Von Gipfeln und Tälern des Lebens

 

 

 

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Anselm Grün, Von Gipfeln und Tälern des Lebens, Adeo 2016, ISBN 978-3-86334-115-2

 

„Je älter ich werde, desto mehr verstehe ich das Wandern als Bild für meinen Weg als Mensch. Jeder Abschnitt hat dabei einen anderen Charakter. Das Wandern in den Bergen übt eine große Faszination auf mich aus. Hier teste ich immer wieder meine Grenzen. Ich traue mir noch etwas zu. Das hält mich gesund.“

 

Dies schreibt der Benediktinermönch und Autor unzähliger spiritueller Bücher, mit denen er Millionen Menschen erreicht, Anselm Grün, in seinem neuen, sehr persönlichen Buch, in dem es darum geht, immer wieder neu aufzubrechen, Abschied zu nehmen vom Bisherigen, sich neuen Herausforderungen zu stellen und sich selbst und seine Kräfte zu erproben.

 

Die Erfahrung des Gipfels ebenso wie der Abstieg ins Tal versteht er sinnbildlich für das ganze Leben, das auch aus Höhen und Tiefen besteht.

 

Die Wanderung, beginnend mit dem Aufbruch, dem Aufstieg, den notwendigen Pausen und der Einkehr, dem Erreichen des Ziels und schließlich der Rückkehr ins Tal beschreibt Anselm Grün metaphorisch und sucht im Unterwegssein zu Fuß spirituelle Kraft. Am Ende des Buches benennt er die biblischen Bilder hauptsächlich aus dem großen Schatz der Psalmen, die ihm dabei Kraft geben.

 

Auch dem, der aus unterschiedlichen Gründen keine hohen Berge (mehr) besteigen kann, kann dieses Buch über das Unterwegssein als Sinnbild für das Leben viel Kraft und Anregung geben. Es muss nicht der Berg sein, der solche Erfahrung ermöglicht. Eine Wanderung durch Wald und Flur mit der nötigen inneren Aufmerksamkeit kann sicher ähnliche spirituelle Erfahrungen vermitteln.

 

 

Am achten Tag

 

 

 

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Gaia Vince, Am achten Tag. Eine Reise in das Zeitalter des Menschen, Theiss 2016, ISBN 978-3-8062-3393-3

 

Seit der Mensch existiert, hat er der Erde seinen Stempel aufgedrückt und sie bis in die entlegensten Winkel beeinflusst. Durch den Klimawandel, das Artensterben und die Verschwendung von endlichen Ressourcen in den letzten Jahrzehnten hat der Mensch die Welt verändert wie kein anderes Zeitalter vorher. Die Atmosphäre ist betroffen, die Weltmeere, die Wälder und die Böden – auf eine Weise radikal, wie es in früheren Zeitalter nur große Naturkatastrophen hervorgerufen haben.

 

Die Wissenschaft spricht mittlerweile vom „Anthropozän“, dem Zeitalter des modernen Menschen. Dass etwas geschehen muss, um diese Entwicklung zu begrenzen, darüber sind sich alle einig, aber über die Wege und den Zeitraum dorthin wird unter heftigen ökonomischen und politischen Interessen weltweit gestritten.

 

Kaum jemand bei uns ist wirklich klar, was all diese Veränderungen, die jetzt schon wirken, ganz konkret für viele Menschen auf der Welt und ihre Lebensorte bedeuten.

 

Gaja Vince, eine britische Wissenschafts-und Umweltjournalistin, ist zwei Jahre um die Welt gereist, um dieser Frage nachzugehen und berichtet darüber in dem vorliegenden reich bebilderten Buch. Es ist eine einzigartige Reise durch das neue Erdzeitalter, auf der man erfährt, wie der Mensch mit diesem Wandel, den er selbst geschaffen hat, umgeht und lebt.

 

Bewegende Geschichten werden da erzählt, herzzerreißend und ermutigend zugleich. Ein wichtiges, begeisterndes Buch.

