Weltweiter ziviler Ungehorsam. Die Geschichte einer gewaltfreien Revolution

 

 

Jürgen Bruhn, Weltweiter ziviler Ungehorsam. Die Geschichte einer gewaltfreien Revolution, Tectum Verlag 2019, ISBN 978-3-8288-4118-5

 

Es ist eingroßer Verdienst, dass der Politikwissenschaftler und ehemalige Spiegeljournalist Jürgen Bruhn mit diesem Buch an eine Protest-und Widerstandsform erinnert, die eine lange Tradition von Thoreau, über Gandhi und Martin Luther King und die Friedensbewegung der 870 er Jahre hat, und in den letzten Jahren in den Protestformen gegen den Klimawandel, die weltweite Armut und andere Auswirkungen des von ihm so genannten „Raubtierkapitalismus“ von vielen gerade auch jungen Menschen überall in der Welt wiederentdeckt worden ist.

 

Jürgen Bruhn beschreibt die lange historische Tradition dieses zivilen und gewaltfreien Widerstandes, und zeigt überzeugend, wie er mit der Entstehung der Demokratie verbunden ist.  Diese lange Tradition möchte er aufschließen für die neuen angesichts der großen Konflikte in der Welt entstandenen Bewegungen und Protestformen.

 

Ich halte dieses Wiederbesinnung auf einen Protest, der sich nicht gleich macht mit dem Gegner und seiner strukturellen Gewalt mit eigener Gewalt antwortet (es gibt auch in den im Buch genannten Gruppen wie zum Beispiel blockupy durchaus Tendenzen hierzu) für eine not-wenige und sinnvolle Intervention.

 

Möge deshalb dieses Buch von vielen Aktivisten gelesen und seine hilfreichen Vorschläge diskutiert und umgesetzt werden.

 

 

Wieso geht`s hier nicht weiter?

 

 

 

Tomoko Ohmura, Wieso geht`s hier nicht weiter, Moritz Verlag 2019, ISBN 978-3-89565-355-1

 

Schon kleine Kinder kennen von den unvermeidlichen Autofahrten mit ihren Eltern das leidige Phänomen des Staus. Der Japaner Tomoko Ohmura, der bei Moritz schon zahlreiche witzige und originelle Bilderbücher veröffentlicht hat, hat sich diesem Phänomen auf eine lustige und gleichzeitig sehr lehrreiche Weise genähert.

 

Ein kleiner Junge kommt auf der ersten Seite mit seinem Dreirad daher und sieht einen Straßenarbeiter neben einem Schuld, das auf einen Stau hinweist. „Was ist da vorne los?“ fragt der Junge, doch der Arbeiter weiß auch keine Antwort.

 

„Lasst uns gleich mal nachsehen!“ werden die Kinder aufgefordert und schon kann man umblättern und den Stau verfolgen. Von der 1 bis zu 50 sind alle verschiedenen Fahrzeuge, die da im langen Stau stehen nummeriert. Es beginnt mit kleinen Kinderfahrzeugen, aber originelle und hierzulande wenig genutzte Fahrzeuge wie eine Rikscha tauchen auf.

 

Auf diese Weise lernen die Kinder fünfzig Fahrzeige kennen und auch ihre Besitzer, bzw. die Menschen die mit ihnen fahren. Es kommt aber auch etwas von jener genuinen Stimmung der Menschen rüber, die im Stau stehen und sich aufregen, wie etwa der Fahrer des Betonmischers, dem der Beton hart zu werden droht. Doch es gibt auch andere wie etwa die Kinder im Schulbus, die sich freuen später in die Schule zu kommen. Die ganze Palette unterschiedlicher Reaktionen und Verhaltensweisen in einem Stau taucht auf.

 

Doch was ist eigentlich passiert? Das fragen sich viele, die da stehen und warten müssen, doch keiner weiß es wirklich, wie in einem echten Stau. Die Menschen reagieren und kommentieren und zeigen ein teilweise sehr komisches und bemerkenswertes Verhalten.

 

Absolut verliebt in die kleinen Details der Bilder und der Kommentare der Menschen ist das Bilderbuch ein wirkliches Vergnügen für Kinder ab etwa vier Jahren und diejenigen die ihnen vorlesen.

