Antons Albtraum

 

 

 

 

Ben Furman, Mathias Weber, Antons Albtraum, Carl Auer Verlag 2016, ISBN 978-3-8497-0087-4

 

Anton ist ein kleiner Junge, der gerne Eishockey spielt. Doch seit einiger Zeit plagen ihn nachts Albträume, von denen er regelmäßig aufwacht. Es ist immer der gleiche Traum, der ihm Angst macht wenn riesige Lastwagen ihn verfolgen und überfahren wollen. Obwohl seine Eltern ihn dann immer beruhigen, dauert es lange, bis er wieder einschlafen kann.,

 

Als nun seit Vater ihm am Donnerstag abends erzählt, dass seine Eltern morgen ausgehen werden und Anton bei seiner Oma übernachten muss, ist er ganz durcheinander  und weint. Als seine Eltern ihn  dann abends zur Oma bringen, vergessen sie aus lauter Eile, der von Antons Albträumen zu erzählen.

 

Mutig nimmt Anton sein Herz in die Hand, und erzählt es der Oma selbst. Und die nimmt ihn ernst, nimmt sich viel Zeit und erzählt ihm davon, dass alle Träume ein gutes Ende haben und man nur mitten drin aufwacht, bevor man das Ende erfährt. Sie lädt ihn ein, sich vorzustellen, was die Laster vielleicht an Spielzeug für ihn geladen haben.

 

Mit festen Bildern vom Ende seines Traums schläft Anton bei Oma ein. Die kann den überraschten Eltern am nächsten Tag berichten, dass Ant0n wie ein Stein geschlafen hat. „Ich habe Anton nur erklärt, wie man Albträume in Toll-Träume verwandelt.

 

Abends dann, wieder zu Hause, gesteht ihm seine Mama vor dem Schlafengehen, dass auch sie manchmal Albträume hat und bittet ihn, ihr das Geheimnis zu verraten.

 

Ein Nachwort für Eltern, Erzieher und Vorleser schließt ein wunderbares Bilderbuch ab. In diesem Nachwort erklärt der Therapeut  und Autor des Buches, Ben Furman was Albträume sind, und wie man Kindern hilft sie zu überwinden. Seine Losung: „Probleme, die durch Einbildungskraft verursacht sind, werden am besten mithilfe der Einbildungskraft gelöst.“

 

Welchen Segen für Eltern und Kinder das Erzählen von Geschichten darüber haben kann, zeigt diese von Mathias Weber ansprechend illustrierte Buch. Christel Rech-Simon, analytische Kinder- und Jugendlichentherapeutin, hat auch ein zweites Nachwort verfasst und zeichnet als Herausgeberin für die hoffnungsvoll gestartete neue Reihe „Carl-Auer-Kids“ verantwortlich.

 

Tapsi will kuscheln

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sean Julian, Tapsi will kuscheln, NordSüd 2017, ISBN 978-3-314-10363-6

 

 

Sean Julian ist ein in Bristol lebender Künstler, der vor allem Bilderbücher illustriert und dabei eine besondere Vorliebe und Leidenschaft für das Zeichnen von haarigen Gorillas, Bären und von Dinosauriern entwickelt hat.

 

Ein kleiner Waldrache namens Tapsi und eine Elfe namens Pünktchen sind die beiden Hauptfiguren in seinem neuen Bilderbuch bei NordSüd. Tapsi will mit Pünktchen kuschen, doch die will nicht. Erbost hält sie ihm einen Vortrag darüber, was beim letzten Kuscheln passiert ist. Taspi kommen die Tränen, die Pünktchen jedoch nicht beeindrucken. Auch über die verschiedensten Geschenke, die der Drache beibringt, kann sie sich nicht freuen. Ja, als er ihr ein Häschen bringt ist sie regelrecht erbost.

„Ich kuschele heute, morgen und übermorgen mit allen“, erklärt Pünktchen. „Mit allen außer mit dir.“

 

Traurig und deprimiert zieht Tapsi ab, legt seinen Kopf auf einen Stein, als ihm ein kleiner Vogel vor die Nase fällt, der aus dem Nest herausgepurzelt ist. Er rettet das Kleine ganz zärtlich und bringt es seinen Eltern ins Nest zurück. All das hat Pünktchen auf einem Baum sitzend genau beobachtet. Sie ist von der Feinfühligkeit des Waldrachen beeindruckt, und will jetzt doch kuscheln. Das tun  sie auch, bis das passiert, was auch beim letzten Mal geschah….

