böse

 

 

 

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Lorenz Pauli, Kathrin Schärer, böse, Atlantis Verlag 2016, ISBN 978-3-7152-0720-9

 

Was ist gut und was ist böse? Diese Unterscheidung ist grundlegend, wenn Kinder aufwachsen und sich auch von selbst orientieren wollen an Vorstellungen von richtig und falsch.

 

Das bekannte und erfolgreiche Bilderbuchduo aus Lorenz Pauli und Kathrin Schärer hat sich dieser Frage gewidmet und entführt die Kinder auf einen Bauernhof und zu Tieren, die sie alle kennen. Da begegnen wir dem Hund, der Katze, einer Maus, einer Ziege, dem Pferd, einer Taube, dem Hahn und den Hühnern.

 

Jedes Tier behauptet von sich, ein liebes Tier zu sein. Jedenfalls meistens. Und dann führt es den anderen vor, was auch an bösen Ideen in ihm steckt. Die anderen finden das jeweils nur teilweise lustig, und deshalb beginnen sie sich gegenseitig mit Boshaftigkeiten in den Schatten zu stellen.

 

Als jedoch die Katze die Maus fressen will, finden die anderen das gar nicht lustig. Und als das Pferd mit einen lauten „Klack“ seinen Huf auf die Maus quetscht, sind diese regelrecht entsetzt.

 

Doch das Pferd hat die Maus nur auf seine Weise beschützt und die Erleichterung ist groß.

 

Lorenz Pauli mit seinen knappen und starken Sätzen und Kathrin Schärer mit ihren die jeweiligen Gefühle der Tiere wunderbar einfangenden Illustrationen ist es gut gelungen, Kindern ab etwa dem Kindergartenalter die Elemente von Gut und Böse darzustellen. Kinder können sich gut in den jeweiligen Szenen mit ihren Gefühlen wieder erkennen und wollen sicher mit den vorlesenden Erwachsenen auch darüber sprechen. Vielleicht kann ihnen das Buch auch helfen, über andere Erlebnisse und Erfahrungen aus ihrer Alltagswelt zu sprechen, in denen sie Gut und Böse begegnet sind.

 

 

 

 

Trecker-Typen

 

 

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Andreas Berse u.a., Trecker-Typen. Männer und ihre Maschinen, Delius Klasing 2016, ISBN 978-3-667-10468-7

 

Wenn  man einmal in den Dörfern und Kleinstädten unseres Landes sich näher umschaut, stellt man fest, dass es mehr von den in diesem schönen Buch beschriebenen Trecker-Typen gibt, als man denkt. Männer, meist weit über die 50, finden großen Spaß daran, auf alten Traktoren, oft zusammen mit ihren Enkelkindern durch den Ort zu fahren   oder mit einem Hänger ihren Gartenabfall zu entsorgen.

Auch im Wohnort des Rezensenten gibt es etliche und erst recht im restlichen Odenwald, zu der Ort gehört.

Doch die in diesem Band vorgestellten dreizehn „Trecker-Typen“ ( es ist auch eine Frau darunter), verbindet mehr als nur der Spaß am Treckerfahren. Es ist die Liebe zum Detail, und das Hobby, alte Traktoren so wieder herzustellen, dass sie aussehen wie neu.

 

Etliche von ihnen  haben wie etwa wie Gerhard Schumacher in Uhldingen-Mühlhofen ihre lange gewachsene Sammlung von historischen Traktoren in einem der Öffentlichkeit zugänglichen Museum gesammelt und sind darüber einem breiten Publikum bekannt geworden.

 

Was ich bei dem Buch etwas vermisst habe, sind die genauen Adressen und Öffnungszeiten der beschriebenen und abgebildeten Museen.

 

Ein wunderbares Buch, auch als Geschenk, für alle Freunde alter Traktoren und Maschinen.

