Schlagwort-Archiv: Bilderbuch

Welche Farbe hat der Himmel?

 

 

 

 

 

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Peter Reynolds, Welche Farbe hat der Himmel, Gerstenberg 2015, ISBN 978-3-8369-5813-4

 

Marisol, die Hauptfigur des vorliegenden in England schon 2012 erschienenen Bilderbuchs von Peter Reynolds ist eine wahre Künstlerin. Sie malt und zeichnet gern und hat am Kühlschrank in der Küche sogar schon eine kleine private Kunstgalerie.

Mit Plakaten, die sie herumzeigt, setzt sie sich für Ideen ein, die sie gut findet. Jeder in der Schule kennt sie und ihren Malkasten und viele Kinder staunen oft über ihre Überzeugung, dass jeder Mensch ein Künstler sei.

Als die Lehrerin ankündigt, die Klasse würde für die Bücherei ein Wandgemälde gestalten, schwirrt die Luft vor lauter Ideen. Sie machen eine Skizze und teilen sich die Themen auf. Marisol will den Himmel malen. Doch es gibt im Farbkasten kein Blau. Auf dem ganzen Heimweg beobachtet Marisol den Himmel und beobachte abends die Dämmerung von ihrem Balkon.

Als sie am nächsten Morgen bei strömendem Regen auf den Schulbus wartet, ist der Himmel auch alles andere als blau. Und als sie in der Schule ohne blau beginnt den Himmel zu malen, staunen die Kinder. „Das ist die Himmelfarbe“, sagt Marisol und das Bild sieht wunderschön aus. Die Himmelfarbe harmoniert wunderbar mit allem anderen, das die anderen Kinder gemalt haben.

Ein wunderschönes Bilderbuch über kreative Fantasie und die Gestaltung erlebter Wirklichkeit.

Noch ein Knuffelhase

 

 

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Mo Willems, Noch ein Knuffelhase, Gerstenberg 2015, ISBN 978-3-8369-5744-1

 

Viele kleine Kinder und ihre vorlesenden Eltern erinnern sich noch gern an das erste Bilderbuch von Mo Willems, in dem sie erzählt, wie die kleine Trixie zu ihrem Knuffelhasen kommt und ihn seitdem nicht mehr aus den Armen und Augen lässt.

Nun ist ein zweites Buch von Trixie und ihrem Knuffelhasen bei Gerstenberg in Hildesheim erschienen und schon im Titel deutet sich an, dass darin wohl ein zweiter Knuffelhase vorkommt. Und tatsächlich: als Trixie eines Tages ihren Knuffelhasen zum ersten Mal mit in den Kindergarten nehmen darf und die Vorfreude darauf sie völlig aus dem Häuschen sein lässt, erlebt sie bald nach ihrer Ankunft eine böse Überraschung. Ein anderes Mädchen hat den gleichen Hasen mitgebracht. Sie nennt ihren Hasen „Kuschel“ und schon bald muss die Erzieherin den heftigen Streit der beiden Mädchen damit beenden, dass sie beide Hasen konfisziert.

Als sie nach dem Ende des Kindergartens ihren Knuffel zurückerhält, ist die Welt für Trixie wieder in Ordnung. Doch mitten in der Nacht um halb drei wacht sie auf, weil sie erkannt hat, dass die Erzieherin die beiden Kuscheltiere verwechselt hat. Trixie ruht nicht eher, bis ihr Papa mitten in der Nacht die Eltern des anderen Mädchens anruft und noch in der Nacht eine Übergabe am Arc de Triomphe vereinbart wird. Denn Sonja, das andere Mädchen, hat die gleiche Entdeckung gemacht und ihren Vater genervt

Kein Wunder, dass die beiden Mädchen danach die besten Freundinnen wurden. Ob sie ihre Hasen danach jemals wieder in den Kindergraten mitnahmen, ist nicht bekannt. Aber das wird vielleicht im dritten Buch verraten?

Wie ein Wolf

 

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Geraldine Elschner, Antoine Guilloppe,  minedition 2014, ISBN 978-3-86566-260-6

 

Ein Hund ist die zunächst sehr traurige Hauptfigur in diesem beeindruckenden Bilderbuch, dessen Illustrationen von Antoine Guilloppe auf faszinierende Weise mit den Farben Weiß und Schwarz, mit Licht und Schatten spielen und immer wieder die Perspektive des Betrachters herausfordern.

Der Hund führt ein miserables Leben in einem elenden Hinterhof, wo er angebunden ist und sein Leid hinausheult. Die Anwohner vergleichen ihn mit einem Wolf, weil er so aussieht und sich auch oft so benimmt. Sie haben Angst vor ihm. Nicht nur deshalb kommt er irgendwann in ein Tierheim. Niemand will ihn von dort mitnehmen wegen seiner Wolfsart.

