Die Spur des Lichts

 

 

 

 

Andrea Camilleri, Die Spur des Lichts. Commissario Montalbano stellt sich der Vergangenheit, Lübbe 2017, ISBN 978-3-7857-2586-3

 

Der vorliegende Roman mit Commissario Montalbano aus Vigata in Sizilien ist der nunmehr 19. ins Deutsche übersetzte einer Reihe, die ihr Schöpfer Andrea Camilleri, mittlerweile 92 Jahre alt, in Italien schon auf 24 Bände ausgeweitet hat.

 

Ich habe alle bisher erschienenen Bände vom ersten Band „Die Form des Wassers“ bis zum dem aktuellen vorliegenden in Italien zuerst 2011 erschienenen gelesen, und ich muss sagen, dass ich selten in einer Krimireihe (die meisten mit deutlich weniger Bänden) so wenig qualitative Unterschiede gesehen habe wie bei Camilleri.

 

Obwohl die Besetzung bis auf unwesentliche Veränderungen in seinem Ermittlerteam immer gleich bleibt, ist es jedes Mal ein Genuss zu lesen, wie Montalbano etwa seinen Vorgesetzten mit dessen eigenen Mitteln austrickst oder wie sein tolpatschiger Assistent Catarella jeden Namen verwechselt, der ihm unter die Nase kommt.

 

In den letzten Bänden spielt Camilleri immer wieder mit dem Thema Alter. Montalbanos Zwiegespräche mit seinem Alter Ego deren sich immer mehr um seine Vergesslichkeit und seine abnehmende Energie.

Doch dann zeigt sich der auf sie sechzig zugehende Commissario wieder wie im vorliegenden Band von seiner besten Seite, lässt sich von ermittlungstechnischen Sackgassen nicht entmutigen und stellt wieder einmal fest, dass seine Libido noch nicht erloschen ist.

 

Lange habe ich mich in den letzten Jahren gefragt, warum Montalbano  immer noch jeden Abend mit seiner Freundin Livia telefoniert, obwohl er jedes Mal mit ihr in einen  Streit gerät. Man spürt, dass Montalbano sie durch die Zeiten aufrichtig liebt. Und nach der Lektüre dieses Buches, in dem Camilleri viel Einblick gibt in Montalbanos Vergangenheit, auch seine Geschichte mit Livia, weiß man auch warum. Ich glaube jedenfalls mittlerweile nicht mehr daran, dass Camilleri an dem Beziehungsstand der beiden in den insgesamt fünf in Italien schon erschienenen, aber noch nicht ins  Deutsche übersetzte Bände, etwas ändern wird, auf die  sich alle Freunde dieses Commissarios, der nach wie vor gutes Essen und guten  Wein goutiert, in den nächsten Jahren freuen können.

 

Europa in der Krise

 

 

 

 

Bodo Hombach, Edmund Stoiber (Hg.) Europa in der Krise. Vom Traum zum Feindbild, Tectum Verlag 2017, ISBN 978-3-8288-3854-3

 

Als die beiden Herausgeber dieses Buches, beides erfahrene Politiker und Publizisten, ihre Veröffentlichung planten und um Beiträge deutscher Politiker und Journalisten baten, da war die Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen noch nicht gefallen und es war auch noch lange nicht klar, dass es in Frankreich im ersten Wahlgang zur Präsidentschaft ein so enges Rennen geben würde.

 

Nun, nachdem die Briten draußen sind, und Macron als überzeugter aber kritischer Europäer es gestern geschafft hat, kann man die Beiträge dieses Buches noch einmal genauer lesen und ihre dringenden Warnungen und Empfehlungen zu nachhaltigen Reformen der politischen Union ernst nehmen.

 

Denn die heftigen Vorgeplänkel vor den Austrittsverhandlungen und die weitreichenden Vorschläge, mit denen Macron die EU verändern will, zeigen, dass die Idee eines gemeinsamen Europa längst nicht mehr von allen, insbesondere den neuen im Bunde geteilt wird.