 

 

 

 

Beste Bilder 7

 

 

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Wolfgang Kleinert (Hg.), Beste Bilder 7, Lappan 2016, ISBN 978-3-8303-3431-6

 

 

Schon zum siebten Mal gibt Wolfgang Kleinert zusammen  mit anderen ein Jahrbuch der Cartoons heraus, das sich zu einem Almanach gemausert hat, n dem kein an aktuellen und kritischen Cartoons interessierter Zeitgenosse mehr vorbeigehen kann.

Wieder sind mehr als drei Dutzend der besten Zeicner in Deutschland versammelt, die mit ihrer spitzen Feder das Geschehen des vergangenen Jahres aufs Korn genommen haben. Ob es der Brexit ist, die Flüchtlingskrise, der IS oder die vielen sportlichen Ereignisse von der WM in Frankreich bis zu den beiden Olympiaden – alles haben sie auf ihre Weise kommentiert und bringen den Betrachter nicht nur zum Lachen, sondern auch stellenweise zum richtigen Nachdenken.

Eben das, was die Aufgabe eines kritischen Cartoons sein sollte. Wieder ein gelungener Band. Herzlichen Glückwunsch. Da die Auflage limitiert ist, wird er bald nicht mehr erhältlich sein.

Das Einzige was jetzt noch zählt

 

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Agnes Ledig, Das Einzige, was jetzt noch zählt, Jumbo 2016, ISBN 978-3-8337-3537-0

 

Ihr letzter Roman „Kurz bevor das Glück beginnt“, das in Frankreich Hunderttausende von Lesern fand, war ein richtig guter und anspruchsvoller Liebesroman, der mich sehr bewegte.

Es war ein Roman ohne Kitsch, der Menschen zeigte, die es nicht leicht haben in ihrem Leben, Menschen, die kämpfen um ihr Leben und ihre Liebe, die nach Tiefschlägen wieder aufstehen und den Mut nie sinken lassen. Ein Buch, das erzählt von tiefem Leid und großem Glück und dass man das eine nur erfährt, wenn man das andere anzunehmen bereit ist. Eine Hymne an das Leben und die große Kraft der Liebe.

 

Entsprechend war ich auf den vorliegenden neuen Roman gespannt, der in Frankreich 2014 erschienen ist und ich wurde wieder nicht enttäuscht. Der Roman erzählt in sehr kurzen Kapiteln, in denen die handelnden Personen abwechselnd in der Ich-Form die Handlung voranschreiten lassen, die Geschichte der Krankenschwester Juliette und des Feuerwehrmanns Romeo. Juliette übt ihre Tätigkeit gerne aus und denkt in deren Zusammenhang oft an die Weisheit ihrer geliebten Großmutter Malou, nach der es keinen einzigen Zufall gibt im  Leben, „denn unser Leben ist vorgezeichnet“. Am Ende des Buches wird sie von der Wahrheit dieses Satzes überzeugt sein.

 

Das Buch beginnt damit, dass ein bei einem Einsatz schwer verletzter Feuerwehrmann auf die Intensivstation kommt, in der Juliette arbeitet. Man weiß nicht, ob er überleben wird. Doch mit unendlich viel Empathie und Einsatz versucht Juliette ihm zu helfen. Sie steht Romeo über viele Woche bei in seiner Angst, tröstet ihn und macht ihm Mut. Romeo hat eine kleine Schwester namens Vanessa, die während seiner Rekonvaleszenz bei seinem Chef unterkommt, immer wieder unterstützt von Juliette, die dafür weit über die Grenzen ihrer Kompetenzen geht.

 

So sehr Juliette sich um andere kümmert, so sehr vernachlässigt sie sich selbst. Sie hat einen bisher unerfüllten Kinderwunsch, und lebt mit einem Partner zusammen, der diese Sehnsucht nach einem Kind nicht teilt und sie im Gegenteil sehr schlecht behandelt. Doch sie ist abhängig von ihm.

