Schlagwort-Archiv: Bilderbuch

Der Fuchs und die verlorenen Buchstaben

 

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Pamela Zagarenski, Der Fuchs und die verlorenen Buchstaben, Knesebeck 2016, ISBN 978-3-86873-942-8

 

Dieses zuerst in  New York erschienene und von Gundula Müller-Wallraf ins Deutsche übertragene Bilderbuch von Pamela Zagarenski ist  eine wahre Liebeserklärung an die Macht und Kraft der (kindlichen) Phantasie.

 

Es erzählt von einem kleinen Mädchen, das sich von ihrer Lehrerin, die seine Vorliebe für Bücher entdeckt und sein Interesse fördern will, ein wunderschönes magisches Buch voller Geschichten ausleiht. Leider fallen auf dem Weg nach Hause alle Buchstaben aus dem Buch heraus, ohne dass das Mädchen es merkt. Doch ein Fuchs, der auf allen weiteren Seiten auftaucht, hat sie mit einem Netz vorsorglich eingefangen.

 

Als das Mädchen nach dem Essen in ihrem Zimmer das Buch aufschlägt, sind nur noch die wunderschönen Bilder zu sehen. Tief enttäuscht hört sie gleich darauf im Rauschen des Windes ein Flüstern, das ihr vorschlägt, selbst die Geschichten zu den Bildern zu erzählen und zu erfinden.

 

Tolle Geschichten fallen ihr ein, und am nächsten Morgen ist sie noch ganz bewegt von den Figuren, die darin vorkamen. Auf dem Weg zur Schule trifft sie den Fuchs, der ihr die eingefangenen Buchstaben überreicht und einen  ganz besonderen Wunsch hat, der am Ende des Buches verraten wird.

 

In der Schule angekommen, kann das Mädchen es gar nicht erwarten, ihrer Lehrerin ihre eigenen Geschichten zu erzählen.

 

Zauberhafte und magische Illustrationen bebildern ein Buch, das Kinder ermutigt zu ihren eigenen Geschichten, ihnen vermittelt, dass sie nicht  nur Freude am Lesen fremder Erzählungen haben können, sondern dass auch ureigene in ihnen schlummern.

Anton und Stups

 

 

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Claire Freedman, Anton und Stups, Thienemann 2016, ISBN 978-3-522-45818-4

 

Claire Freedman, 1958 geboren, hat schon viele Kinderbücher veröffentlicht.  Das vorliegende Bilderbuch, das die in Worcestershire lebende Künstlerin Kate Hindley auf eigenwillige, aber sehr schöne Weise illustriert hat, handelt davon, wie man Freunde finden kann, wenn man nur sucht.

 

Es geht um den sympathischen Jungen Anton, der eines Tages auf der Straße einen herrenlosen Hund findet. Auf dessen Halsband steht nur Stups. Anton und Stups sind sofort dicke Freunde und das erste Mal, seit er mit seiner Familie in die große Stadt gezogen ist, fühlt sich Anton nicht mehr allein. Aber was, wenn Stups doch jemandem gehört? Jemandem, der seinen kleinen Hund jetzt überall sucht?

 

Eine herzerwärmende Geschichte, die allen Kindern gefallen wird, die selbst einen Hund haben oder sich einen wünschen.

Ein Apfel für alle

 

 

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Feridun Oral, Ein Apfel für alle, minedition 2016, ISBN 978-3-86566-344-3

 

Ein wunderschönes Bilderbuch ist hier anzuzeigen, ein Buch voller Wärme, Menschlichkeit und Mitgefühl. Es will Kindern zeigen, was alles gelingen kann, wenn man für ein Ziel zusammenarbeitet.

 

Ein  Hase liegt mitten im Winter in seinem Bau. Gemütlich hat er es dort, wo ringsherum die ganze Natur unter einer dicken Schneeschicht verborgen ist. Wenn er nur nicht solch einen Hunger hätte! Weil der gar nicht aufhören will, muss er hinaus auf die Futtersuche. Endlich (alles ist ja unter Schnee versteckt) entdeckt er auf einem Baum einen einsamen roten Apfel. Er freut sich über den Fund, aber der Apfel hängt so hoch, dass er ihn allein nicht erreichen kann.

 

Er fragt seine Freunde, die Maus und den Fuchs. Die wollen gerne behilflich sein, aber auch zu dritt können sie den Apfel nicht erreichen. Erst als sich der Bär dazugesellt, gelingt es.

 

Sie teilen sich die Frucht und schlafen dann glücklich zusammengekuschelt in der Bärenhöhle ein.

 

Gemeinsam geht eben alles besser!

An einem kalten Wintermorgen

 

 

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Feridun Oral, An einem kalten Wintermorgen…, Minedition 2016, ISBN 978-3-85566-304-7

 

Mit poetischen und zarten Bildern illustriert, erzählt der türkische Künstler Feridun Oral eine wunderbare, ermutigende und warmherzige Geschichte. Eine Geschichte, die Kindern zeigt, wie man gemeinsam und auch mit dem nötigen Nachdruck etwas erreichen und auch schwierige Situationen meistern kann.

