Bienen

 

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Piotr Socha, Bienen, Gerstenberg 2016, ISBN 978-3-8369-5915-5

 

Ungewöhnlich groß im Format und in seiner schier unerschöpflichen Vielfalt der Darstellung ist das aus Polen stammende hier vorliegende Sachbilderbuch über die Bienen, das der Gerstenberg Verlag  von Thomas Weiler ins Deutsche hat übersetzen lassen.

Alle wichtigen Informationen über das Leben und die immens große Bedeutung der Bienen innerhalb des Naturkreislaufes werden hier ausführlich und verständlich geliefert. Abwechslungsreiche und stellenweise sehr witzige und originelle Illustrationen nehmen etwa 80 % einer jeweiligen Doppelseite ein und die verständlich geschriebenen Texte befinden sich im unteren Teil.

Ein Buch, das Kindern aber auch Erwachsenen die Freude an der Biologie und  den Naturwissenschaften vermitteln kann und das meiner Meinung nach durch aus auch als Vorlage für eine entsprechende Unterrichtseinheit in der Grundschule nützliche Dienste leisten kann.

 

40 Tiere

 

 

 

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Florence Guiraud, 40 Tiere zum Aufklappen und Entdecken, Gerstenberg 2016, ISBN 978-3-8369-5909-4

 

Ein ganz besonderes und aufwändiges Sachbilderbuch aus Frankreich ist hier anzuzeigen. 40 Tiere werden hier gezeigt und vorgestellt. Auf der jeweils rechten Seite ist das Tier in einer schonen Zeichnungen abgebildet. Wenn die vorgesehen Klappe aufmacht, sieht man das Skelett des Tieres und eine genaue Beschreibung dazu.

Auf der jeweils linken Seite werden in Infokästen und mit verschiedenen Schrifttypen in einer sehr aufgelockerten und ansprechenden Weise alle wissenswerten Informationen über das Tier gegeben. Etwa, warum der Strauß nicht fliegen kann und der Blauwal trotz seines Gewichtes nicht untergeht.

 

Wissenswerte und erstaunliche, stellenweise regelrecht kuriose Fakten laden ein  zu einer aufregenden Reise mitten hinein in eine bunte Tierwelt.

Zusammen

 

 

 

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Rainer Oberthür, Barbara Nascimbeni, Zusammen. Die Geschichte von den Bilder- und den Wortmenschen, Gabriel 2016, ISBN 978-3-522-30432-0

 

In seinem neuen Bilderbuch, zu dem Barbara Nascimbeni zauberhafte und zart kolorierte Illustrationen beigesteuert hat, beschäftigt sich der Aachener Religionspädagoge Rainer Oberthür mit der Integration von Gefühl und Verstand, zwei Polen menschlichen Geistes, die oft gegeneinander ausgespielt werden und doch nur im Wechselspiel miteinander die Menschen voranbringen.

 

Er erzählt eine Geschichte, die einem Mythos einer alten Kultur entsprungen sein könnte. Da lebte in einem fernen Land weit vor unserer Zeit ein Volk, das kaum Worte kannte. Als Augenmenschen waren sie reich an Bildern, mit denen sie die Welt sahen und sich erklärten, aber sie konnten das, was sie sahen, nicht in Worte fassen. Und so blieben sie, obwohl sie wunderbare Bilder malen konnten, in sich und ihren Bildern gefangen. Einsam. Allein. Und je älter sie wurden, desto mehr verloren die in der Kindheit noch strahlenden Bilder ihren Glanz. Sie verblassten und wenn die Bildermenschen starben, waren sie verschwunden. Sie gingen aus der Welt ohne Hoffnung.

 

Zur selben Zeit, an einem anderen weit entfernten Ort, lebte ein Volk, das war arm an Bildern. Die Wortmenschen gingen als Sprachwesen durch die Welt wie durch einen Nebel. Mit vielen wunderbaren Worten konnten sie die Welt beschreiben, doch sie blieb ihnen immer seltsam gesichtslos.

 

Den ganzen Tag redeten sie. Nur so konnten sie ihre Welt zur Sprache bringen und zum Leben erwecken. Aber ihnen fehlte jegliche Einbildung, Phantasie und bildliche Vorstellungskraft. Und so wie in dem anderen Volk – jeder blieb in seinen Worten gefangen. Einsam. Allein.

