Schlagwort-Archiv: Bilderbuch

Benjamin

 

 

 

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Elfi Nijssen, Eline van Lindenhuizen, Benjamin, Patmos 2016, ISBN 978-3-8436-0766-7

 

In dem vorliegenden Bilderbuch, das vor sieben Jahren schon in Belgien und in den Niederlanden erschienen ist, geht es in einer leisen und sensibel erzählten Geschichte um Abschied und Trauer auf der einen, und um Hoffnung und Freude am Leben auf der anderen Seite.

 

Robin, die Hauptperson des Bilderbuches ist ein glücklicher Junge. Er hat Eltern, die ihm alles geben, was sie können und ihn unendlich lieben.

Eines Tages bekommt Robin einen kleinen Bruder, den die Eltern Benjamin nennen. Doch er ist krank, wird nicht mehr gesund und noch bevor Robin sich richtig ausmalen kann, was er dereinst alles mit ihm einmal unternehmen kann, ist er gestorben. Das zur Geburt geplante Fest fällt aus. Es wird aber auch von keiner Bestattungsfeier erzählt, sodass dem kleinen Jungen nur der Hinweis der Mutter bleibt, Benjamin sei unterwegs zu den Sternen

 

Aus der kindlichen Wahrnehmung heraus erzählt das Bilderbuch nun, wie sich die Mitglieder von Robins Familie nach dem Tod von Benjamin  verhalten und wie durcheinander er das alles empfindet. Weil seine Idee eine Leiter in den Himmel zu bauen, nicht realistisch ist, hat seine Lehrerin eine wunderbare Idee. Sie malt zusammen mit Robin ein Bild, schreibt seine Wünsche und Träume darauf, rollt es zusammen und bindet es an einen Luftballon, den sie fliegen lassen. Er will, dass Mama und Papa wieder glücklich sind.

 

Und mit der Zeit verändert sich das Leben in der Familie wieder. Robin unternimmt mit seinen Eltern wieder schöne Sachen und eines Tages sagen sie ihm, dass er eine Schwester bekommen wird.  Robins Wünsche sind in Erfüllung gegangen und die ganze Familie wieder glücklich. Dass Robin mit seinem Vater rauft, Fußball spielt und Fahrrad fährt und mit seiner Mutter kocht und kuschelt, mag in diesen Gender Mainstreaming Zeiten als unkorrekt angesehen werden, mich hat es nicht gestört.

 

 

 

 

 

 

Zusammen

 

 

 

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Rainer Oberthür, Barbara Nascimbeni, Zusammen. Die Geschichte von den Bilder- und den Wortmenschen, Gabriel 2016, ISBN 978-3-522-30432-0

 

In seinem neuen Bilderbuch, zu dem Barbara Nascimbeni zauberhafte und zart kolorierte Illustrationen beigesteuert hat, beschäftigt sich der Aachener Religionspädagoge Rainer Oberthür mit der Integration von Gefühl und Verstand, zwei Polen menschlichen Geistes, die oft gegeneinander ausgespielt werden und doch nur im Wechselspiel miteinander die Menschen voranbringen.

 

Er erzählt eine Geschichte, die einem Mythos einer alten Kultur entsprungen sein könnte. Da lebte in einem fernen Land weit vor unserer Zeit ein Volk, das kaum Worte kannte. Als Augenmenschen waren sie reich an Bildern, mit denen sie die Welt sahen und sich erklärten, aber sie konnten das, was sie sahen, nicht in Worte fassen. Und so blieben sie, obwohl sie wunderbare Bilder malen konnten, in sich und ihren Bildern gefangen. Einsam. Allein. Und je älter sie wurden, desto mehr verloren die in der Kindheit noch strahlenden Bilder ihren Glanz. Sie verblassten und wenn die Bildermenschen starben, waren sie verschwunden. Sie gingen aus der Welt ohne Hoffnung.

 

Zur selben Zeit, an einem anderen weit entfernten Ort, lebte ein Volk, das war arm an Bildern. Die Wortmenschen gingen als Sprachwesen durch die Welt wie durch einen Nebel. Mit vielen wunderbaren Worten konnten sie die Welt beschreiben, doch sie blieb ihnen immer seltsam gesichtslos.

 

Den ganzen Tag redeten sie. Nur so konnten sie ihre Welt zur Sprache bringen und zum Leben erwecken. Aber ihnen fehlte jegliche Einbildung, Phantasie und bildliche Vorstellungskraft. Und so wie in dem anderen Volk – jeder blieb in seinen Worten gefangen. Einsam. Allein.