Als aber ein Schäfer eines Tages kommt, erkennt er die Qualitäten des Hundes sofort und nimmt ihn mit auf seinen Weiden zu seinen Schafen

Und der Hund, der seine eigene Geschichte selbst erzählt, sagt am Ende: Endlich bin ich das geworden, was ich schon immer war: ein guter Hund.

Ein berührendes Bilderbuch, das zu Gesprächen darüber einlädt, ob es das, was der Hund erlebt, auch bei Menschenkindern gibt.

Als das Faultier mit seinem Baum verschwand

 

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Oliver Scherz, Als das Faultier mit seinem Baum verschwand , Beltz & Gelberg 2015, ISBN 978-3-407-82067-9

 

In einem Urwald in einem fernen Land hängt das Faultier an seinem Baum, denn ein Faultier verlässt seinen Baum niemals. Nicht mal, wenn der Baum gefällt wird. Zusammen mit dem Faultier reist er über den Ozean, kommt in ein Sägewerk und wird zu einem Stuhl – an dem kopfüber das Faultier hängt. Niemals würde es seinen Baum verlassen, nichts zu machen. Nur Paul ahnt, dass es so nicht weitergehen kann und steckt es, mit dem Stuhl, in einen Karton. Adresse: Urwald!

Das Leben ist schön und einfach, wenn man weiß, wo man hingehört. Aber was passiert, wenn die eigene Heimat plötzlich durcheinandergebracht wird? Wenn zum Beispiel der eigene Lieblingsbaum, an den geschmiegt es sich so wunderbar schlafen lässt, gefällt wird und beim Aufwachen alles anders ist als zuvor?

So passiert es dem armen Faultier, der Hauptfigur dieses Bilderbuchs. Mit wunderbar großen Augen schaut es einen an und versteht die Welt nicht mehr. Bis es seinen Baum wiederfindet, der nun ein Stuhl geworden ist. Aber das Faultier ist nicht wählerisch: Schmiegt es sich eben an den Stuhl!

Dem kleinen Paul ist es zu verdanken, dass diese Geschichte ein gutes Ende nehmen kann. Denn Paul überredet nicht nur seinen Papa zum Stuhl-Kauf, er weiß auch wie sich Heimweh anfühlt. Und statt große Worte zu machen, hilft er dem Faultier.

Es ist eine schräge Geschichte, die Oliver Scherz erzählt, aber sie berührt und ist auf verschiedenen Ebenen zu lesen. Sie erklärt Heimweh und dass manche Gefühle universal sind. Aber sie ließe auch Diskussionen darüber zu, woher eigentlich das Holz für unsere Möbel kommt und warum wir dafür einen Dschungel abholzen müssen. Es macht diese Geschichte besonders sympathisch, dass sich dieser Tiefsinn nicht aufdrängt. Der Leser kann sich auch einfach von den herrlichen Illustrationen Katja Gehrmanns mitreißen lassen, mit den Affen durch den Dschungel purzeln und einfach sagen: Ein fabelhaftes Bilderbuch!

 

Der Dachs hat heute einfach Pech

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Moritz Petz, Der Dachs hat heute einfach Pech, NordSüd Verlag 2015, ISBN 978-3-314-10231-8

 

 

Vor zwei Jahren, als Moritz Petz seinen sympathischen Dachs in die Bilderbuchwelt einführte, hatte der schlechte Laune und wusste nicht so recht warum. Etwas was viele Eltern bei ihren Kindern gut kennen.

 

Im neuen Buch vom kleinen Dachs geht es um eine weitere eher negative Gefühlslage. Er sieht sich vom Pech verfolgt. Schon früh am Morgen kurz nach dem Aufstehen macht er die Erfahrung, dass ihm ein Lapsus nach dem anderen passiert. Erst fällt die Lampe um, dann zerbricht seine Lieblingstasse und seine Stifte kann er auch nicht finden.

 

Als er völlig frustriert das Haus verlässt, verfolgt ihn das Unglück und er fällt mit seiner Schubkarre über einen Spaten. Im Gespräch mit den anderen Tiere, die er unterwegs trifft, klagt er sein Leid und erfährt, dass es denen genauso geht und auch sie sich vom Pech verfolgt fühlen.

 

Traurig geht der Dachs nach Hause, doch dort wartet eine wundervolle Überraschung auf ihn….

 

Ein schönes Bilderbuch, das positive Erfahrungen vermitteln möchte. Deine Gefühle können ins Wanken geraten, sagt es den Kindern, aber es kann alles wieder gut werden. Die Psychologen nennen das Resilienz.

 

Warme Bilder von Amelie Jackowski kontrastieren ein ihren bunten Farben und eine reiche Auswahl von Tieren (Dachs, Maus, Hirsch und Waschbär bis hin zum Eichhörnchen, Hasen, Frosch und Fuchs) bietet viele verschiedenen Möglichkeiten zur Identifikation.