Schlagwort-Archiv: Bilderbuch

Heule Eule

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Paul Friester, Heule Eule, NordSüd Verlag 2015, ISBN 978-314-10313-1

 

„Huuu- huu- huuuu!“! Die Tiere des Waldes erschrecken über ein schreckliches Heulen und denken natürlich sogleich, es sei ein Wolf. Doch bei näherem Hinsehen entdecken sie, dass das Heulen von einer kleine Eule kommt, die laut weint, sich nicht trösten lässt und auf besorgte Fragen der Tiere nach dem Grund ihres Heulens keine Antwort gibt, und nur noch stärker schluchzt

Die Tiere versuchen alles Mögliche, um die kleine Eule abzulenken, doch vergeblich: sie heult weiter. Die Ideen der Tiere sind wirklich fantasievoll, und ihr Bemühen erinnert an das verzweifelte Agieren von Eltern, wenn ihr kleiner Sohn oder ihre kleine Tochter weint, und sie nicht wissen warum.

Als endlich die Eulenmutter wieder in den Blick der kleinen Eule kommt, flüchtet sie sich unter ihre Fittiche. Auch die Mutter möchte wissen, was los ist: „Na, kleine Heule Eule – warum heulst du denn so?“
Die Tiere spitzen die Ohren – jetzt werden sie den Grund erfahren!

„Ich hab`s vergessen“, sagt die kleine Eule.

Ein schönes Bilderbuch über kleine Wesen, die auch einmal weinen ohne Grund, und Eltern brauchen, die sie dann einfach nur festhalten.

Unterwegs mein Schatz

 

 

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Willy Puchner, Unterwegs, mein Schatz, Nilpferd 2015, ISBN 0978-3-7074-5100-9

 

Eine ganz besondere und eigentümliche Bilderbuchgeschichte hat Willy Puchner hier entworfen. Einem nicht näher benannten Schatz (wohl einem Kind) schreibt er handgeschriebene Briefe. „Ein Brief ist wie ein kleines Universum, wie eine eigene kleine Welt.“

Er schreibt aus einem wunderbaren Land der Phantasie, in dem er sich ausmalt, was er will: Er geht als Wellensittich durchs Dorf, setzt eine Flaschenpost ins Meer, besucht das Buchstabenfest und blickt einer Katze in die Augen.

Jede Seite dieses ungewöhnlichen Buches gewährt Einblick in eine ungeahnte Sehnsuchtswelt, jedes Umblättern beglückt mit Poesie, Witz und unglaublichen Ideen. Es ist eine wundervolle Verbindung von Wirklichkeit und von Träumen. Die farbenfrohen Illustrationen sind genau wie die einzelnen Briefe jede für sich einzelne kleine Kunstwerke.

 

Voller Phantasie lädt das Buch Kinder geradezu ein, selbst ihre Phantasie und Kreativität zu entdecken.

Kleiner Floh ganz groß

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Laurie Cohen, Kleiner Floh, ganz groß, Gerstenberg 2015, ISBN 978-3-8369-5821-9

 

Dieses kleine handliche Bilderbuch für Kinder ab etwa 2 Jahren erzählt in einfachen Bildern und in knapper, verständlicher Sprache die Geschichte eines kleinen Flohs. Der fühlt sich extrem klein, wäre gerne groß, und beschließt auf verschiedene Dinge zu klettern.

Zuerst versucht er es mit der Erbse, dann mit einem Apfel, einer Blume und einer Kletterpflanze. Dann ist ihm nach Größerem und er setzt sich auf ein Haus, einen Mast, einen Wolkenkratzer und schließlich auf eine Wolke.

Ein Bär, der ihn, in die Luft schauend, dort entdeckt, macht sich lustig über ihn und sagt, er sei klitzeklein, während er dagegen …

Das hätte er lieber nicht gesagt, denn im Fell des Bären, auf den der Floh sich wutentbrannt gestürzt hat, ist der Floh sehr groß: der größte Quälgeist nämlich.

Ein schönes Bilderbuch, in dem die Kinder anschaulich etwas lernen können über Größenverhältnisse.

