Das Ende des Laufstegs

 

 

 

 

Eduardo Mendoza, Das Ende des Laufstegs, Nagel & Kimche 2017, ISBN 978-3-312-01015-8

 

Auch in seinem neuen Roman lässt der spanische Schriftsteller Eduardo Mendoza seinen skurrilen Damenfriseur auftreten, ein Mann mit undurchsichtiger Vergangenheit, der für sein Leben gerne sich als Hobbydetektiv betätigt.

 

Er deckt in „ Das dunkel Ende des Laufstegs“ ein seltsames Verbrechen auf und rettet dabei sich selbst.  Doch die durchaus spannenden Krimninalges9icchte dient Mendoza nur als eine Art Folie für eine Komödie, in der er einen Haufen weiterer verrückter Figuren auftreten lässt. Sie stehen alle für ein Barcelona der Vergangenheit und symbolisieren eine Art Liebeserklärung des Autors an eine schon längst verschwundene Stadt.

 

Man muss schon einen Sinn  haben für Slapstick und literarische Burleske, wenn man dieses Buch, das wenig hat von einer klassischen Kriminalgeschichte hat. Sie ist nur der Hintergrund für ein Sittenbild einer Stadt mit schrägen Figuren.

 

Mendoza lässt an einer Stelle eine seiner Figuren sagen, was er wohl selbst denkt:

„Nur im Morgengrauen, wenn die Straßen so gut wie leer sind, kann ich Barcelona wieder so lieben, wie ich in meiner lange zurückliegenden Kindheit die Stadt zu lieben glaubte.“

 

 

Das Zeitalter des Zorns

 

 

 

 

Pankaj Mishra, Das Zeitalter des Zorns, S. Fischer 2017, ISBN 978-3-10-397265-8

 

Woher kommt die Wut auf der Welt?  Dieser Frage geht der indische Schriftsteller Pankaj Mishra in seinem neuen von der Kritik teilweise überschwänglich gelobten Buch nach. Es handelt von den Ursachen des globalen Terrorismus, dem Erbe der Aufklärung und den Verlierern der Geschichte.

Als zentrale Gruppe, die eine wichtige Rolle spielen bei den Krisen der Gegenwart, dem Terrorismus und dem Aufstieg rechtsnationaler Gruppen und Parteien in Europa, Amerika und Asien identifiziert er die immer größer werdenden Gruppe „entfremdeter junger Männer“. Schon Dan Diner und anderen hatten vor Jahren auf dieses Phänomen in den Konflikten im Nahen Osten aufmerksam gemacht und in diesem Zusammenhang auch darüber nachgedacht, wie unterdrückte Sexualität zur Radikalisierung führt. Pankaj Mishra zeigt auf, dass auch in vielen anderen Ländern der Welt (an seinem Heimatland Indien exemplifiziert er immer wieder seine Thesen) die vielen jungen, oft gut ausgebildeten junge n Männer nicht integriert werden können, was zu einem riesigen Frust führt, weil ihre Visionen für ihre Zukunft ins Leere laufen. Genau diese jungen Männer sind es weltweit, die empfänglich sind für nationalistische Bewegungen, militante Anarchisten und andere Demagogen.

 

Ich bin sicher, wenn man die Biographien der vielen Tausend meist männlichen Mitglieder des sogenannten Schwarzen Blocks analysieren würde, die sich in diesen Tagen in Hamburg einen gewaltsamen und erbarmungslosen Kampf mit der Polizei und dem Staat liefern, würde man zu ähnlichen Ergebnissen kommen.

 

Als Kern der Krise benennt Mishra eine globale Entwicklung, in der immer weniger immer reicher und immer mehr immer ärmer und perspektivloser werden. Das Phänomen der entfremdeten jungen Männer kommt in der Mitte der westlichen Gesellschaften an, die bislang einer Vorstellung von Fortschritt und Wohlstand anhing, der langsam aber sicher sich in Luft auflöst.