Dass die Ursache des Staus am Ende aufgeklärt wird, ist klar. Aber sie ist absolut überraschend und spektakulär. Lassen Sie sich zusammen mit ihren Kindern überraschen.

 

Kinder werden das Buch lieben und es wie ein Wimmelbuch nutzen.

 

Die Mauer

 

 

John Lanchester, Die Mauer, Klett-Cotta 2019, ISBN 978-3-608-96391-5

 

Der in England sehr bekannte Bestsellerautor John Lanchester legt mit seinem neuen Roman „Die Mauer“ ein aufrüttelndes und gleichwohl spannendes Buch vor, eine Dystopie, die umso mehr unter die Haut geht, weil so vieles davon schon Teil unserer Realität zu sein scheint und weil auch bisher gegen Populismus und Fremdenfeindlichkeit immun geglaubte Länder darauf zusteuern.

 

Nach der Europawahl Ende Mai wird man sehen, wie diese Tendenzen schon einen ganzen Kontinent im Griff haben.

 

In einem Großbritannien in der Zukunft haben sich die Isolationisten durchgesetzt. Es gilt nur noch das Recht des Stärkeren und das ganze Land ist von einer hohen Mauer umgeben, die von den Einwohnern systematisch und konsequent gegen Eindringlinge verteidigt wird.

 

Seit dem, was alle „den großen Wandel“ nennen, existiert diese Mauer, und so wie viele andere junge Menschen gehört auch der Protagonist und Ich-Erzähler dieses Romans, Joseph Kavanagh zu jener Gruppe, die die Mauer unter Einsatz ihres Lebens verteidigen. Es ist ein gefährlicher Job. Wer versagt und einem Eindringling die Flucht ins Land ermöglicht, wird selbst dem Meer überantwortet.

Joseph Kavanagh hat sich mit seiner Einheit, die ihm zu einer Familie geworden ist, eingerichtet und in Hifa eine Frau gefunden, der er sich sehr verbunden fühlt.

 

Gemeinsam üben sie immer wieder den Ernstfall, denn die Gegner, die potentiellen Eindringlinge sind hoch gefährlich und es besteht die Gefahr, dass sie in jedem Moment angreifen.

 

Es ist eine beklemmende Geschichte, die John Lanchester da seine Hauptfigur erzählen lässt.  Sie ist beklemmend , weil trotz dystopischer Überzeichnungen so vieles entweder real erscheint, oder als in der Zkunft Europas absolut möglich. In den letzten Jahren wurden von europäischer und nationaler Politik schon sehr viele Vorkehrungen gegen Flüchtlinge aus dem Süden, vorzugsweise aus Afrika getroffen. Und auch die Stimmung von immer mehr Menschen in Europa kippt. Abschottung, Grenzen, Mauer sind das Thema der Stunde und die dafür notwendige Verhärtung der Herzen der Menschen scheint in vollem Gange. Und sie scheint kaum mehr aufzuhalten.

 

„Die Mauer“ ist ein verstörendes Buch, das man nur allzu gerne immer wieder aus der Hand legen möchte, weil sein Thema unter die Haut geht und so unglaublich aktuell ist.

 

Ich habe diese Tage auch ein anderes Buch gelesen, das sich mit dem Thema befasst. Es ist von Davide Enia und heißt „Schiffbruch vor Lampedusa“. Ich kann es in seiner tiefen Menschlichkeit nur weiterempfehlen.

 

 

 

Auris

 

 

 

 

Vincent Kliesch, Auris, Droemer 2019, ISBN 978-3-426-30718-2

 

Der vorliegende Thriller von Vincent Kliesch nach einer Idee von Sebastian Fitzek ist der Beginn einer wohl längeren Reihe. Ein erfolgreicher und absolut gelungener Beginn muss man gleich zu Beginn  sagen.

 

Denn die Einführung eines akustischen Profilers in die Krimi- und Thrillerliteratur war eine wunderbare Idee von Sebastian Fitzek, die sein Freund und Kollege Vincent Kliesch in enger Kooperation mit ihm genial umgesetzt hat.