 

Es gibt auch ohne Brexit und Le Pen heftige Disruptionen unter den verblieben 27 Staaten und mir persönlich scheint es schon längere Zeit fraglich, ob es gelingen wird, die zu managen. Joschka Fischer wies schon 2014, lange vor der Flüchtlingskrise, in seinem Buch “Scheitert Europa?“ auf die Schwierigkeiten hin.

 

Die Lehre, die er als ehemaliger Außenpolitiker und Verfechter der europäischen Idee aus seinen Überlegungen zog war klar und überzeugend:

Der Weg zu dem Ziel der Vereinigten Staaten von Europa muss konsequent weitergegangen werden, wobei ein ganz besonderer Wert gelegt werden muss, auf die Herausbildung einer europäischen Demokratie. Deutschland und Frankreich machte er dabei als entscheidende Faktoren dafür aus, ob dieser Prozess gelingt.

 

Doch war damals schon skeptisch und schrieb:

 

„Ich muss gestehen, dass ich bei aller Würdigung des Buches, sehr skeptisch bin, ob dieser Prozess gelungen kann. Zu schnell, zu unüberlegt ist die EU in den letzten zehn Jahren durch Länder erweitert worden, die weder ökonomisch noch rechtsstaatlich in diesen Kreis passten. Zu eigennützig und nationalistisch agieren viele Ländern, als dass man sich ernsthaft vorstellen könnte, sie wären bereit, noch mehr nationalstaatliche Kompetenzen an eine zentrale europäische Regierung abzugeben. Die vielen eurokritischen  und -feindlichen Parteien in den meisten Mitgliedsstaaten kommen ja nicht von ungefähr. Sie drücken eine Stimmung in der Bevölkerung aus, die für die Zukunft Europas in Fischers Sinne wenig Gutes erwarten lässt.

 

Alles, was in der Zwischenzeit passiert, bestärkt mich in dieser Skepsis. Dennoch stimme ich den meisten Autoren des vorliegenden Buches zu, dass man unbedingt dafür kämpfen muss, Europa zusammenzuhalten.

Der letzte Überlebende

 

 

 

Sam Pivnik, Der letzte Überlebende, Theiss Verlag 2017, ISBN 978-3-8062-3478-7

 

„Der letzte Überlebende“ ist eine wahre Geschichte. Es sind die Aufzeichnungen des Sam Pivnik, der Ausschwitz als einziger aus seiner Familie überlebt hat und heute in einem Seniorenheim in London lebt.

 

Mehrfach ist er nach seiner Deportation nach Auschwitz und nach seiner Befreiung dort dem Tod entkommen, zuletzt bei der Bombardierung der „Cap Arkona“. Was bewegt einen Menschen, der am Ende seines Lebens steht, all das Grauen, das er durch die Judenverfolgung, dem Lager in Ausschwitz und auch nach der Befreiung des Lagers erlebt hat, weiterzugeben? Über eine Zeit zu sprechen, die er sein Leben lang nicht vergessen kann.  Er hat mit diesem bewegenden Buch, das im Rezensenten die Erinnerung an die Bücher von Primo Levi wachrief, die er vor Jahrzehnten las, seiner Nachwelt ein Dokument hinterlassen, das helfen soll, dass das Grauen und die Hölle des Holocaust niemals in Vergessenheit geraten.

 

Die Lektüre ist ähnlich wie bei Primo Levi ein hartes Stück emotionaler Arbeit, aber auch intellektuell sieht man sich mit der immensen Herausforderung konfrontiert, dass all das Geschehene nicht wirklich verstanden werden kann. Es ist so weit außerhalb dessen, was wir für unser Menschsein für konstitutiv halten, dass man schier den Verstand verlieren kann.

 

Nie wieder – das ist der Ruf aller Antifaschisten seit dem Zweiten Weltkrieg – und dennoch ist der Schoß, aus dem all dieses Grauen einst kroch, heute so fruchtbar wie nie zuvor seit dieser Zeit.