 

Eine kleine Maus erlebt an einem Wintermorgen eine schlimme Überraschung. Es ist sehr viel Schnee gefallen, der ihr Probleme macht. Denn sie muss Feuerholz suchen, um ihre Familie warm halten zu können. Frierend stapft sie auf ihren kleinen Füssen durch den Wald und sammelt alles ein, was sie brauchen kann und schichtet es auf einen riesigen Haufen auf: Zweige, Tannenzapfen, alles, was brennt.

 

Die Frage aber ist, wie sie das alles nach Hause bekommt. Doch die Maus hat Freunde, und der Hase, der Fuchs und der Bär kommen um zu helfen. Da bricht ein heftiger Sturm los und wirbelt sie durcheinander. Eng aneinander geschmiegt warten sie unter einem Holzhaufen, bis der Sturm vorüber ist.

 

Und dann haben sie sich die Holzvorräte geteilt, sodass es für alle vier Familien ein warmer Winter wird.

 

Ein Hoch auf die Freunde.

 

 

 

 

 

Kleine Nachtkatze

 

 

 

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Sonja Danowski, Kleine Nachtkatze, NordSüd 2016, ISBN 978-3-314-10337-7

 

Dem von ihr illustrierten ins Deutsche übersetzten Bilderbuch „Oma trinkt im Himmel Tee“, das 2015 ebenfalls bei NordSüd erschienen ist, hat in diesem Jahr die American Library Association die Auszeichnung „Mildred-L.-Batchelder-Ehrenbuch verliehen. Es war ein sehr einfühlsames und am Ende dann gar nicht mehr so trauriges Buch über Verlust und Erinnerung aus der Wahrnehmung eines Kindes, das durch Sonja Danowskis zauberhafte Bilder eine sehr tiefe und stimmige Aussage erhielt.

 

Nun legt sie wieder ein wunderbares Bilderbuch vor, für das sie sogar ein kleines Lied komponiert hat, das den gleichen Titel trägt wie das Buch.

 

Darin wird erzählt von dem kleinen Jungen Toni und seiner ganz außergewöhnlich innigen und liebevollen Beziehung zu seiner Mutter. Die hat am nächsten Tag mit ihrem Cello einen Auftritt im örtlichen Tierheim, wo eine Tombola die Einnahmen für die Verpflegung der Tiere verbessern soll. Toni will sich daran beteiligen und malt ein Bild von einem schönen Panther. Doch das scheint ihm nicht genug, und deshalb schlägt er seiner Mutter vor, all seine Kuscheltiere zu spenden.

 

Überraschenderweise stimmt sie zu, und so fahren sie am nächsten Tag ins Tierheim. Dort lernt er einen Kater mit samtgrauem Fell kennen, der auf den Namen Valentin hört und summt ihm das Lied von der kleinen Nachtkatze vor( ist am Ende des Buches abgedruckt zum Nachspielen und Summen).

 

Die Tombola wird ein großer Erfolg und auch der Auftritt seiner Mutter mit Anne, der Leiterin des Tierheims, kommt gut an. Glücklich und zufrieden kehrt Toni nach Hause zurück, nachdem er sich noch einmal extra von Valentin verabschiedet hat. Aber er kann an diesem Tag nicht einschlafen, weil er seine Kuscheltiere vermisst. Seine Mutter hat schon so etwas geahnt, und schenkt ihm den alten Plüschkater Paul, den sie selbst vor 30 Jahren als Kuscheltier hatte.

 

Toni ist zufrieden, um Paul darf im Körbchen des Fahrrads seiner Mutter auch am nächsten Morgen mit in die Schule fahren. Doch groß ist Tonis Enttäuschung am Nachmittag, als Paul nicht dabei ist, als seine Mama ihn abholt.

 

Doch zu Hause wartet eine große Überraschung auf ihn…

 

Mit ihren zarten Bildern von großer atmosphärischer Dichte erzählt Sonja Danowski nicht nur von einer absolut warmherzigen Beziehung einer Mutter zu ihrem Jungen, sondern auch von der Geschichte einer Freundschaft zwischen einem Jungen und einem Tier.

 

Ein wunderschönes, preisverdächtiges Bilderbuch.

 

 

 

Noch einmal schlafen

 

 

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Gino Alberti, Noch einmal schlafen, Gerstenberg 2016, ISBN 978-3-8369-5870-7

 

Der kleine Elefant Nico lebt in der afrikanischen Savanne. Eines Tages bringt ihm der Storch einen Brief. Dessen Inhalt verwandelt ihn.  Er ist aufgeregt, ungeduldig, verträumt, übermütig, aufgedreht, furchtlos.

Glücklich, fröhlich und mutig erzählt er vielen Tieren, dass „es“ bald soweit ist. Nur noch einmal schlafen.

Ganz gespannt blättert man immer weiter beim Vorlesen. Total gespannt darauf, auf was denn der kleine Nico da mit allen Sinnen wartet.