 

Die Rede ist von Matthias Hegel, genannt „Auris“ (= lat.: das Ohr), ist ein renommierter Professor, der eine sehr ungewöhnliche Gabe besitzt. Nur anhand der Stimme eines Täters oder Verdächtigen, sogar wenn sie verzerrt zu hören ist, kann er dessen Herkunft, Aussehen und die seelische Verfassung ermitteln und so zuverlässig die Wahrheit von der Lüge unterscheiden. Schon viele Täter hat er mit seiner außergewöhnlichen Kunst zu überführen geholfen und war lange Zeit ein oft gerufener Helfer in zahlreichen Ermittlungen der Polizei.

 

Doch nun, zu Beginn des Buches sitzt der Professor selbst in Haft wegen eines brutalen Mordes, den er selbst gestanden hat, und der ihn lebenslang im Knast verschwinden lässt.

 

Doch da ist die andere Hauptfigur des Romans und wohl auch der ganzen Serie. Jula Ansorge ist eine junge Journalistin beim Rundfunk, die in ihrer Freizeit einen viel gehörten True-Crime-Podcast betreibt, der auch bei Matthias Hegel und auch in Teilen der Unterwelt nicht unbemerkt geblieben ist. Sie versucht, das ist ihr Hintergrund, ein persönliches Trauma in der Vergangenheit zu vergessen, vergeblich.

 

Sie hat, als sie von Hegels Schicksal erfährt, erhebliche Zweifel an seiner Schuld und ist überzeugt davon, dass es ihre Aufgabe ist, einen großen Justizirrtum aufzuklären. Mutig und mit viel Engagement wühlt sie sich hinein in Hegels rätselhaften Fall, lernt ihn im Gefängnis kennen, doch er lehnt jegliche Hilfe ab. Bald schon aber glaubt sie langsam sein Vertrauen zu gewinnen, doch schon hier wird der Leser bald skeptisch. Denn Matthias Hegel scheint mehrere Gesichter zu haben. Nichts scheint eindeutig und mit dem durchaus erfolgreichen  Fortschreiten ihrer Investigationen gerät nicht nur Jula Ansorge selbst in Todesgefahr, sondern auch der Mensch, der ihr am wichtigsten ist…

 

Forensische Phonetik, ein neues Thema, mit zwei interessanten Hauptfiguren gekonnt in Szene gesetzt. Das Ende lässt den Leser gespannt auf die Fortsetzung warten an der bestimmt schon geschrieben wird.

 

 

 

 

 

Die guten Tage

 

 

 

Marko Dinic, Die guten Tage, Zsolnay 2019, ISBN 978-3-552-05911-5

 

In seinem hier vorliegenden Debütroman erzählt der Schriftsteller Marko Dinic von der gebrochenen Identität seines Protogonisten, der wohl starke biographische Züge von Dinic selbst trägt. In Wien geboren, verbrachte Dinic seine Jugend in Belgrad und floh kurz vor dem Bombardement von Belgrad vor zwanzig Jahren zurück nach Wien.

 

Während der Erzähler seine Geschichte und seine widersprüchlichen Gefühle beschreibt, rollt er mit einem täglich zwischen Wien und Belgrad verkehrenden Bus, dem sogenannten „Gastarbeiter-Express“, durch Ungarn in Richtung seiner Heimatstadt, jener Stadt, in der er aufgewachsen ist. Er erzählt von den Bomben, dem Krieg, von dem serbischen Führer Milosevic, den er als Kind lieben und dann später zutiefst hassen gelernt hat. Dieser Diktator und der ihm bzw. seiner Idelogie nach wie vor treu ergebene Vater des Erzählers, für die er beide nur noch Verachtung empfindet, hatten den jungen Mann vor zwanzig Jahren ins Exil getrieben, wobei er von seiner Großmutter unterstützt wurde. Doch auch im Exil in Österreich konnte er dem Geist des Balkan und der Gewalt dort nicht entkommen. Sich der alten Heimat nähernd, reflektiert er darüber in beeindruckenden Bildern. Er beschreibt sich selbst als ein Mitglied einer traumatisierten Generation, die sich weder in Serbien zu Hause noch in der Fremde verstanden fühlt.

