Der schmale Pfad durchs Hinterland

 

 

 

 

 

Richard Flanagan, Der schmale Pfad durchs Hinterland,  Piper 2017, ISBN 978-3-492-30999-8

 

Der mit dem Man Booker Prize 2014 ausgezeichnete Roman von Richard Flanagan, eines australischen Schriftstellers, erzählt von Liebe und Krieg, beschreibt unendliches  Leid und lässt seine Hauptfiguren träumen von großen Glücksversprechen.

 

Nach mehrfach gescheiterten Versuchen in der Vergangenheit ist es Flanagan mit diesem voluminösen Roman endlich gelungen, die Liebes- und Lebensgeschichte seines Vaters literarisch zu bewältigen.

 

Der Protagonist des Buches ist der begnadete junge australische Chirurg Dorrigo Evans. Er gerät im Krieg in japanische Kriegsgefangenschaft und wird in einem Gefangenenlager zum Bau einer Eisenbahnlinie herangezogen. Gleichzeitig arbeitet er als Arzt und betreut seine Gruppe als Colonel. Kriegsgefangenschaft bei den Japanern bedeutet Sklaverei  und Folter, permanente  Willkür und entmenschlichende Demütigungen.

 

Doch in diesem Roman sind alle Opfer und Täter zugleich. Das wird immer wieder dadurch erkennbar,  weil es Richard Flanagan gegen alle persönliche  Betroffenheit gelingt, sich immer wieder auch in die Gegenseite hineinzuversetzen und eine japanische Gesellschaftsstruktur zu beschreiben, in der die Autorität zum Gott gemacht wird. Man bekommt  ein Gefühl dafür, warum es zwischen Japan und Korea und Japan und China bis heute so viel Hass gibt.

 

Es ist der besonderen Sprache des Buches zu verdanken,  dass es bei aller der Schrecklichkeit  seiner Themen seine eigene  Poesie und Schönheit bewahrt.

 

Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben

 

 

 

 

 

 

 

Anne-Laure Bondoux, Jean-Claude Mourlevat, Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben, Deuticke 2016, ISBN 978-3-552-06325-9

 

Dieser in Frankreich 2015 erschienene und von der erfahrenen  Ina Kronenberger ins Deutsche übersetzte E-Mail-Roman erinnert den  Leser sofort an den berühmt gewordenen Roman Daniel Glattauers „Gut gegen Nordwind“ aus dem Jahr 2006. Dennoch ist der Roman „Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben“ von Anne-Laure Bondoux und Jean Claude Mourlevat keine einfache Kopie, sondern nutzt lediglich die Form der E-Mail, in der heute tausendfach mehr Menschen miteinander kommunizieren als noch vor zehn Jahren, als ein Mittel, um auf eine unterhaltsame und auch spannende Weise zu beschreiben, wie zwei Menschen sich einander näher kommen.

 

Denn man kann den Roman durchaus in die Rubrik der anspruchsvollen Liebesromane einordnen. Er beginnt damit, dass der berühmte Schriftsteller Pierre-Marie Sotto in seinem Briefkasten ein dickes Kuvert findet. Natürlich vermutet er, jemand habe ihm ein unverlangtes Manuskript geschickt. Weil er die prinzipiell nicht liest (obwohl er Zeit dafür hätte, denn für einen neuen Roman fällt ihm seit schon längere Zeit überhaupt nichts ein, wie wir später erfahren), will er das dicke Kuvert sofort zurückschicken. Weil aber die Absenderin, eine Adeline Parmelan, auf der Rückseite des Kuverts lediglich ihre E-Mail-Adresse hinterlassen hat, schreibt Sotto ihr eine Mail und bittet sie freundlich, aber bestimmt um ihre Adresse für die Rücksendung.

 

Noch am selben Tag antwortet Adeline nicht weniger freundlich und erlaubt sich darauf hinzuweisen, „dass der Inhalt des Umschlags eher außergewöhnlicher Natur ist.“ Es entwickelt sich nun in den folgenden Tagen und Wochen ein reger E-Mail-Kontakt, zu dessen Anfang sich Adeline als groß, brünett und dick beschreibt. Irgendetwas an ihrer Sprache und Direktheit fasziniert den Schriftsteller, wobei es einige Zeit dauert, bis er zunächst sich selbst und dann auch seiner Mailpartnerin dies eingestehen kann. Die Mails werden persönlicher, sie lernen sich kennen, so wie andere das tun, wenn sie die ersten Male zusammen ausgehen und sich aus ihrem Leben erzählen.

