Ein Narzisst packt aus. Ehrlichkeit gegenüber dem inneren Kind und gesellschaftliche Anerkennung

 

 

 

Leonard Anders, Ein Narzisst packt aus. Ehrlichkeit gegenüber dem inneren Kind und gesellschaftliche Anerkennung, Tectum Verlag 2019, ISBN 978-8288-4043-0

 

Das vorliegende Buch ist eine wie ich finde gelungene Mischung aus biografischen Notizen, eigenen Therapieerfahrungen, wissenschaftlichen Erläuterungen und zahlreichen Interviews mit Experten (unter anderen Hans-Joachim Maaz). Dem seit seiner Jugend unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidende Leonard Anders gelingt es in einer wahren Fleißarbeit dem Leser und wohl auch vielen anderen von der Störung betroffenen Menschen nicht nur einen überzeugenden und grundlegenden Einblick in das Phänomen zu geben, sondern durch die Beschreibung seiner ganz persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse vermittelt er dem nicht betroffenen, sondern nur am Thema interessierten Leser einen bewegenden und betroffen machenden Einblick in die Innenwelt eines unter narzisstischer Persönlichkeitsstörung leiden Menschen.

 

Einer der von Leonard Anders in dem Buch interviewten Fachleute, Dr. med. Bodo Karsten Unkelbach schreibt zu diesem Buch:

„Die in diesem Buch vorliegende Auseinandersetzung mit dem Krankheitsbild der narzisstischen Persönlichkeitsstörung ist ein Aufruf an die Gesellschaft, sich kritisch zu hinterfragen. Es verdeutlicht, wie unendlich wertvoll ungeteilte Aufmerksamkeit, Respekt, Einfühlungsvermögen, Wahr- und Ernstgenommenwerden, Ermutigung, Anerkennung und eine wertschätzenden Auseinandersetzung für Kinder sind.“

 

Deshalb ist das Buch nicht nur für betroffene Menschen und ihre Angehörigen zu empfehlen, sondern auch für alle, die in irgendeiner Weise an der Erziehung von Kindern beteiligt sind.

 

 

 

Die galaktische Weltraum-Mission

 

 

 

Karla Recke, Antje Hagemann, Die galaktische Weltraum-Mission, Ravensburger Verlag 2019, ISBN 978-3-47355489-8

 

Vor vielen Jahren hatte der Ravensburger Verlag 2010 mit seinem TipToi Stift und den entsprechenden Büchern eine vollkommen neue  Weise ermöglicht, wie Kinder interaktiv mit Büchern und neuem Wissen umgehen können. Tip Toi ist ein audiovisuelles Lernsystem für Bücher und Spiele, mit dem die Kinder die Welt spielerisch entdecken. Tippt das Kind mit dem Stift auf ein Bild oder einen Text oder ein entsprechendes Symbol, erklingen passende Geräusche, Sprache oder auch Musik. Eine intelligente Elektronik ermöglicht Kindern, Bücher und Spiele völlig eigenständig immer wieder neu zu erleben.

 

Nun hat der Verlag einen neuen Stuft produziert, „TiptoiCreate“, und wird wohl alle neuen Bücher nach diesem System ausrichten. Zusätzlich zum alten Stift ist im neuen ein Mikrofon integriert, das es Kindern ermöglicht, Geräusche und Sprache selbst aufzunehmen. Nach wie vor ist der Stift leicht zu bedienen und passt in jede Kinderhand.

 

In dem vorliegenden neuen Buch von Karla Recke mit Illustrationen von Antje Hagemann erreicht Captain Fleck mit seiner Crew (sie sind alle witzige Tierfiguren, die lustig gezeichnet sind) eine geheime Nachricht aus dem Weltall. Und schon nimmt ein galaktisches Abenteuer seinne spannenden Anfang.

 

Auf der Suche nach dem Absender der geheimen Nachricht, reisen der Captain und seine Crew zu fremden Planeten. Dabei erfahren sie (und natürlich die das Buch lesenden und hörenden Kinder) Faszinierendes über den Weltraum und sie finden viele Freunde fürs Leben.

 

 

 

 

Auch auf dieser verrückten Reise durch das Welt all ist die Mithilfe der das Buch betrachtenden Kinder zwischen sechs und 9 Jahren nötig. Es gilt Geschichten zu erfinden, Logbuch zu führen oder Witze zu erzählen. Ganz spielerisch trainiert tiptoi® CREATE so die Kreativität und Sprachkompetenz kleiner Entdecker.