 

In einem langen sehr wütenden Monolog versucht Dinic die Vergangenheit zu begreifen. Das ganze Buch ist eine Abkehr von dem früher selbst gehuldigten Chauvinismus und Nationalismus. Mit brennendem Herzen und großer Wut kleidet er den Balkan und sein Temperament sprachmächtig in Worte.  Immer wieder wird die ganz persönliche Not nicht nur des Erzählers, sondern seiner ganzen Generation deutlich, die unter der Weitergabe von patriarchal bestimmter Gewalt über viele Generationen hinweg bis zum heutigen Tag leiden.

 

Ein höchst aktueller Roman, der mit großer sprachlicher Wucht und unendlichem Schmerz erzählt von der Zerrissenheit der Identität einer ganzen Generation, einer verlorenen Generation?

 

Man ist nach der atemlosen und erschütterten Lektüren dieses Buches auf das nächste Buch dieses hoffnungsvollen Autors gespannt.  Wir erfahren zwanzig Jahre nach einem verheerenden Krieg auf dem Balkan hierzulande kaum etwas über die gegenwärtige Lage dort, vor allen Dingen nicht über die Seelenzustände der Menschen.

 

Bundesliga. Die 100 wichtigsten Tore

 

 

 

Matthias Brügelmann (Hg.), Bundesliga. Die 100 wichtigsten Tore, Delius Klasing 2019, ISBN 978-3-667-11639-0

 

Dieses mit prächtigen Bildern illustrierte Buch wird allen Fußballfans und Freunden der deutschen Bundesliga viel Freude bereiten. Von dem Sportjournalisten Matthias Brügelmann in Zusammenarbeit mit der Sport Bild herausgegeben, zeigt der Band auf jeweils einer Doppelseite die vom Herausgeber ausgewählten 100 wichtigsten Tore in der nun 65-jährigen Geschichte der Bundesliga. Die ersten 50 Bilder sind als schwarz-weiß Fotografien dokumentiert, die anderen als farbige Bilder.

 

Von den über 50.000 bisher in der Bundesligageschichte geschossenen Toren haben diese präsentierten 100 über Meisterschaften und Abstiege entschieden. Viele von ihnen sind in der Erinnerungskultur der Fangemeinden der Vereine zum Teil seit Jahrzehnten präsent. Immer wieder wird von ihnen erzählt.

 

Das vorliegende Buch, in dem jedes Bild mit einem kurzen Text versehen ist, der die Geschichte des jeweiligen Tores und seines Schützen und seine Bedeutung für seinen Verein erzählt, hilft diese Erinnerung gerade auch für die jüngeren Fans aufzufrischen und zu bewahren.

 

Eine Freude für jeden Fußballfan!

Vollmond. Mission Mond-Wissen

 

 

Thomas Hrabal, Nini Spagl, Vollmond. Mission Mond-Wissen, Tyrolia Verlag 2019, ISBN 978-3-7022-3740-0

 

Anlässlich der 50. Wiederkehr der ersten Mondlandung eines Menschen hat Thomas Hrabal alle wichtige Fakten über den treuen Begleiter des Menschen seit Urzeiten in einem wirklich empfehlenswerten Sachbilderbuch zusammengetragen.

Die klaren Illustrationen von Nini Spagl verdeutlichen auf anschauliche Weise viele komplexe Zusammenhänge. Jede Doppelseite des Buches widmet sich dabei je einem bestimmten Aspekt des Mondes, etwa Entstehung, kulturelle Bedeutung, Phasen, Oberfläche, Beziehung und Relation zu anderen Himmelskörpern.

 

Auch der Wettlauf ins All und die schließlich erste Landung eines Menschen auf dem Mond 1969 werden gewürdigt.

Das empfehlenswerte Sachbilderbuch vermittelt alle wichtigen Fakten über den Mond, präsentiert sie spannend und griffig. Jedem kleinen Leser wird danach deutlich sein, welche große Bedeutung der Mond für das Leben der Menschen auf der Erde hat.

 

 

80.000 Meilen und Kap Hoorn. Ein Segelabenteuer

 

 

 

Bobby Schenk, 80.000 Meilen und Kap Hoorn. Ein Segelabenteuer, Delius Klasing 2019, ISBN 978-3-667-11555-3

 

Zu seinem 80. Geburtstag erscheint das 2002 schon veröffentlichte Buch „80.000 Meilen und Kap Hoorn“ des wohl, erfahrensten Blauwasserseglers Bobby Schenk in einer preiswerten Neuauflage. Allein mit seiner Frau unternahm er die atemberaubendsten Segelreisen auf allen Weltmeeren und fand eine zweite Heimat in der Südsee. Zusammen waren sie die ersten Segler, die auf der Passatroute einmal um die Welt segelten und das berüchtigte Kap Hoorn von West nach Ost umschifften.