 

Schon bald spürt Sotto, dass er ohne diese Mails nicht mehr sein kann. Zögernd gestehen sie sich ihre Zuneigung und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sie sich treffen werden.

 

Doch was ist mit dem Inhalt des Kuverts, mit dem die ganze Geschichte begonnen hat? Diese Spannung wird lange aufrechterhalten, und als es endlich seinen Inhalt preisgibt, bleibt die Frage, wie es mit diesem außergewöhnlichen Liebespaar weitergehen wird.

 

Eine ebenso spannende wie unterhaltsame Lektüre. Ein Liebesroman ohne Kitsch mit vielfältigen Bezügen zu Themen der Literatur.

 

 

 

 

 

 

Für immer Freunde

 

 

 

 

 

 

 

Roald Kaldestad, Björn Rune Lie, Für immer Freunde, Kleine Gestalten 2016, ISBN 978-3-89955-772-5

 

Da, wo der namenslose Junge in diesem feinen Bilderbuch lebt, regnet es an 269 Tagen im Jahr. Und immer dann, wenn es regnet, vermisst er seine beste Freundin am meisten. Lena hieß sie und irgendwann ist sie mit ihrer Mutter weggefahren. Sie sind in die Stadt gezogen.

Er vermisst sie sehr. Sie schickt ihm Päckchen und Nachrichten, was ihn immer wieder neu an gemeinsame erlebte Tage und Abenteuer denken lässt.  Er sucht die Orte auf, an denen sie gemeinsam gespielt und gelacht haben. „Mit ihr hatte er immer das Gefühl, etwas Gutes würde geschehen.“

 

Eines Tages trifft er ihre Mutter, die das Haus wohl für den Verkauf vorbereitet und erfährt, dass es Lena gut geht. Das macht ihn froh. Und als kurz darauf eine Familie mit einem Mädchen und einer Katze in das Nachbarhaus einzieht, da spürt er, dass er bereit ist für eine neue Freundschaft.

 

Björn Rune Lie hat mit seiner Illustrationen die zunächst sehr traurige Verfassung des Jungen ebenso gut eingefangen, wie er dessen Welt zunehmend heller werden lässt.

 

Das Buch thematisiert das Thema Veränderung und wie man mit ihnen umgehen kann. Kinder sind in der heutigen sehr mobilen Welt oft davon betroffen, dass gute Freunde während ihrer Kindergartenzeit wegziehen und sie verlassen.

 

Für sie und ihre Eltern, die ihnen verständnisvoll helfen wollen, mit diesen Veränderungen umzugehen, hat Roald Kaldestad die zuerst in Norwegen erschienene Geschichte geschrieben.

Psychotherapie-Lei(ch)tfaden

 

 

 

 

 

 

 

Claudia Christ, Ferdinand Mitterlehner, Psychotherapie-Lei(ch)tfaden, Schattauer 2017, ISBN 978-3-7945-3070-0

 

Ihr Buch „Männerwelten. Männer in Psychotherapie und Beratung“, das 2013 ebenfalls bei Schattauer erschien, war so etwas wie ein  Meilenstein für das Verständnis einer immer größeren Gruppen von Klienten der Psychotherapie, den Männern.

 

Nun legen die beiden erfahrenen Therapeuten Claudia Christ und Ferdiand Mitterlehner ein neues Buch für professionelle Therapeuten vor, dem sie den Titel „Lei(ch)tfaden“ gegeben haben. Es geht darum, wie ausgebildete und auch durchaus erfahrene Therapeuten schwierige Situationen in der Therapie gut und professionell meistern können.

 

Sie verwenden dabei das Bild der Therapie als einem Wanderweg, den der Therapeut mit dem Patienten geht. In insgesamt 36 sogenannten „Fallvignetten“ beschreiben sie unterschiedliche Fragestellungen, die sie therapeutische Stolpersteine nennen. Jeden Fall beleuchten sie unter drei Fragestellungen ausführlich:

  • Blickwinkel Patient
  • Blickwinkel Therapeut
  • Blickwinkel Theorie und Methodik

 

Für junge aber auch für erfahrene Therapeuten ist dieser Band sicher ein sehr hilfreiches Buch.

Munkeln im Dunkeln

 

 

 

 

 

 

 

 

Daniela Kulot, Munkeln im Dunkeln, Thienemann 2016, ISBN 978-3-522-45825-2

 

Daniela Kulots Bilderbücher sind für eine große Fangemeinde aus Kindern und vorlesenden Eltern oder Erzieherinnen wegen ihres fröhlichen und eigenwilligen Humors in den letzten Jahren nicht nur in Deutschland zu großer Beliebtheit gelangt. Oft in lustigen Reimen verfasst, bestechen sie vor allen Dingen durch ihre witzig und originell gezeichneten Figuren.

