…weil ihr absurde Kriege führt. Dichter und Philosophen über den Frieden

 

Olaf Daecke (Hg.) , …weil ihr absurde Kriege führt. Dichter und Philosophen über den Frieden, Urachhaus 2017, ISBN 978-3-8251-5124-9

 

 

Olaf Daecke, der 2016 in einem Band mit dem Titel „Aller Tod ist nur Geburt. Dichter und Philosophen über Tod und Trauer“ eine beeindruckende Sammlung von Gedichten und kurzen Texten vorgelegt hat, hat nun ein Jahr später in der gleichen Aufmachung und Ausstattung einen nicht weniger ausdrucksvollen Band mit Worten von Dichtern und Philosophie über den Frieden veröffentlicht.

 

Diejenigen Menschen, die beruflich oder auch aus privatem Interesse über den Frieden und seine Voraussetzungen nachdenken, werden in diesem Büchlein eine Fülle von Anregungen und Weisheiten finden. Besonders beeindruckend fand ich die Texte über den Wunsch nach Frieden in alter Zeit, mit denen das Buch beginnt.

Texte über den Frieden in den Religionen, Stimmen gegen den Krieg, Perspektiven des Friedens und Segenssprüche aus Irland folgen in einem Bändchen, das sich sehr gut als kleines Präsent zu vielen Gelegenheiten eignet.

 

 

Die Häschenschule. Der große Sammelband

 

 

 

Albert Sixtus; Die Häschenschule. Der große Sammelband, Esslinger 2018, ISBN 978-3-480-40133-8

 

Im Jahr 1924 erstmals erschienen, haben diese wunderschönen, in Reime abgefassten Bilderbücher über die Häschenschule ihren Weg durch die Bücherregale vieler Generationen gemacht. Auch wenn die Bilder mit dem heutigen Schulalltag der Kinder nichts mehr gemein haben, und auch die darin vertretene Schulpädagogik nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand ist, begeistert es Kinder in der Zeit vor Ostern immer wieder aufs Neue.

Als mein Sohn im Kindergraten war,  war er von den Bildern und den Reimen in der Zeit vor Ostern nicht mehr wegzubekommen. Ich hoffe, mit dem vorliegenden preisgünstigen Sammelband der Häschenbücher geht es vielen heutigen Kindern ähnlich. Auch die Erwachsenen werden ihre Freude beim Vorlesen haben

Es ist schön und gut zu wissen, dass es Bücher gibt, die auch noch in einigen Jahrzehnten die Kinder unserer Kinder begeistern werden.

Eleanor & Park (Hörbuch)

 

 

 

 

 

Rainbow Rowell, Eleanor & Park (Hörbuch), Hörcompany 2015, ISBN 978-3-94570-906-1

Es ist selten, dass ein Jugendbuchdebüt einer vorher wenig bekannten Schriftstellerin nicht nur in deren Heimatland zum Bestseller wird, sondern gleich in über 30 Sprachen übersetzt wird und es in weiteren 12 Ländern unter die TOP 10 schafft. Mit „Eleanor & Park“ ist dies der in Nebraska lebenden Rainbow Rowell gelungen.

 

Das muss daran liegen, dass es der Autorin auf eine ganz besondere Weise gelingt, Lebenswelten und Gefühle von Heranwachsenden einzufangen und zu beschreiben, ihnen eine Gestalt und einen Ausdruck zu geben, der jugendliche Leser anspricht, weil sie sozusagen in ihre Seele schaut.

 

Der Roman, der in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts spielt, erzählt die zarte und poetische Liebesgeschichte von Eleanor und Park. Außenseiter alle beide, begegnen sie sich zum ersten Mal im Schulbus, nachdem Eleanor mit ihrer Mutter, ihren Geschwistern und dem neuen Partner der Mutter in die Stadt gezogen ist. Eleanor ist pummelig, sie trägt gerne Männerkleidung und außergewöhnliche Accessoires und sie hat feuerrote Haare. Ihre Lebensumstände sind dramatisch. Mit ihren vier Geschwistern muss sie ich ein kleines Schlafzimmer teilen und immer Angst haben vor dem neuen Partner ihrer etwas haltlosen Mutter, der sie betrunken oft schlägt. Nie ist Geld da, selten etwas Richtiges zu essen, sie haben kein Telefon, es fehlt an allem. Vor allem an Zuwendung. Eleanor hat über die Jahre gelernt, sich anzupassen, nicht aufzufallen, sich unscheinbar zu machen und in der Familie keine Ansprüche zu stellen.

