Schlagwort-Archiv: Bilderbuch

Henriettes Heim für schüchterne udn ängstliche Katzen

 

 

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Alicia Potter, Brigitte Sif, Henriettes Heim für schüchterne und ängstliche Katzen, Gestenberg 2016, ISBN 978-3-8369-5888-2

 

Henriette ist eine gute Frau. Und sie liebt Katzen. Eines Tages hat sie eine Idee, und sie eröffnet ein Heim für schüchterne und ängstliche Katzen. Zunächst zweifelt sie stark daran, ob ihr Angebot überhaupt angenommen wird, doch schon bald bringen die Menschen ihre Tiere zu ihr. Katzen, die vor Mäusen wegrennen, Angst haben vor Vögeln, nicht springen oder schnurren können. Lauter nutzlose und hoffnungslose Fälle in den Augen ihrer Besitzer. Doch auch viele streunende Katzen finden den Weg in Henriettes Heim und zu guter Letzt auch Krümel, die allerängstlichste Katze von allen.

Henriette unterrichtet ihre Katzen und hat Verständnis für die, die erst einmal nur zuschauen wollen. Den kleinen Krümel schließt sie ganz besonders in ihr großes Herz. Sie gesteht ihm, dass auch sie Angst hat, besonders vor Pilzen und Eulen. Und Krümel saugt jedes ihrer Worte auf. „Eines Tages so hoffte er, würde er den Mut finden, ihr zu danken.“ Doch könnte er je mutig sein?

Schon bald ergibt sich die Gelegenheit dazu. Als im Haus die Milch ausgeht, muss Henriette noch am Abend das Haus verlassen, um neue Milch zu holen und sagt zu Krümel, sie sei gleich zurück. Doch unterwegs stürzt sie in einen Graben. Voller Angst sieht sie einen Haufen Pilze um sich herum und auf den Bäumen sitzen Eulen über ihr.

Die Katzen im Haus machen sich Gedanken. Doch sie wissen nicht, was man tut, wenn der Mensch, den man lieb hat, plötzlich verschwunden ist.

Da allein Krümel weiß, wo Henriette hingegangen ist, fasst er sich ein Herz, macht einen Buckel, krümmt den Schwanz, und dann führt er eine lange Reihe von Katzen durch den Wald. Und sie finden und retten Henriette in einer beispiellosen Aktion.

Und Krümel ist überglücklich…

Ein schönes Bilderbuch, das schüchternen und ängstlichen Kindern zeigen kann, dass in jedem genug Mut steckt für Ungewöhnliches.

Jessicas Box

 

 

 

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Peter Carnavas, Jessicas Box, Carl Auer 2014, ISBN 978-3-8497-0028-7

Die kleine Jessica soll in die Schule kommen. Mit großen Erwartungen blickt sie ihren ersten Schultag entgegen, hat aber auch Ängste und  Befürchtungen. Das, was fast allen Kindern (und Eltern!) vor dem ersten Schultag durch den Kopf geht, Fragen, ob man eine Freund finden wird, ob man von den anderen Kindern gemocht werden wird, so wie man eben ist, all das beschäftigt auch die kleine Jessica.

Um nichts dem Zufall zu überlassen, packt sie ihren Teddy in eine Box und zeigt ihn in der Schule den anderen Kindern. Die halten sich schon für groß und unterdrücken nur mühsam ein abschätziges Lachen.

Am nächsten Tag nimmt sie Doris mit, ihren Hund. Der findet natürlich sofort die Aufmerksamkeit aller Kinder und Jessica sonnt sich darin. Doch da der Hausmeister etwas gegen Tiere in der Schule hat, ist ihr für die Zukunft auch diese Möglichkeit versperrt.

Jessica ist traurig und verkriecht sich in ihre Kiste. Da findet sie ein  Junge, ruft: „Hab dich gefunden!“ und im Nu sind sie beide in einem schönes Versteckspiel engagiert. Und sie hat einen neuen Freund!
Als sie nach Hause kommt, sagt der Großvater: „Da musst du ja heute etwas ganz Besonderes in deiner Box gehabt haben.“ Und ob.

Mit einfühlsamen Texten und ansprechenden Illustrationen beschreibt Peter Carnavas, warum man nicht gemocht wird wegen der Dinge, die man besitzt, sondern um seiner selbst willen.