 

 

Folgen Sie Gaia Vince auf ihrer einzigartigen Reise durch das neue Erdzeitalter des Anthropozän und erfahren Sie, wie wir mit dem von uns geschaffenen Wandel umgehen! Und wie wir trotzdem optimistisch in die Zukunft blicken können.

Papa macht Abendbrot

 

 

 

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Daniel Staffen-Quandt, Papa macht Abendbrot, Claudius 2016, ISBN 978-3-532-62491-3

 

Hier ist ein ganz außergewöhnliches Buch anzuzeigen.  Es ist kein Kochbuch, wie der Titel vermuten lässt. Gekocht werden höchstens einmal Eier als Zutaten.

 

Präsentiert werden 25 kreative Kinderteller zum Abendessen, mal mit den  Kindern zusammen zubereitet, mal vom Vater oder der Mutter für die Kinder. Eine Art Rezeptbuch ist das mit lauter gesunden Sachen, die einen optisch schönen Anreiz für die Kinder bieten sollen, auch mal etwas Gesundes zu essen.

 

Für jeden dieser lustigen Teller hat der Autor eine Vorlesegeschichte erfunden, immer aus der Lebenswelt von Kindern. Sie kann vor dem Essen gelesen werden, und wenn es geschmeckt hat, auch noch mal danach.

 

Diese Teller vorzubereiten dauert sicher länger als Rührei oder Pfannkuchen, auch deutlich länger als ein belegtes Brötchen. Man muss vorher wissen, was man macht, um die nötigen Zutaten im Haus zu haben.

 

Aber wenn der Papa oder die Mama einmal in der Woche so etwas Besonders „kocht“, reicht das völlig. Für das Vorlesen von schönen Geschichten gibt es ja viele andere tolle Bücher.

 

 

Karlchen für jeden Tag

 

 

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Rotraut Susanne Berner, Karlchen für jeden Tag, Hanser 2016, ISBN 978-3-446-24949-3

 

Über ein Dutzend Bilderbücher über ihre Lieblingsfigur Karlchen hat die auch durch ihre Wimmelbücher bekannte Autorin und Illustratorin Rotraut Susanne Berner in den letzten 15 Jahren veröffentlicht und vielen Kindern und den vorlesenden Eltern damit viel Freude gemacht.

 

Karlchen heißt eigentlich Karl Nickel, ist drei bis vielleicht sechs Jahre alt und geht in den Kindergarten. Er lebt mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester Klara in einem kleinen Ort, wo auch seine Oma Nickel, sein Freund Ole und seine Cousine Käthe wohnen.

 

In diesem neuen Hausbuch für jeden Tag präsentiert Rotraut Susanne Berner alles, was man über Karlchen wissen muss, viele neue Geschichten, Rezepte, Gartenideen, Zaubertricks und vieles andere mehr.

 

Das Buch ist konzipiert als ein Familienbuch, das die immer wiederkehrende Lektüre der bisher erschienenen Karlchenbücher ergänzt und bereichert.

 

Ein wahrer Hausschatz für Eltern, Großeltern und Kinder. Ein Muss für alle Karlchenfans und ein wunderbarer Einstieg für die, die ihn noch nicht kennen.

 

Ein schönes Geschenk übrigens für Nikolaus oder Weihnachten.

Peter und der Wolf

 

 

 

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Heinz Janisch, Birgit Antoni, Peter und der Wolf, Annette Betz 2016, ISBN 978-3-219-11684-7

 

Unzählige Kinder in aller Welt haben seit seinem Entstehen mit dem musikalischen Märchen „Peter und der Wolf“ von Sergej Prokofjew ihre ersten Begegnungen mit klassischer Musik gemacht.

 

Die mit unterschiedlichen Instrumenten besetzten Figuren werden in diesem Bilderbuch, dem eine vom Slowakischen Radio-Symphonieorchester eingespielte CD beiliegt, mit den lustigen und fröhlich-bunten Illustrationen von Birgit Antoni dargestellt.

