Als die Tiere im Wald noch nackig waren

 

 

 

Elfe Marie Opiela, Als die Tiere im Wald noch nackig waren, Annette Betz Verlag 2019, ISBN 978-3-219-11788-2

 

Dieses wunderschöne Bilderbuch von Elfe Marie Opiela erzählt eine interessante Geschichte, die nicht nur lustig ist und die Kinder dauernd zum Kichern bringt, sondern auch einlädt selbst aktiv zu werden und sie zu berichtigen.

 

Einst, vor langer Zeit, so die Geschichte, waren alle Tiere im Wald ohne Fell, also nackig (erstes Kichern garantiert beim Vorlesen!). Lange machte ihnen das nichts aus, bis es ihnen zu kalt wurde und sie begannen, sich lustige Felle auszusuchen, die ihnen gefielen. Der Tiger etwa mochte ein Fell mit Stacheln, dem Frosch gefielen Federn besonders gut und der Igel bevorzugte Streifen. Zunächst waren alle zufrieden mit ihrer Wahl, aber schon bald stellten sie fest, dass die ausgewählten Felle für ihren Alltag in der Natur ziemlich unpraktisch waren.

 

Als die schlaue Eule per Plakat zu einer urigen Kleidertauschparty einlädt, sind alle nicht mehr zu halten. Ein wildes und lustiges Tauschen beginnt …

 

Am Ende des Buches ist ein Bastelbogen eingeklebt, mit dem Kinder eine Anziehpuppe ausschneiden und selbst anziehen können. Großer Spaß ist garantiert!

Widerworte. Warum mit Phrasen Schluss sein muss

 

 

Alexander Kissler, Widerworte. Warum mit Phrasen Schluss sein muss, Gütersloher Verlagshaus 2019, ISBN 978-3-579-01474-6

 

Nicht erst seit seiner hochgelobten Streitschrift „Keine Toleranz den Intoleranten“ die 2015 ebenfalls im Gütersloher Verlagshaus erschien, gilt der Kulturjournalist und Sachbuchautor Alexander Kissler als ein Publizist, der sich mit differenzierten und pointierten Beiträgen in die politischen und kulturellen Debatten in unserem Land einmischt.

 

In seinem neuen, hier vorliegenden Buch nimmt er sich die phrasenhafte Sprache in der Politik an fünfzehn Beispielen vor und seziert sie ganz genau. Beispiele dieser Phrasen sind unter anderen:

  • Wir schaffen das
  • Jeder verdienst Respekt
  • Religion ist Privatsache
  • Menschlichkeit kennt keine Obergrenze
  • Gewalt ist keine Lösung
  • Haltung zeigen!
  • Das ist alternativlos

 

Ganz genau und mit hoher sprachlicher Präzision  seziert er diese Phrasen und deckt die wahre Absicht derer auf, die sie benutzen  bzw. in die Welt gesetzt haben.

 

Sein Kollege Jan Fleischhauer sagt zu diesem Buch vollkommen richtig: „Wen beim freihändigen Gebrauch politischer Phrasen eine leichte Übelkeit erfasst, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Nach der Lektüre ist einem, wie bei einem guten Tonikum, bedeutend wohler.“
 

Ein wichtiger und aufklärerischer Beitrag gegen die allgemeine Sprach- und Politikverdummung.

 

 

 

 

Frida Furchtlos lädt zum Tee

 

 

 

 

Danny Baker, Pippa Curnick, Frida Furchtlos lädt zum Tee, arsedition 2018, ISBN 978-3-8458-2751-3

 

In diesem schönen Bilderbuchaus dem Englischen geht es um eine ungewöhnliche Gans, die sich auch durch gefährliche Begegnungen nicht aus der Ruhe bringen lässt. Sie heißt Frida, wohnt am Rande des Waldes in einem Haus mit Garten und ist in ihrem Leben noch keinem anderen Tier begegnet. Als sie eines Tages gerade ihre Karotten gießt, schleicht sich ein Wolf heran und will ihr mit seinem Gebrüll Angst machen. Frida reagiert ganz ruhig, fragt ihn, was „Rraaar!“ bedeuten soll und lädt ihn zu Tee und Kuchen in ihr Haus ein. Das ist dem Wolf nicht geheuer und er zieht ab.