 

Ein schönes lustiges Buch über das Kuscheln, und was manche dabei überhaupt nicht mögen.

Was piepst denn da, kleiner Osterhase ?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heike Vogel, Susanne Weber Was piepst denn da, kleiner Osterhase, Oetinger 2017, ISBN 978-3-7891-2451-8

 

Ein schönes kleines in Reimen gefasstes Bilderbuch für Kinder ab zwei Jahren passend zum Osterfest haben Heike Vogel und Susanne Weber da gedichtet und gezeichnet. Sie erzählen vom Osterhasen, der im Hühnerstall die Eier bemalt und sie dann verteilen will. Schon im Stall bemerkt er, dass ein Ei einen Sprung hat und er vorsichtig damit umgehen muss.

 

Während er seine Eier verteilt, bemerkt er ein Piepsen, das die Kinder auch hören können, wenn sie das Buch schütteln. Was da wohl piepst?

 

Ein kleines Küken ist aus einem der Eier geschlüpft und der Osterhase bringt es schnell zurück in den Stall zu den glücklichen Hühnern.

 

Ein fröhliches Osterbuch mit einem lustigen Pieps-Sound.

Ein Weiser, ein Kaiser und viel Reis

 

 

 

 

 

Paolo Friz, Ein Weiser, ein Kaiser und viel Reis, Atlantis 2017, ISBN 978-3-7152-0724-7

 

Der Bilderbuchautor Paolo Friz erzählt in diesem mit einer märchenhaften im alten China angesiedelten Kulisse jene Legende von der Erfindung des Schachspiels auf seine Weise.

 

Die Bauern müssen seit ehedem dem Kaiser Reis abgeben als Tribut. Doch es ist so viel, dass sie nicht mehr genug zu essen für ihre Kinder haben. Der Kaiser indes hortet den Reis in Kammern. Als nach der nächsten Ernte der Dorfälteste den Kaiser bittet, seinen Tribut zu reduzieren, weil die Kinder hungern, schäumt der vor Wut und jagt die Bauern fort.

 

Die Tochter des Dorfältesten hat die Idee, jenen alten Weisen auf Hügel um Hilfe zu bitten. Der, um die Vorliebe des Kaisers für Brettspielen wissend, entwickelt er ein Spiel auf 64 Feldern, in dem zwar der Kaiser die wichtigsten Figur ist aber ohne die anderen Figuren wie Läufer oder Bauern nie ein Spiel gewinnen kann.

 

Als der Weise und seine Tochter das neue Spiel in den Palast bringen, ist der Kaiser begeistert, auch weil ihn  der Weise ein paar Mal gewinnen lässt. Vor Freude gewährt er dem Weisen einen Wunsch. Der sagt: „Ich will für das erste Feld auf dem Brett ein Reiskorn, für das zweite zwei Reiskörner, für das dritte vier Reiskörner, für das vierte acht Reiskörner und so weiter. Also immer das Doppelte. Bis zum vierundsechzigsten Feld.“

 

Der Kaiser denkt, das ergibt nicht mehr als ein Paar Säcke und ist beleidigt. Er lässt seinen Hofmathematiker die Menge ausrechnen und befiehlt sie bis zum nächsten Tag bereitzustellen.

Als er von dem Mathematiker hört, welch eine unglaubliche Summe da zusammenkommt, wirft er sich am nächsten Morgen dem Weisen demütig vor die Füße. Doch der verlangt nur, dass die Bauern so viel reis bekommen, das sie ein  sorgenfreies, gutes Leben führen können. Und der Kaiser muss auch nicht verhungern. Der Kaiser lernt Demut und erkennt am Schachspiel die Bedeutung seiner Bauern.

 

Ein schönes farbenprächtiges Bilderbuch.

