Das gute Glück. Wie wir es finden und behalten können

 

 

Michaela Brohm-Badry, Das gute Glück. Wie wir es finden und behalten können, Ecowin 2019, ISBN 978-3-7110-0170-2

 

Michaela Brohm-Badry, die Autorin des vorliegenden Buches, gilt als eine der renommiertesten Wissenschaftlerinnen auf dem Gebiet der Positiven Psychologie. Sie arbeitet als Professorin an der Universität Trier mit den Forschungsschwerpunkten Motivation, Lernen und Persönlichkeitsentwicklung.

 

Nach einem einschneidenden persönlichen Erlebnis, schreibt sie ihr erstes populärwissenschaftliches Buch „Das gute Glück“.

 

Um ein wissenschaftliches Buch fertigzuschreiben zieht Michaela Brohm-Badry wohl während eines Freisemesters mit ihren Hunden in eine einsame Mühle auf dem Land. Dort findet sie die Ruhe, die sie braucht um zu schreiben. Doch schon bald sieht sie sich mit dem bisher einschneidensten Erlebnis ihres Lebens konfrontiert. Von jetzt auf gleich fährt ihr ein Schmerz wie eine Pistolenkugel in den Kopf. Weitab von anderen  Menschen bricht sie zusammen. Doch ihre Hündin Nike schubst sie eindringlich und ausdauernd und verhindert so, dass Michaele ins Koma fällt. Irgendwann schafft sie es, an eine Freundin einen Notruf zu schicken. Sie wird gerettet und eine schnelle Operation lässt sie das geplatzte Aneurysma in ihrem Gehirn überleben.

 

Wieder genesen, fragt sie sich, wie man so viel Glück haben kann und ausgehend von ihrem eigenen Schicksal und Leben beginnt sie, sich mit der Frage nach dem menschlichen Glücksempfinden auseinanderzusetzen. Sie erklärt in ihrem Buch, das sie als Ergebnis ihres populärwissenschaftlichen Nachdenkens einen breiten Publikum vorlegt,

 

 

Kann man so viel Glück haben? Die Professorin für Empirische Lehr-Lern-Forschung setzt sich nun eingehend mit dem Glück auseinander: Wir streben alle nach maximalem Wohlbefinden, nach einem sinnhaften Leben, nach Erfüllung im Privaten wie im Beruf. Glücklichsein ist des Menschen größtes Lebensziel. Doch manchen Menschen gelingt das nur unzureichend.  Sie beschreibt, dass die Forschung nachgewiesen hat, dass Glück und die Fähigkeit dazu etwa zur Hälfte genetisch bedingt ist, das heißt auch durch die entsprechende Lebenserfahrung von Vorfahren vererbt.

 

Doch was ist mit der anderen Hälfte? Die Autorin zeigt im vorliegenden Buch, in einer gut lesbaren und inspirierend gelungenen Mischung aus Forschungsbefunden, Assoziationen aus Musik, Geschichte und Literatur einerseits und zahlreichen autobiographischen Passagen, dass Glück und Glücksempfinden auch etwas ist, was der Mensch lernen kann, was wir trainieren können wie etwa ein Hobby.

 

Durch die sehr persönliche Weise, wie sie ihre Leser anspricht, ist ihr Buch nicht nur zu einem wertvollen Ratgeber für Glückssucher geworden, sondern vermittelt auch zahlreiche und hilfreiche Anregungen zu den Themen Trost, Stärke und positiver Lebensmotivation.

 

Das Buch ist in sechs Hauptteile gegliedert:

  1. Leben: Was wir wirklich brauchen
  2. Leidenschaft für Leben und Leistung: Wie wir Energie erzeugen
  3. Sehnsucht-Genuss-Befriedigung: Wie wir kriegen, was wir wollen
  4. Abgründe und Halt: Wann wir uns zerstören und was hilft
  5. Leid! Von Wellentälern und Wellenbergen
  6. Glück und Stimmigkeit: Wie wir finden, was wir suchen

 

Es ist diese absolut gelungene Mischung zwischen persönlicher und biographischer Erfahrung und wissenschaftlichen Erkenntnissen, was dieses Buch so gut lesbar und wertvoll macht für seine Leser. Sie finden vielfältige Anregungen zu den Fragen:

 

– was konkret zum Glück verhilft und wie man es festhält
– was Freiheit, Motivation und Risikofreude mit Glück zu tun haben
– warum glückliche Menschen länger leben und weniger Stress haben
– wie man sich auf das fokussiert, was man am Leben liebt.