Da Gleiche passiert ihr kurze Zeit später mit einem Bär und eine Löwen. Jedes Mal reagiert sie auf deren schreckliches Gebrüll ganz gelassen und spricht die Einladung zum Tee aus, Jedes Mal ergreifen die großen Tiere die Flucht.

 

Doch als Frida kurz danach auf einen Gänserich trifft, ist alles anders. Gut beobachtet von dem Wolf, dem Bär und dem Löwen, gehen sie miteinander zu Fridas Haus. Und dort wartet nicht nur für Frida, sondern auch für die Kinder, die das Buch betrachten, eine große Überraschung.

 

Das Bilderbuch ist ein schönes Plädoyer für Offenheit. Man kann nach dem Vorlesen mit den Kindern über Mut nachdenken und gefährliche Begegnungen. Es unterstützt Urvertrauen genauso wie gesundes Misstrauen.

Immer Ruhe bewahren, locker bleiben und sich nicht ins Bockshorn jagen lassen von anderen, besonders für Kinder, die schnell aus der Fassung geraten, eine wichtige Botschaft.

 

 

 

Nein, Nein. Ich steig in kein fremdes Auto ein

 

 

 

 

Petra Lazik, Kai Schüttler, Nein, Nein. Ich steig in kein fremdes Auto ein, Coppenrath 2018, ISBN 978-3-649-62185-0

 

Dieses schon 2007 zum ersten Mal veröffentlichte Bilderbuch hat der Coppenrath Verlag nun erneut aufgelegt.  Es richtet sich an Eltern und Erzieherinnen in Kindertagesstätten, die alle verbindet, dass sie die ihnen anvertrauten Kinder vor Gefahren bewahren wollen. Doch wie kann man mit Kindern ein solches Thema sensibel besprechen, ohne  bei ihnen Unsicherheit oder gar Angst zu erzeugen, sondern im Gegenteil so etwas wie Selbstbewusstsein und Sicherheit aufzubauen.

 

Petra Lazik, Kriminalhauptkommissarin a.D., hat früher viele Jahre im Bereich sexuelle Gewalt an Kindern ermittelt und arbeitet nun als systemische Beraterin und Traumatherapeutin in eigener Praxis.

 

Von Kai Schüttler sehr kindgerecht illustriert, erzählt sie in diesem Buch die Geschichte von Marie und ihrem Bruder Max, die  auf dem Weg zum Kindergarten von einem Autofahrer angesprochen  werden. Er lädt sie ein in seinem roten offenen Sportflitzer mitzufahren. Während Max wohl gerne mit dem tollen Auto mitgefahren wäre, verlässt sich Marie auf ihr Bauchgefühl und sagt laut und deutlich: „Nein!“

 

Als sie später im Kindergarten davon erzählen, haben sie in Frau Löwenstein eine ruhige und besonnene Zuhörerin, die auf das Erlebte eingeht.

 

Das Buch eignet sich hervorragend zum Einsatz in Kindergartengruppen, aber auch zum Vorlesen und Besprechen zu Hause. Für Eltern hat Petra Lazik am Ende des Buches auf zwei Seiten wichtige und verständliche Hinweise gegeben.

 

Ein wichtiges, unverzichtbares Buch. Gut, dass es wieder auf dem Markt ist.

Sterben lernen. Das Buch für den Abschied

 

Felix Hütten, Sterben lernen. Das Buch für den Abschied, Hanser 2019, ISBN 978-3-446-26025-2

 

Dem 1987 geborenen, bei der Süddeutschen Zeitung tätigen Medizin- und Wissenschaftsjournalisten Felix Hütten ist mit diesem Buch etwas ganz Außergewöhnliches gelungen.