 

So auch im hier vorliegenden neuen Buch, in dem Hermine Hase und Ringo Regenwurm bei Baldo Bär übernachten und schon vor dem Schlafengehen allerlei spannende und lustige Dinge miteinander erleben.

 

Doch nachdem Papa Bär nach eine Gutenacht-Geschichte das Licht ausgemacht hat, munkeln sie in Dunkeln und entdecken ein Gespenst.

Doch wenn sich einer im Dunkeln fürchtet, dann halten die drei Freunde erst recht zusammen…

 

Ein witziges Bilderbuch, das sich hervorragend eignet als Gute-Nacht-Buch.

Die Nacht, die Deutschland veränderte

 

 

 

 

 

 

Christian Wiemer, Gerhard Voogt, Die Nacht, die Deutschland veränderte, Riva 2017, ISBN 978-3-7423-0189-5

 

Das vorliegende Buch über die Silvesternacht 2015 in Köln, die in Deutschland einen regelrechten Schock ausgelöst hat und mannigfaltige Strategien der Verdrängung des Geschehenen und seiner Ursachen und Folgen an den Tag brachte, war wohl gerade im Druck oder in der Auslieferung, als am 31.12.2016 in Köln nur durch ein so vorher noch nicht erlebtes massives Aufgebot an Polizei eine Wiederholung verhinderte. Große Gruppen von nordafrikanischen jungen Männer kamen gezielt in die Domstadt um zu provozieren. Doch die Art und Weise, wie insbesondere die Vorsitzende der Grünen, Peter, den Polizeieinsatz als „racial profling“ denunzierte, erinnert sehr stark an die Verharmlosungen zu Beginn des Jahres 2016, als von vielen Grünen, Linken und Feministinnen die sexuellen Übergriffe mit Hinweisen auf das Oktoberfest relativiert wurden und die Opfer (Frauen!!) damit erneut verhöhnt wurden.

 

Vieles, was in dieser Nacht geschah, eine „Nacht die Deutschland veränderte“ kam erst nach und nach ans Licht der Öffentlichkeit. Die Angst vieler Verantwortlicher und Medien, es könnte das Ende der Willkommenskultur einläuten und Wasser auf die Mühlen der AfD sein, war groß. Tatsächlich aber haben der Umgang und die laschen und verharmlosenden Reaktionen auf das Geschehen den rechten Populisten erst recht Auftrieb gegeben.

 

In diesem Buch haben Christian Wiermer und Gerhard Voogt detailliert aufgelistet und beschrieben, was man heute ein Jahr danach über die damaligen Vorgänge weiß. So kann sich jeder ein eigenes Urteil bilden.

Sie legen genau dar, wie groß das Versagen des Staats tatsächlich gewesen ist und welche Folgen das hatte: für die Opfer, die Täter, für ein ganzes Land.

 

 

Die Geschichte eines neuen Namens

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Elena Ferrante, Die Geschichte eines neuen Namens, Suhrkamp 23017, ISBN 978-3-518-42574-9

Die Geschichte zweier ungewöhnlicher Frauen aus Neapel geht weiter. Die Geschichte einer ganz besonderen Freundschaft, wie sie nur unter Frauen möglich ist.

Eine Freundschaft, die seit Kindesbeinen bestimmt ist nicht nur von gegenseitiger Liebe und Wertschätzung, sondern immer wieder auch von Konkurrenz, Neid und Missgunst.

 

Elena Ferrante erzählt von den Jugendjahren der beiden Freundinnen Elena und Lila, wobei der Fokus dieses Mal sehr stark auf dem Schicksal von Lila liegt, die aus ihrer unglücklichen und früh geschlossenen Ehe(damit endete der Band 1) flieht und am Ende fast zugrunde geht als ausgebeutete Arbeiterin, die mit ihrem neuen Partner und ihrem Kind in einem regelrechten Loch lebt.

 

Elena hingegen geht mit einem Stipendium nach Pisa, wo sie eine Beziehung mit einem Mitstudenten hat und auch in ihren Leistungen recht erfolgreich ist, ja, sie entwickelt sich geradezu zu einer Vorzeigeschülerin. Dennoch spürt sie immer wieder, dass sie anders ist als ihre Kommilitonen. Sie hat eben nicht den gebildeten Stallgeruch der wohlhabenden Schichten, aus denen die meisten Studenten stammen. Immer wieder kommt sie sich dumm vor und glaubt, nur durch viel Fleiß dieses von ihr als beschämend erlebte Manko ausgleichen zu können.