Möge dieses Buch für die Leser der Generation, die mit Primo Levis Bücher nichts mehr anfangen können, sie auch gar nicht kennen, eine Geschichtsstunde sein, die sie nie vergessen werden.

 

 

Sonst knallt`s

 

 

 

Götz Werner, Matthias Weik, Marc Friedrich, Sonst knallt`s, Eichborn 2017, ISBN 978-3-8479-0634-6

 

Ihre beiden ersten Bücher „Der größte Raubzug der Geschichte“ und „Der Crash ist die Lösung“ und „Kapitalfehler“  waren Bestseller, die aber trotz hoher Verkaufszahlen in der Kritik und den Wirtschaftsteilen unserer Medien kaum vorkamen.

 

Wie bei in den bisherigen Büchern auch bestechen die Autoren in ihrem neuen Buch „Sonst knallt`s“  durch einen systematischen Aufbau, durch verständliche Sprache und übersichtliche Gliederung. Und noch einmal möchte ich wiederholen: Es wäre an der Zeit, dass die sich kritisch gebenden Magazine der Fernsehsender solche kritischen Bücher zur Kenntnis nehmen und in ihren Beiträgen entsprechend würdigen.

 

Vielleicht hilft es, dass sie dieses Mal einen erfolgreichen deutschen Unternehmer mit ins Autorenboot geholt haben. Mit Götz W. Werner, dem Gründer der dm-Drogeriemarktkette, haben sie einen Unternehmer gewonnen, der auf Kooperation, selbständiges Arbeiten und die Entwicklung seiner Angestellten setzt und sich immer wieder mit eigenen Ideen in die Debatten unseres Landes einmischt.

 

Mit „Sonst knallt`s“ analysieren die drei Autoren eine Wirtschaft und Gesellschaft, die aus den Fugen geraten zu sein scheint. Eine Welt, in der eine winzige globale Finanzelite gigantische Blasen illusionären Reichtums produziert und von der Politik daran nicht gehindert wird. Sie verspielen mit ihrem Wirken nicht nur unseren Wohlstand, sondern zunehmend und systematisch auch unsere Demokratie.

 

Das kleine Buch, das man schnell und mit staunendem, mehr und mehr auch empörtem Interesse liest, zeigt „warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“. Der EU und dem Euro haben sie schon lange den Abschied gegeben. Sie postulieren eine Wirtschaftsform, die nicht mehr die Leistung (Einkommen) eines Menschen der Steuer unterwirft, sondern den Konsum. Sie begründen, warum sie ein bedingungsloses Grundeinkommen, für das sich Götz Werner schon lange einsetzt, und die strikte Regulierung der Finanzmärkte nicht nur für gerechter halten, sondern auch ökonomisch vernünftiger. Und sie sagen, wenn jetzt nicht bald gehandelt wird, dann wird es einen furchtbaren Knall geben.

 

Dennoch halte ich das Konzept für unausgegoren und in sich stellenweise widersprüchlich. Wenn nur noch der Konsum besteuert werden, soll, wieso plädieren die Autoren für eine Finanztransaktionssteuer zum Beispiel? Auch die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens hat mich auch dieses Mal nicht überzeugt. Ich halte dieses Konzept für keines, auf das man ein Wirtschaftssystem aufbauen könnte.

 

Vielleicht hätten die drei Autoren sich dem Erfolgsdruck, nun schnell wieder ein Buch auf den Markt zu werfen, nicht beugen sollen. Dann wäre das Buch vielleicht etwas umfangreicher geworden, sie hätten aber auch einmal an Beispielrechnungen erklärt, wie jemand mit 1000 Euro Grundeinkommen und sehr hoher (50% und mehr) Mehrwertsteuer sein Leben fristen soll. Vielleicht als billige Arbeitskraft in einem dm-Markt?