 

Mit einer großen, vielleicht auch seinem jungen Alter geschuldeten Leichtigkeit und einer beeindruckenden Ernsthaftigkeit beschäftigt sich der Autor mit einem Thema, das unsere Gesellschaft über lange Zeit verdrängt hat und das durch viele Bücher so wie das vorliegende langsam in das Bewusstsein von immer mehr Menschen dringt. Das Sterben und der Tod, mein eigener Umgang mit ihm, besonders dann, wenn ich betroffen bin von einer Krankheit etwa, die früher oder später mein Leben rauben wird, wird in diesem Buch als etwas thematisiert, das man lernen kann, auf das man sich vorbereiten kann.

 

Felix Hütten geht davon aus, dass für Betroffene und auch ihre Angehörige das Sterben, der Tod und der trauernde Umgang damit leichter werden können, wenn wir mehr darüber wissen. In einer sehr direkten Weise spricht er durchgängig seinen Leser in der zweiten Person an und stellt damit eine direkte und vertrauensvolle Nähe her, auf ich mich als Leser schnell einlassen konnte.

 

Alle wichtigen Fragen, die sich im Zusammenhang mit dem Sterben und dem Tod und dem Verarbeiten all dessen für Betroffene und Angehörige stellen, werden ohne Tabus erörtert und die Hinweise und Ratschläge, die er seinen Lebers gibt, sind nicht aufdringlich. Auf religiöse oder theologische Dimensionen des Sterbens geht er nicht ausdrücklich ein.

 

Auch für Menschen, die noch jünger oder die nicht von einer lebensbedrohenden Situation betroffen sind, ist das Buch eine wichtige, weil auf das sicher Kommende vorbereitende Lektüre. Denn Vorsorge treffen (darauf wird im letzten Teil des Buches besonderen Wert gelegt) kann und sollte man auch in jüngerem Alter.

 

Denn der Tod sucht sich den Zeitpunkt selbst aus, an dem er zu dir kommt.

 

 

 

 

 

Stella Goldschlag. Eine wahre Geschichte

 

 

 

Peter Wyden, Stella Goldschlag. Eine wahre Geschichte, Steidl Verlag 2019, ISBN 978-3-95829-608-4

 

Schon viele Jahre gab es in der deutschen Literaturkritik und im Feuilleton keine so heftige und leidenschaftliche Debatte mehr wie über den Roman „Stella“ des Spiegel-Journalisten Takis Würger. Seine fiktive Geschichte eines Schweizer Bürgersöhnchens, der nach Berlin geht, um herauszufinden, was es mit den Judenverfolgungen des Nazis auf sich hat und dort auf Stella Goldschlag trifft, sich in sie verliebt und dann auch Kenntnis erlangt darüber, dass sie als „Greiferin“ andere jüdische Menschen in großer Zahl an die Gestapo verrät, hat sofort eine Menge Kritiker auf den Plan gerufen.

 

Die sehr grundsätzlich und moralisch gestellte Frage geisterte lange durch die Feuilletons, ob man ein solches Thema auf diese Weise darstellen darf und kann. Während die Kulturredaktion des NDR das Buch zum „Buch des Monats“ gewählt hat, lehnen es andere zum Teil mit Empörung ab, so als hätte Takis Würger hier ein größtmögliches Sakrileg begangen. Es geht dabei um den Vorwurf der Effekthascherei, des Kitsches, die Tatsache, dass Würger beim Spiegel arbeitet, weckt bei vielen Assoziationen zum Fall Relotius. Letztlich geht es um die Frage: darf man in Deutschland über die Nazizeit und oder eine jüdische Hauptfigur auf eine so kurzweilige und unterhaltsame Weise schreiben? Darf ein Buch über ein solches Thema von einem Nichtjuden geschrieben werden und darf es unterhaltsam sein?

 

Hannah Lühmann schrieb in der WELT: „Warum sollte es denn verwerflich sein, einen kurzweiligen Roman auch über eine entsetzliche Zeit zu schreiben?“

Ich selbst ergänzte in einer Rezension dieses Buches:

„Das habe ich mich beim Lesen und Schreiben auch gefragt. Dass man an der nun wirklich naiven männlichen Hauptperson einiges kritisieren kann, okay. Aber einem Autor quasi zu untersagen, eine solche Geschichte zu erfinden, grenzt an hypermoralische Zensur.“

 

Der Steidl Verlag in Göttingen, der eine Biographie über Stella Goldschlag von Peter Wyden, die Takis Würger mit Sicherheit für seine Recherchen zu seinem Buch benutzt hat, schon 1993 veröffentlichte, hat nun „aus aktuellem Anlass“ wie er in einer Pressemitteilung schrieb, diese Biographie neu aufgelegt.