 

Romeo verlässt irgendwann die Intensivstation und als er zu einer Reha aufbricht, beschränkt sich der Kontakt zu Juliette auf Briefe. Doch Juliettes Partner setzt dem bald schon ein heftiges Ende.

 

In eingestreuten Tagebucheintragungen von Juliette erfährt der Leser, wie unglücklich Juliette darüber ist. Aber auch Romeo gibt nicht auf. Er kann seine Juliette einfach nicht vergessen.

 

Wieder ein schöner, bewegender und durchaus spannender Liebesroman mit literarischer Qualität, durch den man wegen der knappen Kapitel und der ständig wechselnden Erzählperspektiven regelrecht fliegt….

 

Die hier anzuzeigende Hörbuchfassung besticht durch die Entscheidung, den Roman von drei verschiedenen Stimmen lesen zu lassen. K. Janowski, A. Radenkovic und J. Meier machen das Hören zu einem spannenden Erlebnis. Wie beim Buch selbst, mag man gar nicht aufhören, bis man ans Ende gelangt ist.

 

 

 

 

 

 

 

Du bist richtig, wie du bist

 

 

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Stefan Gemmel, Marie-Jose Sacre, Du bist richtig, wie du bist, Carl Auer 2016, ISBN 978-3-8497-0149-9

 

Bodo ist ein großer freundlicher Drache, der letzte seiner Art. Er lebt friedlich und glücklich im Wald von Tohuwabohu. Mit allen Tieren befreundet, spricht, lacht und spielt er mit ihnen den ganzen Tag.

 

So weit so gut und zufrieden. Da kommt eines Tages der Löwe, der König der Tiere und wirft Bodo vor, er sei unnütz. Als Drache müsste der böse und gefährlich sein wie es sich für ein Ungeheuer gehört.

 

Bodo kann das nicht und er will, es auch nicht. Er flieht aus seinem Wald und lässt sich nach drei Tagen und Nächten Marsch durch die Wüste, die an den Wald angrenzt, auf den Boden fallen. Er kann nicht mehr und gibt auf.

Da kommt ein Papagei geflogen und ordert ihn aufgeregt auf, schnell nach Hause in den Wald zu kommen. Allen Tieren fehlt er. „Im Wald ist es so traurig und langweilig ohne dich und deine Spiele.“

 

Als er zurückkommt, freuen sich alle darüber. „Es war schrecklich ohne dich“, sagen sie. Und sogar der Löwe sagt: Du bist genau richtig, wie du bist.“

 

Ein wunderbares Mut machendes Bilderbuch gegen Mobbing Ausgrenzung, Vorgänge die schon im Kindergarten beginnen. Ein Buch das Kindern helfen will, sich selbst zu finden und innere Stärke zu entwickeln, etwa bei einem Gespräch nach dem Vorlesen darüber, was denn von jedem einzelnen Kind für die ganze Gemeinschaft wichtig und unverzichtbar ist.

Geigen der Hoffnung

 

 

 

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Titus Müller, Christa Roth, Geigen der Hoffnung, Adeo 2016, ISBN 978-32-86334-117-6

 

Die „Geigen der Hoffnung“ des israelischen Geigenbauers Amnon Weinstein, die, eine Arbeit seines Vaters Mosche fortsetzend, immer wieder in Ausstellungen und Konzerten an die Leiden ihrer einstigen jüdischen Besitzer in den Konzentrationslagern der Nazis erinnern, waren der Ausgangspunkt für das vorliegende Buch von Titus Müller und Christa Roth.