 

Wenn diese immer drängende werdende Frage nach einer gerechten Verteilung des Reichtums nicht zufriedenstellend gelöst wird, dann suchen die Menschen nach Auswegen, nach „Ventilen“. Und dann wachsen und blühen Fremdenfeindlichkeit, Vorurteile und Ressentiments, Chauvinismus und gewaltsamer Protest, der sich bis zum Bürgerkriege auswachsen kann.

 

Keine besonders rosigen Aussichten, resümiert ein von dem Buch sehr ernüchterter Rezensent.

 

 

Über Grenzen. Vom Untergrund in die Favela

 

 

 

 

 

Lutz Taufer, Über Grenzen. Vom Untergrund in die Favela, Assoziation A 2017, ISBN 978-3-86241-457-4

 

Dieses ehrliche und radikale literarische Selbstzeugnis von Lutz Taufer ist ein wichtiges Dokument der Zeit- und Widerstandsgeschichte der alten BRD zwischen 1960 und 1980. Das ehemalige und zu eine langen 20-jährigen Haft verurteilte RAF-Mitglied Lutz Taufer beschreibt darin seinen einer permanenten Suchbewegung gleichenden Lebensweg, der ihn aus den ersten Protesten in der badischen Provinz in Freiburg zum Sozialistischen Patientenkollektiv in Heidelberg führe, bevor er als Mitglied des Kommandos Holger Meins der RAF verhaftet und zu 20 Jahren verurteilt wurde. Er beschreibt schonungslos seine Haft, seine zahlreichen Hungerstreiks und dann seine Basisarbeit in den Favelas von Rio de Janeiro nach seiner Freilassung.

 

Es ist ein Leben in verschiedenen Zusammenhängen der linksradikalen Geschichte des Landes, ein Dokument, das nichts schönredet, sich mit gemachten Fehlern schonungslos auseinandersetzt und so zu einem wichtigen Werk der Protestgeschichte der 1960 bis 1980 er Jahre wird.

 

Selten hat man von einem ehemaligen RAF-Mitglied eine ehrlichere Auseinandersetzung gelesen über die Zerstörung des einst emanzipatorischen Anspruchs durch maßlose und gegen unschuldige Menschen gerichtete Gewalt. Aber auch die extreme Repression in der Haft wird von Taufer in einer so vorher nicht gekannten Dichte beschrieben.

 

Die Emigration nach Brasilien und sein Engagement in den Favelas und seine Arbeit im Vorstand des Weltfriedensdienstes, die er anschaulich beschreibt, haben nicht nur seinem Leben einen neuen Sinn gegeben, sondern zeigen dem Leser, dass ein Mensch sich ändern kann ohne seine Grundprinzipien aufzugeben.

 

Ein wichtiges Zeitdokument und ein herausragendes Beispiel an biographischer Genauigkeit und kritischer Selbstreflexion.

 

 

Heute leben wir (Hörbuch)

 

 

 

 

Emmanuelle Pirotte, Heute leben wir (Hörbuch), Jumbo 2017, ISBN 978-3-8337-3708-4

„Heute leben wir“ ist der bewegende und überzeugende Debütroman der Belgierin Emmanuelle Pirotte. Der Titel wird verständlich ganz am Ende des Buches, und will ausdrücken, dass nur die Gegenwart zählt im Leben von Menschen, unabhängig davon, welche Entscheidungen und Taten die Vergangenheit prägten.

 

Schon viele Bücher und Romane haben Geschichten von jüdischen Kindern erzählt, die während des Zweiten Weltkrieges in Frankreich vor den Nazis sich verstecken mussten und mit viel Glück und durch die Hilfe anderer Menschen überlebten. Doch die Geschichte der etwa sechs- bis siebenjährigen Renee, die Emmanuelle Pirotte hier erfindet, ist besonders, weil ihr Retter und Beschützer ein SS-Offizier ist.