 

 

 

 

So wie du

 

 

 

 

Stefan Gemmel, Marie-Jose Sacre, So wie du, Carl Auer 2017, ISBN 978-3-8497-0178-9

 

In ihrem ersten Buch mit dem Drachen Bodo hatten Stefan Gemmel und Marie-Jose Sacre 2016 das Thema Mobbing für Kinder aufbereitet.

Es war ein wunderbares, Mut machendes Bilderbuch gegen Mobbing Ausgrenzung, Vorgänge die schon im Kindergarten beginnen. Ein Buch das Kindern half, sich selbst zu finden und innere Stärke zu entwickeln, etwa bei einem Gespräch nach dem Vorlesen darüber, was denn von jedem einzelnen Kind für die ganze Gemeinschaft wichtig und unverzichtbar ist.

 

Hatte es Bodo, ein großer freundlicher Drache, der letzte seiner Art, der friedlich und glücklich im Wald von Tohuwabohu lebt und mit allen Tieren befreundet ist, spricht, lacht und spielt, damals hauptsächlich mit dem Löwen zu tun, spielt in dem neuen Buch eine kleine Maus die zweite Hauptrolle, mit der sich eines Tages befreundet. Sie kommen ins Gespräch darüber, dass ihre jeweilige Größe ihnen manches ermöglicht, anderes aber nicht.

Und sie gestehen sich gegenseitig: „Ich wäre gerne so wie du.“ Sie beschließen, sich zusammenzutun, und aus ihren jeweiligen Schwächen gemeinsame Stärken zu machen. Und so kommt der Drache Bodo an seinen geliebten Honig, die Maus ein frische Äpfel und der Löwe lernt eine Maus kennen, die brüllen kann wie ein Drache und nimmt schnell Reißaus.

 

Ein schönes Bilderbuch mit liebenswerten Figuren, von denen man gerne noch mehr hören und lesen würde.

 

 

 

Das sind deine Rechte

 

 

 

 

Anke M. Leitzgen, Das sind deine Rechte, Beltz & Gelberg 2017, ISBN 978-3-407-82178-2

 

 

Schon in ihrem 2012 zusammen mit Lisa Rienermann bei Beltz & Gelberg veröffentlichten Buch „Erforsche deine Welt“  und in vielen weiteren hat die Autorin Anke M. Leitzgen gezeigt, wie man Kinder bis 14 Jahren für ein  Thema begeistert.

 

Auch ihr neues Buch, ebenfalls bei Beltz & Gelberg erschienen, richtet sich an Kinder und Jugendliche bis etwa 14 Jahre und klärt sie auf über ihre Rechte.

 

In insgesamt zehn Kapiteln, in denen  sie auch immer wieder Psychologen,  Therapeuten  und andere Fachleute beratend zu Wort kommen lässt, hat sie ihr Buch aufgegliedert:

  1. Du hast die gleichen Rechte wie alle anderen Kinder auch
  2. Du hast das Recht, gesund zu leben
  3. Du hast das Recht, bei deinen Eltern zu leben
  4. Du hast das Recht zu spielen
  5. Du hast das Recht auf Bildung
  6. Du hast das Recht mitzureden
  7. Du hast das Recht auf Privatsphäre
  8. Du hast das Recht auf Schutz vor Gewalt
  9. Du hast das Recht, auf der Flucht besonders geschützt zu werden
  10. Du hast mit einer Behinderung das Recht auf besondere Fürsorge

 

Ein aufgelockertes Design mit vielen Fotos und Zeichnungen, Infokästen und Fragebogen lädt die Kinder ein, mit dem Buch selbst aktiv zu werden und sich mit dem Thema ausführlich zu befassen.

 

Sehr empfehlenswert. Sollte in keiner Schule bzw. Klassenraum fehlen.