Und auch bei ihnen verblassten die Worte mit dem Alter, verloren ihre Deutungs- und Hoffnungskraft und wurden schal. Sie gingen aus der Welt ohne Hoffnung.

 

So wäre es immer geblieben, hätten sich nicht eines Tages ein Bildermädchen und ein Wortjunge auf den Weg gemacht, um neue Bilder bzw.  Worte zu finden. Sie begegnen sich im Niemandsland zwischen ihren Welten und überwinden ihre jeweilige Sprach- und Bilderlosigkeiten. Sie lernt Worte kennen um ihr Inneres auszusprechen und er staunt über die Kraft der Bilder, die durch das Mädchen in ihm aufsteigen. Sie lehrt ihn den Reichtum der Bilder und er ihr den Reichtum der Worte. Sie kehren heim und sorgen dafür, dass die beiden Völker ein großes Fest der Verständigung feiern. Sie kommen für immer zusammen.

Seither suchen die Menschen:

„Sie suchen gemeinsam nach dem Sinn des Lebens.

Sie suchen gemeinsam nach den Antworten hinter den Fragen.

Zusammen suchen sie nach dem Unsichtbaren hinter dem Sichtbaren.

Zusammen suchen sie nach dem Geheimnis hinter den Tatsachen der Welt.“

 

Ein ganz besonderes Bilderbuch mit einer poetisch- spirituellen Geschichte über Bilder und Worte und die Versöhnung von Verstand und Gefühl. Auch für Erwachsene zum Nachdenken geeignet.

 

 

 

 

Aschenputtel

 

 

 

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Mehrdad Zaeri, Christina Laube, Aschenputtel, Knesebeck 2016, ISBN 978-3-86873-768-4

 

In diesem prächtig ausgestatteten Bilderbuch hat Christina Laube das bekannte Märchen vom Aschenputtel mit wenigen Worten ansprechend nacherzählt.

Ihr sensibler Text passt sich hervorragend den wunderbaren Scherenschnitten und magisch-schönen Illustrationen des in Mannheim lebenden Exiliraners Mehrdad Zaeri an, die eine Augenweide sind, und einen das wertvolle Buch nur ganz vorsichtig anfassen und umblättern lassen.

Staunend und ehrfürchtig wie ein Kind schaut man als Erwachsener dieses Buch an, ein ganz besonderes Kunstwerk, das seinen stolzen Preis wert ist.

Es ist nicht nur für Kinder geeignet, sondern ziert auch das Regal jedes Liebhabers besonderer Bücher. Die ist mit Sicherheit eines davon.

Wieder beste Freunde

 

 

 

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Katja Reider, Henrike Wilson, Wieder beste Freunde, Coppenrath 2016, ISBN 978-3-649-66790-2

 

Nachdem in ihrem letzten Bilderbuch ein kleiner Bär die Langeweile als einen kreativen Zustand entdeckte, erzählt Henrike Wilson in ihren neuen, von Katja Reider getexteten Bilderbuch die Geschichte der Freundschaft zwischen den großen Bären Schimansky und seinem Freund dem Waschbären Mats.

Richtig gut Freunde sind sie, unternehmen alles gemeinsam, bis es eines Tages zu einem handfesten Streit kommt. Natürlich weiß später keiner der beiden mehr, wie es dazu kam, aber erst einmal reden sie kein Wort mehr miteinander.

Zunächst kommunizieren sie über ihre Freunde, und übermitteln die Botschaft, es gehe ihnen jeweils blendend ohne den Anderen. Das geht eine Zeitlang so, bis alle unendlich müde sind von diesem seltsamen Spiel.

Irgendwann- viel später- , beauftragt Schimansky den verschlafenen Maulwurf: „Sag Mats von mir, dass wir uns nie mehr vertragen!“  Über mehrere Stationen wird die Botschaft weitergegeben und wie bei der Stillen Post verändert sie sich. Am Ende der Kette dann sagt die Ziege zu Mats: „Er ist bereit, sich mit dir zu vertragen!“

Und da beginnt Mats auch schon zu rennen – hin zu seinem besten Freund.

Ein schönes Bilderbuch über wiedergewonnene Freundschaft und auch darüber, wie ein Streit zwischen zweien eine ganze Gemeinschaft belasten kann.