 

Es ist Winter 1944. Das jüdische Mädchen Renee, dessen Eltern schon lange spurlos verschwunden sind und für deren Überleben sie keine Hoffnung mehr hat, versucht irgendwie zu überleben. Sie wird versteckt von Nonnen, dem Dorfpfarrer und schließlich von einer großen Bauernfamilie in den Ardennen. Von den Deutschen besetzt, warten die verzweifelten Einheimischen auf die Truppen der vorrückenden Alliierten und müssen sich doch mit der sogenannten Ardennenoffensive der Nazis rechnen.

 

Als die Deutschen mit letzten brutalen Offensiven wieder in der Gegend einfallen, kann der Dorfpfarrer, bei dem Renee untergebracht war, sie nicht mehr bei sich behalten und übergibt sie einem amerikanischen Jeep, der mit zwei Soldaten an seinem Pfarrhaus vorbeifährt. Doch schon nach wenigen Minuten erkennt Renee an der Sprache, in der sich die beiden Soldaten unterhalten, dass es Deutsche sind, die sich als Amerikaner getarnt haben, eine Strategie innerhalb der sogenannten Operation Greif, die Verwirrung unter den Amerikanern stiften soll, damit die Ardennenoffensive der Deutschen gelingt. Der eine Offizier, er heißt Matthias, spürt sofort sich zu dem jüdischen Mädchen hingezogen und als sein Kamerad Verdacht schöpft, erschießt er ihn und rettet Renee zum ersten Mal.  In zahlreichen Einschüben blendet die Autorin zurück in die Lebensgeschichte von Matthias, der bis nach Beginn des Krieges als Deutscher in den Wäldern Kanadas bei Indianern gelebt hat.

 

Auf ihrer Flucht vor den eigenen Truppen, die im Anmarsch sind, kommen Matthias und Renee auf einen Bauernhof, wo sich sehr viele Menschen einer großen Familie versteckt halten.  Wie Emmanuelle Pirotte die Dynamik und die Charaktere in diesem Haus schildert, besonders als ein Trupp Nazis es besetzt, ist große Kunst.  Auch der immer wieder eingesetzte Gegensatz zwischen brutaler Gewalt und großer Mitmenschlichkeit insbesondere in der schillernden Person des Matthias ist beeindruckend.

 

Das Buch ist spannend, lange bleibt offen, ob dieses so ungleiche Paar aus jüdischem Kind und SS-Offizier überleben wird. Die Lektüre ist aufwühlend, sie geht unter die Haut. Berührend und nachhaltig ist seine Botschaft: es ist möglich, sich in jeder noch so bösen Situation für das Gute zu entscheiden. Wenn ein Mensch den Mut hat, einfach als ein Mensch zu handeln.

 

In Frankreich war dieses Buch ein sensationeller Erfolg und Anfang 2017 haben die Dreharbeiten für seine hoffentlich erfolgreiche Verfilmung begonnen.

 

Ein wirklich beeindruckendes Buch, das lange in mir nachgewirkt hat.

 

Die hier vorliegende autorisierte Audiofassung wurde von der bekannten Theaterschauspielerin  Bibiana Beglau auf eine feinfühlige und warmherzige Weise eingelesen. Mit einer Stimme, die den Hörer von den ersten Worten an gefangen nimmt  für eine Geschichte, die von Menschlichkeit erzählt mitten im Krieg, von mutigem Handeln in auswegloser Situation und von Hoffnung, wo es eigentlich keine mehr geben kann. Ein wahres Hörerlebnis.

 

 

 

Die Liebe in diesen Zeiten

 

 

 

 

 

Chris Cleave, Die Liebe in diesen Zeiten, DTV 2017, ISBN 978-3-423-26140-1

 

Der Londoner Journalist und Autor Chris Cleave wurde für seinen ersten Roman „Liebe Osama“ mit Preise überhäuft und auch seine folgenden Romane „Little Bee“ und „Gold“ kamen bei der Kritik gut an.