 

Hat man den Stift einmal angeschafft, kann er sicher für viel Jahre und viele weitere Bücher nach diesem System genutzt werden.

 

 

 

 

 

 

 

Toleranz- einfach schwer

 

 

Joachim Gauck, Toleranz- einfach schwer, Herder Verlag 2019, ISBN 978-3-451-38324-3

 

Dass ein Buch des Altbundespräsidenten Joachim Gauck über das Thema Toleranz zu heftigen Debatten führen würde, war in diesen aufgeheizten Zeiten zu erwarten. Zeiten, in denen Gauck und andere von rechts schon lange als Volksverräter denunziert werden und in denen jegliche Differenzierung zu bestimmten Themen sofort in die rechtsradikale Ecke gestellt wird.

 

Und tatsächlich ist Gauck nach seinen zahlreichen Interviews und Fernsehauftritten zur Promotion seines Buches (das ist eben so üblich) insbesondere in den „sozialen“  Netzwerken viel Hass und Häme entgegengebracht worden.

 

Dabei hätten sie besser einmal das Buch gelesen um genau zu verstehen, was Gauck eigentlich meint, wenn er von kämpferischer Toleranz spricht, die auch Gespräche und Kommunikationsversuche mit AfD-Anhängern nicht ausschließt, sofern sie nicht kriminelle Haltungen vertreten.

 

Gauck will der zunehmenden Spaltung unserer Gesellschaft etwas entgegensetzen, was helfen könnte, so etwas wie einen Heilungsansatz zu entwickeln. Dafür, so sagt er, brauchen wir einen erweiterten Begriff und eine erweitere Praxis von Toleranz einerseits und eine reflektierte Pflicht zu einer von aufklärerischen Werten geleiteten Intoleranz, die den Feinden der Freiheit sich in den Weg stellt.

 

Toleranz ist eben nicht ein Zeichen für „anything goes“ und politische  Indifferenz, sondern eine aktive und politisch bewusste Haltung, die uns und andere bereichert und unsere Gesellschaft in Zeiten schwerwiegender Umbrüche wieder zusammenführen kann:

„Wir sollten Toleranz nicht nur als Zumutung begreifen, sondern als beglückende Tugend und zugleich als ein Gebot der politischen Vernunft.“

Ein wichtiger Denkansatz von einem Politiker und Theologen, dem das, was die Menschen zusammenhält immer wichtiger war, als das was sie trennt und der die vorschnelle Unterteilung der Menschen in Böse und Gute mit der anschließenden Ausgrenzung der jeweils als Böse definierten aus dem Diskurs schon immer verurteilt hat.

 

Lieber woanders,(Hörbuch)

 

 

Marion Brasch, Lieber woanders,(Hörbuch) Argon Verlag 2019, ISBN 978-3-8398-1709-4

 

Marion Braschs neuer Roman „Lieber woanders“  erzählt auf knappem Raum eine intensive, den Leser sofort auf seltsam persönliche Weise packende Geschichte zweier Menschen, die handelt von Zufall und Schicksal, eine bewegende Geschichte über Schuld und Verluste. Eine Geschichte auch über schmerzhafte Abschiede – alles Erfahrungen, die jeder Mensch, auch der vom Buch sofort gefesselte Leser, in seinem Leben macht und auf die er eine persönliche Antwort finden muss.

 

Das Buch erzählt von der 28-jährigen Toni, die irgendwo in ihrem Wohnwagen auf dem Land lebt. Eines Tages macht sie sich auf den Weg in die Stadt, wo sie für ihre Bildergeschichten von einem Verlag zu Verhandlungen eingeladen ist. Mit dem ersehnten Geld will sie in Neuseeland einen alten Schulfreund wiedersehen.

 

Alex hat Autoklempner gelernt, als LKW-fahrer gearbeitet und ist zurzeit als Roadie mit einer Band unterwegs. Er ist verheiratet und hat eine neunjährige Tochter, aber seit etlichen Jahren betrügt er seine Frau mit einer anderen. Als er erfährt, dass seine Tochter ins Krankenhaus gekommen ist, macht er sich auf den Weg nach Hause.