Mein großes Baustellenbuch

 

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Anne-Sophie Baumann, Didier Balicevic, Mein großes Baustellenbuch, Gerstenberg 2015, ISBN 978-3-8369-5861-5

 

Solche Bücher hat mein Sohn als er klein war, geliebt. Baustellen, Fahrzeuge, die dort gebraucht werden, Menschen, die dort die unterschiedlichsten Bauwerke errichten und vor allen Dingen viele Informationen über den Ablauf der Arbeiten und über deren Techniken.

Und wenn dann noch, wie in dem vorliegenden Buch von Anne-Sophie Baumann und Didier Balicevic, unzählige Aufklappen und Drehräder mit weiteren Entdeckungen dazukommen, dann ist der Buchgenuss für einen kleinen Jungen vollkommen.

Gezeigt werden auf je einer Doppelseite die Baustelle eines Hauses, wie ein Kran gebaut wird und eine Straße, eine U-Bahn und eine Brücke. Der Aufbau einer Achterbahn wird gezeigt und wie ein Flugzeug gebaut wird. Der Bau eines Schiffes und der Aufbau eines Zirkuszeltes bilden den Abschluss in einem Buch, mit dem sie jedem Jungen eine Freude machen werden, die lange anhält. Denn über viele Jahre wird er dieses Buch immer wieder in Hand nehmen, immer mehr verstehen und immer wieder Neues entdecken.

Bald ist Weihnachten. Für Jungen ab etwa vier Jahren ein ideales Geschenk.

Dsa sind alles Bilder und Wörter

 

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Yayo Kawamura, Das alles sind Bilder und Wörter, Coppenrath 2015, ISBN 978-3-649-61869-0

Dies ist ein wunderbares Buch für alle Kinder ab etwa 18 Monaten, also genau der Zeit, in der die Sprachentwicklung explodiert, der Wortschatz zunimmt und die Kleinen auf eine Weise wissbegierig sind und lernbereit, wie es später nur noch selten in dieser Intensität vorkommt.

Über 200 Begriffe aus der ganzen Welt des Kleinkindes sind nach Themen geordnet abgebildet und benannt. Was lässt sich das alles erkennen und benennen: Im Zuhause, im Garten, bei den Tieren und bei den Fahrzeugen, in der Küche und im Ablauf des Jahres mit den Jahreszeiten.

Jedes einzelnen Bild ist eine Einladung an die Kinder zum Sprechen und Erzählen. Ähnlich wie bei den Wimmelbüchern brauchen sie hierzu aber auch die Unterstützung und die Begeisterung von Erwachsenen, die mit ihren zusammen dieses Buch anschauen und die unzähligen Geschichten entdecken, die mit der fantasievollen Zusammenfügung einzelner Begriffe zum Leben erweckt und erzählt werden wollen.

Der Tod auf dem Apfelbaum

 

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Kathrin Schärer, Der Tod auf dem Apfelbaum, Atlantis 2015, ISBN 978-3-7152-0701-8

Das neue Bilderbuch von Kathrin Schärer ist ein wahres Kunstwerk. In Wort und Bild erzählt sie, ein altes Märchenmotiv aufgreifend, von einem Fuchs, der tatsächlich glaubt, den Tod überlisten zu können. Doch ein gutes Leben, und das hat der Fuchs zusammen mit seiner Frau durchaus geführt, bracht auch sein Ende. Doch es dauert, bis der Fuchs das verstehen und akzeptieren kann.

Zunächst ist es ein Zauberwiesel, das der alte und hungrige Fuchs, vor dem sonst alle rechtzeitig davonlaufen, gerade so fange kann. Dieses Wiesel verspricht ihm gegen seine Freilassung, dass durch einen Zauber ab sofort jeder Apfeldieb auf dem Baum den der Fuchs als seinen eigenen betrachtet, kleben bleibt. Das funktioniert und der Fuchs kann ungestört sein Obst genießen. Da kommt irgendwann der Tod und will ihn holen. Der Fuchs, schlau wie er ist, bittet den Tod ihm einen letzten Apfel zu pflücken. Schon sitzt der Tod auf dem Baum fest und der Fuchs jubiliert. Doch nicht lange. Denn er wird im er älter und schwächer, seine Frau stirbt und auch die ersten seiner Kinder. Er gehört nirgends mehr dazu.