 

Park hingegen kommt aus recht stabilen Verhältnissen. Sein Vater stammt aus Irland, hat als Soldat der USA in Korea seine Frau kennengelernt und mit in die Staaten genommen. Als Halb-Koreaner ist Park in der Schule nicht voll integriert, wird aber meistens in Ruhe gelassen.

 

Ganz im Gegensatz zu Eleanor, die mit ihrem ersten Schultag in der neue Schule mit einem fürchterlichen Mobbing konfrontiert ist. Die Zustände an den Schulen und die Unmenschlichkeit, mit der sich dort Schüler gegenseitig das Leben schwer machen, ist neben der zauberhaften und ungewöhnlichen Liebesgeschichte zwischen Eleanor und Park ein Unterthema dieses Romans.

 

Dabei sieht es zunächst gar nicht so aus, dass die beiden sich näher kommen, als sich Eleanor zum ersten Mal im Schulbus neben ihn setzt. Park hört seine Musik und achtet gar nicht auf die Versuche des Mädchens, mit ihm in Kontakt zu kommen. Doch mit jedem Tag öffnen sich die beiden mehr füreinander und finden Gefallen aneinander.

 

In abwechselnden Kapiteln erzählt,  erfahren wir, wie Eleanor und Park die jeweilige Situation erleben, und wir lesen auch viel über das bisherige Leben und die familiären Verhältnisse der beiden. So wie sich beide langsam immer besser kennenlernen – schon bald gestehen sie sich ihre Liebe – überwinden sie ein Hindernis nach dem anderen, die am Anfang wie eine hohe Mauer vor ihnen standen. So gibt etwa die Liebe zu Eleanor Park eine zuvor nie gekannte Kraft, aus sich herauszugehen, mutig sich für andere einzusetzen und sogar die Anerkennung seines Vaters zu gewinnen. Eleanor ihrerseits lernt erst durch Parks Liebe und Komplimente,  so etwas wie ein Selbstbewusstsein zu entwickeln und findet ganz langsam zu sich selbst.

 

Doch es geht in diesem wunderbaren Buch nicht nur um jugendliche Liebe, sondern auch um zerrüttete Familienverhältnisse, unglaubliche Zustände an den Schulen, wo auch die Vertrauenslehrer nur noch wegsehen und immer wieder um den mutigen Widerstand dagegen.

 

Werden die beiden ehemaligen Außenseiter miteinander eine Chance, eine Zukunft haben? Das bleibt offen bis zur letzten Seite.

 

Das vorliegende von Franziska Hartmann und Julian Greis eingespielte ungekürzte Hörbuch beeindruckt durch eine authentische Interpretation der beiden Hauptfiguren und ihrer ungewöhnlichen Beziehung. Eine anrührende Geschichte einer ersten Liebe.

 

 

 

 

 

 

Gute Vorsätze. Beim nächsten Mal wird alles anders

 

 

 

 

 

Notker Wolf, Gute Vorsätze. Beim nächsten Mal wird alles anders, Gütersloher Verlagshaus 2017, ISBN 978-3-579-08545-6

 

Besonders zum Beginn eines neuen Jahres sind sie bei unzähligen Menschen ganz aktuell – die guten Vorsätze. Obwohl sie jeder sie sich immer mal wieder vornimmt, haben sie keinen guten Ruf, werden belächelt und nicht ernst genommen. Denn obwohl sie uns wie stabile Säulen durhc unser Leben tragen könnten, scheitern wir immer wieder an ihnen. Nun kann man fragen  liegt das an den – vielleicht überzogenen Vorsätzen, oder liegt es an uns selbst und unserer Schwäche und mangelndem Willen? Sind wir nicht stark genug und verdammt dazu, immer wieder bei den einfachsten Dingen, die wir ändern wollen, zu versagen?

Oder sind Vorsätze prinzipiell unerreichbar?