 

 

 

 

 

 

Die entspannte Familie. Wie man aus einer Mücke keinen Elefanten macht

 

 

 

 

 

Simone Kriebs. Die entspannte Familie. Wie man aus einer Mücke keinen Elefanten macht, Gütersloher Verlagshaus 2017, ISBN 978-3-579-08666-8

 

Man liest in den letzten  Jahren sehr viel darüber, unter welchen unglaublichen Druck von den verschiedensten Seiten die moderne Familie geraten ist. Die behauptete Vereinbarkeit von Beruf und Familie erweist sich oft als einen die Eltern überfordernden Anspruch. Gleichzeitig kann es sich heute sowohl in der Gegenwart als auch im Hinblick auf künftige Altersversorgungen niemand mehr leisten, für eine längere Erziehungszeit zu Hause zu bleiben.  Die meisten Eltern wollen das auch gar nicht.

 

Die Kinder stehen in der Schule unter erheblich höherem Druck als das zu meinen Zeiten etwa üblich war. Sich um die Zukunft ihrer Kinder sorgende Eltern tragen nicht wenig zu diesem Druck bei. Und so kommen die meisten Familienmitglieder nach einem langen Tag nach Hause, abgespannt und müde, und wundern sich, warum die Familienrealität und ihre Vorstellung von Familienleben so weit auseinanderklaffen. Schnell ist dann aus einer Mücke ein Elefant geworden.

 

Die Pädagogin und Therapeutin Simone Kriebs hat aus all den ihr vorliegenden Erziehungskonzepten einen erfrischend anderen und vor allen lebensnahen Ansatz entwickelt, den sie in dem vorliegenden Buch vorstellt an vielen Beispielen.

 

Sie lädt ein, eine entspannte Familie zu werden, die mit Konflikte und unterschiedlichen Interessen, wie sie normal sind für das Zusammenleben von Menschen so umgeht, dass aus eine Mücke kein Elefant entsteht. Sie setzt darauf, dass alle Familienmitglieder vor allem aber die Eltern an sich arbeiten und eine innere Haltung entwickeln, die es ihnen ermöglicht, die von Kriebs genannten drei Fundamente für ein harmonischen Zusammenleben aufzubauen und zu schützen. Es geht darum, dass alle ein „offenes Herz“ füreinander haben, sich auf Augenhöhe begegnen und sich achten und (vor allen Dingen wichtig für besorgte Eltern) Vertrauen zu entwickeln in das Funktionieren natürlicher Entwicklungsprozesse.

So können eigene Spielräume erweitert werden und vielfältige unterschiedliche Rollen eingenommen werden. Auch sich selbst und auf die Kinder vertrauen, stärkt auf die Dauer die eigene Gelassenheit und die Gewissheit, dass es immer mehrere Weg gibt, um an das Ziel zu kommen.

Das Welthaus

 

 

 

 

 

Hubertus Halbfas, Das Welthaus. Texte der Menschheit, Patmos 2017, ISBN 978-3-8436-0683-7

 

 

Eine Einführung in  die Theologie durch theologiekritische Literatur – nichts weniger versucht der emeritierte Religionspädagoge Hubertus Halbfas in seinem neuen  großen Werk. Auf drei Bände ist es angelegt. Nun ist der abshclie0enden dritte Band erschienen

 

Im ersten Band „Das Christenhaus“ geht es um literarische Anfragen an die christliche Religion, im zweiten Band „Das Menschenhaus“ um Geschichten und Gedichte und im letzten hier vorliegenden Band „Das Welthaus“ um wichtige Texte der Menschheit.

 

Hubertus Halbfas richtet sich mit diesem Werk an einen breiten Leserkreis ohne weltanschauliche Einschränkungen. Er wünscht sich als Leser sowohl die „religiös Musikalischen wie die Unmusikalischen“.  Er will aber hauptsächlich etwas erreichen, was die Praktischen Theologen der Gert-Otto-Schule schon in den siebziger Jahren in Mainz lehrten. Er will Religionslehrer, Pfarrer und anderes kirchliches Personal heranführen an die Literatur. Denn nur in ihr und durch sie könne „der Atem der Welt wahrgenommen“ werden.