 

Packend und mit einem lockeren Stil erzählt Bobby Schenk in diesem Buch, wie es ihn vom Chiemsee, den er als Binnensegler befuhr, hinaus in die Welt zog, wie er seine Fahrten finanzierte, wie es ihn nach seiner Auswanderung wieder nach Deutschland zog und wie er es schaffte, wieder ins bürgerliche Leben und seinen Büroalltag zurückzukehren.

 

Ohne zu beschönigen gibt Bobby Schenk seine Erfahrungen weiter und schenkt anderen Seglern den Mut und das Selbstvertrauen für den eigenen großen Segeltörn.

Nicht umsonst wird 80.000 Meilen und Kap Hoorn als die Bibel des Blauwassersegelns gefeiert.

 

Für alle Segelfreunde, die Bobby Schenk noch nicht kennen, ein schönes Buch. Aber auch Nichtsegler können wegen der wunderbaren Reise- und Länderbeschreibungen ihre Freude an diesem Buch haben.
 

 

Pfff…

 

Claude K. Dubois, Pfff…, Moritz Verlag 2019, ISBN 978-3-89565-371-1

 

Merle und Robbi sind Geschwister. Kleine Entengeschwister. Als ihnen der Vater das Tablet, mit dem sie ganze Zeit gespannt und gebannt gespielt haben, wegnimmt und sie nach draußen an die frische Luft zum Spielen schickt, da fühlen sich beide plötzlich regelrecht schlapp. Ihnen ist todlangweilig. „Pfff!“ kann Merle nur ihren Frust auspusten.

 

Auch als der Vater ihnen viele Spiele, die er offenbar aus seiner Kindheit kennt („Blinde Kuh“) vorschlägt, finden Merle und Robbie alles langweilig und doof.

 

Der Vater gibt nicht auf. Er findet Bewegung wichtig, vor allem für regelmäßige Daddler. Er baut das Planschbecken auf, doch der einzige, der es sofort und mit Begeisterung in Besitz nimmt, ist der Spatz, während die beiden kleinen Enten auf einer Bank eingeschlafen sind vor lauter Langeweile.  Doch ein Pups, der aus Robbies Hintern kriecht verändert alles. Und im Nu ist aus einem kleinen Streit ein lebendiges Wasserspiel im Planschbecken geworden, zum Erstaunen der Entenmama und zur Freude der Kinder.

 

Manche Tage ziehen sich hin wie Kaugummi. Bis plötzlich jemand eine tolle Idee hat!

Ein Bilderbuch, das zeigt, wie gemeinsam zu spielen immer noch den größten Spaß bereitet.

 

 

Niemals ohne sie (Hörbuch)

 

 

 

Jocelyne Saucier, Niemals ohne sie (Hörbuch), Random House Audio 2019, ISBN 978-3-8371-4689-9

 

Die kanadische Schriftstellerin Jocelyne Saucier hatte schon 2015 mit ihrem ebenfalls bei Insel erschienenen Roman „Ein Leben mehr“ ein außergewöhnliches Buch vorgelegt. Der hier vorliegende Roman „Niemals ohne sie“, der in Kanada schon im Jahr 2000 erschien und ihr insgesamt zweiter Roman ist, zeigt, dass Jocelyne Saucier schon sehr früh über jene poetische Sprachmacht verfügte, die „Ein Leben mehr“ zum internationalen Bestseller machte. Mit Sicherheit werden bald auch ihr erster 1996 erschienener Roman und weitere Werke aus den Jahren zwischen 2000 und 2011 ins Deutsche übersetzt werden.

Der Roman erzählt mit verschiedenen, wechselnden und aufeinander aufbauenden Stimmen der Kinder von den Cardinals, einer wahrhaft ungewöhnlichen Familie, die am Ende aus insgesamt 23 Mitgliedern bestehen wird.