 

Auch sein neuer Roman „Liebe in diesen Zeiten“ (im englischen Original „Everyone Brave Is Forgiven“), der in einer deutschen Erstausgabe bei DTV premium erschienen ist, erzählt er eine bewegende und erschütternde Geschichte aus den ersten Jahren des Zweiten Weltkriegs, als die Deutschen über lange Zeit nicht nur London bombardierten und die englische Bevölkerung nicht nur an den Folgen dieser Angriffe litt, sondern auch daran, dass es kaum Hoffnung auf Besserung gab.

 

Die im September 1939 beginnende Romanhandlung erzählt von zwei Hauptfiguren und deren Schicksal. Zum einen ist da die sehr junge Londoner Lehrerin Mary North, die aus gutem Hause stammt und deren Vater als Mitglied des Unterhauses versucht, in die Regierung zu kommen. Mary löst sich im  Laufe der Handlung von der strengen Ordnung ihrer Familie und versucht, oft in freundschaftlicher Auseinandersetzung mit ihrer Freundin Hilda, sich als Hilfslehrerin für benachteiligte Kinder einzusetzen. Unter anderen für einen schwarzen Jungen namens Zachary. Sie will ihm Schreiben und Lesen beibringen, aber er lehrt sie etwas nicht weniger Wichtiges.

 

Und da ist der Restaurator Alistair Heath, der sich gleich zu Beginn  des Kriegs freiwillig zur Armee meldet und im Laufe der Jahre, die Cleave chronologisch verfolgt,  fürchterliche Erfahrungen macht, schließlich aber unter dem Verlust seines rechten Armes überlebt.

 

Doch nicht nur er erleidet in diesem Krieg schwere körperliche und seelische Verletzungen. Chris Cleave beschreibt auf dem Hintergrund einer bewegten und immer wieder vom krieg bedrohten Lebensgeschichte, wie der Krieg Zerstörungen und Verwüstungen anrichtet im Herzen und der Seele von Menschen und wie er fast verhindert, dass sie noch lieben können.

 

Ich habe durch die Lektüre des Buches viel gelernt über den Bombenterror der Nazis auf England und erinnerte mich beschämt daran, die ich als Schüler schon Ende der sechziger Jahre von englischen Familien aufgenommen wurde wie ein eigener Sohn. Da war kein Ressentiment mehr spürbar.

 

Cleave hat für seinen Roman Erinnerungen seines Großvaters verwendet, der auf Malta lebte und ebenso wie Alistair Heath die lange Belagerung der Insel durch die Nazis und ihre Verbündeten erlebte.

 

„Liebe in diesen Zeiten“ ist ein engagierter, über lange Strecken melancholischer Roman, der die Schrecken des Krieges und seine Folgen für die Seelen der Menschen beschreibt und dennoch eine Hymne auf die große Kraft der Liebe singt.

 

Ein großer Roman über Liebe, Freundschaft, Mut und Verlust in Zeiten des Krieges.

 

 

 

 

Im Zimmer meines Vaters

 

 

 

 

 

Friedrich Ani, Im Zimmer meines Vaters, Suhrkamp 2017, ISBN 978-3-51846799-2

 

Die Einladung, bei Anti-Pediga-Demonstrationen zu sprechen, hat den Schriftsteller Friedrich Ani, einem großen anspruchsvollen Krimipublikum als Schöpfer von Figuren wie Tabor Süden, Polonius Fischer, Jonas Vogel oder Jakob Franck bekannt, wieder in einen engen Kontakt mit seinem verstorbenen Vater gebracht, der als Arzt aus Syrien flüchtete und nie darüber sprach „ … schobst du ihr dumpfes Geraune unters Gerümpel im Abteil deiner Seele, das nie ein Mensch betrat, so nah er dir auch kam“.