 

Ein Buch, das aus den vielen anderen Glücksratgebern auf dem Buchmarkt wohltuend herausragt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Paul und Opa fahren Rad

 

 

Karsten Teich, Paul und Opa fahren Rad, Gestenberg 2019, ISBN 978-3 8369-5614-7

 

In diesem originell gezeichneten Bilderbuch geht es vordergründig um das Radfahren,um Fahrräder und ihre Funktionen. Über den Straßenverkehr und seine Regeln und was man auf einer Fahrradtour so alles erleben kann.

 

Im Hintergrund und zwischen den Zeilen geht es aber auch um das Verhältnis eines kleinen Jungen namens Paul (er ist als kleiner Hase gezeichnet) und seinem auf dem Land auf einem alten Bauernhof lebenden Opa (er ist als langbeinige Ente mit einem extrem langen Hals porträtiert). Denn dieser Opa weckt seinen Enkel aus dessen Urlaubslangweile ohne Kino, Eisdiele und WLAN und Schwimmbad.

 

Es gebe da einen See, sagt er zu Paul. Aber wie dort hinkommen. Sie richten für Paul ein altes unter einer Hecke verstecktes Klapprad verkehrssicher her, und dann machen sie sich auf den abenteuerlichen Weg zum See. Unterwegs erleben sie, was es alles so an verschiedenen Rädern gibt, unter anderem ein Eisrad.

 

Bergauf und bergab geht es zum See. Selbst ein Platten kann die beiden nicht aufhalten. Und eines ist sicher: dieses Abenteuer mit seinem Opa wird Paul so schnell nicht vergessen. Und er wird nicht aufhören wollen in der Zukunft mit einem eigenen Rad unterwegs zu sein.

 

 

Das Große Rennen

 

Heinz Janisch, Gerhard Haderer, Das Große Rennen, Jungbrunnen 2018, ISBN 978-3-7026-5921-9

 

Heinz Janisch, seit vielen Jahren bekannter und von Kindern und Eltern gern gelesener und vorgelesener Autor schöner, witziger und oftmals hintersinniger Bilderbücher hat zusammen mit dem in Österreich nicht weniger bekannten Zeichner Gerhard Haderer hier ein neues lustiges Bilderbuch vorgelegt.

 

Es geht um das legendäre Pferderennen der Welt, das „Race of the Champions“ in England. Alles, was dort Rang und Namen hat, ist auf der Rennbahn und den Tribünen versammelt. Man hat natürlich Wetten abgeschlossen und hofft neben dem Gesehenwerden in der Gesellschaft auch auf einen Gewinn.

 

Doch in diesem Jahr war vor dem Rennen irgendetwas anders als sonst. Eine seltsam aufgeregte und gereizte Stimmung liegt in der Luft. Eine große Unruhe hat einen Teil des Publikums ergriffen. Vielleicht haben sie gerüchteweise schon etwas gehört von der ungeheuren Neuigkeit. Irgendjemand hat beschlossen, dass in diesem Jahr keine Pferde  das große Rennen bestreiten werden, sondern Kamele. Ja, Kamele. Aus alle Teilen der Welt hatte man sie mit dem Zug, mit einem Schiff und auf Lastwagen zur Rennbahn gebracht.

 

Nun kommen sie mit kleinen Reitern aus verschiedenen Nationen auf die Bahn und nach dem Startschuss rasen Zumela, Karas, Oase, Malura, Wüstenblume und Sandsturm los.  Das Rennen ist spannend, die Führung wechselt dauernd und schon nach wenigen Augenblicken hat das wettbegierige Publikum vergessen, dass es sich in diesem Jahr nicht um Pferde, sondern um Kamele handelt. Hauptsache, meine Nummer gewinnt.

