Das Jahr, in dem ich lügen lernte

 

 

 

 

 

 

Lauren Wolk, Das Jahr, in dem ich lügen lernte,tb DTV 2018, ISBN 978-3-423-626927

 

Annabelle, die in diesem Buch von dem „Jahr, in dem ich lügen lernte“ erzählt, ist zum Zeitpunkt der Handlung, die sich vom Herbst 1943 an über ein Jahr erstreckt, 12 Jahre alt. Sie lebt in einem kleinen, beschaulichen Dorf in Pennsylvania. Sie hat zwei kleinere Brüder, Henry (9) und James (7), auf die sie oft aufpassen muss und mit denen sie jeden Tag zusammen den Weg durch die Wolfsschlucht in die Schule geht. Der Vater ist Farmer, die Mutter kümmert sich zusammen mit den Großeltern um den Haushalt. Eine ledige Tante namens Lily betreibt die Poststelle im Ort und wird von der Familie trotz ihrer oft rigiden Ansichten wohlwollend toleriert.  Das Leben ist einfach dort, aber es fehlt ihnen an nichts. Die Gemeinschaft im Dorf funktioniert. Seit die USA gegen Nazideutschland in den Krieg gezogen sind, hängt aber eine unsichere Stimmung auch über dieser ländlichen Gemeinschaft und der schon seit Jahrzehnten dort lebende Deutsche Mr. Anselm sieht sich immer wieder Anfeindungen ausgesetzt.

 

Für Annabelle ändert sich ihr Leben schlagartig, als mit Betty ein schwererziehbares Mädchen auf den benachbarten Hof ihrer Großeltern zieht, weil ihre Mutter nicht mehr mit ihr klar kommt, nachdem der Vater verschwunden ist. Betty beginnt sofort Annabelle zu bedrohen und versucht sie einzuschüchtern. In der Schule ist eine bei über 40 Schülern in einer Klasse überforderte Lehrerin nicht in der Lage, der Aufsässigkeit von Betty Einhalt zu gebieten. Alle sind froh, wenn sie und der Bauerssohn Andy, mit dem sie sich angefreundet hat, nicht in die Schule kommen.

 

In der Nähe der Wolfsschlucht, wo Betty Annabelle regelmäßig auflauert, lebt der Einsiedler Toby in einer alten Hütte.  Er spricht nicht viel, aber sieht alles, was in der Umgebung geschieht. So wird er auch Zeuge mehrerer schlimmer Vergehen, die Betty in der Folgezeit begeht. Annabelle und ihre Mutter unterstützen den ehemaligen Soldaten Toby, der im Ersten Weltkrieg in Frankreich Unsägliches erlebt hat und seitdem mit seiner Schuld kämpft, immer wieder mit Kleidung und Essen.

 

Schnell jedoch gerät Toby in Verdacht, jenen Stein geworfen zu haben, der Mr. Anselm galt, aber Annabelles Schulfreundin Ruth traf und ihr ein Auge gekostet hat.

 

Annabelle kämpft mit sich und ihrer Angst. Erst recht, als Toby, mit dem sie sich angefreundet hat und der ihr von seinem Kriegserlebnissen erzählt hat, in Verdacht gerät und gejagt wird. Ein Gedanke gibt ihr Kraft:

„Wenn mein Leben nicht mehr war als eine einzige Note in einer endlosen Sinfonie, musste ich dann nicht diesen einen Ton so lang und so laut spielen, wie ich konnte?“

 

Sie versteckt Toby, offenbart sich schließlich ihren Eltern und diese wunderbaren Menschen mit ihrer klaren Lebenshaltung von Recht und Gerechtigkeit, glauben ihr und unterstützen sie.

Betty macht Erfahrungen von Mitmenschlichkeit und Zivilcourage, die sie ein Leben lang nicht vergessen wird.

 

Lauren Wolks erster Roman bei Hanser der nun in der Reihe Hanser bei DTV erschienen ist ein Jugendroman, der menschliche Schwächen schonungslos beschreibt. Ein Roman, der erzählt vom Band der Freundschaft über alle Widerstände hinweg, von Solidarität, von Gerechtigkeit und von der Bindungskraft einer Familie, in der sich Erwachsene und  Kinder ernst nehmen und achten.

 

Sandbergs Liebe

 

 

 

Jan Drees, Sandbergs Liebe, Secession Verlag 2019, ISBN 978-3-906910-49-9

 

„Sandbergs Liebe“ ist der mittlerweile dritte Roman des Redakteurs und Autors Jan Drees. In diesem Roman verarbeitet er eigene Erfahrungen mit einem Phänomen, das nicht zuletzt durch die zahlreichen Datingsapps, mit denen zunehmend mehr Beziehungen zwischen Frauen und Männern angebahnt werden, in vielen Fällen zu einem ernsten Problem für einen der Beteiligten wird. In dem Roman geht es um die Zerstörungskraft einer manipulativen Beziehung. Es ist eine Missbrauchsform, die darauf abzielt, die Wahrnehmung eines anderen Menschen, des angeblichen Partners so lange anzugreifen und zu attackieren, bis dieser am Boden liegt.