 

Gleichzeitig muss sie, wenn sie in den Ferien nach Hause zurückkehrt, erleben, dass ihre Bildung, ihre Leistungen und Abschlüsse dort, wo sie herkommt, nichts zählen. Ja, sie entfremden sie regelrecht von dem, was sie dereinst als ihre Heimat bezeichnete.

 

Entfremdet ist auch ihre Beziehung zu Lila, zu der sie lange keinen wirklichen Kontakt hat und der es richtig dreckig geht. Sie spürt, dass ihre Liebesbeziehung zu dem jungen Studenten keine wirkliche Zukunft hat, als sie am Ende des Buches überraschend einem Mann gegenübersteht, den sie schon fast vergessen hatte…

 

Perfekte Spannung für den dritten Band, der im Frühjahr 2017 erscheinen wird.

Suchbild mit Katze


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Peter Henisch, Suchbild  mit Katze, Deuticke 2016, ISBN 978-3-552-06327-3

 

Der neue sehr stark autobiographisch geprägte Roman  von Peter Henisch knüpft wie ein weiterer Teil einer mehrbändigen Familiengeschichte an an seine beiden Romane „Die kleine Figur meines Vaters“ (1975) und „Eine sehr kleine Frau“ (2007).

 

Er gibt seinen Erinnerungen an seine Kindheit einen Rahmen, der ihn immer wieder in seinen unterschiedlichen Wohnungen, in denen er als Kind lebte und die er später mit seinen Partnerinnen teilte, an einem Fenster sitzend, neben sich seine jeweilige Katze, träumend hinaus in die Welt schauen lässt.

 

Er erinnert sich an seine Familie, nimmt in etlichen (fiktiven?) Gesprächen mit einer Journalistin immer wieder Bezug auf schon in anderen Büchern Beschriebenes aus seinem Leben.

 

Das, was ihn eigentlich sein ganzes Leben beschäftigte, das, was er in zahllosen Büchern, die alle einen mehr oder weniger autobiographischen Bezug haben, beschrieben hat, dem er sich in immer wiederkehrenden Erinnerungsschleifen und Selbstreflexionen zu nähern suchte, sind Fragen:

„Woher kommen wir, wohin gehen wir, was wird aus uns werden? Wer sind wir, wer waren wir, wer werden wir sein?“

 

Sich erinnernd, versichert er sich, dass er lebt. Sich träumend seiner Vergangenheit annähernd, verleiht er seiner Gegenwart Sinn. Er tut das mit einer vordergründig leichten Sprache, die aber, lässt man sie auf sich wirken, eine große menschliche Tiefe offenbart. Da schaut einer heiter und melancholisch zugleich auf sein Leben zurück, dessen einziger und größter Wunsch es immer war, zu schreiben und so zur Welt zu kommen.

 

Ein wunderbares literarisches Kleinod.

 

Bei Sturm am Meer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Philipp Blom, Bei Sturm am Meer, Zsolnay 2016, ISBN 978-3-552-05793-7

 

Seinen nunmehr dritten Roman hat der in Wien lebende gebürtige Hamburger Philipp Blom hier vorgelegt. Es erzählt sprachlich anmutig und ambitioniert die Geschichte einer Familie über drei Generationen hinweg, eine Geschichte von zerplatzten Träumen und lebenslangen Lügen.

 

Ben heißt die 44- jährige Hauptfigur dieser durchaus spannenden Familiengeschichte voller Täuschungen  und Selbsttäuschungen. Er befindet sich in Amsterdam. Dorthin ist er gegen den Widerstand seiner Frau gereist, um dort die Urne seiner verstorbenen Mutter Marlene zu bestatten. Aber weil die Urne irgendwo auf ihrem Postweg verschollen ist, muss er mehrere Tage warten. Er nutzt diese Zeit, um seinem vierjährigen Sohn Ben einen Brief zu schreiben, den dieser lesen soll, wenn er erwachsen geworden ist. Für Ben selbst wird dieser Brief zu einer erschütterten Reise zu sich selbst:

Ich will Dir alles erzählen und kann nur hoffen, dass du, wenn du in meinem Alter bist, selbst genug gelebt und gesehen hast, um jemanden zu verstehen, der gerade am Punkt des Scheiterns steht, der Protagonist einer absurden und improvisierten Familienkomödie.“

 

Immer wieder taucht eine Metapher auf, die für seine eigene Lebenswahrnehmung gilt, wie auch für die seiner Großmutter Elly und seiner Mutter Marlene, das Gefühl „bei Sturm am Meer“, übrigens auch der Titel eines Gemäldes, das bei seiner Mutter in der Wohnung hing.