 

In dieser Neuauflage, die ich sehr begrüße, weil sie ein lange nicht mehr lieferbares Buch für alle an dieser literaturkritischen Auseinandersetzung interessierte Zeitgenossen wieder zugänglich macht, verzichtet der Verlag auf jeglichen Bezug auf Takis Würgers Buch und die Debatte, die es ausgelöst hat. Jeder soll sich mit der Lektüre dieser Biographie sein eigenes Bild machen.

 

Mir jedenfalls ist die Person Stella Goldschlag und ihre Geschichte durch dieses Buch auf eine viel intensivere Weise nahe gekommen als in Takis Würgers Roman.

 

 

 

OmaOpa find ich gut

 

Katharina Grossmann-Hensel, OmaOpa find ich gut, Annette Betz Verlag 2019, ISBN 978-3-219-11787-5

 

Das neue Bilderbuch von Katharina Grossmann-Hensel, das sie im Annette Betz Verlag veröffentlicht hat, ist eine liebevolle und warmherzige Hommage an Großeltern und ihre Beziehung zu ihren Enkeln.

 

Wenn sie nicht gerade verreist sind, was sie sehr gerne tun, ist das namenlose Mädchen, das hier seine Großeltern und seine Beziehung zu ihnen beschreibt, bei OmaOpa zu Besuch. Sie sind meistens gut drauf, spielen mit dem Mädchen Verstecken und haben allerlei lustigen Blödsinn im Kopf.

Auf jeden Fall ist es nie langweilig bei ihnen.  Die Besuche bei ihnen sind immer ein besonderes Erlebnis für das Mädchen.

 

Dem geht es damit wohl so, wie den meisten Kindern, die noch Großeltern haben. Es ist für kleine Kinder ein Segen, wenn sie im Kontakt mit Großeltern aufwachsen. Meinem mittlerweile schon jugendlichen Sohn würde viel fehlen, wenn er nicht die zwölf wunderbaren gemeinsamen Jahre mit seiner Oma gehabt hätte, die mit uns in einem Haus gelebt hat.

 

Katharina Grossmann-Hensels neues Bilderbuch ist ein humorvoll illustriertes Loblied über die ganz besondere Beziehung zwischen Enkeln und Großeltern.

 

 

 

 

 

 

Die ewigen Toten (Hörbuch)

 

 

 

Simon Beckett, Die ewigen Toten (Hörbuch), Argon Verlag 2019, ISBN 978-3-8398-1667-7

 

Das vorliegende Buch ist der mittlerweile sechste Band der Thrillerreihe um den forensischen Anthropologen David Hunter. Man kann das Buch und die Geschichte seines Protagonisten ohne weiteres gut verstehen, auch wenn man, wie der Rezensent, die ersten Bände nicht gelesen hat, was ich im Nachhinein sehr bedaure.

 

Immer wieder vermittelt Simon Beckett in kleinen Rückblicken und einzelnen Hinweisen etwas von der Vergangenheit von Simon Hunter. Wie er seine Frau und seine kleine Tochter bei einem Verkehrsunfall verloren hat, wie er selbst mehrfach bei seinen Einsätzen nur knapp dem Tod entkommen ist und vor allen Dingen, wie eine psychisch gestörte wunderschöne Frau namens Grace Strachan ihn  beinahe mit einem Messer getötet hätte.

Hunter wohnt deshalb im neuen Buch nicht mehr in seiner alten Londoner Wohnung, sondern in einem exklusiven neuen Wohnblock, wo ihm ein Bekannter vorübergehend eine möblierte Wohnung vermittelt hat. Bei ihm wohnt seine neue Partnerin Rachel, eine Meeresbiologin. Mit ihr hofft er auf eine neue private Zukunft, die ihn die traumatische Vergangenheit vergessen lässt.