Es gibt für diese Missbrauchsform einen englischsprachigen Begriff: „Gaslighting“, in Anlehnung an das Theaterstück von Patrick Hamilton aus dem Jahr 1938, in dem ein Ehemann versucht, seine Gattin in den Wahnsinn zu treiben. Um dieses Ziel zu erreichen manipuliert er beispielsweise die Gaslampen des Hauses und lässt sie flackern. Von seiner Frau auf dieses Flackern angesprochen behauptet er, sie täusche sich.

 

Ein  Mensch, dem permanent von einem anderen, dessen Liebe er sich doch sicher glaubt, eingeredet wird, dass das, was er wahrnimmt, nicht real sei, wird nach anfänglicher Unsicherheit in echte Verzweiflung stürzen.

 

So geht es auch dem Ich-Erzähler des Romans, Kristian Sandberg. Er ist ein durchaus begabter junger Geisteswissenschaftler, wohnt in Bremen und erhält die ersehnte Stelle bei einer Literaturagentur in Hamburg. Walter Diercks, sein neuer Chef, hat die Agentur gerade gegründet, nachdem er lange Jahre erfolgreich in einem großen Verlag als Lektor gearbeitet hat. Sandbergs Einstiegsgehalt ist gut, seine Aufstiegschancen auch, und so steht einem perfekten Start ins Berufsleben nichts entgegen. Das Pendeln zwischen Hamburg und Bremen scheint gut machbar.

 

Doch eines fehlt dem jungen Mann noch zu seinem Glück. Mit seinen bisherigen Beziehungen hatte er kein Glück, doch er träumt von einer festen Beziehung, ist auch offen für eine Familiengründung. Einsam und besonders in den Nächten regelrecht verloren, nutzt er Dating-Apps in der Hoffnung, endlich genau jener Frau zu begegnen, die ihn glücklich macht und beschützt. Ideale Voraussetzungen bringt er so mit, für das, was ihm dann in den nächsten Monaten geschieht.

 

Als er eines Abends nach der Arbeit auf der Außenterrasse eines Hamburger Cafes sitzt, blinkt sein Handy. Die App „Once“ hat ihn mit einer Frau „gematcht“. Alles scheint perfekt zu passen. Schon wenig später trifft er sich zum ersten Mal mit Kalina Mickiewicz, einer in einer süddänischen Kleinstadt arbeitenden Zahnärztin. Sehr schnell beginnt eine romantische Beziehung. Die Zärtlichkeit und die sexuelle Intensität der ersten Begegnungen lassen Sandberg hoffen, in Kalina tatsächlich de Frau seines Lebens gefunden zu haben.

 

Bald schon gibt es erste, auch den Leser verwirrende und verstörende Irritationen, die Sandberg zunächst nicht ernst nimmt.  Schon hier habe mich beim Lesen oft gefragt, wie er es bei den vielen Treffen, den durchgemachten Nächten und dem ausufernden Mailverkehr schafft, seinen neuen Job zu machen. Auch die Frage, wie er den zunehmend aufwändigen Lebensstil mit einem Agenturgehalt finanziert, blieb für mich offen.

 

Aus den Irritationen wird innerhalb weniger Wochen eine immer stärkere emotionale Abhängigkeit zu seiner Geliebten. Zunächst denkt der Leser so wie Sandberg selbst, er habe Dinge falsch gemacht oder sich nicht richtig ausgedrückt, und Kalina sei zu Recht empört über ihn. Doch schon bald weicht dieser Eindruck beim Leser dem Gefühl der Wut und Entrüstung über den zunehmenden Missbrauch, den Sandberg aber in seiner abhängigen Verliebtheit nicht wahrnehmen kann und will.

 

Die zu Beginn romantisch und euphorisch erlebte Beziehung entpuppt sich immer mehr zu einer Höllenfahrt in die Abgründe des emotionalen Missbrauchs. Wie all das für Kristian Sandberg ausgeht, bleibt offen, auch ob er sich jemals davon erholen wird.

Jan Drees hat, indem er sich selbst und seinen Lesern mit beinahe protokollarischer Genauigkeit und psychologischem Tiefgang vor Augen führt, wie Manipulation das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung zerstören und infolgedessen die Psyche eines Menschen in ihren Grundfesten erschüttern kann, sich selbst von einer solchen Erfahrung befreit.

 

Wenn man den einschlägigen Beschreibungen im Internet Glauben schenkt, scheint diese als „gaslighting“ bezeichnete Form des Missbrauchs nicht nur ähnlich häufig wie andere Missbrauchsformen geworden zu sein, sondern auch ähnliche lange nachwirkende Folgen für die Vertrauensbildung in späteren Beziehungen  zu haben.

