Schlagwort-Archiv: Bilderbuch

Klein

 

 

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Stina Wirsen, Klein, Klett Kinderbuch 20916, ISBN 978-3-95470-131-5

Schon das Vorwort zeigt, dass das vorliegende Bilderbuch kein gewöhnliches ist, sondern ein ausgesprochen heikles Thema aufgreift und bearbeitet:

„Niemand, der erwachsen ist, darf Angst machen oder schlagen. Wir, die wir dieses Buch gemacht haben, hoffen, dass es Kindern helfen kann, die zu Hause Angst haben müssen. Und dass es Erwachsene daran erinnert, dass alle, die groß sind, Verantwortung für die tragen, die klein sind.“

Da ist Klein und seine Eltern Groß und Stark. Klein mag es sehr, wenn zu Hause alles schön ist und es keinen Streit gibt.  Doch das ist leider selten der Fall. Immer wieder gibt es großen Streit, bei dem einer der Eltern das Haus verlässt. Klein versucht zu schlichten und zu trösten – vergeblich. Doch da sind zwei andere Wesen, die Klein für kurze Zeit das häusliche Elend vergessen lassen. Zum einen seine Erzieherin Frau Traulich in seiner Kita und zum andern der Nachbar Jemand, der ihn  fragt ob er traurig ist. Klein verneint, aber er ist traurig. „Im ganzen Bauch und im Kopf und in den Armen auch.“ Eine sprachlich gelungene Beschreibung einer kindlichen Depression.

Klein öffnet sich Frau Traulich und erzählt ihr von seinen Gefühlen. „Frau Traulich hört zu. Frau Traulich hört alles.“ Und sie sagt: „Du bist klein. Du bist gut. Dir darf man keine Angst machen.“

Und sie handelt und hilft Klein, weil er viele fröhliche Tage ohne Streit braucht.

Worin diese Hilfe genau besteht, und was mit Groß und Stark ist, bleibt offen. Wichtig bleibt die Botschaft an Kinder, denen es ähnlich geht, sich in der Kita zu offenbaren. Und die Botschaft an die Erzieherinnen, nicht wegzuschauen, sondern sich dieser Kinder anzunehmen.

Ein Bilderbuch, das in keiner Kindertagesstätte fehlen und von mutigen und erfahrenen Erzieherinnen eingesetzt werden sollte.

 

 

Psst! War da was?

 

 

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Gianna Marino, Psst. War da was, Ravensburger Verlag 2016, ISBN 978-3-473-44676-6

 

In einem lustigen und gleichzeitig sehr informativen Bilderbuch hat die Amerikanerin Gianna Marino ein Bilderbuch geschrieben und illustriert, das kleinen Kindern zum einen nahe bringen will, dass in der Nacht, wenn sie schlafen, eine Menge nachtaktiver Tiere unterwegs sind. Zu Beginn werden diese Tiere auf der vorderen Umschlagseite alle vorgestellt. Manche davon sind deutschen Kindern fremd, weil sie nur in den USA leben, andere kennen sie durchaus.

Da sind das Opossum, das Stinktier, der Flughund, der Wolf, der Grizzlybär und der Uhu.

Zum anderen hilft sie den Kindern, die dieses Buch betrachten, ihre Angst vor der Dunkelheit der Nacht besser anzunehmen und zu bewältigen. Denn in der lustigen Geschichte, die sie erzählt, fürchtet sch sogar der Wolf vor der Dunkelheit.

Julia Bernhard hat den Text aus dem Amerikanischen  übersetzt und die witzigen Illustrationen Gianna Marino sprechen für sich selbst.

 

Das Buch macht, dass die Dunkelheit weniger unheimlich ist.

999 Froschgeschwister und ein kleiner Bruder

 

 

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Ken Kimura, Yasunari Murakami, 999 Froschgeschwister und ein kleiner Bruder, NordSüd 2015, ISBN 978-3-314-10291-2

 

Nach zwei erfolgreichen Bilderbüchern über die 999 Froschgeschwister, von denen das erste für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2012 nominiert war, legt das japanische Autorenpaar nun im NordSüd Verlag aus Zürich das dritte Bilderbuch über eine Froschfamilie vor, das erneut zeigt, welche Kräfte sie entfalten kann, wenn sie zusammenhält.

So wie im ersten Buch sind die 999 Froschgeschwister zu Beginn noch alle kleine Kaulquappen. Allen sind schon Hinterbeine gewachsen, nur die kleinste hat noch keine. „Wartet auf mich!“ ruft sie ihren Geschwistern hinterher. Auch die nächsten beiden Entwicklungsstufen durchläuft sie verzögert, als sie einen kleinen Flusskrebs kennenlernt. Der nennt sie zu ihrer großen Freude gleich seinen großen Bruder und sie spielen schön miteinander.

Doch über Nacht ist der kleine Flusskrebs offenbar mit seiner Mutter verschwunden. Unser kleiner Held macht sich auf die Suche und begegnet einer Schlange, die ihn fressen will. Doch da taucht plötzlich der kleine Bruder auf, lenkt die Schlange ab und mit der vereinten Hilfe der 998 anderen Geschwister schlagen sie die Schlange in die Flucht.

 

Gemeinsam sind Geschwister stark.

 

Wer war`s wo?

 

 

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Olivier Tallec, Wer wars wo, Gerstenberg 2016, ISBN 978-3-8369-5887-5

 

Auf insgesamt zwölf im ungewohnten Querformat anzuschauenden Seiten hat der französische Kinderbuchautor Olivier Tallec jeweils fünf Figuren abgebildet. Mit viel Fantasie gezeichnet und witzig und originell verkleidet, tun Tiere und Kinder so, als wären sie es nicht gewesen.

Doch zu jeder der zwölf Fragen gibt es eine Lösung. Eine von ihnen war es gewesen.

• Wer hat seien Jacke an der Garderobe vergessen?
• Wer schaut sich im Spiegel an?
• Wer ist in den Farbeimer getreten?
• Wer spukt als Gespenst herum?

Das sind nur ein Drittel der Suchfragen, mit denen Olivier Tallec seine kleinen Leser auf die Spur setzt. Die Lösung jeweils herauszubekommen ist auf den ersten Blick gar nicht so einfach. Es erfordert genaues Hinschauen und Spürsinn.

Auf der letzten Seite eines ungewöhnlich originellen Bilderbuchs sind die jeweiligen Lösungen abgebildet, sodass beim nächsten Versuch die Identifikation des „Täters“ besser gelingt.

Eine schöne Idee.

Alle einsteigen! Bauer Max hat Geburtstag

 

 

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Susanne Weber, Alle einsteigen. Bauer Max hat Geburtstag, Orell Füssli 2015, ISBN 978-3-280-03505-4

 

In einem schönen in Reimen gefassten Bilderbuch, das Catharina Westphal lustig illustriert hat, erzählt Susanne Weber, wie der Bauer Max, nachdem er alle Tiere zu seiner großen Geburtstagsparty im Festzelt eingeladen hat, diese nacheinander mit seinem Trecker und seinem Hänger abholt. Erst kommt eins, dann stiegen zwei zu, dann drei – langsam, während die kleinen Kinder mitzählen können, wird der Platz knapp auf dem Hänger.

Doch das tut der anschließenden Feier im Zelt keinen Abbruch. Eine lustige Geschichte in schönen Reimen mit vielen Überraschungsklappen.

Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht einschlafen konnte

 

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Sabine Bohlmann, Kerstin Schoene, Die Geschichte vom kleinen Siebenschläfer, der nicht einschlafen konnte, Thienemann 2016, ISBN 978-3-522-45819-1

 

Im Herbst kommt für die Siebenschläfer die Zeit für den Winterschlaf. Normalerweise funktioniert das auch bei den kleinen Siebenschläfern ganz gut.

Die Mutter des kleinen Tieres, das in diesem Bilderbuch die Hauptrolle spielt und mit dem sich die das Buch anschauenden Kinder identifizieren sollen, hat dafür auch gute Ratschläge:
„Einschlafen ist gar nicht so schwer. Mach die Augen zu und denk an lauter schöne Dinge, und dann wirst du sehen, wie einfach das geht!“

Doch manchmal ist es halt nicht so einfach, wie die Mütter sich das vorstellen oder wünschen. Der kleine Siebenschläfer hat echte Probleme mit dem Einschlafen. Alle Aufmunterungen der Mutter nützen nichts. Der Fuchs schlägt ihm vor, Schäfchen zu zählen, die Nachtigall singt ihm ihr schönstes Lied, so lange bis sie selbst einschläft.

Mit der Schnecke rennt er um den Block und die Eule erzählt eine Gute-Nacht-Geschichte, bis auch ihr die Augen zufallen. Es kommen noch zum Einsatz: eine Fledermaus und ein großer Bär, alle ohne Erfolg.

Der kleine Siebenschläfer beginnt schon Pläne zu machen, was er – wenn er denn schon nicht schlafen kann – in den sieben Monaten des Winterschlafs der anderen alles anstellen könnte – und in diesem Träumen schläft er ein.

Eine schöne und lustig illustrierte Gute-Nacht-Geschichte für alle, die manchmal nicht einschlafen können.

ZiegenHundeKrähenMama

 

 

 

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Katharina Tanner, Lihie Jacob, Ziegenhundekrähenmama, Atlantis 2016, ISBN 978-3-7152-0707-0

 

Dieses Bilderbuch von Katharina Tanner mit eindrucksvollen Illustrationen von Lihie Jacob erzählt von zwei Kindern, deren Mutter in eine tiefe Depression verfallen ist. Es gibt auch noch einen Vater, der sich redlich müht, aber mit der Situation verständlicherweise auch überfordert ist. So müssen die Kinder alleine mit der Lage klarkommen. Aus ihrer Sicht ist das Buch auch erzählt, mit einer klaren und direkten Sprache.

Lange war die Mama von Laute Lotte und Kleiner Paul eine ganz normale Mama. Doch plötzlich, so scheint es jedenfalls liegt sie nur noch auf dem Sofa, guckt Löcher in die Luft und meckert nur.mn „Wie eine Ziege!“, so empfinden es die  beiden Geschwister und versuchen, die lethargische Mutter von ihrem Ziegendasein zu befreien. Doch Mama mag nicht. Mehr noch: Sie verwandelt sich weiter, von der meckernden Ziege in einen bellenden Hund und später in eine krächzende Krähe.

Sind die Kinder zunächst noch ausgelassen und toben herum, beginnt die Krankheit der Mutter sie bald auch zu verändern, Sie werden traurig. Als sie sich Mamas Lieblingswetter wünschen, fängt es im Wohnzimmer an zu schneien und die Kinder verirren sich selbst in ihren Vorstellungen, aus denen sie auch der Vater nicht herausholen kann.

Doch irgendwann, sie haben in Mamas Armen geschlafen, steht Mama wieder auf. Sie ist wieder ein Mensch und alle miteinander musizieren und singen sie.

Doch dass dieses glückliche Ende nur vorläufig ist wird bald klar. Die Krankheit der Mutter wird so schnell nicht verschwinden.

Es ist nicht leicht für ein Bilderbuch Worte zu finden, die eine psychische Krankheit beschreiben und erst recht nicht, sie adäquat zu illustrieren. Katharina Tanner und Lihie Jacob ist das in diesem Bilderbuch gut gelungen. Der Psychiater Alain di Gallo sagt zu diesem Buch und seinem Thema:

„Das Wichtigste ist, dass man die Kinder altersgemäss informiert, ihnen klar vermittelt, was los ist. Der kranke Elternteil kann das häufig nicht, er hat  allein nicht die Kraft dazu. Da ist es hilfreich, wenn der gesunde Partner die Situation auffangen kann. Es können aber auch andere  Menschen aus dem Umfeld diese Aufgabe übernehmen, Grosseltern, Paten, Lehrer oder Ärzte. Das Wichtigste ist einfach, dass man nicht schweigt.“

 

 

 

 

Erkläre mir unseren Glauben

 

 

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Antoinette Lühmann, Erklär mir unseren Glauben, Coppenrath 2016, ISBN 978-3-649-62130-0

 

In diesem wunderbaren Buch für Kinder ab etwa drei Jahren, das Kerstin Schuld kindgerecht und bunt illustriert hat, beschreibt die Pfarrerin Antoinette Lühmann in einfacher Sprache, woran Christen glauben.  Sie beginnt mit dem Glaubensbekenntnis, das im Original abgedruckt ist und erklärt dann sehr anschaulich, welche Bedeutung die drei Artikel über Gott, Jesus und den Heiligen Geist bedeuten.