Schließlich bittet er den Tod, zu ihm herunterzusteigen und ihn mitzunehmen.

„Für den Tod ist keine Zeit verstrichen, für ihn gibt es weder Zeit noch Raum. Er pflückt einen schönen, roten Apfel und steigt langsam vom Baum. Abwechslungsweise beißen die beiden in den Apfel – ohne zu sprechen. Dann umarmen sie sich, und dem alten Fuchs wird ganz leicht dabei. Er nickt und zusammen ziehen sie davon.“

Ein gutes Leben braucht auch sein Ende. Der Tod gehört zum Leben. Diese Weisheit hat Kathrin Schärer in beeindruckenden Bildern und einem poetischen Text umgesetzt. Ein preiswürdiges Bilderbuch.

 

 

 

 

 

Deine Hand in meiner Hand

 

 

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Mark Sperring, Britta Teckentrup, Deine Hand in meiner Hand, ArsEdition 2015, ISBN 978-3-8458-0776-8

 

Von Salah Naoura sehr feinfühlig und in Versen aus dem Englische übertragen, ist hier ein wunderbares Bilderbuch anzuzeigen, das von einer Mäusemutter und ihrem Kind erzählt:

„Deine Hand in meiner Hand,

genauso soll es sein.

Mit deiner Hand in meiner Hand

Sind wir nie allein.“

So beginnt das Buch, das ist sein Motto und Thema. Die Mutter und ihre Kind gehen durch die Welt, die Natur und die verschiedenen Jahreszeiten. Sie teilen schöne Momente und die kleinen und gro0en Wunder der Natur, eingedenk, dass die Zeit endlich ist:

„Lass uns keine Zeit verliern,

die Welt ist riesengroß.

Du und ich und ich und du

Ziehn gemeinsam los.“

Eine zarte und einfühlsame Erinnerung an die Großen, die Zeit mit ihren Kleinen zu nutzen und mit ihnen zusammen die Welt und ihre Welt zu entdecken und zu teilen.

Dass Eltern und Kinder wie die beiden im Buch sagen können:

„So verging ein ganzes Jahr,

vieles ist geschehn.

Mit deiner Hand in meiner Hand

War alles wunderschön.“

 

Familie Maus macht Picknick

 

 

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Kazua Iwamura, Familie Maus macht Picknick, NordSüd 2015, ISBN 978-3-314-10266-0

 

Mit zauberhaften Bildern schildert der japanische Autor Kazua Iwamura eine lustige Mausfamilie bestehend aus Mama Maus, Papa Maus, Oma Maus, Opa Maus und insgesamt 10 Mäusegeschwistern. Hana Christen hat sie aus dem Japanischen übersetzt und Roe Pflock hat daraus wunderschöne Verse gedichtet, die das Vorlesen dieses Buches und das Betrachten der zauberhaften Bildern zu einem sprachlichen und phonetischen Erlebnis machen können.

Auf dem Weg zu dem Platz, wo die Familie Maus ihr Picknick abhalten wird, begegnen sie in Feld und Wald zahlreichen anderen Tieren und vor allen Dingen auch Pflanzen. Sie staunen über ihre Spiegelbilder im Teich und versuchen in punkto Sprungtechnik den Fröschen nachzueifern. Nicht sehr erfolgreich.

Und dann endlich:

„Für die vielen leeren Mägen

Ist das Picknick nun ein Segen.

Alle schmausen höchst vergnüglich –

Essen, Trinken schmeckt vorzüglich !“

Ein wunderschönes Bilderbuch, in dem nicht nur die 10 Mäusegeschwister alles Mögliche entdecken können.

