Beeil dich, kleines Faultier!

 

 

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Tomoko Ohmura, Beeil dich, kleines Faultier, Moritz Verlag 2ß016, ISBN 978-3-89565-327-8

 

Ein schönes und im Format ungewöhnliches Bilderbuch der Japanerin Tomoko Ohmura, der schon 2012 mit „Bitte anstellen“ einen originellen Bilderbuchspaß bei Moritz veröffentlichte, ist hier vorzustellen.

 

Um das Buch richtig betrachten und lesen (vorlesen) zu können, muss man es hochkant nehmen, was das entsprechende Cover allerdings auch schon nahelegt.

 

Da sitzt in der Spitze eines hohen Baumes (wie hoch er ist, wird sich im Laufe des Umblätterns noch zeigen), ein kleines Faultier. Obwohl es nur selten den Baum verlässt, will es heute herabsteigen, weil es so heiß ist, dass es baden gehen möchte.

 

Ganz langsam klettert es hinab und begegnet auf seinem Weg allerlei anderen Tieren, die auf dem Baum und in seinen Ästen und Höhlen leben. Zuerst dem Adler, dann dem Riesenflughörnchen, dann den Affen. Und alle wollen mitkommen zum Baden, als das kleine Faultier plötzlich ins Wasser stürzt.

 

Miteinander haben alle einen Riesenspaß im kühlen Nass, wenn der lange Weg hinauf nicht wäre. Doch der Elefant mit seinem langen Rüssel weiß Rat. Um zu sehen, wie er das macht und wie hoch der Baum ist, müssen die Kinder eine wunderschön gestaltete Doppelseite aufklappen.

 

Wieder ein schöner und witziger Bilderbuchspaß aus Japan.

Anton und Stups

 

 

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Claire Freedman, Anton und Stups, Thienemann 2016, ISBN 978-3-522-45818-4

 

Claire Freedman, 1958 geboren, hat schon viele Kinderbücher veröffentlicht.  Das vorliegende Bilderbuch, das die in Worcestershire lebende Künstlerin Kate Hindley auf eigenwillige, aber sehr schöne Weise illustriert hat, handelt davon, wie man Freunde finden kann, wenn man nur sucht.

 

Es geht um den sympathischen Jungen Anton, der eines Tages auf der Straße einen herrenlosen Hund findet. Auf dessen Halsband steht nur Stups. Anton und Stups sind sofort dicke Freunde und das erste Mal, seit er mit seiner Familie in die große Stadt gezogen ist, fühlt sich Anton nicht mehr allein. Aber was, wenn Stups doch jemandem gehört? Jemandem, der seinen kleinen Hund jetzt überall sucht?

 

Eine herzerwärmende Geschichte, die allen Kindern gefallen wird, die selbst einen Hund haben oder sich einen wünschen.

Ein Apfel für alle

 

 

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Feridun Oral, Ein Apfel für alle, minedition 2016, ISBN 978-3-86566-344-3

 

Ein wunderschönes Bilderbuch ist hier anzuzeigen, ein Buch voller Wärme, Menschlichkeit und Mitgefühl. Es will Kindern zeigen, was alles gelingen kann, wenn man für ein Ziel zusammenarbeitet.

 

Ein  Hase liegt mitten im Winter in seinem Bau. Gemütlich hat er es dort, wo ringsherum die ganze Natur unter einer dicken Schneeschicht verborgen ist. Wenn er nur nicht solch einen Hunger hätte! Weil der gar nicht aufhören will, muss er hinaus auf die Futtersuche. Endlich (alles ist ja unter Schnee versteckt) entdeckt er auf einem Baum einen einsamen roten Apfel. Er freut sich über den Fund, aber der Apfel hängt so hoch, dass er ihn allein nicht erreichen kann.

 

Er fragt seine Freunde, die Maus und den Fuchs. Die wollen gerne behilflich sein, aber auch zu dritt können sie den Apfel nicht erreichen. Erst als sich der Bär dazugesellt, gelingt es.

 

Sie teilen sich die Frucht und schlafen dann glücklich zusammengekuschelt in der Bärenhöhle ein.

 

Gemeinsam geht eben alles besser!