 

Im Unterschied zu herkömmlichen Anthologien wird in diesem Buch mehr getan: es gibt Angaben über den Autor, die Entstehungsgeschichte, geschichtliche Hintergründe und literarische Eigenarten des Textes und Interpretationshilfen anderer bedeutender Autoren. Nur so kann ein literarisches Verständnis gewonnen werden. Für das theologische Verständnis dienen  jeweils Einführungen in zentrale Fragen und Positionen.

 

Die ganze Trilogie ist eine wertvolle und reiche Sammlung, in der deutlich wird, dass ohne eine Auseinandersetzung mit der Literatur eine zeitgemäße Theologie nicht mehr möglich ist.

 

 

Das grosse Herz

 

 

 

 

 

Sara Stridsberg, Das große Herz, Hanser 2017, ISBN 978-3-446-25453-4

 

Sara Stridsberg hat diesen sehr stark autobiographisch geprägten Roman (vgl. seinen schwedischen Titel „Beckomberga. Ode till min familj“) all jene gewidmet, die in den Jahren 1932 bis 1995  durch den Klinikpark von Beckomberga gingen.

 

Beckomberga war eine von mehreren zentralen psychiatrischen Anstalten, die der schwedische Staat mit viel Geld ab 1932 bauen ließ, bevor sie 1995 in Zuge einer Psychiatriereform für immer geschlossen wurden.

 

Die Ich-Erzählerin des Romans, Jackie, ist 14 Jahre alt, ihre Eltern sind schon getrennt. Sie lebt bei ihrer Mutter; ihr Vater Jim ist schwer alkoholkrank und bewegt sich permanent, eigentlich bis zu seinem Ende, am Rande des Selbstmordes. Eines Tages, wir schreiben das Jahr 1986, wird er nach einem schweren Tablettenmissbrauch in die  Psychiatrie nach Beckomberga in der Nähe des Heimatortes von Jackie eingewiesen.

Obwohl Jackie eigentlich viel zu jung dafür ist, besucht sie ihren Vater dort fast täglich, obwohl er das eigentlich nicht will. „Du hast ein großes Herz“ sagt ihre Mutter einmal zu ihr, die Verständnis für ihre Tochter hat und sie gehen lässt, selbst aber kaum Gefühle für ihren Mann aufbringen kann. Tatsächlich kann Jackie mit ihrem großen Herz nicht nur ihrem Vater eine Hilfe sein, eine Brücke zum Leben draußen, sondern sie lernt auch viel andere Menschen kennen, denen sie nahe kommt.

 

Fast drei Jahrzehnte später beschreibt Sara Stridsberg ihre wohl eigenen Erfahrungen dort in Beckomberga in einem bewegenden und starken Roman und gibt all jenen Menschen eine Stimme, die damals und wohl auch noch heute solche Anstalten für mehr oder minder lange Zeit bewohnen, die Ausgebrannte, die am Leben Zerbrochenen, die, deren Geist an der Welt leidet.

 

Sara Strindberg lässt sie zu Wort kommen, widmet sich aber auch immer wieder dem Arzt Edvard Winterson, ein Mann der seine Patienten liebt, eine großes Herz für sie hat und für einige von ihnen immer wieder für einen besonderen „Ausgang“ sorgt, wenn er mit Patienten feuchtfröhliche Partys besucht.
Einen ganz besonderen Stellenwert in diesem sprachlichen Kunstwerk nehmen die sich durch das ganze Buch hinziehenden Beschreibungen von Lichtverhältnissen und Naturzuständen ein, die von einer sonst nur bei Künstlern anzutreffenden Feinheit und Differenziertheit sind.

 

Sara Stridsberg Roman verwischt wie ein Gemälde häufig die Grenzen zwischen Wahnsinn und Normalität, er thematisiert zwischen den Zeilen, wie der Sozialstaat auf der einen Seite mit sehr viel Geld sich um die Schwachen und Kranken kümmert, sie auf der anderen Seite aber auch herzlos absondert.

 

Und er erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die mit ihrem großen Herz tapfer versucht, immer wieder Licht in das Dunkel zu bringen. Ein Roman, der selbst strahlt, der einen gefangen nimmt und bezaubert, weil er davon handelt, was in jedem Menschen steckt und in vielen verhärtet oder abgestorben ist: Mitgefühl, Unvoreingenommenheit und aufrichtige Liebe.