 

Die beiden Hauptpersonen, die sich in der Handlung des Buches nun innerhalb von 24 Stunden aufeinander zubewegen werden, kennen sich nicht, sind aber dennoch auf eine verhängnisvolle Weise miteinander verbunden, denn sie tragen beide an einer Schuld. Toni macht sich für den Tod ihres kleinen Bruders verantwortlich und Alex leidet in seinem Doppelleben an einer Schuld, über die er noch nie gesprochen hat.

 

Irgendwann kreuzen sich ihre Wege, nachdem sie viele Umwege gemacht, Hindernisse überwunden und komische Zufälle erlebt haben. Und der Leser erinnert sich an eine Bemerkung der Autorin in einem kurzen Prolog, dass sich Toni und Alex schon einmal begegnet sind. Diese Begegnung hat das Leben beider beeinflusst. Sie haben es nicht vergessen, obwohl sie damals „lieber woanders“ gewesen wären.

 

Das, was Marion Brasch in ihrem Roman beschreibt, kann jedem von uns geschehen. Auch deshalb ist die Geschichte so nachvollziehbar und berührt den Leser persönlich, weil es ihn erinnert an Szenen und Menschen in seinem eigenen Leben und dessen Weggabelungen.

 

Marion Brasch will deutlich machen, dass wir Menschen das, was wir in der Vergangenheit erlebt haben, was uns geprägt und auch verändert hat, was wir an Schuld auf uns geladen haben, indem wir uns entschieden oder eben nicht entschieden haben, was wir getan oder unterlassen haben, eben nicht ändern können. Es bleibt nur, all das zu akzeptieren und zu lernen damit weiterzuleben.

 

Sie hat ihre Geschichte sehr warmherzig erzählt und mit einem feinfühligen Gespür für jene kurzen Augenblicke, die für ein ganzes Leben entscheiden können.

 

Ein starkes und sehr intensives Buch, das den Leser nicht immer angenehm mit sich selbst und seinem Leben konfrontiert.

 

Diese bewegende Geschichte über Schuld und Zufall in einem Hörbuch zu hören, ist mit der vorliegenden Einspielung ein ganz besonderes Erlebnis. Marion Brasch selbst spricht die Worte der auktorialen Erzählerin. Die Schauspielerin Jasna Fritzi Bauer leiht Toni ihre sympathisch raue Stimme und Thorsten Merten, ebenfalls Schauspieler interpretiert die Figur des Alex.

 

Im Zusammenspiel der drei Stimmen wird die Handlung als Hörbuch zu einem unvergesslichen Gesamterlebnis und schenkt dem Leser des Buches beim Hören noch einmal völlig neue Eindrücke und Einsichten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Raupe Berta hoch im Baum

 

Dirk Schmidt, Barbara Schmidt, Raupe Berta hoch im Baum, Kunstmann Verlag 2018, ISBN 978-3-95614-263-5

 

Wieder haben Dirk und Barbara Schmidt im Kunstmann Verlag ein wunderbares Bilderbuch vorgelegt. Dirk Schmidt hat dazu die sympathische Figur einer kleinen Raupe namens Berta erfunden und Barbara Schmidt hat ihr mit ihren Illustrationen eine zarte und witzige Gestalt gegeben.

 

Die Raupe Berta lebt hoch oben in einem Baum und ist gerade dabei, mit einem elektrischen Rasierer ihren zarten Flaum zu rasieren. Als ein Vogel fast auf ihren Kopf kackt, erschrickt sie so sehr, dass ihr der Rasierer aus der Hand und auf den Waldboden fällt.

 

Langsam kriecht sie vom Baum herunter um ihn zu suchen. Bei dieser Suche trifft sie auf dem Weg nach unten mehrere interessante Nachbarn, die zwar nichts von den Rasierer gesehen haben, ihr (und den Kindern) aber viel und ausführlich erzählen, was sie gerade treiben. Der Tausendfuß zählt seine Schleifen, die Schnecke streicht ihr Haus mit vielen unterschiedlichen Farben, von denen ihr eine schon heruntergefallen ist, der Specht schnitzt eine schöne Figur aus einem Baum und auch die Spinne ist sehr mit dem Bau ihres Netzes beschäftigt. Vom Rasierer keine Spur.

 

Als Raupe Berta endlich unsanft am Boden angekommen ist,  sieht sie den Igel mit ihrem Rasierer in den Hand. Doch was ist mit seinen Stacheln passiert? Durch den Farbtopf, der der Schnecke vom Baum gefallen ist, hat er violette Stacheln, die er sich schon akkurat getrimmt hat.