Die Welt bei uns Zuhause

 

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Susanne Orosz, Die Welt bei uns zu Hause, Ellermann 2016, ISBN 978-3-7707-3423-8

 

Mehr und mehr wachsen unsere Kinder schon ab dem Kindergartenalter mit vielen anderen Kindern auf, die aus anderen Kulturen kommen.

Die bekannte Kinder-und Jugendbuchautorin Susanne Orosz hat zwanzig von ihnen ausgewählt und zu jeder eine eigene Geschichte verfasst, die versucht, zu zeigen, was an dieser Kultur besonders spannend und wertvoll ist.

 

Die Geschichten sind zum Vorlesen etwa im Kindergarten oder auch noch in der Grundschule gedacht und laden ein, zu Kulturen, die nicht in dem Buch vorkommen, beispielsweise Syrien und Türkei (was ich für einen Mangel halte bei so vielen Kindern aus diesen Ländern in unserem Land) sich vielleicht zusammen mit den von dort stammenden Kindern eigene Geschichte zu schreiben.

An einem kalten Wintermorgen

 

 

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Feridun Oral, An einem kalten Wintermorgen…, Minedition 2016, ISBN 978-3-85566-304-7

 

Mit poetischen und zarten Bildern illustriert, erzählt der türkische Künstler Feridun Oral eine wunderbare, ermutigende und warmherzige Geschichte. Eine Geschichte, die Kindern zeigt, wie man gemeinsam und auch mit dem nötigen Nachdruck etwas erreichen und auch schwierige Situationen meistern kann.

 

Eine kleine Maus erlebt an einem Wintermorgen eine schlimme Überraschung. Es ist sehr viel Schnee gefallen, der ihr Probleme macht. Denn sie muss Feuerholz suchen, um ihre Familie warm halten zu können. Frierend stapft sie auf ihren kleinen Füssen durch den Wald und sammelt alles ein, was sie brauchen kann und schichtet es auf einen riesigen Haufen auf: Zweige, Tannenzapfen, alles, was brennt.

 

Die Frage aber ist, wie sie das alles nach Hause bekommt. Doch die Maus hat Freunde, und der Hase, der Fuchs und der Bär kommen um zu helfen. Da bricht ein heftiger Sturm los und wirbelt sie durcheinander. Eng aneinander geschmiegt warten sie unter einem Holzhaufen, bis der Sturm vorüber ist.

 

Und dann haben sie sich die Holzvorräte geteilt, sodass es für alle vier Familien ein warmer Winter wird.

 

Ein Hoch auf die Freunde.

 

 

 

 

 

Wundersame Weihnachten

 

 

 

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Susanne Weber, Wundersame Weihnachten, Oetinger 2016, ISBN 978-3-7891-5134-7

 

Eine abwechslungsreiche und ungewöhnliche Sammlung von Weihnachtsgeschichten von bekannten Autoren wie Erhard Dietl, Paul Maar, Juma Kliebenstein und Salah Naoura, aber auch vielen mir bis dato unbekannten Schriftstellern und Schriftstellerinnen hat Susanne Weber für diesen in Halbleinen gebundenen Band zusammengestellt.

 

Neben Geschichten, die von wunderbaren Weihnachtskatastrophen handeln und besinnlichem Chaos gibt es auch viele festliche und lustige Gedichte, tolle Rezepte zum Nachbacken und –kochen und eine Menge erstaunliches Weihnachtswissen offenbart sich dem erstaunten Kinde wie dem vorlesenden Erwachsenen.

 

Zauberhafte Illustrationen der bekannten Kinderbuchillustratorin Daniela Chudzinski machen das Buch nicht nur zu einem Lesegenuss, sondern auch zu einer Freude für das Auge.

Kleine Nachtkatze

 

 

 

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Sonja Danowski, Kleine Nachtkatze, NordSüd 2016, ISBN 978-3-314-10337-7

 

Dem von ihr illustrierten ins Deutsche übersetzten Bilderbuch „Oma trinkt im Himmel Tee“, das 2015 ebenfalls bei NordSüd erschienen ist, hat in diesem Jahr die American Library Association die Auszeichnung „Mildred-L.-Batchelder-Ehrenbuch verliehen. Es war ein sehr einfühlsames und am Ende dann gar nicht mehr so trauriges Buch über Verlust und Erinnerung aus der Wahrnehmung eines Kindes, das durch Sonja Danowskis zauberhafte Bilder eine sehr tiefe und stimmige Aussage erhielt.