Und auch bei ihnen verblassten die Worte mit dem Alter, verloren ihre Deutungs- und Hoffnungskraft und wurden schal. Sie gingen aus der Welt ohne Hoffnung.

 

So wäre es immer geblieben, hätten sich nicht eines Tages ein Bildermädchen und ein Wortjunge auf den Weg gemacht, um neue Bilder bzw.  Worte zu finden. Sie begegnen sich im Niemandsland zwischen ihren Welten und überwinden ihre jeweilige Sprach- und Bilderlosigkeiten. Sie lernt Worte kennen um ihr Inneres auszusprechen und er staunt über die Kraft der Bilder, die durch das Mädchen in ihm aufsteigen. Sie lehrt ihn den Reichtum der Bilder und er ihr den Reichtum der Worte. Sie kehren heim und sorgen dafür, dass die beiden Völker ein großes Fest der Verständigung feiern. Sie kommen für immer zusammen.

Seither suchen die Menschen:

„Sie suchen gemeinsam nach dem Sinn des Lebens.

Sie suchen gemeinsam nach den Antworten hinter den Fragen.

Zusammen suchen sie nach dem Unsichtbaren hinter dem Sichtbaren.

Zusammen suchen sie nach dem Geheimnis hinter den Tatsachen der Welt.“

 

Ein ganz besonderes Bilderbuch mit einer poetisch- spirituellen Geschichte über Bilder und Worte und die Versöhnung von Verstand und Gefühl. Auch für Erwachsene zum Nachdenken geeignet.

 

 

 

 

BEEF! Wurst

 

 

 

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Ralf Frenzel, BEEF. Wurst, Tre Torri 2016, ISBN 978-3-944628-68-4

 

Zwar werde ich nie auf die Idee kommen, selbst meine eigene Wurst herzustellen, wofür es in diesem interessanten Buch zahlreiche Beispiele und Anleitungen gibt, doch ich bin passionierter Wurstesser und habe schon als Kind gelernt, die unterschiedlichen Fleischwurst- und Leberwurstsorten der damals noch zahlreichen Metzger in meinem Heimatdorf zu unterscheiden.

 

Deshalb habe ich das vorliegende Buch aus der BEEF-Reihe auch mit großem Interesse gelesen. Es ist ein Loblied auf die alte Handwerkskunst des Wurstmachens, die im Angebot der industriell hergestellten Wurst aus den Regalen der Supermärkte und Discounter unterzugehen droht.

 

Doch ähnlich wie viele Konsumenten in den vergangenen Jahren bereit wurden, für eine ordentlichen Wein oder ein gutes Stück Fleisch einen entsprechenden Preis zu zahlen, wirbt das Buch auch bei der Auswahl der Wurst dafür. Mir ist aufgefallen, dass nicht wenige der im ersten Teil des Buches vorgestellten Metzger und Wurstmacher in einem Radius von ca. 150 km  um meinen hessischen Wohnort leben und arbeiten.

Ähnlich wie viele junge Winzer geht auch diese neue Generation von Metzgern mit Lust und Leidenschaft an ihr Handwerk, das hoffentlich auch hier goldenen Boden hat.

 

Diese jungen Metzger erzählen von ihrer Kunst, ihrer Begeisterung für ein Produkt, zu dessen eigener Herstellung sie immer wieder einladen und viele Vorschläge dazu machen.

Nachdem der Leser viele wichtige Informationen über die für die Wurst verwendeten Tiere erhalten hat, folgen im umfangreichen Hauptteil des Buches unzählige Rezepte zur Wurst. Hier sind auch viele Vorschläge dabei, die man umsetzen kann, auch wenn nicht selbst wursten will.

 

Mich hat das Buch neu sensibilisiert für den Wert von originaler Metzgerwurst aus meiner eigenen Gegend.

 

 

Bäume 2017

 

 

 

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DumontKalenderverlag, Bäume 2017, Dumont Kalenderverlag 2016,ISBN 978-3-8320-3413-9

 

Zwölf große, meist alte Bäume haben verschiedene Fotografen und Agenturen quer durch die Jahreszeiten für diesen Kalender fotografiert und ein namenloser Verlagsmitarbeiter hat diese Aufnahmen für den beliebten Bäume Kalender des Verlags für die Ausgabe 2017 zusammengestellt.