„Menschen denken in Geschichten. Das gilt für Erwachsene wie für Kinder. Geschichten ermöglichen, unterschiedliche Menschen und ihre Verhaltensweisen, die Beziehungen zwischen ihnen und deren Veränderung im Laufe der Zeit darzustellen und zu erfassen, erlebbar zu machen – Liebe und Streit, Glück und Unglück. Ein Mensch, der eine Geschichte hört oder liest, identifiziert sich – bewusst oder unbewusst – mit den Personen in dieser Geschichte. Die psychische Entwicklung des Einzelnen wird unter anderem davon bestimmt, in welchen Geschichten er sich selbst sieht oder erlebt. Wer sich als Akteur in einer Geschichte mit einem unglücklichen Ausgang sieht, wird anders handeln als derjenige, der sich in einer Geschichte mit einem glücklichen Ausgang sieht.“
Das ist das Credo der Reihe, in der auch das hier angezeigte Buch erschienen ist und die bisher ausnahmslos sehr wertvolle Bilderbücher aufgenommen hat.

Prinzessin Pauline zieht los

 

 

 

 

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Anke Gasch, Prinzessin Pauline zieht los, Annette Betz 2015, ISBN 978-3-219-11665-6

 

Bilderbücher und Kinderbücher für Mädchen mit dem Thema „Prinzessin“ stehen seit langem bei Müttern mit feministischem Hintergrund im Verdacht, ihre Töchter auf falsche Lebenspuren zu setzen. Das Träumen vom schönen und reichen Prinzen, der die Prinzessin in sein schönes Schloss führt, feiert aber in allen möglichen Formaten (z.B. „Der Bachelor“) seit langem für junge und erwachsene Frauen fröhliche Urständ.

Wie dem auch sei, die Hauptfigur in dem vorliegenden Bilderbuch von Anke Gasch, das Stefanie Jeschke eigenwillig illustriert hat, passt so gar nicht in dieses Schema. Denn Prinzessin Pauline-Josefine Langemiene dreht den Spieß um. Zwar hat sie einen Kleidertick, der ihren Eltern ganz schön auf die Nerven geht, der aber wohl bei weiblichen Menschenkindern in den Genen zu stecken scheint, doch sonst entspricht sie so gar nicht dem Bild einer kleinen „Tusse“.

Denn als ihr Prinz, den sie kurz davor getroffen und kennengelernt hat, von einem Drachen entführt wird, ist ihr Entschluss schnell gefasst. Mit vier(!) Koffern voller Kleider bricht sie auf, um ihren Prinzen zu retten. Und selbst für einen Kampf mit dem Drachen ist sie kleidertechnisch gut gerüstet….

Ein schönes Bilderbuch (nicht nur) für kleine Mädchen und Prinzessinnen.

 

Nasebohren ist schön

 

 

 

 

 

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Daniela Kulot, Nasebohren ist schön, Thienemann 2016, ISBN 978-3-522-45806-1

Schon 1996 ist dieses Bilderbuch von Daniela Kulot zum ersten Mal bei Thienemann erschienen. Zum 20. Geburtstag ihres Buches hat sie völlig neu illustriert. Schon in diesem frühen Buch hat sie mit ihrem fröhlichen und eigenwilligen Humor gezeigt, dass Bilderbücher auch etwas aufmüpfiges, Widerständiges und Erwachsenenkritisches haben können.
Denn „Nasebohren ist schön“ ist nur etwas für unerschrockene Eltern. Der Grund wird schon im Titel verraten. Immerhin bricht das Bilderbuch mit einem Tabu, mit dem auch unter Kindern immer gern gebrochen wird. Und es gibt durch eine überraschende Wende eben jenen Kindern die besten Argumente für den Tabubruch an die Hand.
Daniela Kulot macht das sehr hintersinnig. Denn sie hat sich einen überaus sympathischen Helden ausgesucht. So sieht man auf dem ersten Bild einen kleinen, fröhlichen Elefanten auf dem sonnendurchfluteten Teppich mit dem Finger genüsslich im Rüssel bohren. Dann folgt die Zeichnung einer glücklichen Maus aus der Nachbarschaft, die als Nasebohrerinstrument überaus erfinderisch ihren Schwanz benutzt. Anschließend sieht man einen geknickten kleinen Frosch, der liebend gerne in der Nase bohren würde. Aber dem Frosch hat es die Mama streng verboten.
Weil der Frosch aber nicht weiß, warum das Nasebohren verboten sein soll, macht er sich mit seinen beiden Freunden auf die Suche nach dem Grund. Wer den Finger in die Nase steckt, kriegt ihn „niiie wieder raus!“, erklärt Frau Frosch. Papa Maus droht mit einer schmerzhaften, gar „entsetzlichen Nasenspitzenwurzelentzündung“.  Und die Elefanteneltern kontern auf die bohrenden Fragen der Kleinen mit der Gefahr von akutem Rüsselbruch. Aber dann gehen die Kinder weiter zu ihren Großeltern. Und die bohren selber in der Nase. Und bei denen ist alles heil geblieben und sie erfreuen sich bester Gesundheit und Laune.