 

Und Berta hat ihren Rasierer wieder.

 

Eine schöne, originelle und in wunderbaren und sprachlich witzigen Reimen verfasste Geschichte mit den für Barbara Schmidt typischen Illustrationen, die man schon in den vier früheren bei Kunstmann erschienenen Bilderbüchern schätzen gelernt hat.

Erfahrungsspuren. Eine autobiographische Denkreise

 

 

 

 

 

Oskar Negt, Erfahrungsspuren. Eine autobiographische Denkreise, Steidl 2019, ISBN 978-3-95829-522-3

 

In diesen Tagen im Juni 2019 wurde der weltweit geachtete Philosoph Jürgen Habermas 90 Jahre alt. Einer seiner Schüler war der zehn Jahre jüngere Oskar Negt, der hier den zweiten Band seiner autobiographischen Spurensuche vorlegt.

 

Wie schon im ersten Band seiner Erinnerung , der 2017 unter dem Titel „Überlebensglück“ erschienen ist und von den Erfahrungen seiner durch die Flucht geprägten Kindheit und den ersten Jahren nach dem Krieg bis zu Negts Hochschulreife handelte, wechselt er auch in dem hier vorliegenden Band „Erfahrungsspuren“ zwischen biographischen Erinnerungen tiefgehenden philosophischen und politischen Reflexionen.

 

Nun, da er in Oldenburg sein Abitur abgelegt hat, zieht es ihn nach Frankfurt, wo in der sogenannten Frankfurter Schule die Philosophen Horkheimer, Adorno und Habermas  eine große Schar junger Menschen anziehen, die wie Negt nach Wahrheit suchen und die Gesellschaft verändern wollen.  Dort beginnt eine in dem Buch beschriebene beeindruckende „Denkreise“, die auch in der Gegenwart bei dem mittlerweile 80-jährigen Negt längst nicht an ihr Ende gekommen ist.

 

Oskar Negts bewegte Studienzeit endet damit, dass er als noch sehr junger Mann von Jürgen Habermas zum Assistenten gemacht wird. Neben dem Beginn eigener Lehrveranstaltungen tritt Oskar Negt in diesen Jahren weit mehr als seine philosophischen Lehrer in der sich bildenden außerparlamentarischen Opposition mit Vorträgen und Kampfschriften auf und wird einer ihrer viel beachteten Wortführer. Wie kaum ein anderer sucht er schon sehr früh die politischen Auseinandersetzungen mit der RAF, deren Weg er für verhängnisvoll und für die Befreiung der Gesellschaft, der auch er sich verpflichtet weiß, kontraproduktiv hält.

 

Mit 36 Jahren erhält er 1970 einen C 4 Lehrstuhl an der Universität Hannover, wo er bald schon eine neue Gruppe von Schülern um sich schart, unter anderem den genialen Detlev Claussen, bei dem ich als Student in vielen selbstorganisierten Seminaren eine Menge gelernt habe.

 

Aber Negts Arbeit beschränkt sich nie nur auf die akademische Lehre, deren Praxis er in dem Buch zusammen mit seiner Ehefrau Christine Morgenroth reflektiert, sondern er engagiert sich in der gewerkschaftlichen Bildungs- und Kulturarbeit und begleitet sie mit vielen Publikationen, die noch heute lesenswert sind. Mit dem Projekt „Glocksee“ zählt er mit seinem Kollegen Thomas Ziehe zu den Gründern eines alternativen Schulmodells, das zu gleichen Teilen auf soziale Integration und individuelle Förderung setzt. Noten werden erst in der zehnten Klasse vergeben. An der Schule lernen bis heute etwa 210 Schüler.

 

Ich konnte als in den 70 er Jahre politisch sozialisierter Zeitgenosse, der das Wirken von Oskar Negt auch über das damalige Sozialistische Büro in Offenbach immer aufmerksam verfolgt hat, in dem Buch von einer Mange interessanter Begegnungen und lebenslangen Freundschaften lesen und mich gefangen nehmen lassen von einer nach wie vor unerschütterlichen Wahrheitssuche und Veränderungshoffnung.

 

Am Ende des Buches schreibt er: „Wir dürfen nicht warten, bis das Gemeinwesen verrottet ist und die moralische Verkrüppelung ein gesellschaftliches Klima geschaffen hat, das die Mühe um Anstand und politische Urteilskraft immer beschwerliche rund vielfach aussichtslos werden lässt.“

 

Ein beeindruckendes Leben voller „Erfahrungsspuren“.