 

Bei aller Distanz kommt er ihm in einem 19-teiligen Gedichtzyklus in der Mitte des Buches, der dem Band seinen Titel gab, so nah wie nie zuvor und wünscht sich seine Nähe („so bleib doch noch“).

„Sohn des Sandes“ nennt Ani seinen Vater und erinnert sich an eine Szene, als der zu ihm, den Atlas vor sich, über seine geliebte und verlorene Heimat sprach: „ … und / zeigtest mit dem Finger auf den Fluss und einen / klein gedruckten Namen, er krönte deine Stimme / wie ein Diadem. // So sprechen hörte ich dich selten, der eine / Name, Mayadin, er klang wie ein Gebet aus einem / Wort …“

 

Es ist, als ob Ani mit diesem Zyklus endgültig Abschied nehme von einem Vater, der ihm lieb und dennoch fremd war.

 

Auch viele der anderen Gelegenheitsgedichte atmen eine leise Melancholie und oszillieren zwischen Resignation und Trotz.

 

Für die Freunde der anspruchsvollen Krimis von Friedrich Ani zeigen diese Gedichte eine andere Seite eines Autors, der wie kaum ein anderen in der Lage ist, die Tiefe menschlichen Seelenlebens auszuloten.

Ani lässt seine Ermittler regelmäßig auf Menschen treffen, die auf irgendeine Weise sich selbst verloren gegangen sind. Unsichtbar geworden, leben sie mitten unter uns und Ani gibt ihnen durch seine Kommissare und ihre absolut ungewöhnliche Art, Kriminalfälle zu lösen, ihr Gesicht, ihre Geschichte und ihre Menschenwürde zurück.

 

Die vorliegenden Gedichte erinnern an vielen Stellen an dieses leidenschaftliche Eintreten für den Menschen und das Menschsein in all seiner Brüchigkeit.

 

Bretonisches Leuchten. Kommissar Dupins sechster Fall

 

 

 

 

 

Jean-Luc Bannalec, Bretonisches Leuchten. Kommissar Dupins sechster Fall, Kiepenheuer & Witsch 2017, ISBN 978-3-462-05056-1

 

Eine neue literarische Stimme macht sich seit einigen Jahren erfolgreich auf dem hart umkämpften deutschen Krimimarkt bemerkbar. Während viele Jahre lang erfolgreiche Serien wie etwa Donna Leons Romane um den Commissario Brunetti aus Venedig schon seit langem an Langeweile und immer mehr von dem Gleichen nicht zu überbieten sind, hat der in Deutschland und in Frankreich lebende Autor unter dem Pseudonym Jean Luc Bannalec sich mit seinem ersten Roman, seinem ersten Fall für Kommissar Dupin 2012 mit einem sogar von der etablierten Literaturkritik beachteten Paukenschlag zu Wort gemeldet.

„Bretonische Verhältnisse“ und auch der zweite Band „Bretonische Brandung“ waren Kriminalromane, die uns nicht nur einen kantigen, menschlich authentischen Kommissar mit einer eigenen, kritischen Meinung präsentierten, sondern auch eine überaus spannende und anspruchsvolle Handlung. Daneben glänzten beide Bücher mit ganz wunderbaren Beschreibungen der einzigartigen Natur des Finistere und des Atlantiks und mit jedem Buch mehr mit langen Ausführungen über bretonische und keltische Kultur und  Mythen.

 

Während der dritte Band „Bretonisches Gold“  viele Schwächen und Längen hatte, kehrte Bannalec mit seinem vierten Band „Bretonischer Stolz“ nicht nur zur Qualität der ersten Bücher zurück, sondern übertraf sie sogar.

 

Der im letzten Jahr erschienene fünfte Fall „Bretonische Flut“ lieferte eine gelungene und lehrreiche Verknüpfung einer durchaus spannenden Handlung mit zahlreichen Hinweisen auf die Ökologie des Atlantiks vor der Bretagne und des Finistere und ihren bedrohten Zustand.