 

Nun legt sie wieder ein wunderbares Bilderbuch vor, für das sie sogar ein kleines Lied komponiert hat, das den gleichen Titel trägt wie das Buch.

 

Darin wird erzählt von dem kleinen Jungen Toni und seiner ganz außergewöhnlich innigen und liebevollen Beziehung zu seiner Mutter. Die hat am nächsten Tag mit ihrem Cello einen Auftritt im örtlichen Tierheim, wo eine Tombola die Einnahmen für die Verpflegung der Tiere verbessern soll. Toni will sich daran beteiligen und malt ein Bild von einem schönen Panther. Doch das scheint ihm nicht genug, und deshalb schlägt er seiner Mutter vor, all seine Kuscheltiere zu spenden.

 

Überraschenderweise stimmt sie zu, und so fahren sie am nächsten Tag ins Tierheim. Dort lernt er einen Kater mit samtgrauem Fell kennen, der auf den Namen Valentin hört und summt ihm das Lied von der kleinen Nachtkatze vor( ist am Ende des Buches abgedruckt zum Nachspielen und Summen).

 

Die Tombola wird ein großer Erfolg und auch der Auftritt seiner Mutter mit Anne, der Leiterin des Tierheims, kommt gut an. Glücklich und zufrieden kehrt Toni nach Hause zurück, nachdem er sich noch einmal extra von Valentin verabschiedet hat. Aber er kann an diesem Tag nicht einschlafen, weil er seine Kuscheltiere vermisst. Seine Mutter hat schon so etwas geahnt, und schenkt ihm den alten Plüschkater Paul, den sie selbst vor 30 Jahren als Kuscheltier hatte.

 

Toni ist zufrieden, um Paul darf im Körbchen des Fahrrads seiner Mutter auch am nächsten Morgen mit in die Schule fahren. Doch groß ist Tonis Enttäuschung am Nachmittag, als Paul nicht dabei ist, als seine Mama ihn abholt.

 

Doch zu Hause wartet eine große Überraschung auf ihn…

 

Mit ihren zarten Bildern von großer atmosphärischer Dichte erzählt Sonja Danowski nicht nur von einer absolut warmherzigen Beziehung einer Mutter zu ihrem Jungen, sondern auch von der Geschichte einer Freundschaft zwischen einem Jungen und einem Tier.

 

Ein wunderschönes, preisverdächtiges Bilderbuch.

 

 

 

Brot & Spiele

 

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Clemens Ettenauer, Brot & Spiele, Holzbaum Verlag 20156, ISBN 978-3-902980-51-9

 

Das vorliegende Buch mit Cartoons und Karikaturen von etwa drei Dutzend Zeichnerinnen und Zeichnern, erscheint anlässlich eine gleichnamigen Ausstellung, die vom 20 Mai 2016 bis zum 30. Oktober 2016 bei der Salzwelten Altaussee-Kunst am Steinberg“ zu sehen ist.

 

Mit spitzer Feder nehmen die Künstler in einem wahrhaft olympischen Gag-Feuerwerk die unterschiedlichsten Leibesübungen unter die Lupe und zeigen nicht nur, was sie zeichnerisch drauf haben, sondern überzeugen auch mit brillanten Sprachspielen und Wortschöpfungen.

 

Lustig, unterhaltsam – ein Leckerbissen für Comicfans, seien sie nun im Sportdress oder futternd auf der Couch.

Meine geniale Freundin

 

 

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Elena Ferrante, Meine geniale Freundin, Der Hörverlag  2016, ISBN 978-3-8445-2352-2

 

„Meine geniale Freundin“ ist der erste Band einer vierteiligen Romanreihe, die die unter dem Pseudonym Elena Ferrante schreibende italienische Schriftstellerin in den Jahren 2011 ff. unter dem Titel „Neapolitanische Saga“ veröffentlicht hat, und die der Suhrkamp Verlag, der sich die Rechte an dieser Tetralogie gesichert hat, nun in schneller Folge veröffentlicht. Die Bände 2-4 sind alle für das Jahr 2017 angekündigt.