 

Nur so viel sei verraten: beide Frauen  werden in dem neuen Buch für Hunter nicht unwichtige Rollen spielen. Hunter arbeitet in seinem neuen Fall wieder mit den aus den früheren Büchern bekannten Polizisten zusammen und es wird sich herausstellen, dass die Lösung des neuen Falles nicht nur für alle eine lebensgefährliche Aufgabe wird, sondern auch für den Forensiker David Hunter eine echte professionelle Herausforderung darstellt.

 

In dem seit Jahren stillgelegten Krankenhaus St. Jude im Londoner Norden, das in Kürze abgerissen werden soll um dann wohl Luxuswohnungen zu weichen, wird auf dem zugestaubten Dachboden eine in eine Plastikfolie gewickelte mumifizierte Leiche gefunden.  Beim Versuch, diese wohl schon lange in St. Jude liegende Leiche zu bergen, bricht der Dachboden an einer Stelle ein, ein Kollege von Hunter stürzt ab und verletzt sich schwer. Bei der Rettung des Kollegen entdecken die Ermittler in einem rundum verschlossenen, weil zugemauerten Raum ohne Fenster zwei weitere Leichen.

 

Auf keinen  Plänen ist dieser Raum zu finden und die Identifizierung der Toten verläuft zunächst schleppend. In einem angrenzenden Wald trifft Hunter auf eine Frau, die ihn auf seltsame Weise anzieht, obwohl sie mit dem ganzen Fall nichts zu tun haben scheint.

 

Es ist für Hunter eine schwierige Ermittlung, zumal seine Partnerin Rachel für drei Monaten  in die Ägais zu einem Projekt geflogen ist und sie auf dem Boot, auf sie mit anderen  Wissenschaftlern arbeitet, kein WLAN hat. Und auch die Angst, dass Grace Strachan zurückkehren könnte, hat seine einsamen Träume im Griff.

 

Hunter sagt über sich: „Die meisten Menschen finden meinen Beruf vermutlich seltsam, geradezu makaber. Ich verbringen mehr Zeit mit den Toten als mit den Lebenden und untersuche Verwesung und Zerfall, um menschliche Überreste zu identifizieren.“

 

Mit einer großen Sachkenntnis und vielen Fachbegriffen beschreibt Simon Beckett  auch in seinem neuen Roman die nicht immer geruchsfreie Arbeit seiner Hauptperson. Doch er macht das so, dass der Leser keinen Abscheu oder Ekel empfindet, sondern zunehmendes Interesse gepaart mit einer ungewöhnlichen Spannung.

 

David Hunter ist ein ungewöhnlicher, vom Schicksal erheblich gebeutelter Forensiker, der mir schnell sehr sympathisch wurde und es bis zum Ende blieb. Das nächste Buch werde ich sicher nicht verpassen.

 

Johannes Steck, die deutsche Stimme von Simon Beckett ist für seine Hörbucheinspielungen der ersten fünf Hunter-Bände schon mehrfach mit  der Goldenen Schallplatte ausgezeichnet worden. Seine tiefe und raue Stimme passt einfach hervorragend zu dieser soghaft ihren Hörer anziehenden Romanwelt, die Simon Beckett mit seinen Büchern entwirft.

Auch die hier vorliegende ungekürzte Lesung des neuen sechsten Bandes mit David Hunter überzeugt auf ganzer Linie.

 

 

 

 

 

Die Kuh

 

 

 

 

Werner Lampert, Die Kuh. Eine Hommage, teNeues 2019,ISBN 978-3-96171-178-9

 

In der Geschichte des Menschen der letzten 10 000 Jahre ist das Rind oder die Kuh überall auf der Welt nicht wegzudenken. Sie haben unsere Vorfahren genährt und gewärmt, bekleidet und begleitet auf ihren Wanderungen und erst recht nach ihrer Seßhaftwerdung.

 

Werner Lampert, ein Österreicher, der sich seit 45 Jahren für gesunde Bio-Lebensmittel und faire Konsumgüter einsetzt und in seinem Land ein bekannter Mann ist, hat  diesem Begleiter des Menschen in seiner Entwicklung mit diesem voluminösen Buch ein bleibendes Denkmal gesetzt.