 

Der Kinder- und Jugendbuchautor Heinz Janisch hat eine Einführung formuliert, mit der er den Kindern klassische Musik spannend und kurzweilig näher bringt.

 

Die Geschichte, die Heinz Janisch geschrieben hat zu den Illustrationen ist auch auf der CD von ihm selbst gesprochen noch einmal zu hören, zusammen mit einer eigens zusammengestellten Musikauswahl.

 

Auf solche Weise klassische Musik verstehend, macht sie den Kindern großen Spaß. Ein wunderbar gelungenes Buch.

Noch einmal schlafen

 

 

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Gino Alberti, Noch einmal schlafen, Gerstenberg 2016, ISBN 978-3-8369-5870-7

 

Der kleine Elefant Nico lebt in der afrikanischen Savanne. Eines Tages bringt ihm der Storch einen Brief. Dessen Inhalt verwandelt ihn.  Er ist aufgeregt, ungeduldig, verträumt, übermütig, aufgedreht, furchtlos.

Glücklich, fröhlich und mutig erzählt er vielen Tieren, dass „es“ bald soweit ist. Nur noch einmal schlafen.

Ganz gespannt blättert man immer weiter beim Vorlesen. Total gespannt darauf, auf was denn der kleine Nico da mit allen Sinnen wartet.

Seht selbst.

 

Ein sehr warmherzig erzähltes und illustriertes Bilderbuch, das in jede Handtasche passt.

Der Popel in der Kindernase

 

 

 

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Christin Schüler, Der Popel in der Kindernase. Praktische Projektarbeit im Kindergarten, Bananenblau 2016, ISBN 978-3-942334-68-6

 

Das vorliegende zweisprachige Heft (deutsch/englisch) ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie auch mit vierjährigen Kindern in einem normalen Kindergarten eine praktische Projektarbeit stattfinden kann.

Antje Bostelmann und Christian Engelbrecht haben in diesem Jahr bei Bananenblau eine Schritt-für- Schritt-Anleitung für spannende Bildungsprojekte im Kindergarten  veröffentlicht, nach der die Autorin von „Der Popel in der Kindernase“ vorgegangen ist.

 

Sehr nachvollziehbar dokumentiert, ist das Heft sehr gut geeignet, neugierigen und wissbegierigen Erzieherinnen und Erziehern die Freude an einem solchen, oder auch gerne an einem anderen Projekt, das sie ähnlich aufbauen können, zu vermitteln.

 

Denn „das Besondere an Projekten ist, dass sie alle Bildungsbereiche durchdringen und das Können der Kinder übergreifend herausfordern-von mathematischen Themen bis hin zu künstlerischen Fragestellungen.“

Zuhause

 

 

 

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Carson Ellis, Zuhause, NordSüd 2016, ISBN 978-3-314-10334-6

 

In ihrem ersten Bilderbuch für NordSüd erzählt die für die zusammen mit ihrem Mann verfassten Wildwood-Chroniken international bekannt geworden Carson Ellis mit zauberhaften und ausdrucksstarken Bildern, von dem, nach dem sich alle Menschen sehnen, und das doch so unterschiedlich aussehen kann.

 

Verschiedene Wohnformen überall auf der Welt, und verschiedene Bewohner. Teilwiese auch lustige, wie etwa die Mondianer, oder der nordische Gott.

 

Phantasievoll in Wort und Bild von der ersten bis zur letzten Seite passt das Buch außerordentlich gut in Bilderbuchpalette von NordSüd. Vielleicht bekommen wir in den kommenden Jahren noch mehr von Carson Ellis zu sehen.