 

Als die sechs Kamele gerade auf einer Höhe sind in ihrem Lauf, bleiben sie plötzlich wie auf ein stummes Kommando hin stehen, werfen ihre Jockeys in den Sand und schütteln sich kurz danach alle vor Lachen.

 

Das zunächst konsternierte Publikum weiß nicht, wie es reagieren soll, viele schauen auf ihre Wettzettel, als ein kleines Mädchen vor der Tribüne laut ausruft:  „Alle haben gewonnen!“

 

„Mit einem Mal löste sich die Spannung auf der Tribüne. Die Aufregung und das Erstaunen verwandelten sich in befreites Gelächter.“

 

Ein hintersinniges von Gerhard Haderer ausdrucksvoll illustriertes Bilderbuch voller versteckter Ironie.

 

Sehr empfehlenswert.

 

 

 

 

 

 

Die Wiederentdeckung des Menschen

 

 

 

Andreas von Westphalen, Die Wiederentdeckung des Menschen, Westend 2019, ISBN 978-3-86489-213-4

 

Dass der Mensch wenn es darauf ankommt dem anderen Menschen ein Wolf ist, dass er quasi von Natur aus ein egoistisches, immer auf seinen eigenen Vorteil bedacht und gerade aus der dadurch entstehenden Konkurrenzsituation mit anderen seine optimale Leistung erbringen kann  – das kann als herrschende Meinung nicht nur in Wissenschaft, Politik und Wirtschaft betrachtet werden, sondern die meisten Menschen würden dieser Einschätzung aufgrund ihrer persönlichen Erfahrung hauptsächlich im beruflichen Kontext zustimmen.

 

Egoismus, Konkurrenz und Materialismus als den modernen Menschen leitende Interessen. Entspricht  dieses „kapitalistische Menschenbild“ wirklich der Natur des Menschen?

 

Der Autor des vorliegenden Buches widerlegt mit vielen Verweisen auf die wissenschaftliche Literatur vom Menschen diese Einschätzung. Seiner Meinung nach haben jene Wirtschaftswissenschaftler, die sie verbreiten, „offenbar keinerlei Anstrengung unternommen, einen wissenschaftlichen Beleg für ihre Grundannahmen über die Natur des Menschen zu suchen, auf die sie ein ganzes Gebäude errichten, von dessen strenger Wissenschaftlichkeit sie überzeugt sind…“

 

Das ist auch nachvollziehbar, denn „nichts ist gefährlicher für den Kapitalismus, der auf ständigem Wachstum basiert, als Genügsamkeit, als ein zufriedener Mensch … unsere Wünsche sollen durchaus geschürt, aber niemals dauerhaft befriedigt werden…“

 

An vielen Bespielen zeigt der Autor auf, dass der Mensch von seiner Natur her eben nicht egoistisch ist, und dass eine auf den Anderen bezogene Erziehung der Schlüssel für mehr Mitgefühl und Mitmenschlichkeit darstellt. Er zitiert Den Philosophen Richard David Precht, der darauf hinweist, dass die Wirtschaft  „einen egoistischen Hedonisten und unersättlichen Konsumenten (braucht), der niemals zufrieden und auch nie in seiner Gier befriedigt ist. Die Gesellschaft hingegen bedarf eines altruistischen, anständigen, bescheidenen und zufriedenen Mitbürgers“.

 

Und er kommt zu dem einsichtigen Schluss:  „Wir stehen heute vor der Wahl: Entweder gestehen wir offen ein, dass wir das Wirtschaftssystem nicht ändern können. Dann sollten wir aber endlich so ehrlich sein und zugeben, dass dieses fundamental der Natur des Menschen widerspricht und diese zersetzt. Oder wir beginnen endlich, die Wirtschaft dergestalt umzubauen, dass sie der Natur des Menschen entspricht und sich der Mensch nicht mehr pervertieren muss, um sich der Natur der Wirtschaft anzupassen…“

 

Ein wichtiges Buch in einer Zeit, in der das, was den Menschen wirklich ausmacht, unter dem Druck wirtschaftlicher Interessen unterzugehen droht.