 

Ein intensiver, wichtiger Roman, der jedem unter die Haut geht, der in früheren Beziehungen auch nur in Ansätzen solche Formen der emotionalen Manipulation erlebt hat. Anderen sei er eine Warnung.

Der Dorfgescheite. Ein Bibliothekarsroman

 

 

 

Marjana Gaponenko, Der Dorfgescheite. Ein Bibliothekarsroman, C.H. Beck 2018, ISBN 978-3-406-72627-9

 

Wer Bücher, besonders alte Bücher liebt, wer mit Freude und Begeisterung Umberto Ecos „Der Name der Rose“ gelesen oder seine Verfilmung gesehen hat, der wird auch an diesem neuen Roman von Marjana Gaponenko seine ungetrübte Freude haben. „Einen Bibliothekarsroman“ nennt sie ihre Geschichte des einäugigen Ernest Herz, der ziemlich erschöpft und seines exzessiven Liebeslebens überdrüssig ins Kloster geht. Im Stift W. hat er nach dem rätselhaften Selbstmord seines Vorgängers die Stelle des Bibliotheksleiters angenommen. Für Ernest Herz, der Bücher, besonders aber alte Bücher liebt, die Aufgabe seines Lebens.

 

Sein Vorgänger, Pater Mrozek, hat auf eine sehr kuriose Art seinem Leben ein Ende gesetzt, und weil Herz dessen Wohnung bezieht, verfolgt ihn des Paters Geschichte auf Schritt und Tritt.

 

Schon bald stößt der aufgeklärte Herz mit seinen Vorstellungen von einer zeitgemäßen Bibliothek auf den Widerstand der konservativen klerikalen Bewohnerschaft und auch der Leitung des Klosters. Immer mehr Zweifel ergeben sich Herz an dem Selbstmord des Vorgängers und als sein Radiogerät, das er ins Kloster mitgebracht hat, nur noch „Radio Gabriel“ empfängt, beginnt sich Herz auf eine spannende und unterhaltsam zu lesende Suche zu machen. Er will wissen, was im Kloster los ist, zumal der Fund eines mittelalterlichen Bestsellers mit dem Titel “Dialogus Miraculorum“, dessen Einband fehlt, seine detektivische Neugier geweckt hat.  Warum hat sich Pater Mrozek umgebracht? Wer oder was hat ihn dazu getrieben?

 

Als Herz im Dorf den schönen Kellner der Gastwirtschaft „Zum Lamm“ trifft, hat er sofort das Gefühl, dieser junge Mann könnte ihm weiterhelfen. Aber was hat dieser für ein Geheimnis?

 

Mit ihrem neuen Roman hat Marjana Gaponenko die Welt der Bibliothek und die Kultur eines alten Klosters zum Thema eines spannenden Romans gemacht, der mit Gespür für Komik liebevoll erzählt ist, und einen selten so erlebten literarischen Blick für die schrägen und skurrilen Details offenbart.

 

Ich habe dieses Buch mit Freude gelesen. Gute Unterhaltung ist das auf hohem sprachlichem Niveau. Die Autorin geht virtuos mit der Sprache um und man spürt ihre regelrecht sinnliche Freude an Wörtern, die ansteckend ist.

 

 

 

 

Die Glücksreisenden

 

 

 

 

Sybil Volks, Die Glücksreisenden, DTV 2018, ISBN 978-3-423-26203-3

 

Kann man sein eigenes Glückes Schied sein? Oder muss man warten, bis es einem zufällt, oder auch nicht?

In ihrem hier vorliegenden Buch erzählt die Schriftstellerin Sybil Volks davon und setzt die mit dem Roman „Wintergäste“ begonnene Geschichte der Familie Boysen auf unterhaltsame Weise fort. Zu Beginn steht Inge Boysen Feier zu ihrem 80. Geburtstag an, den sie gleichzeitig mit ihrer Enkelin Inka feiern will, die volljährig wird. Neben zahlreichem Besuch hat sich auch ein Komet angekündigt, der an diesem tag auf die Erde stürzen soll.

Alle Familienmitglieder bereiten sich auf das Fest vor und suchen nach ihrem ganz besonderen Glück, das gar nicht so einfach zu finden scheint. Bald schon ist das Haus Tide wieder Ort zahlreicher Konflikte, kein Wunder, wenn drei Generationen und viele unterschiedliche Erwartungen aufeinandertreffen. Einige der Fragen, die im ersten Buch über die Familie beschrieben wurden, sind nach wie vor aktuelle, aber wie wir sehen werden, stellen sich auch viele neue.

 

Mit hoher Spracheleganz und Humor und stellenweise sehr poetisch erzählt Sybil Volks wie es it der immer sehr emotionalen Geschichte der Familie Boysen weitergeht. Man muss den ersten Band nicht kennen, um „Die Glücksreisenden“ zu genießen.

 

Angenehme literarische Unterhaltung vom Besten.