 

 

 

Geschichte einer Ehe

 

 

 

 

Geir Gulliksen, Geschichte einer Ehe, Luchterhand Verlag 209, ISBN 978-3-630-87605-4

 

Norwegen ist in diesem Jahr 2019 das Gastland der Frankfurter Buchmesse. Der Luchterhand Verlag hat mit der Veröffentlichung des Romans „Geschichte einer Ehe“ von Geir Gulliksen schon jetzt einen wichtigen Beitrag dazu geleistet. Denn Geir Gulliksen ist in Norwegens Literaturszene kein Unbekannter. Als Verleger und Autor hat er sich dort schon lange einen Namen gemacht. Und so ist es auch kein Zufall, dass das in Norwegen 2015 erschienene Buch in etlichen anderen europäischen Ländern publiziert wurde, bevor es von Ursel Allenstein im Auftrag von Luchterhand ins Deutsche übersetzt wurde.

 

Ein Mann namens Jon erzählt darin die Geschichte seiner Ehe mit Timmy. Sie führen eine gute Ehe, sie sind glücklich miteinander und mit ihren Kindern. Jedenfalls sind sie das eine lange Zeit. Das mag auch damit zusammenhängen, dass der Journalist und Autor etwas ist, was man seit Längerem einen modernen Mann nennt, auch in Norwegen. Er teilt sich mit seiner Frau den Haushalt und kümmert sich um die Kinder, damit seine Frau Timmy Karriere machen kann. Sie arbeitet als Ärztin bei den norwegischen Gesundheitsbehörden Sein Beruf ermöglicht ihm flexible Arbeitszeiten. Und so scheint das, was in sehr vielen Beziehungen ein großes Problem ist und nicht selten zu ihrem Scheitern führt, bei Jon und Timmy geregelt. Und es scheint nicht unwesentlich zu ihrem Glück beigetragen zu haben. Jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, als das Buch beginnt.

 

Denn schon zu Anfang ist klar: Timmy hat nach 20 Jahren Ehe einen anderen Mann kennengelernt und erklärt die Beziehung für gescheitert.

 

Es ist passiert, was sie beide nie für möglich hielten, denn eine außergewöhnlich große Liebe hat die beiden in die Ehe geführt. Zunächst glaubt der Leser dem Erzähler Jon, der verzweifelt zurückblickt und seine Ehe als  „ein langes Gespräch, das 20 Jahre angehalten hat“ bezeichnet.

 

Doch im weiteren Verlauf des Romans stellen sich Jon und erst Recht dem Leser viele Fragen. Geir Gulliksen ist sehr sparsam damit, diesen Fragen auch Antworten oder auch nur Vermutungen folgen zu lassen.

 

Und so ermöglicht der nüchtern-nordische Stil des Buches dem Leser sehr schnell, seine eigenen Erfahrungen und Gedanken in die Lektüre einzubringen. Er wird sehr schnell in einen regelrechten Sog gezogen, und obwohl man sehr schnell sicher ist, dass das alles nicht gut ausgehen wird, sieht man sich besonders als männlicher Leser stark in die Gefühle und den Schmerz verwickelt, die Jon ausführlich beschreibt.

 

Was hat diese Liebe zerstört, was hat wohl über eine längere Zeit ihren ehemaligen  Zauber und ihre Kraft unterhöhlt und gebrochen?

 

Man folgt der Erzählung mit zunehmender Irritation und der immer stärker werdenden Unsicherheit darüber, ob zu viel gegenseitig zugestandener Freiheit und Unabhängigkeit irgendwann sich als immer stärker werdende Versuchung rächt.

 

Am Ende hatte ich fast so etwas wie Verständnis für die Flucht von Timmy vor einer Ehe, die mit einem Mann mit teilweise skurrilen angeblich modernen und liberalen Ansichten für sie wohl irgendwann zum Gefängnis geworden ist, in dem sie nicht mehr richtig atmen konnte.

 

Und da anfängliche Mitgefühl mit dem verlassenen Mann, der seinem Schmerz und seinen Verletzungen nachsinnt, weicht so etwas wie Verachtung für seine unmännliche Schwäch und sein an Selbstverachtung grenzendes Verständnis für alles, was sein Frau tut und will.