 

Nein, sagt Notker Wolf in seinem neuen Buch und Ratgeber. Gute Vorsätze sind wichtig, weil sie uns dazu auffordern, über unsere Leben und unsere Rolle in der Welt nachzudenken. Aus guten Vorsätzen kann man lernen, das Wichtige vom weniger Wichten zu unterscheiden. Sie helfen uns, Sinnfragen zu stellen und uns selbst ehrlich zu betrachten. Sie ermöglichen uns, unsere wahren Talente zu erkennen und sie dann auch zu entfalten.

 

Deshalb: aus guten Vorsätzen können wir etwas lernen über uns selbst, auch dann, wenn sie meist nicht in Erfüllung gehen.  Diese Erkenntnis in eigene Leben zu übersetzen, dazu hilft diese benediktinisch-spirituelle Lebenserfahrung und Philosophie Wolfs.

 

 

 

Die Preise lügen. Warum uns billige Lebensmittel teuer zu stehen kommen

 

 

 

 

Volkert Engelsman, Bernward Geier (Hg.), Die Preise lügen. Warum uns billige Lebensmittel teuer zu stehen kommen, Oekom 2018, ISBN 978-3-962380-006-9

 

Der vorliegende Sammelband, der zusammen mit dem band „Die Pestizid-Lüge“ in einer neuen Reihe des Münchner Oekom Verlags erscheint, entlarvt die Mär von den Lebensmittelpreisen, deren Anteil an unseren Gesamtausgaben in den letzten Jahren und Jahrzehnten deutlich gesunken sei, als eine Illusion. Während der Verbraucher wähnt,  nur noch einen Bruchteil seines Einkommens bei Aldi, Edeka, REWE und Co. ausgeben zu müssen, ist die Wahrheit eine andere. Billige Lebensmittel kommen schlussendlich jeden einzelnen Verbraucher teuer zu stehen, weil die entstehenden Kosten abgewälzt werden. Auf andere  Länder, wo die Nahrungsmittel unter bei uns nicht erlaubten Bedingungen produziert werden, mit verheerenden Folgen für die Umwelt und die dort arbeitenden Menschen. Mit Folgen für die Umwelt dort und bei uns (Abfall) und letztlich mit noch nicht klar zu beziffernden Folgen für die kommenden Generationen, denen durch die dien gegenwärtigen Produktions-und Vermarktungsbedingungen die Zukunft genommen wird.

 

Auch die indirekten Kosten durch höhere Ausgaben für Gesundheit oder Wasseraufbereitungen werden in einzelne Beiträge beleuchtet. Mehrere weitere Artikel versuchen Auswege aufzuzeigen und entwerfen Modelle für die Zukunft. Sie würden steigende Preise bedeuten, aber auch gesündere Lebensmittel und einen besseren Schutz für die Umwelt bei und in den meist im Süden liegenden Anbauländern.

 

Lesenswertes Buch, das sehr nachdenklich macht.

 

 

 

 

 

 

 

Elio Guerriero, Benedikt XVI. Die Biografie, Herder 2018, ISBN 978-3-451-37832-4

 

Die hier vorliegende Biografie des italienischen Bestsellerautors Elio Guerriero über Benedikt XVI. ist nicht die erste ihrer Art, aber in ihrer Art einzig. Aus einer klaren italienischen Perspektiven heraus geschrieben, vermag sie vielen von mannigfaltigen Vorurteilen dem Theologen Ratzinger gegenüber geprägten deutschen Leser eine völlig neue Perspektive auf sein Leben und vor allen Dingen seine kaum hoch genug einzuschätzende theologische Kompetenz und Leistung nahezubringen.

 

Die umfangreiche Biografie, die von der Jugend bis zu seiner vorzeitigen Emeritierung im Jahr 2013 alle wesentliche Stationen und theologischen Entwicklungen Josef Ratzingers umfasst, erzählt nicht nur von den Höhen und Tiefen seines jeweiligen beruflichen Wirkens als theologischer Lehrer und als  Erzbischof von München und Freising, sondern auch von seinem Alltag, seinen Vorlieben. Schlicht, sie stellt immer wieder den Menschen Ratzinger in den Vordergrund und bringt dem eine besonders bei kritischen Zeitgenossen und Gläubigen umstrittene Amtsperson auf eine Weise nahe, wie man sie bisher vielleicht nur in den Bücher und Gesprächen von Peter Seewald gelesen hat.