 

 

 

Die stramme Helene

 

 

 

Steffen Herbold, Die stramme Helene, Kunstanstifter 2018, ISBN 978-3-942795-68-5

 

„Geschichten sind aus Resten von Erinnerungen. Das Wahre und das Falsche, das Sichere und die Spekulation, das eigene Gedächtnis und das Gedächtnis anderer, Blickwinkel und Sichtweisen. Der Erzähler versucht, all das zu einem plausiblen ganzen zusammenzusetzen… So könnte es gewesen sein.“

 

So beschreibt der Autor der vorliegenden Geschichte aus den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhundert, Steffen Herbold den literaturtheoretischen Hintergrund seines Buches.

In „Die stramme Helene“ erzählt er, von Martin Burkhardt beeindruckend illustriert, die Geschichte einer starken Arbeiterfrau. Jahrelang in einer regelrechten Ehehölle unter ihrem Mann  leidend, schafft sie es an einem schicksalhaften Nachmittag im Frühjahr 1965 aus dieser Hölle zu entkommen. Vorher hat sie sich, geprägt von Krieg und Nachkriegszeit, durch die dumpfe Fröhlichkeit der frühen Sechziger und die leidvolle Beziehung zu ihrem Mann laviert, bis es ihr gelingt, sich ihr eigenes Stück Freiheit zu schaffen.

 

Diese fiktive Erzählung beruht auf tatsächlichen Begebenheiten und kann Kindern ab dem Grundschulalter einen lebendigen Eindruck der Lebensverhältnisse einer einfachen Frau in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts geben.

 

Ein sehr außergewöhnliches Kinderbuch, wie man sie aber mittlerweile aus dem Kunstanstifter Verlag schon gewöhnt ist.
 

 

Über das Strafen

 

 

Thomas Fischer, Über das Strafen, Droemer 2018, ISBN 978-3-426-27687-7

 

 

In einer Zeit, in der trotz zurückgehender Kriminalität sich in Deutschland eine Stimmung immer mehr ausbreitet, die insbesondere im Strafrecht, aber auch in den meisten anderen Bereichen, wo Menschen das Recht brechen, eine härtere Gangart in der Rechtsprechung fordert bzw. wo die volle Ausschöpfung des Rahmen des Strafmaßes für eine Tat durch einen Richter öffentliche Zustimmung findet, in einer Zeit, wo nach jedem die Öffentlichkeit erregenden Vorfall nach neuen und härteren Gesetzen gerufen wird, in so einer Zeit kommt das vorliegende Buch gerade recht.

 

Der ehemalige Bundesrichter Thomas Fischer, der sich im Ruhestand in den letzten Jahren einen Ruf als streitbarer, leidenschaftlicher und wortmächtiger Vertreter seiner Zunft erworben hat, beschreibt in diesem Buch unser Rechtssystem als das, was unsere Gesellschaft zusammenhält. Insbesondere das Strafrecht verspricht als Grundlage staatlichen Handelns Sicherheit für die Bevölkerung. Es ist ein selbstgegebenes Regelwerk, das von vielen Bedingungen abhängt und vor allen Dingen durch die Rechtsprechung in ständiger Bewegung ist.

Es ist aber auch ein Ort, an dem grundlegende Fragen des gesellschaftlichen Lebens, der Freiheitsspielräume und der Verantwortung verhandelt und besprochen werden. Ein  lebendiges System also.

 

Mit seiner These vom Strafrecht als Kommunikation und Gewalt hält Fischer ein leidenschaftliches Plädoyer für unsere Idee des Rechtsstaats:

„Demokratie an sich erzeugt nicht gutes Strafrecht. Sie ist aber ein Legitimationsmodell, das ein rationales, auf Menschenwürde basierendes Modell einer Wahrheits-Findung ermöglicht, die den Einzelnen vor fremdem Unrecht, aber auch vor obrigkeitlicher Unfreiheit und Objektstellung schützt und es ermöglicht – mit allen Vorbehalten, Unsicherheiten und Fehlern- an einer Idee des Rechtsstaates weiterzuarbeiten.“

Ein auch für Nichtjuristen verständliches und für alle Demokraten empfehlenswertes Buch.

 

 

Stella

 

 

Takis Würger, Stella, Hanser 2019, ISBN 978-3-446-25993-5

 

Der Spiegelredakteur Takis Würger hat nach seinem vielgelobten Debütroman „Der Club“, der 2017 bei Kein und Aber in Zürich erschien nun den Verlag gewechselt. Sein neuer Roman „Stella“ wird von Hanser in München verlegt und hat schon kurz nach seinem Erscheinen in der Szene der Kritiker heftige Reaktionen ausgelöst. Dazu später einige Worte.

