungen der Kirche und ihrer Prediger entgegenkommt so. Er hält die Kirche sprachlich in den Achtzigern hängengeblieben. Wobei unklar bleibt, warum vor 30 Jahren die verschrobenen und gefühlsduselnden Wortbilder, für die er unzählige Beispiele aufführt, noch akzeptierbar gewesen sind, und heute nicht.

Den Predigern rät er: „Ein neuer Auftritt von Kirche muss sich auch im Sprechen ausdrücken, Lassen Sie das nächste Mal einfach die belanglose Geschichte weg, wenn Sie predigen. Sagen Sie einfach, was Sie sagen wollen, so wie Sie es einem Freund sagen würden. Sie wären überrascht, was sich plötzlich verändern kann.“

Ich möchte als Pfarrer im Ruhestand, der mehrmals im Jahr noch gerne vertretungsweise in der örtlichen Kirche predigt, hinweisen auf meinen schon lange verstorbenen geschätzten homiletischen Lehrer Gert Otto aus Mainz, von dem ich in den Siebzigern gelernt habe, Predigt als Rede zu verstehen, bei deren Verfassen die Lehren der Rhetorik beachtet werden sollten.

Dabei war und ist die Poesie und zeitgenössische Literatur eine wichtige Hilfe. Sie erschließt die Wirklichkeit neu bzw. erschließt neue Wirklichkeit und hilft Erfahrungen und Hoffnungen zu artikulieren.

Dass auch die Liturgie des Gottesdienstes sich einer poetischen Sprache bedienen sollte ist ebenso wichtig. Liturgie sozusagen als dramatisierte Poesie.

Ich jedenfalls habe in den vergangenen dreißig Jahren sehr gute Erfahrungen damit gemacht und bekomme immer wieder von kirchennahen und von kirchenfremden Gottesdienstbesuchern gleichermaßen entsprechende Rückmeldungen.

 

 

Kicken, Kopfstehen, Klettern. Das große Sportwimmelbuch

 

 

 

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Marc Locatelli, Kicken, Kopfstehen, Klettern. Das große Sportwimmelbuch, Orell Füssli 2016, ISBN 978-3-280-03492-7

Das ist wirklich ein Wimmelbuch für die ganze Familie. Und ein richtig gutes zudem. Im Park, Im Stadion, in der Sporthalle, im Schwimmbad, im Wald, auf der Eisbahn und in den schneebedeckten Bergen -überall gehen hauptsächlich Kinder den unterschiedlichsten körperlichen und sportlichen Aktivitäten nach.

Man mag nicht aufhören, zusammen mit seinen Kindern immer etwas Neues zu entdecken und zu benennen und vor allen Dingen einzelnen Personen über die verschiedenen Seiten und Orten zu folgen und ihre Geschichte zu erfinden.

Rotraut Susanne Berner hat das in ihren berühmten Wimmelbüchern vorgemacht. Marc Locatelli steht ihr in nichts nach.

Ein wunderbares Buch. Eine Schatzkiste der Entdeckungen.

Alle einsteigen! Bauer Max hat Geburtstag

 

 

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Susanne Weber, Alle einsteigen. Bauer Max hat Geburtstag, Orell Füssli 2015, ISBN 978-3-280-03505-4

 

In einem schönen in Reimen gefassten Bilderbuch, das Catharina Westphal lustig illustriert hat, erzählt Susanne Weber, wie der Bauer Max, nachdem er alle Tiere zu seiner großen Geburtstagsparty im Festzelt eingeladen hat, diese nacheinander mit seinem Trecker und seinem Hänger abholt. Erst kommt eins, dann stiegen zwei zu, dann drei – langsam, während die kleinen Kinder mitzählen können, wird der Platz knapp auf dem Hänger.

Doch das tut der anschließenden Feier im Zelt keinen Abbruch. Eine lustige Geschichte in schönen Reimen mit vielen Überraschungsklappen.

Plötzlich Funkstille

 

 

 

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Benjamin Courtault, Plötzlich Funkstille, Kunstanstifter Verlag 2016, ISBN 978-3-942795-41-8

 

Das haben der Autor und der in Mannheim ansässigen ambitionierte Kunstanstifter-Verlag gleichermaßen verdient. Die Stiftung Buchkunst hat das Bilderbuch „Plötzlich Funkstille“ in seinem Genre zum schönsten Buch 20916 gekürt. In ihrer Begründung schreibt die Jury:

„Echte Sonderfarben – immer drei in wechselnden Kombinationen – drucken die rasterfreien Bildflächen, so dass sich neben- und übereinanderliegend kontrastierende Mischungen ergeben. Keine Farbe wird bevorzugt. Das erzeugt den eigentümlichen Camouflageeffekt. Durch diese Konzeption erreichen die Bilder, unabhängig von der Auflagenhöhe, die Qualität von Originaldruckgrafik.