1,2,3,4 Lieblingstier

 

 

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Sabine Lohf, 1,2,3,4, Lieblingstier, Gerstenberg 2016, ISBN 978-3-8369-5895-0

 

Im vergangenen Jahr hatte Sabine Lohf einen ganz außergewöhnlichen Adventskalender vorgelegt in der Form eines Bilderbuches mit schönen Reimen. Es wurde die Geschichte eines Sackes voller Knöpfe erzählt, aus dem Knöpfe für jeden Tag des Advents herausgenommen und  selbstgebastelte Gegenstände damit dekoriert wurden.

Nun veröffentlicht sie eine ACB – Buch mit dem Titel “1,2,3,4 – Lieblingstier“. Hier werden Tiere von A bis Z abgebildet, aber nicht in ihrer ursprünglichen in der Natur vorkommenden Erscheinung, sondern als gebastelte Figuren. In jeweils vier auf der linken Seite abgebildeten und erläuterten Schritten wird erklärt, wie man die auf der rechten Seite abgebildeten Figuren selbst herstellen kann. Ganz unterschiedliche Materialien werden dabei verwendet. Holz, Wolle, Knete, Naturmaterialien wie Maiskolben etwa, Papier und Pappe, Stoffe, Eier, Schrauben und vieles mehr kommen zum kreativen Einsatz.

Eine Liste der verwendeten und zum Nachmachen nötigen Materialien hat Sabine Lohf auf der letzten Seite abgedruckt (44 insgesamt!).

Eine schöne Anleitung für ein kreatives „Sich- durch-das Alphabet-Basteln“.

 

Drüber & Drunter. In aller Welt

 

 

 

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Anne-Sophie Baumann, Drüber Drunter. In aller Welt, Gerstenberg 2016, ISBN 978-3-8369-5925-4

 

Wie sieht die Welt eigentlich von unten aus? Was ist unter dem Polareis, unter einem Vulkan, munter einer Insel, unter der Wüste  und unter dem Regenwald?  Welche Tiere leben dort oder finden ihren Unterschlupf, welche Bodenschichten gibt es dort schon seit ewigen Zeiten und welche Bedeutung haben sie?

 

Mit einem Bilderbuch in ungewöhnlichem Format (32×15) laden Anne-Sophie Baumann und Charline Picard kleine Kinder ab etwa 4 Jahren zu einer Entdeckungsreise unter die Erde ein. Erstaunlich, wieviel Leben es gibt unter der Erde.

 

Viele große und kleine Klappen müssen geöffnet werden, damit die Geheimnisse und Überraschungen des Untergrunds gelüftet werden können. Das Buch bietet viele Informationen, spart aber auch nicht mit lustigen Einwürfen, zum Beispiel dem alten Moped eines wohl in der Wüste Verirrten.

 

Sehr zu empfehlen.

Ich hab dich unendlich lieb…..

 

 

 

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Astrid Debordes, Pauline Martin, Ich hab dich unendlich lieb…, Kleine Gestalten 2016, ISBN 978-3-89955-764-0

 

Dieses Bilderbuch richtet sich an Kinder ebenso wie an Erwachsene. Es erzählt in einer klaren und aufrichtigen Sprache, die von Claudia Sandberg ins Deutsche übertragen wurde, von einer Mutter und ihrem Sohn Max. Der Vater kommt zwar auch vor, hauptsächlich geht es aber in diesem Buch um die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind.

Mit vielen aus dem Alltag des Sohnes herausgegriffenen Beispielen antwortet die Mutter auf die Frage, die jedes Kind bewegt: „Mama, wirst du mich eigentlich für immer liebhaben?“

Und es ist die absolute Bedingungslosigkeit dieser mütterlichen Liebe, die überzeugt und bewegt. Kinder und Müttern werden, wenn sie dieses Buch miteinander lesen und betrachten, vielleicht noch weitere Lebenssituationen entdecken und identifizieren, in denen diese Liebe wahrhaftig wird.

Besonders gut hat mir das Sprachspiel gefallen: „Ich hab dich liebe, wenn du dich anlehnst, und wenn du dich auflehnst.“

Die Illustrationen von Pauline Martin korrespondieren ideal mit dem von Astrid Desbordes gefundenen Wortbeispielen. Sie erwecken sie geradezu zum Leben.