 

 

Wissen was ich will und erfolgreich verhandeln

 

 

 

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William Ury, Wissen was ich will und erfolgreich verhandeln, DVA 2016, ISBN 9078-3-421-04720-5

 

William Ury ist zusammen mit Roger Fisher der Autor des mittlerweile international bekannten Klassikers der Verhandlungstechnik „Das Harvard-Konzept“ und führt selbst als weltweit anerkannter Verhandlungsexperte schwierigste Verhandlungen als Mediator in Kriegs- und Krisengebieten, bei Vorstandssitzungen und Arbeitskämpfen.

 

In seinem neuen Buch, sozusagen eine Fortsetzung des Klassikers, geht er ins Detail und zeigt, dass das größte Hindernis in einer Verhandlung entgegen landläufigen Annahmen oft nicht die Gegenseite und ihre harte Haltung ist, sondern dass ich es selbst bin als Verhandlungspartner, indem ich gegen meine eigene Interessen handele.

 

Ury zeigt auf, wie man sich selbst davor schützen kann, indem man sich vor einer Verhandlung genau darüber klar wird, was man selbst eigentlich will. Was ist mein Ziel? Wie schaffe ich es, mir nicht selbst im Weg zu stehen? Was sind meine Alternativen, ich mein Hauptziel nicht erreichen kann?

 

Er definiert das Ziel jeglicher Verhandlung damit, dass man sich anstelle einer Vorstellung, die nur Gewinner und Verlierer kennt, eine Situation vorzustellen in der Lage ist, in der bei einer Verhandlung niemand übervorteilt oder brüskiert wird, sondern es das Ziel ist, möglichst ein Win-Win –Ergebnis zu erzielen.

 

Diese Haltung erinnert mich an wenig an die Diskursethik von Jürgen Habermas. Sie scheint angesichts der steigenden Anzahl von gesellschaftlichen und internationalen Konflikten, die sich immer mehr verhärten dringend nötig.

 

Es geht darum, das Spiel des Lebens zu gewinnen, wie er am Ende schreibt:

„Ich habe die Hoffnung, dass das ja zu uns selbst nicht nur unsere Verhandlungen erfolgreicher macht, sondern dass es Ihnen die innere Zufriedenheit gibt, die Ihr Leben besser und Ihre Beziehungen gesünder macht. Und ich hoffe, dass Ihnen der Wandel der inneren Einstellung vom Nein zum Ja hilft, das wichtigste Spiel von allen zu gewinnen: das Spiel des Lebens (…) Mit Ihrem inneren Frieden können Sie Ihrer Familie, Ihrer Arbeit und dem Rest der Welt Frieden bringen.“

 

 

 

 

 

Ordnung und Inferno

 

 

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Stefan Hördler, Ordnung und Inferno. Das KZ-System im letzten Kriegsjahr, Wallstein 2015, ISBN 978-3-8353-1404-7

 

Der Leiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora, Stefan Hördler, der sich schon mit einigen Veröffentlichung zur NS-Geschichte einen Namen gemacht hat, legt in diesem Buch „Ordnung und Inferno“ eine detaillierte Darstellung  des KZ-Systems der Nationalsozialisten im letzten Kriegsjahr vor. Entgegen der landläufig vertretenen Auffassung, in dieser Zeit sei das vollkommene Chaos in den KZ ausgebrochen, charakterisiert durch Desorganisation und Willkür, zeigt er, dass im Gegenteil ab 1944 eine umfassende Neuordnung des KZ-Systems durchgeführt wurde und durchaus als eigenständige Phase in der Geschichte der Vernichtungslager betrachtet werden kann.

Sowohl die verstärkte Ökonomisierung der Vernichtung, als auch die Stabilisierung des gesamten Lagersystems standen dabei im Vordergrund.

Stefan Hördler nennt diese Phase „Rationalisierung“ und versteht darunter sowohl eine verschärfte und beschleunigte Massenvernichtung von Häftlingen, als auch eine schnellere „Auslese“ von arbeitsfähigen Menschen, die dringend für die Kriegsindustrie benötigt wurden.

 

Das Buch wurde mit dem Tiburtius Preis der Berliner Hochschulen ausgezeichnet.