Was ihn dabei bewegt beschreibt er so: „Jahrtausendelang zogen wir mit ihnen durch Kontinente, wir querten Berge und  Meere mit ihnen, unseren treuen und immer zugewandten und unterstützenden Gefährten. Seien wir ihnen durch unsere Zuneigung nahe, unserem Gefährten Rind.“

Die Domestikation vieler Wildrinder an den verschiedensten Orten der Welt, überall dort, wo Menschen lebten, ist für die evolutionäre Erfolgsgeschichte des Homo sapiens nicht wegzudenken. Sie wäre ohne die Kuh nicht so möglich gewesen.

Auf vielen Reisen durch die Welt hat Werner Lampert mit seinen Fotografen unzählige dieser Rinder beschrieben und in ihrem ursprünglichen Lebensraum fotografiert. Das ganz Buch und seine wunderbaren Bilder ist ein kulturgeschichtliches Meisterwerk und ein flammender Appell dafür, die Artenvielfalt auf unserer Erde zu schützen und achtsamer mit den Rindern, Familienmitglieder des Menschen  und Nahrungsquelle gleichermaßen, umzugehen.

Denn durch die Massentierhaltung sind viele dieser Rinderrassen vom Aussterben bedroht.

Das Buch zeigt eindrucksvoll, dass die religiöse, die kulturelle und die gesellschaftliche Entwicklung des Menschen ohne Rinder so nicht möglich gewesen wären. Die Vielfalt und Schönheit der unzähligen Rassen (manche sind vom Aussterben bedroht) sind beeindruckend. Das enge Band zwischen  Mensch und Rind zerreißen zu lassen, würde das Leben des Menschen viel ärmer machen.

Ein großes kulturgeschichtliches Werk von poetischer Schönheit.

 

 

 

 

 

 

Everest

 

 

Sangma Francis, Lisk Feng, Everest, NordSüd Verlag 2019, ISBN 978-3-314-10476-3

 

Der höchste Berg der Welt, der Mount Everest im Himalaya und die Geschichte seiner Besteigungen, die in diesem schönen und lehrreichen Sachbilderbuch aus dem NordSüd Verlag in Zürich erzählt wird, hat mich schon als kleines Kind begeistert. Damals war die Erstbesteigung durch Edmund Hillary und Tensing Norgay erst wenige Jahre her und Informationen darüber in Bilderbüchern rar.

 

Nun haben Sangma Francis und die Illustratorin Lisk Feng heutigen Kindern ein Buch geschenkt, das nicht nur die lange Geschichte der Besteigungen des  berühmten Berges beschreibt, sondern auf den ersten 40 Seiten viele verständlich und kindgerecht erläuterte Informationen über das Gebirgsmassiv des Himalaya und seine Entstehung und Geologie vermittelt. Die Natur dieser lange unzugänglichen Welt wird beschrieben und zahlreiche Mythen und Legenden, die sich um den in vielen Kulturen als heilig verehrten Ort ranken, werden erzählt.

Sangma Francis erforscht anschaulich die Geschichte des Mount Everest, ein Berg, der den Menschen nicht nur alles abverlangt, sondern sie auch immer wieder zu neuen Erfindungen inspiriert hat. Sie erklärt den Kindern,  durch die Bilder von Lisk Feng verständlich dargestellt, was es für eine erfolgreiche Expedition alles braucht, und gibt einen Einblick in das gefährliche Leben der Sherpas.

 

Auch aktuelle Umweltprobleme durch den massiven Bergsteigertourismus im Himalaya werden angesprochen. Denn:

„So stark und standhaft der Mount Everest erscheinen mag, er gehört zu einem zarten Geflecht von Leben auf unserem Planten, von dem auch wir ein Teil sind. Die Veränderungen, die wir der Welt des Everest zufügen, verändern auch die Geschichten, die er erzählen wird.“

 

Ein kritisches Sachbilderbuch zum Entdecken und Staunen für alle, die sich für Berge interessieren.