Eltern die dieses Buch zulassen und sich seiner pädagogischen Gefährlichkeit aussetzen, sollten damit rechnen, dass das Nasebohren und seine soziale Ächtung von ihren Kindern als Beispiel genommen werden wird für die Infragestellung weiterer bislang unhinterfragter  Regeln und Normen.

Viel Spaß beim Diskutieren!

Emma kauft ein

 

 

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Alice Melvin, Emma kauft ein, Kunstmann 2015, ISBN 978-3-95614-034-1

 

Eine lange und insgesamt zehn Sachen umfassenden Liste hat sich die kleine Emma gemacht, bevor sie sich auf ihre Einkaufstour durch die Stadt macht.

Sie will eine gelbe Rose, einen Gartenschlauch, Trauben, Rollschuhe, einen Kakadu, ein Metallkazoo, einen Teppich, einen Krug, ein Törtchen und einen Lolli. Doch es ist nicht etwa ein Einkaufszentrum, das sie aufsucht, sondern sie besucht viele kleine Geschäfte. Die finden die Kinder, die dieses Buch anschauen und seinen in wunderbaren Reime verfassten texte vorgelesen bekommen, indem sie auf jeder neuen Seite eine weitere aufklappen. Schon von außen sehen diese Läden toll aus, und inne drin sieht man sich hineingenommen in zauberhafte Welten mit tausend zauberhaften Dingen.

Emma findet alles, wobei ihr die das Buch betrachtenden Kinder natürlich mithelfen sollen, nur gelbe Rosen findet sie nicht. Oder doch? Wartet bis zur letzten Seite!

Ein wunderbares Bilderbuch, mit Reimen, die Susanne Weber gelungen ins Deutsche übertagen hat. Eine Hommage an die alte, warme Welt der kleinen Läden und des Einkaufens.

Auf Wiedersehen kleiner Vogel

 

 

 

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Maja Bach, Auf Wiedersehen, kleiner Vogel, Coppenrath 2015, ISBN 978-3-649-62102-7

 

Eine ganz zarte und wunderbar poetische Geschichte über das Abschiednehmen und den Tod hat Maja Bach in diesem schönen Bilderbuch geschrieben und gezeichnet.

Als Lotta und Ole, die etwa fünf Jahre alt sind, zusammen mit dem schon sieben Jahre alten Paul auf der Wiese im Garten Herbstindianer spielen, da entdeckt Ole plötzlich einen toten Vogel auf dem Boden. Die beiden anderen Kinder kommen schnell gelaufen, und dann entwickelt sich zunächst ein lebhaftes Gespräch über ihren Fund, bei dem der schon ältere Paul den beiden Kleinen einiges zu erzählen weiß, wie das so ist, wenn man tot ist.

Über viele Fragen denken die Kinder dann nach und finden Antworten. Sie erinnern sich an die Beerdigung von Lottas Oma und finden in den Ritualen der Erwachsenen, an die sich Lotta noch gut erinnern kann, Anhaltspunkte für ihr eigenes Ritual, mit dem sie den kleinen toten und zerzausten Vogel zurechtmachen und ihm ein würdiges Grab schaufeln.

Und damit der Vogel auch gut im Himmel ankommt, schicken sie Lottas Oma eine Nachricht dorthin, dass sie ihn gut empfangen soll.

Eine wunderbar leichte Geschichte zu einem schwer anmutenden Thema ist Maja Bach da gelungen, die sehr gut geeignet ist, mit Kindern in ein Gespräch über Sterben und Tod zu kommen, insbesondere dann, wenn die Kinder damit konfrontiert sind.

 

 

Endlich Cowboy

 

 

 

 

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Antje Szillat,  Endlich Cowboy,  Coppenrath 2015, ISBN  978-3-649-62090-7

Obwohl, wie mir scheint, die Zahl von Kindern und Jugendlichen  erheblich abgenommen hat, die, wie der  Rezensent in seiner Jugend, die Bücher von Karl May, Friedrich Gerstäcker und anderen im Dutzend verschlingen, gibt es immer  wieder mit jeder neuen Generation Kinder, Jungen und Mädchen, die sich begeistern für Cowboys und Indianer.