Ein Jahr auf dem Land

 

 

 

Magdalena Koziel-Nowak, Ein Jahr auf dem Land, arsedition 2018, ISBN 978-3-8458-2592-2

 

Ein wunderschönes, farbenfrohes und luftiges Wimmelbuch aus Polen ist hier anzuzeigen, das über den Zeitraum eines ganzen Jahres das Leben auf einem Bauernhof zeigt. Auf jeder Doppelseite, auf denen oft Feriengäste aus der Stadt zu Ferien auf dem Bauernhof der Familie Bauer mit all ihren Tieren zu sehen sind, befindet sich auch die Maus, die mit ihrer Familie zusammen mit vielen anderen Tieren, dem Pferd Fritzi, der Kuh Berta, dem Schwein Babsi, dem Hund Bello, mit Schafen , Hühnern, Enten und zwei Katzen.

 

Nicht nur sollen die Kinder immer wieder die Maus entdecken, sondern auch viele andere Dinge sehen und beschreiben: die Aussaat im Frühjahr, die Arbeit auf den Feldern im Sommer, die Ernte im Herbst und den großen Winterspaß im Schnee.

 

Wie bei einem guten Wimmelbuch üblich, finden sich auch hier unzählige Details, über die die Kinder sicher gerne mit den Erwachsenen sprechen wollen, die mit ihnen das Buch betrachten. Es wird auf diese Weise zu einem stundenlangen Entdeckerspaß für die ganze Familie.

10 kleine Burggespenster im Zoo

 

 

Susanne Göhlich, 10 kleine Burggespenster im Zoo, Orell Füssli 2018, ISBN 978.-3-280-03570-2

 

Nach ihrem erfolgreichen Reimebuch über die zehn kleinen Burggespenster, das vor zwei Jahren erschienen ist und weiteren vier Büchern über die zehn lustigen Wesen, hat Susanne Göhlich nun, ebenfalls in lustigen Reimen verfasst, wieder ein Nachfolgebilderbuch vorgelegt, in dem die Burggespenster einen Besuch im städtischen Zoo absolvieren und mit vielen verschiedenen großen und kleine Tieren Kontakt und Spaß haben.

 

Doch zunächst müssen sie sich alle am Eingang des Zoos ein Eis kaufen. Dem kleinsten Burggespenst, Zipfel heißt wird kurz darauf von einer haarigen Hand die Eiswaffel gestohlen. Schnell ist die Beziehung „Monster“ in aller Munde, und sie machen sich auf die Suche nach dem Eisdieb, wobei die anderen Tiere ihnen dabei nur bedingt Hilfestellung und Auskunft geben können.

 

Ob die Kinder, die das Buch vorgelesen bekommen und betrachten, die Lösung erkennen werden?

 

Ein gespenstischer Spaß in Reimen für Kinder ab etwa zwei Jahren.

 

 

 

Hangman (Hörbuch)

 

 

 

Daniel Cole, Hangman (Hörbuch), Hörbuch Hamburg 2018, ISBN 978-3-95713-113-3

 

„Hangman“ ist nach „Ragdoll“ der zweite Roman aus der „William Fawkes“-Reihe von Daniel Cole, auch wenn der im ersten Band am Ende spurlos verschwundene „Wolf“ im zweiten Band erst ganz am Ende im Epilog auftaucht, und für den nächsten Band eine wieder tragendere Rolle verspricht. Cole schriebt im Nachwort, man müsse „Ragdoll“ nicht unbedingt gelesen haben, um „Hangman“ zu verstehen ( was er auch durch zahlrieche Rückblicke zu unterstützen versucht), ich jedoch fand es hilfreich, dass ich beide Bücher innerhalb einer Woche hintereinander gelesen habe.

 

Nachdem Emily Baxter schwer verletzt den ebenfalls verletzten „Wolf“ im Gerichtssaal laufen ließ, ist sie mittlerweile befördert worden zum Detective Chief Inspector und hat acht Monate bevor die Handlung von „Hangman“ beginnt, mit dem Anwalt Thomas einen Mann kennengelernt, der ihr auf ihr bisher unbekannte Art Sicherheit gibt durch sein sanftes und verständnisvolles Wesen. Auch die Freundschaft zu Edmunds und seiner Frau Tia hat sich intensiviert. Dennoch ist Emily keine andere geworden. Sie kämpft weiter mit den Dämonen aus ihrer Vergangenheit, die Daniel Cole auch im zweiten Buch für kurze Momente lüftet.