 

Die 21 Kinder der Familie bezeichnen sich als  „Die Könige von Norco“. Sie stammen alle von den gleichen beiden Eltern, die beide wenig Zeit für ihre Kinder haben. Während die Mutter von morgens bis abends mit der Versorgung der Familie und dem Haushalt beschäftigt ist, ist der Vater permanent unterwegs, um als Erzsucher die Familie irgendwie finanziell über Wasser halten. Die Kinder sind sich selbst überlassen, wachsen mit großen Freiheiten, aber ohne viel Zuwendung auf, kümmern sich um sich selbst, die Großen um die Kleinen. Rau und oft auch brutal geht es unter ihnen zu, Machtkämpfe sind ihr täglicher Alltag.

 

Sie ziehen durch die Gegend und tyrannisieren jeden, der ihnen begegnet. Sie haben vor nichts und niemand Angst und die Wildheit von antiken Helden. Als das Bergbauunternehmen Northern Consolidated eine sehr ergiebige Erzmine in Norco, die den Cardinals das Einkommen sicherte, wegen eines Preissturzes auf dem Weltmarkt aufgibt, fühlt sich die ganze Familie betrogen und sie fassen den Entschluss sich zu wehren. Eine Entscheidung mit fürchterlichen Folgen, wie sich erst am Ende zeigen wird.

 

Man hat als Leser nach den ersten vier bis fünf Kapiteln alle entscheidenden Figuren kennengelernt, Menschen die man nicht immer sympathisch finden muss. Doch die Beschreibung ihrer gegenseitigen Beziehungen und die Schilderung der innerfamiliären Dynamik haben mich von Beginn an gefesselt. Wie die einzelnen Kinder, auch lange nachdem sie sich schon von der Familie gelöst und selbstständig gemacht haben, in ihren Lebensgeschichten miteinander verstrickt sind, wird erst Zug und Zug im Laufe des Romans deutlich, in einem Fall erst ganz am tragischen Ende.

 

Mit der Familie Cardinal und ihren 21 Kindern (kann eine Frau wirklich so viele Kinder bekommen?) hat Jocelyne Saucier eine ganz erstaunliche Familie aus den unterschiedlichsten Menschen und mit ihnen eine Welt geschaffen, die aller Rauheit und allem Kampf zum Trotz den Glauben an ein selbstbestimmtes, freies und gemeinschaftliches Leben aufrechterhält.

„Niemals ohne sie“ ist ein überwältigender Roman, der den Leser in seinen Bann zieht und ihn tief berührt mit Figuren, die ihn lange nicht loslassen.

 

In der Rahmenhandlung, die in der Gegenwart, also Ende der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts spielt, kommt die ganze Familie (alle leben noch, auch die Mutter) nach Jahrzehnten wieder zusammen, weil der Vater eine Ehrung erhalten soll. Und an diesem Tag muss sich die Familie einem Vorkommnis stellen, wegen dem sie sich seit Jahrzehnten aus dem Weg gegangen sind. Aus verschiedenen Erinnerungen wechselnder Familienmitglieder im Rahmen dieses Treffens ist das Buch aufgebaut. Jeder erzählt aus seiner Sicht nicht nur die Geschichte der Familie und einzelner ihrer Mitglieder, sondern vor allem auch das lange mysteriös bleibende Schlüsselereignis, das alles verändert hat. Dass erst ganz am Ende offenbar wird, was damals geschehen ist, bevor sich die Familie in alle Winde zerstreute, ist spannend konstruiert.

 

Ein Buch, das mit seiner rauen Poesie und seiner sprachlichen Macht und Vielfalt fesselt von der ersten bis zur letzten Seite.

 

Mit den Stimmen von David Striesow, Claudia Michelsen, Anna Thalbach, Sabin Tambrea, Robert Stadlober und Benno Führmann (was für ein Top-Besetzung von bekannten und versierten Sprechern!) erzählen die Cardinal-Kinder in der hier vorliegenden gekürzten Lesung des Roman teils sanftmütig, teils wütend ihre jeweilige Gesichte und die ihrer Familie und hüten dabei lange und unerbittlich ihr Geheimnis. Durch die Leuchtkraft ihrer Stimmen entsteht mit diesem Hörbuch ein vielschichtiges und spannendes Puzzle aus Perspektiven und Erinnerungen.