 

Elena erzählt in diesem Werk ihr Leben. Im ersten hier vorliegenden Band geht es um ihre Kindheit und die frühe Jugend und ihre außerordentliche Freundschaft mit Lila, der Tochter eines kleinen Schusters. Beide wohnen in einem armen Stadtteil Neapels, aus dem sie die ersten zehn Jahre ihres Lebens nicht herauskommen.

 

Elena beschreibt das Auf und Ab einer sehr ungewöhnliche Freundschaft zwischen zwei Mädchen, das von ihrer Seite jedenfalls durchgängig geprägt ist von einer Konkurrenz, für die sich Elena oft schämt, aus der sich aber nicht entrinnen kann.  Immer wieder glaubt sie, sich selbst und ihre Freundin zu kennen, genau einschätzen zu können, wie sich ihr Verhältnis gestaltet, und ist dann doch immer wieder überrascht, über die Jahre permanent Neues zu entdecken.

 

Der Roman ist nicht nur eine absolut lesenswerte und spannende Kulturgeschichte  und ein Sittenbild des armen Neapels nach dem Zweiten Weltkrieg, sondern führt auch in der frühen Lebensgeschichte Elenas, die in den folgenden Bänden  fortgesetzt wird, schon den Einfluss der Camorra ein, die auf das Leben ihrer Freundin Lila bald einen wichtigen Einfluss haben wird.

 

Sechs Jahrzehnte werden Elena und Lila Freundinnen bleiben, bis die eine spurlos verschwindet (dies wird in einem Prolog beschrieben) und die andere daraufhin beginnt, auf alles Gemeinsame zurückzublicken, um hinter das Rätsel dieses Verschwindens zu kommen.

 

Das Buch und die ganze Reihe ist von der Literaturkritik gelobt worden, wie ich finde zu Recht. Ich halte es für ein mit großer Kraft geschriebenes Meisterwerk über die große Macht und Kraft einer lebenslangen Freundschaft.

 

Ich war atemlos begeistert von diesem auch sprachlich anspruchsvollen Buch und kann es kaum erwarten im Februar 2017 den zweiten Band in Händen zu halten.

 

Der vollständigen Lesung mit einer Gesamtlaufzeit von fast 12 Stunden, die die Schauspielerin Eva Matts für den Hörverlag eingespielt hat, gelingt es hervorragend, das in Dickens`scher Dichte beschriebene Neapel der fünfziger Jahre ebenso lebendig zu machen wie einer unvergleichlichen Freundschaft mit ihrer Stimme Charakter zu verleihen.

Eva Mattes macht das Buch zu einem wahren Hörerlebnis.

 

 

 

 

Traumdiebstähle

 

 

 

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Silke Scheuermann, Alexander Paul Englert, Traumdiebstähle, Edition Faust 2016, ISBN 978-3-955400-32-6

 

Ein ganz besonderes literarisch-künstlerisches Projekt hat die Edition Faust mit einer Erzählung der Schriftstellerin Silke Scheuermann und Bildern des bekannten Fotografen Alexander Paul Englert gewagt.

 

Die Bilder des Fotografen korrespondieren wie in einem Dialog mit der fortlaufenden Erzählung der Autorin, die man lesen kann als eine Parabel über den Übergang zwischen Traum und Wirklichkeit.

 

Sie spielt in einem Hotel, irgendwo im schönen Spessart. „Auberge de Reve“ heißt das Haus, in dem ein 38 -jähriger Unternehmensberater eines Tages während einer Geschäftsreise übernachtet. Er, der die Geschichte selbst erzählt, hat ein ganz besonderes Talent, das er aber seit Jahren vernachlässigt hat: er kann sich in die Träume anderer Menschen versetzen.

 

Und als er beim Essen am Nachbartisch zwei Damen in einer Unterhaltung beobachtet, ist seine Lust zum Diebstahl geweckt. Er spürt der einen Dame nach und will ihr ihre Träume stehlen ….

 

Eine magische Erzählung an der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit.