Neujahr

 

 

 

Juli Zeh, Neujahr, Luchterhand Verlag 2018, ISBN 978-3-630-87572-9

 

Henning ist ein moderner Mann. Ein Mann, für den Gleichberechtigung nicht nur ein wohlfeiler Slogan ist. Er, der seinen Beruf als Lektor eines Sachbuchverlags liebt, hat sich zusammen mit seiner Frau Theresa für ein Familienmodell entschieden, wie es nach wie vor nur wenige praktizieren. Beide haben sie ihre gut dotierten Arbeitsstellen halbiert und sich auf dem Dachgeschoß ihres Hauses ein Homeoffice eingerichtet, in dem sie zusätzlich (unentgeltlich natürlich) arbeiten können, wenn die Kinder schlafen. Sie kümmern sich im gleichen Maß um die Familie und die Kinder. Eigentlich sind sie zufrieden mit ihrer jeweiligen Situation.

Doch Henning geht es zunehmend schlecht. Sein Leben überfordert ihn. Familienernährer soll er sein, Ehemann und begehrenswerter Liebhaber und liebevoller Vater seiner Kinder. Jede dieser Rollen möchte er gerne füllen und findet sich in keiner wirklich und befriedigend wieder. Seit sein zweites Kind, seine Tochter Bibbi vor etwa zwei Jahren geboren wurde, leidet er unter schweren Angstzuständen und Panikattacken. Später, als das Buch zu Ende ist, wird dem Leser deutlich werden, warum diese Begegnungen mit dem, was er „ES“ zu nennen gelernt hat, nicht vorher begonnen haben.

 

Seine Frau Theresa versucht ihm zunächst aufrichtig zu helfen, sie probieren Vieles, doch dann gibt sie auf. Henning ist mit seinen Attacken allein und verbirgt sie.

„Manchmal geht er ins Bad und guckt in den Spiegel. Unfassbar, dass man ES nicht sieht. Während das Herz einen irrsinnigen Tanz mit tödlichen Pausen tanzt, sieht sein Gesicht aus wie immer. Natürlich merkt Theresa, was mit ihm los ist. Aber sie sagt nichts dazu. ES ist zu Hennings Privatsache geworden.“

 

Vielleicht hofft er durch den Urlaub, den er heimlich im Internet über Weihachten und Neujahr 2017/2018 für seine Familie gebucht hat, davon loszukommen, wieder Kraft zu schöpfen. Schon während er wochenlang nach Unterkünften auf Lanzarote sucht, erfasst ihn eine seltsame Erregung.

 

Theresa erklärt sich nach einigen Widerständen einverstanden und so verbringen sie die Weihnachtstage in einem kleinen „Scheibenhaus“ in Playa Blanca. Doch Erholung ist das alles nicht. Die Kinder müssen dauernd beschäftigt werden und nur spät am Abend kommen die Eheleute zu sich selbst.

 

Auch ein spontan wenige Tage vor Silvester gebuchtes Silvestermenü stellt sich als Flop heraus, zumal Theresa dort mit einen Franzosen tanzt, und heftig mit ihm flirtet.

 

Nach einer unruhigen und kurzen Nacht steht Henning am Neujahrsmorgen sehr früh auf und fährt mit einem geliehenen Fahrrad den steilen Anstieg nach Femes hinauf. Er hat kaum gefrühstückt, der Sekt von Silvester steckt ihm noch in den Knochen und er hat weder Proviant noch etwas zu trinken mitgenommen.

Auf der Fahrt blickt er in Gedanken zurück auf die Zeit, seit ES ihn besucht. Er weiß, es ist verrückt, kaum zu schaffen. Doch irgendetwas, was während der Fahrt immer stärker wird, treibt ihn nach oben, als hoffe er dort etwas zu finden, was ihn rettet.

 

Als Henning dann endlich, nach langer Qual das 500 m hoch gelegene Femes erreicht, da trifft es ihn wie einen Schlag und er erkennt, dass er schon einmal hier gewesen ist.  Er schiebt sein Fahrrad bis zu einem hoch über dem Ort gelegenen Haus, das ihn magisch anzieht.

 

Dort oben, so erkennt er, war er einmal mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester Luna im Urlaub, zu der ihn bin heute eine ganz besonders enge, aber auch komplizierte Beziehung verbindet. Und er erinnert sich daran, wie sich damals etwas ganz Schreckliches zugetragen hat – so schlimm, dass er es bis heute verdrängt hat, bis ES nach der Geburt von Bibbi wieder hoch kommt.  Was damals geschehen ist, von Juli Zeh über weite Strecken des Buches gekonnt beschrieben, verfolgt ihn  bis heute.

 

Juli Zeh beschreibt in einem gut aufgebauten Familienroman, wie stark unsere Kindheit unser Lebensgefühl bestimmt. Ein Roman, der in der zweiten Hälfte zu einem regelrechten Thriller sich verwandelt, den man atemlos verschlingt. Gekonnt und fast spielerisch arbeitet sie immer wieder mit verschiedenen Ebenen von Zeit und Wahrnehmung. Ihr Psychogramm einer modernen und emanzipierten Ehe und Familie geht unter die Haut, weil es so nahe am eigenen Leben sich abspielt.

 

Auch mit „Neujahr“ zeigt Juli Zeh wieder neu, dass man einen unterhaltsamen Roman schreiben kann, ohne die literarische Qualität aus dem Auge zu verlieren. Ich wünsche mir, dass viele berufstätige Familienmänner und – frauen dieses Buch lesen, sowohl zur Unterhaltung, als auch als Anregung, öfter einmal darüber nachzudenken, wie ihre Kindheit und ihre vielleicht ungeklärte Beziehung zu den Großeltern ihrer Kinder ihr eigenes Leben umschattet und behindert.

 

 

 

 

Gute Reise, Karlchen

 

 

 

Rotraut Susanne Berner, Gute Reise, Karlchen, Hanser 2018, ISBN 978-3-446-26058-0

 

 

Über ein Dutzend Bilderbücher über ihre Lieblingsfigur Karlchen hat die auch durch ihre Wimmelbücher bekannte Autorin und Illustratorin Rotraut Susanne Berner in den letzten zwei Jahrzehnte seit 2001 veröffentlicht und vielen Kindern und den vorlesenden Eltern damit viel Freude gemacht.

 

Karlchen heißt eigentlich Karl Nickel, ist drei bis vielleicht sechs Jahre alt und geht in den Kindergarte, oder ist er mittlerweile schon in der Schule? Er lebt mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester Klara in einem kleinen Ort, wo auch seine Oma Nickel, sein Freund Ole und seine Cousine Käthe wohnen.

 

In „Gute Reise, Karlchen!“ geht es um das Zugfahren. In jedem Jahr in den Sommerferien fährt Karlchen mit Mama und Papa in den Urlaub. Am liebsten fahren sie mit dem Zug. In diesem Jahr darf Karlchen seine beste Freundin Monika mitnehmen.

Als er ihr kurz nach Beginn der Reise die Lokomotive zeigen will, möchte Monika lieber nach hinten durchgehen, während Karlchen durch fünf Waggons nach vorne geht, am Speisewagen vorbei, wo Süßigkeiten locken.

 

Doch er ist müde und schläft im Fahrradwaggon ein. Als er aufwacht, beginnt ein aufregendes Abenteuer um sein verlorenes Portemonnaie.

 

Doch alles geht gut aus, denn in einem fahrenden Zug kann ja nichts verloren gehen. Ein schönes Bilderbuch für Kinder ab etwa drei Jahren.

 

 

 

 

321 superschlaue Dinge, die du unbedingt wissen musst

 

 

 

 

 

Mathilda Masters, 321 superschlaue Dinge, die du unbedingt wissen musst, Hanser 2018, ISBN 978-3-446-26060-3

 

Als Kind habe ich solche Bücher geliebt, auch wenn ich damals keines fand, das von so hoher Qualität in Wort und Bild war, wie das vorliegende von Mathilda Masters mit den tollen Illustrationen von Louize Perdieus.

 

Auf fast 300 Seiten hat die Autorin insgesamt 321 vergnügliche und überraschende, immer aber lehrreiche Informationen und Fakten aus allen Lebensbereichen gesammelt, die sie so aufgeteilt hat:

  • Wundersame Tierwelt
  • Dein Körper, das Wunderwerk
  • Sport ist (meistens) gesund
  • Berühmte und berüchtigte Menschen
  • Eine Reise durch die Geschichte
  • Unser toller Planet Erde
  • Auf Weltreise
  • Die wunderbare Welt der Wissenschaft
  • Über Wörter und Sprache
  • Alles, was da grünt und blüht
  • Zu den Sternen und weiter

 

In diesem Buch können sich wissbegierige Kinder ab etwa 10 Jahren verlieren. Wundern Sie sich nicht, wenn sie bald nachdem die es verschenkt haben, mit allen möglichen Informationen versorgt werden.

 

Ich hätte es damals geliebt.

 

 

 

Meine geniale Freundin

 

Elena Ferrante, Meine geniale Freundin , tb,Suhrkamp 2018, ISBN 978-3-518-46930-9

 

„Meine geniale Freundin“ ist der erste Band einer vierteiligen Romanreihe, die die unter dem Pseudonym Elena Ferrante schreibende italienische Schriftstellerin in den Jahren 2011 ff. unter dem Titel „Neapolitanische Saga“ veröffentlicht hat, und die der Suhrkamp Verlag, der sich die Rechte an dieser Tetralogie gesichert hat, nun in schneller Folge veröffentlicht. Die Bände 2-4 werden sicher in den nächsten beiden Jahren auch als Taschenbuch erscheinen.

Elena erzählt in diesem Werk ihr Leben. Im ersten hier vorliegenden Band geht es um ihre Kindheit und die frühe Jugend und ihre außerordentliche Freundschaft mit Lila, der Tochter eines kleinen Schusters. Beide wohnen in einem armen Stadtteil Neapels, aus dem sie die ersten zehn Jahre ihres Lebens nicht herauskommen.

 

Elena beschreibt das Auf und Ab einer sehr ungewöhnliche Freundschaft zwischen zwei Mädchen, das von ihrer Seite jedenfalls durchgängig geprägt ist von einer Konkurrenz, für die sich Elena oft schämt, aus der sich aber nicht entrinnen kann.  Immer wieder glaubt sie, sich selbst und ihre Freundin zu kennen, genau einschätzen zu können, wie sich ihr Verhältnis gestaltet, und ist dann doch immer wieder überrascht, über die Jahre permanent Neues zu entdecken.

 

Der Roman ist nicht nur eine absolut lesenswerte und spannende Kulturgeschichte  und ein Sittenbild des armen Neapels nach dem Zweiten Weltkrieg, sondern führt auch in der frühen Lebensgeschichte Elenas, die in den folgenden Bänden  fortgesetzt wird, schon den Einfluss der Camorra ein, die auf das Leben ihrer Freundin Lila bald einen wichtigen Einfluss haben wird.

 

Sechs Jahrzehnte werden Elena und Lila Freundinnen bleiben, bis die eine spurlos verschwindet (dies wird in einem Prolog beschrieben) und die andere daraufhin beginnt, auf alles Gemeinsame zurückzublicken, um hinter das Rätsel dieses Verschwindens zu kommen.

 

Das Buch und die ganze Reihe ist von der Literaturkritik gelobt worden, wie ich finde zu Recht. Ich halte es für ein mit großer Kraft geschriebenes Meisterwerk über die große Macht und Kraft einer lebenslangen Freundschaft.

 

Ich war atemlos begeistert von diesem auch sprachlich anspruchsvollen Buch.

 

 

 

 

Stille Nacht. Ein Lied geht um die Welt

 

 

 

 

 

 

 

Brigitte Weninger, Julie Wintz-Litty, Stille Nacht. Ein Lied geht um die Welt, NordSüd Verlag 2018, ISBN 978-3-314-10445-9

 

Es ist eines der bekanntesten Weihnachtslieder ist „Stille Nacht“, ein Lied, das Menschen in aller Welt verbindet und bis heute in mehr als 300 Sprachen gesungen wird, immer dann wenn die Feier der Geburt Jesu Menschen in Kirchen, Häusern und Hütten zusammenbringt. Als ich zu Beginn der 80 er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in einem Dezember meine erste Pfarrstelle übernahm und am Heiligen Abend in den Gottesdiensten dieses Lied mit der Gemeinde singen wollte, musste ich Kopien herstellen, denn das Lied war im Gesangbuch nicht zu finden. Über eine sehr lange Zeit hatte zumindest die protestantische Theologie dieses wunderbare Lied als kitschig denunziert und ihm die Aufnahme in die Gesangbücher verweigert. Wie froh war meine neue Gemeinde, als sie endlich in der dunklen, nur von den Lichtern des Weihnachtsbaums erleuchteten Kirche ihr beliebtes Lied singen konnten. Ich werde diese Stimmung nie vergessen und habe dieses schöne Lied seitdem an jedem Heiligen Abend in die Liturgie eingebaut.

 

In dem vorliegenden von Julie Wintz-Litty mit zarten Aquarellbildern illustrierten Bilderbuch erzählt die bekannte Kinderbuchautorin Brigitte Weninger  sehr kindgerecht die spannende und bewegende Entstehungsgeschichte dieses berühmten Weihnachtslieds.

 

Als am Heiligen Abend 1818 in einem bitter kalten Winter in Oberndorf in Österreich die Orgel ausgefallen ist, haben der junge Hilfspriester Joseph Mohr und der Lehrer Franz Xaver Gruber die Idee, ihre Gemeinde, die unter bitterer Armut leidet, in diesem Jahr bei der Christmette mit einem neuen Lied zu erfreuen.

 

Schon an diesem ersten Weihnachten bei der Premiere haben die Menschen gespürt, was das Besondere an diesem Lied ist, wie es ihre Herzen wärmt und ihre Seelen tröstet. Und später, als durch den Orgelbauer Carl Mauracher und die Zillertaler Familien Strasser und Rainer das Lied zunächst in ganz Tirol bekannt wurde und später in der ganzen Welt gesungen wurde, spürten immer mehr Menschen das gleiche.

 

Ich habe hartgesottene Männer bei diesem Lied am Heiligen Abend weinen sehen, und immer wieder in die strahlenden Augen der Kinder blicken dürfen, wenn wir dieses Lied gesungen haben.

 

Es ist ein Stück gelebter Volksfrömmigkeit, die trotz heftiger Missachtung durch die etablierte Theologie auf eine wunderbare Weise lebendig geblieben ist. Es Kindern nahezubringen ist wichtig, denn dieses Lied wird sie später trösten können.

 

 

Die Rezepte meines Lebens

 

Alfred Biolek, Die Rezepte meines Lebens, Tre Torri 2018, ISBN 978-3-96033-047-9

 

Sicher sind etliche der insgesamt 600 Rezepte, die Alfred Biolek in  dem vorliegenden exklusiv aufgemachten Kochbuch aus dem Tre Torri Verlag schon früheren Kochbüchern von ihm veröffentlicht worden. Dennoch sind die über Jahrzehnte von dem bekannten Fernsehmoderator und Hobbykoch gesammelte Lieblingsrezepte nicht nur für Küchenanfänger, sondern auch für versierte Hobbyköche interessant. Da gibt es kleine und große Leckereien, Gerichte für Familie und Gäste und  jede Menge Köstlichkeiten fürs Dessert. In insgesamt 17 Kapiteln hat er seine Rezepte aufgeteilt, von Saucen und Dips, über kleine Gerichte und Fischgerichte, bis hin zu Lamm und Wild.

 

Die Zubereitungen sind sehr gut und auch für Kochanfänge leicht verständlich beschrieben und deshalb einfach nachzukochen. Die meisten Gerichte brauchen auch gar nicht lange. Mahlzeiten, die eine längere Zubereitungszeit benötigen, sind mit einem Muschelsymbol versehen.

 

Wie immer legt Alfred Biolek großen Wert auf die Verwendung hochwertiger Zutaten. Für ihn ist die Qualität seiner Zutaten essentiell für das Gelingen du n den schlussendlichen Genuss einer Mahlzeit.

 

Sehr hochwertig aufgemacht, eignet sich dieses Kochbuch hervorragend als Gastgeschenk für die nächste Einladung bei einem befreundeten Hobbykoch.

 

 

 

Der Graben

 

 

 

 

Herman Koch, Der Graben, Kiepenheuer & Witsch 2018, ISBN 978-3-462-05082-0

 

Robert Walter, die Hauptfigur des neuen Romans des bekannten niederländischen Schriftstellers Herman Koch, ist ein beliebter und in der Öffentlichkeit seiner Stadt als Bürgermeister bekannter Mann. Durch seine Tätigkeit trifft er Hollande und Obama. Eigentlich sollte er vor Selbstbewusstsein strotzen und sich in seinem Erfolg und seiner Beliebtheit sonnen. Doch er hat ein  großes Problem. Er kann seinen eigenen Wahrnehmungen nicht mehr trauen. Es geht los damit, dass er bei einem Neujahrsempfang seine Frau Sylvia dabei beobachtet, wie sie sich angeregt mit seinem politischen Erzfeind, dem Dezernenten Hoogstraten unterhält. Für ihn ist sofort klar, dass seine Frau ihm untreu ist und mit dem Dezernenten ein Verhältnis hat, denn dass sie miteinander flüstern, macht sie verdächtig. Wieso befasst sie sich ausgerechnet mit  seinem Konkurrenten, dem sterbenslangweiligen Maarten van Hoogstraten?

 

Doch es ist nicht nur diese Beobachtung, die ihn umtreibt. Auch in seinem weiteren Umfeld scheinen sich Abgründe aufzutun, wobei jeweils nie sicher ist, was Realität ist und was der Phantasie von Robert entsprungen ist. Immer wieder kehren seine Gedanken zum Verhalten seiner Frau zurück. Geradezu manisch beobachtet und interpretiert er jedes kleine Detail ihres Verhaltens und auch der Dezernent steht unter permanenter Beobachtung.

 

Herman Koch beschreibt scharfsinnig und mit viel hintergründigem Humor einen erfolgreichen Mann, der getrieben von seinen immer heftiger werdenden Wahnvorstellungen, so lange nicht ruht, bis er den Ast, auf dem er sitzt, mit seinem Verhalten wirklich abgesägt hat.

 

Und es ist nicht nur das angebliche Verhältnis seiner Frau, mit der er doch nach dem Auszug der Tochter eine neue Basis finden sollte, das ihn umtreibt. Seine sehr alten Eltern teilen ihm  mit, dass sie trotz guter Gesundheit selbstbestimmt aus dem Leben zu scheiden gedenken und eine Journalistin wühlt in Roberts Vergangenheit und fördert Skandalöses zutage. Hat er wirklich in seiner Jugend ein Verbrechen begangen?

 

„Der Graben“ ist eine psychologisch hintergründige Geschichte einer Ehe, die immer weiter sich zuspitzt und gegen Ende wirklich spannend wird. Am Ende angekommen, wirkt das Buch und seinen Titel mit seinen vielfältigen Bedeutungen noch lange nach.

 

Die Orient-Mission des Leutnant Stern

 

Jakob Hein, Die Orient-Mission des Leutnant Stern, Galiani Verlag 2018, ISBN 978-3-86971-172-0

 

Jakob Hein hat in seinem neuen Roman das Genre hin zu einem historischen Roman gewechselt und ist sich doch in seinem Stil absolut treu geblieben. Er erzählt auf etwa 240 Seiten die wahre Geschichte des jüdischen Leutnants Edgar Stern, der 1914 zu Beginn  des Ersten Weltkriegs von Wilhelm II. mit einem besonderen Auftrag ausgestattet wurde.

Es geht um einen kuriosen Plan. Edgar Stern soll mit einer als Zirkus getarnten Gruppe von 14 muslimischen Gefangenen in Konstantinopel den dortigen Sultan als Verbündeten des Deutschen Reichs gewinnen. Ein Plan, so die Überlegungen der Armeeleitung, der Deutschland einen schnellen Sieg in einem Krieg bringen sollte, der wie wir wissen dann über vier Jahre dauerte.  Wenn es gelänge, dass der türkische Sultan für das befreundete Deutsche Reich den Dschihad ausruft und sich daraufhin alle Muslime – vor allem die in den Kolonien – gegen die britischen und französischen Gegner erheben, müsste die Schlacht schnell entschieden sein. Mit der feierlichen Freilassung von 14 muslimischen Gefangen soll die Gunst des Sultans erworben werden.

 

Vorher aber muss Edgar Stern die 14 Männer ohne aufzufallen durch ganz Europa schleussen. Stern hat einen Hang zu unkonventionellen militärischen Lösungen und außerdem besitzt er das, was die meisten Deutschen nicht hatten: Chuzpe.

Jakob Hein sagt zu seinem sehr amüsanten Roman: „Manche Geschichten würde einem der Leser nicht abnehmen, weil sie zu fantastisch, zu bizarr und zu konstruiert klingen. Aber diese Geschichte ist so passiert.“

 

Dieser historische und durchaus unterhaltsame Roman handelt durchaus von Aktuellem: es geht um  Fluchtgeschichten, um Glaubensfragen, um Antisemitismus – alles das wirkt unglaublich gegenwärtig.

 

Ein sehr gelungener Roman, der Jakob Heins Schreibkunst erneut überzeugend unter Beweis stellt.

 

 

 

 

 

 

 

Frohe Weihnachten, Charlie

 

 

 

Stephan Goetz, Dorothes Ackroyd, Frohe Weihnachten, Charlie, Coppenrath 2018, ISBN 978-3-649-62718-0

 

Der kleine Dalmatiner Charlie ist aus unbekannten Gründen schon als kleines Hundebaby ins Tierheim gekommen. Dort kann er sich gegen die drei kräftigen Rowdys, mit denen er in einem Zwinger lebt, nicht durchsetzen, und sitzt schließlich den ganzen Tag traurig in einer Ecke.

Dort findet ihn, wie er sehr anschaulich und unterhaltsam selbst erzählt, eine Familie, die ins Tierheim gekommen ist, um dort einen Familienhund zu finden. Die vierköpfige Familie nimmt Charlie mit in ihr Haus.

 

Charlie kennt nichts anderes als das Tierheim und so macht er jeden Tag immer wieder neue Erfahrungen, von denen er auf eine rührende und amüsante Weise erzählt.

 

Es ist Adventszeit und Charlie schildert die für ihn unbekannten  Bräuche in seiner neuen Familie. Überall ist er dabei, tritt oft ins Fettnäpfchen bzw. in gefüllte Stiefel vor der Tür und erlebt schließlich sein erstes Weihnachtsfest unter dem Baum, den sie einige Tage vorher im verschneiten Wald geschlagen hatten.

 

Charlie lässt die Kinder, denen dieses an Text sehr reiche Bilderbuch vorgelesen wird auf eine witzige Weise die ihnen bekannten Advents- und Weihnachtsbräuche auf eine ganz andere, eben seine Art erleben.

 

Und am Ende fasst er eine Erfahrung zusammen, die viele Kinder genauso erleben: „Irgendwann war dann alles vorbei, aber eins weiß ich ganz bestimmt: Die Zeit, die mit dem verflixten Stiefel begann und mit dem leuchtenden Baum aufhörte, war die komischste, aufregendste und wunderbarste Zeit in meinem Leben!“

 

Mit einer lebendigen und frischen Sprache lässt Stephan Goetz den kleinen Hund Charlie von seinem ersten Weihnachten erzählen.

Dorotheas Ackroyd hat diese unterhaltsame Geschichte für die ganze Familie zart und liebevoll illustriert.

 

 

 

Die magische Insel der Tiere

 

 

Lotta Bieberstein, Die magische Insel der Tiere, Ravensburger Verlag 2018, ISBN 978-3-473-55416-4

 

Vor vielen Jahren hatte der Ravensburger Verlag 2010 mit seinem TipToi Stift und den entsprechenden Büchern eine vollkommen neue  Weise ermöglicht, wie Kinder interaktiv mit Büchern und neuem Wissen umgehen können. Tip Toi ist ein audiovisuelles Lernsystem für Bücher und Spiele, mit dem die Kinder die Welt spielerisch entdecken. Tippt das Kind mit dem Stift auf ein Bild oder einen Text oder ein entsprechendes Symbol, erklingen passende Geräusche, Sprache oder auch Musik. Eine intelligente Elektronik ermöglicht Kindern, Bücher und Spiele völlig eigenständig immer wieder neu zu erleben.

 

Nun hat der Verlag einen neuen Stuft produziert, „TiptoiCreate“, und wird wohl alle neuen Bücher nach diesem System ausrichten. Zusätzlich zum alten Stift ist im neuen ein Mikrofon integriert, das es Kindern ermöglicht, Geräusche und Sprache selbst aufzunehmen. Nach wie vor ist der Stift leicht zu bedienen und passt in jede Kinderhand.

 

In dem vorliegenden neuen Buch von Lotta Lieberstein mit Illustrationen von Katja Rau werden die Kinder auf eine magische Insel entführt, auf der eine tierische Piratencrew gelandet ist. Die Bewohner der Insel können fliegen, Blitze schießen und spektakuläre Frisuren zaubern. Ob die Crew es wohl schaffen wird, das Geheimnis der Insel zu ergründen und ihr Rätsel zu lösen?

Dabei ist die Mithilfe der Kinder nötig. Es gilt Geschichten zu erfinden, Logbuch zu führen oder Witze zu erzählen. Ganz spielerisch trainiert tiptoi® CREATE so die Kreativität und Sprachkompetenz kleiner Entdecker.

 

Hat man den Stift einmal angeschafft, kann er sicher für viel Jahre und viele weitere Bücher nach diesem System genutzt werden.