 

Der Baum ist seit jeher ein mächtiges Symbol. Oft wurden Bäume als Sinnbild göttlicher Wesen oder als Aufenthaltsort numinoser Mächte verehrt.  Das jährliche Erneuern der Blätter von Laubbäume gilt als Zeichen der Wiedergeburt des Lebens, die den Tod besiegt. Die Verbindung zwischen Wurzelwerk und Krone wird als Symbol der Verbindung zwischen Erde und Himmel gesehen.

 

Die anthropomorphe Deutung des Baumes, der wie der Mensch aufrecht steht und wie dieser wächst und vergeht, ist in den Kulturen der Menschheit weit verbreitet. Die Lyrik hat sich seines Bildes bedient z.b. Nazim Hikmet:

Leben
wie ein Baum
einzeln und frei
und
brüderlich
wie ein Wald
das ist
unsere Sehnsucht

 

Der Liedermacher Reinhard Mey hat in einem Lied, das immer wieder bei Bestattungen gewünscht wird, den Baum mit seinem Tod in Verbindung gebracht und als Refrain gesungen:

Wie ein Baum, den man fällt,
Eine Ähre im Feld,
Möcht‘ ich im Stehen sterben.

 

Der Baum, insbesondere der alte Baum, strahlt Würde aus. Man sieht, was er durchgemacht hat, welchen Winden und Stürmen er getrotzt und doch immer weiter seine Wurzeln in die nährende Erde getrieben hat. Immer wieder hat er ausgeschlagen, auch wenn einzelne Teile von ihm schon abgestorben sind. Und er versucht Frucht zu bringen bis zuletzt. Dass das Leben weitegeht, auch wenn er fallen muss, irgendwann nach langer Zeit.

 

All dies mag in dem Betrachter dieses wunderschönen Kalenders ausgelöst werden. Bei mir jedenfalls hat es genau das getan.

Atempause 2017

 

 

 

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Micha Pawlitzki, Atempause 2017, Dumont Kalenderverlag 2016, ISBN 978-3-8320-3440-5

 

Micha Pawlitzki gilt  als einer der besten europäischen Naturfotografen.  Seine faszinierenden Natur- und Landschaftsfotos bewegen sich auf höchstem Niveau. So haben auch seit einigen Jahren seine im Dumont Verlag verlegten Kalender mit dem Titel „Atempause“ immer mehr Freunde gefunden.

Menschen, die seine Bilder in der Wohnung oder am Arbeitsplatz hängen haben und die bei ihrem Anblick Ruhe tanken und ausspannen können. Denn seine Bilder, häufig am und um das Meer herum entstanden, erzählen von Ruhe, von der Ewigkeit der Natur. Es sind Szenen, in denen die Zeit still zu stehen scheint.

Sie wecken Sehnsucht nach Weite und Transzendenz und laden doch ein, im Hier und Jetzt mitten im Alltag einen Ruhepunkt zu suchen, der eine Atempause ermöglicht.

Im vorliegenden Kalender 2017 beschäftigen sich seine Bilder weniger mit dem Meer, als mit Motiven von Pflanzen im Wechsel der Jahreszeiten. Die meisten Motive stammen offenbar von zwei Aufenthalten von Micha Pawlitzki in Island und Kalifornien und vermitteln alle auf unterschiedliche Weise einen tiefen Eindruck von der Schönheit unserer Welt.

Vielleicht motivieren sie auch den Betrachter, die „Atempausen“  seinem Leben nicht nur beim Betrachten des Kalenders zu suchen, sondern selbst raus zu gehen in  die Schönheit der verschiedenen Jahreszeiten und dort aufzutanken

New York 2017

 

 

 

 

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N.Y.SEE, New York 2017, Dumont Kalenderverlag 2016, ISBN 978-3-8320-3405-4

 

Die zwölf außergewöhnlichen Fotografien, die für den diesjährigen New York Kalender des Dumont Kalenderverlags ausgesucht wurden, stammen von einer N.Y.SEE Collection. Das ist ein gemeinschaftliches Fotoprojekt von 30 internationalen Fotografen, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, fortlaufend New York City aus ungewöhnlichen  Blickwinkeln abzulichten, in verborgene Viertel abzutauchen und ganz besondere Orte zu entdecken in „the city that never sleeps.“

 

Bekannte Motive wie der Time Square, die Great Central Station, die Manhattan Bridge, die Brooklyn Bridge, die High Line, der Central Park oder die Wall Street erscheinen in einem ganz andere Licht und einer völlig neuen Perspektive.