 

Ein Roman, der wohltuend auf Antworten  verzichtet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Komm doch mal runter. Vom souveränen Umgang mit Ärger, Wut und Aggressionen

 

 

 

Evelyn Summhammer, Komm doch mal runter. Vom souveränen Umgang mit Ärger, Wut und Aggressionen, Goldegg 2019, ISBN 978-3-99060-101-3

 

Es ist ein zentrales Thema in unserer Gesellschaft, das immer wichtiger zu werden scheint. Überall, ob in den Beziehungen der Menschen zu Hause oder am Arbeitsplatz, in erschreckendem Maße im Straßenverkehr, in der Politik – überall ist ein aggressives, dem Anlass völlig unangemessenes Verhalten von Menschen häufig wahrzunehmen. Doch auch selbst sind wir dagegen nicht gefeit und erleben, dass unsere Reaktionen auf andere Menschen und ihr Verhalten völlig übertrieben sind.

Natürlich hat ein solches Verhalten oft erklärbare Ursachen. Die Menschen  leiden unter immer stärkerem Stress (nicht selten selbst induziert), unbestimmte Ängste machen sie unsicher und aggressionsbereiter, Konkurrenz- und Machtkämpfe beherrschen viele Szenarien des Alltags, privat wie beruflich. Kleinste Konflikte, die man locker durch Worte lösen könnte, enden dann in einer Spirale des Zorns, der Wut und immer mehr auch Gewalt.

 

Hinzu kommt bei vielen Menschen die Angst vor dem Fremden, ihrer unklaren Zukunft und der ihrer Kinder und Enkel. Das Ergebnis ist eine zunehmend aggressionsbeladenere Welt und auch ein entsprechendes (Wahl)- verhalten.

 

Ist das unabwendbares Schicksal oder können wir lernen mit Aggressionen umzugehen?

 

Das ist das Thema des vorliegenden Buches der österreichischen Wirtschaftspsychologin und Psychotherapeutin Evelyn Summhammer, das in dem auf solche Bücher spezialisierten Goldegg Verlag in Wien erschienen ist.

 

Die Autorin beschreibt mit vielen Beispielen aus ihrer therapeutischen und beraterischen Praxis, woher Aggressionen kommen, wie sie entstehen und warum sie für die gesunde menschliche Psyche sogar notwendig sind, wenn wir uns in unserem Leben und unserer Umwelt wirklich behaupten und nicht ausschließlich von anderen dominiert werden wollen.

 

Behutsam und verständlich leitet sie ihrer Leser an, ihr eigenes, oft verdecktes Potential an Ärger und Wut aufzuspüren. Der Leser kann seine emotionalen Trigger aufspüren, die dazu führen, dass man aggressiv handelt.

 

Weiterhin hilft sie dem Leser und der Leserin, genau die Situation für sich selbst zu entdecken, in der sich Wut und Ärger laut oder auch passiv entladen.  Wie schafft man es, solche Ausbrüche zu stoppen oder ihnen vorzubeugen?

 

Doch es geht nicht nur um die eigenen Aggression in diesem wichtigen Buch und ihr Verständnis und die Instrumente für den Umgang damit, sondern Evelyn Summhammer zeigt auch auf, wie man mit Menschen, die uns auf eine aggressive Weise begegnen, oder einfach nur schwierig im Umgang sind, umgehen kann.

 

Schon mit ihrem Buch „Nörgler, Besserwisser, Querulanten“ hatte sie sich solchem schwierigen Verhalten gewidmet.

 

Am Ende hat sie für ihre Leser einen ganz persönlichen Rat: “Lass dich nicht schikanieren und in einen Teufelskreis an Ärger, Wut und Aggression verfangen! Dein Leben ist keine Schlacht, sondern ein Ort, an dem wir unsere Möglichkeiten in Würde und guter Manier leben können. Vielleicht ist es nicht immer der Weg, den wir uns wünschen. Aber auf alle Fälle der Weg, den wir uns schulden und auf den wir gerne zurückblicken.“

 

Niemand ist anderen ausgeliefert. Es gibt Wege aus eigener und fremder Aggression. Das Buch zeigt begehbare und praktikable auf.