 

 

 

 

 

 

Der neunte Fall für Bruno Chef de police (Hörbuch)

 

 

 

 

Martin Walker, Grand Prix. Der neunte Fall für Bruno Chef de police (Hörbuch) Diogenes 2017, ISBN 978-3-257-80382-2

 

In seinen bisherigen Büchern mit dem sympathischen Bruno Courreges, dem Chef de Police in dem kleinen Städtchen St. Denis im Perigord ist es dem Engländer Martin Walker jedes Mal sehr gut gelungen, ein aktuelles Thema in einem konkreten Kriminalfall zu verbinden mit sehr aufschlussreichen Rückblicken in die dunklen Kapitel der französischen Geschichte.

 

Auch im neunten Band einer Reihe, die an Unterhaltungsqualität nicht nachlässt, lässt Martin Walker seinen Bruno nicht nur wieder einer Menge Menschen begegnen ( man muss sich wirklich konzentrieren beim Lesen, dass man mit den vielen Namen nicht durcheinander kommt), sondern erfreut den Leser mit einer Menge an historischen Informationen, die er erneut hervorragend recherchiert hat.

 

Bei einer Oldtimer-Rallye, die Bruno im Auftrag seines Chefs, des Bürgermeisters organisiert hat, kommen nicht nur etliche Liebhaber alter Autos aus der Region zusammen, sondern auch zwei besessene Sammler. Wie sich langsam herausstellt, sind sie auf der Suche nach einem legendären Auto, dem Bugatti Type 57 SC Atlantic. Insgesamt vier von ihnen sind je gebaut worden und einer von ihnen scheint während des Zweiten Weltkriegs irgendwo im Perigord verloren gegangen zu sein.

 

Doch da die beiden Männer auch wegen anderer den Geheimdienst um den Brigadier und Brunos ehemaliger Geliebten Isabelle bei Eurojust interessierenden Delikten in Verdacht geraten sind, begegnet Bruno bei seinen Recherchen nicht nur Isabelle wieder. Sie hat im sechsten Band das gemeinsame Kind abtreiben lassen, was Bruno immer noch quält und auch in diesem Buch wieder erwähnt wird.  Doch Bruno, der insgeheim immer noch träumt von der Gründung einer ganz normalen Familie, verliebt sich in diesem Buch wieder in eine Frau, der ihre eigene Karriere über alles geht.

 

Neben den positiven Ermittlungen zu dem verschwundenen Bugatti nimmt Bruno als Vertretung an einem Rennen teil, vermittelt erfolgreich in Familienstreitigkeiten und führt zwei schwer erziehbare Jugendliche auf den Weg der Resozialisierung.

 

Was mir dieses Mal bei der sehr unterhaltsamen Lektüre besonders aufgefallen ist: Martin Walker beschreibt seinen Dorfpolizisten als einen durch und durch positiven Menschen, der kaum eine Schwäche hat, und außer den dunklen Gestalten, die bei verschiedenen Anlässen sein Dorf heimsuchen, auch keine Feinde.  Mir scheint, er ist so zufrieden mit seinem ausgefüllten Leben, dass er gar keine Familie mit Kind braucht.

 

Ich vermute jedenfalls, dass Martin Walker ihn in den folgenden Bänden noch in manche Affäre schicken, ihn  aber letztlich allein lassen wird.

 

Trotzdem: ich liebe diese Bücher mit ihrer Fülle von Beziehungen der Dörfer untereinander, ihrer Liebe zu gutem Essen und guten Wein. Dem Perigord jedenfalls haben sie in den letzten Jahren eine deutlich gestiegene Zahl an Touristen gebracht. Der Rezensent bedauert, es immer noch nicht dorthin geschafft zu haben.

 

Johannes Steck hat auch das neue Buch von Martin Walker wieder in einer ungekürzten Lesung für die Hörbuchfreunde zu einem ganz besonderen Hörerlebnis gemacht.

Sie ist auch nach der ersten Lektüre des gedruckten Buches auf jeden Fall zu empfehlen. Sie ist aber auch ein adäquater Ersatz für das Buch, weil es ihr gelingt, jene ganz besondere Atmosphäre der Bruno-Romane und der Region, in der sie spielen, wunderbar einzufangen.