Das Bilderbuch hat mich ein wenig an den Klassiker von Sam McBratney erinnert, der 1994 unter dem Titel „Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab?“ erschienen und seither über zwei Dutzend Auflagen erlebte.

Suchen und Finden mit Kasimir

 

 

 

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Lars Klinting, Suchen und Finden mit Kasimir, Oetinger 2016, ISBN 978-3-78912452-5

 

Lars Klinting hat mit dem kleinen Biber Kasimir eine Bilderbuchfigur erschaffen, die nun schon in insgesamt sieben Bilderbüchern immer wieder seine erstaunlich vielfältigen Talente zeugt. Er kann tischlern, malen, versucht sich als Gärtner, backt Kuchen, näht und  repariert Fahrräder. Immer hat er seinen Freund Frippe dabei, der ihm hilft bei all diesen Tätigkeiten.

 

Nun hat der Verlag  ein Wimmelbuch für kleine Bastler herausgegeben, in dem aus den bisher erschienenen Bänden jeweils eine Seite wieder abgebildet ist, und die Kinder jeweils acht in einem kleinen Kreis am unteren Bildrand abgebildete Gegenstände oder Sache auf dem großen Bild wiederfinden und benennen sollen.

 

Für die Freunde von Kasimir ein schönes Wiedersehen und gleichzeitig ein guter Einstieg in Kasimir – Reihe für die Kinder und Eltern, die ihn erst mit diesem neuen Buch kennenlernen.

Was ist bloß mit Gisbert los?

 

 

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Jochen Weeber, Was ist bloß mit Gisbert los, Patmos 2016, ISBN978-3-8436-0701-8

 

Gisbert ist eine kleine Giraffe. Er hat viele Freunde und gute Eltern. Alles in allem geht es ihm gut und er fühlt sich wohl in seinem Leben. Doch eines Tages hört er hinter seinen Rücken zwei Hyänen tuscheln. Über ihn. Sie machen sich lustig über seine braunen Flecken.  Gisbert weiß nicht, wie ihm geschieht, er erlebt das zum ersten Mal, aber dieses Tuscheln von zwei seiner Freunde macht ihn unsicher und lässt ihn schrumpfen. Vor allem innen.

Das ist, so jedenfalls interpretiere ich die Absicht der beiden Autoren, der Beginn einer Entwicklung, die dann im Laufe der Woche für Gisbert ihren Lauf nimmt. Angeknackst in seinem Selbstbewusstsein und schon verletzt, ohne es zu diesem Zeitpunkt selbst zu wissen, erlebt er weitere Bemerkungen von anderen Freunden als verletzend und schrumpft immer weiter.

Seine besorgten Eltern  spüren, dass etwas mit ihrem Sohn nicht stimmt, doch der verschließt sich und bleibt eine ganze Woche zu Hause. Als seine Freunde, die ihn wohl vermissen, ihm ein kleines Paket vor die Tür stellen, da wird Gisbert schlagartig klar, was mit ihm los ist und er erzählt seinen Eltern die ganze Geschichte.

Diese Öffnung wirkt wie eine Befreiung für Gisbert und schon am nächsten Tag macht er sich wieder auf den Weg zum Spielplatz. Dort begrüßen ihnen die Freunde herzlich, freuen sich, dass er wieder da ist. Und mit neuem Selbstbewusstsein nimmt er auch seine Freuden anders wahr und sie ihn. Plötzlich haben sie gute Worte für ihn. Und Gisbert ist wieder groß geworden.

Eine schöne Geschichte über Wörter die kleinmachen, und Wörter die wachsen lassen.

Alle Tiere schlafen schon

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Dagmar Geisler, Paul Maar, Alle Tiere schlafen schon, Oetinger 2015, ISBN 978-3-7891-6900-7

 

Sieben schöne und vierzeilige Reime von Paul Maar über schlafende kleine und große Tiere hat Dagmar Geisler für dieses schöne Gute-Nacht-Bilderbuch für Kinder ab 18 Monaten mit zarten und farbenfrohen Bildern illustriert.

 

Kleine Schafe und Hasen, ein Kälbchen, eine Fledermaus, ein starker Löwe, ein grüner Frosch und ein kleines Kind können sehr gut kleine Kinder beim Einschlafen begleiten:

„Tiere schlafen gern im Stall

Oder draußen, unter Bäumen.

Menschenkinder sind im Bett,

wenn sie schlafen und dann träumen.“

 

Ein wunderschönes Bilderbuch.