 

Der Geschichte und der Erinnerungsarbeit von Amnon Weinstein, die Christa Roth nach vielen Besuchen bei ihm in Israel erzählt, wird in veränderter Schrift eine fiktive Geschichte gegenübergestellt von den beiden Brüdern Marek und Stani, die Titus Müller erzählt. Es ist die Geschichte zweier Brüder, die ins KZ Dachau deportiert werden und die Hölle überleben, auch weil sie Musiker sind. Sie nimmt rund zwei Drittel des Buches ein und beruht größtenteils auf Tatsachen. In einem Gespräch mit israelnetz.com erzählt er: „Den Häftling Nummer 95101 gab es wirklich. Der hieß aber eigentlich Abraham Mertschinski und hatte nicht einen Bruder, sondern zwei, mit denen er von Lodz nach Dachau kam. Es gibt diese Geige von ihm, die wird von Amnon Weinstein restauriert, und es gibt ihn und er war wirklich in Dachau. Ein Freund, dem er nach dem Krieg die Geige geschenkt hat, sagt, er habe die Geige wirklich im Lager gespielt.“

 

Ein bewegendes Buch ist „Geigen der Hoffnung“, ein Buch das nicht nur den unmenschlichen Schrecken der Vernichtungslager beschreibt, sondern auch von der Hoffnung auf Versöhnung beseelt ist.

Wolkentage

 

 

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Alice Briere-Haquet, Monica Barengo, Wolkentage, Carl Auer Verlag  2016, ISBN 978-3-8497-0150-5

 

„Wolkentage“ ist in der Reihe Carl-Auer-Kids erschienen, deren Ziel es ist, Kinderbücher zu veröffentlichen, die eine heilende Wirkung haben und Kindern eine neue Sicht auf sich und die Welt vermitteln können.

 

In diesem geht es etwas, was Kinder bei sich kennen, was sie aber auch bei ihren Eltern wahrnehmen. Es geht um Tage, in denen man verstimmt ist, in den sich eine Wolke über das Gemüt legt und alles verdunkelt. Mit eindrucksvollen Bildern wird illustriert, wie sich eine solche Stimmung wie ein Nebel über alles legt, und die Welt traurig und grau macht.

 

Doch eine Verstimmung ist nichts Schlimmes, sie bedeutet auch, dass man sensibel und feinfühlig für das Leben ist, für die Hochs und Tiefs, dass man alles mit allen Sinnen wahrnehmen kann. Eigentlich eine schöne Eigenschaft, die das Menschsein ausmacht. Wenn man mitfühlend sein kann sowohl für das Schlimme als auch für das Schöne. Dann ist man lebendig.

 

Das ist die Botschaft dieses Buches. Dass man nach einer Zeit der Verstimmung wieder neue Kräfte sammelt und Energie und wieder mit Freude am Leben teilnehmen und es genießen kann.

 

Dieses Buch kann Eltern helfen, Kinder in einer solchen  Phase zu trösten und ihnen Zuversicht zu vermitteln. Es kann Kindern aber auch helfen dabei, sich nicht schuldig zu fühlen, wenn seine Eltern kurz oder manchmal auch länger unter einer solchen Verstimmung leiden.

 

Der Tod des Odysseus

 

 

 

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Petros Markaris, Der Tod des Odysseus, Diogenes 2016, ISBN 978-3-257-06979-2

 

Das neue in Griechenland 2015 erschienen Buch von Petros Markaris ist kein weiterer Roman über seinen Kommissar Kostas Charitos , sondern eine Sammlung von unterschiedlich langen „Geschichten“.

Darunter finden sich auch zwei kurze Texte, in denen Charitos eine Rolle spielt. Sie sind aber für das Buch eher marginal und wohl nur beigefügt, um die Charitos Fans bei Laune zu halten.

 

Die anderen Geschichten handeln von Menschen, Griechen und Türken hauptsächlich. All dieses Menschen sind so wie der antike Odysseus in der Fremde unterwegs, haben viele Prüfungen zu bestehen, geben die Hoffnung nicht auf und sind zumeist brutalen Gegnern ausgesetzt, die es nicht gut mit ihnen meinen.