 

Eben noch bei einem gemütlichen Abend mit Thomas, Edmunds und Tia zusammen, wird Emily mit einem neuen Fall konfrontiert, der nicht nur sie an die „Ragdoll“ erinnert.

In New York wurde ein Toter an der Brooklyn Bridge aufgehängt, das Wort „Köder“ tief in seine Brust geritzt. Das lässt für die FBI-Ermittler nur einen Schluss zu: Ein Killer kopiert den berühmten Londoner Ragdoll-Fall. Chief Inspector Emily Baxter wird sofort von den US-Ermittlern angefordert. Wenig begeistert, fliegt Baxter in die USA und macht sich zusammen mit den FBI Agents Curtis und Rouche an einen Wettlauf gegen die Zeit. Denn der Druck der Medien in den USA ist groß, erst recht  als ein zweiter Toter entdeckt wird, dieses Mal mit dem Wort „Puppe“ auf der Brust.

 

Und dann geschehen in schneller Abfolge abwechselnd grausame Morde in London und New York, die das zunächst sehr ungleiche Ermittlertrio DCI Emily Baxter von New Scotland Yard, FBI Agentin Eliot Curtis und CIA Agent Damien Rouche  vor fast unlösbare Aufgaben stellen. Sie fühlen sich wie ein Spielball eines grausamen Mörders, der sie jeweils unterschiedlich mit ihren eigenen Schatten aus der Vergangenheit konfrontiert.  Die Beschreibungen und Andeutungen dieser aus den jeweiligen Lebensgeschichten der Ermittlerpersonen herrührenden Persönlichkeiten machten für mich eine der vielen Stärken des Buches aus.

 

Sie raufen sich zusammen, überwinden ihr gegenseitiges Misstrauen und versuchen, auch mit Edmunds tatkräftiger Hilfe auf der anderen Seite des Atlantiks, das immer undurchsichtiger werdende Netz an Mordfällen aufzuklären. Wer steckt hinter diesem mörderischen Wahnsinn m? Und was hat er für ein Motiv?

So wie „Ragdoll“ ist auch „Hangman“ ein – vielleicht zu schnell auf den ersten Band folgender-  spannend geschriebener Thriller, der mit jeder Seite an Spannung gewinnt und zum Schluss in einem Showdown mit viel Action endet. Daniel Cole führt seinen Leser lange immer wieder in Irre bis zu einem dann doch völlig überraschenden Ende.

 

Ich wünsche Daniel Cole, dass er sich mit den nächsten Band mehr Zeit lässt, und so besser an der sprachlichen Gestalt seiner Geschichten feilen kann. Denn hier ist noch Luft nach oben.

 

Für die hier anzuzeigende Hörbuchfassung hat Hörbuch Hamburg den Sprecher des ersten Bandes, Wolfram Koch, durch den Schauspiele rund Synchronsprecher Peter Lontzeck ersetzt, der seine Sache gut macht, aber auch durch seine Interpretation  nicht verhindern kann, dass sich der Hörer noch viel mehr als im Buch angesichts der vielen Namen und andauernd neuen Mordfälle extrem konzentrieren muss um den Faden nicht verlieren. Kann man im Buch immer noch mal zurückblättern um sich zu orientieren, geht das beim Hörbuch nur schwer.

 

 

 

 

Ragdoll, (Hörbuch)

 

 

 

 

 

Daniel Cole, Ragdoll, (Hörbuch) Hörbuch Hamburg 2017, ISBN 978-3-95713-0815-3

 

„Ragdoll“ ist der fulminante Auftakt einer neuer Thriller-Reihe des britischen Schriftstellers Daniel Cole, der mittlerweile schon in drei Dutzend Ländern verkauft worden ist und für dessen Verfilmung die Vorbereitungen laufen.