 

 

 

 

einmalig. Die skurrilsten concept cars der Autowelt

 

 

 

 

Jürgen Pander, einmalig. Die skurrilsten concept cars der Autowelt, Delius Klasing 2019, ISBN 978-3-667-11563-8

 

Jürgen Pander, Journalist bei Spiegel online hat sich für dieses ausgefallene Autobuch auf der Suche nach den „skurrilsten“ concept cars der Autowelt in viele Archive begeben und hat unzählige Liebhaber mit ihren seltenen Sammlungen besucht.

 

Concept Cars waren und sind seit jeher auf großen Automobilmessen und -ausstellungen die wahren Publikumsmagneten. Alle wollen sie sehen, denn sie sind nicht selten Wegweiser in  die automobile Zukunft, ohne dass sie selbst eine hätten und jemals in Serie gegangen wären. Meist verschwinden sie nach den Messen wieder dunklen Werksgaragen oder gar in der Schrottpresse.

 

In vier Kapiteln hat Jürgen Pander jeweils chronologisch seine „Funde“ eingeteilt und geordnet:

  • Technologie wie noch nie – Autos mit innovativen Ideen
  • Form folgt Faszination – Autos mit hinreißendem Design
  • Da wäre noch eine Kleinigkeit – Autos für Metropolen
  • Die Zukunft ist ein Klassiker – Autos mit berühmten Ahnen

 

In einer Zeit, in der manche schon das Ende des automobilen Zeitalters im Namen des Klimas einläuten wollen, scheint ein solches Buch antiquiert. Allen Kritikern von Hochleistungsautos aber sei gesagt, dass das Automobil der Zukunft, egal ob mit Strom oder Wasserstoff betrieben, auch erstmals als concept car entworfen werden muss.

 

Es muss ja nicht immer ein SUV mit 200 PS oder viel mehr sein, aber viele Menschen, besonders in den ländlichen Regionen werden auch in Zukunft auf ein Auto angewiesen sein.  Ein klimafreundliches Auto zu bauen und zu produzieren – es müsste doch möglich sein.

 

Das vorliegende Buch atmet ganz die Begeisterung für außergewöhnliche Autos mit ungewöhnlichem Design. Wo das Buch endet, mit dem Peugeot e-Legend wird irgendwann ein neues anfangen mit Prototypen energiefreundlicher Automobile.

Per Anhalter über den Atlantik. Raus aus der Schule, rein ins Abenteuer

 

 

Anna Haubrich, Christoph Vougessis, Per Anhalter über den Atlantik. Raus aus der Schule, rein ins Abenteuer, Delius Klasing 2019, ISBN 978-3-667-11580-5

 

 

Viele junge Menschen wollen sich nach dem erfolgreich bestandenen Abitur und dem damit verbundenen jahrelange Lernstress nicht sofort in den „Ernst des Lebens“ und die weitere Berufsausbildung begeben, sondern sie träumen davon, über einen gewissen Zeitraum (manche nehmen sich ein ganzes Jahr) die Welt oder einen Teil davon zu entdecken, Freiheit zu erleben und viele eigene Erfahrungen zu machen.

 

So erging es auch zunächst unabhängig voneinander den beiden Autoren des hier im Delius Klasing Verlag erschienenen Buches, Christoph Vougessis und Anna Haubrich. Sie haben beide diesen Traum gelebt und sind nach dem Abitur losgezogen. Christoph mit seinem vierzig Jahre alten Segelboot Shalom von Hamburg aus, Anna als Tramperin aus Süddeutschland mit dem groben Ziel Südamerika.

 

Auf der Insel La Gomera sind sie sich zufällig begegnet. Eine Begegnung mit Folgen. Sie lernen sich kennen, verlieben sich ineinander und beschließen, fortan gemeinsam weiter über den Atlantik zu segeln. Sie erleben auf dem alten Boot so manches Abenteuer, treffen unterwegs viele neue Freunde und lernen fremde Kulturen kennen.

 

Abwechselnd erzählen die beiden ihre gemeinsame Geschichte aus ihrer jeweiligen Perspektive. Als Anna nach vier wunderbaren gemeinsamen Monaten beschließt, ihren ursprünglichen Plan weiter zu verfolgen und allein nach Guatemala und Mexiko weiterzureisen, da weiß Christoph nicht, ob er seine Freundin jemals wiedersehen wird.

 

In einer wunderbaren Mischung aus Liebesgeschichte und Abenteuerroman erzählen zwei jungen Menschen von einer unvergesslichen Reise ins Unbekannte, bei der sie sich ganz am Ende wiedersehen. Es wird sicher nicht ihre letzte große Reise gewesen sein.