 

 

Männer in meiner Lage

 

 

Per Petterson, Männer in meiner Lage, Hanser 2019, ISBN 978-3-446-26377-2

 

In der Nacht des 7. April 1990 geht die norwegische Fähre „Scandinavian Star“ mit 500 Passagieren an Bord auf dem Weg von Oslo nach Frederikshavn in Flammen auf und 159 Menschen kommen dabei ums Leben.

 

Der norwegische Erfolgsschriftsteller Per Petterson („Pferde stehlen“) lässt den Ich-Erzähler seines neuen Roman „Männer in meiner Lage“ von diesem Unglück betroffen sein, indem er die Handlung seines neuen Romans in das Jahr 1992 verlegt. Arvid Jansen, der in dem vorliegenden Buch seine Geschichte erzählt, hat bei dem Unglück nicht nur seine beiden Eltern, sondern auch einen Bruder verloren, nachdem sein anderer Bruder schon kurz vorher gestorben war.

 

Er ist verheiratet mit Turid und hat mit ihr drei reizende Töchter. Turid hat ihn verlassen und die Mädchen mitgenommen. Arvid ist Schriftsteller und lebt weiter in der ehedem gemeinsamen Wohnung. Doch obwohl er ein Stipendium bekommen hat, von dem er noch einige Zeit leben kann, ist an Schreiben nicht zu denken. Er leidet wie ein Tier unter dieser Trennung und auch der katastrophale Tod seiner Eltern und seiner Brüder holt seine Seele mit Macht ein

 

Mit vielen Rückblicken lässt Per Petterson  Arvid auf eine sehr poetische Weise erzählen, wie er sein Leben versucht in der Griff zu bekommen und die Beziehung zu seinen geliebten Töchtern nicht abreißen zu lassen. Eine Tages entdeckt er in Unterlagen, die er in der Wohnung findet, dass seine Frau Turid schon sehr lange geplant hatte, sich von ihm zu trennen und lieber ein anderes Leben mit neuen Freunden (Arvid nennt sie die „Farbenfrohen“), die Trennung aber nach dem Schiffsunglück zunächst verschoben hatte.

 

Das macht für Arvid Jansens alles nicht einfacher. Er stürzt ab und es scheint bei seinem sozialen Abstieg zunächst keinen Weg zurück zu geben, bis er unter Schmerzen wieder die Kurve bekommt und langsam die Verantwortung besonders für seine älteste Tochter Vigdis erkennt und auch übernimmt, die unter der Trennung am meisten leidet und irgendwann zu ihm in die Wohnung zurückkommt. Mit einer eindrucksvollen Sprache voller „Zweideutigkeit, Melancholie, Galgenhumor und Zärtlichkeit“ (Aftenposten) lotet Per Petterson den existentiellen Schmerz und die Konflikte eines Mannes aus, der so kräftig im Leben zu stehen schien, drei erfolgreiche Bücher geschrieben und den lukrativen Auftrag für ein viertes in der Tasche hat, und der dennoch zunächst nicht verhindern kann, dass all diese menschlichen Verluste und Abschiede ihn zusammenbrechen lassen und für immer zu zerbrechen drohen.

 

Seine oft zufälligen Begegnungen mit anderen Frauen sind nicht befriedigend und er sehnt sich zurück zu seiner Familie, weiß aber nicht, wie er sie wieder zusammenbringen kann.

 

Per Petterson hat einen tiefgehenden und ernsten Roman geschrieben über einen verzweifelten Mann und wie er, wie vielleicht viele andere „Männer in meiner Lage“ verzweifelt, voller Schmerz und dennoch mutig versucht, dem Leben und der Zukunft zugewandt sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Behutsam, fast liebevoll und warmherzig ohne sentimental zu werden nähert er sich seinem Protagonisten und lässt ihn auf eine Weise ehrlich zu sich und zum Leser sein, die an vielen Stellen betroffen macht.

 

Auch wenn der Roman in Oslo und Umgebung spielt und man viel darin über das Leben und die Menschen in Norwegen lernt, kann das Schicksal Arvid Jansens stellvertretend für all jene Männer stehen, die die Bedrohung ihrer Beziehung zu lange übersehen und dann, wenn es zu spät ist, nicht wissen, wie ihnen geschieht.