 

 

 

 

 

Mehr als Ja und Amen

 

 

 

 

Margot Käßmann, Mehr als ja und amen. Glaube gehört mitten ins Leben, Adeo 2013, ISBN 978-3-942208-77-2

 

Es scheint eine große Erschöpfung in der Welt. Immer mehr einzelne Menschen leiden unter Depressionen oder sind ausgebrannt, aber auch unsere Institutionen, die ehemals vielen Menschen Orientierung boten, Vorbild waren und Möglichkeiten des Engagements boten, befinden sich in einem Zustand struktureller und inhaltlicher Erschöpfung und Ratlosigkeit. Das gilt für die Parteien genauso wie für die Gewerkschaften, aber auch die Kirchen können nicht mehr den Impuls zur Veränderung setzen, wie sie das vielleicht noch im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts taten.

 

Viele Menschen haben das Gefühl, nicht mehr selbst und frei zu leben, sondern sozusagen gelebt zu werden, fremdbestimmt von Zwängen auf ihrer Arbeit, mehr aber noch von Erwartungen anderer Menschen, ihrer Eltern, ihres Partners, ihrer Kinder oder ihrer Freunde. Man lebt so vor sich hin, immer mehr müssen regelrecht kämpfen, dass sie sich wenigstens nicht selbst verloren gehen.

 

Seit das vorliegende Buch, das hier in einer aktualisierten und erweiterten Neuausgabe vorliegt, 2013 zum ersten Mal erschienen ist, hat sich dieser Befund durch weltpolitische und innenpolitische Veränderungen noch weiter zugespitzt

 

Mit der Freiheit des Evangeliums, mit protestantischer Freiheit zumal, hat diese resignative Erschöpfung nichts zu tun, sagt Margot Käßmann in ihrem Buch. Sie denkt nach darin über die Freiheit des Glaubens, der sie in die Lage versetzt, über ihre Gewohnheiten hinauszudenken, kritische Fragen zu stellen und nicht mehr alles resignativ-erschöpft als gegeben hinzunehmen. Der Blick in die Bibel zeige ihr, so schreibt sie, dass sie eine Verantwortung habe, das sie selbst und niemand anders gemeint sei von Gott und seinen Verheißungen, dass sie nicht für sich selbst und den Augenblick lebt.

 

Einen Buchtitel von Dorothee Sölle und Fulbert Steffensky aus dem Jahr 1983 („Nicht nur Ja und Amen. Christen im Widerstand“) aufgreifend, führt sie in zehn Kapiteln in einer sehr verständlichen und einladenden Sprache aus, dass menschliche Existenz, die sich von der Botschaft und der Freiheit der Bibel her versteht, „mehr als ja und amen“ ist und dass es sehr wohl möglich ist, gegen alle Resignation und Perspektivlosigkeit, die Welt zu verbessern.

 

Ähnlich wie das Jörg Zink in seinem Buch „Das offene Gastmahl“ gezeigt hat, geht es darum, sich selbst als einen Teil einer Gemeinschaft zu sehen, einer Gemeinschaft, zu der jeder Zugang hat, in der die Starken selbstverständlich für die Schwächeren eintreten und diese sich nicht mehr dafür schämen müssen. Immer noch, seit den Ideen desK onzliaren Prozesses vor vierzig Jahren, geht es um die drängenden Fragen von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung und um ein verantwortliches und nachhaltiges Leben, das zukünftigen Generationen ihre Lebensmöglichkeiten lässt.

 

Jeder, das ist die Botschaft Käßmanns, die sie immer wieder betont, jeder kann dazu etwas beitragen. Jeder kann lernen und üben, nicht mehr immer Ja und Amen zu sagen. Jeder kann das lernen, „selbst denken“, wie das der Sozialphilosoph Harald Welzer vor einigen Jahren in einem gleichnamigen Buch überzeugend gezeigt hat.