 

 

 

Als Mama nur noch traurig war. Wenn ein Elternteil an Depression erkrankt

 

 

 

 

Anja Möbest, Barbara Korthues, Als Mama nur noch traurig war. Wenn ein Elternteil an Depression erkrankt, Coppenrath 2017, ISBN 978-3-649-62021-1

 

Viele Menschen gehen auch schon in jüngeren Lebensjahren durch eine Phase der Depression. Viele davon haben kleine Kinder, die das Geschehen, wenn etwa wie in diesem Buch die Mama nur noch traurig ist, nicht verstehen, es schnell auf sich beziehen und neben dem erkrankten Erwachsenen auch dringend Unterstützung benötigen.

 

Im Fall des kleinen Jan, dessen Mutter im ersten Teil des Bilderbuchs immer weiter in eine die ganze Familie erschütternde Depression hineinrutscht, ist es der Ritter, zu dem die Mutter endlich geht, nachdem es der überforderte Vater mehrmals vorgeschlagen hat. Jan, der mitkommen darf, rechnet mit einem echten Ritter, doch der ältere nette Psychotherapeut erklärt ihm und seiner Mutter genau, was er macht und wie er versucht, die Grummelgrame, die die Mutter immer traurig machen zu vertreiben.

 

Ich weiß nicht, ob Psychotherapeuten die Kinder ihrer Patienten ab und an mit hinzunehmen. In diesem Buch jedoch hilft diese Konstruktion, dem kleinen Jan, deutlich zu machen, was der Herr Ritter da mit seiner Mutter bespricht, dass es Zeit braucht, bis seine Mutter endgültig nicht mehr traurig ist und dass er keine Angst um sie haben muss, weil sie ihn über alles lieb hat, auch wenn sie das manchmal nicht zeigen kann.

 

Ein Nachwort an die Eltern, die ihren Kindern dieses Buch vorlesen, von der Kinder- und Jugendlichentherapeutin Ina Knocks, gibt wertvolle Hinweise zu Depressionen und wie man mit Kindern umgeht, in deren Familien ein Mitglied daran erkrankt ist.

 

Jans Geschichte in diesem schönen und gelungenen Bilderbuch zeichnet ein gefühlvolles Bild der Verlustängste und der Scham- und Schuldgefühle, mit denen Kinder im Falle einer Depression eines Elternteils zu kämpfen haben. Sie klärt bildhaft und kindgerecht über ie Erkrankung, ihre Folgen und ihre Behandlung auf. Und sie macht deutlich: Schuld trägt niemand. Schon gar nicht die Kinder.

Sei still mein Herz, die Bäume beten

 

 

Monika Herz, Sei still mein Herz, die Bäume beten… Nymphenburger Verlag 2017, ISBN 978-3-485-02880-6

 

Die als „Alpenschamanin“ einem größeren Kreis von Gleichgesinnten bekannt gewordene 1956 geborene Monika Herz hat mit der vorliegenden Sammlung von Heil- und Schutzgebeten, darunter sehr viele von Rainer Maria Rilke , Eduard Mörike und Rabindranath Tagore den Versuch unternommen, auch für Menschen, die ihre esoterische Grundeinstellung weniger teilen, einen Zugang zu schaffen zur Transzendenz von Gebeten und Gedichten.  „Manche Worte“ sagt sie,  „sind so schön, dass wir – auch ohne Not – in dem Moment, in dem wir sie sprechen oder denken, von einem Gefühl des Glücks erfasst werden. Und dies sind dann die kostbaren Augenblicke, in denen wir uns der eigenen Lebendigkeit erfreuen und uns zugleich bewusst sind, dass das JETZT die einzige Zeit ist, in der wir für uns und andere etwas bewirken können.“

 

Ich habe das Buch als eine kleine spirituelle Schatzkiste schätzen gelernt, deren Texte und Gedanken mich immer wieder in ein tiefes und dankbares Nachdenken bringen.