Die Kompositionen sind als Dioramen aufgefasst. Meist parallelperspektivisch aufgebaut, gewinnen sie von einem hoch stehenden Blickpunkt aus an Raumtiefe. Mit der Spannung japanischer Farbholzschnitte sind große flächige Formen und kleinteilige Strukturen aufeinander bezogen. Die enorme Dynamik entfaltet sich erst, wenn man sich auf sie als stehende Bilder einlässt.

Dann beginnt ein Flirren, als wenn die Buchseiten selbst unter Strom stünden. Darin scheint das Geheimnis dieser klassisch-handwerklichen Buchillustrationen zu liegen.“

Es ist ein Bilderbuch, aber eigentlich eher für junge Erwachsene geeignet. Es erzählt davon, wie ein junger Mann aus dem monotonen Einerlei seines Lebens und seiner im Internet verbrachten Nächte fliehen will. Seine Freundin Marie kennt er nur aus dem Internet, sie hält eine solche Beziehung für intensiver. Eines Tages träumt sie, dass sich sein Leben radikal verändern würde.

Und dann begleitet der von den Bildern faszinierte Leser den jungen Mann auf einem traumähnlichen Roadtrip voller skurriler Wendungen beim sehnsuchtsvollen Versuch, die Fesseln seines Alltags zu sprengen.

Wie so viele Produktionen  aus dem Kunstanstifter Verlag: ungewöhnlich, extravagant und besonders.

Endgültig

 

 

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Andreas Pflüger, Endgültig, Random House Audio 2016, ISBN 978-3-8371-3402-5

 

Normalerweise bin ich kein Liebhaber von Thrillern. Doch seit den beiden letzten Büchern von Sebastian Fitzek mache ich hin und wieder einmal eine Ausnahme. Das vorliegende Buch von Andreas Pflüger, der als Drehbuchschreiber schon für über dreißig Filme, darunter viele Tatorte verantwortlich zeichnete, hat mich sofort angesprochen, auch deshalb, weil er bei Suhrkamp erschienen ist, dessen Lektorat für Qualität und literarischen Anspruch steht.

 

Ich habe mich nicht getäuscht und die 450 Seiten dieses überaus spannenden Buches fast ohne Unterbrechung gelesen. Genial konstruiert, arbeitet Pflüger mit zahlreichen Rückblenden, die dem Leser nach und nach die zunächst noch sehr rätselhaften Zusammenhänge erklären.

 

Seine Hauptfigur heißt Jenny Aaron. Sie ist die Tochter eines ehemaligen GSG 9 Beamten, der bei dem Einsatz in Mogadischu 1977 sich große Verdiente erwarb, und der seine Tochter ein Leben lang unterstützte und aufbaute. Jenny Aaron wurde schon in jungen Jahren nicht nur, aber auch wegen ihres Namens, das erste weibliche Mitglied einer Eliteeinheit der Polizei, die auch außerhalb Deutschlands undercover operierte.

 

Ein solcher Einsatz vor 5 Jahren in Barcelona geht schief und sie erblindet durch einen Schuss. Ihren Kollegen lässt sie in einer Tiefgarage schwer verletzt zurück, eine Hypothek, die sie seitdem belastet und die sie das ganze Buch über aufklären will. Jenny Aaron ist tough. Sie erlernt nicht nur die Blindensprache, sondern bald schon bewegt sie sich durch ihr Leben wie eine Sehende. Sie benutzt dafür unterschiedliche Laute und kann aus deren Echo genau ermessen, was da vor ihr liegt und in welcher Entfernung. Bald schon ist sie wieder im Dienst, nun als gefragte Vernehmungsspezialistin beim BKA in Wiesbaden, wo sie auch wohnt.

 

Das Buch beginnt damit, dass die früheren Kollegen aus Berlin Aaron um Hilfe bitten. Der Mörder Reinhold Boenisch, an dessen Verhaftung sie beteiligt war, hat in der Haft vermutlich eine Psychologin getötet  und will nur eine Aussage machen, wenn Aaron sie übernimmt.