 

Die für mich wichtigste und für das Buch zentrale Geschichte – sie ist auch mit fast 100 Seiten die längste- trägt den Titel „Drei Tage“ und erzählt von einem Protagonisten namens Vassilis und wie er und seine Familie das Pogrom von Istanbul am 6. September 1955 erlebten, das von langer Hand von der Regierung vorbereitet war.

„Vor einundsechzig Jahren geschah es in der Nacht vom 5. auf den 6. September 1955, da stürmen laut brüllend grölende Horden mit Äxten, Hämmern, Säbeln und Dynamit bewaffnet entlang des Istiklal- Boulevards.

Sie brandschatzten und plünderten Geschäfte und Unternehmen die zur lokal griechischen Gemeinde gehörten. Der Mob griff hauptsächlich griechisch besiedelte Stadtteile in ganz Istanbul an, mehr als 4000 Geschäfte wurden zerstört, über 70 Kirchen und 30 Schulen zertrümmert. Priester wurden geschlagen, griechisch- orthodoxe Friedhöfe wurden geschändet.“ ( Der Freitag, 10.6.2016)

Es war nicht das erste Mal, dass unbeteiligte Minderheiten Opfer von Machtkämpfen in der Türkei wurden. Praktisch seit der Gründung der Republik durch Kemal Atatürk im Jahre 1923 ist die Türkei überzeugt davon, dass seine Minderheiten, in erster Linie Griechen und Armenier, (heute die Kurden) als 5. Kolonne fremder Mächte Ankaras Feinde sind. Diese Angst, die durch den Zusammenbruch des Osmanischen Reiches zum „unterirdischen“ Flächenschwelbrand wurde, hat sich immer wieder in der türkischen Politik für ganz unterschiedliche Ziele instrumentalisieren lassen, zuletzt in diesem Jahr.

Ankara inszeniert gegebenenfalls erst ein Ereignis, wenn das Muster dazu passt, bzw. das Muster bestätigt werden kann. Am Vorabend des 6. September gab es einen Angriff in Thessaloniki auf das Geburtshaus Kemal Atatürks. Damit war die Lunte an die Fackel lodernder Emotionen gelegt und in Brand gesetzt. Obwohl die Rädelsführer angeblich an den Mob keine Waffen verteilt hatten, endete die Pogromnacht mit über 30 Toten, Hunderten von Verletzten, und Dutzende von vergewaltigten Frauen und Männern.

 

All dies beschreibt Markaris in der Geschichte „Drei Tage“ beeindruckend.

 

Man sieht, gewisse Vorgänge haben in einer sich weiter islamisierenden Türkei offenbar Tradition.

Als Petros Markaris diese und andere Geschichten des Bandes schrieb, konnte er nichts ahnen von dem gescheiterten (oder angezettelt-gescheiterten?) Putsch 2016. Ich bin aber sicher, er wäre vor allen Dingen von den Reaktionen Erdogans nicht überrascht gewesen.

 

Markaris setzt sich mit seinen Roman und diesen Geschichten – obwohl Fiktion- sehr kritisch mit der aktuellen gesellschaftlichen Lage auseinander.

 

Ein Junge namens Weihnacht

 

 

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Matt Haig, Ein Junge namens Weihnacht, DTV 2016, ISBN 978-3-423-28088-4

 

Alle Welt kennt den Weihnachtsmann als einen etwas ältlichen, dicken Mann in rotem Mantel mit einem weißen langen Rauschebart. Richard Attenborough hat ihn 1994 in der Neuverfilmung von „Das Wunder von Manhattan“ unübertroffen dargestellt und begeistert jedes Jahr aufs Neue  junge und alte Fernsehzuschauer.

 

Doch wer hat eine Vorstellung davon, wie der Weihnachtsmann als Kind war? Was machte ihn aus, was erlebte er?  Wie kam es eigentlich, dass er zum Weihnachtsmann wurde und wie ist seine Verbindung zu all den vielen Fabelwesen, die ihn und seine Geschichte umgeben?