 

Waren schon in den vergangenen Jahren alle Bände trotz aller Unterschiede absolut lesenswert und unterhaltsam, hat man auch bei dem neuen Band „Bretonisches Leuchten“ sofort das wieder das Gefühl man befände sich, wie dieses Mal auch der Kommissar und seine Partnerin Claire, im Urlaub.

 

Dieser Urlaub an der Cote de Granit Rose im Norden der Bretagne wurde Dupin in Gemeinschaftsarbeit zwischen seinem Arzt, seiner Assistentin Nolwenn und seiner Partnerin Claire sozusagen aufgedrückt. Immer nur am Strand auf dem Handtuch zu liegen, wie es Claire vorschwebt, ist ein Horro für Dupin und so verlässt er den Strand mit Ausreden sooft er nur kann. Bei diesen Ausflügen ist er natürlich wie immer mit offenen Augen unterwegs und auch sein Hotelier und die Inhaberin des maison de presse sprechen ihn permanent an wegen ungewöhnlicher Dinge, die da in der Ortschaft Tregastel vor sich gehen. Zuerst verschwindet eine Heiligenstatue aus der örtlichen Kirche, dann eine Touristin nach einem heftigen von Dupin auf der Hotelterrasse beim Abendessen beobachteten Streit mit ihrem Mann.

 

Bald schon ist der detektivische Spürsinn von Dupin geweckt. Er hat aber nur das Problem, dass er seine geheimen Ermittlungen vor Claire verstecken muss, und auch Nolwenn und Riwal im Büro in Concarneau verweigern jede Unterstützung mit dem Verweis auf Dupins dringend notwendige Erholung.

 

Schon am dritten Tag des gemeinsamen Urlaubs fällt Dupin auf, dass offenbar auch Claire hinter seinem Rücken mit ihrer Klinik Kontakt hat.  Sich viele Kontakt zunutze machend und in aller Schnelle ein lokales Informationsnetzwerk aufbauend, sammelt Dupin innerhalb weniger Tage viele Informationen zu zunächst völlig unzusammenhängenden Phänomenen, bis ihm am Ende der ersten Urlaubswoche ein Licht aufgeht und aller klar wird.

 

Ich habe dieses Buch, wie die anderen fünf Bände auch, wieder mit viel Freude gelesen, sehr viel gelernt über die Gegend, die Menschen und ihre Kultur und der Wunsch, endlich bald einmal selbst das Finistere zu besuchen ist beim Lesen immer stärker geworden.

 

Vielleicht legt ja Bannalec, so wie es Martin Walker für seinen Bruno getan hat, bald einmal eine Art Reiseführer vor, mit dem sich Leser auf Spuren Dupins an die wunderbaren Orte und Restaurants begeben können, die er in seinen Büchern beschreibt.

 

Eddy. Der Elefant, der lieber klein bleiben wollte

 

 

 

 

 

Hans Traxler, Eddy. Der Elefant, der lieber klein bleiben wollte, Hanser 2017, ISBN 978-3-446-25491-6

 

Nach seinen wunderbaren Bilderbüchern über Franz, den Jungen, der rein Murmeltier sein wollte, Will, den Kater, der immer größer wurde und Sofie mit dem großen Horn, hat Hans Traxler nun ein weiteres warmherzig geschriebenes und illustriertes Bilderbuch vorgelegt. Es erzählt die Geschichte von Eddy, einem kleinen Elefanten, der zu Beginn des Buches gerade mal drei Wochenalt ist. Er fühlt sich in seiner Herde beschützt und behütet. Tagsüber tollt er herum und hat Spaß, in der Nacht schläft er sicher und geborgen, umringt von den großen Tieren. Doch seine unbeschwerte Fröhlichkeit ist wie weggeblasen, nachdem er eines Tages eine alte Elefantenkuh unter einem Baum legen sieht, deren Stoßzähne von Wilderen abgeschnitten wurden. Er kann  dieses Bild nicht mehr vergessen und beschließt, niemals erwachsen zu werden. Er läuft weg und landet schließlich in einer Aufzuchtstation für Elefanten.