 

Und weil das nicht so leicht ist, gibt sie am Ende des Buches „Zehn Ermutigungen für Weltverbesserer“, die wegen ihrer an der Bibel orientierten und umfassenden Überzeugungskraft hier notiert seien:

 

  1. Dein Lebenssinn ist dir in Gottes Zuwendung schon zugesagt! Wage, selbst zu denken, Vorgefundenes zu hinterfragen, und bilde dir selbst deine Meinung, unabhängig vom Urteil anderer. Du bist freier als du denkst, und kannst Haltung zeigen. Schärfe dein Gewissen an der Bibel, und gehe deinen Lebensweg voller Gottvertrauen und gleichzeitig in Verantwortung vor Gott, anderen Menschen und dir selbst.
  2. Du kannst aus der Spirale der Dauererschöpfung ausbrechen und der Last der Erwartungen entkommen. Halte an, entschleunige, und überlege neu, was du mit deinem Leben anfangen willst. Das ist gut für dich und für die, mit denen du lebst.
  3. Es gibt einen Segenskreislauf der Barmherzigkeit. Er zeigt sich in gegenseitiger Wertschätzung, im Leben in Gemeinschaft und einer Kultur des Vertrauens. Der Bauplan der Welt leitet sich ab aus biblischen Hoffnungen auf ein Miteinander von Starken und Schwachen.
  4. Gerechtigkeit eignet sich als Leitbild für die Welt, in der wir leben. Sie ist eine Frage der Beziehung zu Gott und zu anderen Menschen. Wir können diese Beziehungen so gestalten, dass wir einander in unserer Gemeinschaft gerecht werden. Mit Blick für das Maß, einer Ethik der Grenze, des Genug, kann es ein gutes Leben für alle geben.
  5. Zum Frieden gehört der Mut, Konflikte gewaltfrei zu lösen – im persönlichen Umfeld wie in internationalen Konflikten. Waffen sind keine Lösung, sondern das Problem. In den Seligpreisungen entwirft Jesus eine Kontrastgesellschaft, die für uns Provokation und Leitfaden sein kann, auch im politischen Handeln.
  6. Wenn wir uns als Teil der Schöpfung verstehen, ist das einerseits eine Frage der Spiritualität. Gleichzeitig hat ein solches Selbst- und Weltverständnis im Alltag konkrete Konsequenzen, angefangen bei einer „Politik mit dem Einkaufskorb.“ Wir treffen täglich Entscheidungen, die weitreichende Auswirkungen haben.
  7. Kinder sind eine Lebenslust, das dürfen Eltern erleben, das kann eine Gesellschaft prägen. Kinder sind ein Segen, das sollen sie spüren und sich entfalten können. Da gilt es, gegen die Muster in den Köpfen anzutreten und flexible Freiräume zu schaffen, in denen Familie gestaltet werden kann.
  8. Sterbende sind kein Tabu und der Tod ist kein hoffnungsloser Fall – wagen wir, darüber zu reden! Wie will ich sterben? Wie können Sterbende in Würde begleitet werden? Das sind die Themen, denen wir nicht ausweichen dürfen.
  9. Liebe und Beziehungen sind nicht statisch. Wer sich darauf einlässt, macht sich verletzbar. Aber es lohnt sich, in sie zu investieren, damit wir das Gewebe stärken, das unsere Gesellschaft zusammenhält. Da geht es um Familie, Ehe und Partnerschaft, aber auch um Vertrauen und Freundschaft.
  10. Es gibt kein „Die“ und „Wir“, sondern nur „Uns“ in unserem Land, in unserer Welt. Hier können wir in einer Vielfalt von Kulturen und Religionen zusammenleben, wenn wir gemeinsam das Recht achten und die errungene Freiheit offensiv verteidigen.

 

„Ihr seid das Licht der Welt“, sagt Jesus zu seinen Jüngern und mutet ihnen zu, das der Welt auch zu zeigen, „damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“. Um diesen Zusammenhang geht es Margot Käßmann, nicht um bloßes Gutmenschentum, sondern um eine an der biblischen Botschaft orientierte Lebenspraxis, die sich im Alltag und in den kleinen Dingen und Begegnungen zeigt und dann, wie ein Stein, der ins Wasser fällt, weite Kreise zieht.