 

Eine der schillernden und absolut ungewöhnlichen Hauptpersonen des Ermittlerteams bei der Londoner Scotland Yard ist Detective William Oliver Layton-Fawkes, genannt Wolf. Die letzten Jahre waren hart für ihn. Er verbrachte eine lange Zeit in einer psychiatrischen Klinik, bevor er wieder in den Dienst zurückkehrt. Das kam so: Vor vier Jahren hat Wolf einen Serienkiller festnehmen, den man damals den „Feuerkiller“ nannte, weil er insgesamt siebenundzwanzig Prostituierte auf schauerliche Weise anzündete und tötete. Während des wochenlangen Prozesses ist Wolf jeden Tag anwesend, denn er ist von der Schuld des Pakistaners Naguib Khalid überzeugt. Die Geschworenen plädieren auf nicht schuldig, was Wolf noch im Gerichtssaal dazu bringt, auf den Täter loszugehen und ihn fast zu töten. Er wird festgenommen und kommt in eine Klinik.  Als später Khalid eine weitere Frau tötet, ist Wolf sozusagen rehabilitiert und wird unter harten Therapieauflagen nach Jahren wieder in das Team aufgenommen. Zu diesem Team zählen noch Emily Baxter, deren Beziehung zu Wolf kompliziert ist, und die erhebliche Alkoholproblem hat, ansonsten aber eine mutige und unerschrockene Polizistin ist und der aus dem Betrugsdezernat gekommene  Alex Edmunds, der durch seine Ermittlungen den neuen Fall wesentlich voranbringen wird.

 

Der Fall beginnt  damit, dass Wolf, der glaubt eigentlich schon alles gesehen zu haben, zu einem grausigen Fund gerufen wird.  Sechs Körperteile von sechs verschiedenen Menschen sind von einem Täter zu einer Art Flickenpuppe zusammengenäht worden, die von Anfang an von  der Presse „Ragdoll“ genannt wird. Gleichzeitig erhält die Ex-Frau von Wolf, die Journalistin Andrea, die sich nach seinem Ausraster vor Gericht von ihm trennte, eine Liste zugespielt, auf der sechs weitere Morde angekündigt werden, mit jeweils genaues Todesdatum. Der letzte auf der Liste ist Detective William Oliver Layton-Fawkes selbst.

 

Nun beginnt einen gnadenloser Wettlauf mit der Zeit. Die Ermittler stehen unter eine erheblichen öffentlichen Druck, den Andreas skrupellose Chef noch befeuert. Immer mehr Körperteile der Ragdoll können konkreten Menschen zugeordnet werden und es deuten sich Zusammenhänge an zum Fall des „Feuerbestatters“. Gleichzeitig scheitern die Versuche, die Personen auf der Todesliste zu schützen, denn der Täter ist den Ermittlern unverständlicherweise immer einen Schritt voraus. Das bringt vor allem Edmunds ins Nachdenken und er stürzt sich in nächtelanges Aktenstudium, die ihn irgendwann zu einem furchtbaren Verdacht bringen….

 

Daniel Cole ist ein absolut überzeugendes und extrem spannendes Debüt gelungen mit drei Hauptfiguren, die er stark und menschlich eindrucksvoll zeichnet.

Wolf ist ein innerlich zerrissener Mensch, ein Fanatiker, ein genialer Ermittler, der aber gleichwohl  nicht immer mit legalen Mitteln kämpft. Detective Sergeant Emily Baxter ist eine junge Frau, die ebenfalls kämpft mit Dämonen aus ihrer Vergangenheit, die sie nicht loslassen. Furchtlos und klug behauptet sie sich in einem Dezernat, in dem es nicht gerade kollegial zugeht.

 

Die Geschichte nimmt viele überraschende und brutale Wendungen bis zum unerwarteten Ende. Man kann einfach nicht aufhören zu lesen, bis man an das Ende der 450 Seiten gekommen ist. Ich habe danach sofort den Folgeband „Hangman“ angefangen, der  so viel sei schon verraten, dem ersten Band in nichts nachsteht.

 

Die hier anzuzeigende Hörbuchfassung, die Wolfram Koch eingelesen hat, besticht dadurch, dass es dem Sprecher auf eine hervorragende Weise gelingt, die Spannung und die ungewöhnliche Handlung, die Daniel Cole meisterhaft aufbaut, so in Szene zu setzen, dass man sie fast noch weniger gut aushält, als beim Lesen des Buches.