 

Der Roman erzählt zunächst von der Kindheit und Jugend des 1922 in der Schweiz geborenen Friedrich, Sohn eines sehr reichen  Samthändlers und einer alkoholabhängigen Mutter. Sein Vater erzieht ihn dazu, immer die Wahrheit zu sagen und ihr verpflichtet zu sein. Als er eines Tages mit anderen Jungen einen Kutscher mit Schneebällen bewirft und das auf dessen Vorhaltungen auch zugibt, verletzt dieser ihn schwer im Gesicht. Durch diese Verletzung, von der eine große Narbe an der Wange zurückbleibt, wird er farbenblind und kann fortan keine Farben mehr erkennen. Seine Mutter ist eine glühende Verehrerin von Hitler und seiner Bewegung.

 

Erwachsen geworden zieht es Friedrich nach Berlin, wo er in einer Kunstschule Unterricht nimmt. Er will herausfinden, was es mit den angeblich so starken Deutschen auf sich hat, und ob die Gerüchte über die Möbelwagen stimmen, mit denen die Juden im Schanzenviertel abgeholt werden. Sein reicher Vater, der nach dem Ende seines lukrativen Samtgeschäftes nach Istanbul gezogen ist und dort die Sufis studiert, finanziert seinem Sohn Friedrich das ganze Jahr 1942 über (über diesen Zeitraum erstreckt sich auch die Handlung des kurzen Romans) einen Aufenthalt im teuersten Hotel Berlins, dem Adlon.

 

Bei seinem Kunstunterricht lernt Friedrich in der ersten Stunde jene junge Frau kennen, die den Schülern Modell gestanden hat. Sie heißt Kristin und nimmt den unbedarften Friedrich mit in die Clubs Berlin, trinkt Champagner und Kognak mit ihm. Mit ihr hat der junge Schweizer seine ersten sexuellen Erfahrungen. Der Krieg, dessen Verlauf Takis Würger zusammen mit anderen mehr oder weniger wichtigen Ereignissen des jeweiligen Monats kapitel- und monatsweise dokumentiert, scheint weit weg.

 

Eines Tages bleibt Kristin tagelang verschwunden, bevor sie an einem frühen Morgen, schwer verletzt und mit blutigen Striemen im Gesicht an Friedrichs Hotelzimmertür klopft und ihm gesteht, ihn bisher über ihre wahre Identität belogen zu haben. Sie ist Jüdin, heißt Stella Goldschlag und die Gestapo hat ihre falsche Identität enttarnt. Ihre Eltern sind verhaftet worden und nur wenn Stella als sogenannte  „Greiferin“ der Gestapo ihr bekannte Juden für die Verhaftung und Vernichtung zuführt, kann  sie ihre Eltern vor der Deportation bewahren. Stella lässt sich darauf ein, und so wie die historische Stella Goldschlag wird sie auch weiter Juden verraten, auch nachdem ihre Eltern längst in einem KZ umgekommen sind.

Friedrich, der sich in Stella verliebt hat, wie besessen von ihr ist und sich auch mit dem SS-Offizier Tristan van Appen, der Stella seit langem kennt, gut versteht, ist hin- und hergerissen zwischen seiner Selbstachtung und seiner Entrüstung darüber, was Stella da tut und seiner Liebe zu ihr. Mit Hilfe seines Vaters wird der den Leiter des KZ-Gefängnisses Walter Dobberke vergeblich versuchen zu bestechen.

 

Am Ende wird er mit zwei Gefühlen in die Schweiz zurückfahren. Das erste ist die Erkenntnis, dass es sehr wohl so etwas wie Schuld gibt, obwohl sein Vater das in seiner Kindheit abstritt. Das zweite Gefühl ist Dankbarkeit Stella gegenüber: „Danke, dass du mir gezeigt hast, was Liebe ist.“

 

Immer wieder zitiert Takis Würger aus den originalen Protokollen eines Sowjetischen Militärtribunals über die hunderte von Fällen, in denen Stella Goldschlag Juden an die Gestapo verraten hat.

 

Das Buch hat wie zu Beginn erwähnt, sehr schnell eine noch andauernde so schon lange nicht mehr geführte Kritikerdebatte ausgelöst, in der es keine Zwischentöne mehr zu geben scheint.

 

Zugegeben, die Erfindung jenes doch ziemlich naiven jungen Schweizers, dem offenbar auch in diesen Zeit 1942 das Geld nicht ausgeht (schwer vorstellbar), der nach Berlin zieht und dort die historische Stella Goldschlag trifft und sich in sie verliebt, als Rahmen für ein Porträt dieser Frau und der Fragestellung der Bewertung ihrer Taten, scheint nur als Notlösung haltbar. Denn Stella Goldschlag selbst erzählen zu lassen, diesen Schritt hat der Autor nicht gewagt.