 

 

 

Die Rückkehr

 

 

 

 

Aaron Becker, Die Rückkehr, Gerstenberg 2017, ISBN 978-3-8369-5953-7

 

Schon im Jahr 2016 in den USA erschienen, hat der Künstler Aaron Becker hier im Gerstenberg Verlag das dritte aus einer Trilogie von fantasievollen Bilderbüchern vorgelegt, das ganz ohne Worte auskommt.

Das erste Buch „Die Reise“ erzählte in immer farbenfroheren Bildern zunächst von dem grauen Alltag eines kleinen Mädchens, für das niemand Zeit hat und mit dem niemand spielen will. Der Vater sitzt vor dem PC und die Mutter spielt mit ihrem Smartphone herum. Allein in ihrem noch grauen Zimmer fällt ihr Blick auf einen magischen roten Stift, mit dem sie sich eine Tür malt, durch die sie in eine traumhafte Landschaft eintritt, in der ein kleiner Fluss durch einen dichten Wald fließt. Mit dem roten Stift den sie natürlich mitgenommen hat, entwirft sie sich ein Boot, und dann geht es ab auf eine abenteuerliche Reise durch magische Fantasiewelten. Immer wieder kann sie mit ihrem Stift das Geschehen in der Geschichte beeinflussen. Ein von ihr gerettetes Fabelwesen zeigt ihr den Weg zu einem neuen Freund.

Diese beide erlebten in dem zweiten Band der Trilogie mit dem Titel „Die Suche“ ihr nächstes Abenteuer. Am Anfang sind sie mit dem Fahrrad unterwegs und suchen unter einer Brücke Schutz vor dem Regen. Mitten im Brückenpfeiler öffnet sich plötzlich eine Tür, in der ein geheimnisvoller König erscheint und den beiden Kindern eine mysteriöse Karte aushändigt. Wohin die Karte die beiden wohl führt? Und: ist der König in Gefahr? Unter der Führung eines violetten Vogels begeben sie sich auf wundersame Reise durch selbst erdachte Räume und erleben aufregende Welten und Abenteuer.

 

In „ Die Rückkehr“  begibt sich das aus den ersten beiden Büchern bekannte  Mädchen wieder in eine sagenhafte Zauberwelt voller Abenteuer. Hier hat sie bereits einen Freund gefunden und mit ihm den König gerettet. Weil zu Hause niemand Zeit für das Mädchen hat, beschließt sie, mit ihrem Freund bei dem König zu bleiben. Doch ihr Vater folgt ihr durch  von dem Mädchen auf die  Wand gemalte Zaubertür im Elternhaus in diese andere, phantastische Welt mit ihren Bewohner. Kaum ist er dort angekommen, wird er gleich in ein unglaubliches Abenteuer verwickelt.

In diesem spektakulären Abschluss seiner Trilogie gelingt es Aaron Becker, neue Facetten seiner Zauberwelt zu präsentieren und der Botschaft seiner Bücher eine weitere Dimension zu geben: nur Vater und Tochter gemeinsam, nur Erwachsene und Kinder gemeinsam können die fantastische Welt (die Fantasie und Vorstellungskraft retten und bewahren.

 

 

Eine ungewöhnliche Bilderbuchreihe, die ganz ohne Worte eine große Geschichte erzählt und bei jedem neuen Betrachten neue Geheimnisse enthüllt, die man vorher nicht bemerkt hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aaron Becker, Die Rückkehr, Gerstenberg 2017, ISBN 978-3-8369-5953-7

 

Schon im Jahr 2016 in den USA erschienen, hat der Künstler Aaron Becker hier im Gerstenberg Verlag das dritte aus einer Trilogie von fantasievollen Bilderbüchern vorgelegt, das ganz ohne Worte auskommt.