Herr Eichhorn und der König des Waldes

 

 

 

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Sebastian Meschenmoser, Herr Eichhorn und der König des Waldes, Thienemann 2015, ISBN 978-3-522-43800-1

 

Die Bilderbücher von Sebastian Meschenmoser sind sprachlich und künstlerisch vom Feinsten, was Bilderbücher bieten können.,

Besonders seine Reihe mit und über Herr Eichhorn haben schon viele Kinder und auch die vorlesenden Erwachsenen begeistert. In seinem neuen Buch erführt Herr Eichhorn eines Tages vom stolzen Steinbock vom König des Waldes, der in vielerlei Gestalt erscheinen kann. „Einmal in hundert Jahren steigt er aus dem Nebel herauf und streift durch Wald und Flur. Was der König sagt, ist Recht und Gesetz. Er bringt alles in Ordnung und lehrt uns ein besseres Leben.“

Herr Eichhorn ist beeindruckt von dieser messianischen Vision des Steinbocks und fragt sich gerade, ob er diesem König jemals begegnen wird, da riecht er etwas. Ein aus einem Campingwagen entlaufener kleiner Hund, der beim Jagen nach Schmetterlingen in einen Haufen alter Äste fällt von denen danach zwei wie ein Geweih in seinem Halsband steckenbleiben, kommt Herrn Eichhorn vor wie die Erscheinung des sagenumwobenen Königs.

Der erteilt den Tieren im Wald seine einzige und wichtigste Lebensregel: hinterlasse überall deinen Duft. Es stellt sich heraus, nachdem er bald wieder verschwunden ist, dass diese Regel alles andere als königlich ist und die Tiere und große Verwirrung stürzt….

Wie Meschenmoser diese Geschichte erzählt und illustriert ist große Bilderbuchkunst.

 

 

 

Die Biene die sprechen konnte

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Al MacCuish, Die Biene, die sprechen konnte, Orell Füssli 2014, ISBN 978-3-280-03478-1

 

Voller Charme kommt die von einer wahren Geschichte des französischen Biologen Bernhard Chevilliat inspirierten Geschichte daher. Elegant und leicht erzählt, ist sie sowohl unterhaltsam für die Kinder und vermittelt dazu noch Wissen über die Natur.

 

Belle, ein französisches Mädchen, lebt in Paris. Sie kennt die Stadt ganz genau. Jeden Sommer fährt sie mit ihren Eltern zu den Großeltern aufs Land. Dort bekommt sie ein Geschenk vom Opa, das sie den Sommer lang begleitet und eine wichtige Rolle spielt. Dieses Mal ist es das alte Fahrrad ihrer Mutter, mit dem sie sofort einen Ausflug unternimmt. Typisch für ein Stadtmädchen verfährt sich Belle sofort und stürzt zu allem Unglück auch noch. Hoffnungslos ist sie, als eine Biene zu ihr kommt. Es ist eine besondere Biene, denn sie kann sprechen. Sie hilft Belle und zeigt ihr das Land, den Wald, die Blumen, die Bienen, die Natur. Ein zauberhafter Sommer erlebt Belle.

„La nature est bien faite“, sagt die Biene mitten in der Geschichte zu Belle („Die Natur ist perfekt gemacht.“). Es ist ein Schlüsselsatz für diese wunderbare Erzählung. Leicht und mit französischem Charme macht Al MacCuish den Kindern beim Lesen Lust auf die Natur. „Geht raus, hört genau den Tieren und Pflanzen zu. Beobachtet sie. Erlebt Abenteuer“ ruft er nicht nur seiner Figur Belle zu, sondern allen Kindern.

Gleichzeitig zeigt er den Lesern, wie wichtig die Bienen für die Natur sind. Ohne sie gäbe es nur sehr wenig. Das Reizvolle am Kinderbuch ist die leichte Erzählung, die Vermeidung jeglicher mahnender, störender pädagogischer Hinweise.

Rebecca Gibbon illustrierte das Bilderbuch in genau der richtigen Art und Weise. Die an die 50iger Jahre erinnernden Bilder zaubern einen französischen Sommer auf dem Lande herbei. Frisches Grün und fröhliches Gelb erfreuen Herz und Auge. Immer wieder findet man einfache und dennoch gut zu erkennende Tiere und Pflanzen, die man gut bestimmen kann.

Wer ein Sommerbilderbuch sucht, das leicht-charmant Lust auf Natur macht, dem empfehle ich von ganzem Herzen das wunderbare Kinderbuch „Die Biene, die sprechen konnte“ von Al MacCuish.