 

Ob er seine Ehe retten kann, soll hier offen bleiben, aber man darf verraten dass er seine Verantwortung wieder entdeckt, zu alter männlicher und menschlicher Stabilität zurückfindet und auch seinen neuen Roman fertigstellen kann.

 

Ein berührender Roman, der trotz allem Schmerz, den er beschreibt, so etwas wie begründete Hoffnung auf das Leben macht.

 

„Männer in meiner Lage“ ist ein Roman, wie ihn Per Petterson seit „Pferde stehlen“ so überzeugend und gekonnt nicht mehr geschrieben hat.

 

 

 

Die Uhr kann gehen. Das Ende der Gehorsamkeitskultur

 

 

Karlheinz Geißler, Die Uhr kann gehen. Das Ende der Gehorsamkeitskultur, Hirzel 2019, ISBN 978-3-7776-2788-5

 

Eine neue Zeitexistenz jenseits des Uhrzeigergehorsams stellt Karlheinz Geißler, ein Experte für Zeit und Zeitempfinden, in seinem neuen Buch als neues Paradigma vor. Es gibt im Leben Wichtigeres als pünktliches oder unpünktliches Erscheinen.

 

Ja, so zeigt Geißler, die Verpflichtung zur Pünktlichkeit zehrt an den Kräften der Betroffenen und macht sie unfrei. Auch der Anspruch nach mehr Flexibilität in der modernen Gesellschaft, beraubt die Uhr ihres angestammten Herrschaftssitzes der Zeitorganisation.

 

So wichtig die Relativierung der Uhr als die das Leben der Menschen und die Ordnung der Gesellschaft beherrschende Instanz sein mag, so sehr Geißler auch recht hat mit seiner Kritik der Gehorsamkeitskultur als ein den Menschen knechtendes Herrschaftsinstrument, so sehr bleibt aber auch für mich jedenfalls richtig und wichtig, dass man sich auf feste zeitliche Vereinbarungen verlassen kann im sozialen Leben. Es ist halt nicht egal, ob jemand zu einem Medenspiel im Tennis etwa kommt, wann er will: Es ist nicht egal, ob der Handwerker einen Termin nennt bzw. einhält oder nicht. Viele weitere Beispiele würden mir noch einfallen.

 

Gleichwohl bleibt der befreiende Hinwies des Buches gültig: sich nicht mehr länger und die Knute der Uhr zu stellen, immer mehr in eine Stunde oder einen Tag hineinzupacken und sich damit seiner Freiheit zu berauben – das tut dem Menschen nicht gut. „Pünktlichkeit und ein gutes Leben, beides lässt sich schwerlich miteinander vereinbaren.“

 

Oder vielleicht doch?

Wenn Furcht zur Phobie wird

 

 

Hans Morschitzky, Wenn Furcht zur Phobie wird, Patmos 2019, ISBN 978-3-8436-1135-0

 

Dieses Selbsthilfeprogramm des Psychotherapeuten Hans Morschitzky soll betroffenen Menschen, die unter spezifischen Ängsten und Phobien leiden, helfen sie besser zu verstehen und schließlich zu bewältigen.

 

Ob es die Angst vor Hunden ist, die Angst vor dem Zahnarzt oder dem Fahren mit einem Aufzug, die Angst in engen Räumen oder großer Höhe – in jeweils neun Schritten leitet Hans Morschitzky seine Leser durch die Bewältigung dieser Ängste, bevor sie sich zu einer Phobie auswachsen.

 

Zuvor hat er in einem ersten Teil des Buches informiert über die Furcht als einer gesunden Emotion und definiert im Anschluss in einem eher wissenschaftlichen Teil Phobien als psychische Störung und wie sie gegenüber anderen psychischen Phänomen in der Fachwelt abgegrenzt werden.

 

In einem  zweiten Teil geht es um biologische und psychologische Faktoren bei der Entstehung von Phobien. Ebenso wie der Furchterwerb ein multifaktorielles Geschehen begriffen wird,  muss auch die Bewältigung von Furcht als multifaktorieller Prozess gesehen werden.