Es folgen Kapitel über die Zehn  Gebote, das Beten, das Abendmahl als Feier der Gemeinschaft und über die Taufe.

Die zentrale Aussage steht am Ende. „Du sollst Gott von ganzem Herzen lieb haben. Liebe auch dich und die anderen Menschen. Denn jeder ist einzigartig und niemand soll von einem anderen verletzt werden. Wir sind alle Gottes Kinder und werden von unserem Vater im Himmel geliebt.“

Dieses schöne Buch macht nicht nur die kleinen Kinder, denen es vorgelesen wird mit den Grundlagen des christlichen Glaubens bekannt, sondern ruft auch den Erwachsenen in Erinnerung, worauf sie sich als Christen berufen.

Der Füsch

 

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Hanna Johansen, Rotraut Susanne Berner, Der Füsch, Hanser 2015, ISBN 978-3-446-24779-6

 

Dieses wunderschöne Bilderbuch, ein von Rotraut Susanne Berner genial illustriertes Loblied auf die Phantasie von Kindern, ist 1995 zum ersten Mal erschienen und wird hier vom Hanser Verlag in einer vierten Auflage als Neuausgabe einer neuen Generation von Eltern und Kindern präsentiert.

Es erzählt von dem Mädchen Dodo, die sich in diesem Jahr „fast nichts“ zum Geburtstag wünscht. Nur einen „Füsch“, wie sie das ausspricht, hätte sie gerne. Dodo hat verständnisvolle Eltern und so bekommt sie ein Aquarium mit Wasserpflanzen und einen Fisch.

Doch ihr „Füsch“ ist weit mehr als ein einfacher Fisch. In Dodos Phantasie kann er sprechen, seine Farbe verändern. Nie ist er müde und immer gut aufgelegt. Dodo spricht mit dem Füsch, zeigt ihm ihre Spielsachen und erzählt von ihrer Welt. Und der Füsch zeigt ihr, wie sich das Leben unter Wasser anfühlt.

Es ist ein zauberhaftes Bilderbuch, das die Phantasie von Kindern ernst nimmt und sie in wunderbaren Bildern ausmalt.

 

 

Ein Haufen Freunde hält zusammen

 

 

 

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Kerstin Schoene, Ein Haufen Freunde hält zusammen, Thienemann 2016, ISBN 978-3-522-45817-7

 

Mit „Ein Haufen Freunde“, einer Geschichte über einen Pinguin im Zoo, der traurig darüber ist, das er nicht fliegen kann und mit Hilfe einer genialen, von seinen Freunden, den anderen Zootieren, gebildeten vertikalen Kette schlussendlich die Erfahrung des Fliegens machen kann, hatte Kerstin Schoene 2012 großen Erfolg.

Klar, dass sie diesem erfolgreichen und von vielen Kindern geliebten Buch einen Nachfolger hinterherschickt. Wieder spielt es im Zoo und im Mittelpunkt steht dieses Mal eine kleine Schildkröte. Sie ist auch traurig, denn so sehr sie sich auch anstrengt, immer ist sie viel zu langsam.

Doch „ein Haufen Freunde hält zusammen“! In einer wiederum genialen Idee bilden die anderen Tiere mit ihren großen und kleinen (für die Lücken enorm wichtig!) Körpern eine Art schiefe Ebene, auf der die Schildkröte hinabsausen kann.

Noch nie im Leben war sie so schnell! Ein schönes Bilderbuch über das Zeithaben und dass man sich für eine Freundschaft Zeit nehmen muss.