 

Jenny Aaron übernimmt den Auftrag und gerät schon bald in Zusammenhänge und Netzwerke, die nicht nur ihr Leben bedrohen, sondern auch ihre Vergangenheit und insbesondere jenen gescheiterten Einsatz in Barcelona in ein ganz neues Licht rücken.

 

Insbesondere die Blindenthematik ist exzellent recherchiert (Andreas Pflüger gibt darüber in einem Nachwort Auskunft und kündigt auch eine Fortsetzung an). Die gleich zu Beginn implementierte Spannung wird bis zur letzten Seite ausrechterhalten und lässt dem Leser keine andere Wahl, als atemlos immer weiter zu lesen.

 

Ein auch literarisch sehr gelungenes Buch, dessen hier anzuzeigende Hörbuchfassung so gut eingelesen ist, dass man es vor spannendem Kitzel kaum aushält.

 

 

 

Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht einschlafen konnte

 

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Sabine Bohlmann, Kerstin Schoene, Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht einschlafen konnte, Thienemann 2016, ISBN 978-3-522-45819-1

 

Im Herbst kommt für die Siebenschläfer die Zeit für den Winterschlaf. Normalerweise funktioniert das auch bei den kleinen Siebenschläfern ganz gut.

Die Mutter des kleinen Tieres, das in diesem Bilderbuch die Hauptrolle spielt und mit dem sich die das Buch anschauenden Kinder identifizieren sollen, hat dafür auch gute Ratschläge:
„Einschlafen ist gar nicht so schwer. Mach die Augen zu und denk an lauter schöne Dinge, und dann wirst du sehen, wie einfach das geht!“

Doch manchmal ist es halt nicht so einfach, wie die Mütter sich das vorstellen oder wünschen. Der kleine Siebenschläfer hat echte Probleme mit dem Einschlafen. Alle Aufmunterungen der Mutter nützen nichts. Der Fuchs schlägt ihm vor, Schäfchen zu zählen, die Nachtigall singt ihm ihr schönstes Lied, so lange bis sie selbst einschläft.

Mit der Schnecke rennt er um den Block und die Eule erzählt eine Gute-Nacht-Geschichte, bis auch ihr die Augen zufallen. Es kommen noch zum Einsatz: eine Fledermaus und ein großer Bär, alle ohne Erfolg.

Der kleine Siebenschläfer beginnt schon Pläne zu machen, was er – wenn er denn schon nicht schlafen kann – in den sieben Monaten des Winterschlafs der anderen alles anstellen könnte – und in diesem Träumen schläft er ein.

Eine schöne und lustig illustrierte Gute-Nacht-Geschichte für alle, die manchmal nicht einschlafen können.

Tage der Nacht

 

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Yorck Kronenberg, Tage der Nacht, DTV 2016, ISBN 978-3-423-28060-0

 

„Tage der Nacht“ ist der vierte Roman des 1973 geborenen Schriftstellers Yorck Kronenberg. Er erzählt, immer sehr geschickt zwischen Vergangenheit und  Gegenwart wechselnd, die Geschichte von Anton, einem pensionierten Literaturwissenschaftler aus Frankfurt, der eine Tages in seinem Haus in England Opfer eines Überfalls wird. Weder er noch seine Frau erleiden einen wirklichen Schaden, doch bei Anton löst dieser brutale Einschnitt in seinen Lebendalltag eine Art Schock aus, der die bisher verborgenen Geister seiner Vergangenheit hervorlockt.

In einem wunderbaren Fluss und mit einer Sprache, die einen bald schon nicht mehr loslässt, lässt Yorck Kronenberg die Vergangenheit und die Gegenwart immer wieder ineinander fließen und erzählt eine bewegende Geschichte vom Suchen, vom Verlieren und vom Finden. Von der Sehnsucht nach Halt und Geborgenheit im Leben.

Er lässt Anton sich als Person Stück um Stück, Erinnerung um Erinnerung langsam wieder zusammensetzen. Und er lässt ihn  Frieden schließen mit vergangenen Nächten, die seine Gegenwart verdunkelten. Das Buch zeigt, dass sich noch im hohen Alter die Auseinandersetzung mit den Brüchen des eigenen Lebens lohnt. So kann man dann auch versöhnt und friedlich sterben.