 

Nachdem Morschitzky in einem dritten Teil die neun Schritte seines Selbsthilfekonzeptes beschrieben hat, zeigt er an insgesamt dreizehn Beispielen die Umsetzung dieser neun Schritte bei entsprechenden Ängsten (Furcht). Da geht es um:

  • Furcht vor Höhen und Tiefen
  • Furcht vor Dunkelheit
  • Furcht vor großen und tiefen Gewässern
  • Furcht vor Gewitter, Blitz und Donner
  • Furcht vor allem, was „unter die Haut“ geht
  • Furcht vor Blut, Spritzen und Verletzungen
  • Furcht vor Zahnbehandlungen
  • Klaustrophobie
  • Flugangst
  • Prüfungsangst
  • Furcht vor Erbrechen
  • Furcht vor Verschlucken und Erbrechen

 

An dieser Aufstellung mag man erkennen, dass sehr viele Menschen unter einer oder gar mehreren dieser Ängste leiden, auch wenn sie gelernt haben, irgendwie damit umzugehen.

 

Gerade ihnen könnte dieses Buch mit seinen theoretischen Erklärungen einerseits und seines zahlreichen praktischen Beispielen andererseits weiter helfen, hin zu mehr Lebensqualität und Selbstsicherheit in ihrem Lebensalltag.

 

 

 

Khalil. Flucht aus Syrien

 

 

Lukas Ruegeberg, Christel Neudeck, Khalil. Flucht aus Syrien, Butzon & Bercker 2018, ISBN 978-3-7666-2415-4

 

Christel Neudeck, die zusammen mit ihrem Mann Rupert Neudeck den gemeinnützigen Verein Cap Anamur gründete und viele vietnamesischen Bootsflüchtlingen vor langer Zeit das Leben rettete, hat seitdem nicht aufgehört, sich um Flüchtlingen überall auf der Welt zu kümmern.  Das, was im Jahr 2015 und den folgenden Jahren vielen Menschen widerfahren ist, die aus dem vom Bürgerkrieg zerrissenen Syrien fliehen mussten, um ihr Leben zu retten, hat sie in einer Geschichte erzählt, die Lukas Ruegenberg eindrucksvoll illustriert hat.

 

Es erzählt die Geschichte von Khalil, der mit seinem Onkel Baran, seiner Tante Janda und deren Baby Gilan sich auf den Weg aus Syrien heraus macht.  Nachdem Khalil erlebt hat, wie sein Freund Amin bei einem Flugzeugangriff ums Leben kommt, und er nur knapp überlegt, ist er sicher, dass er nicht zu den Soldaten will und nicht wie Amin sterben will.

 

Schweren Herzens stimmen seine Eltern seiner Flucht zu und geben dem Onkel Geld, dass er ihren Sohn mitnimmt auf den Weg nach Europa.

 

Unter großen Gefahren gehen sie den langen Weg bis zur türkischen Grenze, immer wieder bedroht von Angriffen der Soldaten. An der Grenze kriechen sie durch einen dunklen Tunnel und müssen dann für jeden 800 Dollar bezahlen, damit sie in einem Schlauchboot die gefährliche Überfahrt auf die Insel Samos wagen können. Damit das Boot nicht untergeht im Sturm müssen sie ihr ganzes Gepäck ins Wasser werfen.

 

Dann wird eindrucksvoll der lange Weg von Samos nach Athen und von dort über die sogenannte Balkanroute bis nach Deutschland beschrieben.

Viele Ängste muss Khalil ausstehen und als er mit der Familie seines Onkels endlich glücklich in Deutschland angekommen und dort von vielen Menschen willkommen geheißen wird, da ist ihm klar, dass er zwar in Sicherheit ist, dass es aber in der Zukunft im neuen Land schwer für ihn werden wird. Doch es wird Menschen geben, die ihm helfen werden.

 

Zu dieser menschlichen Hilfe lädt auch der Erzbischof von Köln Rainer Maria Woelki in seinem Vorwort ein, das er für dieses beeindruckende Bilderbuch geschrieben hat.