 

Doch die sehr grundsätzlich und moralisch gestellte Frage geistert durch die Feuilletons, ob man ein solches Thema auf diese Weise darstellen darf und kann. Während die Kulturredaktion des NDR das Buch zum „Buch des Monats“ gewählt hat, lehnen es andere zum Teil mit Empörung ab, so als hätte Takis Würger hier ein größtmögliches Sakrileg begangen. Es geht dabei um den Vorwurf der Effekthascherei, des Kitsches, die Tatsache, dass Würger beim Spiegel arbeitet, weckt bei vielen Assoziationen zum Fall Relotius. Letztlich geht es um die Frage: darf man in Deutschland über die Nazizeit und oder eine jüdische Hauptfigur auf eine so kurzweilige und unterhaltsame Weise schreiben? Darf ein Buch über ein solches Thema von einem Nichtjuden geschrieben werden und darf es unterhaltsam sein?

 

Hannah Lühmann schrieb in der WELT: „Warum sollte es denn verwerflich sein, einen kurzweiligen Roman auch über eine entsetzliche Zeit zu schreiben?“

 

Das habe ich mich beim Lesen und Schreiben auch gefragt. Dass man an der nun wirklich naiven männlichen Hauptperson einiges kritisieren kann, okay. Aber einem Autor quasi zu untersagen, eine solche Geschichte zu erfinden, grenzt an hypermoralische Zensur.

 

 

Parker

 

 

 

Matthias Göritz, Parker, C.H.Beck Verlag 2018, ISBN 978-3-406-70063-7

 

Mit einem auch international sehr erfolgreichen Buch über Coaching hat sich Matthew Parker einen Namen gemacht. Er hat jahrelang in den USA gelebt, hat mit seiner unbestrittenen Beraterkompetenz sogar eine Rolle in Barack Obamas Präsidentschaftswahrkampf  gespielt. Während er beruflich kurz vor einem Wendepunkt in seiner Karriere steht (und zwar in Richtung Absturz) hat Parker diesen in seinem Privatleben schon hinter sich, bzw. steckt mittendrin. Seine letzte Freundin hat ihn vor die Tür gesetzt, auch sie konnte seine permanente Flucht vor größerer Nähe und sein notorisches Fremdgehen nicht mehr ertragen. Schon als Student hatte er mit seiner Flucht in die USA die Auseinandersetzung mit seiner Herkunft und seiner Vergangenheit gescheut.

 

Nun  scheint ihn alles wie einzuholen. Er ist praktisch pleite, konnte während der Jahre des Erfolgs nicht mit Geld umgehen, der Verkauf seines schon in die Jahre gekommenen Buches geht gegen Null und er braucht dringend nicht nur Geld, sondern was für Menschen seines Schlages eine ebenso lebensnotwendige Droge ist: den Erfolg.

 

Da wird er durch die Vermittlung seines väterliches Freundes Eberhard Jansen nach Deutschland eingeladen, wo er gegen gutes Honorar in Kiel ein einwöchiges Rhetorikseminar halten soll.

 

Außerdem versucht Jansen, Matthew Parker als Berater in die Mannschaft eines nach Höherem strebenden mächtigen schleswig-holsteinischen Lokalpolitikers namens Mahler zu schleusen. Er soll von seiner Partei zu einem ganz Großen aufgebaut werden.

 

Er macht mit und findet in der ehrgeizigen und in der politischen Intrige erfahrenen Anneli Schneider, Mahlers wichtigster Mitarbeiterin, eine nicht nur erotische Herausforderung.

 

Auf dem Hintergrund einer politischen Kampagne, die den gegenwärtigen Politikbetrieb ironisiert, dann aber nicht wirklich weiterverfolgt wird, erzählt Matthias Göritz die Geschichte eines global vernetzten Arbeitsnomaden, der orientierungslos und beziehungsunfähig durch sein Leben irrt, sich niemals wirklich festlegen will und erst recht vor jeder privaten Bindung flüchtet. Man mag gar nicht wissen, wieviel dieser wenig lebenstüchtigen „Berater“ sich in den gegenwärtigen Politikfeldern nicht nur unseres Landes tummeln. Ohne innere Orientierung, nur nach dem Erfolg schielend, haben sie ihren eigenen Anteil an der Verdrossenheit immer zahlreicher werdender Bürger.

 

Göritz` gegen Ende des Buches angedeutete mögliche Wendung im Leben von Parker wird er wieder nicht ergreifen können, das war mein deutlicher Eindruck, als ich das Buch nach durchaus unterhaltsamer Lektüre wieder aus der Hand legte.

 

 

Geisterbahn

 

 

 

Ursula Krechel, Geisterbahn, Jung und Jung 2018, ISBN 978-3-99027-219-0

 

Auch in ihrem neuem wieder inhalts- und seitenmächtigen Roman „Geisterbahn“ setzt Ursula Krechel ihre schon in ihren beiden Büchern „Shanghai fern von wo“ und in dem mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Roman „Landgericht“ begonnene historische Rekonstruktionsarbeit fort.