 

Es sind tiefgründige Fotos aus einer wunderbaren lebendigen Stadt, die einen mit diesem Kalender durch das Jahr begleiten, bis es endlich so weit ist, wieder einmal alles live und vor Ort in Augenschein zu nehmen.

 

 

Pioniere des Comic

 

 

 

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Alexander Braun (Hg.) Pioniere des Comic. Eine andere Avantgarde, Hatje Cantz 2016, ISBN 978-3-7757-4110-1

 

Dieses Buch erscheint parallel zu der gleichnamigen Ausstellung, die vom 23. Juni 2016 bis zum 18. September 2016 in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt zu sehen ist. Sie widmet sich den im Kunstkontext bisher kaum gewürdigten Gründungsjahren des Comic, der bis heute in seinem kunsthistorischen Wert unterschätzt und oft als reine „Unterhaltung“ abgewertet wird.

Dem wollen diese Ausstellung und das Buch entgegenwirken und stellen sechs mehrheitlich US – amerikanische Zeichner vor mit insgesamt 230 seltenen Comic-Seiten von 1905 bis in die 1940 er Jahre.

Mit dieser Ausstellung und besonders mit den Essays von Alexander Braun zu den jeweiligen Zeichnern werden erstmals Verbindungslinien gezogen mit der künstlerischen Avantgarde, und der Comic wird als eigene Kunstform aufgewertet, indem sein Stellenwert im kunsthistorischen und sozial-historischen Kontext genau beschrieben und  evaluiert wird.

Ein für Liebhaber von Comics und andere Kunstfreunde interessantes Werk über das erste Bildmassenmedium der Geschichte, dessen Bedeutung für die Kunstgeschichte größer ist, als man es bisher sah. Das wird in diesem Buch überzeugend herausgearbeitet.

Aschenputtel

 

 

 

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Mehrdad Zaeri, Christina Laube, Aschenputtel, Knesebeck 2016, ISBN 978-3-86873-768-4

 

In diesem prächtig ausgestatteten Bilderbuch hat Christina Laube das bekannte Märchen vom Aschenputtel mit wenigen Worten ansprechend nacherzählt.

Ihr sensibler Text passt sich hervorragend den wunderbaren Scherenschnitten und magisch-schönen Illustrationen des in Mannheim lebenden Exiliraners Mehrdad Zaeri an, die eine Augenweide sind, und einen das wertvolle Buch nur ganz vorsichtig anfassen und umblättern lassen.

Staunend und ehrfürchtig wie ein Kind schaut man als Erwachsener dieses Buch an, ein ganz besonderes Kunstwerk, das seinen stolzen Preis wert ist.

Es ist nicht nur für Kinder geeignet, sondern ziert auch das Regal jedes Liebhabers besonderer Bücher. Die ist mit Sicherheit eines davon.

Mit dem Zeppelin nach New York

 

 

 

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Stephan Martin Meyer, Thorwald Spangenberg, Mit dem Zeppelin nach New York, Gerstenberg 2016, ISBN 978-3-8369-5884-4

 

In einem wunderbaren Sachbilderbuch für Kinder ab etwa sieben Jahren erzählen die beiden Autoren nach einer wahren Begebenheit die Geschichte des Kabinenjungen Werner Franz, der als 14-jähriger mit der Unterstützung seiner Eltern auf dem Zeppelin „Hindenburg“ anheuert und mit dem Luftschiff zuerst nach Rio de Janeiro und dann nach New York fährt, wo es dann in Lakehurst zu dem dramatischen  Unglück kommt, bei dem viele Menschen ihr Leben verloren.

 

Es ist nicht nur die spannenden von Stephan Martin Meyer Abenteuergeschichte eines Jungen, die kleine Leser begeistern wird, sondern auch die Illustrationen von Thorwald Spangenberg, die den Leser nicht nur über die Orte informieren, die der Zeppelin angeflogen hat, sondern auch über seine faszinierende Technik. So ganz nebenbei erfahren die Leser auch etwas über die damalige Zeit, die Wirtschaftskrise und den Nationalsozialismus.

 

Eine spannende und lehrreiche Reise in die Vergangenheit unterstützt von der Zeppelin Stiftung in Friedrichshafen, wo noch heute die Zeppeline täglich über dem Bodensee kreisen. Ein Besuch im dortigen Museum lohnt sich auf jeden Fall, wenn man in der Gegend ist.