 

Die großen Fluchtwellen sind vorbei. Mittlerweile haben die vielen Khalils schon recht gut Deutsch gelernt und vielleicht auch schon eine Ausbildung begonnen und sich erfolgreich in ihrer neuen Heimat integriert. Doch die Angst bleibt. Schon fordern erste politische Stimmen, dass syrische Flüchtlingen wieder zurück ihr Land gebracht werden sollten, um dort den Aufbau des Landes zu unterstützen. Was würde dort unter der nach wie existierenden Herrschaft Assads mit ihnen geschehen?

 

Deshalb ist das vorliegende Bilderbuch nach wie vor aktuell.

 

 

 

 

Petterson und Findus. Schau mal, was ich kann, Petterson

 

 

 

Sven Nordqvist, Petterson und Findus. Schau mal, was ich kann, Petterson, Oetinger 2019, ISBN 978-3-7891-1295-9

 

Lange haben viele Kinder und auch erwachsene Fans auf das neue Bilderbuch von Sven Nordqvist mit dem alten Petterson und seinem schlauen Kater Findus gewartet.

 

Nun liegt er im Oetinger Verlag, der auch die bisherigen Bücher über die beiden veröffentlicht hat, unter dem Titel „Schau mal, was ich kann, Petterson!“ vor.

 

Wieder von ihrem Schöpfer warmherzig und mit vielen komischen und lustigen Details gezeichnet, erzählt das neue Bilderbuch davon, wie an einem ganz normalen Tag auf dem Hof der beiden plötzlich Findus auf die Idee kommt, Petterson alle möglichen Kunststücke vorzuführen und der alte Mann meist vergeblich versucht, das nachzumachen.

 

Doch irgendwann wird das Findus langweilig, und er fragt Petterson: „Aber was kannst du denn dann, Petterson?“  Und der zeigt seiner Katze, wie er einen Picknickkorb packt, den Kater im Bollerwagen an den See zieht, mit ihm im Boot zu ihrer geliebten Insel rudert und dort das Picknick auspackt.

„Was du für tolle Sachen kannst, Petterson“, sagt Findus beeindruckt.

 

Ein witziges Bilderbuch mit einer schönen Botschaft. Jeder kann irgendetwas besonders gut.

Im Gegensatz zu den bisherigen Büchern von Petterson und Findus gibt es bei dem neuen leider keine fortlaufende Geschichte. Es geht ausschließlich darum, welche Kunststücke Findus vorführen kann und um das Picknick das Petterson inszeniert.

 

Das ist etwas schade. Vielleicht gibt es im nächsten Bilderbuch wieder ein spannende und lustige Geschichte mit den beiden Klassikern.

 

 

 

 

Mein großes Buch vom Fliegen

 

 

Sophie Bordet-Petillon, Marc-Etienne Peintre, Mein großes Buch vom Fliegen, Gerstenberg 2019, ISBN 978-3-8369-5653-6

 

Mit über 50 Spielelementen zum Schieben, Ziehen, Drehen und Auf- und Zumachen wird dieses schwergewichtige Sachbilderbuch über Flugzeuge und das Fliegen, das zuerst 2017 in Frankreich erschienen ist, nicht nur zu einer spannenden und informativen Beschäftigung, sondern auch zu einem interaktiven Erlebnis für die Kinder, die ab dem Grundschulalter dieses Buch immer wieder zur Hand nehmen können und dabei jedes Mal eine neue Entdeckung machen können.

 

Dieses Buch im Riesenformat lädt sie zum Anschauen und Ausprobieren ein und beantwortet alle neugierigen Fragen rund um diese faszinierende Welt. Kleine Flugfans dürfen hinter die Kulissen des Flughafens schauen, ins Cockpit steigen, spektakuläre Flugmanöver am Himmel vollführen und wagemutige Flugpioniere kennenlernen.

 

Auf insgesamt 9 Doppelseiten ermöglicht das Buch vielfältige Informationen, technische Details und viele weitere Entdeckungen rund um Flugzeuge, Flughäfen und das Fliegen.

 

Sie werden mit diesem Sachbilderbuch jedem Kind, das sich für Flugzeuge interessiert, eine große Freude machen, denn es wird es über Jahre seiner Kindheit immer wieder in die Hand nehmen und jedes Mal etwas Neues daraus lernen.