Seht selbst.

 

Ein sehr warmherzig erzähltes und illustriertes Bilderbuch, das in jede Handtasche passt.

Zuhause

 

 

 

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Carson Ellis, Zuhause, NordSüd 2016, ISBN 978-3-314-10334-6

 

In ihrem ersten Bilderbuch für NordSüd erzählt die für die zusammen mit ihrem Mann verfassten Wildwood-Chroniken international bekannt geworden Carson Ellis mit zauberhaften und ausdrucksstarken Bildern, von dem, nach dem sich alle Menschen sehnen, und das doch so unterschiedlich aussehen kann.

 

Verschiedene Wohnformen überall auf der Welt, und verschiedene Bewohner. Teilwiese auch lustige, wie etwa die Mondianer, oder der nordische Gott.

 

Phantasievoll in Wort und Bild von der ersten bis zur letzten Seite passt das Buch außerordentlich gut in Bilderbuchpalette von NordSüd. Vielleicht bekommen wir in den kommenden Jahren noch mehr von Carson Ellis zu sehen.

 

 

Wer lächelt hier?

 

 

 

 

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Yusuke Yonezu, Wer lächelt hier, Minedition 2016, ISBN 978-3-86566-282-8

 

Ganz erstaunliche und überraschende Entdeckungen können schon ganz kleine Kinder mit diesen schönen und lustigen Klappbilderbuchs des 1982 geborenen japanischen Illustrators Yusuke Yonezu machen.

 

In „Wer lächelt hier?“ wird auf der linken Seite insgesamt sieben Mal mit wenigen Strichen oder Punkten ein zu erratendes Tieres angedeutet. Dann dürfen die Kinder die nächste aus stabilem Kartonpapier hergestellten Buchseite hochklappen und jeweils zwei überraschende Lösungen finden.

 

Eine schöne Idee schon für die allerkleinsten Buchliebhaber.

 

 

Zwerg Zwirbels magisches Märchen-ABC

 

 

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Silke Leffler, Zwerg Zwirbels magisches Märchen ABC, NordSüd 2016, ISBN 978-3-314-10155-7

 

Silke Leffler, die seit 1998 als Illustratorin arbeitet, gilt mittlerweile als eine der bekanntesten und originellsten Gestalterinnen von Kinder- und Bilderbüchern. Sie hat viele Preise bekommen für ihre Arbeiten und legt nun mit „Zwerg Zwirbels magisches Märchen ABC“ ein neues Bilderbuch bei NordSüd vor.

 

Dafür hat sie den Zwerg Zwirbel erfunden, der auf der ersten Seite am Märchen(buch)see sitzt und Buchstaben angelt. Und für einen nach dem anderen, beginnend mit A und endend mit Z  sucht er sich ein Märchen aus und denkt sich lustige Sätze dazu aus.

 

Sätze, deren Wörter soweit es geht immer mit demselben Buchstaben anfangen. Etwa:

„Aladin achtet unterm Abendstern auf Aschenputtels Abendkleider und Ausgehschuhe.“

Oder:

„Hänsel holt heimlich hundert himmlische Honigkuchenherzen aus dem Hexenhäuschen“

 

Und Silke Leffler hat zu jedem dieser fantasievollen Sätze ein ausdrucksstarkes Bild gemalt, in ihrem unverwechselbaren Stil.

 

So macht das Lernen des ABCs und der Sprache Freude.

Post für Paul und Ida

 

 

 

 

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Sharon Rentta, Post für Paul und Ida, Gerstenberg 2016, ISBN 978-3-8369-5907-0

 

Sharon Rentta hat ein unnachahmliches Talent, mit lustigen Tierfiguren und sich um sie rankende Geschichten, mit denen sich die ihre Bilderbücher betrachtenden Kinder gleich identifizieren können, etwas zu beschreiben und zu erklären, wofür sich alle Kinder interessieren, nicht nur die kleinen Jungen. So hat sie etwa in ihrem Buch „Tobis Tierklinik“ 2011 Kindern einen wunderbaren und anschaulichen Überblick über das Innenleben eines Krankenhauses verschafft und in drei anderen Büchern mit männlichen Protagonisten erklärt, wie es auf einer Baustelle, bei der Feuerwehr und in eienr Autowerkstatt zugeht.

 

In ihrem neuen Bilderbuch „Post für Paul und Ida“ lässt sie den kleinen Bär Paul Einblick gewinnen in die Arbeit seines Vaters, der als Postbote arbeitet. Die Kinder lernen eine Menge über den Weg eines Briefes und  die Arbeit der Post und haben wieder eine Menge Spaß beim Betrachten der teilweise skurrilen Bilder. Denn wie in allen anderen früheren Büchern sind alle handelnden Personen Tiere, kleine und große.

 

Erneut ist Sharon Rentta eine vorbildliche Mischung gelungen aus Sachinformationen und im Buch enthaltenen Geschichten. Dies sorgt bei den kleinen Lesern bzw. Zuhörern für genug Abwechslung und für eine Menge Spaß.