Insbesondere für sie haben Antje Szillat  und  Ute Simon das vorliegende Buch gemacht, in dem ein kleiner Junge  von seinem  Cowboyvater im Lassowerfen unterrichtet wird  und beim Üben ein Indianermädchen kennenlernt. Als sie gemeinsam in einer großen  Anstrengung einen kleinen Waschbären vor dem Ertrinken retten, steht ihrer Freundschaft nichts mehr im Wege.

Das Cowboyleben ist spannend und so sinken alle am Abend müde in einen wohlverdienten Schlaf.

Am Nordpol ist alles wieder gut

 

 

 

 

 

 

 

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Helga  Bansch,  Am Nordpol ist alles wieder gut, Nilpferd 2015, ISBN  978-3-7074-5170-2

In ihrem neuen Bilderbuch erzählt die österreichische Künstlerin Helga Bansch die Geschichte eines kranken Jungen namens Leppo und seinen Eltern. Seinen Vater nennt er Peppo, und der und seine Mama machen sich große Sorgen, als Leppo wieder einmal mit Fieber in seinem Bett liegt. Während  die Mama Tee bringt und Wadenwickel macht, fragt Peppo seinen  Sohn, ob er sich etwas wünschen möchte. „Die Welt will ich sehen“, murmelt Leppo.

Sein Vater ist ein kluger und phantasievoller  Mann und lässt sich darauf ein. Wahrscheinlich während der Vater  phantastische  Reisegeschichten erzählt und sie mit wunderbaren Bildern ausmalt,  folgt ihm sein Sohn und sie durchziehen die Welt. Sie queren die Wüste mit Hitze und Kälte, durchkämmen den Regenwald,  tauchen mit einem U-Boot und steuern einen Eisbrecher in der Nähe des Nordpols.

Als Leppo am nächsten Morgen  aufwacht,  geht es ihm schon viel besser. Aber der Vater muss am nächsten Abend wieder erzählen.  Das kann Ihnen mit diesem typischen Bansch-Buch auch passieren,  wenn sie es Ihrem Kind schenken.

Tante Brauns Geburtstag

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Elsa Beskow, Tante Brauns Geburtstag, Urachhaus 2015,ISBN 978-3-8251-7942-7

 

Elsa Beskow gehörte zu Beginn des letzten Jahrhunderts  in Schweden zu den bekanntesten Kinderbuchautoren. Besonders ihre Geschichten von Tante  Grün, Tante Braun und Tante  Lila waren damals große  Erfolge und jedes Kind kannte ihre Figuren.

Seit einigen Jahren macht es sich der Urachhaus-Verlag in Stuttgart zur verlegerischen Aufgabe, die Bilderbücher von Elsa Beskow wieder aufzulegen und sie einem Leserkreis heutiger Eltern und ihrer Kinder nahezubringen.

Das vorliegende  Bilderbuch aus der Reihe um die bunten Tanten erzählt die lustige und turbulente Geschichte von Tante Brauns Geburtstag,  wo nach einem normalen Beginn plötzlich alles drunter und drüber geht und am Ende sogar ein Dieb gefangen werden muss….

 

Wie die anderen  Bücher besticht auch dieses hier neben den  nachkolorierten Bildern durch seine schönen Scherenschnitte.

Mein großes Bibel-Wimmelbuch

 

 

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Antonie Schneider, Mein großes Bibel-Wimmelbuch,  Coppenrath 2012, ISBN  978-3-8157-2175-9

 

Dieses schöne Bilderbuch ist hervorragend dazu geeignet,  kleinen Kindern die Welt der Bibel in ausgewählten und in verständlicher Sprache gehaltenen Texten sowie mit wunderbaren zum Entdecken einladenden  Wimmelbildern aufzuschließen.

Jeweils drei oder vier  Geschichten aus der Bibel, die inhaltlich zusammengehören werden am rechten Rand  einer ausklappbaren Doppelseite erzählt und links in einer bunten Welt bildlich dargestellt. Die zauberhaften  Wimmelbilder zeigen den  Kindern  die Welt dieser Erzählungen  und laden sie ein, die jeweiligen Einzelgeschichten zu identifizieren:

* Vom Anfang der Welt

* Die Geschichte  von Josef

* Die Geschichte von Mosel

* Von David,  Daniel und Jonas

* Die Geschichte von Jesus

* Das Osterwunder

Ich halte die getroffene Auswahl für gelungen  und kann das Buch für Kinder ab etwa 2 Jahren nur empfehlen.