 

In „Geisterbahn“ erzählt sie, ein ganzes Jahrhundert umspannend, die Geschichte einer deutschen Familie, der Dorns. Die Dorns sind Sinti und sind während des Dritten Reiches durch die mörderische Rassenpolitik der Nationalsozialisten mit ihrer ganzen Familie von der Vernichtung bedroht. Sterilisation, Verschleppung und Zwangsarbeit und schließlich der Tod in KZ`s – viele Menschen dieser Familie erleiden während des Dritten Reiches Fürchterliches.

 

Als der Krieg zu Ende ist, haben die überlebenden Dorns nicht nur den Großteil ihrer ehedem großen Familie verloren, sondern auch jegliches Vertrauen in Nachbarn oder Institutionen und stehen vor dem existenziellen Nichts.

 

Und nun sitzen sie in einer Grundschulklasse zusammen: Anna, das jüngste der Dorn-Kinder, die Tochter von Kommunisten und der Sohn eines Nazi-Polizisten.

 

Ursula Krechel erzählt die Geschichte dieser Kinder und die ihrer jeweiligen Eltern. Die Eltern dieser Kinder haben eines gemeinsam: sie schweigen ihren Kindern gegenüber über das, was Jahre zuvor geschehen ist. Sie schweigen über ihr Opfer- und Tätersein.

Wer auf welche Weise überlebt hat, aus Zufall oder durch eigenes geschicktes Zutun, danach fragt niemand. Diese Kinder teilen vieles, nur nicht die Geister der Vergangenheit.

 

Am Beispiel dieser Kinder, ihrer Familien und ihrer Geschichte hängt Ursula Krechel ihren ein knappes Jahrhundert umspannenden Familienroman auf.  Kunstfertig und mit einer wunderbar eleganten und poetischen Sprache, die immer wieder, wie schon in den Büchern zuvor, die Lyrikerin erkennen lässt, beschreibt Ursula Krechel auf eine sehr bewegende und berührende Weise davon, wie sich die Geschichte spiegelt in den Brüchen und den vielfältigen Verheerungen, die sich in die Lebensgeschichte der einzelnen Figuren eingeschrieben, ja geradezu eingebrannt haben.

 

Und wieder, wie schon in den Büchern zuvor, gelingt es ihr mit ihrer seltenen Sprachkunst eine atmosphärische Dichte herzustellen, in der das vermeintlich Vergangene, schon lang Vergangene, auf eine geradezu den Leser bedrängende Weise gegenwärtig und aktuell wird.

 

Die sich über mehrere Weihnachtstage hinziehende Lektüre dieses Buches und meine Erfahrung damit, standen in einem immer wieder verstörenden Gegensatz zu der Botschaft dieses Festes.

 

Sechs Jahre hat es seit dem letzten mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Roman „Landgericht“  gedauert, bis die in Berlin lebende Ursula Krechel mit ihrem neuen Buch fertig war.

 

Das Warten hat sich gelohnt. Ursula Krechel zählt für mich zu den wichtigsten  zeitgenössischen Schriftstellerinnen deutscher Sprache.

 

Die schwere Hand. Avi Avraham ermittelt

 

 

Dror Mishani, Die schwere Hand. Avi Avraham ermittelt, Zsolnay 2018, ISBN 978-3-552-05884-2

 

Dror Mishani ist als Literaturprofessor in Jerusalem seit langem spezialisiert auf die Geschichte der Kriminalliteratur. Sich auf diesem Gebiet hervorragend auszukennen, war aber keine Versicherung dafür, dass der erste eigene Versuch, einen Kriminalroman zu schreiben, auch erfolgreich sein würde und eine entsprechende Qualität haben würde. Dennoch schlug im Jahr 2013 sein erster Roman „ Vermisst“ nicht nur in Israel voll ein und begeisterte die Kritik und die Leser. Auch der damals noch lebende Henning Mankell nannte das Buch von seinem Verlag um eine Stellungnahme gebeten „originell und hervorragend“ und war von Mishanis Hauptfigur Avi Avraham begeistert.

 

Mit ihm hat ein ganz spezieller Ermittler die Bühne der internationalen Kriminalliteratur betreten. Seine Fälle spielen in Cholon, einem Vorort der israelischen Metropole Tel Aviv. Dort ist der zunächst noch alleinstehende, ziemlich schrullige Kommissar Avi Avraham zuständig für allerlei kleinere und größere Delikte. Mal ist es eine Schulhofprügelei, mal ein Diebstahl. Nichts Weltbewegendes und vor allen Dingen nichts, was Avi aus der Ruhe bringen könnte. Er strahlt zunächst etwas aus wie Langeweile und eine subtile Form von Inkompetenz, und man fragt sich als Leser, wie ein solcher Ermittler erfolgreich sein kann.

Im ersten Band, als er nach einem verschwundenen Jungen sucht, lässt er zu dessen Eltern die nötige Distanz vermissen und leidet in der Folge schwer unter seinen Fehlern.