Das erste Buch „Die Reise“ erzählte in immer farbenfroheren Bildern zunächst von dem grauen Alltag eines kleinen Mädchens, für das niemand Zeit hat und mit dem niemand spielen will. Der Vater sitzt vor dem PC und die Mutter spielt mit ihrem Smartphone herum. Allein in ihrem noch grauen Zimmer fällt ihr Blick auf einen magischen roten Stift, mit dem sie sich eine Tür malt, durch die sie in eine traumhafte Landschaft eintritt, in der ein kleiner Fluss durch einen dichten Wald fließt. Mit dem roten Stift den sie natürlich mitgenommen hat, entwirft sie sich ein Boot, und dann geht es ab auf eine abenteuerliche Reise durch magische Fantasiewelten. Immer wieder kann sie mit ihrem Stift das Geschehen in der Geschichte beeinflussen. Ein von ihr gerettetes Fabelwesen zeigt ihr den Weg zu einem neuen Freund.

Diese beide erlebten in dem zweiten Band der Trilogie mit dem Titel „Die Suche“ ihr nächstes Abenteuer. Am Anfang sind sie mit dem Fahrrad unterwegs und suchen unter einer Brücke Schutz vor dem Regen. Mitten im Brückenpfeiler öffnet sich plötzlich eine Tür, in der ein geheimnisvoller König erscheint und den beiden Kindern eine mysteriöse Karte aushändigt. Wohin die Karte die beiden wohl führt? Und: ist der König in Gefahr? Unter der Führung eines violetten Vogels begeben sie sich auf wundersame Reise durch selbst erdachte Räume und erleben aufregende Welten und Abenteuer.

 

In „ Die Rückkehr“  begibt sich das aus den ersten beiden Büchern bekannte  Mädchen wieder in eine sagenhafte Zauberwelt voller Abenteuer. Hier hat sie bereits einen Freund gefunden und mit ihm den König gerettet. Weil zu Hause niemand Zeit für das Mädchen hat, beschließt sie, mit ihrem Freund bei dem König zu bleiben. Doch ihr Vater folgt ihr durch  von dem Mädchen auf die  Wand gemalte Zaubertür im Elternhaus in diese andere, phantastische Welt mit ihren Bewohner. Kaum ist er dort angekommen, wird er gleich in ein unglaubliches Abenteuer verwickelt.

In diesem spektakulären Abschluss seiner Trilogie gelingt es Aaron Becker, neue Facetten seiner Zauberwelt zu präsentieren und der Botschaft seiner Bücher eine weitere Dimension zu geben: nur Vater und Tochter gemeinsam, nur Erwachsene und Kinder gemeinsam können die fantastische Welt (die Fantasie und Vorstellungskraft retten und bewahren.

 

 

Eine ungewöhnliche Bilderbuchreihe, die ganz ohne Worte eine große Geschichte erzählt und bei jedem neuen Betrachten neue Geheimnisse enthüllt, die man vorher nicht bemerkt hat.

Mein LEGO

 

 

 

 

 

Isabelle Bruno, Christine Baillet, Mein Lego, DVA 2017, ISBN 978-3-421-04070-1

 

 

Lego und seine Steine und Platten war nie nur ein Spielzeug für Kinder. Doch es scheint, als sei in den letzten Jahrzehnten die Zahl derer, die ihre Begeisterung für die bunten Steine aus Dänemark sich bis weit in das Erwachsenenalter konservieren und zu einem nicht ganz preiswerten Hobby ausbauen, gewachsen. In den besonders in Großstädten anzutreffenden Legoshops findet man fast ausschließlich (männliche) Erwachsene, die nicht selten mit Waren für etliche hundert Euro zur Kasse gehen , um sich dann zu Hause einen neuen Traum  zu erfüllen.

 

Für diese Zielgruppe haben Isabelle Bruno und Christine Baillet  ein zunächst in Frankreich erschienenes Buch gemacht, das 70 witzige Ideen präsentiert, „die den Alltag und die Wohnung verschönern. In vier Schwierigkeitsstufen aufgeteilt und mit viel Tipps von Lego-Bloggern aus aller Welt versehen, geben sie bebilderte Schritt-für Schritt- Anleitungen und genaue Material- und Werkzeugangaben.

 

Es ist erstaunlich, was mit LEGO alles möglich ist. In diesem Ideenbuch werden individuelle und persönliche Einzelstücke vorgestellt zum Nachbauen mit langer Haltbarkeit.

 

Ein Geschenk, von dem jeder LEGO-Freund (es gibt mehr als Sie denken) begeistert sein wird.