 

Hier macht er eine abenteuerliche Erfahrung, die ihm hilft, neuen Mut zu finden und vielleicht doch ein Großer zu werden.

 

Traxler erzählt den Kindern, die das Buch anschauen, von dem Mut den man braucht, um erwachsen zu werden. Doch man muss diesen Mut finden und behalten durch so manches Abenteuer hindurch. Abenteuer die einen klein werden lassen und Abenteuer, die einen wieder groß werden lassen. Kinder werden diesen Eddy  ganz schnell in ihr Herz schließen und sich zusammen mit ihren vorlesenden Eltern von seiner Geschichte berühren lassen.

 

 

 

 

Das grosse Wimmel-Liederbuch für alle Jahreszeiten

 

 

 

 

 

Rotraut Susanne Berner, Das grosse Wimmel-Liederbuch für alle Jahreszeiten, Gerstenberg 2016, ISBN 978-3-8369-5923-0

 

Unzählige Kinder haben in den vergangenen Jahren unendlich profitiert von den Wimmelbüchern von Rotraut Susanne Berner, in der sie im Frühling, im Sommer, im Herbst und im Winter, sowie in einem Buch in der Nacht, Szenen aus Wimmlingen darstellte ohne Text, dafür aber mit wiederkehrenden Figuren, über die sie im Laufe des Jahres schöne Geschichten erzählt, bei deren Entdeckung und Entschlüsselung unser Sohn zwischen seinem zweiten und seinem fünften Lebensjahr große Freude hatte.

 

Nun haben Ebi Naumann mit lustigen Texten und Wolfgang von Henko mit einer abwechslungsreichen und Kinder sehr ansprechenden Musik Lieder gemacht zu den Figuren aus Wimmlingen und dem Geschehen dort. Rotraut Susanne Berner hat neben einigen Bildern aus den bekannten Wimmelbüchern auch einige neue Illustrationen beigesteuert.

 

In insgesamt 15 Liedern geht es mit vielen Geschichten durch alle Jahreszeiten. Eine CD mit allen Liedern des Buches ist separat erhältlich.

„Und er wird es wieder tun“. Gewalt in der Partnerschaft

 

 

 

 

Simone Schmollack, „Und er wird es wieder tun“. Gewalt in der Partnerschaft, Westend Verlag 2017, ISBN 978-3-86489-163-2

 

Dieses Buch der Journalistin und Taz-Redakteurin Simone Schmollack hat ein Buch geschrieben über Gewalt in der Partnerschaft, das in seiner Grundlegung und Fundierung seinesgleichen sucht.

 

Sie hat nicht nur alle bekannten Fakten verständlich zusammengefasst, sondern sie hat auch viele Gespräche geführt mit betroffenen Frauen, was ihren Ausführungen Authentizität verleiht. Nicht nur dadurch wird deutlich und verständlich, wie mitten unter und neben uns Gewalt zwischen Partnern entsteht und wie sich solche Beziehungen entwickeln.

 

Ihre Botschaft an betroffene Leserinnen ist: ihr seid nicht allein. Ihr könnt den Mut entwickeln, euer Schweigen zu brechen und euch Hilfe zu suchen. Doch nicht nur Betroffene sind es, an die sich dieses grundlegende Buch richtet. Auch nicht betroffene Menschen, Anwälte, Politiker, Richter und Berater können ein besseres Verständnis der Zusammenhänge bekommen durch die Lektüre und besser mit Opfern sprechen.

 

Das Buch, das alle mögliche Facetten von Partnerschaftsgewalt (auch die gegen Männer) beleuchtet, ist ein wichtiger Meilenstein für eine umfassende Aufklärung.