 

Er nimmt eine Auszeit und lernt in Belgien eine Frau kennen. Die nicht unkomplizierte Entwicklung der Beziehung von Avi Avraham zu dieser Frau ist neben einem neuen Fall das Thema des 2015 erschienenen zweiten Bandes der Reihe.

 

 

Nun, nach dreijähriger Pause. Legt der Zsolnay Verlag den dritten Band der Reihe vor, mit dem sich nach Meining des Krimiexperten der ZEIT, Tobias Gohlis, endgültig in die Weltspitze der Krimiautoren geschrieben hat.

 

Die Handlung spielt 2014 oder 2015 wieder in Cholon. (Das Buch ist in Israel schon 2015 erschienen). Marianka, die Frau, die er Belgien kennen- und lieben gelernt hat, ist mittlerweile zu ihm nach Tel Aviv gezogen und sie kann beruflich auch wegen er mangelnden Sprachkenntnisse noch nicht Fuß fassen. Sehr zum  Leidwesen ihrer Eltern, die sie bei einem Besuch der davon überzeugen wollen, wieder nach Hause nach Belgien zu kommen. Wie schon in Band zwei verfolgt Mishani die Entwicklung dieser Beziehung in einem Nebenstrang, der aber wie zu erwarten war wohl bis zum vierte band offen bleibt. Der Rezensent ist skeptisch ob diese junge Beziehung angesichts der Problem, mit denen sie konfrontiert ist, überleben kann.

 

Zu seiner großen Überraschung ist Avi Avraham vor einiger Zeit zum Leiter der Ermittlungsbehörde von Cholon-Ayalon ernannt worden und wird gleich zu Beginn des neuen Buches mit seinem ersten Mordfall betraut, den er in eigener Verantwortung lösen muss.

Avi kennt die ermordete Lea Jäger, denn sie war vor einigen Jahren das Opfer einer Vergewaltigung, die Avi bearbeitet hat. Der damalige Täter kommt nicht in Frage, weil er wegen der Tat verurteilt, noch im Gefängnis sitzt. Avis Chef und sein bei der Beförderung übergangener missgünstiger Kollege gehen sehr schnell davon aus, dass Lea Jägers Sohn der Täter war.

 

Doch Avi Avraham folgt einer anderen Spur. Denn es taucht in den Ermittlungen bei den Zeugenbefragungen die Figur eines Polizisten auf, der Vergewaltigungsopfer anruft und sie noch einmal verhören will.

 

In einem Erzählstrang, den Dror Mishani geschickt im  Lafe des buches mit dem ersten ich verbinden lässt, wenn er der überraschenden Lösung des Falls näherkommt, wird erzählt von der jungen Mali. Sie ist vor einigen Jahren bei einem betrieblichen Aufenthalt in einem Hotel in Eilat vergewaltigt worden. Die damaligen Ermittler der Polizei hatten damals erhebliche Zweifel an ihrer Darstellung des Geschehens und so  muss sie damit leben, dass der Täter immer noch nicht gefasst worden ist. Immer noch leidet sie unter Albträume, wenn sich „die schwere Hand“ des Täters auf sie legt. Ihr Mann Coby ist ihr bis auf den heutigen Tag immer mit zärtlichem Verständnis begegnet, doch er hat Probleme seine Jobs zu behalten. Immer wieder wird der ehemalige Mitarbeiter des Geheimdienstes entlassen, weil er seine Gefühle nicht im Griff hat. Er zieht sich immer weiter zurück und wird Mali immer fremder. Und zunehmend ahnt Mali zunächst gegen viele innere Widerstände kämpfend, dass ihr Mann Coby nicht nur Probleme damit hat, dass er seine Familie nicht ernähren kann, sondern dass hinter seinem immer seltsamer werdenden Verhalten mehr steckt.

 

Schon bald wird dem Leser deutlich. Dass dieser zweite Erzählstrang etwas mit dem Mordfall zu hat. Doch Mishani kommt es weniger darauf an, die Aufklärung bis zur letzten Seite offen zu lassen, sondern sein Interesse liegt in der sensiblen Beschreibung der seelischen Zustände der Menschen, die auf unterschiedliche Weise Opfer eine Vergewaltigung geworden sind.

 

Auch Mishanis neues Buch ist Krimikunst vom Feinsten, von hoher Intensität. Er wechselt gekonnt zwischen der Sicht des Ermittlers und der der Beteiligten, und doch bleibt bis zum Ende etwas offen, was den Leser lange weiter bewegen wird.

Die Bücher Dror Mishani und seine Hauptfigur Avi Avraham sind nichts für Freunde von Actionthrillern und toughen Kommissaren.  Dieser hier macht Fehler, ist absolut menschlich und wird vielleicht durch die Beziehung zu seiner neuen Partnerin weiter reifen. Es ist, nachdem er sich im Beruf wieder gefangen hat, das größte Problem, das er zu lösen haben wird. Sind wir gespannt, ob und wie ihm das im vierten Band gelingen wird.