 

Ben hat all die Jahre seines Lebens seiner Mutter geglaubt, die ihm erzählte, sein Vater sei als Spiegelreporter in Kolumbien verschwunden. Ob entführt oder umgebracht, bleibt unklar, aber sie lässt ihn für tot erklären. Doch Ben findet in der Unterlagen seiner verstorbenen Mutter Hinwies die ihn zu einer Frau führen, die die wahre Geschichte kennt und sie ihm auch ausführlich erzählt, als er sie aufsucht.

 

Die Lebenslügen, die hier zum Vorschein kommen, stellen Bens ganzes bisheriges Leben in Frage und es bleibt ihm keine andere Wahl, als sich ihnen zu stellen. Doch er selbst spürt mehr und mehr, dass er dazu neigt, sich beim Aufschreiben seiner Geschichte an seinen Sohn selbst etwas vorzumachen, die Lebenslügen seiner Eltern zu wiederholen.

 

Ob ihm das gelungen wird, ob er sein Leben und seine Ehe und sein Familienleben noch einmal auf die Reihe bekommen wird, lässt Philipp Blom offen.

 

Weil Blom die Vergangenheit häppchenweise und sukzessive für Ben und somit auch für den Leser offenlegt, ist der Roman spannend zu lesen. Und er fordert heraus. Wie sieht es in deinem eigenen Leben aus? Wie hast du dir es zurechtgelegt, welche Phasen und Geschehnisse lässt du liebe im Dunkeln?

 

Eine gekonnt und mit frischer Sprache erzählte Geschichte.

 

 

 

 

iRules

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Janell Burley Hofmann, iRules, Bananenblau 20916, ISBN 978-3-942334-72-3

 

Smartphones, Tablets und PC`s sind schon seit vielen Jahren aus der Lebenswelt von Kindern nicht mehr wegzudenken. Immer früher bekommen Kinder ihr erstes Gerät. Und es zeigt sich, dass ein frühes Training an den PC`s auch sinnvoll ist, denn schon im ersten Jahr an der weiterführenden Schule müssen sie damit umgehen können, denn viele Aufgaben und Übungen sind nur zu schaffen, wenn man digital alphabetisiert ist.

 

In vielen Familien helfen mittlerweile die Kids ihren Eltern, wenn bei deren Geräten irgendetwas nicht funktioniert oder sie nicht wissen, wie sie was tun müssen.

 

Die Aufgeregtheit über den Nutzen und den Schaden von Handys und PC`s hat nachgelassen und auch die Weckrufe von Prof. Spitzer nehmen in ihrer Übertreibung viele schon lange nicht mehr ernst.

 

Dennoch bleiben Risiken für junge Menschenkinder, wenn sie sich in der Welt des Internet bewegen. Als die Autorin des vorliegenden Buches, ihrem 13- jährigen Sohn an Heiligabend ein IPhone einpackt, da stellen sich ihr viele Fragen, Fragen, die viele andere Eltern auch bewegen.

 

Und sie schreibt sie auf, die IRules, die sie in einer Art Vertrag mit ihrem Sohn zusammen vereinbart und stellt sie selbst ins Internet. Der ungeahnte Erfolg dort lässt sie ihre IRules zu einem umfangreichen Buch ausarbeiten, das Bananenblau in einer deutschen Übersetzung vorlegt.

 

Unzählig viele Tipps gibt sie anderen Eltern, verrät ihnen, „was sie über Selfies, Sexting und Gaming wissen müssen“ und hilft ihnen beim Erreichen des Ziels, das Gleichgewicht zwischen Digitalisierung und menschlichen Beziehungen beizubehalten.

 

Das Buch belehrt nicht, es nimmt betroffene Eltern mit in eine Welt, in die sie ihren Kindern oft nicht mehr folgen können, hilft ihnen zu verstehen und gibt ihnen dennoch die nötige elterliche Autorität zurück. Auch Themen wie Cyber-Mobbing und Internetsex werden ausführlich behandelt.

 

Bei allen Details leidet das Buch aber an einem für einen praktischen Ratgeber zu großen Umfang.