 

Matt Haig, ein 1975 geborene englischer Autor von Romanen und Kinderbüchern, hat sich diese Fragen gestellt und ein Geschichte erfunden über einen Jungen namens Weihnacht.

 

Es ist eine Erwachsene und Kinder gleichermaßen verzaubernde Geschichte voller Spannung, Abenteuer und Humor. Wunderbar schräge Illustrationen von Chris Mould und eine wunderbar schöne und zauberhaft erzählte Geschichte lassen vermuten, dass dieses Buch zu einem Weihnachtsklassiker werden könnte, das auch noch nächste Generationen im Dezember gerne zur Hand nehmen, so wie sie seit Jahrzehnten sich im Dezember an irgendeinem Abend „Das Wunder von Manhattan“ im Fernsehen anschauen.

 

 

 

Nussschale

 

 

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Ian McEwan, Nussschale, Diogenes Hörverlag 2016, ISBN 978-3-257-80376-1

 

Die Idee ist genial, der Plot klassisch und seine Ausführung an manchen Stellen unglaubwürdig übertrieben. In seinem neuen Roman „Nussschale“ erzählt der britische Bestsellerautor Ian McEwan die Geschichte eines Vaters, einer Mutter und deren Liebhabers. Mutter und Liebhaber wollen den Vater töten (auch wenn er der leibliche Bruder des Vaters ist), dessen auf viele Millionen geschätztes altes heruntergekommenes Haus mitten in bester Londoner Lage verkaufen und sich dann aus dem Staub machen. So weit so gut. Wäre da nicht die Tatsache, dass die Mutter im neunten Monat schwanger ist (von ihrem Mann?) und man nicht genau weiß, was man mit dem Baby tun soll, das in zwei Wochen zur Welt kommen soll.

Das alles irritiert das Ungeborene, das McEwan als wirklich ungewöhnlichen Ich-Erzähler auftreten lässt.  Dieser natürlich noch namenlose Erzähler erlebt nicht nur das Drama seiner Mutter Trudy , seines Vaters John, seines Zeichens ziemlich erfolgloser Dichter und Verleger und seines nebenbuhlerischen Onkel Claude, und schildert es mit immer größerer Besorgnis (was soll aus ihm werden?), sondern ist durch das Mithören unzähliger Radiosendungen auf BBC und Podcasts, die seine Mutter zur Ablenkung laufen ließ, auch so etwas wie ein weitläufiger Analyst der Welt geworden, in die er noch gar nicht hineingeboren ist.

 

Seine Kenntnis geht sogar so weit, dass er den Wein, den seine Mutter in immer größeren Mengen in sich hineinschüttet, bis auf den Jahrgang und das Weingut bestimmen kann.

 

Und das ist natürlich unglaubwürdig. Aber diese Kritik geht fehl, weil McEwan gar nicht davon ausgeht, dass sein Erzähler das wirklich weiß.

Ein Fötus hat ein Erleben, bekommt über den Stoffwechsel seiner Mutter und deren Herzschlag viel mit, ist aber natürlich noch kein Wesen mit einem ausgebildeten Bewusstsein und Sprachkompetenz.

 

Es geht McEwan in seinem neuen Roman, der voller philosophischer und aktuell politischer Reflexionen steckt, um diese ungewöhnliche Perspektive. Wie könnte, würde er es wirklich alles verstehen, ein ungeborener Fötus die Welt wahrnehmen in die er hineingeboren wird?

 

Mich hat das Buch gut unterhalten, mich nicht selten schmunzeln lassen. Doch an seine letzten drei Bücher „Kindeswohl“, „Honig“ und „Solar“ kommt „Nussschale“ leider nicht heran.

 

Die hier anzuzeigende ungekürzte Lesung von Wanja Mues lässt den Hörer ganz eins werden mit dem kleinen Erzähler, dem Mues seine Stimme leiht und ihn auf eine Weise lebendig werden lässt, als säße oder liege er direkt neben einem.